Broschüren-Reihe „Niederösterreichische Kulturwege“ umfasst bereits 53 Titel

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Seen, Burgen und Dörfer für Cineasten
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Die Burgen, Schlösser, Seen, Dörfer und – nicht zu vergessen – die Gasthäuser im Lande sind seit mehr als 100 Jahren beliebte Drehorte. Die Broschüre „Filmland Niederösterreich“ aus der Reihe „Kulturwege“ begibt sich auf Spurensuche nach Filmlocations.

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„Die niederösterreichische Landschaft ist derart vielfältig, sie hat für Regisseure, Produzenten und Kameraleute auf bewältigbaren Distanzen wahrscheinlich bis auf eine Wüste alles zu bieten, was man sich wünscht. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass in einem Waldviertler Dorf für eine Filmproduktion einmal ein schwedisches Ortsschild aufgestellt wurde“, skizziert Andreas Ungerböck die Vorzüge Niederösterreichs. Ungerböck ist Geschäftsführer des Filmmagazins „ray“ und schrieb für die Reihe „Niederösterreichische Kulturwege“ die 53. Ausgabe mit dem Titel „Filmland Niederösterreich“.

ORF

Eine Auswahl an Filmbeispielen zu treffen sei ihm bei der unüberschaubaren Anzahl an Filmen oder Serienepisoden, die mit niederösterreichischen Drehorten aufwarten können, schwer gefallen, sagte er im Gespräch mit noe.ORF.at. Er habe anhand von 42 Beispielen versucht, auch weniger bekannte Locations vorzustellen und eine Aufteilung über das ganze Land zu machen. Schließlich gebe es wahre Hotspots der Filmgeschichte, aber auch Gegenden, die kaum von 35-Millimeter-Filmkameras eingefangen wurden.

Prottes, Eisgarn oder Hadres als stimmiges Ambiente
Der Film „Indien“ wurde nicht nur durch die legendären Dialoge, die sich die beiden Schauspieler und Kabarettisten Alfred Dorfer und Josef Hader auf den Leib schrieben, zur Legende, sondern auch durch die stimmungsvollen und im Jahr 1993 dem österreichischen Kinopublikum gänzlich unbekannten Drehorte.
In diesem Niederösterreich-Roadmovie glänzt die rote Abendsonne zwischen Strommasten hervor. Berühmt sind die Szenen, in denen Hader und Dorfer (Bösel und Fellner im Film) in den „Plains“ des Marchfelds, umrahmt von der Monotonie der auf und ab wippenden Ölförderpumpen der Region zwischen Prottes und Tallersdorf (beide Bezirk Gänserndorf) ihre Konflikte austragen oder letztendlich zu indischer Musik tanzen.

Dor-Film
Alfred Dorfer (l.) und Josef Hader (r.) fahren im Film „Indien“ durch mehrere Orte in Niederösterreich

Für Cineasten ließe sich mit den Niederösterreich-Drehorten ein vorzügliches Quiz veranstalten: „Nenne mir einen Film, ich sage dir die Location“. „‚Revanche‘?“ „Gföhl im Bezirk Krems.“ „‚Hundstage‘?“ „In der SCS in Vösendorf im Bezirk Mödling.“ „‚Die Rückkehr des Tanzlehrers‘?“ „In der Region Rax und Höllental im Bezirk Neunkirchen.“ „‚Die drei Musketiere‘?“ „In Retz im Bezirk Hollabrunn.“ „‚Atmen‘?“ „In der Jugendstrafanstalt Gerasdorf im Bezirk Wiener Neustadt.“ „‚Der Knochenmann‘?“ „In Gloggnitz im Bezirk Neunkirchen.“ „‚November, Dezember‘?“ „In Annaberg im Bezirk Lilienfeld.“ Die Liste ließe sich noch sehr lange fortsetzen. Dazu kommen noch die vielen, vielen Serien, die in Niederösterreich spielen.

Eine besondere Aura strahlt die zweite Staffel der „Kottan“-Reihe aus. Sie spielt in den Donauauen und den „Pfahlbauten“ des Strandbades Kritzendorf (Bezirk Tulln). Der Waldviertler Ort Eisgarn (Bezirk Gmünd) ist durch die Episoden der erfolgreichen Serie „Braunschlag“ schlagartig berühmt geworden. Der Polizist Polt ermittelte unter anderem in den Kellergassen von Hadres oder Obritz (beide Bezirk Hollabrunn). Der Name „Soko Donau“ lässt gleich auf den Hauptdrehort schließen.

Niederösterreichische Film-Hotspots
Im Gespräch über niederösterreichische Drehorte fällt natürlich sehr bald der Name Wachau. Im deutschsprachigen Raum wurde das heutige Weltkulturerbe nach dem Zweiten Weltkrieg zum vielbereisten Ausflugsziel durch die Filme „Der Hofrat Geiger“, „Mariandl“ oder „Mariandls Heimkehr“. Doch bereits 1936 drehte hier der Regisseur Geza von Bolváry den Film „Lumpacivagabundus“ mit Heinz Rühmann, Hans Holt und Paul Hörbiger.

Filmarchiv Austria
Der Stummfilm „Frau Dorothys Bekenntnis“ wurde vor 100 Jahren im Schlosspark Laxenburg gedreht

Das österreichische Hollywood der Stummfilmzeit befand sich im Schlosspark Laxenburg (Bezirk Mödling). 1921, also vor 100 Jahren, entstand hier zum Beispiel der Krimi „Frau Dorothys Bekenntnis“. „Die Frau in Weiß“, ebenfalls 1921 erschienen, ist nur einer von zwölf Streifen des niederösterreichischen Regisseurs Max Neufeld. Auch dieses Melodram spielt vor der Kulisse des Jagdschlosses und der Franzensburg.

Die längste durchgehende „Filmgeschichte“ hat wohl die Burg Kreuzenstein (Bezirk Korneuburg, im Bild ganz oben) vorzuweisen. Bereits 1912 entstand hier der Film „Das Mirakel“, ein religiöses Singspiel, an dem auch Max Reinhardt beteiligt war. Zahlreiche internationale Ritter-, Horror- oder Fantasyfilme sind auf der romantischen Burganlage gedreht worden, zuletzt Teile der Netflix-Serie „The Witcher“.

Mit den „Kulturwegen“ durch das Land
Seit 15 Jahren gibt es die handlichen Broschüren „Niederösterreichische Kulturwege“. Herausgegeben werden sie vom Landesarchiv Niederösterreich und dem Institut für Landeskunde. Drei bis vier Bände erscheinen pro Jahr. „Unser Ansatz ist, dass wir keine Reiseführer im herkömmlichen Sinn mit Hotel- und Gasthaustipps erstellen, sondern die Geschichte und Kultur des Landes breiten Zielgruppen in leicht verständlicher, aber dennoch wissenschaftlich fundierter Form zugänglich machen wollen“, erläuterte Elisabeth Loinig, die stellvertretende Leiterin des Landesarchivs und Herausgeberin der Reihe, im Gespräch.

Wenn eine Ausgabe vergriffen ist und wieder aufgelegt werden muss, werden sämtliche Daten und Angaben überprüft, so Loinig. Alle beschriebenen Objekte oder Orte werden erneut besucht, um herauszufinden, ob es sie in dieser Form noch gibt. Denn das Konzept der Reihe ist es auch, nur Schauplätze, die noch vorhanden sind, sollen im Band erklärt werden. Es handelt sich nach dem Check also um eine revidierte Neuausgabe des betreffenden Bandes.

Mit den mehr als 100 hochqualitativen Fotos machen die einzelnen Broschüren Gusto, das Land zu erkunden. Man kann sich um den Verkaufspreis von sechs Euro pro Band auf eine Weinreise begeben, der Geschichte der evangelischen Kirche, den Habsburgern oder der Eisenbahnhistorie im Land nachspüren und über die einzelnen Themen ein umfassenderes Bild Niederösterreichs gewinnen. Auch eine App ist neuerdings zu den „Niederösterreichischen Kulturwegen“ entwickelt worden.
26.04.2021, Hannes Steindl, noe.ORF.at

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