Die „Gorch Fock“, Stolz der Deutschen Marine und ständiges Problemschiff zugleich, wird sehr wahrscheinlich nie wieder ihr Dock verlassen

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1


Der langsame Untergang der „Gorch Fock“
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilen
Die „Gorch Fock“, Stolz der Deutschen Marine und ständiges Problemschiff zugleich, wird sehr wahrscheinlich nie wieder ihr Dock verlassen. Dort liegt der Dreimaster mehr oder weniger in seine Einzelteile zerlegt zur Sanierung, die vielleicht nie mehr abgeschlossen wird. Immer mehr Probleme tauchten auf, die Kosten explodierten, Geld gibt es keines mehr, dafür einen weiteren Skandal.
Das Segelschulschiff zur Ausbildung von angehenden Offizieren und Unteroffizieren wurde 1958 in Dienst gestellt, nach fast sechs Jahrzehnten auf See sollte es ab 2015 überholt werden. Der deutsche „Spiegel“ erinnerte vor wenigen Tagen daran, dass damals dafür knapp über vier Monate Zeit und etwa zehn Mio. Euro Budget veranschlagt gewesen seien. „Mehr als drei Jahre später liegt das Schiff heute komplett zerlegt in der Werft.“

Mittlerweile seien die Kosten auf etwa 135 Mio. Euro gestiegen, Ursache sei „gravierendes Missmanagement“. Im Zentrum der Kritik steht das Verteidigungsministerium unter Ursula von der Leyen (CDU) – wieder einmal. Grund ist aktuell ein vertraulicher Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH) in Bonn, in dem dieser laut „Spiegel“ Bundeswehr und Verteidigungsministerium für das Debakel verantwortlich macht.

AP/David Hecker
Die „Gorch Fock II“ war seit 1958 auf den Weltmeeren unterwegs

Offenbar Reparatur ohne Plan
Darin heiße es im Wesentlichen, dass mit der Sanierung praktisch planlos begonnen worden sei. „Vor Beginn der Arbeiten war nicht geklärt, ob die Instandsetzung der ‚Gorch Fock‘ insgesamt noch wirtschaftlich lohnend war“, zitierte das deutsche Nachrichtenmagazin. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) schrieb etwas weniger prosaisch von „Kaskaden tölpischer Werftmitarbeiter“, falschen Gutachten und Offizieren mit Geltungsdrang.
Der Projektleiter habe längst die Reißleine ziehen wollen, schließlich koste jeder Tag im Dock etwa 10.000 Euro, schrieb der „Spiegel“. Die Verteidigungsministerin habe jedoch zugesehen und nicht reagiert. Nun werde „die sündhaft teure Reparatur“ des Schiffs „zur handfesten Affäre“. Zuletzt habe auf dem Dreimaster Gefahr für Leib und Leben der Besatzung bestanden, befand der BRH. Nun laute die Alternative zur Sanierung Verschrottung, selbst der Umbau der „Gorch Fock II“ – so der korrekte Name – würde zu viel Geld kosten, hieß es Ende der Woche in deutschen Kommentaren. „Der alte Segler erlebt gerade seinen vielleicht schwersten Sturm an Land.“

„Stürme“ und Negativschlagzeilen
Stürme im übertragenen Sinn hat der Dreimaster schon einige überstanden. 2010 starb eine 25-jährige Offiziersanwärterin während eines Hafenaufenthalts in Brasilien bei einem Sturz aus großer Höhe von der Takelage (dem System aus Masten und Tauen eines Segelschiffs). Anschließend wollten weitere Kadetten nicht mehr auf Masten klettern bzw. von Bord gehen, in den Medien war die Rede von einer „Meuterei“.

APA/dpa/Carsten Rehder
Mehrere Menschen stürzten bei Unfällen auf der „Gorch Fock II“ von Masten bzw. Takelage in den Tod

Eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt, der Ausbildungsbetrieb unterbrochen. Der tragische Vorfall war nicht der erste auf dem Schiff gewesen. Mehrere Menschen starben durch Unfälle auf Deck oder wurden verletzt, 2008 war eine 18-jährige Kadettin über Bord gegangen und ertrunken. Der erste Todesfall an Bord hatte sich 1959 ereignet.

Berichte über Alkohol und Belästigung
Ab Ende 2010 geriet die „Gorch Fock II“ nicht nur wegen des tödlichen Unfalls und der „Meuterei“ (die militärstrafrechtlich keine war) in die Schlagzeilen. Nachdem die Medien auf das Schiff aufmerksam geworden waren, sprachen junge Soldatinnen und Soldaten von Alkoholexzessen unter der Stammbesetzung, unwürdigen Initiationsritualen, Schikanen und sexueller Belästigung. Die Besatzung wehrte sich gegen die Vorwürfe.
Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), später wegen der Plagiatsaffäre um seine Dissertation zurückgetreten, ließ Bericht erstatten, die Vorwürfe verliefen sich großteils im Sand, Ermittlungen der Justiz wurden eingestellt. Unter einem neuen Kommandanten und Guttenbergs Nachfolger Thomas de Maiziere (CDU) wurde schließlich der Ausbildungsbetrieb wieder aufgenommen.

„Ende einer Seefahrt“
Zuletzt tauchten im Zusammenhang mit der Reparatur des Schiffs bzw. der Auftragsvergabe Korruptionsvorwürfe auf. Von der Leyen verhängte einen Zahlungsstopp. In der „FAZ“ hieß es am Freitag schließlich unter dem Titel „Ende einer Seefahrt“, dass in Wirklichkeit niemand wisse, „ob die ‚Gorch Fock‘ die Werft jemals schwimmend verlassen wird oder als zerlegtes Wrack“.

Die „Gorch Fock II“ ist die Nachfolgerin der 1933 gebauten „Gorch Fock I“, die nach ihrer Versenkung durch die eigene Besatzung am Ende des Zweiten Weltkriegs und Bergung samt wechselvoller Geschichte als sowjetisches Schiff heute als Museumsschiff in Stralsund liegt. Benannt sind beide Schiffe nach dem deutschen Schriftsteller Gorch Fock (eigentlich Johann Wilhelm Kinau), gebaut wurden sie von der Hamburger Werft Blohm+Voss.

picturedesk.com/dpa/Stefan Sauer
Die „Gorch Fock I“ liegt im nordostdeutschen Hafen Stralsund

Knapp 35-mal um die Erde
Die „Gorch Fock II“ mit Heimathafen Kiel ist knapp 90 Meter lang und zwölf Meter breit, die Masten sind bis zu 45 Meter hoch. Die gesamte Besatzung umfasst 200 Männer und Frauen, ausgebildet werden auf dem Schiff Offiziere und Unteroffiziere. Das Schiff legte in den letzten sechs Jahrzehnten über 750.000 Seemeilen (fast 1,4 Mio. Kilometer) zurück, was knapp 35 Erdumrundungen entspricht, etwa 15.000 Männer und Frauen fuhren auf dem Schiff, zur 168. und letzten Ausbildungsfahrt hatte es 2015 abgelegt.
19.01.2019 Georg Krammer, ORF.at

Links:
Falsch kalkuliert: Der langsame Untergang der „Gorch Fock“
 

dermike

Active Member
#2
Hallo zusammen,
verschrotten, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Und neuzeitliche Soldaten werden auch nicht mehr an Vorderladern ausgebildet.

dermike
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
WERFT INSOLVENT

1550866790822.png
Neues Kapitel im „Gorch Fock“-Debakel
Die Zukunft der „Gorch Fock“ ist noch ungewisser geworden. Die Werft, die das bekannteste Schiff der deutschen Marine zur Reparatur auf ihrem Dock liegen hat, ist plötzlich selbst ein Sanierungsfall. Das Schiff sorgt seit Monaten wegen der astronomischen Instandsetzungskosten für Schlagzeilen, nun aber auch die Werft, bei der manches nicht mit rechten
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilen
Die „Gorch Fock II“, so der vollständige Name, die seit über 60 Jahren als Schulschiff in der Marine „dient“, liegt derzeit zerlegt in Bremerhaven und wird generalüberholt. Am Dienstagabend machten erste Gerüchte über eine Zahlungsunfähigkeit der beauftragten Elsflether Werft die Runde, am Mittwoch stellte die einen Antrag auf Insolvenz – allerdings in Eigenverwaltung, das Unternehmen soll damit weitergeführt werden.

Deutsche Medien berichteten von Schulden von mehr als 20 Mio. Euro und einer Reihe „fragwürdiger Darlehen“ und darüber, dass die „Handlungsfähigkeit des Betriebs“ nicht mehr garantiert sei. „Die Zukunft der Gorch Fock steht auf dem Spiel“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“. Der „Spiegel“ berichtete über mutmaßliche Ungereimtheiten in den Büchern der Werft, „merkwürdige Geldflüsse“, die mittlerweile durch eine neue Geschäftsführung unter anderem Schürfrechte für eine Goldmine in der Mongolei gekauft haben soll.

Odyssee begann nach Jahrzehnten auf den Ozeanen
Das Segelschulschiff zur Ausbildung von angehenden Offizieren und Unteroffizieren wurde 1958 in Dienst gestellt, nach fast sechs Jahrzehnten auf See sollte es ab 2015 überholt werden. Der „Spiegel“ erinnerte kürzlich daran, dass damals dafür knapp über vier Monate Zeit und etwa zehn Mio. Euro Budget veranschlagt gewesen seien. „Mehr als drei Jahre später liegt das Schiff heute komplett zerlegt in der Werft.“

www.picturedesk.com/Mohssen Assanimoghaddam
Die „Gorch Fock“ liegt zerlegt, verhüllt und eingerüstet auf dem Dock

Mittlerweile seien die Kosten auf etwa 135 Mio. Euro gestiegen, Ursache sei „gravierendes Missmanagement“, hieß es. Im Zentrum der Kritik steht das Verteidigungsministerium unter Ursula von der Leyen (CDU) – wieder einmal. Grund ist unter anderem ein vertraulicher Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH) in Bonn, in dem dieser laut „Spiegel“-Bericht vom Jänner Bundeswehr und Verteidigungsministerium für das Debakel einer planlosen Sanierung verantwortlich machte.

Stolz und „Symbol für das Elend der Bundeswehr“
Zuletzt tauchten im Zusammenhang mit der Reparatur des Schiffs bzw. der Auftragsvergabe Korruptionsvorwürfe auf. Von der Leyen verhängte einen Zahlungsstopp. In der „FAZ“ hieß es danach unter dem Titel „Ende einer Seefahrt“, dass in Wirklichkeit niemand wisse, „ob die ‚Gorch Fock‘ die Werft jemals schwimmend verlassen wird oder als zerlegtes Wrack“. Der „Spiegel“ kommentierte in einem ausführlichen Artikel unter dem Titel „Deutschland, abgewrackt“, das Schiff sei einst der „Stolz der Marine“ gewesen, heute sei sie nichts anderes als „Symbol für das Elend der Bundeswehr“.
geka, ORF.at
Werft insolvent: Neues Kapitel im „Gorch Fock“-Debakel
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
"Gorch Fock" doch wieder zu Wasser gelassen

Nach mehr als drei Jahren im Trockendock schwimmt die „Gorch Fock“ wieder: Der Rumpf des deutschen Segelschulschiffs wurde heute für einen Testlauf zu Wasser gelassen. Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bezeichnete das Ausdocken in der Bredo-Werft in Bremerhaven als „ganz wichtigen Tag für die Marine“. Das Ziel, die „Gorch Fock“ wieder als Ausbildungsschiff auf hoher See einzusetzen, sei damit aber noch nicht erreicht.


APA/AFP/Patrik Stollarz

Der Testlauf war erst durch eine Einigung im Rechtsstreit zwischen der Bredo-Werft, in der sich das Schiff befindet, und dem Verteidigungsministerium möglich geworden. Die Werft hatte das Schiff zunächst nicht ausdocken lassen wollen, weil sie noch Geld von der Regierung haben will. Der Ausgang der Tests soll mit darüber entscheiden, ob die „Gorch Fock“ wie geplant zu Ende saniert und wieder als Segelschulschiff eingesetzt wird. Die Instandsetzung des Schulschiffs sorgte wegen drastischer Kostensteigerungen für Wirbel.
21.06.2019 red, ORF.at/Agenturen

news.ORF.at
 
#7
Was ist nur aus der guten deutschen Ingenieurskunst geworden. Einfach nur schlimm was da sich in deutschland abspielt. Nix kriegen die mehr hin. Flughafen Berlin, Maut, dann das mit der Gorch Fock usw. Manchmal denkt man, ist man noch in Deutschland oder Albanien.
 
#8
Die technische Seite eurer Maut wäre ohne Probleme zum Funktionieren gebracht worden.
Übrigens durch ein österreichisches Unternehmen (Kapsch). ;)
Es war die rechtliche Seite, die Deutschland nicht zusammengebracht hat.
 
Oben