Der Wiener Zentralfriedhof

josef

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#1
Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast 2,5 km² und rund 330.000 Grabstellen zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Er gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke und des weitläufigen Areals zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Wien.

Unter der Aufbahrungshalle 2 wird nun ein "Bestattungsmuseum" eröffnet:
Neues Bestattungsmuseum eröffnet

Auf dem Zentralfriedhof ist das neue Wiener Bestattungsmuseum eröffnet worden. 250 Originalobjekte, darunter ein Herzstichmesser und ein Rettungswecker, werden gezeigt. Das Museum ist ab 13. Oktober öffentlich zugänglich.

Das neue Bestattungsmuseum liegt unter der Aufbahrungshalle 2, in den Schauräumen werden einzelne Exponate wie etwa Totenmasken oder Uniformen der Totengräber bläulich-kühl angestrahlt, während der Boden in warmem Gelb beleuchtet ist. Der Besucher soll sich immer noch in der Welt der Lebenden befinden, so Architekt Gustav Pichelmann. Für das neue - rund 300 Quadratmeter große - Museum hat er sich mit den strengen Auflagen der denkmalgeschützten Jugendstil-Aufbahrungshalle auseinandergesetzt.

Neue und alte Exponate
Der bisherige Standort in der Goldeggasse 19 musste aufgrund der Übersiedelung der Unternehmenszentrale aufgegeben werden. Einige Exponate wurden übernommen, etwa eine Auswahl an Grabtüchern oder die imperialen Wappen der Kaiserbegräbnisse. Auch der Rettungswecker und das sogenannte Herzstichstilett, das den Tod sicherstellen sollte, waren bereits am alten Standort zu bewundern. „Das waren Lieblinge, auf die wir einfach nicht verzichten konnten“, so Museumsdirektorin Ruth Praschek.

Einige Stücke sind jedoch auch dazugekommen, etwa ein ganzes Kapitel über die Arbeit am Friedhof sowie die Wiener Friedhöfe an sich - per Touchscreen-Datenbank können etwa alle Ehrengräber abgerufen werden. Ansonsten steht die Bestattung - vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart - mit all ihren Wiener Eigenheiten im Vordergrund.

„Wo, wenn nicht in Wien, soll es ein Bestattungsmuseum geben“, fragte sich Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) beim Festakt. Sie könne sich jedenfalls keinen besseren Ort als den Zentralfriedhof vorstellen. Mehr als 250 Objekte führen durch die Totengeschichte der Stadt - darunter etwa verschiedene Särge vom billigen Klappsarg aus der Zeit Kaiser Josephs II. über einen pompösen Sarkophag bis hin zu einem modernen „Cocoon“ aus Pflanzenfaser.

Video vom Begräbnis Kaiser Franz Josephs
Den Lauf der Zeit kann man aber auch anhand von Roben, die zu Begräbnissen getragen wurden, Grabsteinen, Leichenzügen oder Urnen nachvollziehen: Hier spannt das Museum den Bogen von der Augarten-Keramikurne bis zur Do-it-yourself-Holzurne, die mit einem Malset verkauft wird. Für den multimedialen Touch sorgen beispielsweise Videos vom Begräbnis Kaiser Franz-Josephs I. oder Albert Baron Rothschilds. Skurril wird es etwa bei der „Kerzenspitzmaschine“.

Etwas mehr als ein Jahr wurde am neuen Museum gebaut, die Kosten beliefen sich auf rund 2,5 Mio. Euro. Seit den 1960er-Jahren werden laut Christian Fertinger, Konzernbereichsleiter der Bestattung und Friedhöfe Wien, Exponate gesammelt, dann entschloss man sich, diese auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das alte Museum erwies sich vor allem bei der Langen Nacht der Museen als Besuchermagnet. Ob man das beliebte „Probeliegen der Särge“ auch im neuen Museum einführen werde, sei jedoch noch nicht klar, meinte Praschek.
Quelle mit Fotostrecke: http://wien.orf.at/news/stories/2672750/
 
#2
Im Zentralfriedhof gibt es den alten jüdischen Teil.

War vor kurzem dort und ist wahrlich sehr interessant. Vor allem diese Verlassenheit, sehr viel verwachsen und verwuchert – nur einige Grabanlagen wurden von der Stadt Wien renoviert, es scheint auch die Beschriftungen wurden oft aufgebessert. Praktisch wie eine wildromantische Parkanlage.

Sehenswert sind die alten Grabanlagen, sehr prachtvoll und informativ. Da sieht man erst, welche bedeutende Positionen das Judentum in Wien so zwischen 1880 und 1920 eingenommen hat.
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Und dank Google kann man die Biographien größtenteils nachvollziehen und wie sich die Nachkommen, sowie sie dem Tod entrinnen konnten, in alle Himmelsrichtungen verteilten.
Da kann man auch die Größe der Vermögensverschiebung von den Juden zu den Arier erahnen.

Interessant sind auch die irrtümlichen Bombardierungen des Friedhofes im WKII und die Trümmer, die jetzt noch herumliegen. 20140918_183452.jpg

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Besuch, nur nicht vergessen: er hat auch eine Sperrstunde und nach dieser kann man nur neben dem Haupttor wieder raus.
 

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#4
Projekt Leichentransport im Tunnelsystem

Ideen für Transport zum Zentralfriedhof

Mit der offiziellen Eröffnung des Wiener Zentralfriedhofs vor 140 Jahren am 1. November 1874 entstand im Südosten von Wien der damals größte Friedhof Europas. Der Widerstand in der Bevölkerung dagegen war enorm - zu mühsam der Anfahrtsweg, zu karg die Ausstattung, zu offensichtlich die Leichentransporte auf Pferdefuhrwerken. Auf der Suche nach Lösungen schreckte die Gemeinde Wien auch vor visionären Lösungen für den Leichentransport nicht zurück. Sie hielt die Umsetzung einer Art „Rohrpost“ über ein unterirdisches Tunnelsystem für „wünschenswerth“.

Leichentransport im Tunnelsystem
Im Jahr 1863 hat der Wiener Gemeinderat den Bau des großen Zentralfriedhofs außerhalb der Stadt beschlossen. Heuer feiert er bereits sein 140-jähriges Bestehen. Am 1. November 1874 wurde der Zentralfriedhof auf dem Gebiet von Kaiserebersdorf und Simmering bei Wien offiziell eröffnet. Die damit verbundenen Probleme riefen visionäre, fast schon utopische Ideen auf den Plan.

Allein schon in den ersten Wochen nach der Eröffnung des damals größten Friedhofes Europas waren 50 Tote pro Tag erwartet worden. Das war eine Herausforderung auch für den Transport der Leichen, der vor allem mit Pferdefuhrwerken auf der Straße erfolgte - zum Leidwesen der Bevölkerung. Neben dem Vorschlag, den Transport unter die Erde zu verlegen, sorgten der Ingenieur Franz von Felbinger und der Architekt Josef Hudetz mit ihrer „Rohrpost“ für Leichen für Aufmerksamkeit. Sie warben für eine „Begräbnishalle mit pneumatischer Förderung“.

Mit dem Sarg in die Versenkung
Im Mittelpunkt ihres Projekts stand eine zentrale Bestattungshalle, die sowohl die Aufbahrung als auch die notwendige technische Infrastruktur kombiniert. Im Rahmen der feierlichen Zeremonie in der Halle sollte vom Verstorbenen, aufgebahrt auf einem „Versenkungssarg“, Abschied genommen werden. Mit dem Absenken des Sargs sollte das Ende der Zeremonie signalisiert werden.

Über ein pneumatisches Antriebssystem - mit Druckluft - sollen nach der Idee von Felbinger und Hudetz die Leichen in Zügen durch ein unterirdisches Tunnelsystem zum Zentralfriedhof geschickt und dort weitgehend abgeschirmt begraben werden. Druckluft sollte den Zug vor sich her drücken - mit einer Geschwindigkeit von bis zu 27 km/h.
Innerhalb von etwa zehn Minuten sollte diese „Rohrpost“ den Zentralfriedhof erreichen, so die Vision der beiden Planer. Entscheidende Kriterien für diese Art des Leichentransports waren Effizienz und Hygiene. Vielfach wurde das Argument der Ausbreitung von Seuchen verwendet, um Friedhöfe aus dem Zentrum der Stadt an den Rand zu verlagern.

Transport auf Schiene zu teuer
Auch die k. k. privilegierte österreichische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft bot an, den Transport der Leichen auf die Schiene zu verlegen. Das wurde von der Gemeinde Wien und der zuständigen Friedhofskommission aber abgelehnt. Die Kosten wurden als zu hoch bewertet, der innerstädtische Ausbau der Bahn als unzureichend.

Bessere Chancen hatte daher zunächst der „Rohrpost“-Plan: „(...) das Consortium werde verständigt, daß der Gemeinderath geneigt sei, das Projekt (...) einer eingehenden Prüfung und Würdigung zu unterziehen“, beschloss die Friedhofskommission 1874. Für die Kommission wäre eine Durchführung dieses Projekts „wünschenswerth“ gewesen, da dadurch die Schwierigkeiten beim Leichentransport behoben werden könnten.

Gebaut wurde der unterirdische Leichentransportweg aber dennoch nicht. Der Wiener Gemeinderat, ohnehin politisch und wirtschaftlich durch die Finanzkrise von 1873 belastet, schreckte vor den hohen Kosten und den umfassenden dafür notwendigen Bauarbeiten zurück. Das Transportproblem wurde bis 1918 nicht gelöst. Erst dann wurde erstmals die Straßenbahnlinie 71 für den Leichentransport genutzt.

Kritik am Zentralfriedhof
Die Stadt kämpfte politisch auch mit zunehmenden Widerstand gegen den Zentralfriedhof - nicht nur aufgrund der auf der Simmeringer Hauptstraße sichtbaren Leichenzüge. Kritisiert wurde auch die lange Anreise zum Friedhof und die karge Ausstattung des Areals. Die Stadt Wien versuchte daher schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts etwa mit der Errichtung von prunkvolleren Ehrengräbern und später auch einer eigenen Kirche dem Unmut in der Bevölkerung gegenzusteuern. Nicht zuletzt deshalb wurden etwa die Komponisten Ludwig van Beethoven und Franz Schubert vom Währinger Friedhof nach Simmering gebracht.

Ab 1901 fuhr die Straßenbahn durch Simmering, 17 Jahre später begann auch der Leichentransport über die Straßenbahn

Die Entwicklung zu einer Bestattung außerhalb der Stadt hatte schon 90 Jahre zuvor unter Kaiser Joseph II. mit seinen „Josephinischen Reformen“ begonnen. Er hatte die Auflösung der Friedhöfe innerhalb des heutigen Gürtels verfügt. Fünf Friedhöfe außerhalb dieses Linienwalls - darunter der Sankt Marxer und der Währinger Friedhof - wurden geschaffen. Allerdings waren diese Bestattungsorte mit dem rasanten Anwachsen der Wiener Bevölkerung und damit auch der Toten ab Mitte des 19. Jahrhunderts bald zu klein. Der Zentralfriedhof weit außerhalb der Stadt auf dem Gebiet von Kaiserebersdorf sollte so groß sein, dass selbst bei einem damals prognostizierten Bevölkerungsanstieg der Wiener auf vier Millionen Einwohner bis zum Ende des 20. Jahrhunderts der Friedhof nicht zu klein werden würde.

Einfluss der Kirche eindämmen
Das von Felbinger und Hudetz vorgeschlagene Konzept für den Zentralfriedhof spiegelt auch veränderte Einstellungen gegenüber dem Friedhof an sich wider. Mit dem Drang des Bürgertums, Begräbnisse prunkvoll zu inszenieren, wurde die von Joseph II. propagierte spartanische Bestattung ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend zurückgedrängt. Ehrengräber dienten auch als Zeichen für Kunst auf dem Friedhof.

Der Friedhof wurde zu einem „Ort für Besuche“ und ein „gesellschaftliches Scharnier zwischen Leben und Tod“, analysiert der Kulturwissenschaftler Florian Bettel in seinem Artikel über die „technische Vision der pneumatischen Leichenbeförderung zum Wiener Zentralfriedhof“, veröffentlicht in dem Buch „Technology Fiction: Technische Visionen und Utopien in der Hochmoderne.“

Die neuen Friedhöfe sollten außerhalb des Einflussbereichs der Kirche sein, so Bettel, ein Ort, „der die bürgerliche Macht manifestiert und repräsentiert“. Die Gemeinde Wien habe sich mit der Idee der Begräbnishalle mit anschließendem Leichentransport erhofft, „traditionelle Riten, die sich als Teil religiöser Praxis in konfessioneller Hand befinden, weiter abschütteln zu können“, so Bettel.

Rückkehr der Idee im Krematorium
Zeitgleich mit der Idee der Begräbnishalle mit anschließendem Transporttunnelsystem wurde auch der Siemens’sche Ofen für die Feuerbestattung präsentiert. Auch hier taucht der versenkte Sarg auf - oben die Aufbahrung, unten die Verbrennung. Denn obwohl 1874 noch kein Krematorium für die Verbrennung von Leichen existierte, wurde diese Möglichkeit immer mehr ins Auge gefasst. In Österreich dauerte der Weg zum ersten Krematorium allerdings besonders lange: Die erste Feuerhalle wurde 1922 in Simmering eröffnet. Der Widerstand der katholischen Kirche war lange Zeit zu groß.
http://orf.at/stories/2251624/
 

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#5
Leichenwagen der Straßenbahn

Textauszug aus Beitrag #4:
Ab 1901 fuhr die Straßenbahn durch Simmering, 17 Jahre später begann auch der Leichentransport über die Straßenbahn
Dazu ein Bericht der Pressestelle Wiener Stadtwerke inklusive Foto des "Straßenbahn-Leichentransportwagens":
1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, fehlte es an Transportmitteln. Verstorbene wurden mit einer umgebauten Straßenbahn zum Friedhof gebracht. Die Leichentram fasste zwölf Särge. Im Zweiten Weltkrieg musste sie abermals eingesetzt werden.
Dazu auch hier Beiträge #4 u. 5.
 

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#6
Makabres Spielzeug...

Wiener Leichentram als Lego-Bausatz

Im Bestattungsmuseum am Zentralfriedhof gibt es neben Skelett-USB-Sticks und Totenkopfnudeln ab sofort ein neues Angebot: eine Lego-Leichentram zum Selberbauen. Das Original war während beider Weltkriege im Einsatz.

Das Lego-Leichentram-Set 1601 umfasst neben den 350 Steinen für den Waggon zwei Särge und ein Lego-Männchen. Die Lego-Leichentram ist mit der „Straßenbahn Alt Set 1408“ kompatibel, bald auch mit der „Straßenbahn Alt 2 Set 1609“. Ergänzungssets, unter anderem mit Lego-Totengräbern, sind geplant. Die Lego-Leichentram ist im Bestattungsmuseum und bei weiteren ausgewählten Händlern erhältlich.

Totentransport per Straßenbahn
Eine Leichentram war in Wien im Ersten und Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Sie transportierte Verstorbene vom Allgemeinen Krankenhaus, der Pflegeanstalt Am Steinhof, vom Versorgungsheim und vom Jubiläumsspital in Lainz zum Wiener Zentralfriedhof. Zwei Beiwägen, die je zwölf Särge fassten, wurden an einen regulären Triebwagen angehängt. Keiner der schwarz lackierten Waggons hat überlebt, nur Fotos sind erhalten. Fotos der Waggons sind im Bestattungsmuseum zu sehen.

Das Modell gestaltet hat Robert Staringer, der Klassiker in Anlehnung an die einstige Straßenbahn entwickelt. Der schwarze Wagen trägt das Logo der Bestattung Wien. Staringer hat bereits eine Reihe an Wiener Öffi-Fahrzeugen als Lego-Miniaturmodelle umgesetzt.

Herzstichmesser und Friedhofskultur
Das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof unter der Aufbahrungshalle 2 führt durch die Wiener Bestattungs- und Friedhofskultur vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Rund um die „Schöne Leich“ erfährt man alles zu kaiserlichen Trauerfeiern und dem Kondukt als letzter Inszenierung, Prachtuniformen und Trauermode, Totengedenken und Ehrengräbern. Zu sehen sind aber auch Skurrilitäten wie Herzstichmesser, Sparsarg und Rettungswecker.
Text u. Bilder: http://wien.orf.at/news/stories/2778068/
 

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josef

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#7


Zentralfriedhof-Tour: „Der Hang zum Morbiden“
Ein kopfloser Musiker und die Angst, lebendig begraben zu werden: Die Friedhöfe Wien bieten ab Oktober Führungen durch den Zentralfriedhof an. Trotz Gruselfaktors achte man jedoch besonders auf die Pietät, heißt es.
„Ich sage immer, die Wiener und der Tod haben schon fast ein Liebesverhältnis miteinander“, sagt Tourorganisatorin Gabriele Saeidi. „Der Hang zum Morbiden ist bei den Wienern besonders ausgeprägt.“ Die Einstellung zu Friedhöfen ändere sich zunehmend.

„Der Zentralfriedhof ist für viele heute nicht mehr nur eine Begräbnisstätte, sondern fast schon ein Naherholungsgebiet. Die Menschen besuchen hier zwar Verstorbene, man nutzt die Gelegenheit aber auch, um sich umzusehen und die ein oder andere Lebensgeschichte zu entdecken“, sagt sie.


Friedhöfe Wien
Ab 31.Oktober findet die Tour durch den Zentralfriedhof statt

Jährlich rund 100.000 Touristen am Zentralfriedhof
Das bestätigt auch Florian Keusch von den Friedhöfen Wien: „Die Friedhöfe haben sich in den vergangenen Jahren sehr geöffnet, wir haben im Jahr mehr als 100.000 Touristen am Zentralfriedhof. Die Gesellschaft wandelt sich und sieht die Thematik lockerer.“ Die „Führung zum Fürchten“, wie sie auf der Webseite der Fremdenführerin Saeidi genannt wird, empfindet er deshalb keineswegs als pietätlos.

Zwar sei der Titel der Führung reißerisch, tatsächlich handle es sich jedoch um eine abendliche Tour, die die Entstehungsgeschichte des Zentralfriedhofes sowie Geschichten einiger hier beigesetzter Personen erzählt. Vorerst sind vier Termine - angefangen am 31. Oktober - geplant. Die Tour dauert zwei Stunden, eine gekürzte Version wird bereits bei der Langen Nacht der Museen am 6. Oktober durchgeführt.

Historische Fakten statt „Gruselgeschichten“
„Wir wollen keine Geisterbahn am Zentralfriedhof machen oder schaurige Gruselgeschichten erzählen, das liegt uns fern. Es geht uns darum, eine historische Seite zu beleuchten, die man sonst nicht sieht“, betont Keusch.

Die Führungen finden nach Betriebsschluss des Friedhofes statt. Ein Faktor, der auch der Tourorganisatorin wichtig ist. „Es hat natürlich auch einen zusätzlichen Gänsehaut-Faktor, wenn man bei Nacht mit einer Laterne über den Friedhof geht.“ Gleichzeitig soll so aber auch die Privatsphäre der Menschen gewahrt werden, die am Friedhof Verstorbene besuchen. Der respektvolle Umgang mit dem Friedhof hängt für Saeidi aber auch mit der Auswahl der Geschichten zusammen.

Veranstaltungshinweis
„Der Zentralfriedhof bei Nacht: Eine Führung zum Fürchten“: Die Führungen finden am 31. Oktober sowie am 2., 9. und 16. November statt.
So liegt der Fokus auf historischen Ereignissen und den Folgen, wie etwa dem Brand des Ringtheaters 1881 und dem damit verbundenen Fortschritt in der forensischen Medizin. Auch der Alltag der Totengräber, sowie alte Begräbnisrituale und –methoden werden erklärt. So erzählt Saeidi etwa von der Angst vieler Menschen, lebendig begraben zu werden und erklärt Maßnahmen - wie etwa eine Glocke am Grabstein - die getroffen wurden, um dies zu verhindern.

Fokus auf berühmte Persönlichkeiten

„Man braucht sich keine Sorgen machen, dass die Geschichte der Großmutter erzählt wird“, so Saeidi. Bei der Tour werden ausschließlich die Ruhestätten berühmter Personen gezeigt, darunter die Musiker Johann Strauß und Ludwig van Beethoven. „Die großen Musiker dürfen bei keiner Friedhofstour fehlen“, sagt Saeidi.

Einer der klassischen Musiker, deren letzte Ruhestätte bei der Tour gezeigt wird, sei allerdings mit dem falschen Kopf beigesetzt worden. „Über viele Jahrhunderte hinweg haben sich die Menschen gerühmt, wenn sie einen berühmten Schädel im Besitz hatten. Es gab etwa den Mozartschädel im Mozarteum, bei dem man später festgestellt hat, dass es sich um einen anderen handelt. Am Zentralfriedhof gibt es ein ähnliches Phänomen.“ Um welchen Musiker es sich dabei handelt, möchte Saeidi vorab nicht verraten.

Link:
Publiziert am 05.10.2018
Zentralfriedhof-Tour: „Der Hang zum Morbiden“
 
#8
Tja, unsere Führungen am Zentralfriedhof - klingt wenig reißerisch - gibt es dafür schon wesentlich länger. Leider ist es immer wieder so, das man reißerisch verpackte Sachen besser verkaufen kann, oder ist es wieder eine "Halloween" Sache?
 
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