CERN im Waldviertel

B

Braendle

Guest
#1
Hallo.
Kann mir jemand Auskunft geben über den angeblich unter Landeshauptmann Maurer geplanten Teilchenbeschleuniger im Waldviertel - quasi als Konkurrenzprojekt zu CERN? Gibt es Unterlagen, Pläne, Dokumentationen?
Herzlichen Dank
Christoph Braendle
 

josef

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#2
Projekt "CERN-Teilchenbeschleuniger" in der Wild bei Göpfritz

Hallo Christoph,
zuerst einmal ein herzliches Willkommen im Forum! Wäre nett, wenn du dich auch im "Newbie - Forum" kurz vorstellen würdest :)

Nun zur Frage betreffend CERN-Projekt im Waldviertel:
...unter Landeshauptmann Maurer geplanten Teilchenbeschleuniger im Waldviertel - quasi als Konkurrenzprojekt zu CERN?
Der Teilchenbeschleuniger wurde von CERN quasi europaweit ausgeschrieben. Neben anderen Staaten bewarb sich auch Österreich lt. Ministerratsbeschluss vom April 1966 um die Anlage. Als Standort wurde ein Gelände im Waldviertel bei "Göpfritz - Blumau an der Wild" angeboten. Im für CERN vorgesehen Waldgebiet befand sich während des WKII ein Bombenabwurf- und Fliegerschießplatz.

Trotz guter Voraussetzungen schied der Standort im Waldviertel aus und die Anlage wurde in Genf, wo CERN seit 1954 seinen Hauptsitz hat, errichtet.

lg
josef
 
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josef

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#3
Thema CERN in Sitzung des NÖ. Landtages v. 20.12.1966

Nachstehend ein Auszug aus dem Protokoll einer Sitzung des Niederösterreichischen Landtages vom 20.12.1966 (S. 49 ff.):
Landtag von NÖ, VIII. Gesetzgebungsperiode
III. Session
7. Sitzung am 20. Dezember 1966


Auszug aus Sitzungsprotokoll zum Thema „CERN-Teilchenbeschleuniger“:

DRITTER PRÄSIDENT REITER: Zum Wort gelangt Herr Abg. R a b l .

Abg. RABL:

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Darf ich mich im Rahmen der heurigen Bugetdebatte im Nö. Landtag mit einer Sache beschäftigen, die zwar nicht in unserem Voranschlag für das Jahr 1967 aufscheint, die aber nach ihrer Art gerade in die Gruppe 6 dieses Voranschlages fällt.
Ein jeder von uns, sehr geehrte Damen und Herren, hat vom stillen Waldviertel gehört. Wer immer in dieses Gebiet, vor allem in das Hochland ober Brunn/Wild hinaufgefahren ist, wird beeindruckt aus dieser landschaftlich schönen Gegend zurückgekehrt sein. Diese Landschaft war bis zum Jahre 1938 wirklich ein ruhiges Gebiet. Ab den Jahren 1939, 1940 hat dort erstmalig eine Aussiedlung von Bauern, Gewerbetreibenden und Arbeitnehmern stattgefunden, die leider in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ihre Fortsetzung gefunden hat. 1939 und 1940 wurde von den damaligen Machthabern des Großdeutschen Reiches der Truppenübungsplatz Döllersheim errichtet und in diesem Zusammenhang auch in nächster Nähe, im sogenannten Wildwald, der Bombenabwurfplatz Blumau/Wild. Dieses Gebiet, das vor allem durch die sowjetische Besatzungsmacht in seinem Waldbestand sehr dezimiert wurde, kam in den Jahren 1960 bis 1962 an die früheren Besitzer zurück, zum Teil wurde auch Grund und Buden an neue Besitzer vergeben. Nunmehr wird es von Bauern verwaltet.
Vor einiger Zeit ist dieses Gebiet – es liegt zwischen der Bundesstraße 4 und der Franz-Josefs-Bahn - wieder interessant geworden. Wir hörten, daß gerade diese Gegend auf Grund ihrer geologischen Voraussetzungen für die Errichtung eines sogenannten Protonen-Synchrotons geeignet wäre. Es hat sich die europäische Kernforschungsstation in Genf, der die meisten europäischen Staaten, darunter auch Österreich, angehören, mit dem Gedanken getragen, eine solche Anlage in Europa zu errichten. Es soll hier ein Atomforschungszentrum, dessen Herzstück ein sogenannter Teilchenbeschleuniger ist, errichtet werden. Auf Grund eines Ministerratsbeschlusses der österreichischen Bundesregierung vom April 1966 hat nun Österreich das Gebiet von Göpfritz/Wild der CERN in Genf als Standort dieses Forschungszentrums angeboten. Dieses Gebiet ist an der Grenze dreier politischer Bezirke, und zwar der Verwaltungsbezirke Zwettl, Waidhofen an der Thaya und Horn gelegen. Dieses Forschungszentrum und insbesonders die projektierte Anlage wäre der größte Teilchenbeschleuniger der Welt überhaupt, der im wesentlichen aus einem unterirdischen, tunnelartigen Magnetring mit einem Durchmesser von 2,4 km bestehen soll und in dem atomare Teilchen, wie Protonen, durch Hochfrequenzimpulse auf höchste Energien bis 300 Milliarden Elektronenvolt gebracht werden sollen. Natürlich erfordert dies einen außerordentlich stabilen Urgesteinsuntergrund, außerdem eine ausreichende Strom- und Wasserversorgung. Gerade diese Voraussetzungen sind in Göpfritz in einer hervorragenden Weise gegeben, so daß eigentlich Österreich unter den 13 europäischen Staaten, die sich um einen Standort für diese Anlage bewerben, die besten Chancen hätte. Für den Raum von Göpfritz und Umgebung sprechen aber auch die Nähe der Internationalen Atomenergieorganisation in Wien und die von Genf bei der Realisierung des Projektes ins Auge gefaßte engere Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Staaten. Wie man uns nun von fachlicher Seite erklärte, unter anderem Prof. Wegler von der Technischen Hochschule, Prof. Thirring von der Universität Wien, Prof. Küper von der Geologischen Bundesanstalt oder Dozent Kummer vom Hochenergie-Physikinstitut, handelt es sich hier um einen sogenannten Teilchenbeschleuniger, der sich wesentlich von einem Atomreaktor unterscheidet und bei dem die Strahlung durch Abschaltung der Stromzufuhr sofort aufhört; daher auch jegliche Gefährdung und Beunruhigung der Bevölkerung völlig ausgeschaltet ist. Gerade die geologischen Verhältnisse dieses Waldviertler Hochlandes mit seinen granolithartigen Schiefergneisen in einem fast vollkommen bebenfreien Raum mit einer Auflagerung von einer 3 bis 25 m hohen Deckschichte wäre der geeignete Platz. Außerdem wäre gerade dieses Gelände, weil es eben keine Siedlungen aufweist und derzeit forstwirtschaftlich genutzt wird, daher auch eine größere Anzahl von Kalkflächen in diesem Waldbestand vorhanden ist, sofort zu erwerben bzw. würde die Erwerbung dieses Grundes auf keine wesentlichen Schwierigkeiten stoßen.
Dieses Gebiet, das im Gemeindegebiet zwischen Göpfritz/WiId und Blumau/Wlild, zweier kleinerer Waldviertler Marktflecken, liegt, Bildet eigentlich den Kern Mitteleuropas. In der näheren Umgebung dieses Gebietes befinden sich einige kleinere und größere Städte. Vom eigentlichen Zentrum dieses Atomforschungsinstitutes wären 9 km nach Großsiegharts, einer Industriestadt mit 2500 Einwohnern, 10 km nach Allentsteig. Für diese Stadt wäre gerade diese Anlage ein wirtschaftlicher Aufschwung, nachdem sie durch die Errichtung des Truppenübungsplatzes Döllersheim, durch die Aussiedlung der Menschen seit mehr als 20 Jahren ein totes Hinterland hat. Außerdem hat Allentsteig mit seinen nahezu 2000 Einwohnern ein neues Unfallkrankenhaus, was auch eine ganz besondere Bedeutung für diese Anlage wäre. 17 km entfernt ist die 4000-Einwohner-Stadt Waidhofen/Thaya, eine Stadt mit Schul- und Bildungsmöglichkeiten und ebenfalls einem Krankenhaus, knapp 20 km sind es zur schönen Fremdenverkehrsstadt Raabs an der Thaya mit 1200 Einwohnern, im schmucken Thayatal gelegen. Hier wäre vor allem jenen Menschen, die sich um dieses Institut bemühen, die Möglichkeit gegeben, Entspannung und Erholung zu finden. Eine größere Stadt in diesem Raum wäre Horn mit fast 5000 Einwohnern; eine ausgesprochene Schulstadt mit einem gerade in Errichtung befindlichen neuen Unfallkrankenhaus. Diese Orte könnten den bei der Errichtung dieser Anlage beschäftigten Menschen als Wohnorte dienen. Bedenken wir, daß die bei der Anlage in Genf tätigen Wissenschafter ca. 4000 bis 5000 S monatlich Miete bezahlen.
Zur verkehrsmäßigen Aufschließung dieses Gebietes ist die Errichtung einer Schnellstraße geplant, auf der in 35 Minuten die größte Siedlung des Waldviertels, nämlich Krems an der Donau mit über 20.000 Einwohnern, zu erreichen Ware. Die Entfernung Göpfritz-Wien, ca. 105 km, wäre vor allem deshalb interessant, weil Wien nicht nur die Metropole Österreichs ist, sondern auch in Wien-Schwechat der nächste internationale Flughafen gelegen ist. Außerdem bestehen von Wien direkte Verbindungen mit der Schweiz; mit dem Transalpin ist es möglich, von Wien in 10% Stunden nach Zürich bzw. in 14 Stunden nach Genf zu kommen. Gerade diese günstige Verkehrslage, glaubte ich, ist für dieses Gebiet von Bedeutung. St. Pölten und damit die Autobahn wären bei normaler Fahrzeit in Ca. 55 Minuten zu erreichen.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist eine bedeutende Stromversorgung ehe Voraussetzung für diese Anlage. Auf Grund der von der NEWAG in der letzten Zeit errichteten Kamptalkraftwerke wäre es möglich, vor allem den Baustrom mit ca. 30 MW aus dem 20 km entfernten Ottenstein sofort zu bekommen. Die später erforderliche Strommenge von 100 bis 300 MW könnte durch einen erweiterten Ausbau der Kraftwerke im Kamptalgebiet - eventuell auch an der Donau - und durch den Neubau von Kraftwerksanlagen sichergestellt werden. In einer Entfernung von ca. 60 bis 70 km wäre ein Anschluß an die Erdgasleitung in Niederösterreich möglich. In diesem Waldviertler Gebiet ist auch eine ausreichende Kühl- und Trinkwasserversorgung gegeben. Versuchsbohrungen in feinem Umkreis von 25 bis 30 km vom Kern dieses Forschungsinstitutes entfernt haben sich als positiv erwiesen. Vor allem aber könnten aus der Thaya - 12 km Entfernung - und aus dem Kamp - 15 bis 20 hm Entfernung – entsprechende Mengen Kühlwasser herbeigeschafft werden. Angesichts eines vom CERN zu bestreitenden Bauaufwandes von ca. 12 Milliarden Schilling für das Forschungszentrum, verteilt auf 10 Jahre, und eines jährlichen Betriebsaufwandes von mehr als 1 Milliarde Schilling, bedarf die Bedeutung der Anlage für Österreich, im besonderen für das Waldviertel, keiner besonderen Unterstreichung. Trotz dieser erwähnten und auch sachlich fundierten guten Chance der österreichischen Bewerbung wird jedoch die Entscheidung des CERN über den endgültigen Standort dieser Anlage sehr stark von politischen Interventionen beeinflußt. Dem Beispiel Deutschlands und auch anderer Standortbewerber folgend, sollte daher auch die Bewerbung Österreichs durch direkte Initiative eines Mitgliedes der österreichischen Bundesregierung in Genf unterstützt werden. Gerede in dieser Zeit wird von geologischen Experten aller CERN-Staaten bereits über den Standort beraten. Im Juli 1967 sollen dann die Unterlagen über die Standorte sowie über die technischen und finanziellen Details fertiggestellt werden, so daß eigentlich mit Ende 1967 mit dem Beschluß des CERN-Rates über Standort und Baubeginn der Anlage zu rechnen ist. Die Vorbereitung einer österreichischen Regierungsinitiative wäre daher meines Erachtens unverzüglich in Angriff zu nehmen. Auch die Handelskammer von Niederösterreich hat Herrn Landeshauptmannstellvertreter Kommerzialrat Hirsch bereits ein Exposé in diesem Sinn überreicht. Im Hinblick darauf wäre es notwendig, auch die Landesregierung von Niederösterreich zu ersuchen, bei der österreichischen Bundesregierung vorstellig zu werden, der Herr Bundesminister für Unterricht möge dieser Bewerbung Österreichs um den Standort dieser Anlage in Genf entsprechenden Nachdruck verleihen. Ich erlaube mir daher, folgenden Resolutionsantrag zu stellen (liest):
„Die Europäische Kernforschungsorganisation (CERN) in Genf projektiert die Errichtung eines Atomforschungszentrums. Die Voraussetzungen sind, so haben Untersuchungen gezeigt, in Göpfritz an der Wild in hervorragender Weise gegeben. Österreich hat unter den 13 europäischen Staaten, die sich um den Standort für diese Anlagen bewerben, die besten Chancen.
Die Landesregierung wird daher ersucht, bei der Bundesregierung zu erreichen, daß der Bewerbung Österreichs um dieses Projekt mit dem beabsichtigten Standort in Göpfritz an der Wild bei der Europäischen Kernforschungsorganisation in Genf durch eine Intervention der Bundesregierung Nachdruck verliehen wird."
Ich darf die Damen und Herren der sozialistischen Fraktion bitten, diesem Antrag meiner Kollegen und damit der Fraktion der Österreichischen Volkspartei ihre Unterstützung zu geben.
Bedenken wir, daß nach Fertigstellung dieser Anlage Wissenschafter und Facharbeiter mit ihren Familienangehörigen in einer Zahl von ca. 35.000 Menschen in diesem Waldviertler Raum leben, arbeiten und auch dementsprechend entscheidend in die wirtschaftlichen Gebilde Einfluß nehmen würden. Das Waldviertel hat die Voraussetzung, diesen Menschen auch Erholung bei Sport, Fischerei, Jagd und dergleichen zu geben. Ich glaube, auf Grund eines medizinischen Gutachtens auch feststellen zu können, daß sich dieses Waldviertler Hochland mit vielleicht etwas kühlerem Klima gerade auf geistig schaffende Menschen sehr erholsam auswirkt.
Sehr geehrte Damen und Herren! Das wirtschaftliche Gewicht dieser neuen Stadt der Wissenschaft und Forschung - ich glaube, man kann es so nennen -, aber auch die internationale Bedeutung, die geistige Ausstrahlung aus diesem Forschungszentrum würden Österreich und ganz besonders Niederösterreich eine einmalige Chance bieten.




DRITRER PRÄSIDENT REITER: Zum Wort gelangt Frau Abg. K ö r n e r.

Abg. KÖRNER:

Wir haben nicht nur auf dem Gebiete des Straßenbaues, sondern in allen Belangen einen ungeheuren Nachholbedarf.
In diesem Zusammenlang möchte ich daher die Ausführungen des Kollegen Rabl bezüglich des CERN-Projekts unterstreichen und begrüßen. Der Europäische Rat für nukleare Forschung - das vorgenannte Wort ist die Abkürzung für die französische Bezeichnung - beabsichtigt, wie auch der Herr Kollege bereits ausgeführt hat, die Errichtung eines neuen Teilchenbeschleunigers. Dem CERN gehören 13 europäische Staaten an, und zwar Österreich, Belgien, Dänemark, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden, die Schweiz und England. England, Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland sind mit je 20 Prozent, die übrigen Länder mit zusammen 40 Prozent beteiligt, davon entfällt lauf Österreich eine Beteiligung von 2 Prozent. Seit 1959 betreibt der CERN in Genf eine Beschleunigeranlage, die aber für die weitere Forschung schon zu klein geworden ist. Man beabsichtigt daher, in Europa eine neue Anlage zu errichten. Aus diesem Grund haben bereits verschiedene Gespräche stattgefunden. Der CERN hat auch diverse Angebote eingeholt und sich eine Reihe von Fragen beantworten lassen. Österreich hat ein für dieses Projekt geeignetes, in der Nähe von Göpfritz liegendes Gelände angeboten. Die geologischen Eigenschaften dieses Geländes entsprechen den Anforderungen. Der erdbebensichere Granitboden des Waldviertels ist für dieses Projekt geeignet. Für die Durchführung des gesamten Projekts ist eine Fläche von 22 qkm erforderlich. Ungefähr 15.000 Personen, in erster Linie Fachleute und Spezialisten, würden dort beschäftigt werden.
Mir ist eine andere Summe als dem Herrn Kollegen Rabl bekannt, und zwar wurden mir reine Baukosten von ungefähr 30 Milliarden Schilling angegeben. Einen Teil davon müßte dann selbstverständlich jenes Land aufbringen, in dem das Projekt errichtet wird. Dabei spielen die Kosten der elektrischen Energie sicherlich eine große Rolle; aber die wichtigste Bedingung ist wohl die geologische Beschaffenheit des Bodens. Man versucht nun auch, die Vereinigten Staaten und Rußland für dieses Projekt zu interessieren. Würde dies gelingen, wäre es auch für Österreich sehr günstig, da uns in diesem Fall sicherlich unsere Neutralität zugute käme. Für Österreich würden damit die Chancen steigen, daß sich der CERN entschließt, dieses Projekt bei uns zu errichten.
Daß die Verwirklichung dieses Projekts eine einmalige Chance für das gesamte Waldviertel wäre, nicht nur für einzelne Orte, sondern für die gesamte Industrie und Wirtschaft, nicht nur der engeren Umgebung, sondern für ganz Niederösterreich, brauche ich nicht besonders zu erwähnen. Das zeigt schon die genannte Summe der Gesamtkosten. Darin sind nicht nur die reinen Baukosten enthalten, sondern auch die Kosten für Wohnungen, die dem europäischen Standard entsprechend errichtet werden müssen, für internationale Schulen, Flugplätze usw. Diese Kosten belaufen sich auf ca. 200 Milliarden Schilling. Wenn wir uns vorstellen, was das bedeuten würde, wenn diese Summe in unserem Lande umgesetzt wird, so darf wirklich nichts unversucht gelassen werden, um dieses Projekt ins Waldviertel zu bringen. Dazu bedarf es aber ungeheurer Anstrengungen, denn es gibt eine große Konkurrenz anderer Länder, in erster Linie sind i das Frankreich und Belgien, die bereits einen 1 Probetunnel errichtet haben; Belgien hat einen sogenannten Schrägschacht gebaut. Die 1 Entscheidung drängt, denn eine Reihe anderer Staaten bewirbt sich ebenfalls um dieses Projekt. Ich mochte in diesem Zusammenhang nur darauf hinweisen, daß die Bundesrepublik Deutschland in Bayern in der Umgebung von Rosenheim ein Gebiet angeboten hat, das nicht den Granit aufzuweisen hat wie die Gegend um Göpfritz, aber die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sich, durch 40 m tiefe Betonsäulen den Granit zu ersetzen. Sie wollen durch Geld den Granit, den wir im Waldviertel aufzuweisen haben, ersetzen.
Es ist selbstverständlich, daß zur Verwirklichung dieses Projektes Österreich auch finanziell beitragen müßte; aber ich glaube, in Ansehung der ungeheuren Aufträge, die zu erwarten sind, und der enormen Belebung der Wirtschaft soll man die Kosten, die Österreich dann zu tragen hätte, nicht scheuen. Die Entscheidung wird - so sagt auch der CERN - im kommenden Jahr getroffen werden. In Anbetracht der Bedeutung dieses Projekts, nicht nur für das Waldviertel, sondern für ganz Niederösterreich und darüber hinaus für die gesamte österreichische Wirtschaft, darf daher keine Gelegenheit versäumt werden, um die Errichtung des Teilchenbeschleunigers im Gebiet von Göpfritz zu erreichen.
Ich erlaube mir daher, dem Hohen Hause folgenden Resolutionsantrag vorzulegen (liest):
„Die Landesregierung wird aufgefordert:
1. bei der Bundesregierung und insbesondere beim Bundesministerium für Unterricht sowie beim Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten vorstellig zu werden und dahin zu wirken, daß diese beim Europäischen Rat für die nukleare Forschung (CERN) geeignete Schritte unternehmen, und
2. im eigenen Bereich alle Maßnahmen treffen, damit das CERN-Projekt im Raume Göpfritz zur Ausführung gelangt."
Ich bitte das Hohe Haus, auch meinem Antrag die Zustimmung zu geben, der sich ja im wesentlichen mit dem Antrag des Kollegen Rabl deckt. Dazu möchte ich nur erwähnen, daß ich in meinem Antrag auch das Außenministerium erwähnt habe, und zwar deshalb, weil ja der Unterrichtsminister mit den ausländischen Botschaften nicht verhandeln kann; das ist Sache des Außenministens, daher habe ich auch das Außenministerium angeführt.
http://www.google.at/url?sa=t&rct=j...uxba72D5DXl7XE5UrkO-PTw&bvm=bv.64507335,d.bGE
 
#4
CERN-Projekt in der "Wild"

Da meine Familie in dem Gebiet in der "Wild" (Bezeichnung des Waldgebietes) mehrere Waldparzellen besitzt, kann ich auch ein wenig zum Thema beitragen.

Anbei ein Zeitungsbericht der Kronen Zeitung vom 07.09.2008, wo über die Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers berichtet wird. Weiters ein Kartenausschnitt mit genauer Lage der geplanten Anlage (aus der Broschüre "50 Jahre Markt Göpfritz/Kirchberg an der Wild" von 1979.

Interessant war auch die geplante Errichtung einer Sondermülldeponie, ebenfalls am gleichen Standort, gegen die u.a. auch mit einem Wandertag am 23. Mai 1988 (siehe Foto) erfolgreich demonstriert wurde. Nur durch den beharrlichen Widerstand der Bevölkerung der umliegenden Orte konnte diese Deponie verhindert werden!
 

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#5
Standort "Wild" auch 2014 wieder aktuell!!!!

Habe heute von meinem Schwiegervater aus Blumau/Wild erfahren, dass u.a. in seinem Wald, der in dem besagten Gebiet liegt jetzt die Errichtung eines Windparks geplant ist. Derzeit werden Informationsveranstaltungen für die Grundbesitzer und Anrainer abgehalten.

In der Nähe von Japons gibt es ja schon einige Windräder - ca. 70 Meter hoch.
Die neueste Generation von Windrädern hat eine Höhe von 200 !! Metern!

Scheinbar wird alle 20-25 Jahre in diesem Waldgebiet irgend ein Projekt geplant:

1945 Bombenabwurfplatz (realisiert)
1966 CERN-Projekt geplant
1988 Sondermülldeponie geplant
2014 Windkraftanlage in Planung!
 
#6
Habe heute von meinem Schwiegervater aus Blumau/Wild erfahren, dass u.a. in seinem Wald, der in dem besagten Gebiet liegt jetzt die Errichtung eines Windparks geplant ist. Derzeit werden Informationsveranstaltungen für die Grundbesitzer und Anrainer abgehalten.

In der Nähe von Japons gibt es ja schon einige Windräder - ca. 70 Meter hoch.
Die neueste Generation von Windrädern hat eine Höhe von 200 !! Metern!

Scheinbar wird alle 20-25 Jahre in diesem Waldgebiet irgend ein Projekt geplant:

1945 Bombenabwurfplatz (realisiert)
1966 CERN-Projekt geplant
1988 Sondermülldeponie geplant
2014 Windkraftanlage in Planung!
Sind Gestern in Göpfritz an der Wild im Wald umhergestreift um Schächte zu finden, haben nur einen voll mit Wasser entdeckt. Hat jemand Karten oder Skizzen um weitere Schächte zu finden denn nur so durch den Wald zu streifen ist reine Lotterie. Bedanke mich schon im Voraus, Hans
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#7
Göpfritz und der Teilchenbeschleuniger

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Das Kernforschungszentrum CERN bei Genf in der Schweiz erforscht seit Jahrzehnten erfolgreich die faszinierende Mikrowelt der Atome. Vor 50 Jahren gab es höchst konkrete Pläne, einen größeren Teilchenbeschleuniger in Göpfritz an der Wild im Waldviertel zu errichten.
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1969 ritterten 13 europäischen Länder um den Zuschlag für das damals hunderte Millionen Schilling schwere internationale Wissenschaftsprojekt eines Teilchenbeschleunigers mit mindestens 2,4 Kilometer Durchmesser. Das 1957 gegründete CERN war zu klein geworden. Ab 1964 wurden – zunächst streng geheim – umfangreiche Bohrungen bei Göpfritz (Bezirk Zwettl) durchgeführt. Vizebürgermeister Werner Scheidl führt uns zu einem Bohrloch aus den 1960er-Jahren – tief im Wald, der sogenannten Wild. Es ist mit einem gusseisernen Deckel, ähnlich einem Kanaldeckel, verschlossen.
„Wir stehen hier vor dem größten Bohrloch. Hier geht es 46 Meter in die Tiefe und von dort aus wurde ein Stollen mit ungefähr 100 Metern Länge errichtet“, erzählt Werner Scheidl. Insgesamt wurden mehr als 80 Bohrungen durchgeführt, teilweise in der Form von Kernbohrungen, die bis zu 1.100 Meter tief in das Erdreich eindrangen.
Dazu kamen etliche Schächte, um die geologischen Verhältnisse für einen kreisrunden, mehr als 20 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger zu erkunden. Das Granitplateau des Waldviertels sowie die dünne Besiedlung ließen die Region als geeignet erscheinen.

Geheimhaltung führte zu Angst
Nachdem die damalige Bundesregierung der Bevölkerung jahrelang verschwiegen hatte, was da gebaut und gebohrt wurde – man befand sich schließlich mitten im Kalten Krieg – blühten die Fantasien und Ängste in der Bevölkerung. Die Älteren fühlten sich an die Vertreibungen erinnert, die damals beim Bau des benachbarten Truppenübungsplatzes Allentsteig über die Bevölkerung hereinbrachen, schildert der Göpfritzer Altbürgermeister Erich Mautner gegenüber dem ORF Niederösterreich.
„‚Zum Schluss werden wir enteignet und müssen weg von hier‘, raunten viele am Wirtshausstammtisch. Als dann langsam durchsickerte, dass das irgendetwas mit ‚Atom‘ zu tun habe, war es überhaupt aus mit dem Vertrauen in die Politik“, schmunzelt heute Erich Mautner. Erst 1968 rückte die Regierung mit den Plänen heraus. Dem Altbürgermeister ist noch ein Satz von Bruno Kreisky in Erinnerung, der damals zu beruhigen versuchte und sagte, dass das weniger gefährlich sei, als wenn hier eine Pulverfabrik errichtet würde.

Das Waldviertel als Atomforschungszentrum
Nach der höchst erfolgreichen Entwicklung, die das CERN bei Genf in der Schweiz über die letzten Jahrzehnte genommen hat, darf heute spekuliert werden, was stattdessen aus dem Waldviertel geworden wäre. CERN beschäftigt heute laut Wikipedia mehr als 3.400 wissenschaftliche Mitarbeiter.

Der Vizebürgermeister Werner Scheidl seufzt: „Göpfritz wäre wahrscheinlich ein Forschungsstandort mit 10.000 Einwohnern. Viele hochspezialisierte Firmen hätten sich hier angesiedelt. Krems wäre wahrscheinlich wesentlich früher eine Universitätsstadt geworden. Das Waldviertel würde wahrscheinlich ganz anders aussehen und die Abwanderung wäre vielleicht auch kein Thema.“
Warum wurde das Projekt 1969 schließlich von der internationalen Kommission abgelehnt? Vizebürgermeister Scheidl nennt dafür einige Gründe: Zuerst sei die finanzielle Belastung für die österreichische Bundesregierung schließlich zu hoch gewesen. Das Waldviertel befand sich damals außerdem zu nahe am Eisernen Vorhang und die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei war gerade erst ein Jahr zuvor passiert. Dazu kamen geologische Bedenken wegen des Wassereinbruchs in die Stollen.

In einem Punkt schließt sich heute allerdings der Kreis: Verena Kain, eine Naturwissenschafterin, die aus Göpfritz an der Wild stammt, arbeitet seit mehr als zehn Jahren höchst erfolgreich im Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz.

Links:
Hannes Steindl, noe.ORF.at
Chronik: Göpfritz und der Teilchenbeschleuniger
 
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