2017/2018 - Eis der heimischen Gletscher ging weiter zurück, Hoffnung für Gletscherjahr 2018/2019

josef

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#1
Gletscher gehen weiter zurück
Das Gletscherjahr 2017/2018 hat sich erneut sehr ungünstig ausgewirkt. Das Eis der heimischen Berge ging weiter zurück. Das gab der Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) am Freitag bekannt.
Der Gletscherrückgang der vergangenen Jahrzehnte nimmt kein Ende. Von den 93 vom ÖAV-Messteam untersuchten Gletschern in Österreich sind 89 weiter zurückgegangen, nur vier sind gleichgeblieben. Kein einziger ist gewachsen.


ÖAV
Der Gepatschferner mit seiner aktuellen Gletscherzunge

Das „ewige Eis“ schmilzt dahin
Der durchschnittliche Rückgang des Gletschereises betrug seit dem Vorjahr 17,2 Meter. Der größte Längenverlust im aktuellen Gletscherjahr wurde mit 128 Metern bei der Zunge des Viltragenkees in der Venedigergruppe in Osttirol gemessen.

Seit 28 Jahren werden die Gletscher in Österreich vom ÖAV gemessen. Für den aktuellen Bericht war ein 24-köpfiges ehrenamtliches Team unter der Leitung von Gerhard Karl Lieb und Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz unterwegs.


APA/ÖAV/M. STRUDL
Blick vom Schweikertsee auf den Schweikertferner und den Fuß des Rofelewand-Massivs in den Jahren (v.l.) 2011, 2014, 2016 und 2018

Neben Längenmessungen wurden auch Fließgeschwindigkeiten und Höhenänderungen der Gletscheroberfläche am Hintereisferner (Ötztaler Alpen) und auf der Pasterze (Glocknergruppe) erfasst. Außerdem werteten die Wissenschaftler Webcambilder von der Pasterze, dem Dachstein und dem Sonnblick für ihren Bericht statistisch aus.


ÖAV
Die Gletschermesser des ÖAV sind ehrenamtlich für die Wissenschaft im Einsatz

Reichlicher Schnee schützte das Eis
Trotz des überdurchschnittlich warmen Sommers im Berichtsjahr hätte es den Gletschern noch schlechter ergehen können. Im schneereichen Winter waren die Gletscher zumindest teilweise vor der Abschmelzung geschützt. So fiel der Rückzug von 17,2 Metern bei 76 gemessenen Gletschern geringer aus als die 25,2 Meter des Jahres davor. So zogen sich zumindest vier Gletscher zuletzt nicht weiter zurück. Bei keinem dieser Gletscher sei das aber ein Hinweis auf eine Trendwende, stellte Gletscherforscher Gerhard Karl Lieb fest.

Publiziert am 12.04.2019
Gletscher gehen weiter zurück
 

josef

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#2
Weiter starke Gletscherschmelze
Das „ewige“ Eis schmilzt auch in Salzburgs Bergen weiter stark ab. Laut neuen Studien war 2018 wieder ein ungünstiges Jahr für Österreichs Gletscher – wie in Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Oberösterreich.
In der Venedigergruppe zwischen Salzburg und Osttirol sind beispielsweise das Schlatenkees um 67 Meter und das Untersulzbachkees um 53 Meter geschrumpft. Das zeigt der aktuelle Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins. Er wurde am Freitag präsentiert. Neben Längenmessungen wurden bundesweit auch wieder Fließgeschwindigkeiten und Höhenänderungen von Gletscheroberflächen erfasst.

Werte von 76 Gletschern plus Foto-Vergleiche
Weiters werteten die Experten u. a. viele Webcam-Bilder von der Pasterze, dem Dachstein, dem Rauriser Sonnblick und Stubacher Sonnblick (beide Pinzgau) für den Bericht statistisch aus. Alle relevanten Messungen wurden zwischen August und Oktober 2018 durchgeführt.


Gerald Lehner
Letzte Eisflanken beim Hochseiler zwischen Steinernem Meer und Hochkönig, August 2018

Von Eisriesen zu Eiszwergen
Auch heuer dokumentierten die ÖAV-Fachleute eine Fortführung des seit den 1990er-Jahren andauernden Gletscherrückganges.


Gerald Lehner
Reste des Plateaugletschers der „Übergossenen Alm“ auf dem Hochkönig

Konkrete Messwerte von 76 Gletschern liegen vor, von 17 weiteren konnte aus Fotovergleichen oder Messungen über eine längere (meist zweijährige) Periode die Tendenz eindeutig festgestellt werden. Von diesen 93 Gletschern waren 89 (95,7 Prozent) im Rückzug – vier blieben annähernd gleich – das bedeutet, ihre Längenänderung blieb innerhalb der Spanne von plus/minus einem Meter.


Gerald Lehner
Felssturz auf der Schattseite nach Norden - auf die auch schon sehr magere Eiszunge beim Hochseiler, verursacht durch auftauenden Permafrost


Gerald Lehner
Matrashaus mit Gletscherresten

ÖAV-Gletscherbericht 2017/18 für dem Download:
PDF (658.4 kB)

Links:
Publiziert am 12.04.2019
Weiter starke Gletscherschmelze
 

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#4
Das ewige Eis ist eben nicht ewig . Beispielsweise auf der Pasterze wuchsen Zirben in einem Zeitraum zwischen 3500 und 7000 Jahren.Das Klima ist ja ständig im Wandel .Ob der Mensch dafür verantwortlich ist darüber steiten die Wissenschaftler nach wie vor .
Sicher, einen Klimawandel kann man nicht verleugnen, aber langfristig gesehen gab es solche Perioden schon immer. Komme zwar weg von den Bergen in die Ebenen des Ostens: Der Neusiedlersee ist ein gutes Beispiel für langanhaltende niederschlagsarme und heiße Trockenzeiten!

Zitiere die Einleitung des nachfolgend über Link aufzurufende PDF-Dokumentes:
Der Neusiedler See war nachweislich vor zwei Jahrtausenden wie auch im Mittelalter und später (z. B. 1736, 1811) zum Teil oder ganz ausgetrocknet. In keinem dieser Fälle aber war das Schwinden des Wassers von so langer Dauer wie bei der letzten Austrocknung, welche von 1865—1871 das ganze Seebecken fast wasserlos erscheinen ließ.

Zum Beitrag Die letzte Trockenperiode des Neusiedler See 1865-1871
 

josef

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#5
Österreichs Gletscher werden pro Jahr einen Meter dünner


foto: apa/franz neumayr
Anzeichen eines mangelhaften planetaren Haushaltens: Unser eiszeitliches Erbe schmilzt zusammen.

ÖAW-Forscher wandten neue Messmethode an – in einem Jahrzehnt verloren die Gletscher ein Fünftel ihrer Masse
Innsbruck/Wien – Die Eisdicke der Gletscher in Österreich geht jährlich im Schnitt um einen Meter zurück: Das ermittelten Forscher des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Innsbruck mit einer neuen Methode zur Messung der Eisdicke. Der im Fachblatt "Frontiers" veröffentlichten Studie zufolge haben die Gletscher von 2006 bis 2016 ein Fünftel ihrer Masse verloren.

Zahlen und Kalkulationen
"Bisher wurde die Eismasse in erster Linie anhand der Gletscherfläche abgeschätzt", erklärte ÖAW-Gebirgsforscher Kay Helfricht in einer Aussendung. Um aber herausfinden, wie dick die Eisschicht an unterschiedlichen Stellen eines Gletschers ist, griffen die Forscher auf die sogenannten österreichischen Gletscherinventare zurück. Darin finden sich unter anderem Daten über die Umrisse der Gletscher, Höhenmodelle auf Grundlage von Luftbildern sowie Laserscans. Diese kombinierten sie mit punktuellen Messdaten der Eisdicke von 58 heimischen Gletschern. So konnten sie die Dicke unter den jeweiligen topographischen Bedingungen für alle Gletscher Österreichs möglichst realistisch ermitteln.

Das gelang ihnen nicht nur für die derzeitige Verteilung der Eismassen, sondern auch für die zeitliche Entwicklung. "2006 betrug das gesamte Volumen der Gletscher Österreichs knapp 15,9 Kubikkilometer", erklärte Helfricht. Dieses Volumen wäre ausreichend, um ganz Österreich mit 16 Zentimeter Wasser zu bedecken. Bis 2016 haben die Gletscher Österreichs dann ein Fünftel ihrer Eismasse verloren, betonte der Forscher. Der durchschnittliche Verlust der Eisdicke betrug damit rund einen Meter pro Jahr.

Regionale Unterschiede
Mit Hilfe der neuen Methode lässt sich auch zeigen, wie groß die regionalen Unterschiede des Gletscherschwunds sind: Gerade an Gletschern mit einer Eisfläche von weniger als einem Quadratkilometer, etwa dem Stubacher Sonnblickkees oder dem Brandner Gletscher, komme es, je nach topographischen Bedingungen, zu einem vergleichsweise starken Rückgang der noch vorhandenen Eismasse. Dies eröffne neue Möglichkeiten für präzisere Abschätzungen regionaler und lokaler Auswirkungen des Klimawandels.

Die Ergebnisse ermöglichen den Forscher zudem neue Aussagen über den wahrscheinlichen weiteren Ablauf des Gletscherschwundes in Österreich: "In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten wird viel Eisdicke verloren gehen und weniger die Gletscherfläche, da vor allem die großen Gletscher noch über relativ dicke Eiszungen verfügen", sagte Helfricht. Danach aber werde, so sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, der Verlust an Fläche umso schneller erfolgen.
(APA, red, 8. 5. 2019)

Link:
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/feart.2019.00068/full

Österreichs Gletscher werden pro Jahr einen Meter dünner - derStandard.at
 

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#6
NHM beleuchtet Klimawandel künstlerisch
Mit Feuer nachgestellte ehemalige Gletscherlinien oder mit Polyester-Tüchern abgedeckte Gletscher-Teile - im Naturhistorischen Museum (NHM) versuchen Künstler, den Klimawandel künstlerisch zu visualisieren.
In „Dahinschmelzen“ demonstrieren sie Erscheinungsformen und Auswirkungen der Gletscherschmelze. Die bis 1. September laufende Schau in den Sonderausstellungsräumen im Hochparterre soll dabei „nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommen“, schilderte NHM-Direktor Christian Köberl im Gespräch mit der APA. „Wir sind nicht agitatorisch tätig, sondern bildnerisch bzw. bildend. Sie soll ein Gedankenanstoß sein und zum Nachdenken anregen.“


Norfolk+Thymann


NHM Wien, Alice Schumacher


NHM Wien, Alice Schumacher


NHM Wien, Alice Schumacher


Scott Connarroe


Simon Norfolk

Arbeiten mit Archiven und Satellitenbildern
Das tut sie gleich zum Start, wenn der Fotograf Peter Funch historischen Bildern auf Postkarten nachspürt und diese Motive aktuellen Fotografien gegenüberstellt. Diese Vergleichseffekte betont er zusätzlich durch eigene RGB(Rot/Grün/Blau)-Separationsprofile. Passend zum Ausstellungstitel „Dahinschmelzen“ zeichnet Simon Norfolk auf seinen Fotografien wiederum die früheren Gletscherlinien des Lewis-Gletschers auf dem Mount Kenia mit Feuer nach.

Klimawandel visualisieren als Ziel
Ihre Arbeit kreist um eine vielbesuchte Eisgrotte am Rhone-Gletscher: Um diese zu erhalten, wickelten Unternehmer einen großen Teil des Eiskörpers in eine Isolierdecke - auf diese bezieht sich auch der Titel. Ergänzt werden die Fotos durch einen Wärmebild-Film im Zeitraffer über die Grotte, der zeigt, wie Gletscher im Gegensatz zu ihrer Umgebung nur auf langfristige Temperaturänderungen reagieren, nicht aber auf kurzfristige Wetterumschwünge.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der britischen Stiftung „Project Pressure“. Die Organisation will den Klimawandel visualisieren und nutzt dazu Kunst, wobei die Projekte in Kooperation mit Forschern durchgeführt werden. Die dabei entstandenen Arbeiten werden im NHM erstmals zusammen in einer Ausstellung gezeigt.

Veranstaltungshinweis:
„Dahinschmelzen. Gletscher als Zeugen des Klimawandels“ im Naturhistorischen Museum, vom 5. Juni bis 1. September 2019
Der US-Künstler Michael Benson wiederum verwendet für seine Werke Rohdaten aus Wissenschaftsarchiven, die er aufbereitet und neu zusammensetzt. Im NHM sind Arbeiten zu sehen, in denen er wissenschaftliche Rohdaten und Satellitenbilder von den Eisfeldern der Antarktis in ein Kunstwerk umwandelt. Fragen auf gleich mehreren Ebenen stellen Norfolk und Klaus Thymann in „Shroud“ (Totenhemd).


Link:
Publiziert am 05.06.2019
NHM beleuchtet Klimawandel künstlerisch
 

josef

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#7
Gute Aussichten für die Gletscher
Auf den österreichischen Gletschern liegt derzeit so viel Schnee wie lange nicht. Aber erst der Sommer wird entscheiden, ob sie weniger schmelzen werden als in den vergangenen Jahren. Der viele Schnee hat auch unerwünschte Folgen wie etwa das Hochwasser in Tirol.

Auf den Gletschern liegt derzeit überdurchschnittlich viel Schnee, und die Bilder erinnern eher an den April vergangener Jahre. In den letzten Jahren schmolz am 1. Mai die Schneedecke schon kräftig dahin, im Jahr 2019 kam Anfang Juni noch Schnee dazu. Schon der Hochwinter zeigte sich besonders im Norden außergewöhnlich schneereich – ein Traum in Weiß für unsere Gletscher, die diese Verschnaufpause dringend brauchen.

Weniger erfreulich ist die Situation zum Beispiel für Almbauern, deren Weideflächen derzeit noch unter Schnee liegen. Auch die Lawinensperren aufgrund der winterlichen Rekordschneefälle zeigten uns die Schattenseite hoher Schneemengen. Außerdem kann die große Schneemenge auf den Bergen eine Rolle spielen bei Hochwasserereignissen, etwa wenn es zusätzlich zu lokalen Niederschlägen oder sehr hohen Temperaturen kommt – so wie dieser Tage in Tirol.

Für die Gletscher ist die Situation 2019 außergewöhnlich, aber nicht einzigartig: Im Jahr 1965 etwa wuchs die Schneedecke über den gesamten Sommer weiter an. Das Maximum der Schneehöhe wurde an den Gletscherzungen um den 22. Mai erreicht – die warme Witterung um Pfingsten führte zu einem gleichmäßigen Dahinschmelzen des Schnees in allen Höhen. Nun kommt es darauf an, ob sommerliche Kaltfronten mit Schneefällen immer wieder diese Schmelze unterbrechen.

Was ist 2019 anders?
Der 1. Mai ist das Ende des Winterhalbjahres im hydrologischen Jahr. Zu diesem Stichtag wird der Wassergehalt der Schneedecke auf Österreichs Gletschern bestimmt. Normalerweise wird rund um Anfang Mai die größte Schneehöhe erreicht – auf hochgelegenen Gletschern etwas später, auf niedrigen etwas früher. In den letzten 15 Jahren wurden besonders in April und Mai oft überdurchschnittliche Temperaturen und geringe Niederschläge verzeichnet. Der schützende Schneemantel auf den Gletschern wurde also nicht weiter auf-, sondern schon vorzeitig abgebaut.

Teilweise kam es daher Anfang Juni schon zur Eisschmelze an Gletscherzungen, die durch die lange tägliche Strahlungsdauer um die Sommersonnenwende auch kräftig ausfiel – etwa drei Viertel der Schmelze werden durch die direkte Einstrahlung der Sonne verursacht. Im heurigen Jahr liegt an den Zungen noch meist mehr als zwei Meter Schnee, der frisch und daher hell ist und die Sonnenstrahlen gut reflektiert. Das Eis ist unter dieser Schneedecke noch für zumindest ein paar Wochen gut geschützt. Je kürzer das Eis ungeschützt frei liegt, desto geringer sind auch die zu erwartenden Verluste am Jahresende. Die starken Eisverluste der letzten Jahre sind damit heuer kaum möglich.

Gute Aussichten für Stubacher Sonnblickkees
Der schneereiche Jänner ließ die Schneedecke rund um die Messstelle Weißsee im Nahbereich der Rudolfshütte innerhalb von wenigen Tagen um mehr als 2,5 Meter anwachsen. In den darauffolgenden Wintermonaten wurde ein konstant hohes Niveau gehalten, und der neuerliche Schneehöhenzuwachs Anfang Mai schuf gute Voraussetzungen für eine mögliche positive Massenbilanz auf dem höher gelegenen Stubacher Sonnblickkees.


Wiesenegger
Abb. 1: Verlauf der Schneehöhenentwicklung Winter 2018/2019

Anfang Juni wurde an der Messstelle „Unterer Boden“ auf einer Seehöhe von 2.500 Metern in der Nähe des neu entstandenen „Unteren Eisbodensees“ eine Schneehöhe von 495 Zentimetern gemessen, ein Wert, der zuletzt im Jahr 1980 übertroffen wurde und deutlich über dem langjährigen Mittel von 344 Zentimetern liegt.


H. Wiesenegger, modifiziert nach G. Aigner
Abb. 2: Schneehöhe jeweils am 1. Juni (Reihe 1973–2019)

Am Totalisator (ein Gerät zur Messung des Gesamtniederschlags, Anm.) am Stubacher Sonnblickkees wurden ebenfalls deutlich überdurchschnittliche Monatssummen in den Wintermonaten gemessen, aus dem Bildvergleich (Abb. 3) ist leicht erkennbar, warum sich die Auffangfläche des Regenmessers, deutlich abweichend von der Standardhöhe (i. e. ein Meter), in einer Höhe von annähernd sechs Metern über dem Gelände befindet.


Bild links & Mitte H. Wiesenegger; Bild rechts G. Aigner
Abb. 3: Entwicklung der Schneehöhe am Totalisator Stubacher Sonnblickkees

Überdurchschnittliche Schneemengen
Der Dachstein war schon von den extremen Schneefällen des Hochwinters besonders stark betroffen, und seither ist noch einiges dazugekommen, wie Kay Helfricht vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zusammen mit Klaus Reingruber von Blueskyberichtet: Auf dem Hallstätter Gletscher liegen die Schneeschächte schon Anfang Mai jeweils ein Drittel über dem mehrjährigen Mittel. Der Schneeschacht unterhalb der Steinerscharte ist mit 7,85 Meter der tiefste jemals gegrabene Schacht auf dem Hallstätter Gletscher seit Beginn der Messungen im Jahr 2006 (Abb. 4).


Kay Helfricht, IGF/ÖAW
Abb. 4: Mit 7,85 m ist der Schneeschacht auf dem Hallstätter Gletscher der tiefste auf diesem Gletscher seit Beginn der Messungen im Jahr 2006 gegrabene

Die durchschnittliche Schneehöhe für das Goldbergkees liegt heuer bei 440 Zentimetern und für das Kleinfleißkees bei 400 Zentimeter, wie Anton Neureiter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) berichtet. Das ergibt eine um zehn Prozent (Goldbergkees) bzw. um 20 Prozent (Kleinfleißkees) höhere Winterbilanz als im 20-jährigen Durchschnitt.

Auch für das Mullwitzkees an der Südseite des Großvenedigers im Nationalpark Hohe Tauern, das gerade am Rand der Extremschneefälle des Hochwinters lag, berichtete Martin Stocker-Waldhuber vom IGF von überdurchschnittlichen Schneemengen am 1. Mai. Auch am Venedigerkees an der Nordseite des Großvenedigers liegt überdurchschnittlich viel Schnee.

Am Vernagtferner in den Ötztaler Alpen lag Anfang Mai zehn bis 15 Prozent mehr Schnee als im Durchschnitt; auch hier ist die Schneedecke seither noch deutlich angewachsen, wie Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften berichtete.


A. Fischer IGF/ÖAW
Abb. 5: Hohe Winterschneemengen (bis 1. Mai) bedeuten nicht automatisch auch eine geringe Schmelze am Ende des Sommers.

Entscheidend ist der Verlauf der Schmelzsaison – heuer ist bereits eines von fünf Monaten ohne Eisverlust überstanden.
Im Westen Österreichs, auf dem Jamtalferner in der Silvretta, liegt der Wasserwert der Schneedecke mit 1,6 Metern ebenfalls um 30 Prozent über dem Mittel der letzten 30 Jahre. (Der Wasserwert der Schneedecke ist die Menge an Wasser, die man erhält, wenn der Schnee schmilzt. Da der Schnee unterschiedlich dicht gepackt und damit unterschiedlich schwer ist, kann der Wassergehalt fast um den Faktor zehn unterschiedlich sein). An diesem Gletscher liegen die Schneemengen 2019 lediglich auf dem dritten Platz, mehr Schnee lag in den Jahren 2012 und 1999.


Land Tirol
Anfang Juni 2019 liegt auf dem Jamtalferner deutlich mehr Schnee als in den Jahren 2015 und 2017. Eine mit Anfang Juni 2019 vergleichbare Ausdehnung der Schneedecke wurde Ende April 2018 erreicht. In den Jahren 2015, 2017 und 2018 Jahren kam es auf dem Jamtalferner zu extrem großer Eisschmelze am Ende des Jahres: Wie es 2019 aussehen wird, kann man erst im August abschätzen.

Für die Schweiz berichtet Andreas Bauder von der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH Zürich, dass die Winterbilanz erstaunlich konsistent ca. 20 bis 30 Prozent über dem langjährigen Mittel liegt. Die geringsten Überschüsse wurden bei den ersten Messungen Ende März/Anfang April verzeichnet; mittlerweile dürfte die Bilanz also noch deutlich besser ausfallen.

In Südtirol war der Hochwinter nur auf dem Alpenhauptkamm schneereich, dennoch hat es im ganzen Land auf den Gletschern sowohl im Spätherbst (Hochwasser 28. bis 30.10.2018) als auch in den Frühlingsmonaten ergiebig geschneit. Somit liegen auch auf der Alpensüdseite die Winterbilanzen 2019 meist bis etwa 20 Prozent über dem Durchschnitt, berichtet Roberto Dinale vom Hydrografischen Amt Bozen. Der Übeltalferner in den Stubaier Alpen dürfte am besten abschneiden, gefolgt vom Langenferner (Ortlergebiet). Für den Westlichen Rieserferner (Hohe Tauern) wird hingegen nur mit einer leicht unterdurchschnittlichen Massenbilanz gerechnet.

Mehr zum Thema
Publiziert am 15.06.2019
Gute Aussichten für die Gletscher - science.ORF.at
 

josef

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#8
Gletscherschmelze: Spätsommer entscheidend
Das Wetter der nächsten Wochen ist ausschlaggebend, wie viel Gletschereis heuer wieder auf Österreichs Dreitausendern verschwindet. Der schneereiche und lange Winter hatte ihnen eine schützende Schicht verpasst. Der heiße Juni setzte dem Schnee allerdings zu.
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Laut Experten wird das Wetter im August entscheidend, wie die heimischen Gletscher den Sommer überstehen. Klar ist – und das zeigen lange Messreihen: In wenigen Jahrzehnten könnten etliche Gletscher komplett verschwunden sein.

Der August ist für den hydrografischen Dienst und die Gletscherforscher wichtig, weil hier die Schnee- und in der Folge dann die Eisschmelze ihren sommerlichen Höhepunkt erreicht. Mitte bis Ende August sei die beste Zeit, um Jahresbilanz zu ziehen, heißt es.

Flugbild: Gerald Lehner
Hochkönig. Erkundung aus der Luft vor fast einem Jahr im August 2018: Klägliche Reste des einst riesigen und dicken Gletschers Übergossene Alm auf dem Hochplateau. Rechts: Matrashaus auf dem Gipfel, nach dem Zittelhaus auf dem Sonnblick die höchstgelegene Schutzhütte Salzburgs.

Flugbild: Gerald Lehner
Aktuelles Bild von Donnerstagfrüh, 19. Juli 2019: Hochkönig-Massiv mit Matrashaus (höchster Punkt in der Wolke). Für die Jahreszeit liegt heuer noch immer vergleichsweise viel Schnee – trotz mehrerer Hitzewellen. Kann er das verbliebene Eis weiter „schützen“? Diese Frage stellt sich nun für viele höhere Berge.


Flugbild: Gerald Lehner
Vor einem Jahr im August 2018: Hochkönig mit Matrashaus (links auf dem Gipfel), Reste der Übergossenen Alm mit blankem Eis und kaum noch Schnee


Flugbild: Gerald Lehner
Aktuelles Bild von Donnerstagfrüh, 19. Juli 2019, aufgenommen über dem Blühnbachtal mit Blick nach Süden: Hochkönig-Massiv mit Matrashaus (höchster Punkt in der Wolke). Rechts davon sind die Reste der Übergossenen Alm heuer noch unter Schnee – auch auf dem Hochseiler rechts.


Flugbild: Gerald Lehner
Aufnahme von August 2018: Felssturz auf nordseitige Gletscherreste durch Klimawandel. Der Permafrost taut auch beim Hochseiler zwischen Hochkönig und Steinernem Meer auf.


Gerald Lehner
Schwindender Gletscher auf 2.800 Meter Seehöhe im hinteren Jamtal beim Paulcketurm an der südwestlichsten Grenze Tirols zu Graubünden (Schweiz)


Noch tief verschneiter Großglockner mit Pallavicini-Rinne und den Gletschern unter den Nordwänden


Flugbild: Gerald Lehner
Frühling 2019: Schneemassen auf dem Glockner und allen Dreitausendern der Hohen Tauern. Vorne: Gipfelgrat des Hocharn bei Rauris.


Flugbild: Gerald LehnerNordwände des Glockners, Anfang Juni 2019


Flugbild: Gerald LehnerMassenweise Schnee aus dem Winter: Großes Wiesbachhorn, Hoher Tenn, Bratschenkopf, Klockerin, Bauernbrachkopf, Großglockner im vergangenen Frühjahr


Flugbild: Gerald Lehner
Anfang Juni 2019: Großglockner und Rauriser Sonnblick (vorne) mit der Wetterstation

Salzburger erstellte eine der längsten Messreihen
Gemessen wird in Salzburg auf mehreren Gletschern. Am längsten ist das Stubacher Sonnblickkees oberhalb von Uttendorf im Fokus der Wissenschafter. Gletscherforscher Heinz Slupetzky hat dort schon für seine Dissertation im Jahr 1963 mit den Messungen begonnen, die später vom hydrografischen Dienst des Landes übernommen und weitergeführt wurden. Weltweit gibt es nur zwei Dutzend Messreihen über Gletscher, die so alt sind.
Bis 1982 hat das Stubacher Sonnblickkees zehn Millionen Kubikmeter an Masse zugewonnen, seither aber 40 Millionen verloren – das ist mehr als die Hälfte des ursprünglichen Volumens. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird der Gletscher komplett verschwunden sein.

Eisflächen seit 150 Jahren mehr als halbiert
Dieser Trend gilt laut Slupetzky österreichweit. Berechnungen ergeben, dass Österreichs 900 Gletscher vor 150 Jahren eine Fläche von 940 Quadratkilometer hatten – heute sind es nur noch 416.
Reinhard Grabher, Gerald Lehner – salzburg.ORF.at
Chronik: Gletscherschmelze: Spätsommer entscheidend
 

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#9
Pasterzenzunge in 30 Jahren verschwunden
Die Pasterzenzunge am Großglockner nimmt weiter stark ab, siebeneinhalb Meter sind es pro Jahr. Messungen zeigen, dass vom bekanntesten Gletscher der Ostalpen nur noch wenig übrig ist. In etwa 30 Jahren wird die Gletscherzunge wohl verschwunden sein.
Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik untersucht die Dicke und Mächtigkeit des Eises seit dem Jahr 2004. Drei- bis viermal pro Jahr kommen der Oberdrautaler Anton Neureiter und Gernot Weyss im Namen der Wissenschaft zur Franz-Josefs-Höhe unter dem Glockner. Von Jahr zu Jahr wird der Weg zum Eis beschwerlicher.

ORF
Die Forscher machen sich in aller Frühe auf den Weg

Ein See mit Eisblöcken statt ewigen Eises
Wenn sich die beiden auf den Weg machen, ist es noch sehr früh. Zu Fuß geht es mit schwerem Gepäck 200 Meter abwärts. Hier gab es einmal Eis, in den vergangen 170 Jahren ist aber mehr als die Hälfte davon verschwunden. Vor rund zehn Jahren lag das Ende der Pasterzenzunge an dieser Stelle, heute ist es ein See mit bizarren Eisskulpturen – es sind die Reste des Gletschers, die sich von Jahr zu Jahr verändern.

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Gletschersee anstelle einer Eiszunge mit schwimmenden „Eisbergen“ wie in der Antarktis

Mit dem Seil über einen Gletscherbach
Eine Wegstunde später müssen die beiden auf dem Weg zum Eis über einen Gletscherbach. Die einzige Möglichkeit dafür bietet ein Stahlseil – es wurde von der Bergrettung für Notfälle eingebaut.

ORF
Techniker Gernot Weyss: „Das Seil ist nicht gewöhnungsbedürftig, das macht Spaß“

Messstation wandert mit dem Gletscher talwärts
Für Touristen ist dieser Weg dennoch absolut tabu. Endlich taucht die Wetterstation der Zentralanstalt vor den Forschern auf, die mitsamt den Resten der Gletscherzunge talwärts wandert. Gernot Weyss: „Es ist eine Floatingstation, die nur am Eis steht und nicht eingebohrt ist und mit der Eisoberfläche abschmilzt. Letzten Herbst gab es Windgeschwindigkeiten mit 165 Kilometern pro Stunde, die Station ist aber zum Glück nicht umgefallen.“

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Floatingstation

Besonders starker Rückgang in den letzten Jahren
In den vergangen Jahren war der Rückgang des Gletschers besonders stark. In den letzten fünf Jahren sind 16 Prozent verschwunden. Anton Neureiter widmet sich weiteren Messpunkten. Hier, wo das Eis vom Johannisberg, dem oberen Pasterzenboden und Hufeisenbruch talwärts fließt, werden Löcher eingebohrt und Kunststoffstangen versenkt. Nach zwölf Monaten sieht man, wie viel Eis abgeschmolzen ist.

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Eisbohrung

200 Meter Eis in 50 Jahren wohl verschwunden
Neureiter: „Wir haben in den letzten Jahren immer starken Verlust gehabt. Siebeneinhalb Meter ist in diesem Bereich hoch, aber in den letzten Jahren leider normal.“
Gemessen wird an der stärksten Stelle der Eisdecke. „Unter uns sind noch knapp 200 Meter Eis. Bei siebeneinhalb Meter Schwund im Jahr kann man sich ausrechnen, dass es bis 2050 mit dem Eis hier knapp wird.“

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Die Pasterze von oben

Bäche lassen Eis von innen einbrechen
Mit einem besonders genauen GPS-Gerät wird vermessen. Der Gletscher wird auch von innen her kleiner – wie bei diesen kraterähnlichen Formationen.
„Es kommen Bäche herein, die sich über die Felsen erwärmen und dann in den Gletscher reinfließen. Es bilden sich Kavernen, die dann einbrechen. Es ist ein Kollabieren der Zunge, das geht dann viel schneller.“

ORF
Eiskavernen zeigen: Das Eis nimmt auch von innen her ab

Geröllschicht isoliert die Pasterzenzunge
Der größte noch erhaltene Teil der Pasterzenzunge liegt unter einer isolierenden Geröllschicht. Ob und wann gemessen werden kann, ist für die Forscher immer auch eine Wetterfrage. Bei Gewittern zum Beispiel wird es hier lebensgefährlich.

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In den vergangen 170 Jahren ist der Pasterzengletscher auf die Hälfte seiner Größe zusammengeschrumpft.
Peter Matha/kaernten.ORF.at
Pasterzenzunge in 30 Jahren verschwunden
 

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#10
Vorarlberg: Gletscherschmelze schreitet rasant voran

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Greenpeace warnt vor den fatalen Folgen der Klimakrise. Die Umweltschutzorganisation hat eine Bundesländerstudie über die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels gemacht. Demnach schreitet die Gletscherschmelze in Vorarlberg rasant voran. Gleichzeitig steigt die Lawinen- und Murengefahr.
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KLIMAWANDEL
Vorarlbergs Gletscher „nicht mehr zu retten“

In der Silvrettagruppe sind schon 22 Prozent der Gletscherfläche verschwunden. Ursachen dafür sind einerseits die steigenden Temperaturen, andererseits der zu geringe Niederschlag.

Almlandschaften leiden unter Klimawandel
Außerdem zeigt sich die Klimakrise inzwischen massiv am Sterben der Almen, sagt Greenpeace-Sprecherin Sophie Lampl. Die steigenden Temperaturen begünstigen das Wachstum von Büschen und anderen kulturfremden Pflanzen. Das führt dazu, dass es bis zu 20 Prozent mehr Futtermenge gibt. Die Tiere können diese Menge jedoch nicht bewältigen. Die Folge: Die Almen verwuchern und werden aufgegeben. Eine einzigartige Kulturlandschaft geht so verloren und mit ihr auch eine zentrale Schutzfunktion der Almen, so Greenpeace.

Greenpeace/Mitja Kobal
Die Almwirtschaft ist durch die Klimakrise akut bedroht

Lawinen- und Murengefahr steigt
In den vergangenen 20 Jahre habe sich die Zahl an Vorarlberger Almen fast halbiert. Gab es 1986 in Vorarlberg noch 944 Almen, waren es 2016 nur noch 525. Dadurch, dass immer weniger Almen bewirtschaftet werden, steige die Lawinen- und Murengefahr stark an, sagt Lampl.

“Klimaschutz muss endlich Priorität in der Politik haben. Nur so können wir das schützen, was uns lieb ist: unsere Berge, unsere Wälder und unsere Seen. Darum braucht Österreich dringend höhere Reduktionsziele bei den Treibhausgasen, eine ökosoziale Steuerreform und unser Land muss raus aus schmutzigem Öl, fordert Lampl.

Greenpeace/Mitja Koba
lSchmelzende Gletscher, sterbende Almwirtschaft sowie Lawinen- und Murenabgänge belasten Mensch und Natur

Auswirkungen in allen Bundesländern
Wie der Bericht von Greenpeace zeigt, der sich auf Analysen des Climate Change Centre Austria (CCCA) stützt, sind höher liegende Regionen besonders betroffen. Durch steigende Temperaturen tauen Permafrostböden in Salzburg und schmelzen Gletscher in Tirol – mehr dazu in Umwelt: Greenpeace warnt vor Gletscherschmelze.

Im Burgenland droht der Neusiedlersee auszutrocknen, in Niederösterreich gibt es aufgrund von Trockenheit Ernteausfälle und in Kärnten befördern die klimatischen Verhältnisse und der Borkenkäfer das Waldsterben.

Klimaschutz-Konferenz der Bundesländer
Am Freitag findet auf Anregung der Bundesländer Tirol und Burgenland eine außerordentliche Sitzung der Klimaschutzreferenten der Bundesländer in Wien statt – mehr dazu in Länder berufen Klimakonferenz ein. Dabei soll auch über den nationalen Energie- und Klimaplan sowie eine ökosoziale Steuerreform diskutiert werden.
11.09.2019, tp, vorarlberg.ORF.at//Agenturen
Links:
Umwelt: Gletscherschmelze schreitet rasant voran
 

josef

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#11
Erwärmung erhöht Gefahr in den Bergen
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Anfang September sind durch einen gewaltigen Felssturz in Kaprun (Salzburg) ein Bergsteiger getötet und zwei schwer verletzt worden. Grund war laut Geologen der tauende Permafrostboden. Auch im Kärntner Hochgebirge steigen dadurch die Gefahren für Wanderer und Bergsteiger deutlich an.
Wenn der Permafrostboden auftaut, öffnen sich Klüfte zwischen den Gesteinsformationen, es drohen Felsstürze. Um die Gefahren wissen Bergführer und Nationalparkranger in den Hohen Tauern Bescheid. Sie sind es, die mit den unzähligen Wanderern und Bergtouristen die Höhenwege begehen bis hin auf den Gipfel des Großglockners. Georg Granig ist seit 25 Jahren Nationalparkranger in Heiligenblut.

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Seilschaft auf der Pasterze

Pro Woche können es schon mehr als 100 Touristen sein, die er und sein Team über die Höhenwanderwege führen: „Es ist ein Prozess, wo man sieht, es verändert sich immer schneller. Wir haben den Anspruch, mit den Leuten unverletzt heimzukommen. Wenn es von der Wetterlage her oder aus anderen Gründen gefährlich wird, müssen wir es auch absagen.“

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Die steigenden Temperaturen im Sommer, auch im Hochgebirge, sorgen für neue Herausforderungen, sagt Nationalparkranger Granig. Bei den Bergwegen werde es zum großen Problem, weil sie in Bereichen angelegt worden seien, wo der Permafrost sehr fest gewesen sei. „Und jetzt geht er auf und es rutschen Teile auf, der Weg steht plötzlich in der Luft.“

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Eisberg im Gletschersee

Jeden Abend werden Steine entfernt
Die Plusgrade sorgen für neue Herausforderungen, sagt auch der langjährige Bergführer Peter Suntinger: „Auf dem Glocknerleitl sind wir Bergführer täglich dabei, die Situation neu zu beobachten. Die jungen Bergführer steigen am Abend noch auf ins Glocknerleitl, sichern die gefährlichen Steine, lassen sie herunter. Der Weg wird am Abend gesperrt, damit am nächsten Tag die Seilschaften halbwegs sicher sind. Hundertprozentige Sicherheit kann man nicht garantieren.“ Mit schwächeren Leuten sei man dann halt auch einmal länger in den Gefahrenbereichen.

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Der See entstand erst in den letzten zehn Jahren

Im See am Fuße des Johannisberges im Glocknermassiv sind die stummen Zeugen aus einer Zeit zu sehen, in der das Eis noch mehr als 300 Meter dick war. Das war laut Gletscherforschern vor 5.000 Jahren. Jedes Jahr schrumpft der Eis weiter, die Gletscherzunge geht pro Jahr um bis zu 70 Meter zurück. Es ist das Eis, das die Gesteinsformationen wie ein Kitt zusammenhielt. Der See entstand erst innerhalb der letzten zehn Jahre.

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Die Tafeln zeigen, wie schnell das Eis schmilzt

Jahrestafeln zeigen Rückgang an
Die Tafeln mit den Jahreszahlen, die anzeigen, wie weit das Eis einmal heraufreichte sind Mahnmale, die den langjährigen Bergführer Suntinger betroffen machen. Man höre, wie sich die Steine bewegen und sehe dann irgendwo eine Staubwolke, wo sie dann abgehen. Das donnere dann bis zur Pasterze und man müsse schauen, dass man weit genug weg sei. Das Eis werde in den nächsten Jahrhunderten nicht zurückkommen, so Suntinger. Man müsse damit zurechtkommen und die Wege neu gestalten.

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„Der Veränderung müssen wir uns stellen, ob es uns passt oder nicht. Wir haben wohl auch einen gewissen Teil dazu beigetragen.“ Am Drehtag des ORF-Teams hatte es auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.400 Metern 15 Grad.

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Umwelt: Erwärmung erhöht Gefahr in den Bergen
 
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