ÖBB-Ausstellung: Bahn u. Nationalsozialismus in Österr. 1938-45

josef

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#2
Dazu ORF-Wien:
ÖBB zeigen Rolle der Bahn in NS-Zeit
Mit Appellen gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung ist in Wien eine Ausstellung zur Rolle der Bahn in der NS-Zeit eröffnet worden. Die Schau wurde zum 175-jährigen Bestehen der Bahn in Österreich gestaltet.

Man müsse dem Fanatismus mit Mitteln der Aufklärung begegnen, sagte Verkehrsministerin Doris Bures bei der Eröffnung der ÖBB-Ausstellung „Verdrängte Jahre - Bahn im Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945“. Der wichtige Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte dürfe nie aufhören. Besonders hob sie das Engagement der ÖBB-Lehrlinge und die Gespräche mit Zeitzeugen bei der Erstellung der Ausstellung hervor.

Kern: „Bahn ermöglichte Massenmord“

ÖBB-Chef Christian Kern nannte als Motivation für die Ausstellung, dass bisher eine gründliche Aufarbeitung der dunkelsten Jahre der ÖBB-Geschichte nicht stattgefunden habe. Im heurigen Jubiläumsjahr von 175 Jahren Eisenbahn in Österreich werde das nachgeholt. „Wir wurden nicht gedrängt“, betonte Kern. Die Bundesbahn habe ihre eigene Rolle im NS-Regime beleuchten und Respekt vor den Opfern zeigen wollen.

Die Bahn habe den Massenmord der Nazis möglich gemacht: „Ohne die logistische Kapazität der Bahn wäre das systematische Morden nicht möglich gewesen“, sagte Kern. Besonders beklemmend seien für ihn die vielen kleinen bürokratischen Details der Entmenschlichung, wenn etwa die Deportierten für ihre eigene Fahrt in den Tod noch das Ticket bezahlen mussten. Gerade aus der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte müsse für die Gegenwart das Versprechen „niemals wieder“ kommen.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, erinnerte an die menschenunwürdigen Umstände der Massendeportation in Viehwaggons - „doch was sie erwartet hat, war noch schlimmer“. Rudolf Sarközi vom Verband der österreichischen Roma und Sinti, der selbst 1944 im Lager Lackenbach geboren wurde, sprach die Hoffnung aus, dass die Bahn nie wieder als Mittel für Verschleppung eingesetzt werde.

20 Prozent der Bediensteten bald entlassen

Als Teil der Deutschen Reichsbahnen waren die Österreichischen Bundesbahnen mit Eisenbahnern, Zügen und Infrastruktur in das NS-System integriert. Die Bahn diente als Transportmittel zum Massenmord und als Teil der Logistik der Angriffskriege in Europa.
Schon wenige Tage nach dem Einmarsch der Hitler-Truppen in Österreich im März 1938 wurden die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) zum Teil der Deutschen Reichsbahn. Die Organisationsstruktur veränderte sich, rund 20 Prozent der Bahnbediensteten wurden umgehend aus dem Dienst entlassen.

Doch für altgediente Nazis ging die Tür weit auf: Innerhalb weniger Wochen wurden 9.000 der „Alten Kämpfer“ neu eingestellt. Hunderten ehemaligen BBÖ-Bediensteten wurde aus „rassischen“, politischen und anderen Gründen das Berufsrecht entzogen.

Bahnhöfe als Propagandaorte
Bahn und Bahnhofshallen wurden häufig zu bevorzugten Orten der nationalsozialistischen Propaganda. Im März 1938 sprach Hermann Göring in der stillgelegten Halle des Wiener Nordwestbahnhofes. Anfang April hielten Joseph Goebbels und Adolf Hitler dort ihre Propagandareden.

Ebenfalls im April 1938 besuchte Hitler mit einem Sonderzug die ehemals österreichischen Großbahnhöfe. Im Sommer 1938 wurde der Wiener Nordwestbahnhof zur Ausstellungshalle, das Thema: „Der ewige Jude“. Beworben wurden die antisemitischen herabwürdigenden Darstellungen unter anderem in der „Verkehrswirtschaftlichen Rundschau“.

Flucht per Bahn
Ab 1938 wurden über 200.000 Österreicherinnen und Österreicher, nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung, zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen oder in Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt und ermordet. Tausende der Flüchtlinge emigrierten in europäische Länder und gerieten während des Krieges erneut unter die tödliche nationalsozialistische Machtmaschinerie. Die Emigration erfolgte zum großen Teil mit der Bahn und mit dem Schiff.
Verzweifelte Eltern versuchten, zumindest ihre Kinder vor der Verfolgung zu retten: 43 „Kindertransporte“ ab Wien brachten bis zum Kriegsbeginn insgesamt 2.844 österreichische Kinder, die bei den Nazis als „jüdisch“ galten, in der Mehrzahl zu englischen Familien in Sicherheit.

Transporte in Vernichtungslager

Rund 65.500 österreichische Jüdinnen und Juden und 8.000 österreichische Sinti und Roma wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Hunderte Homosexuelle und Zeugen Jehovas wurden in Konzentrationslager deportiert, mehr als die Hälfte davon ermordet.

Schon bis Frühjahr 1940 wurden durch die Deutsche Reichsbahn 134.242 Menschen ins Generalgouvernement Polen deportiert. Darunter befanden sich auch zwei Sonderzüge aus Wien mit 1.500 Wiener Jüdinnen und Juden, die im Oktober 1939 in die Gegend von Nisko am San deportiert wurden.
Ab Herbst 1941 stiegen die Massendeportationen aus dem gesamten Deutschen Reich in den Osten stark an. Mit Sonderzügen auf Bestellung wurden die Transporte in den Tod bürokratisch organisiert. War ein Sonderzug mit mindestens 400 Menschen gefüllt, musste ab Juli 1941 der halbe Fahrpreis zur Personenbeförderung 3. Klasse bezahlt werden. Die Bahn-Deportations für Kinder unter vier Jahren war gratis. Drei Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungslager des NS-Regimes transportiert.

Eisenbahner maßgeblich im Widerstand
Eisenbahner waren maßgeblich am österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt - und wurden bei Entdeckung von der NS-Justiz hart bestraft. 154 Eisenbahner wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1.438 bekamen Zuchthaus- oder KZ-Strafen, 135 Bahnbedienstete starben in einem Zuchthaus oder Konzentrationslager. 43 kamen zur Strafdivision 999, davon fielen 22 Personen.
Sabotageakte gegen „kriegswichtige Transporte“ oder Sprengstoffanschläge auf Bahngleise waren einige der Widerstandsakte. Zu den Sabotagehandlungen, die an Reichskriegsgerichten verhandelt wurden, zählten das Durchschneiden von Bremskupplungsschläuchen, das Streuen von Sand in die Achsenlager der Waggons, aber auch das Entfernen und Vertauschen der Wagenbezettelung, um die Waggons zu anderen Zielbahnhöfen zu schicken.

Zum Kriegsende war die weitgehend nationalsozialistisch gesinnte Führungsriege der Eisenbahn entweder untergetaucht oder wurde entlassen. Ihrer eigenen historischen Verantwortung stellte sich die österreichische Bahn - wie viele andere Staatsbahnen in Europa - erst spät.
Quelle: http://wien.orf.at/news/stories/2536728/

Ausstellungshinweis
Die Ausstellung „Verdrängte Jahre - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945“ ist bis zum 30. September im Foyer der ÖBB Infrastruktur am Praterstern 3, 1020 Wien, täglich zwischen 8.00 und 17.00 Uhr geöffnet.
 

josef

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#3
Besuchte die Ausstellung "Verdrängte Jahre" - die Rolle der heimischen Eisenbahn in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis im Foyer des Gebäudes der ÖBB Infrastruktur am Praterstern 3 in Wien 2.!

Nachstehend einige Bilder als Überblick der dort hauptsächlich in Form von Schriftstücken, Fotos und Plakaten ausgestellten Exponate:

Teil 1 von 3:

1. Ausstellungsraum.
2. Alle von den ÖBB in die Reichsbahn übernommenen Beschäftigten bzw. Neuzugänge mussten mit Unterschrift einer Gelöbnisformel den Eid auf Schicklgruber leisten.
3. Gleich nach dem Anschluss warb die Reichsbahn mittels Broschüren in den Zügen im Bereich Berlin für Urlaubsfahrten nach Österreich (-> damals noch nicht “Ostmark”!).
4. Vor Kriegsbeginn führte die DRB gestaffelte Ausflugstarife um Wien ein.
5. Mit Kriegsbeginn begannen die Verdunklungsvorschriften auch für Züge.
6. Signallampe mit Verdunkelungseinrichtung und “Luftschutzglühbirne”.
 

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josef

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#4
Teil 2 von 3:

7. Propagandaplakat “Räder müssen rollen für den Sieg”
8. Durch Einberufungen zum Militär bzw. Einsatz in den besetzten Gebieten kam es im Hinterland zu Personalmangel bei den RB-Dienststellen. Abhilfe verschaffte man sich durch Anwerben von weiblichen Personal. (DR-Logo mit Reichsadler und Hakenkreuz ist nur Wiedergabe eines Original-Austellungsplakates mit historischem Hintergrund zum Zwecke der Aufarbeitung der "Reichsbahnzeit" in Österreich).
9. Titelbild der “Wiener Illustrierten” v. Juli 1942: “Die Frau als unentbehrliche Mitarbeiterin der Reichsbahn”.
10. Verhaltensregeln im Bahnbereich bei Fliegeralarm.
11. Plakat mit Abzeichen für “Rot-Kreuz-Schwestern” des Bahnhofdienstes.
12. Werbeplakat zur Leistungsfähigkeit der deutschen Lokomotivindustrie mit Kriegsloks der Rh 52 (1943).
 

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josef

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#5
Teil 3 (Rest):

13. Auflistung von durch das Regime deportierten bzw. ermordeten Österreichern, die nicht den Rassenwahn der Nazis entsprachen. Diese wurden hauptsächlich mit “Sondertransporten” der Reichsbahn in die Lager transportiert.
14. Karte mit der Darstellung der Deportationszüge ab Wien 1938-45.
15. Aufzeichnung über den Transport von ungarischen Juden ins “Dulag Strasshof” bzw. Weitertransporte von verschiedenen Bahnhöfen.
16. Aufzählung einiger bekannter “Reichsbahnlager”. Die DRB setzte in Österreich ca. 19.600 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge usw. ein!
17. Verhaltensregeln gegenüber Kriegsgefangenen – Ausschnitt aus Werkszeitung des RAW Knittelfeld (heute Hauptwerkstätte) aus 1943.
18. Widerstand gegen das Regime seitens der Eisenbahner.
 

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josef

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#6
Ausstellung nun in Salzburg

Ab Dienstag 18.06. bis 23. August 2013 ist die Ausstellung „Verdrängte Jahre“ täglich (ausgenommen Feiertag) von 10.00 bis 17.00 Uhr in der ÖBB-Remise am Salzburger Hauptbahnhof zu sehen.

Dazu ein Bericht im ORF-Salzburg:
Ausstellung: Rolle der Bahn im Holocaust

Ohne Eisenbahn hätte es den Zweiten Weltkrieg und den millionenfachen Mord an Minderheiten und Gegnern Hitlers nicht gegeben. „Verdrängte Jahre“ ist eine neue Ausstellung in der ÖBB-Remise beim Hauptbahnhof - mit Schwerpunkt Salzburg. Sie wurde Montag eröffnet.

Drei Millionen Menschen wurden insgesamt mit der Bahn in Deutschland und Österreich (NS-Jargon: „Ostmark“) in die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert.
Die Wanderausstellung der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) „Verdrängte Jahre - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945“ wird nach Wien und Linz nun auch in Salzburg gezeigt. Die für Besucher kostenlose Ausstellung ist von morgen, Dienstag, bis 23. August täglich (ausgenommen Feiertag) von 10.00 bis 17.00 Uhr in der ÖBB-Remise am Salzburger

Wichtige Stütze des Regimes
Thematisiert wird jener Zeitraum, in dem die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) ein Teil der Deutschen Reichsbahn waren - von 1938 bis Frühling 1945, als Österreich von den Alliierten wieder befreit wurde.
Die Bahn stellte eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates dar. Die Ausstellung ist in sieben thematische Schwerpunkte unterteilt und beleuchtet die verschiedensten Bereiche dieser dunklen Zeit „eindrucksvoll und emotional“, so die ÖBB.

Historikerin über Salzburgs Rolle
Die Salzburger Historikerin und Provenienzforscherin Susanne Rolinek verweist auf die Zeit der „illegalen Nazis“ in Österreich - also vor Hitlers „Anschluss“ und Einmarsch im Frühling 1938: „Schon seit Anfang der 1930er-Jahre spielte der Salzburger Hauptbahnhof als Knotenpunkt eine zentrale Rolle, einerseits für die Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich. Und für den Transport ihrer illegalen Propaganda nach Österreich. Andererseits formierte sich im Bahnhofsbereich schon sehr früh ein starker Widerstand, der bis weit in den Krieg hinein anhielt.“

Auch die Bahngeschichte zur NS-Zeit im Bundesland Salzburg wird in der Ausstellung genauer dargestellt. Der langjährige Salzburger SPÖ-Politiker Karl Steinocher, der im vergangenen Mai im Alter von 93 Jahren verstorben ist, wurde für die Ausstellung noch als Zeitzeuge befragt. „Er hat auch seine Erinnerungen von damals zur Verfügung gestellt“, sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel.

Hitlers Bahnmanager mit Rekordtempo
Andreas Matthä, Vorstand der ÖBB, erinnerte bei der Eröffnung der Schau in Salzburg daran, dass die Deutsche Reichsbahn der Nazis nach dem „Anschluss“ nur fünf Tage benötigten, um die gesamte Führungsmannschaft der Österreichischen Bundesbahnen zu entlassen und auszutauschen: „Sie brachten ihr Management komplett mit. Und so konnte die Bahn lückenlos für die Ziele des Regimes missbraucht werden.“

100-jähriger Feingold als Ehrengast
Und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold, er feierte am 28. Mai seinen 100. Geburtstag, geht es auch um die Erinnerung: „Nach meiner Erfahrung waren die Bahnbediensteten häufig Opfer und es ist gut, wenn es auf vielen Bahnhöfen Tafeln zur Erinnerung gibt“, sagte Feingold anlässlich der Eröffnung der Wanderausstellung am Montagnachmittag in Salzburg.

Ohne Bahn als Transportmittel wäre die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht nicht machbar gewesen. Und ohne die logistische Kapazität der Bahn wäre auch der systematische Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden, an Roma und Sinti, die Deportation von Sloweninnen und Slowenen, von Homosexuellen, Zeugen Jehovas und politisch Andersdenkenden nicht möglich gewesen, wurde seitens der ÖBB betont.

Für Millionen der Weg in den Tod
Drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungs- und Tötungslager des NS-Regimes transportiert. Die Deutsche Reichsbahn war durch die Deportation zahlloser Menschen unmittelbar am Holocaust beteiligt und mit ihr auch die ehemals österreichischen Bahnbediensteten, die seit dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 Bedienstete der Deutschen Reichsbahn waren. Mehr als 200.000 Österreicherinnen und Österreicher, fast die gesamte jüdische Bevölkerung wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder mit der Bahn in Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt.

Eisenbahner mussten „jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten“. Sie wurden flächendeckend überwacht. Dennoch waren Eisenbahner laut ÖBB maßgeblich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.

154 Eisenbahner ermordet
1941 berichtete das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) über den Widerstand bei der Bahn, dass im Vergleich zum „Altreich... die Ostmark seit Ausbruch des Krieges 1939 in sabotagepolizeilicher Hinsicht eine größere Rolle spielte, da hier die fremdländischen Nachrichtendienste und die inländischen Gegnergruppen es bereits früher verstanden hatten, Sabotageorganisationen aufzubauen...“. 154 Eisenbahner wurden wegen Ihres Widerstandes zum Tode verurteilt und hingerichtet, 135 starben in Konzentrationslagern oder Zuchthäusern, 1.438 wurden zu KZ- oder Zuchthausstrafen verurteilt.
Text- u. Bildquelle: http://salzburg.orf.at/news/stories/2589103/

Ausstellung in der Remise beim Salzburger Hauptbahnhof:
 

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#7
Die Ausstellung "Verdrängte Jahre" ist nun im Stadtmuseum Wiener Neustadt zu sehen

ÖBB-Themenausstellung „Verdrängte Jahre“

15. Oktober 2015 bis 10. Jänner 2016, Stadtmuseum Wr. Neustadt
Die NS-Zeit: Das dunkle Kapitel der Bahn

Mit einem zeithistorischen Thema setzt sich eine Ausstellung der ÖBB im Stadtmuseum Wr. Neustadt auseinander. Unter dem Titel „Verdrängte Jahre“ geht es um die Rolle der Bahn während der NS-Zeit in den Jahren 1938 bis 1945.

Damals waren die Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ, heute ÖBB) Teil der Deutschen Reichsbahn und haben nicht nur die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht transportiert, sondern auch die Züge gestellt, mit denen Menschen in die Vernichtungslager gebracht wurden.

Drei Millionen Menschen mit Zügen in den Tod
So grausam es ist, die Tatsache ist unbestritten: Die logistische Kapazität der Bahn hat den systematischen Mord am jüdischen Volk, an Roma und Sinti, aber auch an Homosexuellen oder Andersgläubigen überhaupt erst möglich gemacht. Drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungslager des NS-Regimes transportiert. Die Bahnmitarbeiter haben an diesem Vernichtungsfeldzug unmittelbar teilgenommen.

„Das ist der dunkelste Abschnitt unserer Unternehmensgeschichte. Wir sind dazu verpflichtet, zu gedenken und wollen mit dieser Dokumentation einen weiteren Beitrag zur historischen Aufarbeitung leisten. So unfassbar uns diese Ereignisse heute erscheinen, so klar müssen wir als ÖBB diese Zeit als Teil unserer Geschichte akzeptieren“, sagt ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern. Bisher wurde die ÖBB-Themenausstellung in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt und im Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt.

Die Ausstellung hat auch viele weitere Aspekte: Die Bahn als Transportmittel, das viele Menschen in die Emigration gebracht hat oder die Bahn als Arbeitgeber, der Zwangsarbeiter beim Bau von neuen Zugsverbindungen eingesetzt hat. Schließlich geht es auch um die Rolle der Bahnbediensteten, und um jene, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten.

154 Bahnarbeiter im Widerstand hingerichtet
Die Bahnmitarbeiter waren für die nationalsozialistischen Machthaber von besonderer Bedeutung. Für sie galten strengere Regeln als für anderen Beamte, sie wurden flächendeckend einer politischen Untersuchung und Überwachung unterzogen. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - waren sie auch maßgeblich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. 154 Bahnbedienstete wurden wegen ihres Widerstandes zum Tode verurteilt und hingerichtet, 135 starben in Konzentrationslagen oder Zuchthäusern, 1.438 wurden zu KZ- oder Zuchthausstrafen verurteilt.
http://noe.orf.at/news/stories/2735291/
 
#8
Habe nur das Buch...

...zur Ausstellung gelesen.

Ich will ja nicht überheblich wirken, aber es stellt sich schon die Frage, ob der dürftige Inhalt des Buches wirklich schon alles gewesen sein soll, was die ÖBB zu diesem Thema beisteuern kann??

Wenn ja, mein herzliches Beileid für den Staatshistoriker, der das Begleitbuch erstellt hat...
 

josef

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#9
Nun am Bahnhof Mauthausen zu sehen:

Ausstellung über Bahn während NS-Zeit

Die dunklen Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn in Österreich sind im heurigen Gedenkjahr seit Dienstag erstmals im Mauthausen Memorial im ehemaligen Konzentrationslager zu sehen. Der Titel der Ausstellung „Verdrängte Jahre“.
Die Ausstellung beleuchtet umfassend die Rolle der Bahn während des Nationalsozialismus von 1938 bis 1945 – und damit von einer der wichtigsten Stützen des Nazisystems. Denn, ohne sie wäre die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht nicht machbar gewesen. Und, ohne sie wäre der systematische Mord an den europäischen Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, politisch Andersdenkenden und aus anderen Gründen Verfolgten sowie Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern nicht möglich gewesen.


ÖBB
Ausstellung „Verdrängte Jahre“

Drei Millionen Menschen mit Bahn deportiert
Drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungslager des NS-Regimes transportiert. Durch die Deportation war die Deutsche Reichsbahn, in die auch die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) integriert war, unmittelbar am Holocaust beteiligt und mit ihr auch die ehemals österreichischen Eisenbahner, die zwischen 1938 und 1945 Bedienstete der Reichsbahn waren.

Eisenbahner wurden flächendecken überwacht
Diese zentrale, aber jahrelang unerforschte und auch ausgeblendete Rolle wird in der Ausstellung „Verdrängte Jahre“ beleuchtet. Sie informiert unter anderem über den „Anschluss“ an Hitlerdeutschland und die danach durchgeführten Transporte. So ist eine Landkarte zu sehen, auf der die Entfernungen von Wien in die einzelnen Konzentrationslager und Ghettos eingetragen sind. Auch den Bahnbediensteten ist ein Kapitel gewidmet. Sie hatten strengere Regeln als Berufsbeamte zu befolgen, mussten „jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten“ und wurden flächendeckend überwacht. Dennoch waren etliche von ihnen maßgeblich am Widerstand beteiligt.


ÖBB
Drei Millionen Menschen wurden per Eisenbahn Bahn deportiert.

Das Reichssicherheitshauptamt stellte in einem Bericht im Jahr 1941 fest, dass die „Ostmark“ seit dem Ausbruch des Krieges 1939 in sabotagepolizeilicher Hinsicht im Vergleich zum „Altreich“ eine größere Rolle spielte, „da hier die fremdländischen Nachrichtendienste und die inländischen Gegnergruppen es bereits früher verstanden hatten, Sabotageorganisationen aufzubauen“. 154 Eisenbahner wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1.438 wurden zu KZ- oder Zuchthausstrafen verurteilt, 135 starben dort.

Ausstellung am Bahnhof Mauthausen eröffnet
Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte unter anderem mit Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP), der israelischen Botschafterin in Österreich Talya Lador-Fresher, dem Präsidenten der israelitischen Religionsgesellschaft IRG Oskar Deutsch, dem Vorstandsdirektor der ÖBB-Holding AG Josef Halbmayr und der Direktorin des Mauthausen Memorial Barbara Glück am Dienstag am Bahnhof in Mauthausen. Dort trafen ab 1938 per Zug tausende spätere Gefangene ein und traten anschließend den Weg zum mehrere Kilometer entfernten KZ an. Zum System gehörte auch ein an den Bahnhof angebundenes Feldbahnsystem, das nicht nur das KZ mit seinen Außenlagern verband. Es diente auch dazu, die von den Gefangenen abgetragenen Steine zur normalen Bahnstrecke zu bringen, wo sie mit Güterzügen weiter transportiert wurden. In Mauthausen und seinen Nebenlagern waren rund 200.000 Menschen eingesperrt, rund die Hälfte überlebte diese Vernichtungsmaschinerie nicht.


ÖBB

Ausstellung bis 24. August
Die Ausstellung „Verdrängte Jahre“ läuft bis zum 24. August im Mauthausen Memorial, geöffnet ist täglich von 9 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Schautafeln zur Rolle der Bahn im Nationalsozialismus sind auch an den Bahnhöfen St. Valentin, am Bahnhof Mauthausen und am Bahnhof St. Georgen an der Gusen zu sehen.

Link:
Publiziert am 17.04.2018
http://ooe.orf.at/news/stories/2907442/
 

josef

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#10
Hauptbahnhof: Schau zu NS-Deportationen
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Eine Ausstellung am Wiener Hauptbahnhof gedenkt der Deportationen vor 80 Jahren nach Lettland. Ab Dezember 1941 wurden ca. 4.200 Jüdinnen und Juden vom heute nicht mehr existierenden Aspangbahnhof in Wien ins Ghetto nach Riga deportiert.
Online seit heute, 12.40 Uhr
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Die meisten – darunter viele Kinder – wurden nach tagelanger Fahrt unmittelbar nach der Ankunft erschossen. „Die Bahn war dabei eine der wichtigsten Stützen des Nazisystems. Ohne sie wäre die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht in dieser Form nicht umsetzbar gewesen. Die ÖBB bekennt sich zu ihrer Vergangenheit und setzt sich für eine aktive Erinnerungskultur ein“, hieß es dazu in einer Pressemitteilung der ÖBB.

Letzter Transport im Februar 1942
Der letzte von Wien nach Riga gesandte Transport traf im Februar 1942 ein. Beim Empfang am Bahnhof Skirotava wurde jenen Menschen, denen der kilometerlange Fußmarsch zum Ghetto zu beschwerlich erschien, Lastkraftwagen zur Fahrt ins Ghetto angeboten. Bei ihnen handelte es sich um getarnte Gaswagen.


SCIENCE
Wien als Motor der NS-Judenverfolgung



Von den 1.000 mit diesem Transport aus Wien Deportierten erreichten nur 300 Personen das Ghetto zu Fuß. 400 meist ältere Menschen wurden im Wald vom Rumbula ermordet. Insgesamt überlebten nur rund 100 der aus Österreich stammenden Menschen das Ghetto, die Zwangsarbeit sowie die danach folgenden Einweisungen in diverse Konzentrationslager.

Bis 30. November zugänglich
Initiiert wurde die Ausstellung von der Stadt Wien in Zusammenarbeit mit dem Nationalfonds und den ÖBB. Sie ist bis 30. November 2021 am Hauptbahnhof frei zugänglich. Eröffnet wurde sie am Freitag im Beisein von Bürgermeister Michael Ludwig, ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä, dem israelischen Botschafter Mordechai Rodgold, der lettischen Botschafterin Guna Japina und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.

„Mir ist wichtig, dass dieses furchtbare Kapitel unserer Geschichte nicht nur in Museen oder auf den Universitäten diskutiert wird, sondern auch im öffentlichen Raum sichtbar ist. Demokratie und Menschenrechte sind auch in der Gegenwart brisante Themen. Daher haben wir mit dem Wiener Hauptbahnhof einen hochfrequentierten öffentlichen Ort ausgewählt, um der Geschichte des Holocaust und der grausamen Verfolgung von Menschen auch im Alltag Platz einzuräumen und sie so näher an die Menschen zu bringen“, sagte ÖBB-Chef Matthä.
15.10.2021,red, wien.ORF.at/Agenturen
Link:
Hauptbahnhof: Schau zu NS-Deportationen
 
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