Erstmals soll ein privates Unternehmen US-Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen

josef

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#1
Erster bemannter Flug zu ISS mit SpaceX

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Am späten Mittwochabend soll eine SpaceX-Rakete – und damit erstmals ein privates Unternehmen – US-Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Der Start ist ein Meilenstein in der von den USA forcierten Privatisierung der Raumfahrt und – im Falle des Gelingens – ein großer Erfolg für den exzentrischen Firmengründer Elon Musk.
Online seit heute, 6.02 Uhr
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Für die US-Raumfahrtbehörde NASA würde ein Erfolg der Mission zugleich mehr Unabhängigkeit von russischen Sojus-Raketen bedeuten. Den Start der Falcon-9-Rakete mit einer bemannten Dragon-Kapsel will US-Präsident Donald Trump persönlich im Kennedy Space Center in Cape Canaveral mitverfolgen. Der Start wird zudem live im Internet gestreamt.

Am Mittwoch um 16.33 Uhr Ortszeit (22.33 Uhr MESZ) sollen der 49-jährige Robert Behnken und der 53-jährige Douglas Hurley, beide US-Raumfahrtveteranen, zur ISS starten und 19 Stunden später dort andocken.

Wetter als Unsicherheitsfaktor
Die Chancen, dass das Wetter während des avisierten Startfensters schlecht ist, stehen allerdings bei 60 Prozent. Ein nächstes Zeitfenster wurde für Samstag errechnet.

Reuters/Maxar
Blick aus der Luft auf die Startrampe 39A mit der Falcon-9-Rakete im Kennedy-Raumzentrum

Startschuss unter Obama
Das Programm für bemannte NASA-Missionen mit Raumfähren kommerzieller Unternehmen hatte unter Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen. Trump sieht in dem nun erhofften Erfolg aber eine Bestätigung seines Vorhabens, die US-Vorherrschaft im All zurückzuerlangen. So hat er angeordnet, dass spätestens 2024 wieder Astronauten zum Mond fliegen sollen. Diese Zielvorgabe erscheint zwar unrealistisch, hat der US-Raumfahrt aber Schub gegeben.

Seit dem Bau der ISS waren zwei Jahrzehnte lang US-Raumfähren und russische Raketen zu der gemeinsamen Raumstation geflogen. Die Spaceshuttles waren allerdings riesig, extrem kompliziert konstruiert und entsprechend teuer. Für insgesamt 135 Flüge gaben die USA rund 200 Milliarden Dollar (183 Mrd. Euro) aus.
Vor allem aber gab es zwei tödliche Unglücke – mit der „Challenger“, die am 28. Jänner 1986 kurz nach dem weltweit live übertragenen Start explodierte, die gesamte Besatzung – zwei Frauen und fünf Männer – kam dabei ums Leben. Und am 1. Februar 2003 brach das Spaceshuttle „Columbia“ bei der Rückkehr etwa 61 Kilometer über der Erdoberfläche bei 19.900 km/h Geschwindigkeit auseinander. Die siebenköpfige Besatzung starb. Ursache war ein Loch im Hitzeschild. Dieses war durch einen beim Start abgerissenen Schaumstoffteil verursacht worden.

AP/NASA/Bill Ingalls
Die Astronauten Douglas Hurley und Robert Behnken bei einer Anzugprobe im Vorfeld des Starts

Letzter Shuttle-Flug 2011
Mit der Rückkehr der „Atlantis“ zur Erde am 21. Juli 2011 wurde das Spaceshuttle-Programm daher eingestellt. Seitdem fliegen auch die US-Astronauten mit russischen Sojus-Kapseln zur ISS. Dieses Arrangement überdauerte selbst die politischen Spannungen zwischen Washington und Moskau, war aber von vornherein nur als Übergangslösung gedacht. Die NASA beauftragte zwei private Unternehmen – SpaceX und den US-Luftfahrtriesen Boeing – mit dem Bau von Raumfähren.
In der Zwischenzeit gab es genau genommen zwei Raumflüge: Die Testflüge des ebenfalls privaten Unternehmens Virgin Galactic 2018 und 2019 gelten laut NASA-Definiton – ab 80 Kilometer Höhe – als Raumflüge.

Hinweis
Die NASA überträgt die Vorbereitungen zum und den Start selbst live im Internet.

SpaceX deutlich vor Boeing
Seit 2011 zahlte die NASA an SpaceX dafür drei Milliarden Dollar – und neun Jahre später ist das Unternehmen von Tesla- und PayPal-Gründer Musk nun bereit. Damit brauchte es zwar fünf Jahre länger als geplant, liegt aber deutlich vor Boeing. Ein erster Testflug von Boeings Starliner scheiterte an schwerwiegenden Softwareproblemen und muss daher wiederholt werden.

SpaceX habe „eine echte Erfolgsstory“ geschrieben, sagt Scott Hubbard, der früher ein NASA-Forschungszentrum leitete und heute an der Eliteuniversität Stanford lehrt. Zu Beginn sei dem jungen Unternehmen „enorme Skepsis“ entgegengeschlagen. Manager von Platzhirschen wie Boeing und Lockheed hätten ihm gesagt, dass die Leute von SpaceX doch nicht wüssten, was sie tun, so Hubbard, der selbst in einem Aufsichtsgremium von SpaceX sitzt.

NASA will private Raumstationen
Bereits seit 2012 übernimmt die Falcon-9-Rakete von SpaceX unbemannte Versorgungsflüge zur ISS. Die bevorstehende bemannte Mission mit dem Namen Demo-2 ist für die USA nicht nur wichtig, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, sondern auch, um den Markt mit geschäftlichen und touristischen Reisen im niedrigen Erdorbit zu erobern.

Eines Tages sollten die USA ein Dutzend kommerziell betriebene Raumstationen im niedrigen Erdorbit haben, sagt NASA-Chef Jim Bridenstine. SpaceX-Chef Musk greift noch höher nach den Sternen: Sein Unternehmen arbeitet gerade an einer riesigen Rakete namens Starship, die den Mond umrunden oder sogar den Mars erreichen soll. In Musks Träumen wird sich der Mensch auf diese Weise zu einer „Multi-Planeten-Spezies“ entwickeln.
27.05.2020, red, ORF.at/Agenturen

Links:
Privatisierung der Raumfahrt: Erster bemannter Flug zu ISS mit SpaceX
 

josef

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#2
SpaceX-Flug zur Raumstation verschoben

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Der erste bemannte Flug einer Rakete des Privatunternehmens SpaceX zur Internationalen Raumstation (ISS) hat gestern nicht stattgefunden. Der Start wurde wegen der Wetterbedingungen abgesagt. Am Samstag gibt es den nächsten Versuch. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hatte zuvor noch grünes Licht für den Start gegeben.

Über dem Kennedy Space Center in Cape Canaveral tobte in der Früh (Ortszeit) ein Gewitter, und das US-Hurrikanzentrum warnte vor einem Tropensturm.
Die US-Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley sollen mit einer Falcon- 9-Rakete in einer Crew-Dragon-Raumkapsel zur Raumstation starten – rund neun Jahre nachdem zuletzt Astronauten von den USA aus zu der Raumstation gestartet waren. Weltweit wurde der Start mit Spannung erwartet.
28.05.2020, red, ORF.at/Agenturen
SpaceX-Flug zur Raumstation verschoben
 

kallepirna

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#3
Ich habe es mir angesehen , hier NASA Live der Link falls es sich einer ansehen will. Ich hatte mich schon gewundert das die bei Regen starten wollten dann kam aber der Abbruch. Habe aber heute was gelesen das es nun am Sontag stattfinden soll. mfg. kallepirna
 

josef

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#4
Schlechtes Wetter gefährdet erneut Start von SpaceX-Flug
Ungünstige Wetterbedingungen drohen erneut den Start des ersten bemannten US-Fluges ins All seit neun Jahren zu verhindern. NASA-Chef Jim Bridenstine erklärte heute zwar im Onlinedienst Twitter, dass die Vorbereitungen für den am Nachmittag (Ortszeit) geplanten Start wie geplant vorangingen. „Wetterunsicherheiten bleiben aber, die Wahrscheinlichkeit einer Absage liegt bei 50 Prozent.“

Eigentlich soll um 15.22 Uhr Ortszeit (21.22 Uhr MESZ) eine Falcon-9-Rakete des Unternehmens SpaceX mit den Raumfahrtveteranen Robert Behnken und Douglas Hurley in der Raumkapsel „Crew Dragon“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus starten. Es ist bereits der zweite Starttermin. Der erste war vor drei Tagen wegen schlechter Wetterbedingungen verschoben worden.

Musk will Raumfahrtgeschichte schreiben
Mit der Mission will Elon Musks Firma SpaceX Raumfahrtgeschichte schreiben: Glückt sie, wäre es der erste bemannte Flug eines Privatunternehmens zur Internationalen Raumstation (ISS) und zugleich ein wichtiger Beitrag, die USA wieder unabhängig von russischen Raketen zu machen.

Die NASA hatte ihr Shuttle-Programm 2011 wegen hoher Kosten und nach zwei Unglücken eingestellt, seitdem kamen ihre Astronauten nur mit russischen Raumfähren ins All. US-Präsident Donald Trump will für den Start eigens nach Cape Canaveral kommen.
30.05.2020, red, ORF.at/Agenturen
news.ORF.at
 

josef

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#5
Boca Chica wütend auf Elon Musk

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Während die einen Tesla-Gründer und Privatraumfahrer Elon Musk für seinen innovativen Geist bewundern, werden die anderen nächtens von Raketenlärm geweckt. Rund um die Dorfgemeinde Boca Chica an der texanisch-mexikanischen Grenze regt sich Widerstand gegen den Milliardär, der mitten in der Idylle Raumschiffe testet.
Online seit heute, 7.35 Uhr (Update: 8.30 Uhr)
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SpaceX, Musks privates Raumfahrtunternehmen, begann 2014 seine South Texas Launch Site zu bauen, ein Testareal für Weltraumraketen im Südosten des US-Bundesstaats Texas. Musk erhielt für den 100-Millionen-Dollar-Bau (91 Mio. Euro) Subventionen in Höhe von etwa 15 Millionen US-Dollar (14 Mio. Euro).

Unweit des Raketentestgeländes liegt die kleine Siedlung Boca Chica, die laut Volkszählung des Jahres 2000 26 Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Wahrscheinlich sind es heute sogar noch weniger. Die Siedlung ist so klein, dass sie nicht einmal an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen ist, weshalb einmal im Monat Trinkwasser per Lkw geliefert wird. Um Lebensmittel einzukaufen, müssen die Bewohnerinnen und Bewohner ins rund 60 Kilometer entfernte Brownsville fahren.

Billiges, abgelegenes Paradies
Man könnte Boca Chica mit seinen traumhaften Stränden und Naturreservaten also durchaus als entlegenes Paradies fernab jeder Hektik bezeichnen, doch genau das macht es auch attraktiv für SpaceX. Denn aufgrund der Abgeschiedenheit war das Gelände einerseits vergleichsweise billig zu erwerben, andererseits hatte SpaceX mit den Nebenerscheinungen seiner Raketentests nicht allzu viele Menschen gegen sich.

APA/AFP/Getty Images/John Moore
Testet Musk Raketen, ist der Strand von Boca Chica aus Sicherheitsgründen gesperrt

Anrainerinnen und Anrainer sind jedoch die Leidtragenden. Einige berichteten US-Medien von ohrenbetäubendem Lärm, Explosionen, vom Himmel fallenden Trümmern und absonderlichen Regeln, die erst bei genauerer Betrachtung Sinn ergeben. So dürften die Bewohnerinnen und Bewohner bei Raketentests etwa nicht in ihre Häuser gehen, da der Lärm und die Erschütterung Glasscheiben zerbrechen lassen könnten.

Die texanische „The Atlantic“-Journalistin Rachel Monroe berichtete auf Twitter außerdem davon, dass der Nachbarschaft zum Teil erst spätabends über einen Raketentest Bescheid gegeben worden sei, der dann zwischen 3.00 und 4.00 Uhr in der Nacht stattgefunden habe. Während der Tests sei außerdem der Zugang zum öffentlichen Strand gesperrt, ebenso die Zufahrt auf die Autobahn.

„Sie wollen uns nicht hier haben, weil es Geld kostet“
Ob all das mutwillig geschieht oder nicht – darüber scheiden sich in den Sozialen Netzwerken die Geister. Weltraumunternehmer Musk versucht jedenfalls seit etlichen Jahren, die 35 Häuser in Boca Chica aufzukaufen. Noch vor der Eröffnung des Testgeländes kündigte Musk auch seine Pläne für die örtliche Bevölkerung bei einer Veranstaltung an: „Wir arbeiten mit den Bewohnern des Dorfes Boca Chica zusammen, weil wir glauben, dass es mit der Zeit ziemlich störend sein wird“, so der Unternehmer. „Die tatsächliche Gefahr für Boca Chica ist gering, aber sie ist nicht winzig. Deshalb wollen wir aber unser Risiko superwinzig halten. Also ist es wahrscheinlich besser, die Dorfbewohner mit der Zeit auszukaufen“, sagte Musk laut dem Magazin „Esquire“.

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Dafür bot er den Inhaberinnen und Inhabern den dreifachen Preis für ihre Immobilien an. Viele nahmen das Angebot an, andere aber lehnten es ab. „Sie wollen uns nicht hier haben, weil es sie Geld kostet, uns hier zu haben. Aber wir waren zuerst hier“, sagte ein erboster Bewohner dem „Esquire“. Boca Chica ist als Seniorenresidenz bekannt, einige der Anrainerinnen und Anrainer hatten wohl die Absicht, ihren Lebensabend in dem kleinen Ort am Strand zu verbringen. „Es ist ärgerlich. Es gibt nur noch so wenige Orte wie Boca Chica. Es ist wunderschön, unerschlossen, von den Einheimischen geliebt, Teil eines wichtigen Naturreservats. Ein Ort, an dem Menschen ohne viel Geld in Strandnähe leben können“, kommentierte auch Journalistin Monroe.

Auch die Umwelt leide extrem, schrieb die Umweltaktivistin und Hausbesitzerin Cheryl Stevens auf ihrem Twitter-Account. In ihrer Profilbeschreibung ruft sie Musk auf, den Ort zu verlassen. „SpaceX, leave Boca Chica beach the gem that it is“, so die Userin. Wörtlich bedeutet das so viel wie: „SpaceX, lass den Strand von Boca Chica das Juwel sein, das er ist“, wobei „leave“ auf Englisch auch „verlassen“ bedeuten kann. Bereits vor Jahren wurde Stevens von US-Medien wie etwa der „Seattle Times“ interviewt, ob sie nach wie vor in Boca Chica lebt, konnte aktuell nicht bestätigt werden.

Boca Chica oder „SpaceX Village“?
Laut US-Medien waren im März dieses Jahres nur noch sieben Häuser in Boca Chica nicht im Besitz von SpaceX. Einige der übrigen Bewohnerinnen und Bewohner sollen wiederum ihren Nutzen daraus gezogen haben und ihre Häuser auf Airbnb und anderen Plattformen für Weltraumfans zur Vermietung angeboten haben. Jene bereits von Musk erworbenen Immobilien würden nun hauptsächlich als Lagerstätten genutzt, heißt es.

Business Insider“ entdeckt wurde, wird der Ort nun offenbar vom Unternehmen als „SpaceX Village“ bezeichnet und soll potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anlocken. Ein „privates Raumfahrtzentrum des Unternehmens mit Blick auf den Mars“ und „ein epischer Ort zum Leben und Arbeiten“, hieß es in der Anzeige, die mittlerweile entfernt wurde. „SpaceX Village“ würde „100 elektronisch buchbare Zimmer und regelmäßig geplante Aktivitäten wie Volleyballturniere, Klettern, Kajakfahren und Lounge-Veranstaltungen und -partys des Weltraumbahnhofs“ anbieten.
Reuters/Callaghan O’hare
Musk ist nicht nur Milliardär, sondern gilt auch als Visionär. Doch nicht alle finden seine Ideen erstrebenswert.

Direkt an Boca Chica angrenzend liegt die rund 1.340 Hektar große Las Palomas Wildlife Management Area nahe der Mündung des Rio Grande in den Golf von Mexiko. Das Naturschutzgebiet soll wildlebenden Tieren Lebensraum geben, darf aber für Freizeitaktivitäten genutzt werden, etwa zum Baden und Angeln. Einige Flächen wurden speziell für die Weißflügeltaube ausgewiesen. Im Schutzgebiet befinden sich auch Teilflächen mit Feuchtgebieten für Wasservögel.

„Starship“ offenbar explodiert
Ab 2016 sollten auf der SpaceX South Texas Launch Site eigentlich bis zu zwölf „Falcon 9“- und „Falcon Heavy“-Raketen pro Jahr starten. Stattdessen werden dort bisher nur das neue SpaceX-Raumschiff „Starship“ und dessen Booster „Super Heavy“ getestet. Laut aktuellen US-Medienberichten ist gerade am Samstag jene „Starship“ nahe Boca Chica explodiert. Es war nicht die erste von Musks Raketen, die den Testungen nicht standhielt.

Der nächste für Samstag angesetzte SpaceX-Versuch, mit einer „Falcon 9“-Rakete in einer „Crew Dragon“-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation (ISS) zu starten, findet also nicht in Boca Chica in Texas statt, sondern in Cape Canaveral in Florida. Der vorherige Versuch wurde erst am Mittwoch wegen Schlechtwetters abgesagt. Es handelt sich um den letzten Flugtest der „Crew Dragon“. Neun Jahre ist es her, dass zuletzt Astronauten der NASA von den USA aus zur ISS flogen.
30.05.2020, chvo, ORF.at

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Raketen-Nachbar: Boca Chica wütend auf Elon Musk
 

josef

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#6
SpaceX-Rakete hebt bei zweitem Anlauf ab

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Beim zweiten Anlauf hat es funktioniert. Am Samstag um 15.22 Ortszeit (21.22 Uhr MESZ) hob die SpaceX-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Es ist das erste Mal seit neun Jahren, dass in den USA eine bemannte Rakete startete – in Kooperation mit einem privaten Unternehmen im Auftrag der US-Weltraumbehörde (NASA).
Online seit heute, 21.49 Uhr
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„Wir sind abgehoben. Geschichte ist geschrieben worden“, twitterte die NASA kurz nach dem Start. Sogar US-Präsident Donald Trump war extra angereist, um den Start in Florida mit zu erleben. „Es ist unglaublich“, so Trump. Der Start verlief ohne Zwischenfall: Die erste Raketenstufe löste sich wie geplant von der Falcon-9-Rakete. Wenig später teilte das Unternehmen mit, die Raumkapsel „Dragon Crew“ mit den beiden Astronauten sei auf der richtigen Umlaufbahn.

Die erste Raketenstufe landete bereits auf einem Schiff im Atlantik. Die Landung und Wiederverwendung von Raketenstufen und Raumkapseln ist ein wichtiger Teil der Strategie von SpaceX. Schon mehrfach gelangen Landungen von Raketenstufen auf Schiffen sowie auf Land.

AP/Alex Brandon
Trump verfolgte den Start der Rakete in Florida

Ein Tag Reise, ein Monat auf ISS
Der bereits für Mittwoch geplante Start musste aber wegen schlechter Wetterbedingungen abgebrochen werden – eine Viertelstunde vor dem geplanten Abheben. Auch am Samstag gab es aufgrund von Gewitterwarnungen nur eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Start tatsächlich stattfinden könnte.

Der Flug der SpaceX ist der letzte Flugtest für den von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX entwickelten „Crew Dragon“. Bisher hatten Musks Raketen nur Fracht transportiert. Die erfahrenen US-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley fliegen nun mit einer „Falcon 9“-Rakete in einer „Crew Dragon“-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation (ISS). Bereits nach einem Tag sollen sie dort andocken und einen Monat auf der ISS verbringen.

AP/John Raoux
Die beiden erfahrenen US-Astronauten vor dem Start zur ISS

NASA löst sich aus Abhängigkeit von Russland
Für die NASA ist es nach neun Jahren wieder eine Premiere, ihre Astronauten selbst zur ISS bringen zu können. Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre „Atlantis“ zur ISS geflogen. Danach stellte die NASA ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen und nach zwei Unglücken ein und machte sich für ISS-Flüge von Russland abhängig – für 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel.

Die NASA beauftragte zwei private Unternehmen – SpaceX und den US-Luftfahrtriesen Boeing – mit dem Bau von Raumfähren. Eigentlich waren eigene Flüge aus den USA zur ISS von der NASA schon für 2017 angekündigt gewesen – im Zuge technischer Probleme, Finanzierungsschwierigkeiten und Umstrukturierungen nach der Wahl von US-Präsident Trump wurde das Projekt aber immer weiter aufgeschoben.

SpaceX deutlich vor Boeing
Seit 2011 zahlte die NASA an SpaceX dafür drei Milliarden Dollar – und neun Jahre später ist das Unternehmen von Tesla- und PayPal-Gründer Musk nun bereit. Damit brauchte es zwar fünf Jahre länger als geplant, liegt aber deutlich vor Boeing. Ein erster Testflug von Boeings Starliner scheiterte an schwerwiegenden Softwareproblemen und muss daher wiederholt werden.
SpaceX habe „eine echte Erfolgsstory“ geschrieben, sagt Scott Hubbard, der früher ein NASA-Forschungszentrum leitete und heute an der Eliteuniversität Stanford lehrt. Zu Beginn sei dem jungen Unternehmen „enorme Skepsis“ entgegengeschlagen. Manager von Platzhirschen wie Boeing und Lockheed hätten ihm gesagt, dass die Leute von SpaceX doch nicht wüssten, was sie tun, so Hubbard, der selbst in einem Aufsichtsgremium von SpaceX sitzt.

„Herkulische Aufgabe“
Für Musk ist die Realisierung dieser privaten Raumfahrt ein wichtiger Meilenstein. Er hätte sich nie träumen lassen, dass dieser Tag wirklich kommen würde: „Das ist das Ergebnis davon, dass 100.000 Menschen unglaublich hart gearbeitet haben.“ NASA-Chef Jim Bridenstine bezeichnete das Projekt als „herkulische Aufgabe“: „Aber SpaceX kann Sachen tun, die die NASA in ihrer Geschichte noch nicht gemacht hat.“

Das US-Unternehmen wurde 2002 von dem PayPal- und Tesla-Mitbegründer Elon Musk gegründet. 100 Millionen Dollar investierte der damals 31-Jährige in die Firma. Sechs Jahre später schaffte SpaceX als erstes Privatunternehmen nach mehreren gescheiterten Startversuchen in den Jahren zuvor eine Rakete in die Erdumlaufbahn zu bringen. Noch im selben Jahr schloss das Unternehmen bereits einen Vertrag mit der NASA über die ersten Transportflüge zur ISS. Der erste ging 2012 über die Bühne.
2015 verlor Musk nach einer Explosion kurz nach dem Start eine Falcon-9-Rakete. Am Wachstum wurde das Unternehmen dadurch nicht gehindert. Inzwischen zählt es rund 8.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und Musk hat weiter hochtrabende Pläne. Er macht sich Hoffnungen auf eine wichtige Rolle bei der Rückkehr von US-Astronauten auf den Mond. Als Zukunftsvision schwebt Musk ein Raumschiff auf dem Weg zum Mars vor.

Startschuss unter Obama
Das Programm für bemannte NASA-Missionen mit Raumfähren kommerzieller Unternehmen hatte unter Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen. Trump sieht in dem nun erhofften Erfolg aber eine Bestätigung seines Vorhabens, die US-Vorherrschaft im All zurückzuerlangen. So hat er angeordnet, dass spätestens 2024 wieder Astronauten zum Mond fliegen sollen. Diese Zielvorgabe erscheint zwar unrealistisch, hat der US-Raumfahrt aber Schub gegeben.

Reuters/Joe Skipper
Vor dem ersten Startversuch am Mittwoch durften die Astronauten Douglas Hurley und Robert Behnken ihre Familien begrüßen

Seit dem Bau der ISS waren zwei Jahrzehnte lang US-Raumfähren und russische Raketen zu der gemeinsamen Raumstation geflogen. Die Spaceshuttles waren allerdings riesig, extrem kompliziert konstruiert und entsprechend teuer. Für insgesamt 135 Flüge gaben die USA rund 200 Milliarden Dollar (183 Mrd. Euro) aus.

Vor allem aber gab es zwei tödliche Unglücke – mit der „Challenger“, die am 28. Jänner 1986 kurz nach dem weltweit live übertragenen Start explodierte, die gesamte Besatzung – zwei Frauen und fünf Männer – kam dabei ums Leben. Und am 1. Februar 2003 brach das Spaceshuttle „Columbia“ bei der Rückkehr etwa 61 Kilometer über der Erdoberfläche bei 19.900 km/h Geschwindigkeit auseinander. Die siebenköpfige Besatzung starb. Ursache war ein Loch im Hitzeschild. Dieses war durch einen beim Start abgerissenen Schaumstoffteil verursacht worden.
30.05.2020, red, ORF.at/Agenturen

„Geschichte geschrieben“: SpaceX-Rakete hebt bei zweitem Anlauf ab
 

josef

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#7
NASA will mit Feiern noch warten

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Vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ist am Samstag erstmals seit neun Jahren eine bemannte Rakete abgehoben – für die USA ein Triumph. Die Falcon-9 des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ist unterwegs zur Internationalen Raumstation (ISS), Sonntagnachmittag (MESZ) soll die Raumkapsel andocken. Feiern will die US-Weltraumbehörde NASA aber noch nicht.
Online seit heute, 11.55 Uhr
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Der Start erfolgte planmäßig im zweiten Anlauf am Samstag um 15.22 Ortszeit in Florida (21.22 Uhr MESZ), und planmäßig soll sie am Sonntag um 10.29 Uhr US-Zeit (16.29 MESZ) nach 19 Stunden Flug an der ISS andocken. Der Flug ist nicht nur der erste seit Einstellung des „Space Shuttle“-Programms der NASA 2011, sondern der erste in Kooperation mit einem Privatunternehmen. Die Rakete, in der die beiden US-Astronauten Bob Behnken und Douglas Hurley abhoben, gehört zum Unternehmen SpaceX von US-Milliardär Elon Musk.

Der erfolgreiche Raketenstart sei ein Moment des Triumphs und der Nostalgie für Amerika gewesen, kommentierte am Sonntag die „New York Times“. Eine Erinnerung an die technologische Überlegenheit der USA zu einem Zeitpunkt, an dem das Land mit der Coronavirus-Krise und politischen Turbulenzen kämpfe. In den Staaten kommt es seit Tagen zu mitunter gewalttätigen Protesten nach dem Tod eines unbewaffneten Afroamerikaners bei einem Polizeieinsatz. In zahlreichen Großstädten gilt praktisch der Notstand.

Ein „Meilenstein“ und „großartiger Tag“
NASA und SpaceX sprachen von einem Meilenstein für die USA und die Raumfahrt und einem großartigen Tag. „Aber wir feiern noch nicht“, sagte NASA-Chef Jim Bridenstine. "Wir werden feiern, wenn sie sicher zurück zu Hause sind. Behnken und Hurley sollen mehrere Wochen auf der ISS bleiben. Die erste Triebwerksstufe hatte die Falcon-9-Trägerrakete wenige Minuten nach dem Start erfolgreich abgesprengt, diese sei planmäßig und sicher auf einer Plattform im Atlantik gelandet, hieß es am Sonntag. Später trennte sich die Raumkapsel „Dragon Crew“ von der zweiten Stufe und nahm Kurs Richtung ISS.

Reuters/Steve Nesius
Der Start der Falcon-9-Rakete erfolgte im zweiten Anlauf planmäßig

Trump träumt von Waffen und Marsflügen
US-Präsident Donald Trump, der genauso wie sein Stellvertreter Mike Pence zum Start angereist war, nannte diesen eine eine „heldenhafte Tat“. Die kommerzielle Raumfahrt sei die Zukunft, so Trump. „Ein neues Zeitalter amerikanischen Ehrgeizes hat jetzt begonnen.“

Für die USA ist der Start tatsächlich ein Meilenstein in der Raumfahrt. Seit dem Ende der Space-Shuttle-Flüge im Jahr 2011 war man auf russische Sojus-Kapseln angewiesen, um Astronauten zur ISS zu transportieren. Der erste Startversuch der Falcon-9-Rakete am Mittwoch war an schlechtem Wetter gescheitert. Auch am Samstag hatte es aufgrund von Gewitterwarnungen nur eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Start tatsächlich stattfinden könnte, gegeben.

„Es ist unglaublich, die Kraft, die Technologie“, sagte Trump. „Wir haben etwas kreiert, das den Neid der Welt auf sich zieht, und wir werden bald auf dem Mars landen, und wir werden bald die besten Waffen haben, die man sich in der Geschichte je vorstellen konnte“, fügte er hinzu. Mit dem erfolgreichen Start hätten sich die USA „ihren prestigeträchtigen Platz als Anführer der Welt“ zurückerobert. Auch Musks erklärtes Ziel ist – egal wie realistisch – der Mars.

Musk „überwältigt“
Musk zeigte sich tief bewegt. „Ich bin wirklich emotional sehr überwältigt, es ist schwer für mich zu sprechen“, sagte er bei einer Pressekonferenz nach dem Start. 18 Jahre lang habe er auf dieses Ziel hingearbeitet. „Ich glaube, es ist etwas, worüber die Menschheit sich freuen kann, und worauf sie stolz sein kann.“ Der Unternehmer ist ein Pionier bei der Entwicklung wiederverwendbarer Raketen, die Raumflüge preiswerter und damit häufiger machen sollen.

AFP/NASA TV
Landung einer Raketenstufe zurück auf der Erde

Bereits kommendes Jahr soll ein Konkurrent US-Amerikaner in den Orbit bringen. Dann will der Flugzeughersteller Boeing seinen CST-100 Starliner ins All schießen. Die NASA hat an beide Unternehmen fast acht Milliarden Dollar (rund 7,2 Mrd. Euro) vergeben, damit sie konkurrierende Systeme entwickeln. Eigentlich waren eigene Flüge aus den USA zur ISS von der NASA schon für 2017 angekündigt gewesen. Im Zuge technischer Probleme, Finanzierungsschwierigkeiten und Umstrukturierungen nach der Wahl Trumps zum Präsidenten wurde das Projekt aber immer weiter aufgeschoben.

Das Ende der „Space Shuttles“
Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der US-Raumfähre „Atlantis“ zur ISS geflogen. Danach stellte die NASA ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen und nach zwei tödlichen Unglücksfällen ein und machte sich für ISS-Flüge von Russland abhängig – für etwa 80 Millionen Euro pro Flug in einer Sojus-Kapsel.

Reuters/Steve Nesius
Nach Jahren wieder Jubel nach einem geglückten Start bei der NASA

Seit dem Bau der ISS waren zwei Jahrzehnte lang US-Raumfähren und russische Raketen zu der gemeinsamen Raumstation geflogen. Die „Space Shuttles“ waren allerdings riesig, extrem kompliziert konstruiert und entsprechend teuer. Für insgesamt 135 Flüge gaben die USA rund 200 Mrd. Dollar (183 Mrd. Euro) aus.

Zwei tödliche Katastrophen
Vor allem aber gab es zwei tödliche Unfälle – mit der „Challenger“, die am 28. Jänner 1986 kurz nach dem weltweit live übertragenen Start explodierte, die gesamte Besatzung – zwei Frauen und fünf Männer – kam dabei ums Leben. Und am 1. Februar 2003 brach das Spaceshuttle „Columbia“ bei der Rückkehr etwa 61 Kilometer über der Erdoberfläche bei 19.900 km/h Geschwindigkeit auseinander. Die siebenköpfige Besatzung starb. Ursache war ein Loch im Hitzeschild. Dieses war durch einen beim Start abgerissenen Schaumstoffteil verursacht worden.

APA/AFP/Bruce Weaver
Die „Atlantis“ war das letzte „Shuttle“ in Betrieb

Musk will zum Mars
SpaceX wurde 2002 von dem PayPal- und Tesla-Mitbegründer Musk gegründet. 100 Millionen Dollar investierte der damals 31-Jährige in die Firma. Sechs Jahre später schaffte es SpaceX als erstes Privatunternehmen nach mehreren gescheiterten Startversuchen in den Jahren zuvor, eine Rakete in die Erdumlaufbahn zu bringen. Noch im selben Jahr schloss das Unternehmen bereits einen Vertrag mit der NASA über die ersten Transportflüge zur ISS. Der erste ging 2012 über die Bühne.

2015 verlor Musk nach einer Explosion kurz nach dem Start eine Falcon-9-Rakete. Am Wachstum wurde das Unternehmen dadurch nicht gehindert. Inzwischen zählt es rund 8.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Musk hat weiter hochtrabende Pläne. Er macht sich Hoffnungen auf eine wichtige Rolle bei der Rückkehr von US-Astronauten auf den Mond. Als Zukunftsvision schwebt ihm ein Raumschiff mit Ziel Mars vor.
31.05.2020, red, ORF.at/Agenturen

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SpaceX unterwegs zu ISS: NASA will mit Feiern noch warten
 
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