ÖAMTC-Flugrettung investiert in eine neue Generation von Rettungshubschraubern

josef

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Neue Hubschrauber für Flugrettung geplant

Die ÖAMTC-Flugrettung investiert in eine neue Generation von Rettungshubschraubern. Hintergrund sind steigende Einsatzzahlen und neue technische Anforderungen. Die ersten Maschinen sollen ab 2026 bzw. 2028 in Betrieb gehen.
Online seit gestern 04.04.2026, 19.58 Uhr
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Die Flugrettung in Österreich ist stark gefordert: Im Jahr 2025 wurden die Crews zu mehr als 21.600 Einsätzen alarmiert, im Schnitt rund 60 Mal täglich. Auch in Niederösterreich zeigt sich ein langfristiger Trend nach oben, die Einsatzzahlen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von knapp 2.600 im Jahr 2001 auf rund 5.000 Einsätze pro Jahr im Jahr 2025 nahezu verdoppelt.

Die Rolle der Flugrettung habe sich dabei deutlich verändert, sagt der Geschäftsführer der ÖAMTC-Flugrettung, Marco Trefanitz, gegenüber noe.ORF.at: „In der Vergangenheit war der Rettungshubschrauber das letzte Mittel. Heute sind wir ein integraler Bestandteil des Rettungswesens.“

Mehr Einsätze, neue Anforderungen
Auffällig sei: Ein Großteil der Einsätze betreffe keine Unfälle, sondern medizinische Notfälle. Besonders häufig gehe es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologische Notfälle wie Schlaganfälle. Gerade hier sei der Zeitfaktor entscheidend, so Trefanitz. Der Hubschrauber könne große Distanzen in kurzer Zeit überbrücken, ein klarer Vorteil gegenüber bodengebundenen Rettungsmitteln.

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ÖAMTC-Flugrettung
Da die Flotte der ÖAMTC-Flugrettung in die Jahre gekommen ist, werden neue Hubschrauber angeschafft
Airbus Helicopters
Durch fünf Rotorblätter sollen die neuen Maschinen auch leiser als die aktuellen ÖAMTC-Rettungshubschrauber sein

Airbus Helicopters
Die Hubschrauber-Type wurde vom Hersteller unter Extrem-Kälte-Bedingungen in Finnland getestet

Airbus Helicopters
Die Hubschrauber vom Typ Airbus A140 müssen auch schwierigen Bedingungen, wie bei Gebirgsflügen, standhalten

Airbus Helicopters
Die größere Kabine in den neuen Maschinen soll für die Rettungscrew die Arbeit am Patienten erleichtern

Airbus Helicopters
Satellitengestütztes Anflugverfahren (PinS) in Hubschraubern ermöglicht präzise Landungen bei schlechtem Wetter

Gleichzeitig stoße das System auch an Grenzen. Vor allem das Wetter könne Einsätze verhindern: „Bei schlechter Sicht müssen Hubschrauber oft am Boden bleiben“, erklärt Trefanitz. Neue technische Verfahren wie „Point in Space“, eine Art satellitengestützte Flugroute, sollen künftig helfen, diese Einschränkungen zu reduzieren.

Neue Hubschrauber ab 2026 und 2028
Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, setzt die ÖAMTC-Flugrettung auf eine schrittweise Erneuerung der Flotte. Derzeit sind österreichweit 29 Hubschrauber im Einsatz, überwiegend vom Typ H135.

Ein neuer Rahmenvertrag mit Airbus Helicopters sieht vor, ältere Maschinen durch modernere Modelle zu ersetzen. Der Vertrag wurde Anfang März unterzeichnet. Insgesamt sollen 15 neue Maschinen angeschafft werden. Erste neue Hubschrauber des Typs H135 sollen bereits ab Ende 2026 ausgeliefert werden, die neue Generation H140 wird ab 2028 erwartet.

Wie hoch das Investitionsvolumen ist, wollte Trefanitz gegenüber noe.ORF.at nicht sagen: „Wir dürfen leider über die Summe keine Aussage treffen. Da bestehen in den Verträgen Verschwiegenheitsklauseln.“ Die neuen Modelle bieten laut Trefanitz unter anderem mehr Platz im Innenraum, eine bessere medizinische Ausstattung und modernere Technik. Auch der Einsatz bei schwierigen Bedingungen soll dadurch verbessert werden.

Produktion international, Komponenten aus Niederösterreich
Die Hubschrauber werden im deutschen Donauwörth gefertigt. An ihrer Entwicklung war die ÖAMTC-Flugrettung selbst beteiligt. Gemeinsam mit anderen europäischen Betreibern brachte man praktische Erfahrung aus dem Rettungseinsatz ein, etwa bei der Gestaltung des Innenraums oder bei Anforderungen an die Flugleistung.
Gleichzeitig spielt auch Niederösterreich eine Rolle in der internationalen Lieferkette. Das Unternehmen Test-Fuchs mit Sitz in Groß-Siegharts (Bezirk Waidhofen / Thaya) liefert Komponenten für Airbus-Hubschrauber, darunter Kraftstoffpumpen und Ventile.

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Am Stützpunkt Wiener Neustadt verfügt der ÖAMTC über einen eigenen Wartungsbetrieb
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Bei einem Zuliefer-Betrieb in Groß-Siegharts werden Komponenten für Rettungshubschrauber gefertigt

Diese Bauteile tragen zum sicheren Betrieb der Fluggeräte bei, erklärt Luftfahrtprogrammleiter Michael Rohrbeck gegenüber noe.ORF.at. Die Entwicklung solcher Komponenten sei aufwendig und müsse unter extremen Bedingungen getestet werden: „Die Produkte sind dann oft über viele Jahre oder Jahrzehnte im Einsatz.“

Wartung als entscheidender Faktor
Ein weiterer zentraler Baustein der Flugrettung liegt laut Trefanitz in der Wartung. In Wiener Neustadt betreibt die ÖAMTC-Flugrettung einen eigenen Wartungsbetrieb. Dort werden nicht nur die eigenen Hubschrauber betreut, sondern auch Maschinen anderer Betreiber.
Für Trefanitz ist das ein entscheidender Faktor für die Einsatzbereitschaft: Neben gut ausgebildeten Crews brauche es vor allem zuverlässige Technik und funktionierende Abläufe im Hintergrund.

Langfristige Planung notwendig
Die Beschaffung neuer Hubschrauber erfordere langfristige Planung. Hintergrund seien unter anderem steigende Lieferzeiten in der Luftfahrtindustrie. „Wir sehen momentan vor allem in der Hubschrauberindustrie, durch das Hochrüsten, das in Europa gerade stattfindet: Unsere Modelle, die wir einsetzen, gibt es auch in einer militärischen Form“, so Trefanitz vom ÖAMTC.

Dementsprechend hoch sei die Nachfrage und die Produzenten könnten diese Nachfrage laut Trefanitz nur limitiert bedienen. Dadurch komme es zum Anstieg von Lieferzeiten. „Damit haben wir reagiert und uns im Vorfeld schon Liefer-Slots gesichert, damit wir für die Zukunft gut aufgestellt sind“, sagt Trefanitz. Die EU will unabhängiger von den USA werden, auch militärisch – mehr dazu in „EU-Emanzipationsversuch verstört USA“ (news.ORF.at, 22.02.2026).
Bis die neuen Maschinen flächendeckend im Einsatz sind, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Bis dahin bleibt die bestehende Flotte im Einsatz; unterstützt durch laufende Wartung und technische Weiterentwicklung.
05.04.2026, Jürgen Winterleitner, noe.ORF.at

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