josef

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RAB-Planungen Raum Attersee

Beschäftige mich derzeit mit dem Buch von

Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005; ISBN 3-85487-783-8 .

Darin wird auch die damalige Trassenwahl zwischen Mondsee und Seewalchen entlang der Höhen oberhalb des Attersees behandelt. Siehe dazu auch Beitrag #56 von @WA1971 aus 2007 über das damals teilweise begonnene Bauvorhaben:
Zwischen Innerschwand/Aschau und der Anschlussstelle St. Georgen im Attergau. Hier sollte die Autobahn nach ursprünglicher Planung über Nussdorf oberhalb des Attersees verlaufen. Laut der zitierten Website wurde diese Trasse aus "geologischen Gründen" aufgegeben.
Kennt jemand die Gegend näher oder weiß etwas darüber, ob außer den fotografisch dokumentierten Bauwerken bei Aschau noch weitere Bauten ausgeführt worden (und vielleicht noch zu besichtigen) sind?
Leider funktionieren die Links aus 2007 nicht mehr, wo der Trassenverlauf dargestellt wurde bzw. die Torsos einiger begonnener Objekte zu sehen waren.

Im vorgenannten Buch habe ich nun Trassenskizzen gefunden:

1. Leider sehr schlechte Bildqualität der Karte mit dem geplanten RAB-Verlauf - Planung 1938.

2. Übersichtskarte aus 1956 mit 3 Streckenvarianten für das Auswahlverfahren zum Weiterbau der ehemaligen RAB Salzburg-Linz-Wien:
GRÜN: Letzendlich ausgewählte und verwirklichte Trasse der heutigen A1 über Oberwang und Strass.
ROT: Ehemalige RAB-Trasse, die teilweise als Hangtrasse oberhalb des Attersees projektiert war.
SCHWARZ: Ebenfalls zur Debatte gestandene Planungsvariante aus der Nachkriegszeit, entlang der Gesamtufer des Mond- und Attersees mit 2 Tunnels.

Quelle der Skizzen: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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josef

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Projektierte Monumente an der RAB

Der dem Nazi-Regime anhaftende Hang zur propagandistischen Heroisierung durch Errichtung gigantischer Bauwerke sollte auch im Umfeld der RAB nicht fehlen!

So war ursprünglich am Ende der RAB-Strecke München-Reichenhall (Salzburg) an der Reichsgrenze bei Piding ein von A.Speer entworfenes "Einfahrtstor ins Reich" vorgesehen. Dies war dann mit dem Anschluss Österreichs 1938 hinfällig und die beiden je 70 m hohen Türme an den Fahrbahnrändern der AB sollten nun 350 km weiter östlich, an der neuen Reichsgrenze zu Ungarn, errichtet werden. Da es kriegsbedingt 1942 zur Einstellung des Autobahnbaues kam, blieben uns die Türme im Grenzbereich von Nickelsdorf/Burgenland erspart...

An Stelle des "Einfahrtstores ins Reich" sollte am Walserberg nun vom Bildhauer Josef Thorak ein überdimensioniertes, 17 m hohes, "Denkmal der Arbeit an der Reichsautobahn" geschaffen werden. Dieses Monster sollte an den dort am 07.04.1938 erfolgten Spatenstich zum Weiterbau der RAB nach Österreich erinnern. Außer der Herstellung eines Gipsmodells dürfte es da auch zu keinen weiteren Aktivitäten mehr gekommen sein...

Auch im Süden von Wien sollte ein Monument am Ende bzw. Beginn der RAB Wien-München hinweisen: Dort war am "Verteilerkreis Triesterstraße" (heute ca. Bereich Knoten Vösendorf) ein ebenfalls 70 m hoher Turm im Zentrum des Kreises geplant. Besonders in der Nacht sollte der von innen beleuchtete Turm einen markanten End- bzw. Anfangspunkt der AB darstellen. Der Entwurf zu diesem ebenfalls nicht ausgeführten Bauwerk stammte von den Architekten Theiss und Jaksch.

1. Skizze des "Einfahrtstor ins Reich" von A.Speer
2. Entwurfszeichnung des "Denkmal an die Arbeit an der Reichsautobahn" von J. Thorak.
3. Skizze des Turmes im "Verteilerkreis Triesterstraße" im Süden Wiens v. Theiss u. Jaksch.

Textbasis u. Bildquelle: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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Interessante Projekte

Um 1940 gab es neue Projekte für die RAB-Trassenführung entlang steiler Gebirgshänge:

Pyhrnautobahn Wels-Liezen-Graz: Die Trasse sollte nicht wie heute die A9 durch den ca. 5,5 km langen Bosrucktunnel führen, sondern in etwa der alten Bundesstraße folgen und den Pyhrnpass mit einem 600 m langen Scheiteltunnel unterfahren. Dabei hätte die Trasse entlang der steilen Flanken des Warscheneck-Massivs entlangführen sollen. Zur Sicherung der Fahrbahnen gegen Steinschlag, Muren und Lawinen war die Streckenführung in Gallerien vorgesehen. Dabei plante man die Richtungsfahrbahnen nicht auf gleichem Nivieau, sondern versezt übereinander in den Hang hineingebaut. (=> Kartenausschnitt RAB-Bereich Pyhrnpass siehe Beitrag #15.)

Tauernautobahn Salzburg-Klagenfurt: Auch bei dieser, teilweise durch hochalpines Gelände führenden AB, sollten "Doppelstockgallerien" für die getrennten Richtungsfahrbahnen entlang der Berghänge zur Ausführung gelangen. Beim Neubau der A10 wurde diese Linienführung mit kilometerlangen Hangbrücken gelöst...

1. Schnittskizzen von projektierten Gallerien der RAB im Bereich Warscheneck
2. Tauernautobahn - Visualisierungsskizze für die untere Richtungsfahrbahn (Innenansicht) einer zweigeschossigen Gallerie.

Bildquelle: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)

 

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Projekt Raststätte bei Melk

Zwischen Melk und Pöchlarn plante die RAB-Gesellschaft die Errichtung einer Großraststätte. Der Entwurf des Architekten Max Fellerer kam jedoch nie zur Ausführung. Ebenso kam eine weitere Raststätte bei Hochstraß (heute Außenring-AB A21) über die Planungsphase nicht hinaus...

Projektskizze RAB-Raststätte Melk:

Bildquelle: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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Salzburg-Liefering, nicht gebauter AB-Knoten

Im Buch über die OÖ. Autobahnen fand ich nauch eine Skizze der RAB über die "Lage der RAB und Anschlussstellen im Bereich Salzburg", datiert mit 1939.

Darauf ist das AB-Dreieck bei Gois mit der Verknüpfung der Strecken
München - Salzburg - Wien mit der Tauernautobahn Salzburg - Villach (Klagenfurt) und weitere Anschlussstellen dargestellt.

Interessant ist ein weiterer projektierter, nie gebauter, AB-Knoten im Bereich Liefering zwischen dem Anschluss Liefering (heute Salzburg-Mitte) und er Salzachbrücke, etwa beim heutigen Anschluss Salzburg-Messezentrum!
Die dort nie gebaute Weiterführung einer AB-Strecke ist mit "Richtung Straubing" angeführt! Wobei in allen mir bisher untergekommenen Linienplänen der RAB keine RAB Trasse Salzburg - Straubing zu finden ist...

Vielleicht hat jemand von Euch eine alte RAB-Streckenkarte, wo auch eine Trasse Sbg. - Straubing, als Querverbindung zur Trasse Regensburg - Linz, eingezeichnet ist?

Skizze aus: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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RAB-Brückenbauwerke in OÖ. - Teil 1

Die Trasse der RAB-Strecke Salzburg-Wien verläuft in Oberösterreich quer zu den aus dem Gebirge kommenden Gewässer. Die mehr oder weniger breiten Flusstäler mussten deshalb mit teilweise gigantischen Brückenbauwerken überspannt werden. Da kriegsbedingt der RAB-Bau 1942 eingestellt wurde, standen die 1938/39 begonnenen Objekte bis zur Wiederaufnahme der Bautätigkeit nach 1955 als Torsos in der Landschaft...

Aitertalbrücke:

1. Plan- und Visualisierungsskizze 1939
2. Baustelle 1940
3. Brückenpfeiler 1953

Almtalbrücke:

4. Plan- und Visualisierungsskizze 1939
5. Baustelle 1940

Bilderquelle: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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josef

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RAB-Brückenbauwerke in OÖ. - Teil 2

Eberstalzeller-Brücke
1. Plan- u. Visualisierungsskizze 1939
2. Durchblick durch die mit Granit verkleideten Pfeilergewölbe
3. Unfertiger Brückentorso 1953

Ennsbrücke Grenzbrücke zwischen Ober- und Niederösterreich, in der Flussmitte verlief zwischen 1945 und 1955 die Grenze zwischen amerikaninscher und sowjetischer Besatzungszone.
4. Visualisierungsskizze 1939
5. Baustellengemälde von Nagl 1940
6. Brückentorso 1953, Blickrichtung von OÖ. nach NÖ.

Bilderquelle: Bernd Kreuzer; "Tempo 130 - Kultur- u. Planungsgeschichte der Autobahnen in OÖ."; Trauner-Verlag, Linz 2005, (NÖ.Landesbibliothek Sign. 108.323-C)
 

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Danke,

in der Nähe der Autobahnraststätte in Mondsee befindet sich ein fertig betonierter Durchlass, die Trasse der RAB war schon teilweise geschüttet wurde später aber dann in der heutigen Trassenführung fertiggebaut.
Ich werde diesen Durchlass noch suchen und Bilder machen.

Auch am Voralpenkreuz gibt es noch weitere Durchlässe, die ich noch aufsuchen werde, beim letzten Besuch war alles zu nass und rutschig.

Es soll Richtung Steyr auch noch Fundamente geben (Bahn oder RAB)??

Liebe Grüße
Patrizia
 

josef

Administrator
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...in der Nähe der Autobahnraststätte in Mondsee befindet sich ein fertig betonierter Durchlass, die Trasse der RAB war schon teilweise geschüttet wurde später aber dann in der heutigen Trassenführung fertiggebaut.
Ich werde diesen Durchlass noch suchen und Bilder machen.
Siehe Kartenskizze Beitrag #106 -> ursprünglich war die Trasse Richtung Attersee geplant. Die Fundamente sind angeblich zwischen Innerschwand/Oberwang in Richtung Oberaschau...

lg
josef
 
D

drbau

Guest
Die Monumente auf Patrizias Bildern befinden sich ca. 370m östlich der heutigen AB an der Landstraße zwischen Sattledt und Steinerkirchen.
lg
drbau
 
Westautobahn Bereich Melk - Loosdorf:

Hier war anscheinend die Trasse um 1939 nach der südlichen Umgehung des Fliegerhorstes Markersdorf durch eine ausgeprägtere Verschwenkung nach Haindorf nördlich an Loosdorf und Roggendorf (Wachberg => später mit "Quarz") vorbei nach Melk geplant!

Auf den Luftbildern von Markersdorf von Mitte 1944 ist aber die heutige Linienfürhrung der A1 schon deutlich zu erkennen. Also erfolgte die Umplanung des Verlaufes südlich Loosdorf und Wachberg relativ bald nach 1939 bzw. Anfang der 40iger Jahre.

Bereich SO Böheimkirchen:

Hier sind sowohl nach N als auch nach S Fragmente von Abzweigungen eingezeichnet! Dabei dürfte es sich wirklich nur um Optionen späterer Anschlüsse handeln...? Der Weitere Verlauf Richtung Wien ist gleich mit der heutigen Trasse bis Steinhäusl und dann gleich mit der jetzigen Außenringautobahn A21. Der Abschnitt Steinhäusl - Wien/Auhof über Preßbaum scheint nicht auf!

Die Abzweigung bei Böheimkirchen nach S könnte eine Variante mit Schwenk nach O über Brand-Laaben nach Klausen-Leopoldsdorf, statt über Steinhäusl - Hochstraß (Steigung ?) gewesen sein...?
Was hier Deine Beobachtung in Boeheimkirchen und zwar die Abzweigung nach Norden und Sueden betrifft, war hier geplant eine Autobahn von Prag ueber das Waldviertel, Krems, moeglw. Bereich St. Poelten bzw. den Raum Boeheimkirchen und durch die Alpen vermutl ueber Muerzzuschlag? u. Bruck an der Mur nach Graz zu bauen.

Siehe folgenden Link:
http://www.google.co.uk/search?q=Re...aben.de%2Fhtml%2Fb30_geschichte.HTM;2262;1663

Offenbar hat man diese Plaene allerdings wiederum bald verworfen, vermult. weil die Berglandschaft eine zu grosse Herausforderung war? Jedenfalls taucht diese Variante auf keinen anderen Karten mehr auf.
 
Die im Attachment befindliche Karte - Quelle im Internet, oben genannter Link, - stammt uebrigens aus 1926, also vor der Machtergreifung der Nazionalsozialisten.

Interessant ist auch dass die heute realisierte A8 damals suedlich von Stuttgart, ueber Tuebingen nach Strassburg geplant wurde.
 

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C

Completorium

Guest
"Lager" bei Heiligenkreuz/NÖ

Grüß Gott!

Immer wieder höre ich im Zusammenhang mit der geplanten RAB von einem (Arbeits)Lager in der Nähe von Heiligenkreuz im Wienerwald.
Er liegt (jetzt) in einem kleinen Waldstück, das vielerlei Betonfundamente vorweist. In einer neueren Publikation über die Historie von Heiligenkreuz ist eine Postkarte von Baracken abgebildet. Leider kann ich auf dieses Werk zur Zeit nicht zugreifen.
Einer dieser Baracken steht noch (Allanderstr. 8), ist aber bereits ziemlich devastiert.

48.054978,16.125106

Für mich persönlich interessant:
Handelt es sich um ein Gefangenlager, sprich Zwangsarbeiter, oder wurden in diesem Lager "reguläre" Arbeitskräfte beschäftigt?
 

josef

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RAB-Baustellenbereich Heiligenkreuz im Wienerwald

Immer wieder höre ich im Zusammenhang mit der geplanten RAB von einem (Arbeits)Lager in der Nähe von Heiligenkreuz im Wienerwald.
Er liegt (jetzt) in einem kleinen Waldstück, das vielerlei Betonfundamente vorweist. In einer neueren Publikation über die Historie von Heiligenkreuz ist eine Postkarte von Baracken abgebildet...
Für mich persönlich interessant:
Handelt es sich um ein Gefangenlager, sprich Zwangsarbeiter, oder wurden in diesem Lager "reguläre" Arbeitskräfte beschäftigt?
Das war ein sogenanntes "RAB-Lager" -> Lager für Bauarbeiter der Reichsautobahn. Diese Lager gab es entlang der gesamten Bautrassen, am Anfang für zivile Bauarbeiter, mit Kriegsbeginn (bis Einstellung der Bauarbeiten) kamen aber auch Fremd- (Zwangs-)Arbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz.

Hier gibt es mehr über die "RAB-Lager".

Im konkreten Fall Heiligenkreuz -> Fundamentreste usw. war die damalige RAB-Trasse nicht ident mit der später gebauten Außenringautobahn A21! Die Planungen sahen den Verlauf südlich des Ortes vor, mit einer Überbrückung des Tales direkt hinter dem Stift! Zum Glück wurde diese Ortsbild und landschaftszerstörerische Variante nach dem Krieg fallengelassen und seither gibt es die Betonfragmente der ab 1938 begonnenen Bauwerke. Siehe dazu Beiträge ab #61 ff.

Ursprüngliche Trasse südlich Heiligenkreuz auf Kartenausschnitt aus 1938:
 

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Reichsautobahn

Was zum Nachdenken !
Die Trassenführung entspricht im Süden von Wien der heutigen S1.
Ganz Bizarr ist die geplante Trassenführung in das Leithagebirge .
:lesen:Quelle ist ein alter Wanderwegeführer für die Ostmark der ist aber leider so zerfleddert das man den Verlag nicht erkennen kann.:motzen:
 

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