„Beinahe-Blackout“ am 7. Jänner 2021 in Europa zeigt die Notwendigkeit der Reservehaltung alter Gaskraftwrke auf

josef

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#1
„Beinahe-Blackout“: EVN fordert Konsequenz
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Am Freitag ist es zu einer starken Frequenzabsenkung im europäischen Stromnetz gekommen. Laut EVN sei man nur knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt. Nun fordert der Konzern die gesetzliche Grundlage für mehr Gaskraftwerke.
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„Gestern ist Europa wieder einmal knapp an einem Blackout vorbeigeschrammt“, so EVN-Sprecher Stefan Zach im Gespräch mit noe.ORF.at. „Einige Großkunden haben sich gemeldet, weil sensible Maschinen die Frequenzabsenkung bereits gespürt haben. Wenn die Schwankungen zu hoch sind, schalten sich Maschinen aus Selbstschutz ab.“ Das könne Zach zufolge auch bei Kraftwerken passieren, „und dann wird es kritisch“.

Mehrere Kraftwerke, darunter vermutlich ein Donaukraftwerk in Südosteuropa, gingen am Freitagnachmittag offenbar plötzlich vom Netz. Schlagartig fehlten kurz darauf riesige Mengen Energie, sodass die Stromfrequenz abfiel und das europäische Stromnetz kurzfristig an einem flächendeckenden Stromausfalls vorbeischrammte. Um solch ein Blackout zu verhindern, wurden in ganz Europa kurzfristig einzelne Kraftwerke hochgefahren. Die Ursachenforschung läuft, ist laut den Stromnetzbetreibern aber kompliziert und könnte Tage dauern.

Strom im Notfall aus Gas statt Kohle- und Atomkraft
In Niederösterreich dient das Kraftwerk Theiß bei Krems als Puffer für solche Fälle. Laut Stefan Zach würde dieses alleine aber nicht ausreichen: „Österreich verlässt sich bei der Versorgungssicherheit immer stärker auf Atom- und Kohlekraftwerke in unserer Nachbarschaft.“ Die EVN sieht nach dem beinahe eingetretenen Blackout am Freitag die Notwendigkeit, neue Rahmenbedingungen zu schaffen, um im Notfall ohne Stromzulieferungen aus Kohle- und Atomkraftwerken benachbarter Länder auszukommen.

Wind, Sonne und Wasserkraft sind Zach zufolge nicht geeignet, um die Produktion binnen kürzester Zeit zu erhöhen. Auch wenn „die Zukunft natürlich der Naturenergie gehört“, brauche es dem Unternehmenssprecher zufolge „schnellstartende Gaskraftwerke, im besten Fall mit kleinen Gasturbinen, die mit Naturgas aus überschüssigem Ökostrom betrieben werden“.

Um die Versorgungssicherheit künftig unabhängig von Stromimporten gewähren zu können, fordert der Energiekonzern vom Bund daher gesetzliche Rahmenbedingungen für einen sicheren Weiterbetrieb bestehender Gaskraftwerke und Anreize, um neue, flexible und schnellstartfähige Gasturbinen in Österreich zu errichten.
09.01.2021, red, noe.ORF.at
„Beinahe-Blackout“: EVN fordert Konsequenz
 
#2
Mehr Details dazu:
Am 8. Januar gegen 14:05 Uhr kam es zu einer Frequenzabweichung von rund 250 mHz im synchronisierten europäischen Hochspannungs-Stromnetz, teilte der Netzbetreiber Amprion auf Twitter mit. In der Folge sei die Region Südosteuropa vom europäischen Verbundnetz getrennt worden. Insgesamt soll der Strom von drei Kraftwerken in Rumänien gefehlt haben.

Das europäische Hochspannungsstromnetz reicht von Marokko bis in die Türkei und wird auf 50 Hz synchronisiert. "Frequenzabweichungen kommen immer vor, weil nie genauso viel Strom erzeugt wird, wie aktuell verbraucht wird", sagte Energieversorgungsexperte Felix Stöckmann zu Golem.de. Diese könnten meist schnell ausgeglichen werden. Gelinge dies jedoch nicht oder werde die Abweichung in angeschlossenen Netzen zu groß, müssten diese abgetrennt werden. Es könne zu Stromausfällen in Teilnetzen kommen, im schlimmsten Fall zu einem europaweiten Stromausfall. "Davon waren wir hier zum Glück ein gutes Stück entfernt", sagte Stöckmann.
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Gebiete ohne Strom
Auslöser für den Zusammenbruch des Energieübertragungsnetzes war anscheinend ein Stromausfall in fast ganz Siebenbürgen (Rumänien). Mehrere Gebiete im Nordwesten Rumänien blieben laut Transelectrica ohne Strom, manche Orte hatten fast 1,5 Stunden lang teilweise oder gar keinen Strom. In anderen wiederum gab es Spannungsschwankungen - die Spannung fiel auf 90 Volt ab. Quelle
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Kernkraftwerke in RO haben ca. gesamt 1.300 MW Leistung, dann drei große Kohlekraftwerke mit je ca. 1.300 MW und das größte Wasserkraftwerk an der Donau (Eisernes Tor) 2.200 MW
dagegen sind die österreichischen Kraftwerke eher klein: die Wasserkraftwerke an der Donau so ca. 300 MW jedes, und Kaprun ca. 1.200 MW
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Jedenfalls interessant, falls in RO die Lichter ausgehen, kann es auch uns in Österreich treffen - oder falls es vielleicht einmal in Marokko oder in Türkei passiert. d.h. von der Stromrechnung sind ca. 1/3 für die Netz/Infrastruktur, und trotzdem kann ein Netzausfall im schlimmsten Fall nicht verhindert werden.
 
#3
Zu diesem Thema (Elektro-Infrastruktur) gehört auch die vorgeschriebene Umstellung auf Smartmeter - wie hier in NÖ.
In dieser Grafik ist auch schön ersichtlich: große Teile von NÖ werden nicht vom Landesversorger EVN versorgt.
Dies ist eine Auswirkung der Vergangenheit (Groß-Wien) sowie z.B. der Braunkohlengewinnung in Neufeld usw.
Grün = Umstellung begonnen

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Quelle
 

josef

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#4
Belastungsprobe für Europas Stromnetz
Das europäische Stromnetz ist am Freitag auf eine harte Probe gestellt worden – vielleicht sogar nur knapp an einem flächendeckenden Stromausfall, vorbeigeschrammt. Nachdem vermutlich mehrere Kraftwerke in Südosteuropa plötzlich ausgefallen waren, mussten Kraftwerke in Österreich schlagartig hochgefahren werden, um ein Blackout zu verhindern.

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Am Freitag um kurz nach 14.00 Uhr, schrillen beim Betreiber der österreichischen Hochspannungsleitungen, der APG, die Alarmglocken. Mehrere Kraftwerke, darunter vermutlich ein Donaukraftwerk in Südosteuropa sind offenbar plötzlich vom Netz gegangen. Schlagartig fehlen riesige Mengen Energie. Die Stromfrequenz fällt ab. Das europäische Stromnetz gerät ins Wanken.

Wasserkraftwerke im Notfallmodus
Um ein Blackout, einen flächendeckenden Zusammenbruch des Stromnetzes zu verhindern, werden in ganz Europa Kraftwerke hochgefahren. Die Wasserkraftwerke der Energie AG entlang der Traun schalten in einen Notfallmodus um mehr Strom zu erzeugen und das Stromnetz stabilisieren zu können. „Es war eine durchaus ernste Situation auf der einen Seite, auf der anderen Seite hat die Situation auch gezeigt, dass das europäische Verbundnetz sehr robust ist“, so der Sprecher von APG, Fritz Wöber.

Die Sicherheitsmaßnahmen greifen. Um 15.30 Uhr gelingt es, das Netz wieder zu stabilisieren. Wesentlichen Anteil daran haben Gaskraftwerke, die schnell große Energie bereitstellen konnten. Man habe in diesem Fall davon profitiert, dass es eben noch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen gibt, sagt der Professor für Elektrotechnik an der Fachhochschule Oberösterreich, Peter Zeller.

Ursache noch unklar
„Jetzt würde es natürlich ganz bitter aussehen, wenn wir sehr viele erneuerbare im Netz hätten. Weil wenn man jetzt nicht gerade zufällig Windkraftwerke dazuschalten könnte, oder wenn man nicht genug Solarenergie hätte, dann wäre das Netz sicher kollabiert“, so Zeller. Wie es zu dem Vorfall kommen konnte und welche Kraftwerke betroffen waren, ist noch unklar. Die Ursachenforschung läuft, ist laut den Stromnetzbetreibern aber kompliziert und könnte Tage dauern.
09.,01.2021, red, ooe.ORF.at

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Belastungsprobe für Europas Stromnetz
 

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#5
Winter zeigt bei erneuerbaren Energien die Grenzen auf
Im Juni konnte der Strombedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Dafür muss im Winter wieder mehr importiert werden

Die Wasserkraft, im Bild das Murkraftwerk Graz, kommt noch immer für den Löwenanteil an erneuerbarer Energie in Österreich auf.
Foto: apa / erwin scheriau

Es gibt eine Zeit vor der 2001 erfolgten Liberalisierung des Strommarktes in Österreich und eine danach. Während im Jahr 2000 wie schon in den Jahren vorher nach Zahlen der E-Control unterm Strich mehr Strom ins Ausland verkauft als von dort bezogen wurde, hat sich das Verhältnis seither ins Gegenteil verkehrt.

Was hat das mit den Stromexporten bzw. -importen zu tun? Die Strombranche war vor der Liberalisierung planwirtschaftlich organisiert: Die Kosten bestimmten die Preise, Wettbewerb war ein Fremdwort, Konsumenten mussten zahlen, was ihnen vorgeschrieben wurde – Wahlmöglichkeit gab es nicht.

Stromnachfrage 2020 um fünf Prozent gesunken
Mit der von der EU-Kommission auf den Weg gebrachten Liberalisierung ging ein Ruck durch die Branche. Plötzlich hieß es Kosten sparen. Der teils überbordende, teure Kraftwerkspark wurde zurückgefahren, billiger Strom, wenn er zu haben war und die Leitungskapazitäten reichten, vermehrt aus dem Ausland zugekauft. Der Rekord an importiertem Strom wurde 2015 mit fast 13 Milliarden Kilowattstunden (kWh) verzeichnet. 2020 waren es noch 4,4 Milliarden kWh nach 5,3 Milliarden kWh im Jahr davor.

Selbst im Ausnahmejahr 2020, das Corona-bedingt die Stromnachfrage um rund fünf Prozent einbrechen ließ, blieb Österreich Netto-Stromimporteur. Die Angaben stammen von der Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG), die in Österreich für den Betrieb des Hochspannungsnetzes zuständig ist.

Zeitenwende
Nun steht eine weitere Zeitenwende an. Die Stromproduktion und in der Folge auch der Verbrauch elektrischer Energie sollen so verändert werden, dass weitgehend auf fossile, klimaschädliche Technologien verzichtet werden kann. An ihrer Stelle sollen vermehrt erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Ziel der österreichischen Bundesregierung ist es, im Jahr 2030 bilanziell 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Auf Monatsbasis ist dies erst einmal gelungen. Im Juni 2020 waren der Wind, die Sonne und vor allem die Wasserführung in Österreich so stark, dass 100 Prozent des Strombedarfs allein durch Erneuerbare gedeckt werden konnten. Das zeigen Berechnungen der Österreichischen Energieagentur, die sich auf Zahlen des Verbands europäischer Übertragungsnetzbetreiber stützt. "Wenn übers Jahr gesehen 100 Prozent erreicht werden sollen, ist aber noch einiges zu tun", sagte Christoph Dolna-Gruber, Mitarbeiter der Energieagentur, dem STANDARD. ´

Winterproblematik
Während in der warmen Jahreszeit der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion in Österreich nicht zuletzt dank des hohen Anteils an Wasserkraft jetzt schon hoch ist, schaut es in der kalten Jahreszeit schlechter aus. "Die Erzeugung geht zurück, und der Verbrauch steigt, weil für Beleuchtung und Wärmepumpen mehr Strom benötigt wird", sagte Dolna-Gruber. Diese Lücke wird derzeit durch Importmengen geschlossen – Strom, der überwiegend aus Kohle- oder Atomkraftwerken stammt.
Um diesen Anteil zu verringern, sollte verstärkt auf Energieeffizienz geachtet und in Speicher investiert werden, um den überschüssigen Strom aus dem Sommer im Winter abrufen zu können, rät Dolna-Gruber.

Weil der Verbrauch derzeit nicht durch inländische Erzeugung gedeckt werden kann, liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bei etwa 72 Prozent. Den Löwenanteil an der Erzeugung steuert die Wasserkraft bei. Der Spitzenwert wurde 2020 am 2. September verzeichnet: 85 Prozent des Verbrauchs wurden an diesem Tag mit Wasserkraft gedeckt. Der beste Tag für die Windkraft war der 5. Februar, ein Drittel des Verbrauchs wurde mit Strom aus Wind gedeckt.

Den besten Sonnenstromtag gab es übrigens am 18. Mai; Photovoltaik kam für sechs Prozent des damaligen Tagesverbrauchs auf.
(Günther Strobl, 9.1.2021)
Winter zeigt bei erneuerbaren Energien die Grenzen auf - derStandard.at
 

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#6
Mehr Gasturbinen sollen Blackout vermeiden
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In der Vorwoche dürfte Europa knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt sein. Um den Fortbetrieb der Stromversorgung sicherzustellen, verlangt die EVN den Einsatz von mehr Gasturbinen.

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Am Freitag löste ein regionaler Stromausfall in Südosteuropa eine Kettenreaktion im europäischen Stromleitungssystem aus. „Das Ganze ist kaskadenartig in einer Kettenreaktion ausgefallen und hat einen Riss durch das europäische Stromnetz verursacht“, erklärte Gerhard Christiner, Technischer Vorstand des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid. Indem mehrere Kraftwerke zugeschaltet und die Stromschwankungen so ausgeglichen wurden, konnte man ein Blackout gerade noch verhindern – mehr dazu in „Beinahe-Blackout“: EVN fordert Konsequenz (noe.ORF.at; 9.1.2021).

Auch das niederösterreichische Gaskraftwerk Theiß (Bezirk Krems) ist ein Puffer für solche Fälle. Diese Puffer brauche man, denn Vorfälle wie jener in der vergangenen Woche würden sich häufen, sagte Stefan Zach, Sprecher der EVN. „Es kommt immer öfter zu Krisensituationen im europäischen, aber auch im österreichischen Stromnetz. Es muss immer öfter eingegriffen werden. Vor einigen Jahren waren das ein paar Dutzend Eingriffe pro Jahr, mittlerweile sind es ein paar hundert pro Jahr“, so Zach.

ORF
Das Gaskraftwerk Theiß

Instabile Stromversorgung durch Energiewende
Die Häufung dieser Vorfälle sei unter anderem auf die Energiewende von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien zurückzuführen. Durch sie sei die Stromversorgung in Europa instabiler geworden. Bei der EVN betonte man, dass die Energiewende richtig und notwendig sei, allerdings seien Windräder und Solaranlagen vom Wetter abhängig und würden daher nicht immer dieselbe Menge an Strom liefern.
Deshalb forderte die EVN eine Absicherung. „Um ein System mit viel mehr erneuerbarem Strom auch sicher zu gestalten, brauchen wir zur Absicherung kleine, schnellstartfähige flexible Gasturbinen“, hielt EVN-Sprecher Zach fest. Man dürfe sich im Ernstfall nicht auf Stromimporte aus dem Ausland verlassen. Um die Versorgungssicherheit künftig unabhängig von Stromimporten gewährleisten zu können, verlangte der Energiekonzern vom Bund gesetzliche Rahmenbedingungen für einen sicheren Weiterbetrieb bestehender Gaskraftwerke sowie Anreize, um neue, flexible und schnellstartfähige Gasturbinen in Österreich zu errichten.

Auch die Austrian Power Grid, die für die überregionalen Sromnetze zuständig ist, will mehr Reserven für Notfälle. „Wir müssen schauen, dass wir dieses System gemeinsam weiterentwickeln. Der erste Schritt muss der Ausbau der Erneuerbaren Energie sein, der zweite Schritt der Ausbau des Stromnetzes, drittens die Bereitstellung ausreichender Speicherkapazitäten und als vierten Schritt kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass man das mit entsprechenden Gaskraftwerken kurzfristig stabilisieren kann“, sagte Gerhard Christiner.
12.01.2021, red, noe.ORF.at

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