4. Juni 1942

#1
habe mir gerade noch mal folgende Webseite durchgelesen http://www.celle-im-nationalsozialismus.de/Texte/Klein_Kernernergieforschung.html
"Das Heereswaffenamt... zog sich aber Ende März 1943 endgültig aus dem Kemwaffenprojekt zurück. Federführend war inzwischen der Reichsforschungsrat, dessen Leitung Hitler auf Betreiben Albert Speers am 9. Juni 1942 Göring übertragen hatte. Der eigentliche Mentor für das Uranprojekt war der Rüstungsminister. Mit ihm hatte Heisenberg in einem Gespräch am 4. Juni 1942 die Möglichkeit der Fertigstellung einer deutschen Atombombe in absehbarer Zeit ausgeschlossen
wenn ich das aber bei http://www.archiv.uni-leipzig.de/heisenberg/Vom_Frieden_zum__Krieg/Kaiser_Wilhelm_Institut/kaiser_wilhelm_institut.htm gegenlese, wird aus dem Gespräch ein Vortrag
Vortrag im Harnack-Haus vor Rüstungsminister Albert Speer und Experten der Wehrmacht am 4. Juni 1942.
In den Farm Hall Transcripten http://www.aip.org/history/heisenberg/p11a.htm
stellt Heisenberg seine Haltung etwas anders da.
HEISENBERG: One can say that the first time large funds were made available in Germany was in the spring of 1942, after our meeting with Rust [the education minister] when we convinced him that we had absolutely definite proof that it could be done.
Nun kann man sagen die 3 Teile haben nicht miteinander zu tun, aber Heisenberg sagt bei dem Meeting mit Rust wo wir ihn überzeugten, das wir den absolut defenitiven Beweis haben, das es getan werden konnte. Vortrag halten war ja durchaus eine gängige Methode zur Entscheidungsfindung, es wurden jemanden vorgetragen und danach entschied der. Nach dem Vortrag am 4. Juni 42 wurde am am 9. Juni 1942 die Leitung des Kernwaffenprojekts Göring übertragen. Ob als Generalfeldmarschall, als Chef der Luftwaffe oder als Beauftragter für den Vierjahresplan.

Was sagt Wikipedia
[Nach dem Beginn des 2. Weltkrieges strebte das HWA an, alle Forschungen zur Kernspaltung für Rüstungszwecke zu kontrollieren. Wichtigster Schritt in dieser Richtung war die Übernahme des Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Physik in Berlin-Dahlem. .... An seiner stelle trat Diebner die Stelle des Geschäftsführer des KWI für Physik an und besetzte diesen Posten von Januar 1940 bis September 1942.
Damit kann man als gesichert annehmen, daß ab Juni 42 Generalfeldmaschall Göring die Gesamtverantwortung für das deutsche Atomprojekt übernahm. Ob es den Uranverein von da ab gab oder nicht war unerheblich. Ab Ende März war das Heereswaffenamt auch nicht mehr involviert.
LG rak64
 
H

hebbel

Guest
#3
@rak
Der "Reichsmarschall for nuclear physics" [Goudsmit] hieß Walther Gerlach (vordem Abraham Esau) und nicht Meyer :D Das "sagen" hatten die Fachspartenleiter und Bevollmächtigten unter dem Chef des geschäftsführenden Beirats Rudolf Mentzel. Göring hat sich fast völlig herausgehalten.

Eine gute Quelle ist das Buch von Sören Flachowsky, "Von der Notgemeinschaft zum Reichsforschungsrat. Wissenschaftspolitik im Kontext von Autarkie, Aufrüstung und Krieg". Ist aber nicht billig und der in diesem Zusammenhang interessante Teil beginnt erst ca. ab S. 300 mit der Gründung des zweiten RFR.

Hier eine Quelle, falls Du diese noch nicht kennst: Forschergruppe zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1920-1970, Bericht zur Abschlusskonferenz am 30. und 31. Januar 2008 in Berlin

Zum Thema sind interessant:

1. Sören Flachowsky, Von der Notgemeinschaft zum Reichsforschungsrat. Wissenschaftspolitik im Kontext von Autarkie, Aufrüstung und Krieg
2. Peter Nötzoldt, Die DFG im Spannungsfeld von Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und Akademien der Wissenschaften bis 1945

und natürlich über den BKF
4. Bernd A. Rusinek, “Mr. DFG“. Walther Gerlach (1889-1979) - Physiker, DFGVizepräsident, Wissenschaftsfunktionär und Repräsentant

Gruß
Dieter
 
#4
lt http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Gerlach
[Zunächst war er „Bevollmächtigter des Reichsmarschalls für Kernphysik für das deutsche Uranprojekt“, ab 1944 „Bevollmächtigter für Kernphysik“
Gerlach war also Bevollmächtigter Görings für das Uranprojekt/Kernphysik.
Lt. deinem Link Seite. 12 (Danke, kannte ich noch nicht) "trafen im Mai 42 Speer und der Reichsmarschall (Göring) die Entscheidung, Göring den RFR... zu unterstellen.
Was anders habe ich auch nicht gesagt. :motzen::hilfe2:
Göring war der Chef des RFR und Gerlach sein Beauftragter für Kernphysik. Damit hat doch Göring die Gesamtverantwortung, oder?
Auch interessant S.49 UZ-Frage
LG rak64
 
H

hebbel

Guest
#5
Da könntest Du auch den Präsidialrat des RFR hernehmen, dem Göring vorstand und ihm Verantwortung für die kernphysikalische Forschung zuweisen:
Herbert Backe, Admiral Otto Backenköhler, Prof. Dr. Karl Brandt, Martin Bormann, Leonardo Conti, Walther Funk, Heinrich Himmler, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Paul Körner, General der Artillerie Emil Leeb, Ministerialdirektor Prof. Dr. Rudolf Mentzel, Generalfeldmarschall Erhard Milch, Wilhelm Ohnesorge, Prof. Dr. Werner Osenberg, Alfred Rosenberg, Bernhard Rust, Gustav Adolf Scheel, Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Albert Speer, Generaldirektor Dr. Albert Vögler, Generaladmiral Karl Witzell z.V.

So war es aber nicht. Göring hätte Einfluss nehmen können. Ein Fachspartenleiter "beschwerte" sich bei Mentzel, daß es "Doppelarbeit" gebe und sich einige "Stellen" nicht koordinieren "lassen wollten". Mentzel bat ihn dies auf dem Dienstweg weiter voran zu treiben, erklärte sich aber bereit, nötigenfalls dem "Herrn Reichsmarschall" die Sache vorzutragen, damit dieser die Sache auf dem "Erlasswege" regelt.

Mir sind aber bisher keine Hinweise bekannt, daß sich Göring für das kernphysikalische Thema interessiert hätte und Einfluss genommen hat.

Gruß
Dieter
 
#6
Teilnehmerliste

Die Teilnehmerliste zu o.a. Arbeitstagung ist ja recht illuster.

Hat aber jemand eine Ahnung warum auf dieser Liste ausgerechnet Hans Bomke auftaucht ?
 
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