Lage „sehr schlimm“
Geröllmassen verschütten Schweizer Dorf
Seit Tagen herrscht im Lötschental im Schweizer Kanton Wallis Alarm. Schon am Vortag stürzten größere Mengen an Eis, Fels, Schnee und Wasser talwärts, da war das Dorf Blatten wegen eines sich rasch Richtung Tal bewegenden Gletschers schon vorsorglich evakuiert worden. Am Mittwoch kam es dann zum befürchteten „Großereignis“: Eine gigantische Lawine aus Eis, Schlamm und Geröll begrub einen großen Teil des Dorfs unter sich. Zahlreiche Häuser wurden zerstört.
Online seit heute, 18.14 Uhr (Update: 21.07 Uhr)
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Lage „sehr schlimm“: Geröllmassen verschütten Schweizer Dorf
Geröllmassen verschütten Schweizer Dorf
Seit Tagen herrscht im Lötschental im Schweizer Kanton Wallis Alarm. Schon am Vortag stürzten größere Mengen an Eis, Fels, Schnee und Wasser talwärts, da war das Dorf Blatten wegen eines sich rasch Richtung Tal bewegenden Gletschers schon vorsorglich evakuiert worden. Am Mittwoch kam es dann zum befürchteten „Großereignis“: Eine gigantische Lawine aus Eis, Schlamm und Geröll begrub einen großen Teil des Dorfs unter sich. Zahlreiche Häuser wurden zerstört.
Online seit heute, 18.14 Uhr (Update: 21.07 Uhr)
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Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, hieß es laut der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA zunächst vom örtlichen Führungsstab. Später war von einer vermissten Person die Rede, das wurde in einer Pressekonferenz auch bestätigt. Nähere Details wollten die Zuständigen nicht sagen.
Via Gemeinde-App seien die 300 Einwohnerinnen und Einwohner von Blatten über das Ereignis informiert worden, wie zuvor bekanntwurde: „Das Unfassbare ist eingetroffen“, hieß es in der Nachricht, wie der Sender SRF berichtete. Die Lage sei laut Führungsstab „sehr schlimm“. Mitglieder des Gemeinderats zeigten sich bei der Pressekonferenz am Abend sichtlich erschüttert, man habe „das Dorf verloren, aber nicht das Herz“. Der Wiederaufbau werde sehr viel Zeit brauchen.
Eine an Ort und Stelle befindliche SRF-Reporterin beschrieb die Situation: „Kurz vor halb vier ging dann plötzlich für ein paar Sekunden der Strom aus – und kurz wurde es hektisch, man hat sofort gespürt, dass etwas passiert ist.“ Die Druckwelle sei deutlich spürbar gewesen, als die gewaltige Staub- und Geröllwolke Richtung Tal gedonnert sei, so die Reporterin. Schnell sei klar gewesen, der Abbruch sei größer als alle bisherigen davor.
„Der Hang ist kahl“
„Große Felsbrocken sind runtergedonnert, Baumstämme, Kies und Sand, alles wurde ins Dorf geschoben“, sagte ein Reporter. Lange hätten Nebelfelder die Sicht auf den Berg etwas verdeckt. Nun habe es aufgeklart: „Man sieht das Ausmaß etwas besser. Der Hang ist kahl.“ Auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete von gigantischen Schuttmassen, die sich ins Tal wälzten.
picturedesk.com/Keystone/Jean-Christophe Bott
An dieser Stelle brach der Gletscher ab – gigantische Massen an Geröll und Eis schnellten Richtung Blatten
Drohnenaufnahmen des Schweizer Fernsehens zeigten eine riesige Schlamm- und Erdfläche, die einen Teil von Blatten, den durch die Siedlung fließenden Bach und die bewaldeten Hänge des umliegenden Tals bedeckte. Auf den Drohnenaufnahmen waren an den Flanken der riesigen Erdmassen die Trümmer von Holzhäusern zu sehen. Rund 90 Prozent des Dorfes Blatten wurden laut den Einsatzkräften verschüttet.
Erdbeben verursacht
Der Gletscherabbruch habe um 15.24 Uhr ein Erdbeben der Stärke 3,1 auf der Richterskala verursacht, berichtete die „Walliser Zeitung“ (Onlineausgabe). Aufgrund der immensen Mengen an Schutt und Geröll werde zudem das Wasser des Flusses Lonza gestaut. Dieses kann nicht mehr abfließen und beginnt sich aufzustauen.
picturedesk.com/Keystone/Jean-Christophe Bott
Fast das gesamte Dorf Blatten wurde von den Geröllmassen verschüttet
Dazu hieß es bei der Pressekonferenz, dass man erst am Donnerstag sehen werde, wie sich die Lage konkret entwickelt. Derzeit sei der Fluß auf rund zwei Kilometer Länge durch die Geröllmassen gestaut, dieser führe grundsätzlich nicht so viel Wasser. Man beobachte die Lage auf jeden Fall, es könne Überschwemmungen geben, ein Murenabgang sei aktuell nicht sehr wahrscheinlich.
Armee soll helfen
Der Kanton Wallis ersuchte die Armee um Unterstützung. Der Führungsstab bestätigte, dass die Armee unterwegs ist, man werde alles leisten, was zur Unterstützung gebraucht wird. Ein Armeesprecher hatte zuvor erklärt, dass ein Erkundungstrupp losgeschickt wurde, hieß es auf Anfrage von Keystone-SDA.
Bei der Pressekonferenz zeigten sich Vertreter des Schweizer Bundesrats und der Führungsstab erleichtert, dass das Dorf Blatten beizeiten evakuiert wurde, und sicherten Hilfe von Bund und Kanton auch für den Wiederaufbau des Dorfes zu – der vermutlich Jahre dauern werde, wie es hieß. Es sei jedenfalls wichtig, dass es eine Perspektive für das Tal gebe.
Auslöser dieser Ereignisse war ein relativ langsam verlaufender Bergsturz am Kleinen Nesthorn, oberhalb des nun abgestürzten Birchgletschers. Durch das Abbröckeln des Kleinen Nesthorns lagerten sich im Laufe der letzten Tage rund neun Millionen Tonnen Schuttmaterial auf dem Gletscher ab – sie übten jenen Druck auf die Eismassen aus, der sich letztlich mit der Gerölllawine entlud.
28.05.2025, red, ORF.at
Links:
SRF-Liveticker
„Walliser Zeitung“-Artikel
Via Gemeinde-App seien die 300 Einwohnerinnen und Einwohner von Blatten über das Ereignis informiert worden, wie zuvor bekanntwurde: „Das Unfassbare ist eingetroffen“, hieß es in der Nachricht, wie der Sender SRF berichtete. Die Lage sei laut Führungsstab „sehr schlimm“. Mitglieder des Gemeinderats zeigten sich bei der Pressekonferenz am Abend sichtlich erschüttert, man habe „das Dorf verloren, aber nicht das Herz“. Der Wiederaufbau werde sehr viel Zeit brauchen.
Eine an Ort und Stelle befindliche SRF-Reporterin beschrieb die Situation: „Kurz vor halb vier ging dann plötzlich für ein paar Sekunden der Strom aus – und kurz wurde es hektisch, man hat sofort gespürt, dass etwas passiert ist.“ Die Druckwelle sei deutlich spürbar gewesen, als die gewaltige Staub- und Geröllwolke Richtung Tal gedonnert sei, so die Reporterin. Schnell sei klar gewesen, der Abbruch sei größer als alle bisherigen davor.
„Der Hang ist kahl“
„Große Felsbrocken sind runtergedonnert, Baumstämme, Kies und Sand, alles wurde ins Dorf geschoben“, sagte ein Reporter. Lange hätten Nebelfelder die Sicht auf den Berg etwas verdeckt. Nun habe es aufgeklart: „Man sieht das Ausmaß etwas besser. Der Hang ist kahl.“ Auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete von gigantischen Schuttmassen, die sich ins Tal wälzten.
An dieser Stelle brach der Gletscher ab – gigantische Massen an Geröll und Eis schnellten Richtung Blatten
Drohnenaufnahmen des Schweizer Fernsehens zeigten eine riesige Schlamm- und Erdfläche, die einen Teil von Blatten, den durch die Siedlung fließenden Bach und die bewaldeten Hänge des umliegenden Tals bedeckte. Auf den Drohnenaufnahmen waren an den Flanken der riesigen Erdmassen die Trümmer von Holzhäusern zu sehen. Rund 90 Prozent des Dorfes Blatten wurden laut den Einsatzkräften verschüttet.
Erdbeben verursacht
Der Gletscherabbruch habe um 15.24 Uhr ein Erdbeben der Stärke 3,1 auf der Richterskala verursacht, berichtete die „Walliser Zeitung“ (Onlineausgabe). Aufgrund der immensen Mengen an Schutt und Geröll werde zudem das Wasser des Flusses Lonza gestaut. Dieses kann nicht mehr abfließen und beginnt sich aufzustauen.
Fast das gesamte Dorf Blatten wurde von den Geröllmassen verschüttet
Dazu hieß es bei der Pressekonferenz, dass man erst am Donnerstag sehen werde, wie sich die Lage konkret entwickelt. Derzeit sei der Fluß auf rund zwei Kilometer Länge durch die Geröllmassen gestaut, dieser führe grundsätzlich nicht so viel Wasser. Man beobachte die Lage auf jeden Fall, es könne Überschwemmungen geben, ein Murenabgang sei aktuell nicht sehr wahrscheinlich.
Armee soll helfen
Der Kanton Wallis ersuchte die Armee um Unterstützung. Der Führungsstab bestätigte, dass die Armee unterwegs ist, man werde alles leisten, was zur Unterstützung gebraucht wird. Ein Armeesprecher hatte zuvor erklärt, dass ein Erkundungstrupp losgeschickt wurde, hieß es auf Anfrage von Keystone-SDA.
Bei der Pressekonferenz zeigten sich Vertreter des Schweizer Bundesrats und der Führungsstab erleichtert, dass das Dorf Blatten beizeiten evakuiert wurde, und sicherten Hilfe von Bund und Kanton auch für den Wiederaufbau des Dorfes zu – der vermutlich Jahre dauern werde, wie es hieß. Es sei jedenfalls wichtig, dass es eine Perspektive für das Tal gebe.
Auslöser dieser Ereignisse war ein relativ langsam verlaufender Bergsturz am Kleinen Nesthorn, oberhalb des nun abgestürzten Birchgletschers. Durch das Abbröckeln des Kleinen Nesthorns lagerten sich im Laufe der letzten Tage rund neun Millionen Tonnen Schuttmaterial auf dem Gletscher ab – sie übten jenen Druck auf die Eismassen aus, der sich letztlich mit der Gerölllawine entlud.
28.05.2025, red, ORF.at
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„Walliser Zeitung“-Artikel
Lage „sehr schlimm“: Geröllmassen verschütten Schweizer Dorf
