Duell der Milliardäre wegen Geschäft mit dem Weltraumtourismus

josef

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#1
DUELL DER MILLIARDÄRE
Branson will Bezos’ Flug ins All „abstechen“
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Der britische Milliardär Richard Branson will mit Hilfe seiner Raumfahrtfirma Virgin Galactic am 11. Juli ins All fliegen. Das Unternehmen gab den Termin für die geplante „Unity 22“-Mission am Donnerstag bekannt. Bleibt es bei dem Starttermin am 11. Juli, würde Branson mit diesem Flug Amazon-Gründer Jeff Bezos neun Tage zuvorkommen und dessen Reise als ersten Privatflug „abstechen“. Hintergrund für das Duell ist das Rennen um das große Geschäft mit dem Weltraumtourismus.
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„Ich bin immer ein Träumer gewesen“, schrieb Branson auf Twitter. Seine Mutter habe ihm beigebracht, nie aufzugeben und nach den Sternen zu greifen. Jetzt sei es an der Zeit, diesen Traum zu verwirklichen. Blue Origin, die Raumfahrtfirma von Bezos, hatte bereits im Mai einen bemannten Flug mit der Rakete „New Shepard“ für den 20. Juli angekündigt. Der reichste Mensch der Welt will unter anderen seinen Bruder und die 82-jährige ehemalige US-Pilotin Wally Funk auf den Jungfernflug in den Weltraum mitnehmen.

Funk wird damit als ältester Mensch der Geschichte in den Weltraum reisen. Sie hatte schon als junge Frau ins All fliegen wollen: In den 1960er Jahren nahm sie an dem privat finanzierten Programm „Women in Space“ (Frauen im Weltraum) teil, bei dem Pilotinnen auf ihre Tauglichkeit als Astronautinnen getestet wurden. Die später als „Mercury 13“ bekanntgewordenen Frauen durchliefen die gleichen Tests wie die Astronauten der NASA-Mission Mercury, flogen aber nie ins All.

AP/NASA
Wally Funk soll Jeff Bezos begleiten und der älteste Mensch im All werden

Branson-Raumschiff absolvierte Testflug
Funk war die jüngste Absolventin des Programms. Später wurde sie als erste Frau Inspekteurin der US-Luftaufsichtsbehörde (FAA) und erste weibliche Ermittlerin der Unfallermittlungsbehörde NTSB. Nun wird Funk gemeinsam mit Bezos, dessen Bruder Mark und einem vierten Passagier, der bei einer Onlineauktion 28 Millionen Dollar (23 Mio. Euro) gezahlt hatte, am 20. Juli ins All fliegen.
AP/Matt Hartman
Die „VSS Unity“ von Virgin Galactic beim Testflug, noch am Trägerflugzeug verankert

Auch Bransons Vorbereitungen gehen bereits seit Längerem. Im Mai hatte das Raumflugzeug „VSS Unity“ von Virgin Galactic einen bemannten Weltraumtestflug mit zwei Piloten absolviert. Die Kapsel war an Bord eines Trägerflugzeugs von dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico gestartet. In knapp 14 Kilometer Höhe setzte das Mutterschiff die „VSS Unity“ ab. Danach beschleunigte die Raumkapsel mit eigenem Raketenantrieb und setzte den Flug kurz fort. Sie erreichte eine Höhe von 89,2 Kilometern, wie Virgin Galactic mitteilte.
Virgin Galactic Branson (4. v. l.) und seine Weltraumbegleitung

Wo beginnt der Weltraum?
Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an. Es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regel. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation (ISS) fliegt 400 Kilometer über der Erdoberfläche.
Reuters/Isaiah Downing
Amazon-Gründer Jeff Bezos vor seiner Rakete „New Shepard“

Neben zwei Piloten sollen am 11. Juli zwei Astronautinnen, ein Astronaut und Branson in der Raumkapsel mitfliegen. Der steinreiche Abenteurer will mit seiner Firma kommerzielle Weltraumflüge anbieten. Das 18 Meter lange „VSS Unity“-Raumflugzeug bietet zwei Piloten und sechs Passagieren bzw. Passagierinnen Platz.

Wettrennen um das große Geschäft
Ab 2022 soll das „VSS Unity“-Raumflugzeug Touristen und Touristinnen ins All bringen. Nach dem Flug am 11. Juli wolle er eine „sehr aufregende“ Ankündigung machen, sagte Branson am Donnerstag. Mehr Menschen sollten die Chance haben, Astronauten zu werden. Bezos, der ebenfalls den Weltraumourismus ausbauen will, hatte Blue Origin vor rund 20 Jahren gegründet.

Mitte April testete die Firma „New Shepard“ mit Astronautenkapsel zuletzt. Dabei erreichte sie eine Höhe von rund 105 Kilometern, bevor sie zur Erde zurückkehrte. Der eigentliche Testflug blieb aber unbemannt – mit Menschen an Bord ist die „New Shepard“ noch nie geflogen. Im Wettlauf um touristische Flüge ins All mischt auch die Firma SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk mit. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres einen ersten Flug mit Weltraumtouristen starten. Bisher flogen mit SpaceX bereits Astronauten zur ISS.
02.07.2021, red, ORF.at/Agenturen

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#2
DUELL MIT BEZOS
Milliardär Branson ins Weltall geflogen
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Der britische Unternehmer Richard Branson ist am Sonntagnachmittag (MESZ) mit seinem eigenen Raumschiff „VSS Unity“ in den Weltraum geflogen und wohlbehalten wieder auf der Erde gelandet. Er kam damit Amazon-Gründer Jeff Bezos neun Tage zuvor. Ziel der Milliardäre ist der Einstieg in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus.
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Gemeinsam mit zwei Piloten, zwei Astronautinnen und einem Astronauten hob Branson in der „VSS Unity“ im Schlepptau eines Trägerflugzeugs von dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Staat New Mexico ab. Das Mutterflugzeug setzte das Raumschiff – wie geplant – in etwa 15 Kilometer Höhe ab. Danach beschleunigte das Raumschiff mit eigenem Antrieb auf mehr als die dreifache Schallgeschwindigkeit. Es erreichte eine Höhe von über 80 Kilometern.

Nach wenigen Minuten landeten Branson und seine Begleiterinnen und Begleiter mit dem Raumflugzeug wieder auf der Erde. Auch via Livestream war der Flug mitzuverfolgen. In der Zeit dazwischen erfuhren die Astronauten die Schwerelosigkeit – Branson gratulierte noch im Landeanflug seiner Firma und nannte die Erfahrung „wunderschön“. „Willkommen zum Anbruch eines neuen Weltraumzeitalters“, sagte der britische Milliardär im Anschluss bei einer Ansprache am Spaceport America.

„Traum von Weltraumreisen zur Realität machen“
Auf seinem Twitter-Account hatte der 70-Jährige dem Weltraumflug seit Tagen entgegengefiebert. „Ein großer Tag steht bevor. Toll, den Morgen mit einem Freund zu verbringen. Fühle mich gut, fühle mich aufgeregt, fühle mich bereit“, schrieb der Milliardär am Sonntag unter ein Foto mit Tesla-Chef Elon Musk, dessen Firma SpaceX im Rennen um touristische Reisen ins All ebenso mitmitscht. Musk kam am Sonntag auch als Gast zu der Abflugzeremonie.

Fotostrecke
www.youtube.com
Der britische Milliardär Branson trat mit seinem Raumschiff den Weg ins Weltall an
Reuters
Branson wurde von zwei Astronautinnen und einem Astronauten begleitet
APA/AFP/Patrick T. Fallon
Das Trägerflugzeug war gegen 17.00 Uhr (MESZ) mit der „VSS Unity“ vom Raumfahrtbahnhof Spaceport im US-Bundesstaat New Mexico abgehoben
Reuters/Joe Skipper
Das Mutterflugzeug setzte das Raumschiff – wie geplant – in etwa 15 Kilometer Höhe ab
www.youtube.com
„VSS Unity“ beschleunigte auf mehr als die dreifache Schallgeschwindigkeit – über 3.500 km/h
APA/AFP/Patrick T. Fallon
Menschenmassen auf dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Staat New Mexico

Er wolle den „Traum von Weltraumreisen zur Realität machen. Für meine Enkel, für deine Enkel, für alle“, schrieb er zudem nur wenige Stunden vor dem Abflug unter eines von vielen Countdown-Videos, das Branson zeigt. Der steinreiche Abenteurer will mit seiner Firma kommerzielle Weltraumflüge anbieten. Das 18 Meter lange „VSS Unity“-Raumflugzeug bietet zwei Piloten und sechs Passagieren bzw. Passagierinnen Platz. Branson kündigte den Flug erst Anfang Juli offiziell an.

Duell mit Bezos
Mit dem Flug kam er auch Amazon-Gründer Bezos zuvor: Immerhin hatte Blue Origin, die Raumfahrtfirma von Bezos, bereits im Mai einen bemannten Flug mit der Rakete „New Shepard“ für den 20. Juli angekündigt. Laut Branson hätten sich Bezos und er allerdings bereits gegenseitig Glückwünsche ausgerichtet. Bezos will unter anderen seinen Bruder und die 82-jährige ehemalige US-Pilotin Wally Funk auf den Jungfernflug in den Weltraum mitnehmen.

Funk wird damit als ältester Mensch der Geschichte in den Weltraum reisen. Sie hatte schon als junge Frau ins All fliegen wollen: In den 1960er Jahren nahm sie an dem privat finanzierten Programm „Women in Space“ (Frauen im Weltraum) teil, bei dem Pilotinnen auf ihre Tauglichkeit als Astronautinnen getestet wurden. Die später als „Mercury 13“ bekannt gewordenen Frauen durchliefen die gleichen Tests wie die Astronauten der NASA-Mission „Mercury“, flogen aber nie ins All.

Branson-Raumschiff absolvierte Testflug
Funk war die jüngste Absolventin des Programms. Später wurde sie als erste Frau Inspekteurin der US-Luftaufsichtsbehörde (FAA) und erste weibliche Ermittlerin der Unfallermittlungsbehörde NTSB. Nun wird Funk gemeinsam mit Bezos, dessen Bruder Mark und einem vierten Passagier, der bei einer Onlineauktion 28 Millionen Dollar (23 Mio. Euro) gezahlt hatte, am 20. Juli ins All fliegen.

Doch auch Bransons Vorbereitungen gingen seit Längerem. Im Mai hatte das Raumflugzeug „VSS Unity“ von Virgin Galactic einen bemannten Weltraumtestflug mit zwei Piloten absolviert. Den Traum vom eigenen Raumschiff äußerte er allerdings bereits erstmals im Jahr 2004. Einen herben Rückschlag erlebte das Vorhaben 2014: Damals kam bei einem Absturz ein Pilot ums Leben.

AP/Matt Hartman
Die „VSS Unity“ von Virgin Galactic beim Testflug, noch am Trägerflugzeug verankert

Wo beginnt der Weltraum?
Im Duell der Milliardäre spielt die Frage, wo denn der Weltraum beginnt, keine unwesentliche Rolle. Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an – die Marke wird auch als Karman-Linie bezeichnet. Es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regel. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation (ISS) fliegt 400 Kilometer über der Erdoberfläche.

Bezos’ Blue Origin nützte in einem Tweet vom Freitag auch die Gelegenheit, das Vorhaben des Briten Branson durch den Kakao zu ziehen: „Von Anfang an wurde ‚New Shepard‘ so designt, dass sie über der Karman-Linie fliegt, sodass keiner unserer Astronauten ein Sternchen neben seinem Namen stehen hat.“ Oder vereinfacht gesagt: Wer sich nicht 100 Kilometer über dem Meeresspiegel befindet, der war – so Blue Origion – nicht wirklich im All.

Wettrennen um das große Geschäft
Bransons „VSS Unity“-Raumflugzeug soll Touristen und Touristinnen jedenfalls ab 2022 in den Weltraum bringen. 600 Personen hätten sich bereits für einen Flug angemeldet – Kostenpunkt 250.000 US-Dollar (rund 210.500 Euro). Nach dem Flug am 11. Juli wolle er eine „sehr aufregende“ Ankündigung machen, sagte Branson Anfang Juli. Mehr Menschen sollten die Chance haben, Astronauten zu werden.

Bezos, der ebenfalls den Weltraumtourismus ausbauen will, hatte Blue Origin vor rund 20 Jahren gegründet. Mitte April testete die Firma „New Shepard“ mit Astronautenkapsel zuletzt. Dabei erreichte sie eine Höhe von rund 105 Kilometern, bevor sie zur Erde zurückkehrte. Der eigentliche Testflug blieb aber unbemannt – mit Menschen an Bord ist die „New Shepard“ noch nie geflogen. Musks Firma SpaceX will bis Ende des Jahres einen ersten Flug mit Weltraumtouristen starten. Bisher flogen mit SpaceX bereits Astronauten zur ISS.

Branchenexperten der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass sich bis Ende des Jahrzehnts ein Markt von jährlich drei Milliarden Dollar entwickelt.
11.07.2021, red, ORF.at/Agenturen

Duell mit Bezos: Milliardär Branson ins Weltall geflogen
 

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#3
Bezos’ Kurzausflug ins All geglückt
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Rund zehn Tage nach dem britischen Milliardär Richard Branson ist am Dienstag auch Amazon-Gründer Jeff Bezos ins Weltall gestartet. Mit an Bord der Blue-Origin-Rakete waren sowohl die älteste als auch die jüngste Person, die je in den Weltraum geflogen sind. Auch wenn Bezos immer auf den Fortschrittsgedanken verwies, sah er sich im Vorfeld mit Kritik von allen Seiten konfrontiert.
Online seit heute, 15.43 Uhr (Update: 17.48 Uhr)
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Bezos ist am Jahrestag der ersten Mondlandung in den Weltraum gestartet. Der 57-Jährige hob am Dienstag kurz nach 15.00 Uhr an Bord des Raumschiffes „New Shepard“ vom US-Bundesstaat Texas aus ab, wie auf einer Liveübertragung des Unternehmens zu sehen war. Insgesamt dauerte der vollautomatisch ablaufende Flug rund zehn Minuten – mittlerweile sind alle wieder sicher auf der Erde gelandet.

Bei dem ersten bemannten Weltraumflug seiner Firma Blue Origin waren neben dem US-Unternehmer auch sein Bruder Mark sowie eine 82 Jahre alte frühere US-Pilotin und ein 18-Jähriger, dessen Vater ihm den Flug geschenkt hat, dabei. Nach dem Start beschleunigte das Raumschiff innerhalb von zwei Minuten auf mehr als 3.700 km/h. Kurz danach trennte sich die Kapsel von der wiederverwendbaren Rakete.

APA/AFP
Bezos, der einen blauen Raumfahrtanzug und einen Cowboyhut trug, und seine drei Mitreisenden erreichten bei ihrem Flug eine Höhe von etwas mehr als 100 Kilometern

107 Kilometer über der Erde
Die Schwerelosigkeit setzte ein, die vier Passagiere durften kurzzeitig ihre Sitze verlassen, und Lachen und Jubel war zu hören. Drei bis vier Minuten lang genossen die Insassen der Kapsel anschließend die Schwerelosigkeit und einen Blick auf die Erdkrümmung.

Reuters/Joe Skipper
Die Kapsel und die drei Fallschirme, die sie abbremsten

An ihrem höchsten Punkt erreichte die Kapsel 107 Kilometer über der Erde, bevor sie abgebremst von großen Fallschirmen in der westtexanischen Wüste landete. Es sei „eine sehr glückliche Gruppe von Menschen in dieser Kapsel“ gewesen, sagte Bezos nach der Landung. Der Amazon-Gründer und seine Mitreisenden klatschten vor den Kameras miteinander ab und umarmten Familienangehörige, die gekommen waren, um den erfolgreichen Flug zu feiern.

„Bester Tag überhaupt“, sagte Bezos, nachdem die Raumkapsel mit insgesamt vier Passagieren im Sand in der Wüste im Westen von Texas aufgesetzt hatte. Bezos benannte sein Raumschiff nach Alan Shepard, der 1961 als erster Amerikaner in den Weltraum geflogen war.

Branson-Weltraumflug umstritten
Bereits vor rund zehn Tagen hatte mit Richard Branson bereits ein anderer Milliardär mit seinem eigenen Raumschiff einen Kurzausflug ins All unternommen. Die „VSS Unity“ seiner Firma Virgin Galactic stieg am 11. Juli im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von etwa 86 Kilometern auf. Unter Experten ist es damit strittig, ob Branson tatsächlich im Weltraum war.

Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an – die Marke wird auch als Karman-Linie bezeichnet. Es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regel. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation (ISS) befindet sich 400 Kilometer über der Erdoberfläche.

Bezos’ Blue Origin nützte in einem Tweet vom Freitag auch die Gelegenheit, das Vorhaben des Briten Branson durch den Kakao zu ziehen: „Von Anfang an wurde ‚New Shepard‘ so designt, dass sie über der Karman-Linie fliegt, sodass keiner unserer Astronauten ein Sternchen neben seinem Namen stehen hat.“ Oder vereinfacht gesagt: Wer sich nicht 100 Kilometer über dem Meeresspiegel befindet, der war – so Blue Origin – nicht wirklich im All.

AP/Tony Gutierrez
Bezos’ Rakete „New Shepard“ beim Start. In Zukunft könnten wohl öfter Touristen und Touristinnen ins All fliegen – Kritik daran kommt unter anderem von Klimaschützern

Bezos: Kein Wettstreit
Unmittelbar vor seinem ersten Weltraumflug bestritt Bezos jedoch einen Wettstreit der Superreichen um die Premiere im All. Es gebe bereits einen ersten Menschen im All, sagte der 57-jährige Multimilliardär am Montag dem US-Sender NBC. Das sei „Juri Gagarin – und das ist schon lange her“. Er bezog sich dabei auf den historischen Flug des sowjetischen Kosmonauten im April 1961.

Bezos fügte hinzu, sein Flug sei „kein Wettbewerb“: Vielmehr gehe es darum, „einen Weg ins All zu errichten, damit zukünftige Generationen unglaubliche Dinge im Weltraum tun können“.

Kritik von allen Seiten
Die Milliardäre erhoffen sich neben der Erfüllung eigener Träume auch einen Einstieg in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. Kritiker werfen ihnen vor, ohne Rücksicht auf das Klima und weitgehend ohne wissenschaftliche Forschungsinteressen sehr viel Geld zu verschwenden.

205 Mrd. Dollar
Bezos’ Vermögen beläuft sich auf rund 205 Milliarden Dollar. Somit ist er die klare Nummer eins auf der „Forbes“-Milliardärsliste.
US-Linken-Ikone Bernie Sanders zürnte etwa kürzlich auf Twitter, „hier auf der Erde, im reichsten Land der Welt“ hätten viele Menschen kaum genug Geld zum Essen. „Aber hey, die reichsten Menschen der Welt reisen ins Weltall!“ Es sei an der Zeit, Milliardäre ordentlich zu besteuern, mahnte der Senator und frühere Präsidentschaftsbewerber – ein Verweis darauf, dass Superreiche wie Bezos in den USA gemessen an ihrem Vermögen kaum Einkommensteuer zahlen.

Auswirkungen auf die Umwelt?
Fragen werden auch laut zu den Auswirkungen der Weltraumflüge auf die Umwelt. Dass große Mengen Treibstoff verbrannt werden, um Vermögenden ein außergewöhnliches Erlebnis im All zu bescheren, erscheint inmitten der Debatte über den Kampf gegen Erderwärmung fragwürdig.

Nach Berechnungen des französischen Astrophysikers Roland Lehoucq und seiner Kollegen betragen beispielsweise die Emissionen bei einem Flug mit dem Raumflieger von Bransons Unternehmen Virgin Galactic pro Passagier 4,5 Tonnen. Das ist ungefähr so viel wie bei einer Autofahrt rund um die Welt. Und Virgin Galactic schweben Hunderte Flüge im Jahr vor – mit durchschnittlich sechs Passagieren an Bord.

Reuters/Virgin Galactic
Der britische Unternehmer Richard Branson ist bereits vergangenen Sonntag mit seinem eigenen Raumschiff „VSS Unity“ und seiner Crew in den Weltraum (oder auch nicht) geflogen

Weltraum als Tourismusgebiet
Neben Branson und Bezos spielt mit Tesla-Gründer Elon Musk noch ein weiterer Milliardär mit in der Branche. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX absolviert schon Flüge für die NASA und will künftig Weltraumtouristinnen und Weltraumtouristen viel weiter ins All bringen als Virgin Galactic und Blue Origin. Musk wünschte Bezos über den Kurznachrichtendienst Twitter viel Glück.
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Im September soll eine Falcon-9-Rakete von SpaceX den US-Milliardär Jared Isaacman und drei weitere Passagiere für mehrere Tage auf eine Erdumlaufbahn bringen.

Dass der Markt großes Potenzial hat, daran gibt es keine Zweifel. Virgin Galactic hat schon 600 Tickets für künftige Flüge verkauft, Stückpreis: zwischen 200.000 und 250.000 Dollar. Um am ersten bemannten Flug von Blue Origin teilzunehmen, zahlte ein anonymer Bieter bei einer Online-Auktion ganze 28 Millionen Dollar. Umso überraschender, dass der Gewinner der Versteigerung nun am Dienstag doch nicht mitfliegen wird – wegen „Terminkonflikten“, wie Blue Origin erklärte. Er soll an einem späteren Flug teilnehmen.

APA/AFP/Blue Origin
Rund 200.000 Euro kostet derzeit ein Ticket ins All

Mit 60 Jahren Verspätung in den Weltraum
Deswegen rückt als erster zahlender Blue-Origin-Kunde der erst 18-jährige Oliver Daemen nach, der Sohn eines niederländischen Finanzinvestors. Wie viel er für den Flug hinlegen musste, verriet das Weltraumunternehmen nicht.

Unterdessen musste die 82-jährige US-Pilotin Funk fast 60 Jahre warten, bis sich ihr großer Traum erfüllte. Sie hatte schon als junge Frau ins All fliegen wollen: In den 1960er Jahren nahm sie an dem privat finanzierten Programm „Women in Space“ (Frauen im Weltraum) teil, bei dem Pilotinnen auf ihre Tauglichkeit als Astronautinnen getestet wurden. Die später als „Mercury 13“ bekannt gewordenen Frauen durchliefen die gleichen Tests wie die Astronauten der NASA-Mission „Mercury“, flogen aber nie ins All. Funk war die jüngste Absolventin des Programms.


AP/Blue Origin
Amazon-Gründer Bezos in der Mitte gemeinsam mit seinem Bruder Mark und den beiden weiteren Alltouristen Oliver Daemen sowie Wally Funk

Die Pilotin bewarb sich viermal bei der NASA um einen Einsatz als Astronautin. Jedes Mal wurde sie abgelehnt. Ein angeblicher Grund: Sie hatte keinen Abschluss als Ingenieurin und das Flugprogramm auf einem militärischen Kampfjet nicht absolviert – zu dieser Zeit für eine Frau nicht zu erfüllende Anforderungen.

Später wurde sie als erste Frau Inspekteurin der US-Luftaufsichtsbehörde (FAA) und erste weibliche Ermittlerin der Unfallermittlungsbehörde NTSB.
20.07.2021, red, ORF.at/Agenturen

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Völlig losgelöst: Bezos’ Kurzausflug ins All geglückt
 

Varga

Mann aus den Bergen
Mitarbeiter
#6
Die Menschen, die sich seit Jahrzehnten im All, und auf dem Mond bewegen, sind normale Menschen.
Beamte und Arbeiter werden sich nie einen Ausflug ins All gönnen können! Das sagt ein ausgebildeter Pilot.

Gruss
Varga
 
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