2 neue Bücher über die NS-Zeit im Salzkammergut

josef

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Zwei Bücher: Neues über NS-Zeit im Salzkammergut
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Zwei neue Bücher – geschrieben von einer Frau und drei Männern aus Salzburg – widmen sich im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 in Bad Ischl der nationalsozialistischen Zeit im Salzkammergut – mit ihren Verbrechen und Massenmorden. Thematisiert werden auch die starke Widerstandsbewegung zwischen Salzburg, Ennstal, Ischl und Gmunden und die vielen Abschüsse von Kampfflugzeugen.
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Beide Bücher laden laut einem Bericht der Austria Presse Agentur (APA) zur Auseinandersetzung mit den Schauplätzen und zu deren Besuch ein. Was neben anderen Details dieser Arbeiten bisher kaum öffentlich bekannt ist, dass rund um Mondsee, Attersee und Traunsee bis 1945 viele Bomber und andere Kampfflugzeuge der USA abgeschossen wurden – mit Flak-Geschützen und von Jägern der deutschen „Luftwaffe“. Die Maschinen der Alliierten waren aus Italien auf dem Weg zu Industrieanlagen der Nazis in Ober- und Niederösterreich, Böhmen und Süddeutschland.

Region war Brennpunkt vieler Gegensätze
Die Salzburger Historikerin und Provenienzforscherin Susanne Rolinek, der Salzburger Medienwissenschafter, Publizist und Verlagsmanager Christian Strasser sowie der ORF-Redakteur und Fotograf Gerald Lehner sind die Autoren des neuen Buches mit dem Titel: „Im Schatten von Hitlers Alpenfestung. Reiseführer in die braune Topografie des Salzkammergutes.“ Dieses Trio hat schon früher ähnliche Bücher über das Land Salzburg, Oberösterreich und Wien vorgelegt.

Daran schließt nun auch der neue Band an. Die Region Salzkammergut in Oberösterreich, Steiermark und Salzburg war in der Zeit des Nationalsozialismus der Brennpunkt vieler Gegensätze, thematisiert das Autorenteam: „Arisierungen“, Kunstraub, Mütter- und Flüchtlingsheime existierten hier neben erbittertem Widerstand gegen Hitler. Im Jahr 1945 war die Region einer der letzten Kampfplätze des „Dritten Reiches“.

Flugbild: Gerald Lehner
Das Salzkammergut fotografiert aus 3.000 Metern Seehöhe, vorne Gmunden und der Traunsee. Hinten Totes Gebirge, Dachstein, Gosaukamm, Höllengebirge, Osterhornberge und Berchtesgadener Alpen

Von Massentourismus und Wirtschaftswunder verdeckt
In Hitlers letztlich nie vorhandener „Alpenfestung“ wurden geraubte Kunstwerke gelagert, die vor dem Bombenkrieg versteckt bzw. geschützt und in den letzten Tagen vor der Befreiung auf Befehl des Nazi-Regimes vernichtet werden sollten. In der Nachkriegszeit überdeckten Wirtschaftswunder und Massentourismus die vielen Wunden der Region. Gerade wenn durch die Kulturhauptstadt 2024 internationales Publikum auf Bad Ischl und die Umgebung blicke, „dürfen die historischen Verstrickungen und nationalsozialistischen Verbrechen nicht unerwähnt bleiben, denn sie wirken bis heute nach“, schreiben die Autoren.

Judenhass im Alpenverein: Eduard Pichl in Goisern bestattet
Der Reiseführer beinhaltet Ergebnisse neuester Forschungen zur regionalen Zeitgeschichte. Beleuchtet wird auch die Geschichte des nationalsozialistischen Alpinismus in der Dachsteinregion und die bizarre Lebens- und Bestattungsgeschichte des Kletterpioniers und Judenhassers Eduard Pichl, der mit als geistiger Wegbereiter des Holocaust gilt und auf dem Friedhof von Bad Goisern liegt.

Ein Kapitel widmet sich den historischen Details und der Bergung eines abgestürzten Thunderbolt-Kampfflugzeuges der USA, dessen Pilot Henry Mohr in den letzten Kriegstagen bei Ebensee verunglückte – bei einem extremen Tiefflug über dem örtlichen NS-Lager, einem Außenlager des KZ Mauthausen. 60 Jahre später wurde das Wrack von internationalen Spezialisten aus dem Traunsee gehoben. Die Maschine erhielt in der Folge im US-Staat Idaho eine Restaurierung. Sie fliegt heute wieder bei Airshows in Nordamerika – als teuerster „Warbird“ aller Zeiten in seiner Größenklasse.

Sandy Air/Wolfgang Falch
Die P-47 Thunderbolt der United States Army Air Force (USAAF) wird nach 60 Jahren aus dem Traunsee bei Traunkirchen gehoben

Vielerorts hat nach dem Krieg ein Verdrängen und Verschweigen stattgefunden, sind sich die Autoren einig. Nicht nur, aber besonders im Salzkammergut, wo die Zeit der NS-Herrschaft mit schönen Bildern überblendet wurde und wird.

Sprengstoffanschlag italienischer Neofaschisten
„Die ländliche Postkarten-Idylle weist blinde Flecken auf“, sagt der Salzburger Journalist Thomas Neuhold. Sein „Salzkammergut – Orte der Erinnerung“ präsentiert auf 90 Seiten kurz und kompakt 30 Schauplätze und spannt einen zeitlichen Bogen, der über die Jahre 1938 bis 1945 hinausgeht.

Die historische Klammer beginnt mit der Kaiservilla in Bad Ischl, wo Franz Josef 1914 die Kriegserklärung an Serbien unterzeichnet hat und endet mit dem Denkmal in Ebensee, das an den Sprengstoffanschlag italienischer Neofaschisten erinnert, bei dem 1963 ein Polizist starb und zwei weitere schwer verletzt wurden.

Gerald Lehner
Rechts oben der Balkon des Arbeitszimmers, in dem 1914 die Kriegserklärung an Serbien unterschrieben wurde: Kaiservilla in Bad Ischl, der Sommersitz von Franz Joseph I. Viele Historiker sehen den Zweiten Weltkrieg als Fortsetzung des Ersten

Herausnehmbarer Faltplan
Die Publikation von Neuhold ist als Handbuch mit einem herausnehmbaren Faltplan konzipiert, um auch einige der weniger geläufigen oder teils vergessenen Schauplätze sichtbar zu machen und verorten zu können. Die Auswahl der jeweils auf einer Doppelseite beschriebenen „Erinnerungsorte“ macht deutlich, wie stark die NS-Zeit im Salzkammergut von Gegensätzen geprägt war.

Das Tote Gebirge war Zufluchtsort für den politischen Widerstand, zugleich aber Fluchtroute für hohe Nationalsozialisten wie Ernst Kaltenbrunner oder Adolf Eichmann. Zwangsarbeiterlager fanden sich in der Region genauso wie Sommerresidenzen von NS-Größen.

Flugbild: Gerald Lehner
Westliche Ausläufer des Toten Gebirges im Vordergrund, wo sich Widerstandskämpfer versteckten. Hinten Dachstein, Gosaukamm und Hohe Tauern mit dem Großglockner

„Es ging mir mit dem Buch nicht darum, mit dem erhobenen Zeigefinger die alte Binse vom Lernen aus der Geschichte zu strapazieren, aber einige Orte neu zu beleuchten“, betont Neuhold.

Bibliografien der beiden Bücher:
Thomas Neuhold: „Salzkammergut – Orte der Erinnerung.“ Handbuch mit Faltplan. Verlag Anton Pustet, Salzburg. 90 Seiten, 20 Euro.
Susanne Rolinek, Christian Strasser, Gerald Lehner: Im Schatten von Hitlers „Alpenfestung“. Reiseführer in die braune Topografie des Salzkammergutes. Czernin Verlag, Wien. 343 Seiten, 25 Euro.


10.05.2024, APA & red, salzburg.ORF.at
Zwei Bücher: Neues über NS-Zeit im Salzkammergut
 

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Mehr Details zu den Neuerscheinungen:

Salzkammergut – Orte der Erinnerung
Thomas Neuhold


Eine Landkarte der Erinnerung
Vom Widerstandsversteck „Igel“ bis zum Feriendomizil der Familie Goebbels – in wenigen anderen Regionen Österreichs liegen die Widersprüche auch geografisch so nah beieinander wie im Salzkammergut. Hier kreuzen sich die Spuren von Rebellen und Widerstandskämpferinnen, Opfern und Verfolgten mit denen von Kriegsverbrechern und hochrangigen NS-Tätern.

In einem kleinen Handbuch werden die einzelnen Orte kurz beschrieben. Der beiliegende Faltplan markiert die Plätze und gibt Hinweise zur Orientierung.
Unter anderem finden sich:
  • Zwangsarbeiterlager in Nußdorf am Attersee
  • KZ-Stollen und -Friedhof in Ebensee
  • Haus von Franz Kain in Bad Goisern
  • Villa Roth am Grundlsee
  • Fluchtroute von Sepp Plieseis
  • Theresia-Pesendorfer-Platz in Bad Ischl
  • Löwendenkmal am Traunsee
Die ländliche Postkarten-Idylle weist auch blinde Flecken auf, diese Karte macht sie sichtbar.
  • Handbuch mit Faltplan
  • Mit rund 30 Orten, an die wir uns aus unterschiedlichen Gründen erinnern sollten
  • Von bekannten und weniger bekannten Villen, Schlössern und Lagern aus der NS-Zeit über vergessene Verstecke und Fluchtrouten bis hin zu bedeutsamen
  • Denkmälern und Kunstinstallationen
  • Zeitraum: 1914 bis 1963
Quelle: Salzkammergut – Orte der Erinnerung



Im Schatten von Hitlers Alpenfestung.
Reiseführer in die braune Topografie des Salzkammerguts.

Susanne Rolinek, Gerald Lehner, Christian Strasser


Im Schatten von Hitlers "Alpenfestung"
Reiseführer durch die braune Topografie Salzkammergut
Das Salzkammergut – eine der weltweit schönsten Berg- und Kulturregionen – war in nationalsozialistischer Zeit Brennpunkt vieler Gegensätze, die der neue Reiseführer zugänglich macht. Brutale »Arisierungen«, Kunstraub, KZ-Nebenlager, Mütter- und Flüchtlingsheime existierten hier neben besonders erbittertem Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime.
Im Jahr 1945 war die Region einer der letzten Kampfplätze des »Dritten Reichs«. In Hitlers berüchtigter »Alpenfestung« wurden geraubte Kunstwerke gelagert, die vor dem Bombenkrieg geschützt und in den letzten Tagen vor der Befreiung auf Befehl des Regimes vernichtet werden sollten. In der Nachkriegszeit überdeckten »Wirtschaftswunder« und Massentourismus die vielen Wunden der Region. Die Schönheiten des Salzkammerguts können heute aber nicht ohne diese oft sehr unbequemen Vergangenheiten betrachtet werden.

Bad Ischl mit dem umliegenden Salzkammergut ist die Europäische Kulturhauptstadt 2024 und gerade wenn internationales Publikum auf die Stadt und ihre Umgebung blickt, dürfen die historischen Verstrickungen und nationalsozialistischen Verbrechen nicht unerwähnt bleiben, denn sie wirken bis heute nach.
Quelle: Im Schatten von Hitlers "Alpenfestung"
 
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