Atombomben: Spiel mit der Vernichtung der Welt

josef

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#1
Noch immer sind auf der Welt so viele Kernwaffen vorhanden, dass die Menschheit sich mehrfach selbst zerstören könnte. Sie sind um ein Vielfaches schlagkräftiger als die Bomben von Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren.

Wien. „Nie wieder!“ Einhellig ertönte dieser Ruf, als Japan des 70. Jahrestags der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki gedachte. US-Außenminister John Kerry sprach von einer „sehr starken Mahnung“ und nutzte die Gelegenheit, den Wert des Atomabkommens mit dem Iran hervorzuheben. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini betonte „die Verantwortung sicherzustellen, dass die Opfer die letzten durch Atombomben waren“. Dabei blieb geflissentlich unerwähnt, was notwendig wäre, um ein „Nie wieder“ garantieren zu können: die Abrüstung der verbleibenden Kernwaffen.

Ungefähr 15.700 Atomwaffen gibt es bis heute, schätzt die Federation of American Scientists (FAS) – etwa 90 Prozent davon in den USA und Russland. Das sind zwar weniger als die rund 70.000 am Höhepunkt des Kalten Krieges, aber die Anzahl und Schlagkraft ist immer noch ausreichend, um die Menschheit mehrfach zu zerstören. 4100 der Waffen gelten als einsatzbereit, jeweils 1800 behalten Washington und Moskau in Alarmbereitschaft. Sie zu zünden wäre eine Sache von wenigen Minuten.

Zerstörung in Megatonnen
Was eine einzelne dieser Waffen anrichten kann, war vor 70 Jahren schlicht unvorstellbar. „Little Boy“ raffte mit 13 Kilotonnen TNT Hiroshima dahin, „Fat Boy“ mit 21 Kilotonnen TNT ganz Nagasaki. Heute besitzen nur taktische Kernwaffen für vergleichsweise kleine Einsätze eine Sprengkraft von wenigen Kilotonnen. Strategische Nuklearwaffen, die große Landstriche zerstören können, verfügen dagegen meist über mehrere hundert Kilotonnen TNT oder siedeln sich gleich im Megatonnenbereich an.

Und stets sollen die Waffen noch präziser, noch besser, noch effizienter werden: Sowohl die USA als auch Russland, die laut FAS über jeweils mehr als 7000 Atomsprengköpfe verfügen, modernisieren ihre Arsenale. Kritiker sprechen deshalb bereits von einem neuen Rüstungswettlauf. Moskau, das seine Atomwaffen an 40 Standorten landesweit lagert, ersetzt seine alten, aus Sowjetzeiten stammenden Atomraketen durch neue, moderne SS-27 Mod. und nimmt eine neue Klasse von Borei-Atom-U-Booten in Betrieb. Das dient anderen Staaten, allen voran den USA, als ein Argument, ebenfalls in die Modernisierung zu investieren – allein 350 Milliarden US-Dollar will die US-Regierung dafür in den kommenden neun Jahren ausgeben.


Diese Pläne betreffen auch Europa: Als einzige Atommacht hat Washington neben seinen zwölf Atomstützpunkten innerhalb der Vereinigten Staaten auch außerhalb seines Territoriums Kernwaffen stationiert. Rund 180 Sprengköpfe lagern noch an insgesamt sechs Standorten in fünf europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande und Türkei), unter anderem im italienischen Aviano unweit der österreichischen Grenze. Auch diese sollen erneuert werden. Alle Forderungen nach einem Abzug der US-Atomwaffen aus Europa sind mit der Ukraine-Krise verstummt.

Kaum etwas ist über das chinesische Atomprogramm bekannt. Wie in Russland wird es als Staatsgeheimnis behandelt. Vermutet wird, dass China 250 Atomsprengköpfe besitzt, fast alle davon sollen sich auf einem Basis 22 genannten Stützpunkt in den Qinling-Bergen in der Provinz Shaanxi befinden. Im asiatischen Raum wetteifern außerdem Pakistan und Indien um die nukleare Vorherrschaft. Vor allem die Regierung in Islamabad baut ihr Arsenal aus und vergrößert die Anzahl der Stützpunkte – ein Gefahrenpotenzial angesichts der großen Instabilität in der Region, warnen Experten. Auch über Nordkoreas Atomarsenal gibt es lediglich Schätzungen, aber keinerlei gesicherte Informationen.

Aktivistengruppen haben den Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki zum Anlass genommen, noch einmal auf die nukleare Abrüstung zu drängen, die im NPT eigentlich vorgesehen ist. Eine Überprüfungskonferenz zu dem Vertrag im Frühjahr scheiterte vor allem an der Frage einer nuklearwaffenfreien Zone im Nahen Osten – eine Forderung der arabischen Staaten, die auf das israelische Atomarsenal zielt, wobei die Regierung in Jerusalem deren Existenz weder bestätigt noch dementiert. Nun steckt der NPT, das einzige völkerrechtliche Instrument gegen die Verbreitung von Atomwaffen, in einer schweren Krise. Viele Nichtatommächte, darunter Österreich, sind deshalb dazu übergegangen, auch außerhalb des NPT-Regimes nukleare Abrüstung einzufordern. Einer sogenannten humanitären Initiative, die die menschlichen Folgen eines möglichen Atomwaffeneinsatzes ins Zentrum stellt und eine internationale Ächtung von Kernwaffen zum Ziel hat, haben sich bis heute 160 Staaten angeschlossen.

10.08.2015 | von J. Raabe (Die Presse)
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otto

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#2
Moin Josef,

da kann ich noch auf einen älteren Beitrag aus 2012 hinweisen.

- Kernwaffenversuche -

Interessant scheint aber noch die Frage, was ist mit den verloren gegangen Kernwaffen der Amis passiert.
  • Grönland
  • Spanien
  • USA
Meines Wissens nach fehlt immer noch ein Ei aus der Gegend von Thule.
Wie war das doch gleich in Spanien als Pu freigesetzt wurde?

Alles klar - Staatsgeheimnis eben :hau

LG
Gerd
 
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