"Die Hanselburg" ein typisches Produkt der Romantik

Bunker Ratte

Well-Known Member
#1
Die Hanselburg stand schon lange auf meinem Plan. Vor einiger Zeit war ich in der Umgebung von Mistelbach unterwegs, somit nutzte ich die Gelegenheit in Verbindung eines Spazierganges am Hausberg von Loosdorf die Ruine zu betrachten!

Die Hanselburg ist nicht die Ruine einer mittelalterlichen Burg sondern ein typisches Produkt der Romantik. Sie war ein Namenstagsgeschenk, das Feldmarschall Johann I Fürst von Liechtenstein im Jahr 1800 von seiner Gattin erhalten hatte. Sie diente ihm als eine Art Jausenstation für seine Besuche im riesigen, von ihm umgestalteten Landschaftsgarten. Dieser ist längst zum Wald geworden. Außer der Hanselburg hat sich an Parkbauten noch ein großer Obelisk erhalten. Architekt der künstlichen Ruine war Joseph Hardtmuth, der später die heute noch existierende Bleistiftfabrik gleichen Namens gründete. Als fürstlicher Hofarchitekt schuf Hardtmuth für die Familie Liechtenstein neben Schlössern und Parkbauten auch zwei weitere künstliche Ruinen, den Schwarzen Turm in Mödling und die Johannesburg bei Eisgrub (heute Lednice in Südmähren). Wesentlich älter als die Hanselburg ist jedoch der ehemalige Hausberg mit seinen Wällen, auf dem der Kunstbau errichtet wurde. Hier wird ein Vorgängerbau des Schlosses Loosdorf vermutet. Das Waldgebiet östlich von Loosdorf mit der Ruine gehörte immer schon zur Herrschaft Loosdorf und ist heute noch im Besitz der Familie Piatti.
Die Hanselburg liegt auf einer 320 m hohen bewaldeten Anhöhe, die zu einem Höhenrücken gehört, der sich bis zum Schloss bzw. der Pfarrkirche von Loosdorf hinzieht. Sie besteht aus einem mächtigen, bergfriedartigen Rundturm, an den zwei niedrigere viereckige Anbauten anschließen. Der Rundturm zeigt im Erdgeschoß große Rundbogenöffnungen und im Obergeschoß gotisierende Fenster. Die Ruine wurde aus rustikalen Bruchsteinen mit einer starken Beimischung von Ziegeln aufgemauert. Die innere Mauerschale besteht jedoch ausschließlich aus Ziegeln. Die Innenmauern waren reich bemalt und mit hölzernen Anbauten versehen. Spuren davon sind noch erkenntlich. In den Seitentrakten wurde u. a. ein „Burgverlies“ eingerichtet. Von der einstigen Ausstattung hat sich ein Grabstein des 1574 verstorbenen Adam Gall erhalten, der heute in der Einfahrt des Schlosses Loosdorf eingemauert ist. Von der einstigen Hausberganlage ist noch die dreifache Wall-Graben-Befestigung vorhanden, die aber stark bewaldet und daher am besten im Winter zu begehen ist. Das kegelförmige Kernwerk, auf dem die Hanselburg steht, ist ca. 7 m hoch. Seine Ausmaße sind etwa 26 x 50 m. Es ist vom inneren Graben und einem 5 m hohen Ringwall umschlossen. An seiner Westseite ist letzterer bastionsartig ausgebaut. Die beiden äußeren Wälle sind nicht vollständig erhalten bzw. nur teilweise aufgeführt. Sie sichern die besonders gefährdete Bergseite. Der Durchmesser der gesamten Anlage beträgt ca.150m
Quelle: Loosdorf Hanselburg (Burgen-Austria)

Ein kleiner Rundblick:
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Anhänge

HF130C

Well-Known Member
#5
Herzlichen Dank für die überaus interessante Bildserie!

Wenn man die freistehenden und teils überkragenden hohen Mauern betrachtet, so wundert man sich doch wieder einmal, warum hier offensichtlich der Zutritt so völlig problemlos möglich ist ... Klar ist das für unsereins toll und der geübte Burgenkenner wird beim Betreten Vorsicht walten lassen und natürlich bei Sturm der Anlage fernbleiben. Aber was ist, wenn da Kinder spielen oder ungeübte Touristen das Gemäuer betreten?

Der Besitzer muss eine gehörige Portion Vertrauen in die Bausubstanz haben .... :rolleyes:
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#6
Hallo HF130C,
ich geb dir vollkommen Recht, hier ist schon sehr grosse Vorsicht geboten .Doch leider gibt es immer Leute die das Schicksal herausfordern. Auf Beitrag 4 Bild 32 , kann man erkennen das manche sogar mit der Strickleiter auf den Turm versuchen zu kommen. Aber es ist ein gelungenes Bauwerk, ist in Privatbesitz, hoffe der Besitzer fasst mal eine Renovierung ins Auge.
Lg
Michi
 
#7
Wenn man die freistehenden und teils überkragenden hohen Mauern betrachtet, so wundert man sich doch wieder einmal, warum hier offensichtlich der Zutritt so völlig problemlos möglich ist ... Klar ist das für unsereins toll und der geübte Burgenkenner wird beim Betreten Vorsicht walten lassen und natürlich bei Sturm der Anlage fernbleiben. Aber was ist, wenn da Kinder spielen oder ungeübte Touristen das Gemäuer betreten?
Es sind Hinweisschilder "Betreten Verboten, Einsturzgefahr und Eltern haften für Ihre Kinder" auf dem Objekt angebracht.
Weiters ist es, wenn auch schon etwas ramponiert, mit einem Holzzaun umzäunt.
Was willst du mehr?
Unbenannt.PNG
 

MHSTG44

Well-Known Member
#8
Gut, Ruinen stellen allgemein ein gewisses Potential an Gefahren dar. Ich denke hier geht es wohl um die Haftung, vor allem wenn auch zahlreiche Wanderwege die Landschaft um und zur Ruine zieren. Das mit der pseudo Leiter gleicht eher von Lebensmüdigkeit oder einem Stunt :rolleyes:. Vor allem sollte die entfernt werden, daß nicht noch andere ihr Glück versuchen.
 
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