Der Neusiedlersee war einst viel größer, aber auch schon komplett ausgetrocknet...

josef

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#21
See und Lacken durch Wassermangel bedroht
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Der tiefe Wasserstand des Neusiedler Sees und die Folgen für Natur, Tourismus und Landwirtschaft standen Donnerstagabend im Mittelpunkt eines „Burgenland heute Spezial“. Aber auch im Seewinkel sinkt der Grundwasserspiegel und hier prallen Naturschutz und Landwirtschaft aufeinander.
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Der Seewinkel ist einzigartiges Naturjuwel – einerseits landwirtschaftliche Lebensader und Gemüsegarten Österreichs, andererseits UNESCO-Welterbe und Nationalpark und beide Seiten brauchen Wasser aus der Tiefe, das immer weniger, wie am Zustand der Lacken abzulesen ist. Laut Hydrografischem Dienst des Landes befindet sich der Grundwasserspiegel derzeit nur knapp über dem niedrigsten jemals gemessenen Wert. Fast alle Lacken in mäßigem bis schlechtem Zustand, nur fünf gelten als halbwegs gesund.

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Die Lacken im Seewinkel leiden unter Wasssermangel

Einzigartige Natur bedroht
„Durch diesen niedrigen Grundwasserspiegel kann das Salz, das in den Bodenschichten vorhanden ist, nicht mehr an die Oberfläche transportiert werden. Das heißt, die Lacken süßen aus, werden undicht verschwinden“, sagt der Direktor des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel, Johannes Ehrenfeldner. Doch gerade die Lacken machen den Seewinkel zu einem international einzigartigen Vogelparadies. Auch deshalb entwickelte sich seit Jahren in der Region ein naturnaher, sanfter Tourismus, der nun ebenfalls in Gefahr ist. „Wenn sich nichts ändert, braucht man über eine Tourismus-Entwicklung im Seewinkel überhaupt nicht mehr nachdenken“, so Ehrenfeldner.

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So manche Lacke ist schon ausgetrocknet

Tausende Hektar werden bewässert
Ändern sollte sich nach Ehrenfeldners Ansicht unter anderem die Landwirtschaft. Aus Tausenden Brunnen wird im Seewinkel das Grundwasser angezapft, um etwa Feldgemüse, Erdäpfel oder Saatmais zu bewässern. „Von 32.000 Hektar, die wir im Seewinkel ungefähr an landwirtschaftlicher Fläche haben, ist jährlich ca. ein Viertel zur Bewässerung bewilligt. Eine Vergleichszahl: sämtliches Wasser, das entnommen wird, entspricht 20 Millimeter Niederschlag im Bezirk“, erklärt der Vizepräsident der burgenländischen Landwirtschaftskammer, Werner Falb-Meixner.

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Tausende Hektar werden bewässert

Umstellung gefordert
Die Bewässerung ist rechtlich gedeckt. In Summe darf die Landwirtschaft im Seewinkel jährlich maximal rund 20 Millionen Kubikmeter Grundwasser entnehmen. Das werde kontrolliert. Unter einem gewissen Grundwasserstand werde die Beregnung gedrosselt bzw. auch gesperrt – letzteres sei aber noch nie der Fall gewesen, so Falb-Meixner. In Apetlon und in Illmitz wurden die Warnstufen heuer bereits unterschritten, es steht zu befürchten, dass das Verbotslimit hier erstmals erreicht werden könnte.

Naturschützer fordern zumindest eine Umstellung der Landwirtschaft, hin zu weniger bewässerungsintensiven Kulturen. Doch auch das hätte Konsequenzen – nämlich weniger Wertschöpfung und in weiterer Folge weniger Bauern, so Falb-Meixner. Die Landwirtschaft hofft daher auf eine Zuleitung aus der Donau aus Ungarn ins Grundwasser. Doch das könnte Jahre dauern.

„Dringender Handlungsbedarf“
„Auch die Landwirtschaft wird hier die Verantwortung übernehmen müssen, dass man auf klimafreundliche Produktion umsteigt, dass man die Kulturen möglicherweise ändert, dass man auf modernere Bewässerungssysteme umsteigt. Das wird sicherlich ein Zeichen der Zukunft sein müssen, auch in der Landwirtschaft“, sagt dazu die zuständige Landesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf. Es gehe hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu finden.

„In Wahrheit gibt es hier keinen Zeithorizont mehr oder kein Zeitfenster mehr, um zu warten. Es ist dringender Handlungsbedarf. Deswegen ist auch schon vor zwei Jahren eine Task Force Neusiedler See ins Leben gerufen worden, wo es darum geht, Möglichkeiten zu evaluieren, wie man zu einem höheren Wasserstand gelangen kann und gleichzeitig auch die Grundwasserproblematik angeht“, so Eisenkopf.

Wasserstand des Neusiedler Sees auf historischem Tief
Seit 1965 wird der Wasserstand des Neusiedler Sees offiziell aufgezeichnet. Dieses Jahr ist der Pegel auf einen historischen Tiefststand gesunken, er ist derzeit so niedrig, wie niemals zuvor im Mai. Momentan liegt der Pegel bei 115,22 Meter über der Adria. Das sind 36 Zentimeter weniger als normal – und das bei einem See, der durchschnittlich nur einen Meter tief ist.

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Tausende Menschen leben vom See
Der Neusiedler See ist zweifelsohne die bekannteste Touristen-Attraktion des Burgenlandes. Für Wassersportler ist er ein Eldorado, für die Gastronomie und Hotellerie ein wichtiger Gästebringer. Vom See leben direkt und indirekt Tausende Menschen in der Region. Sie alle blicken angesichts der derzeitigen Lage besorgt in die Zukunft, so etwa auch die Betreiberin des Yachthafens in Oggau, Maria Butterfly. „Es ist sehr schwer momentan, weil die großen Boote nicht mehr ins Wasser gehen und natürlich haben wir auch weniger Plätze belegt bzw. haben viele Leute gesagt, ich nutze meinen Liegeplatz dieses Jahr nicht, weil ich dieses Jahr vielleicht nur mehr drei, zwei Wochen fahren kann“, so Butterfly.

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Die Feuerwehren können nur beschränkt ausfahren

Selbst die Feuerwehren sind am See derzeit nur beschränkt einsatzbereit. Es sei unmöglich, mit dem Boot zu fahren, weil einfach zu wenig Wasser vorhanden sei, so Gerald Tobler von der Feuerwehr Breitenbrunn: „Es geht nix, es ist katastrophal.“

Auch Fischer und Winzer betroffen
Auch für die letzten Berufsfischer wird die Lage zunehmend schwieriger. „Momentan geht es noch gut“, so der Berufsfischer Helmut Schwarz. Für den Sommer befürchtet er allerdings große Probleme. Sogar auf den Weinbau wirkt sich der sinkende Wasserstand im See aus. Die Süßweinproduktion werde immer mehr zurückgehen, denn dafür brauche es den Botrytis-Pilz und der wiederum brauche die Feuchtigkeit vom See, sagt der Winzer Christian Rainprecht aus Oggau.

Bis zum Sommer wird Pegel weiter sinken
Christian Sailer, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft in der Landesregierung sagt zum aktuellen Wasserstand des Sees: „Es kommt darauf an, aus welcher Sicht man das sieht. Aus der Sicht des Sees wird es nicht dramatisch werden. Natürlich, wenn unterschiedliche Nutzungsansprüche dann wegfallen könnten, wie zum Beispiel die Segler mit Booten, mit großem Tiefgang -dann wird es für diese Menschen dramatisch sein. Also unsere Prognosen sagen voraus, dass circa 20 Zentimeter bis Ende Juli möglich sein könnten. Das ist aufgrund der Auswertungen der langjährigen Aufzeichnungen das wahrscheinliche Szenario.“

Wasserzuleitung angedacht
Der Neusiedler See hat nur wenige natürliche Zuflüsse, der größte ist die Wulka. Durch die Zuflüsse und ein wenig Grundwasser kommt aber nicht besonders viel Wasser in den See. Rund 80 Prozent der Wasserzufuhr passieren durch Niederschläge. Fehlen also die Niederschläge, wird die Wassersituation dramatisch. Die einzige Möglichkeit derzeit den Wasserstand zu kontrollieren ist der Einser-Kanal. Mit einer Schleuse, die auf ungarischem Gebiet liegt, kann das Wasser aber nur aus dem See abgelassen werden.

Daher gibt es nun den Plan, aus Ungarn – von einem Nebenarm der Donau – Wasser in den See und in die Bewässerungskanäle im Seewinkel zu leiten, um so fehlende Niederschläge auszugleichen.

Um eine Austrocknung des Sees zu verhindern, wird ist eine Wasserzuleitung aus der Donau über Ungarn in den See angedacht – mehr dazu in Kampf gegen sinkende Wasserstände.

Zum aktuellen Stand sagt Sailer: „Stand der Dinge ist, dass die nationale Finanzierung in Ungarn nicht steht. Aber es sind alle erforderlichen Maßnahmen getroffen worden, es bestehen die Ausschreibungen, die Vergabe ist noch nicht erfolgt. Sobald die Finanzierung auf ungarischer Seite steht, werden wir auch mit unseren Planungen fortsetzen auf österreichischer Seite, da dadurch gewährleistet ist, dass die Wasserzuleitung kommen wird.“

Naturschützer wie Bernhard Kohler vom WWF Österreich sehen eine derartige Zuleitung kritisch. Befürchtet werden ökologisch unerwünschte Effekte, wie etwa eine stärkere Verschlammung und ein geringerer Salzgehalt, der für den Bestand des Sees wichtig sei.

19.05.2022, red, burgenland.ORF.at
See und Lacken durch Wassermangel bedroht
 

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#22
Seewinkel leidet unter Trockenheit
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Kaum Winterfeuchte, wenig Niederschlag und Hitze – all das führt dazu, dass der Neusiedler See immer seichter wird und der Grundwasserspiegel noch weiter sinkt. Es fehlt an Wasser, das auch die Landwirte brauchten. Problematisch ist die Lage besonders für die Salzlacken im Nationalpark.
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Dass die Lange Lacke im Sommer austrocknet, ist normal, trotzdem ist der niedrige Grundwasserspiegel eine Herausforderung. „Die Lacken sind unsere Problemkinder zur Zeit, weil sie eben die Verbindung zum Grundwasserkörper verloren haben. Es ist natürlich, dass die Lacken austrocknen über den Sommer, aber diese Verbindung sollte trotzdem gegeben sein“, erklärte Christian Sailer vom Hauptreferat Wasserwirtschaft.

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Die Martinhoflacke besteht derzeit nur aus Regenwasser

Unweit von der Langen Lacke liegt die Martinhoflacke. Der Regen hat eine kleine Lacke hinterlassen, ansonsten ist alles ausgetrocknet. Das niedrige Grundwasser hat mehrere Ursachen. Wenig Niederschlag, die Bewässerung in der Landwirtschaft, aber auch die Entwässerungsgräben. Diese Gräben sind in den 50er und 60er Jahren entstanden, um Wasser aus der Region zu bringen.

Entwässerungsgräben sollen genützt werden
Derzeit muss allerdings jeder Tropfen im Seewinkel gehalten werden. Die „Interessengemeinschaft Bewässerung Bezirk Neusiedl am See“ sucht nach Lösungen und will die Gräben nutzen. „Man kann einfach Entwässerungsgräben umarbeiten zu Bewässerungsgräben, indem man Staustufen einbaut und indem man den Rückfluss verhindert“, so Werner Falb-Meixner von der Interessengemeinschaft.

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Viele Lacken im Seewinkel haben jegliche Verbindung zum Grundwasser verloren
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Die Trockenheit macht auch den Landwirten zu schaffen

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Die Lange Lacke ist derzeit komplett ausgetrocknet

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Alle Beteiligten hoffen derzeit vor allem auf Regen

Landwirte spüren Trockenheit
Aber auch die Landwirte werden umdenken müssen und etwa Kulturen anbauen, die weniger Wasser brauchen. Auf einem Feld bei St. Andrä wachsen Mais und Weizen direkt nebeneinander. Mais braucht viel Wasser, Weizen nicht. Allerdings bringt der Mais mehr Ertrag, der Bauer verdient also mehr. Mit der Hitze steigt der Bewässerungsaufwand, trotzdem gilt: mit Wasser haushalten.

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Maisfelder brauchen besonders viel Bewässerung

Wasserzugang kann eingeschränkt werden
Sinkt der Grundwasserspiegel weiter, könnte das Einschränkungen für die Landwirte mit sich bringen. „Es gibt ein Beweissicherungssystem, durch das kontrolliert wird, wie viel Wasser aus dem Beregnungsbrunnen herausgenommen wird. Wenn die Monitoringsonden dieses Systems einen gewissen Tiefstand melden, dann besteht die Gefahr, dass die Landwirtschaft nicht weiter bewässern darf.“

Suche nach Alternativen
Der Winzer Josef Umathum aus Frauenkirchen plädiert für eine Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur. Rundum seine Weingärten hat er Biodiversitätstreifen angelegt, sie kühlen den Boden und bremsen den Wind, denn Wind entzieht dem Boden Wasser. Auch Schafböcke leben hier inmitten der Weingärten.

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Mit Biodiversitätstreifen versucht Winzer Josef Umathum den Boden zu beleben

„Es ist ganz wichtig, die Wasserspeicher und die Nährstoffkapazität des Bodens zu verbessern. Früher ist das automatisch geschehen, durch kleine Landwirtschaften gab es Tiere und dadurch Rindermist und der wurde kompostiert und der diente einerseits als Dünger und andererseits als Bodenbelebung“, so Winzer Josef Umathum.

Generell ist man sich einig, dass es über kurz oder lang Veränderungen und Lösungen braucht. Am meisten würde allen Beteiligten derzeit Regen helfen.
07.07.2022, red, burgenland.ORF.at
Seewinkel leidet unter Trockenheit
 

josef

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#23
Neusiedler See: Tiefster Wasserstand seit 1965
Der Neusiedler See hat am Montag den tiefsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen 1965 erreicht. Mit 115,04 Metern über Adria war er laut dem Wasserportal des Hydrographischen Dienstes Burgenland einen Zentimeter niedriger als beim bisherigen Negativrekord im September 2003.
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Für Mitte Juli ist der See, der 1865 komplett ausgetrocknet war, ohnehin historisch seicht. Auf das Vorjahr – und damit den bisher niedrigsten Wert zu dieser Jahreszeit – fehlen 20 Zentimeter.

Einhergehend mit der Hitze, die in Österreich bevorsteht – bis zu 37 Grad sind bis Mitte der Woche angesagt – wird sich die Trockenheit in einigen Regionen des Landes verschärfen. Das betrifft vor allem den Osten.

Außergewöhnliche Trockenperiode bereits 2003
2003 hatte der Neusiedler See unter einer außergewöhnlichen Trockenperiode gelitten, sodass Ende September ein Wasserstand von 115,05 Meter über Adria verzeichnet wurde. Davon erholte sich der See erst 2006 wieder richtig. Seit 2020 ist der Wasserstand wieder rückläufig.
Vor wenigen Tagen wurde damit begonnen, in der Ruster Bucht Schlamm abzusaugen, um die Wassersäule um 25 Zentimeter zu erhöhen – mehr dazu in Ruster Bucht: Schlamm wird abgesaugt. Geplant ist außerdem die Wasserzuleitung aus der ungarischen Moson-Donau.
18.07.2022, red, burgenland.ORF.at/Agenturen

Links:
Neusiedler See: Tiefster Wasserstand seit 1965
 

t3atnö

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#24
Jedes Jahr gab es diese Meldungen Gebetsmühlenartig .
Ich habe es nicht wirklich ernstgenommen da ich mehrmals im Jahr beim See bin und den Pegelstand des Sees ja immer sehe Mal ist der Pegel höher Mal niedriger so ist das und so war es immer.
ABER jetzt ist alles anders das sieht man überall seht zb meine Bilder das ist nicht Normal was da abläuft.
Ich glaube auch nicht das das normale Niederschläge irgendwie ausgleichen können.
Bei uns im Osten gibt es seit Jahren einfach zu wenige Niederschläge über das ganze Jahr gesehen.
Bild 2 zb man kann in Podersdorf ewig in den See gehen und man steht nur max bis zu den Knien im.....Schl....ä...Wasser.
Fürchterlich ! IMG-20220718-WA0070.jpg IMG-20220718-WA0038.jpg
 

josef

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#25
Anhaltende Trockenheit: Burgenland will Neusiedler See "nachhaltig absichern"
Angekündigt wurden ein "umfassendes Schlamm- und Schilfmanagement ab Herbst". Zudem wird von der Politik ein Umdenken in der Landwirtschaft gefordert

Ziel sei, einer drohenden Austrocknung des Sees entgegenzuwirken und das sensible Ökosystem der gesamten Region langfristig abzusichern.
Foto: APA/NINA KORNBERGER

Neusiedl am See – Angesichts der anhaltenden Trockenheit hat der burgenländische Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner am Sonntag auf mehrere Maßnahmen verwiesen, um den Naturraum Seewinkel/Neusiedler See nachhaltig abzusichern. Neben der geplanten Wasserzuleitung aus der ungarischen Moson-Donau kündigte der Politiker in einer Aussendung ein "umfassendes Schlamm- und Schilfmanagement ab Herbst" an. Zudem brauche es ein Umdenken in der Landwirtschaft.

"Die anhaltende Trockenheit, die enorme Hitze und die geringen Niederschlagsmengen bedeuten für den Naturraum Seewinkel/Neusiedler See eine enorme Herausforderung", wurde in der Aussendung festgehalten. Das Land arbeite seit einiger Zeit an Gegenmaßnahmen. "Die Umsetzung einer Wasserzuleitung zur Dotierung des Seewinkels ist für den Erhalt der bestehenden Natur- und Kulturlandschaft unverzichtbar", betonte der Landesrat. Eine Absichtserklärung zur Übernahme von Wasser aus der Moson-Donau wurde am Freitag von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und dem ungarischen Außenminister Péter Szijjártó unterzeichnet.

Weitreichende Maßnahmen beschlossen
Das Burgenland werde sich am Bau eines Bewässerungskanals von der Donau auf ungarischer Seite beteiligen, wurde erläutert. Vorrangiges Ziel sei, einer drohenden Austrocknung des Sees entgegenzuwirken und das sensible Ökosystem der gesamten Region langfristig abzusichern. "Es wurden in einer Machbarkeitsstudie für den Grenzbereich Österreich/Ungarn weitreichende Maßnahmen zum Zweck einer nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung des Seewinkels und einer Wasserzufuhr zum Neusiedler See entwickelt bzw. geprüft und für geeignet befunden", hielt Dorner fest.

Weiters soll die Bewirtschaftung des Schilfgürtels und die Entfernung des sich auf natürliche Weise bildenden Schlamms aus den Buchten im Neusiedler See ab Herbst "zielgerichteter, nachhaltiger und gesamthaft von einer landeseigenen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit den Anrainergemeinden abgewickelt werden", wurde mitgeteilt. "In den nächsten zehn Jahren soll insgesamt eine Million Kubikmeter Nassschlamm aus dem See geholt werden", kündigte der Politiker an. Zudem stehe die Instandhaltung und Neuerrichtung von Schilfkanälen im Fokus, um einen Wasseraustausch zwischen der offenen Wasserfläche und dem Schilfgürtel zu gewährleisten.

"Wie uns der Klimawandel zwingt, in ganz vielen Bereichen umzudenken, wird auch die Landwirtschaft angehalten sein, auf eine klimafitte Bewirtschaftung im Seewinkel umzustellen", meinte Dorner. Es brauche einen Paradigmenwechsel, dass künftig das kostbare Grundwasser nur mehr äußerst sparsam für Bewässerungen verwendet werde.
(APA, 24.7.2022)

Zum Weiterlesen:
Absichtserklärung mit Ungarn über Wasserzufuhr am Neusiedler See unterzeichnet

Anhaltende Trockenheit: Burgenland will Neusiedler See "nachhaltig absichern"
 

josef

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#26
Neusiedler See: Suche nach Lösungen
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Der sinkende Wasserstand des Neusiedler Sees und die Probleme, die dadurch entstehen – zum Beispiel, dass Fische massenweise verenden – bereitet vielen Menschen Sorgen. Schon jetzt werden Maßnahmen gesetzt, um dem See zu helfen, und weitere sind in Planung.
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Der Neusiedler See ist so etwas wie das Wahrzeichen des Burgenlandes und schon seit jeher Touristenmagnet. Jährlich kommen Tausende Besucherinnen und Besucher ins Land, um das Flair rund um den See zu genießen. Doch dem See geht es nicht gut. Lang anhaltende Hitze und fehlender Niederschlag sorgen dafür, dass der Wasserstand immer weiter sinkt.

Regenfälle haben nicht viel gebracht
Auch die Regenfälle der vergangenen Tage haben dem Wasserstand noch nicht wirklich genutzt. Dieser lag am Mittwoch weiterhin bei 115 Metern über Adria – und damit auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1965. Im Vorjahr stand das Wasser Ende Juli um 20 Zentimeter höher, schon damals war der See für die Jahreszeit aber ungewöhnlich seicht. Auf das langjährige Mittel fehlen derzeit 47 Zentimeter und auf den maximalen Wasserstand für Ende Juli im Jahr 2009 ganze 79 Zentimeter.

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Zander und Sichling verenden im See
Die Folge ist, dass viele Fische verenden. „Hier handelt es sich hauptsächlich um Sichling und Zander – so wie es uns von den Fischern gesagt wurde. Das sind Fische, die eher das kühlere Milieu mögen, und diese hohen Temperaturen oder diese Durchschnittstemperaturen im See können das Milieu so verändern, dass keine optimalen Bedingungen für die Fische gegeben sind, für diese zwei Arten“, so Christian Sailer vom Hauptreferat Wasserwirtschaft des Landes und Leiter der Taskforce Neusiedler See.

Sailer: Ganze Struktur rund um den See habe sich verändert
Die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF meint, dass ein Steppensee von Extremen lebt. Bereits einmal, Mitte des 19. Jahrhunderts, war er ausgetrocknet, das müsse man jetzt auch geschehen lassen. „Also ich bin davon nicht so überzeugt wie der WWF, weil sich die ganze Struktur um den See verändert hat. Die Siedlungsräume haben sich verändert. Auch die hydrologischen Randbedingungen haben sich verändert. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es wirklich aussieht, wenn dieser See austrocknet. Man sieht, dass Wasser drinnen ist, Teilbereiche sind trocken, aber trotzdem kommen immer mehr Probleme und ich glaube, es könnte sich hier eine Spirale entwickeln, wo wir gar nicht wissen, wie die Umweltauswirkungen dann sein werden“, so Sailer.

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Die geplante Zuleitung aus der Moson-Donau

Zuleitung aus Ungarn verzögert sich
Dieses Horrorszenario möchte sich keiner ausmalen. Die Maßnahmen, die bereits jetzt gesetzt werden, um dem See zu helfen, werden von allen begrüßt. Das sind Schilf- und vor allem Schlammmanagement. Die geplante Zuleitung aus der ungarischen Donau verzögert sich. Auf die Frage, inwieweit dieser Zufluss den Wasserstand überhaupt beeinflussen würde, sagte Sailer: „Für die Erhaltung der Sportarten oder das Segeln, oder Boote mit großem Tiefgang, das wird vermutlich nicht möglich sein. Das können wir nicht gewährleisten, weil wir erst bei einem niederen Wasserstand mit der Dotierung beginnen, damit wir das System nicht überfordern. Aber zur Erhaltung eines Sees als Lebensraum und als Landschaftselement wurde nachgewiesen, dass diese Wassermenge, die wir aus Ungarn bekommen, ausreicht.“ Es sind also viele Maßnahmen am Laufen, um den See zu retten. Gegen eine Zuleitung aus Ungarn sprachen sich am Mittwoch die Grünen aus – mehr dazu in Neusiedler See: Grüne gegen Wasserzuleitung.

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Seetourismus spürt bisher keine Auswirkungen
Der See ist ein Touristenmagnet. Circa jede dritte Gästeübernachtung findet rund um den See statt. Die Zahl der Nächtigungen im Burgenland ist im Juni generell um 2,4 Prozent im Vergleich zum Juni 2021 gestiegen. Mehr als 341.600 Nächtigungen wurden verzeichnet. Die wichtigste Seetourismusgemeinde Podersdorf verzeichnete sogar um 19 Prozent mehr Nächtigungen als vor einem Jahr. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil spricht von einer positiven Dynamik im burgenländischen Tourismus, trotz schwieriger Rahmenbedingungen.
Die Zahlen würden jedenfalls zeigen, dass die Touristinnen und Touristen den See trotz allem zu schätzen wissen. „Ganz wichtig ist mir, dass wir nicht Panik schieben, sondern man sieht es ja auch beispielsweise in Rust, der Tourismus ist möglich. Die Leute fahren mit dem Elektroboot und dem Motorboot raus. Tourismus im Burgenland ist in diesem Sommer 2022 möglich“, so der Geschäftsführer des Burgenland Tourismus, Didi Tunkl.
27.07.2022, red, burgenland.ORF.at
Neusiedler See: Suche nach Lösungen
 

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#27
NEUSIEDLER SEE
Wasserstand weiterhin extrem niedrig
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Der Wasserstand des Neusiedler Sees ist immer noch extrem niedrig. Nach dem heißen Sommer hat auch der Herbst bisher nicht den erhofften Regen gebracht. Es brauchte einen sehr feuchten Winter, damit im nächsten Sommer die Probleme nicht noch größer werden als heuer. Für den Zicksee erscheint die Lage noch düsterer.
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Im Sommer war der Neusiedler See weit über die Grenzen Österreichs hinaus in den Schlagzeilen, der niedrigste Wasserstand seit Jahrzehnten hatte für Aufregung bei Touristikern, in der Politik und bei Naturschützern gesorgt. In den letzten Wochen ist es etwas ruhiger geworden um den See, und jetzt im Spätherbst legt sich manchmal dichter Nebel über den See und lässt die Grenzen verschwimmen.

Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass dem See nach wie vor viel Wasser fehlt: Die Strände sind breiter, die Stege ragen weit aus dem Wasser, und die Schilfpflanzen stehen zum Teil im Trockenen. Mehr als ein halber Meter Wasser fehlt, enorm viel angesichts einer durchschnittlichen Tiefe von eineinhalb Metern in Normaljahren.

ORF/Daniel Schrott
In der Marina in Illmitz wurde in den letzten Wochen Schlamm abgesaugt, damit die Boote wieder vom Hafen auf den See fahren können

Fatale Kombination aus Hitze und Trockenheit
Der Neusiedler See ist ein Steppensee, der westlichste in Europa. Er wird hauptsächlich durch Niederschlag gespeist, die Zuflüsse wie Wulka und Wolfsbrunnbach spielen eine geringe Rolle. Fehlen so wie heuer Regen und Schnee, sinkt der Wasserspiegel. Hierbei spielt die Verdunstung in Kombination mit dem Wind im Sommerhalbjahr eine zentrale Rolle. An heißen Sommertagen kann ein Zentimeter Wasser verdunsten.

Im immer wärmeren Klima nimmt die Verdunstung zu, und 2022 zählt zu den bisher heißesten Jahren, seit es in Österreich Messungen gibt, so die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Eine fatale Kombination, die im Sommer zu Wassertemperaturen von teilweise über 30 Grad geführt hat. Dadurch ist der Sauerstoffgehalt im See gesunken und es kam zu Fischsterben. Verendet sind vor allem Zander und Sichling, die kühleres Nass bevorzugen – mehr dazu in burgenland.ORF.at.

ORF/Daniel Schrott
Der Schilfgürtel bei Illmitz liegt nach wie vor trocken

Seit 15 Monaten zu trocken
Im Schnitt fallen im Gebiet des Neusiedler Sees pro Jahr knapp 600 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter. Heuer hat es an der Wetterstation der ZAMG in Neusiedl bisher lediglich 350 Liter pro Quadratmeter und in Podersdorf gar nur 332 Liter pro Quadratmeter geregnet. Die Trockenheit hat im Nordburgenland bereits letztes Jahr begonnen. In vielen Orten hat es nun schon 15 Monate hintereinander weniger geregnet als normal, in Summe gehen der Region bereits 200 bis 300 Liter Wasser pro Quadratmeter ab.

Niederschlag in Neusiedl am See

Niederschlagssummen pro Monat in Millimeter
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Niederschlag 2022 in mm - langjähriges Mittel (1981—2010) in mm

In jedem Monat des heurigen Jahres hat es bisher im Vergleich zum langjährigen Mittel zu wenig geregnet.
Hinweis: Daten von November bis inklusive 14.11.
Quelle: Hydrografischer Dienst Burgenland/ZAMG

Nur im Jahr 2003 hat es im Zeitraum Jänner bis November noch etwas weniger geregnet als heuer. Aus diesem Jahr stammte auch der niedrigste Wasserstand des Neusiedler Sees seit Beginn der Messungen 1965 – dieser war bis heuer gültig. Denn dieser Negativrekord wurde 2022 noch einmal deutlich unterschritten.

So schnell kein ergiebiger Regen
Der Wasserspiegel ist heuer bis in den Oktober hinein gesunken und seither erst wenige Zentimeter gestiegen. Der Pegel liegt jetzt bei 114,9 Metern über der Adria. Die aktuellen Wetterprognosen machen wenig Hoffnung auf einen baldigen deutlichen Anstieg des Wasserstands. Zwar wird es in dieser Woche das eine oder andere Mal regnen, doch große Mengen sind nicht in Sicht, so die ORF-Wetterredaktion.

Extrem niedrig sind auch nach wie vor die Grundwasserstände im Nordburgenland, was eine Folge der geringen Niederschlagsmengen und der Bewässerung in der Landwirtschaft im Sommer ist. Und die Wulka, der wichtigste Zufluss des Neusiedler Sees, führt mit nur 0,3 Kubikmetern pro Sekunde seit Monaten schon auch nur ein Drittel der durchschnittlichen Wassermenge in den See.

Das jährliche Minimum des Wasserstandes wird üblicherweise im September und Oktober erreicht, über den Winter steigt der Neusiedler See im Schnitt rund 20 Zentimeter an. Er erreicht dann Anfang April seinen jährlichen Höchststand, bevor der See im Sommer durch die Zunahme der Temperatur und Verdunstung wieder sinkt.
Screenshot/wasser.bgld.gv.at
Der Wasserstand im Jahr 2022 (blau) liegt deutlich unter den bisherigen Aufzeichnungen seit dem Jahr 1965

Nächster Sommer kann schwieriger werden
„Im heurigen Sommer kam die Linienschifffahrt noch mit einem blauen Auge davon“, so Roman Drescher, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Drescher Line in Mörbisch. Der Wasserstand habe noch ausgereicht, um in seinem Betrieb alle Fahrten durchzuführen: „Viel Luft war aber nicht mehr.“ Sorgen, wie es nächstes Jahr wird, macht sich Drescher noch nicht, er hofft aber auf ergiebigen Regen im Winter und Frühling.

Wenn der Wasserspiegel über den Winter nicht deutlich steigt, kann der nächste Sommer ein noch schwierigerer werden als heuer, meint Drescher. Langfristig werde es ohne künstlichen Zufluss nicht mehr gehen. Damit spricht er die geplante Zuleitung aus der Moson-Donau aus Ungarn oder eine Verbindung zur Donau in Niederösterreich an.

Kurzfristig kann nur Niederschlag helfen, um das Ruder herumzureißen. Gut 300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter benötigt der See, um auf den Pegelstand des heurigen Frühjahrs zu kommen – und der war bekanntlich schon sehr niedrig. Normalerweise fallen von Dezember bis Anfang April am Neusiedler See nur etwa 150 Liter pro Quadratmeter. Um den mittleren Wasserstand zu erreichen, brauchte es über den Winter sogar rund 600 Liter Regen pro Quadratmeter – eine nur sehr schwer vorstellbare Menge.

ORF/Daniel Schrott
Trockenrisse statt Wasser – der Zicksee ist nach wie vor trocken

Zicksee noch immer ausgetrocknet
Östlich des Neusiedler Sees im Seewinkel ist die Situation auch nicht gerade rosig – in den wenigsten Lacken befindet sich derzeit Wasser. Der Zicksee, früher ein beliebter Badesee und im heurigen Sommer völlig ausgetrocknet, hat sich noch immer nicht neu gebildet. Wo früher Wasser war, gibt es nach wie vor tiefe Trockenrisse im ehemaligen Schlamm, es wirkt wie ein Steinbruch für Pflastersteine.

In dieser unwirtlichen Mondlandschaft finden sich allerhand Gerätschaften früherer Tage: Paddel, Finnen und Anker, dazu kommt noch Müll von Badegästen – etwa Flaschen und Dosen. Doch die Natur ist dabei, den Zicksee zu erobern: Er wird grün, alle paar Meter treiben schon Pflanzen aus. Ob und in welcher Größe sich der See im Winter wieder bildet, ist abhängig vom Niederschlag. Sowohl beim Zicksee als auch beim Neusiedler See entscheiden Winter und Frühling über das Schicksal im nächsten Sommer.
15.11.2022, Daniel Schrott (Text), ORF-Wetterredaktion, Sandra Schober (Grafik), ORF.at

Link:
Neusiedler See: Wasserstand weiterhin extrem niedrig
 
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