27.01.1945...Befreiung KZ-Auschwitz

josef

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Heute vor 70 Jahren...Befreiung KZ-Auschwitz

Auschwitz - über eine Million Menschen ermordet

Am Dienstag, 27.01.2015, jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im von Nazi-Deutschland besetzten Polen durch die Sowjetarmee. Zwischen 1940 und 1945 ermordeten die Nationalsozialisten in Auschwitz systematisch eine Million Menschen, die allermeisten Juden. Als am 27. Jänner 1945 Soldaten der Roten Armee das Lager befreiten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Vertreter von mehr als 30 Staaten werden an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen. Diese werden von der aktuellen Ukraine-Krise überschattet.

Mahnung an die Menschheit

Als am 27. Jänner 1945 sowjetische Soldaten das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen befreit haben, haben sie nur noch knapp 7.600 Häftlinge lebend vorgefunden. Der Rest war von den Nationalsozialisten auf Todesmärsche geschickt oder in andere Konzentrationslager überstellt und ermordet worden.

Von bis zu 6,3 Millionen Opfern des Holocaust wurden etwa 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz-Birkenau ermordet: rund eine Million Juden, etwa 21.000 Roma und Sinti, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 80.000 aus politischen und anderen Gründen nach Auschwitz Deportierte. Schätzungen gehen davon aus, dass darunter 16.000 bis 18.000 Menschen aus Österreich waren. Insgesamt überlebten nur etwa 65.000 Menschen Auschwitz.

„Gefoltert und blutig geschlagen“
Einer von ihnen war der jetzt 101-jährige Marko Feingold, der in Wien-Leopoldstadt aufwuchs und heute noch Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg ist. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem „Kurier“ erinnerte er sich an seinen Überlebenskampf in Auschwitz.

Marko Feingold (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg) erinnert sich an seine Zeit im KZ Auschwitz
„Als ich nach der Ankunft 1941 mein Geld abliefern musste, sagte ein Mithäftling zu mir, dass ich das Geld nicht mehr bräuchte, da meine Lebenserwartung nur drei Monate beträgt und ich dann durch den Kamin gehe. Ich wurde gefoltert und blutig geschlagen, aber ich habe überlebt.“ Feingold wog bei körperlicher Schwerstarbeit nur noch 30 Kilogramm. Er überlebte drei weitere KZs, darunter Dachau und Buchenwald, wo er am 11. April 1945 von den Amerikanern befreit wurde.

Nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie
Das Vernichtungslager Auschwitz am Rand der südpolnischen Kleinstadt Oswiecim bei Krakau war das größte im System der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, gefolgt von Majdanek bei Lublin in Ostpolen. Außer Auschwitz und Majdanek errichteten die Nationalsozialisten im besetzten Polen auch die Vernichtungslager Treblinka, Belzec und Sobibor. Das Lager, das jahrelang von Obersturmführer Rudolf Höß geleitet wurde, bestand aus dem Stammlager Auschwitz I, Auschwitz II (Birkenau), Auschwitz III (Monowitz) sowie aus 47 Nebenlagern.

Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche NS-Vernichtungslager
Nach der Errichtung des Lagers im Frühjahr 1940 waren zunächst vor allem polnische Juden in dem Lager interniert, später kamen sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma und Angehörige anderer Nationalitäten hinzu. Unter anderem wegen seiner guten Verkehrsanbindung wurde Auschwitz ab 1942 zum Zentrum des Massenmords an den europäischen Juden, deren völlige Ausrottung sich die Nationalsozialisten zum Ziel gesetzt hatten.

Medizinische Experimente an Häftlingen
Am 26. März 1942 erreichte der erste vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) im Zuge der „Endlösung der Judenfrage“ organisierte jüdische Sammeltransport das KZ Auschwitz. Ab dem Sommer 1942 wurden bei „Selektionen“ durch SS-Ärzte noch arbeitsfähige Menschen zur Arbeitsleistung ausgewählt. Alle übrigen, vor allem alte Menschen und Kinder, wurden sofort in die Gaskammern geschickt und ermordet. Einige Gefangene wurden von Nazi-Arzt Josef Mengele auch für barbarische medizinische Experimente ausgewählt, die die meisten nicht überlebten.

Ab 1942 deportierten die Nazis auch Kinder nach Auschwitz
Bei der Ankunft in Auschwitz wurden die Häftlinge gezwungen, in aller Eile die Viehwaggons zu verlassen und sich in Reihen aufzustellen. SS-Offiziere „selektierten“ die Häftlinge noch an der Bahnrampe - wer als arbeitsfähig galt, kam zunächst in das „Quarantänelager“, dann in eines der Arbeitslager, wo die Häftlinge registriert wurden und ihnen eine Häftlingsnummer auf den Unterarm tätowiert wurde. Kinder, Alte und andere als nicht arbeitsfähig geltende Häftlinge wurden in der Regel noch am Tag ihrer Ankunft in den als Duschräume getarnten Gaskammern mit dem Giftgas Zyklon B ermordet.

„Endlösung der Judenfrage“
Zum organisierten Massenmord - der „Endlösung der Judenfrage“- zählte auch, dass Habseligkeiten, Goldzähne, Haare und Kleidung verwertet wurden. Ein „Sonderkommando“ von Häftlingen musste anschließend die Leichen in den Krematorien oder auf freier Fläche verbrennen. Die zur sofortigen Ermordung bestimmten Häftlinge wurden nicht registriert, was genaue Angaben über die Opferzahlen bis heute schwierig macht. 15 bis 20 Prozent eines jeden Transports wurden für mörderische Zwangsarbeiten am Leben gelassen. Mehr als die Hälfte der registrierten Opfer starb durch Arbeit, Hunger, Kälte, Folter, medizinische Experimente oder wahllose Exekutionen.

Menschenverachtende Lebensbedingungen auf dem Lagergelände - wie die qualvolle Enge in den zumeist feuchten Baracken - sorgten dafür, dass unter den Häftlingen auch Krankheiten und Epidemien grassierten. Die teils hölzernen, teils gemauerten Baracken besaßen weder Heizung noch sanitäre Anlagen, es wimmelte von Ungeziefer und Ratten. Hinzu kamen der anhaltende Wassermangel und die dürftigen Essensrationen von 1.300 Kalorien für „leicht“ arbeitende und rund 1.700 Kalorien für „schwer“ arbeitende Häftlinge. Die Arbeitszeit betrug elf bis 15 Stunden. Die restliche Zeit war ausgefüllt mit andauernden Appellen und dem Warten auf die Essensausgabe oder einen Latrinenplatz.

Das Krematorium befindet sich noch heute in der Gedenkstätte
Anfangs arbeiteten die Häftlinge, die statt mit Namen nur mit Nummern gerufen wurden, beim Ausbau des Lagers. Später begann die deutsche Industrie, die Arbeitskraft der Häftlinge auszunutzen. Dazu zählte der Konzern IG Farben, der die Buna-Werke in Monowitz baute, eine Fabrik für synthetischen Gummi und Benzin. 47 Außenlager gehörten zum Lagerkomplex Auschwitz. Die Mehrheit der Nebenlager befand sich in Schlesien. Die Häftlinge arbeiteten dort in der Kohleförderung, der Waffenproduktion und der Chemieindustrie.

Widerstand von Häftlingen
Trotz eines Systems von Bespitzelung und ständiger Überwachung organisierte sich auch in Auschwitz Widerstand von Häftlingen. Am 7. Oktober 1944 unternahmen Häftlinge des „Sonderkommandos“ einen Aufstand und konnten eines der Krematorien mit Hilfe von Sprengstoff, den weibliche Häftlinge aus einer Fabrik eingeschmuggelt hatten, teilweise zerstören. Der anschließende Fluchtversuch von rund 250 Häftlingen scheiterte, alle Gefangenen wurden gefasst und getötet. Vier Frauen, die bei der Vorbereitung des Aufstands geholfen hatten, wurden nur wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers am 6. Jänner 1945 hingerichtet.

Unmittelbar nach dem Aufstand befahl Reichsführer-SS Heinrich Himmler den Abriss der Krematorien und ein Ende der Vergasungen. 1944 näherte sich schnell die Offensive der Roten Armee, die deutsche Niederlage war absehbar, nun sollten die Spuren der Verbrechen beseitigt werden. Im Juli war bereits das Lager Birkenau „aufgelöst“ worden. 4.000 der verbliebenen 12.500 Insassen wurden vergast, die anderen abtransportiert. Im August wurde mit dem Mord an über 2.900 Sinti und Roma das „Zigeunerlager“ „aufgelöst“.

Todesmärsche Richtung Westen
Bei der letzten Zählung am 17. Jänner 1945 waren noch 67.012 Menschen im Lager. Tags darauf begannen die Nazis wegen der vorrückenden sowjetischen Truppen mit einer hastige Räumung des Lagers. Rund 58.000 wurden zu Todesmärschen Richtung Westen gezwungen, die viele nicht überlebten. Andere Häftlinge wurden in andere Konzentrationslager überstellt oder gleich an Ort und Stelle ermordet.

Als Soldaten der Roten Armee am Nachmittag des 27. Jänner 1945 das Lager befreiten, fanden sie die Leichen von 600 Gefangenen, die nur wenige Stunden zuvor ermordet worden waren. Sie fanden auch 350.000 Herrenanzüge, 837.000 Frauenkleidungsstücke und tonnenweise Menschenhaare in Säcken. Lediglich rund 7.600 kranke und erschöpfte Gefangene sowie einige hundert Kinder, die die KZ-Lagerwärter zurückgelassen hatten, konnten gerettet werden.

Unvorstellbares Leid
Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz veröffentlichte kürzlich auch die britische „Daily Mail“ Interviews mit Überlebenden. Susan Pilack (84) erinnerte sich, dass sie als 14-Jährige nach der Befreiung wegen Tuberkulose, Typhus und schwerer Unterernährung ins Krankenlager kam. „Als die Befreiung kam, war ich praktisch eine Leiche, unfähig zu gehen, und ich wäre wohl bald gestorben“, sagte die gebürtige Ungarin, die heute in den USA lebt.

Am 27. Jänner 1945 befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz
Bei Sam Pivnik (80) hat sich der Moment ins Gedächtnis eingebrannt, als sich der gebürtige Pole im Alter von 14 Jahren in der Krankenstation von Auschwitz dem gefürchteten Arzt Mengele zu Füßen warf. Pivnik, der 1943 ins KZ deportiert worden war, wollte verhindern, dass er „ausselektiert“ würde, als er sich nicht mehr aus seinem Spitalsbett bewegen konnte. „Mengele trug seinen weißen Arbeitsmantel und machte seine Runden. Ich war vor Angst wie gelähmt. Wir wussten alle, dass, wenn jemand nicht vom Bett aufstehen konnte, er ins Gas geschickt werden würde. Er kam zu mir, und sein Finger zeigte nach links, zur Gaskammer. Ich brach in Tränen aus und warf mich zu seinen Füßen. Ich glaube, ich habe sogar seine Schuhe geküsst.“

Laut Pivnik hasste es Mengele, von Juden berührt zu werden - er hätte dafür erschossen werden können. „An jenem Tag, ich weiß nicht, warum, ging er von mir weg. Später sagte man mir, ich könne bleiben“, sagte Pivnik, der im Mai 1945, stark geschwächt, nach einem Todesmarsch und nach der Flucht von einem Transportschiff, das sank, befreit wurde.

Hunderte SS-Leute nach Kriegsende vor Gericht
Nach Kriegsende wurden in Polen bis 1953 knapp 700 der insgesamt gut 7.000 SS-Leute, die in Auschwitz Dienst taten, vor Gericht gestellt. Lagerkommandant Höß wurde 1946 bei Flensburg gefasst, nach seiner Überstellung nach Polen von einem Gericht zum Tode verurteilt und am 16. April 1947 auf dem ehemaligen Lagergelände in Auschwitz hingerichtet.

Heute sind von zwei der großen Vernichtungslager noch viele Teile erhalten beziehungsweise originalgetreu ergänzt. Sie sind öffentlich zugänglicher Bestandteil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Gedenkstätte des Holocaust und jüdischer Friedhof auf dem Gelände der beiden ehemaligen Lager I und II. Dieses Museum ist zugleich Gedenkstätte, internationales Begegnungs- und Holocaust-Forschungszentrum.

Seit seiner Befreiung ist Auschwitz-Birkenau Symbol für den industriellen Massenmord an den Juden Europas und für das Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen können. Der Text an einem Denkmal im Vernichtungslager versucht, die von den Nazis in Auschwitz verübten Verbrechen in Worte zu fassen. „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit.“
http://orf.at/stories/2261825/2261827/
 
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27. Jänner - Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Der heutige 73. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau bildet den Anlass des "Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust"...

Als "Nachhilfe" für die Personen, die den Geschichtsunterricht versäumt hatten bzw. als "Gedächtnisauffrischung" für alle Anderen, welche die Gräueltaten des Nazi-Regimes schon vergessen haben:

https://www.welt.de/kultur/gallery1202343/Das-groesste-deutsche-Vernichtungslager.html
 

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Jahrestag 75 Jahre Befreiung
Das Ende des Todeslagers Auschwitz

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Für die letzten Gefangenen des KZ Auschwitz hat das Ende ihres Martyriums mit einer Explosion begonnen. Die Rote Armee nahte, die Nazis traten den Rückzug an. Davor sprengten sie das Krematorium, 60.000 Häftlinge wurden auf Todesmärsche geschickt. Als die Rote Armee am 27. Jänner 1945 Auschwitz erreichte, fand sie nur noch einige tausend Überlebende – und Beweise für das präzedenzlose Verbrechen der Menschheit, die industrielle Tötung von mehr als einer Million Menschen. Am Montag jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz zum 75. Mal.
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Um 9.00 Uhr Morgen erreichten die Soldaten der 1. Ukrainischen Front das Lager. Zwischen Baracken und Stacheldraht sahen sie die Folgen der NS-Vernichtungspolitik: Leichen, Sterbende und Berge von Schuhen, Brillen, Prothesen und anderen Besitztümern der Opfer. Gerettet werden konnten nur rund 7.600 Menschen, die meist zu schwach für die Räumung des Lagers waren. Sie hätten eigentlich noch von SS-Angehörigen getötet werden sollen, doch dazu kam es nicht mehr.

Den russischen Soldaten bot sich nur ein Ausschnitt des Grauens. 7.000 Menschen wurden gerettet – gestorben ist im industriellen Tötungskomplex Auschwitz eine kaum fassbare Zahl an Menschen. In nur fünf Jahren wurden im Stammlager, in Birkenau, Monowitz und den Nebenlagern mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden und Jüdinnen. Durch Gas und Gift, durch Zwangsarbeit, durch grauenhafteste medizinische Menschenversuche, Erschießungen, Prügel, Hunger und Krankheiten. Auschwitz wurde zum Inbegriff des Holocaust und des Menschheitsverbrechens.

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Szenen der Befreiung: Rettungskräfte tragen einen 15-Jährigen aus dem KZ

Todesmarsch in Richtung NS-Deutschland
In den Stunden der Befreiung befand sich dieses noch in der Ausführung, die Nationalsozialisten waren noch nicht besiegt. Auch nicht in Auschwitz: Kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee trieben die Nazis 60.000 „arbeitsfähige“ Gefangene aus Auschwitz und den Nebenlagern zusammen und zwangen sie zu einem Todesmarsch Richtung Westen – die ohnehin am Boden liegende NS-Kriegswirtschaft konnte und wollte nicht auf die Sklavenarbeit verzichten. Zudem sollten die Gefangenen als „Verhandlungsmasse“ in Gesprächen mit den Alliierten dienen, glaubt die Forschung heute.


Der Marsch Richtung NS-Deutschland sollte für die Lagerinsassen zur nächsten Tortur werden. Mit dünner Häftlingskleidung und Holzschuhen bekleidet, entkräftet und krank, mussten sich die Menschen bei eisigen Jänner-Temperaturen und Schneefall Richtung Westen durchkämpfen. Gegen Ende der Kolonne wartete ein Erschießungskommando, das „marschunfähige“ Personen ermordete.

Doris Antony, BerlinCC BY 4.0
Noch heute markieren meist in der Nachkriegszeit aufgestellte Mahnmale die Routen der Todesmärsche. Diese nahmen nicht nur von Auschwitz, sondern von all jenen Konzentrationslagern Ausgang, die von den Alliierten erreicht wurden.

Zwischen 9.000 und 15.000 Personen mussten auf dem Todesmarsch von Auschwitz ihr Leben lassen, der Rest wurde in andere Lager verfrachtet, wo sich die mörderischen Zustände bis zum Kriegsende fortsetzten. Die von der Roten Armee geretteten Menschen im Lager wurden großteils in einem im KZ eingerichteten Lazarett betreut, oft monatelang. Viele von ihnen überlebten nicht, starben an den Folgen von Hunger, Krankheit oder Verletzung. Auch ehemalige Häftlinge kümmerten sich um die Behandlung, etwa der österreichische Arzt Otto Wolken, der damals selbst nur 38 Kilogramm wog und an Fleckfieber litt. Er sagte später in den Auschwitz-Prozessen aus.
Maschinerie des Massenmords, 27.1.2015

Industriell organisierter Massenmord
Dass das KZ gerade am Bahnknotenpunkt Auschwitz eingerichtet wurde, war kein Zufall. Es lag zentral im von den Nazis besetzten Europa, mit Zügen wurden Millionen Menschen in das Lager gebracht. Von Wien etwa ist das KZ nur 280 Kilometer Luftlinie entfernt.

Das Lager nahe der Stadt Auschwitz war ursprünglich als Verbannungsort für Polen gedacht, die sich der deutschen Besatzungsmacht widersetzten. Der erste Transport mit 728 politischen Häftlingen kam am 14. Juni 1940 in Auschwitz an. Im dritten Kriegsjahr bestimmten die Nazis Auschwitz zum Ort des Völkermords an den europäischen Juden. Bis 1942 entstand in Birkenau die größte Todesfabrik der Nationalsozialisten.
Die meisten Ermordeten waren Juden und Jüdinnen aus besetzten Ländern Europas. Auch Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Gefangene vieler anderer Nationen litten und starben im Lager. In den zahlreichen Nebenlagern mussten Häftlinge Sklavenarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft leisten. In Birkenau gab es ein eigenes Frauenlager und ein ab August 1944 zur Gänze liquidiertes Lager für Roma und Sinti.
Feingold: „Die meisten Häftlinge sind stehend gestorben“, 10.5.2015

„Die meisten Häftlinge sind stehend gestorben“
Im vergangenen Jahr starb mit Marko Feingold 101-jährig einer der letzten österreichischen Zeitzeugen. Er überlebte vier Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz.

Am Rande wahrgenommen
Zeitgenössisch wurde die Befreiung des KL Auschwitz, wie es damals noch hieß, im Chaos der letzten Kriegsmonate eher am Rande wahrgenommen. Bereits am 23. Juli 1944 hatte die Rote Armee mit dem KZ Majdanek das erste große NS-Lager in Polen erreicht. Ähnlich wie in Auschwitz hatten die Nationalsozialisten das Lager bereits geräumt und nur rund 1.000 Gefangene zurückgelassen. Trotzdem gingen die Schreckensbilder aus Majdanek und später vor allem auch aus Bergen-Belsen durch die ausländische Presse und wurden in der Folge auch in der Nachkriegszeit entsprechend häufiger genannt.

picturedesk.com/akg-images
Sowjetsoldaten mit überlebenden Häftlingen vor dem Eingang zum Krankenbau

Das Ausmaß des Grauens auch in Auschwitz war aber bereits bekannt, nach der Niederlage der Nationalsozialisten brachten auch österreichische Zeitungen Berichte aus dem Lager. Im Mai 1945 schrieb die Zeitung der Allparteienregierung, „Neues Österreich“, dass man von bis zu 6.500.000 Opfern ausgehen müsse – eine Zahl, die wahrscheinlich bewusst seitens der Sowjets erhöht wurde.


SCIENCE
Die letzten Orte vor der Deportation



Der Zeitungsartikel schilderte bereits damals unter Berufung auf fünf Zeitzeugen die mörderischen Schikanen: „Arbeit so schwer, dass sie einer Ausrottung gleichkam“, Massenhinrichtungen vor einer eigens installierten Kugelfangwand, Selektionen, bei denen SS-Führer und SS-Ärzte die Kinder, Schwachen, Alten und Arbeitsunfähigen von den Übrigen trennten, die Maskierung der Gaskammern als Badezimmer.

Ein Tabu über Jahre hinweg
Doch die Beschäftigung damit währte nicht lange – Auschwitz und die Schoah wurden in den Nachkriegsjahren zum Tabu. Selbst der große Auschwitz-Prozess in Frankfurt von 1962 bis 1965 wurde in Österreich nur bedingt wahrgenommen. Bis in die 1950er Jahre wurde Auschwitz in der Öffentlichkeit zudem als Ort des Leidens der politisch Verfolgten und des Widerstands von Österreichern thematisiert, auch weil die 1958 ins Leben gerufene Lagergemeinschaft Auschwitz deutlich unter kommunistischem Einfluss stand.
APA/AFP/Pablo Gonzalez
Das Vernichtungslager umfasste zu Kriegsende über 40 Quadratkilometer und 48 Nebenlager

Die Juden und Jüdinnen als größte Gruppe der Opfer von Auschwitz standen nicht im Mittelpunkt. Sie wurden unter dem Sammelbegriff „Opfer politischer Verfolgung“ eingeordnet. Erst Anfang der 1960er Jahre – unter anderem ausgelöst durch den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem – startete ein öffentlicher Aufarbeitungsprozess. In den Jahrzehnten danach wurde Auschwitz auch zum Synonym für NS-Verbrechen.

Nicht alle Opfer identifiziert
Seither wurden Abertausende Seiten über Auschwitz geschrieben, die Aufarbeitung ist aber trotzdem nicht zu Ende. So sind etwa nicht alle in Auschwitz getöteten Opfer eindeutig identifiziert. Rund 900.000 Menschen aus ganz Europa wurden ohne Registrierung unmittelbar von der Selektionsrampe in die Gaskammern geschickt und ermordet. Dokumente über sie gibt es im Lager keine. Bis heute bemüht sich die Auschwitz-Gedenkstätte darum, mit Transportlisten auch ihnen einen Namen und ein Schicksal zu geben. 60 Prozent konnten so bisher eindeutig identifiziert werden, die Arbeit geht weiter.

APA/AFP/Janek Skarzynski
Schuhe der Opfer im staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau

Im Lager selbst – heute Gedenkstätte – will man die Erinnerung an die Opfer des Holocaust am Leben halten. Dort finden am Montag auch die offiziellen Feierlichkeiten statt. Polens Staatspräsident Andrzej Duda hat dazu zahlreiche Staats- und Regierungschefs eingeladen. Vertreter und Vertreterinnen aus rund 50 Staaten reisen an, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Israels Staatschef Reuven Rivlin. Erwartet werden dazu neben der Spitzenpolitik rund 200 Überlebende aus aller Welt. Sie gehören zu den Letzten, die noch von den Grauen des Vernichtungslagers berichten können.

27.01.2020, sase, ORF.at/Agenturen

Links:
75 Jahre Befreiung: Das Ende des Todeslagers Auschwitz
 
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