Eingestellte Bahnlinie Mürzzuschlag - Neuberg

#1
Bin vor kurzem beim 50-jährigen Maturatreffen in Mürzzuschlag gewesen und habe das Südbahnmuseum der Semmeringbahn besucht. Das gemeinsame Essen war im Gasthof HOLZER in Neuberg. Die Mariazeller Straße wurde von der inzwischen eingestellten Neubergerbahn gequert. Wie sehr ist mir der "Rumpler" vom Überfahren der Bahntrasse abgegangen, den ich so gewohnt war.
Eisenverarbeitung, Holzwirtschaft, alles gab es damals dort. Heute eine sterbende Region, selbt Mürzzuschlag schrumpft gewaltig.
Kindheits- und Jugenderinnerungen...
Vom 1.Dezember 1879 bis 31.Dezember2000 hat die Linie bestanden. 121 Jahre.
 

struwwelpeter

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#2
Das Haubenlokal Holzer in Neuberg war immer erste Klasse.
Ist jetzt nach 31 Jahren neu übernommen worden:

http://www.hubertholzer.com/

http://www.meinbezirk.at/muerztal/lokales/traditionsgasthof-uebergeben-d1711814.html

Nach Fertigstellung des Semmeringtunnels reduziert sich die Fahrzeit um mindestens 30 Minuten. d.h. Wien-Mürzzuschlag ca. 1 Stunde.
Es gäbe da die Strategie, sich jetzt im Raum Mürzzuschlag mit billigem Wohnraum einzudecken und dann nach Fertigstellung des Tunnels erheblichen Gewinn von den Wien-Pendlern zu lukrieren (die sich die Wohnungen in Wien und um Wien dann nicht mehr leisten können).
 

josef

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#4
...Nach Fertigstellung des Semmeringtunnels reduziert sich die Fahrzeit um mindestens 30 Minuten. d.h. Wien-Mürzzuschlag ca. 1 Stunde.
Es gäbe da die Strategie, sich jetzt im Raum Mürzzuschlag mit billigem Wohnraum einzudecken und dann nach Fertigstellung des Tunnels erheblichen Gewinn von den Wien-Pendlern zu lukrieren...
Diese Strategie dürfte derzeit im Nahbereich des an der von Wien ausgehenden Westachse gelegenen Bahnhof Tullnerfeld voll aufgehen :D
 

josef

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#6
...aber für das Obere Mürztal schaut es insgesamt schlecht aus...was Industrie und Tourismus betrifft.
Zu dieser Erkenntnis kam ich am 17.10.2018 bei einer Besichtigung der ehemaligen Bahnhöfe der Strecke in Kapellen und Neuberg an der Mürz auch! Verstärkt wurde dies noch durch Gespräche mit Pensionistinnen und Pensionisten, die entlang der ehemaligen Bahnstrecke und nunmehrigen Rad- und Spazierweg ihre Vierbeiner ausführten...

Nach Schließung des Großsägewerkes der Bundesforste vor einigen Jahren, was auch den endgültigen "Todesstoß" für die Bahn bedeutete, zogen immer mehr der dadurch zum Pendeln verurteilten Talbewohner gleich samt Familie in den Nahbereich ihrer neuen Arbeitsplätze (Wien, Graz, Raum Bruck-Leoben usw. ...)! Dieser "Bevölkerungsschwund" setzte die für solche Problemregionen bekannte Negativspirale in Bewegung -> Ausdünnung der Infrastruktur mangels Nachfrage, Überalterung der Bewohner usw. ...
Auch der Versuch, den Fremdenverkehr auszubauen scheiterte bzw. blieb in den Ausführungen stecken, da einen Großteil der heutigen Touristen die wunderbare Landschaft des oberen Mürztales zu wenig ist, sie wollen "Action"...

Und so muss ich als "Eisenbahnfreund" auch schweren Herzens eingestehen, dass auch nur ein halbwegs wirtschaftlicher Betrieb dieser Strecke nie und nimmer gegeben ist bzw. war! Der Personenverkehr hatte bei der geringen Besiedelungsdichte des Tales nie eine große Bedeutung und für das Stammholz als Haupttransportgut spielt es auch keine große Rolle, ob die LKW's zwecks Bahnverladung den Bahnhof Neuberg oder gleich das ca. 12 km entfernte, an der Hauptstrecke liegende, Mürzzuschlag anfahren!

Streckenspiegel Mürzzuschlag - Neuberg:
1540049157093.png
Quelle Streckenspiegel bzw. mehr zur ehemaligen Bahnstrecke: Lokalbahn Mürzzuschlag–Neuberg – Wikipedia
 

josef

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#7
Ehemaliger Bahnhof Kapellen:

Das am neugeschaffenen Radweg Neuberg - Mürzzuschlag (ehemalige Bahntrasse) gelegene Bahnhofsgebäude beherbergt heute ein Lokal

1. Gegenlichtaufnahme von der Straßenseite - Bahnhofvorplatz
2. - 3. Das Gebäude mit der typischen Natursteinfassade von der einstigen Gleisseite. Ein kurzes Gleisstück ist noch zu erkennen
4. Die ehemalige Strecke, nun Radweg in Richtung Mürzzuschlag...
5. ...und in die Gegenrichtung nach Neuberg. Auf dem Gleisrest steht ein 2-achsiger ehemaliger Dienstwagen, umgebaut zu einem Jugendtreff...
 

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josef

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#8
Ehemaliger Bahnhof Neuberg an der Mürz:

Neuberg war der Endbahnhof der in Mürzzuschlag ins obere Mürztal abzweigenden Stichbahn und lag bei km 11,4. Die Strecke führte noch ca. 1 km weiter entlang der Mürz aufwärts zum Großsägewerk der ÖBF (-> ursprünglich befand sich dort das Hüttenwerk Neuberg der "Österreichischen Alpine Montangesellschaft").

Nach der Streckeneröffnung 1879 benützte auch der Kaiser Franz Josef und sein Gefolge öfters diese Strecke um zum Jagdschloss Mürzsteg zu gelangen. Dafür wurde ein "kaiserlicher Empfangs- und Warteraum" im Bahnhofsgebäude eingerichtet.

Im Gegensatz zu Kapellen macht das Bahnhofsgebäude in Neuberg einen verwahrlosten und heruntergekommenen Eindruck!

Teil 1:

1. - 2. Straßenfront
3. Nochmals Straßenseite mit dem vorspringenden Anbau des "kaiserlichen Empfangs- und Warteraumes"
4. - 5. Das Objekt von der Gleisseite aus gesehen
6. - 7. Die Galerie des ehemaligen Hausbahnsteiges
8. Blick vom Vorplatz über das einstige Gleisfeld zum "Neuberger Münster" im Hintergrund
9. Detail des aufgestockten Westtraktes
10. Der besonders gestaltete Eingangsbereich zum kaiserlichen Warteraum...
 

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josef

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#9
Bahnhof Neuberg an der Mürz - Teil 2:

11. Zugang zum "Allerheiligsten" des Bahnhofes :) mit Spiegelung des Münsters...
12. Ziegel- und Holzverzierungen unter der Dachtraufe...
13. Blick durch die Glastüre in den ehemaligen K.u.K. - Warte- und Empfangsraum
14. Blick von der Bahnsteiggalerie durch das Fenster zum Fahrkartenschalter - heute zweckentfremdet als "küchenähnlicher Raum"... (Zweck unbekannt...).
15. Die Bodenplatten haben auch schon bessere Zeiten gesehen...
16. Eingeebnetes Gleisfeld Richtung Kapellen (-> Mürzzuschlag). Das neuere Gebäude dürfte vom Stil her einmal ein Lagerhaus gewesen sein (-> heute Altstoffsammelzentrum)
17. Blickrichtung Mürz aufwärts nach Westen. Hier führte das Gleis noch ca. 1 km weiter zum früheren Hüttenwerk und zuletzt ÖBF-Sägewerk. In den letzten Betriebsjahren des Personenverkehrs fuhren auch die damals eingesetzten Dieseltriebwägen 5047 ca. 0,5 km auf dieser Strecke weiter bis zur Haltestelle "Neuberg Ort", die näher beim Ortszentrum lag als der Bahnhof.
18. Hier verlief die Trasse zum Sägewerk (im Rücken des Aufnahmestandpunktes), in etwa auf Höhe des Autos befand sich die Haltestelle (nur eine bescheidene Holzhütte...) -> Blickrichtung Bahnhof Neuberg.
19. Standort wie Bild 18. mit Blick in die Gegenrichtung zu den Ruinen des ehemaligen ÖBF-Sägewerkes (-> das Gelände ist in Privatbesitz, eingezäunt - "Betreten Verboten"!). Rechts verlief das Anschlussgleis ins Betriebsgelände des damaligen Hauptkunden der Bahn.
 

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josef

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#10
Zu der im Streckenspiegel in Beitrag #6 ersichtlichen Anschlussbahn bei Arzbach km 9,380 "Veitscher Magnesitwerke" fand ich in der "Ansichtskarten-Bibliothek" der ÖNB nachfolgende Karte aus 1925:


1540107558669.png
Arzbach bei Neuberg

Datierung: 1925 Verlag: Ledermann Beschreibung: Magnesitwerk
Link - Bild: ÖNB/AKON Ansichtskarten Online: Arzbach bei Neuberg


Die Abzweige-Weiche der AB von der Strecke ist deutlich sichtbar.
 
#11
Danke, Josef, für die Beiträge zu dem Thema!
Habe zur Region ein Nahverhältnis, zumal ich als Kind in der Krampen (Ortsteil von Neuberg, seinerzeit von Mürzsteg) aufgewachsen bin, ehe ich mit Eltern 1952 nach Mürzzuschlag übersiedelte.
 
#12
@Senator:
Etwas OT, aber wird hier gerade deine "Kinderstube" gehandelt? hier

.....Das wunderschöne Haus wurde 1639 aus 16cm dicken massiven Bohlen (Lärche), die nach alter Tradition und Handwerkskunst verzinkt sind, gebaut. 1811 wurde das Haus erweitert. Der Hof ist gepflastert mit Katzenkopfsteinen und kann als Abstellfläche für Fahrzeuge genutzt werden.......
Kaufpreis: 490.100
 
#13
Keineswegs. Das Haus, in dem ich meine Kindheit verbrachte, war ein Bau im Besitz der Bundesforste, direkt neben der Wehr, wo noch seinerzeit Holzstämme gedriftet wurden. Das Haus (unterhalb des Ländhauses) steht seit Jahren nicht mehr. Durch die aktuelle Steckenführung der Strasse fährt man quasi durch die ehem. Wohnstube.
 

josef

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#14
Die letzten Zeugen der Dampflok-Ära auf der Neuberger-Strecke

1972 endete der Einsatz von Dampflokomotiven auf der Neuberger-Strecke und damit kam auch das offizielle Ende der ÖBB-Lokreihe 91 für den Planbetrieb. Von den zuletzt im Heizhaus Mürzzuschlag stationierten 3 Loks dieser Reihe "überlebten" 2 Stk.:

Lok 91.32:
Diese nicht betriebsfähige Lok stammt aus der ersten Lieferserie über 69 Stk. von 1897 - 1908 als Reihe 99 an die KkStB. Während des "Reichsbahn-Intermezzos" wurden die Loks zur DR-Reihe 98 und nach dem Krieg wurden die überlebenden Loks zur ÖBB-Reihe 91. Nach ihrer "Kassierung" stand die 91.32 einige Jahre als Lokdenkmal vor dem Bahnhof Mürzzuschlag und kam dann als nichtbetriebsfähiges Ausstellungsstück in den Rundlokschuppen des Südbahnmuseums. Von dort stammen auch die am 17.10.2018 gemachten Fotos:

1540660729402.png
 

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josef

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#15
Lok 91.107:
Diese Lok stammt aus einer zwischen 1908 - 1913 gelieferten Nachbauserie von 20 Stück. Diese waren eine Weiterentwicklung der Erstlieferung in Form von größeren Wasser- und Kohlefassungsvermögen.
Die Lok 91.107 ist betriebsfähig (-> Sonderfahrten...) und im Eisenbahnmuseum Schwechat beheimatet.
Die Fotos stammen von meinem Besuch ins SW am 09.09.2017:
 

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