Erstes mutmaßliches Elefanten-Knochenrelikt vom berühmten Feldzug Hannibals entdeckt

josef

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Legendärer Feldzug
Erstes mutmaßliches Knochenrelikt von Hannibals Elefantenherde entdeckt
Der Knochen eines Elefanten aus dem spanischen Córdoba ist 2250 Jahre alt und dürfte im Zusammenhang mit dem berühmten Zug des Karthagers über die Alpen stehen
Ausgerechnet Elefanten waren es, die Hannibal bei seinem berühmtesten Feldzug von Karthago im heutigen Tunesien der Überlieferung zufolge um das halbe Mittelmeer über die Alpen nach Italien führte. Man stellt sich die Dickhäuter nicht gerade als Kampfmaschinen vor. Doch erstens sind sie wesentlich einfacher zu kontrollieren als etwa aggressive Nashörner. Zweitens können sie sich mit ihren Stoßdämpferfüßen erstaunlich gut durch unwegsames Gelände manövrieren, und drittens war es auch diese Ungewöhnlichkeit, die Hannibal als historische Figur unsterblich machte.


So stellte sich ein französischer Künstler die Hannibal'sche Überquerung der Alpen vor.
IMAGO/Gemini Collection

Die Details des Unterfangens sind nicht abschließend geklärt. Mit 37 Elefanten soll der Feldherr 218 vor Christus die Alpen überquert haben, was eine ausgeklügelte Logistik erforderte, zumal ein Elefant täglich wohl 100 Kilogramm Futter oder mehr benötigte. Die Wissenschaft vermutet außerdem, dass die meisten Tiere zu einer mittlerweile ausgestorbenen Elefantenunterart zählten, die mit einer geschätzten Schulterhöhe von zweieinhalb Metern kleiner war als heute lebende Afrikanische Elefanten.

Bis heute beschäftigt sich Forschung mit dieser imposanten Episode der Geschichte. Und nun könnte es das erste handfeste Indiz für die elefantöse Reise Richtung Rom geben. Wie ein Forschungsteam um Rafael Martínez Sánchez von der Universität Córdoba im Journal of Archaeological Science: Reports berichtet, wurde in Südspanien vor sechs Jahren ein eigenartiger Knochen entdeckt. Er ist etwa so groß wie eine Handfläche – und passt nicht zur lokalen Fauna.

Passendes Alter
Die Archäologinnen und Archäologen vermuten nun, dass es sich um einen rechten Karpalknochen aus dem Skelett eines Elefanten handelt. Die Schicht, in der dieser Fußknochen gefunden wurde, ist etwa 2250 Jahre alt. Und deshalb glaubt Martínez Sánchez, dass der Vierbeiner im Zweiten Punischen Krieg von 218 bis 201 vor unserer Zeitrechnung eingesetzt wurde.


Der gefundene Elefantenknochen in mehreren Ansichten.
Agustín López, Rafael Martínez

In diesem Krieg kämpfte Rom gegen Karthago um die Vormachtstellung im westlichen Mittelmeerraum. Schon vor Hannibals Reise setzten sich die Karthager gegen iberische Stämme durch, um Land zu gewinnen. Auch beim berühmten Feldzug kam es freilich schon vor der Alpenüberquerung in den römisch dominierten Gebieten zu Gefechten, auch keltische Stämme wurden bekämpft.

Je nach Quelle kam Hannibals Heer auf bis zu 50.000 Soldaten inklusive der erwähnten 37 Kriegselefanten, welche die Alpenpassage überlebt haben sollen. Gallische Stämme schlossen sich den Karthagern an, die die römischen Krieger in der Po-Ebene zunächst völlig überforderten und besiegten. Hannibal drang erfolgreich bis in den Süden vor, sein Heer wurde jedoch durch die jahrelange Zermürbungsstrategie der Römer und fehlende Nachschublieferungen geschwächt. Als Rom parallel dazu in Spanien und Nordafrika angriff, wendete sich das Blatt, und die Karthager verloren.

Der neuen Studie zufolge könnte der Fußknochen von Córdoba zu einem Elefanten gehört haben, der schon ziemlich zu Beginn des Feldzugs aufgeben musste und in Spanien starb – oder zuvor bei der Konsolidierung der Stellung in Spanien half. In jedem Fall war der Fund für die Forschenden eine Überraschung: "Überreste von Elefanten sind – abgesehen von Elfenbein – in europäischen archäologischen Kontexten außergewöhnlich selten", heißt es in der Studie.

"Weder attraktiv noch nützlich"
Während mit abgesägtem Elfenbein gehandelt wurde, dürften sich Elefantenknochen nur dann in Europa erhalten haben, wenn das Tier hier auch verstorben war. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass man tote Tiere aufwendig per Schiff transportierte. "Die kurzen Karpalknochen sind weder besonders attraktiv noch ein nützliches Material für handwerkliche Arbeiten", schreiben die Autorinnen und Autoren.

Dass jemand einen der Vorderfußwurzelknochen des lokal nicht ansässigen Rüsseltiers behalten wollte, lässt sich zwar auch nicht ausschließen. Vor allem, wenn dieses in den Kontext des berühmten Feldzuges gerückt wurde. Doch wie es aussieht, musste die Fundstelle damals relativ rasch verlassen werden: Der Elefantenknochen befand sich unter einer eingestürzten Mauer; hier befanden sich zudem Münzen, Keramik und Artillerie. Den Fachleuten zufolge kann das nicht nur auf einen militärischen Kontext, sondern auch auf eine Schlacht hindeuten. Die entdeckten Steinkugeln waren wohl für Wurfmaschinen auf karthagischer Seite vorgesehen.

Erste "Reliquie"
Ein Rätsel, das sich um die Kriegselefanten rankt, konnte die Studie trotz des Knochenfundes noch nicht beantworten: Welcher Art oder Unterart der Elefant angehörte, ließ sich nicht herausfinden. Dafür sei der Knochen, der mit anderen Karpalknochen von Elefanten und Mammuts verglichen wurde, bereits zu stark verwittert.

Mit viel Glück könnten weitere Skelettreste der Rüsseltiere aus dieser Zeit auftauchen. Doch schon jetzt freut sich das Forschungsteam, es handle sich womöglich um "die erste bekannte – und von europäischen Gelehrten der Neuzeit verzweifelt gesuchte – Reliquie jener Tiere, die in den Punischen Kriegen zur Kontrolle des Mittelmeerraums eingesetzt wurden".
(Julia Sica, 18.2.2026)
Erstes mutmaßliches Knochenrelikt von Hannibals Elefantenherde entdeckt
 

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#2
Gewaltmarsch im Gebirge
Was der Hunger der Elefanten über Hannibals Alpenüberquerung verrät
Eine bioenergetische Studie berechnet den Kalorienbedarf von Männern, Pferden und Kriegselefanten – und legt damit eine bestimmte Route über die Alpen nahe

Elefanten sind durchaus gebirgstauglich. Vor allem aber erlauben ihnen ihre Fettreserven auch längere, kräftezehrende Touren.
Robbie Labanowski/Save the Elephants

Ein in Colina de los Quemados bei Córdoba entdeckter Elefantenknochen sorgte Anfang des Jahres für einige Aufregung: Einer im Februar veröffentlichten Analyse zufolge stammt er von einem Tier aus dem späten dritten Jahrhundert vor Christus; zwölf danebenliegende steinerne Geschosskugeln deuten auf einen militärischen Kontext hin. Ein Forschungsteam vermutete daher einen Zusammenhang mit Hannibals berühmtem Marsch über die Alpen. Die Hypothese ist plausibel, lässt sich aber nicht beweisen.

Historische Quellen
Über diese Alpenüberquerung wissen wir vor allem, was zwei antike Autoren berichten: Polybios stützte sich rund zwei Generationen nach den Ereignissen auf einen heute verlorenen Augenzeugenbericht. Titus Livius verfasste seine Version noch später. Beide Überlieferungen sind detailreich und haben die Vorstellung von Hannibals Zug bis heute geprägt, doch sie sind auch lückenhaft. Nach der Rhône werden nur wenige Ortsnamen genannt, und nicht alle lassen sich zweifelsfrei zuordnen. Mit dieser Lücke in der Überlieferung beschäftigt sich die Forschung seit über einem Jahrhundert.

Einigermaßen belegt ist heute, dass der karthagische Feldherr Hannibal Barkas 218 v. Chr. im Zweiten Punischen Krieg von Spanien aus aufbrach. Es folgte ein Gewaltmarsch über rund tausend Kilometer, durch Südgallien in die Alpen. Mit ihm zogen an die 46.000 Mann, mehrere tausend Pferde und 37 Kriegselefanten. In etwa fünfzehn Tagen bezwang das Heer das Gebirge. Nur die Hälfte der Männer soll das alpine Abenteuer überlebt haben. Von den Elefanten kamen dagegen die meisten durch: Rund dreißig standen später in der Schlacht an der Trebia gegen die Römer unter dem Kommando des Konsuls Tiberius Sempronius Longus im Feld.

Welchen Weg nahm Hannibal?
Wo genau das Heer das Gebirge querte, ist die eigentliche Streitfrage. Entsprechende Überlegungen speisen sich aus antiken Texten, aus Topografie und Geologie und aus logistischen Annahmen. Vier Pässe stehen heute vor allem zur Debatte: Der Col du Clapier, über Grenoble und Aiton nach Susa führend, galt lange als aussichtsreichster Kandidat. Der Col de la Traversette, über den Col de Grimone und Gap erreichbar und bei Pian del Re in die Po-Ebene absteigend, rückte durch philologische, geomorphologische und archäologische Argumente zuletzt jedoch in den Vordergrund. Daneben werden der Col de Montgenèvre und der Col du Mont Cenis genannt.

Eine aktuelle Untersuchung zieht nun vor allem biologische Faktoren ins Kalkül, und diese würden die Col-de-la-Traversette-Route zusätzlich untermauern. In ihrer im Fachjournal PNAS präsentierten Studie rechnen Emilio Berti (Universität Jena) und Fritz Vollrath (Universität Oxford) vor, wie viel Energie der Marsch gekostet haben dürfte.

Für die Menschen, Pferde und Elefanten schätzten sie den Aufwand auf jeder der vier Routen, gestützt auf Höhendaten und auf Messungen an heutigen afrikanischen Elefanten, deren Energieverbrauch mit Körpermasse und Hangneigung steigt. Die Einheit ihrer Rechnung ist das Terajoule, eine Größenordnung, wie sie eine mittelgroße Stadt an einem Tag verbraucht.


Der antike Marsch über die Alpen muss für Mensch und Tier eine kaum vorstellbare Tortur gewesen sein.
Fritz Vollrath

Logistischer Gewaltakt
Am günstigsten fiel die Bilanz für den Col de la Traversette aus: Die Forscher kamen hier auf 5,42 Terajoule für das gesamte Heer. Über den Col de Montgenèvre wären es mit 6,02 Terajoule elf Prozent mehr gewesen, über den Col du Clapier mit 6,28 Terajoule sechzehn Prozent, über den Col du Mont Cenis mit 6,45 Terajoule neunzehn Prozent mehr. Die Traversette war damit sowohl die kürzeste als auch die energieeffizienteste Route.

n Vorräte übersetzt bedeutet die Traversette-Route rund 233 Tonnen Nahrung, sofern man Kohlenhydrate als wichtigste Energiequelle annimmt. Der Anteil, den die Männer und die Pferde benötigt hätten, wäre wahrscheinlich transportierbar gewesen.

Für jenen Teil, den die Elefanten an Nahrung brauchten, gilt das jedoch nicht: Ein drei Tonnen schweres Tier frisst in freier Wildbahn etwa 200 Kilogramm am Tag, allein um seinen Grundumsatz zu decken. Wollte ein Elefant sein Gewicht während der Überquerung halten, hätte er täglich fünf bis sechs Stunden zusätzlich fressen müssen, praktisch ohne Pause. Das ist im Hochgebirge undenkbar.

Rettende Fettreserven
Also mussten die Tiere auf ihre Reserven zurückgreifen. Die Forscher modellierten, wie stark die Alpenüberquerung am Körperfett der Männer, Pferde und Elefanten zehrte. Auf der Traversette-Route verloren die Männer demnach rund 19 Prozent ihrer Fettreserven, was die hohe Sterblichkeit erklären könnte. Die Pferde büßten etwa elf Prozent ein.

Die Elefanten dagegen kamen mit vier Prozent davon. Ausgerechnet die schwersten Tiere ertrugen den Marsch am leichtesten, weil ihre gewaltigen Fettdepots mehr als genug hergaben. "Solch hohe Energiereserven erklären wahrscheinlich, warum viele, wenn nicht die meisten Elefanten die Überquerung überlebten", schreiben die Wissenschafter.

Wo man suchen sollte
"Die Anwendung von Erkenntnissen, die bei der Untersuchung der Energetik afrikanischer Elefanten in Kenia gewonnen wurden, bringt eine neue Dimension in die langjährige Debatte über Hannibals Alpenüberquerung", sagt Vollrath. "Die Frage nach Hannibals genauer Route wird seit Generationen diskutiert", ergänzt Berti. "Die neue Analyse beseitigt nicht alle Unklarheiten, aber sie stärkt die Argumente für die Traversette-Route, indem sie zeigt, dass sie den Anforderungen an die Bewegung einer großen Armee, die auch Elefanten umfasste, durch extrem schwieriges alpines Gelände besser gerecht wird."

Bewiesen sei damit freilich nichts, die energetische Rechnung liefere jedoch eine starke logistische Grundlage, so die Forscher: Von allen denkbaren Wegen über die Alpen war die Traversette derjenige, der ein Heer samt Elefanten am wenigsten Kraft gekostet hätte. Ob Hannibal diesen Weg tatsächlich nahm, können nur archäologische Funde belegen – aber nun hat man weitere gute Argumente dafür, wo man genauer hinsehen sollte. (Thomas Bergmayr, 6.7.2026)
Was der Hunger der Elefanten über Hannibals Alpenüberquerung verrät
 
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