Donaubrücke Krems-Mautern - Pionierbrücke ?

#1
Hallo,

sehe ich das eigentlich richtig, dass in Krems-Mautern noch immer eine deutsche Pionierbrücke "System Rath-Waagner" aus dem zweiten Weltkrieg im Einsatz ist?
Das wäre wohl einzigartig...

LG,
Markus


Zu den Bildern:
Die Strassenbrücke Krems-Mautern heute. Die beiden südlichen Joche (am oberen Bildrand) sind die fraglichen Bauteile.
 

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josef

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#3
...sehe ich das eigentlich richtig, dass in Krems-Mautern noch immer eine deutsche Pionierbrücke "System Rath-Waagner" aus dem zweiten Weltkrieg im Einsatz ist?
So ist es! Die noch am 8.5.45 gesprengten Brückenfelder wurden von sowjetischen Pionieren und deutschen Kriegsgefangenen mit im "Pionierpark Krems"
=> http://www.geheimprojekte.at/ort_krems.html
vorgefundenen Kriegsbrückenmaterial wieder aufgebaut. Die Wiedereröffnung der Straßenbrücke fand im November 1945 durch Staatskanzler Dr. Renner und dem Sowjetmarschall Konjew statt.

Text- u. Bildquellen: Ernst Kalt "Geschichte der Garnison Krems-Mautern", Broschüre vom Kdo. 3. Panzergrenadierbrigade Krems-Mautern 1987

Sprengung der Straßenbrücke über die Donau zwischen Krems-Stein und Mautern am 8.5.1945
 

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Zuletzt bearbeitet:
#4
Ähnlich ist es übrigens auch mit der alten Innstraßenbrücke in Schärding - auch die wurde in den letzten Kriegstagen durch die Deutschen Truppen gesprengt und durch amerkanische Pioniere wieder "geflickt", so wie sie heute noch besteht - das habe ich vor einigen Jahren bei einer Stadtführung in Schärding gehört.
 
R

Räppold

Guest
#6
Auch die Öberkassler Brücke in Düsseldorf wies die gleiche Bauart auf und war bis Ende der 60er bzw. Anfang der 70er in Betrieb.
Hier hat man die neue Brücke dann daneben auf verbreiterten Fundamenten (Widerlager und Pfeiler) neu gebaut und dann in die alte Trasse geschoben. Die Schwierigkeit war hier, dass auch die Straßenbahn über diese Brücke geführt wurde.
Jürgen
 

josef

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#10
Gedenktafeln an Donaubrücke Stein-Mautern

Am südlichen Brückenkopf in Mautern wurden seinerzeit von den sowjetischen Besatzern Gedenktafeln angebracht. Als Fertigstellungsdatum ist darauf der 20.09.1945 angeführt, in der Literatur wird als offizielles Wiedereröffnungsmonat der November 45 genannt...
 

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josef

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#11
Korrektur zu Bildertext

...Die noch am 8.5.45 gesprengten Brückenfelder wurden von sowjetischen Pionieren und deutschen Kriegsgefangenen ...wieder aufgebaut...
...Bildquellen: Ernst Kalt "Geschichte der Garnison Krems-Mautern", Broschüre vom Kdo. 3. Panzergrenadierbrigade Krems-Mautern 1987
Sprengung der Straßenbrücke über die Donau zwischen Krems-Stein und Mautern am 8.5.1945
Die Bilder zeigen nicht die Brückensprengung durch die abziehenden dt. Truppen am 08.05.1945 sondern eine "Nachsprengung" der bereits zerstörten und im Wasser legenden Brückenelemente am 30. Juni 1945! Zwecks Bergung der Stahlteile vor Beginn der Wiederherstellung der Brücke mussten diese durch Nachsprengungen weiter zerkleinert werden. In dieser Vorbereitungsphase für die Reparatur wurden an die 400 Tonnen stählerne Trümmerteile geräumt!

Eigentlich hätte ich auch draufkommen müssen, dass da etwas nicht korrekt ist, da ja die Brückensprengung am 08.05.45 bereits ca. 04.30 h stattfand und die Lichtverhältnisse sicher noch nicht optimal waren...


Die Klärung fand ich in dem kürzlich erschienen Buch von

Reder Karl (Hrsg.); Beiträge zur Stadtgeschichte von Mautern an der Donau 1918 - 1955, Mautern 2015

unter Kapitel 19., Der Wiederaufbau der Donaubrücke Stein-Mautern, S.370, wo Reder auf die falschen Bildtexte der in verschiedensten Publikationen aufscheinenden Spreng-Fotos hinweist...

lg
josef
 

josef

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#12
Ein "Wochenschau-Beitrag" aus 1945 zeigt die Übergabe der von der Roten Armee wiederaufgebauten Straßenbrücke zwischen Krems-Stein und Mautern an die Republik Österreich. Typisch für die Nachkriegsära in der sowjetischen Besatzungszone die Lobeshymnen auf die russischen Besatzer...

(Quelle: Filmarchiv Austria)

 
#13
Hallo!

Habe mir die Donaubrücke bei Mautern mal aus der Nähe angeschaut bzw. bin mit dem Auto zweimal hin- und hergefahren, weil's so schön war;); zu Fuß ist es aber dann natürlich noch eindrucksvoller!
Da wurde ja wirklich ordentlich geschraubt!!! Aber der Zahn der Zeit nagt schon wieder kräftig an dem schönen Bauwerk und der Rost tut seine Arbeit.
Der Film ist ein beeindruckendes Zeitdokument; schon immer wieder ein eigenartiges Gefühl, wenn man dann vor Ort ist!

Besonders gefallen hat mir der Zusammenstoss der alten und neuen Brücke, an der Dehnfuge!
Anbei ein paar aktuelle Fotos!

LG

Woodquarter
 

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#14
Die noch am 8.5.45 gesprengten Brückenfelder wurden von sowjetischen Pionieren und deutschen Kriegsgefangenen mit im "Pionierpark Krems"
=> http://www.geheimprojekte.at/ort_krems.html vorgefundenen Kriegsbrückenmaterial wieder aufgebaut.

Neulich, am Freitag den 20. April 2018 wurde ich zufällig Augenzeuge einer Übung am Pionierübungsplatz Krems.
Es wurde eine Brücke aufgebaut und eine Straßenbefestigung aus Metallplatten "ausgerollt", oder wie man das genau nennt; war auch recht laut und hat ordentlich gestaubt.
Dürfte irgend ein offizieller Termin gewesen sein, da auch eine Menge Zivilisten bzw. Presse vor Ort waren.

Anbei ein paar Fotos!

LG

Woodquarter
 

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josef

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#15
...Habe mir die Donaubrücke bei Mautern mal aus der Nähe angeschaut... Aber der Zahn der Zeit nagt schon wieder kräftig an dem schönen Bauwerk und der Rost tut seine Arbeit...
Es gab Überlegungen, neben der bestehenden alten Brücke eine zweite neue Brücke zu errichten. Dies wurde jedoch wieder verworfen und nun soll der Altbestand generalsaniert werden.
Dazu ein NÖN-Artikel vom 26.03.2018:

Kein Neubau
Vorentscheidung: Mauterner Brücke bleibt. Eine Vorentscheidung ist gefallen: Die Brücke bleibt in ihrer derzeitigen Form erhalten. Technisch ist eine Verbreiterung der Fahrbahn möglich.

Die Durchfahrtshöhe für die Schiffe muss um zumindest 40 Zentimeter angehoben werden. | Lechner

Die 1895 errichtete Donaubrücke zwischen Krems-Stein und Mautern bleibt in ihrer derzeitigen Form bestehen. Das Bauwerk wird aber verkehrstechnisch „ertüchtigt“, ein Neubau ist vom Tisch.

Für den PKW-Verkehr ist die Fahrbahnbreite ausreichend. Wenn Bus und LKW aneinander vorbeimüssen, wird es eng. | Johann Lechner
Die Brücke war wichtiges Thema einer Besprechung der Stadtführung mit NÖ Straßenbaudirektor Josef Decker über anstehende Verkehrsmaßnahmen.

„Es ist eine klare Entscheidung, dass daneben keine zweite Brücke errichtet wird. Ebenso klar ist auch, dass die Brücke für den Bus- und örtlichen LKW-Verkehr geeignet sein muss“, berichtet Vizebürgermeister Erwin Krammer. Derzeit gilt eine 16-Tonnen-Beschränkung. Nach den Bestimmungen des Schifffahrtsgesetzes muss die Brücke zudem um knapp einen halben Meter angehoben werden.

Der Zustand der Brücke wird immer wieder untersucht. Dabei hat man festgestellt, dass die aus der Monarchie stammenden Teile bessere Qualität aufweisen als jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg „als Provisorium“ eingesetzt werden mussten, weil die abziehenden deutschen Truppen die Brücke gesprengt hatten.

Zudem hat das Denkmalamt Mitspracherecht. Und aus dem Landschaftsbild des Weltkulturerbes Wachau ist die Brücke nicht wegzudenken.
http://www.noen.at/krems/kein-neuba...terner-bruecke-bruecke-verkehr-86028265/print
 

josef

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#16
...Neulich, am Freitag den 20. April 2018 wurde ich zufällig Augenzeuge einer Übung am Pionierübungsplatz Krems.
Es wurde eine Brücke aufgebaut und eine Straßenbefestigung aus Metallplatten "ausgerollt", oder wie man das genau nennt; war auch recht laut und hat ordentlich gestaubt...
Siehe dazu auch einige Details zur "Faltstraßenverlegung" unter "Fotorätsel 163"...

lg
josef
 
#17
Aha, also "Faltstraßenverlegung" nennt sich das; wieder was dazu gelernt;)
Das Video von "pauli" unter "Fotorätsel 163" ist sehenswert; genau so staubig war's auch in Krems!

Zum Glück bleibt die Brücke erhalten!!!!!!! ...wäre ja ewig schade gewesen.

LG
Woodquarter
 
#18
Gewichtslimit auf Brücke gilt nicht für Schulbusse
Fahrzeuge, die mehr als neun Tonnen wiegen, dürfen künftig nicht mehr über die Mauterner Brücke (Bezirk Krems) fahren. Eine Ausnahme gibt es: Schulbusse dürfen auch weiterhin auf dieser Brücke die Donau überqueren.
Mit einem Gewicht von etwa 16 Tonnen würde ein Schulbus eigentlich in die künftig verbotene Gewichtsklasse fallen. Doch um Schülerinnen und Schüler ab Herbst vor langen Umwegen am Weg zur Schule zu bewahren, gilt für ihren Bus die Ausnahmeregelung: Der Schulbus darf weiterhin die zwischen Krems nach Mautern verlaufende Brücke überqueren. Gefährlich sei das nicht, meint Helmut Postl von der Brückenbauabteilung des Landes Niederösterreich. „Der Schulbus fährt am Tag zweimal in die eine und zweimal in die andere Richtung“, sagt er, „das hält die Mauterner Brücke aus.“
Problematisch hingegen sei eine Dauerbelastung mit Kraftfahrzeugen, die schwerer als neuen Tonnen sind, so lautete zuletzt das Ergebnis einer Prüfung. Denn an den Pfeilern der Brücke bemerkte man Korrosionsschäden. „Die Mauterner Brücke ist dadurch auf eine dauerhafte Belastung von Fahrzeugen über neun Tonnen nicht mehr ausgelegt“, sagt Helmut Postl.
Ältere Brückenteile sind besser als neue
Es ist der Südteil der Mauterner Brücke, der nun Probleme macht. Dieser Bereich der Brücke wurde während des Zweiten Weltkrieges gebaut. Nachhaltigkeit habe damals eine Nebenrolle gespielt, meint Postl: „Es ging zu der damaligen Zeit darum, so schnell wie möglich einen Weg über die Donau zu errichten.“ Der nördliche Teil der Mauterner Brücke hingegen hält nach wie vor einer größeren Belastung stand - obwohl er aus dem Jahr 1895 stammt.

ORF.at/Roland Winkler
Ab Oktober gilt auf der Mauterner Brücke ein Neun-Tonnen-Limit
Die Ausweichstrecke für zu schwere Fahrzeuge wird ab Oktober über Krems führen. Ob und wie die Mauterner Brücke saniert werden soll, ist noch offen. Da die Brücke denkmalgeschützt ist, hat auch das Bundesdenkmalamt ein Wörtchen mitzureden. Das veränderte Tonnen-Limit ist ab Herbst nicht die einzige Umstellung für Fahrzeuglenker in dieser Gegend: Aufgrund von Sanierungsarbeiten wird auch der Dürnsteintunnel ab Ende Oktober gesperrt sein. Komplikationen erwartet Helmut Postl dadurch nicht. Er sehe bei beiden Vorhaben „grundsätzlich kein Problem“.
 

josef

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#19
Nachtrag "Quelle" für ORF-NÖ. Beitrag zu #18:
Gewichtslimit auf Brücke gilt nicht für Schulbusse

Ältere Brückenteile sind besser als neue
Es ist der Südteil der Mauterner Brücke, der nun Probleme macht. Dieser Bereich der Brücke wurde während des Zweiten Weltkrieges gebaut. Nachhaltigkeit habe damals eine Nebenrolle gespielt, meint Postl: „Es ging zu der damaligen Zeit darum, so schnell wie möglich einen Weg über die Donau zu errichten.“ Der nördliche Teil der Mauterner Brücke hingegen hält nach wie vor einer größeren Belastung stand - obwohl er aus dem Jahr 1895 stammt...
Vom ORF-NÖ. wieder einmal schlampig recherchiert! Die am 08.05.1945 gesprengten Brückenfelder im Südteil der Brücke wurden, wie weiter ober ersichtlich, nach Kriegsende von den Russen mit vorgefundenem Wehrmachts-Material (Kriegsbrückenelemente System "Roth Waagner") wieder aufgebaut!
 
#20
Einiges zur Klarstellung:
Die beiden südlichen Brückenfelder der Mauterner Donaubrücke wurde zu Ende des 2. Weltkrieges von Einheiten des "Verteidigungsbereiches Krems", Kommandant Oberst Soche, gesprengt. Der Wiederaufbau dieser Brückenfelder erfolgte unter Verwendung des Roth-Waagner-Brückengerätes (in der Wehrmacht kurz RW-Gerät genannt). Diese Brückengerät wurde 1904 von Ing. Roth zusammen mit der Firma Waagner-Biro für das k. u. k. Heer entwickelt, ist also ein österreichisches Brückengerät. Das Brückengerät wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg auch vom deutschen Heer angekauft und wurde im Ersten Weltkrieg sowohl von den k. u. k., als auch von den deutschen Truppen eingesetzt. Im Zuge des Anschlusses kamen auch die österreichischen Bestände in das deutsche Heer. Im Zweiten Weltkrieg wurde das RW-Gerät sowohl von den Eisenbahnpionieren der Wehrmacht, als auch von der Organisation Todt eingesetzt. Der Chef der OT, Dorsch, bezeichnete in seinen Ausarbeitungen über die OT für die Amerikaner das RW-Gerät als bestes Eisenbahn-Brückengerät. Das RW-Gerät wurde im Zweiten Weltkrieg modernisiert - die Stahlgüte wurde von St 37 auf ST 52 erhöht und die Ausführung "leicht modifiziert" - und neu als R-Gerät bezeichnet. In Zweiten Weltkrieg wurde von Krupp das SKB-Gerät entwickelt, das längerfristig das R-Gerät ablösen sollte und auch nach dem Krieg von der Deutschen Bundesbahn verwendet wurde.
Das RW-Brückengerät war für eingleisige Eisenbahnbrücken konzipiert. Es konnte für den Wiederaufbau der Brücke in der vorhandenen Form nicht verwendet werden, da der Abstand der Brückenträger bei einer eingleisigen Eisenbahnbrücke kleiner ist, als er für eine zweispurige Straßenbrücke erforderlich wird. Es mussten sowohl die Querträger der Brücke, der obere Windverband, die seitlich angebrachten Gehsteigkonstruktionen und wahrscheinlich auch Ausgleichskonstruktionen zur Anpassung der Brückenträger an die vorhandenen (und nicht gesprengten) Brückenpfeiler neu hergestellt werden.
 
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