Havarierte und durch Kriegshandlungen gesunkene Schiffe auf der Donau 1938-45

josef

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#1
Nachfolgend 2 Fotos aus dem Bereich knapp unterhalb von Spitz in der Wachau:

1. Das Schiff konnte nach einem Fliegerangriff entweder mit eigener Kraft noch den seichten Uferbereich erreichen oder wurde zwecks Freimachung der Fahrrinne dorthin geschleppt. Der unfreiwillige Liegeplatz befindet sich stromabwärts von Spitz, vor der im Hintergrund erkennbaren Wehrkirche von St.Michael. Genaues Datum und nähere Angaben fehlen…

2. Das Fahrzeug kam bei der Bergfahrt aus der Fahrrinne und „ritt“ bei höherem Wasserspiegel auf die damals knapp unter der Wasseroberfläche befindliche Krone einer Buhne auf. Geschehen angeblich bei mieser Sicht während einer Nachtfahrt. Das Bild entstand bei Niedrigwasser mit der gut sichtbaren Buhne. Der Havarieort liegt ebenfalls unterhalb der Schiffstation Spitz, am gegenüberliegenden Ufer ist die Kirche von Hofarnsdorf zu sehen. Leider sind dazu auch keine genaueren Daten bekannt.

Fotos aus der Sammlung Ing. Otto Fuchsbauer, Mitterarnsdorf
 

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#2
Bei dem rechten Foto dürfte es sich um das Schiff "Zell" handeln.
Daten nach "Erich Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 8/1, Bonn 1993 S. 132 u. 134:
Zell, Schiffswerft Linz A.G., Baujahr 1938, 117 BRT, Länge über alles 37,75 m, Breite 6,12 m, Tiefgang 1,4 m, 380 PS, Geschwindigkeit 9,5 kn, für COMOS Wien.
Lebenslauf:
1938 niederländisch COMOS "Zeeland";
5.1940 deutsch "Zell";
1941 Geleitschiff der Donauflottille;
7.1944 Räumschiff Inspekteur Minenräumdienst Donau (IMRDD), Räumgruppe Obere Donau;
24.12.1944 Donauräumflottille;
1.1.1945 Begleitschiff Geleitgruppe Donauflottille
7.5.1945 selbstversenkt bei Donaukilometer 2018 oder 1800?
194. gehoben, repariert, sowjetisch "Komsomolsk".

Laut einem Bericht des Führers der Kampfgruppe der 1. Donauflottille vom Oktober 1947 wäre dazu noch folgendes zu Ergänzen bzw. zu Berichtigen:
"Zell" war damals das Führerboot des Kampfgruppenkommandanten (der Kampfgruppenkommandant war zu dieser Zeit aber nicht an Bord der "Zell"). "Zell" fuhr bei Spitz (km 2019) am linken Ufer auf die Buhne auf. Das Kanonenboot "Bechelaren" und ein Flussräumboot "FR 10" versuchten bis 02:30 Uhr vergeblich "Zell" frei zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt gab der Kommandant der "Bechelaren" den Befehl zur Sprengung der "Zell" und zur Übernahme der Besatzung auf "FR-10".

Anm. Demnach müsste "Zell" in den Abendstunden des 6. Mai 1945 auf die Buhne aufgefahren sein und die Sprengung erfolgte am 7. Mai 1945 um 02:30 Uhr.
Spitz wäre Donaukilometer 2020, oberhalb von Spitz wäre dann km 2020+. Die im Bericht genannte Kilometerangabe 2019 bezog sich wahrscheinlich auf die Ortschaft Spitz.


Wer kann diese Hypothese bestätigen?

LG Renato
 

josef

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#3
Bei dem rechten Foto dürfte es sich um das Schiff "Zell" handeln...
1.1.1945 Begleitschiff Geleitgruppe Donauflottille
7.5.1945 selbstversenkt bei Donaukilometer 2018 ...?
Anm. Demnach müsste "Zell" in den Abendstunden des 6. Mai 1945 auf die Buhne aufgefahren sein und die Sprengung erfolgte am 7. Mai 1945 um 02:30 Uhr.
Spitz wäre Donaukilometer 2020, oberhalb von Spitz wäre dann km 2020+. Die im Bericht genannte Kilometerangabe 2019 bezog sich wahrscheinlich auf die Ortschaft Spitz...
:danke Renato :bravo:

Dürfte so hinkommen! Kilometrierung stimmt, müsste die zwischenzeitlich verlandete Buhne (->Pfeil) gewesen sein, passt auch mit Bildhintergrund -> Kirche Hofarnsdorf - überein.

Kartenausschnitt NÖGIS
 

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josef

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#4
Spitz-Arnsdörfer

Aktuelle Fotos von heute Nachmittag:

Der auf der NÖGIS-Karte eingezeichnete Havarieplatz dürfte stimmen! Fotos vom Bereich Spitz auf Hofarnsdorf. Leider hatte ich nicht die Zeit, direkt am Ufer den Treppelweg zu begehen...

1. Aufnahmerichtung vom linken Ufer Richtung Hofarnsdorf
2. Blick vom Rollfähreanleger Spitz Richtung St.Michael (links) und Hofarnsdorf (rechts).
 

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josef

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#5
Schiff "Zell"

7.5.1945 selbstversenkt bei Donaukilometer 2018 oder 1800?

Laut einem Bericht des Führers der Kampfgruppe der 1. Donauflottille vom Oktober 1947 wäre dazu noch folgendes zu Ergänzen bzw. zu Berichtigen:
"Zell" war damals das Führerboot des Kampfgruppenkommandanten (der Kampfgruppenkommandant war zu dieser Zeit aber nicht an Bord der "Zell"). "Zell" fuhr bei Spitz (km 2019) am linken Ufer auf die Buhne auf...
Telefonierte heute mit O. Fuchsbauer, der bestätigte, dass sich die abgebildete Buhne genau bei Strom-Kilometer 2018 befindet. Ist ident mit meiner Annahme lt. NÖGIS-Karte. Nur wurde die Innenfläche der Buhne und Leitwerk seit Jahren zur Ablagerung von Schlick nach Hochwässern verwendet und ist jetzt total verlandet und mit Gestrüpp bewachsen.

lg
josef
 

josef

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#7
Nochmals der Havarieplatz der "Zell" 1945

Von der Warte am Seekopf ist die Situation schön zu überblicken:

Die damalige Uferlinie oberhalb St. Michael Richtung Spitz war näher am Hang (Prallhang durch Strombiegung bei St. Michael). Mit dem Neubau der B 3 (Wachaustraße) Ende der 1950iger Jahre wurden die Uferbereiche angeschüttet usw. . Die damalige Buhne mit Leitwerk verschwand, wie schon geschrieben, durch Auffüllung mit Rückstandssedimenten diverser Hochwässer...

Blick von der Seekopf-Warte auf den Havarieplatz bei Strom-Km 2018, Aufnahme v. 12.11.2013:
 

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josef

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#8
Beschädigung und Zerstörung von Schiffen in den letzten Kriegstagen durch US-Panzer im Raum Ardagger Markt und Wallsee

In der nachfolgenden Reportage im "derStandard" über die Vermessungstätigkeiten der Viadonau (ehemalige Bundesstrombauleitung) stieß ich auf eine Passage betreffend eines 50 Meter langen Kriegsschiffes an der Grenze von Ober- zu Niederösterreich, welches in Ufernähe auf Grund liegt:


Panzer, Leichen und Traktoren – die Donau und ihre Geheimnisse

Die Viadonau stößt beim Vermessen der Donau immer wieder auf spektakuläre Funde
Der Himmel verdunkelt sich, schwarze Wolken verdrängen die weißen. Selbst meteorologisch schlecht Bewanderte erahnen den bevorstehenden Regenguss. Schauplatz ist ein kleiner Seitenarm der Donau in Fischamend südöstlich von Wien. "Schöne blaue Donau" – so bezeichnete Johann Strauß Europas zweitlängsten Fluss, doch hier und jetzt zeigt er ein anderes Gesicht: Das Wasser ist unruhig, besagtes Blau musste einem Braunton weichen.

Die Frage, bei welchen Witterungen das Vermessungsteam der Viadonau nicht ausrücken müsse, stößt auf leichtes Unverständnis: "Wir fahren bei jedem Wetter raus, außer die Donau ist zugefroren, dann kommt man mit dem Boot schwer voran", sagt Vermessungsleiter Walter Held grinsend. Kurz darauf folgt der Wolkenbruch.

Die Vermessung und die Analyse der Schifffahrtsrinnen auf den heimischen 350 Kilometern der Donau zählen zu den wichtigsten Aufgaben der Viadonau, der Österreichischen Wasserstraßen-Gesellschaft, die privatisiert ist, aber zur Gänze dem Verkehrsministerium untersteht. Ohne permanent aktualisierte Karten könnte die modern Schifffahrt nicht in dieser Form bestehen.


foto: viadonau
Und plötzlich tauchte am Bildschirm etwas auf, das aussah wie ein Traktor. Sah nicht nur so aus.


Spektakuläre Funde
Im ersten Moment klingt die Vermessung eines Flusses für Laien wenig spannend, doch welche "Schätze" die Donau immer wieder freigibt, entpuppt sich als durchaus spektakulär. Da gab es zum Beispiel jenen Traktor, der "von Lausbuben im Fluss versenkt" wurde und in Ybbs an der Donau gerade im Wasser wieder auftauchte.

Auch habe niemand mit 20 scharfen Granaten gerechnet, als ein russischer Panzer aus der March gefischt wurde: "Plötzlich war die Stimmung angespannt", erzählt Held. Anders verhält es sich mit einem 50 Meter langen Kriegsschiff an der Grenze von Ober- zu Niederösterreich: "Es liegt in Ufernähe und stört weder Mensch noch Schiff."


foto: viadonau
20 scharfe Granaten in einem russischen Panzer sorgten für angespannte Stimmung.


Unerwartet große Bäume tauchen immer wieder auf. "Kürzlich ragte ein Ast aus dem Wasser, an dem schlussendlich eine fast 20 Meter lange Mooreiche hing." Diese müsse über Jahrzehnte dort "eingeschottert" worden sein. Wenig amüsant für die Crews der beiden Viadonau-Boote sind Leichenfunde. Die Suche danach gehört zwar nicht zum Aufgabenbereich, doch ab und zu schwimmen Tote vorbei. "In Linz habe ich einmal eine Leiche aus dem Wasser gefischt, das gehört leider dazu. Fast jeder im Team hatte bereits damit zu tun", sagt Werner Loibl, der an Bord die Daten auswertet. Außerdem setze so ein Fund der Psyche zu, man hält dann jedes Holzstück für eine Leiche.

"Ultraschall" im Wasser
Walter Held lässt zur Datenerstellung das sogenannte Fächerlot ins Wasser. Vergleichbar mit einem Ultraschallbild, zeigt das Sonarsystem an, was unter Wasser los ist. Farben auf einem Display geben Auskunft über die Tiefe eines Objekts, etwas zu erkennen sei Erfahrungssache. Ein riesiges Holzstück etwa, das der Autor dieses Artikels als solches zu erkennen meint, stellt sich als der Grund in Ufernähe heraus. Das Fächerlot analysiert 800 Punkte pro Quadratmeter und deckt rund 35 Meter ab, das Vorgängermodell Echolot schaffte nur 100 Punkte.


So knapp am Ufer sollte ansich weder ein Schiff noch eine Nussschale unterwegs sein. Die Viadonau muss aber auch diesen Bereich vermessen. "Diese Gegend ist immer eine Herausforderung. Man muss viele Dinge gleichzeitig im Aug behalten. Junge Menschen, die am Computer zocken tun sich da viel leichter. Kein Scherz", meint Loibl.


foto: viadonau
Mit diesen Fächerlot-Sensoren wird die Donau das ganze Jahr vermessen.


Die technische Weiterentwicklung und auch die Digitalisierung spielen im Wasserstraßenmanagement eine entscheidende Rolle. "Wir können viel schneller und flexibler reagieren. Früher wurden im Winter Daten ausgewertet und Karten erstellt, im Sommer wurde gemessen", erklärt Held. Jetzt passiert alles simultan. Alte Daten haben in der Schifffahrt nichts mehr verloren – vor allem nach Hochwassern. "Bei einem Hochwasser bleibt kein Stein auf dem anderen, alles muss neu vermessen werden, vor allem die Bereiche vor den Schleusen", berichtet Held. Üblicherweise werden Schifffahrtssperren erst dann wieder aufgehoben, wenn Baggerungen durchgeführt wurden und die Schifffahrtsrinne wieder die nötigen 2,5 Meter Tiefe erreicht hat.

Die Position der Viadonau ist laut eigenen Angaben nicht immer ganz einfach. Einerseits setzt sie sich dafür ein, die Donau als Wasserstraße für Transporte und Tourismus zu stärken, andererseits spielt sie eine entscheidende Rolle bei Renaturierungsmaßnahmen und Umweltschutz. Beispielsweise werden neue Seitenarme angelegt, um die lokale Flora und Fauna zu beleben. Mit dem Nationalpark Donauauen besteht dafür eine enge Kooperation.


foto: viadonau
Ein kleiner Ast ragte aus dem Wasser, daran hing eine knapp 20 Meter lange Mooreiche.


Schnelles Finden Der technische Fortschritt lässt die Anzahl der Funde abnehmen. Als das Fächerlot erstmals zum Einsatz kam, fand die Viadonau im Bereich Freudenau südlich von Wien auf Anhieb elf Autos. Deshalb würden meist sie angefordert, wenn ein Auto ins Wasser stürzt. Das Fächerlot findet alles viel schneller als Taucher. Und aus demselben Grund gibt Held zu bedenken: "Besonders geeignet ist die Donau nicht mehr, wenn man etwas verschwinden lassen möchte – aber nach wie vor geeigneter als der Donaukanal oder der Neusiedler See", er grinst und steigt vom Schinakl. Sogar die Sonne hat sich mittlerweile wieder herausgetraut. (Andreas Danzer, 9.6.2018)

Mehr zu Viadonau

Quelle:
Panzer, Leichen und Traktoren – die Donau und ihre Geheimnisse - derStandard.at
 
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josef

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#9
In den Kommentaren zum "Standard-Artikel" fand ich folgende Verlinkungen zum Marine-Archiv:

1528632259478.png

Unbekanntes, gesunkenes Schiff bei Donau-Ufer

...Die ich auch im Detail weitergebe:

Peter K.:
Servus Landsmann!


Wie TD bereits geschrieben hat, besuchte ich im Sommer 2012 einen Zeitzeugen in Wallsee, der als 13-jähriger die Ereignisse am 06.05.1945 erlebt und mir durchaus eindringlich geschildert hat:

Demnach trafen die beiden deutschen Artillerieträger AT 916 und AT 917 auf US-Panzer der 11. Panzerdivision, die vom linken Donauufer herübergeschossen haben. Drei US-Panzer sollen zerstört worden sein, bis auch die Artillerieträger schwer getroffen wurden. Einer, vermutlich AT 917 (nach Gröner aber AT 916), wurde bei km2088,5 gesprengt, kam aber offenbar erst bei km2086 mit starker Schlagseite und bis zu den Aufbauten im Wasser liegend am rechten Donauufer zum Stehen. Das soll sehr dramatisch ausgesehen haben, denn nur die zum Ufer hin geschwenkten Geschütze schienen den Rumpf abzustützen und dessen völliges Umkippen zu verhindern. Teile dieses Artillerieträgers wurden später abgewrackt, aber etwa ein Drittel des Bootes soll noch vorhanden sein. Auf dem zweiten Artillerieträger, vermutlich AT 916 (nach Gröner aber AT 917), ereigneten sich zunächst zwei Explosionen, wovon die zweite sehr heftig gewesen sein soll (Selbstversenkung ?). Der Artillerieträger sank bei km2091 und wurde später nach dem Abbergen der Restmunition abgebrochen. Im Zuge dieses Gefechtes soll außerdem noch ein "Schnellboot" (vermutlich ein Motorboot) am DDSG-Anleger auf km2093 von US-Panzern zusammengeschossen worden sein, wobei nur zwei Mann der Besatzung überlebten. Das Zugschiff PODRINJE mit 30.000 Verpflegssätzen wurde von US-Panzern am sogenannten Ledererhaufen - zwischen km 2091 und km2093 - vernichtet (laut Gröner aber am 07.05.1945 bei km2087).
... soweit der Zeitzeuge!


Bei den Stromkilometerangaben muss man Vorsicht walten lassen, weil sich der Stromverlauf nach Kriegsende durch den Kraftwerksbau durchaus auch im fraglichen Bereich veränderte - für ungefähre Angaben ist das aber ausreichend!

Deine Fotos sind toll! top
Wirklich verwertbare Dinge sind meiner Ansicht nach dennoch leider nicht zu erkennen. Lediglich die Poller wären ein Anhaltspunkt, von denen ich allerdings nicht glaube, dass sie zu einem Artillerieträger gehören.
Meine beiden Bilder hänge ich ´mal an, aber erstens hatte ich nicht so wunderbares Niedrigwasser und zweitens war ich damals nach meiner Operation noch in meiner Mobilität eingeschränkt.


Ein Foto von AT 917 haben wir dank KARSTEN im HMA!
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kgvm:
Vielleicht würden ein paar Bilder vom Wasser aus noch zusätzliche Details verraten?
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TD:
Hallo Peter,
nun ist ja die Grobfassung deiner Forschungsreise "im Netz"


Klarheit könnte hier ja wohl nur noch das KTB der 11. US- Panzerdivision bringen.

Normal gesehen dürfte so ein Schiff- Panzergefecht auch für die US- Streitkräfte nicht alltäglich gewesen sein und hat daher mit Sicherheit im KTB Einzug gehalten.

Nochmals Dank für die Schilderung
Theo

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Und zur technischen Beschreibung des Marinefährprahm F 917 (AT 917): HMA
 

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josef

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#10
Habe auf der Ö-Karte 1:50.000 versucht, die im Forum Marinearchiv genannten Örtlichkeiten einigermaßen zu lokalisieren:

Da es zu den beiden Artillerieträgern divergierende Nummern gibt, ließ ich diese weg!

1. Artillerieträger, von dem noch Reste in der Donau liegen sollen:
1528650308271.png
Km 2088,5 Treffer - dann abgetrieben und endgültig gekentert Km 2086 NW von Ardagger Markt - lt. Bericht noch Reste vorhanden!

2. Artillerieträger abgewrackt bzw. nichts mehr vorhanden
1528650646055.png

Km 2091 zerstört, unterhalb Wallsee

3. Zerstörung eines Schnell- bzw. Motorbootes beim DDSG-Anleger Km 2093
1528650795849.png

4. Zugschiff PODRINJE - ebenfalls durch US-Panzer vernichtet - 2 Varianten:
1528650974021.png Variante Km 2087 oberhalb Ardagger Markt
und

1528651047247.png
Variante zwischen Strom-Km 2091 - 2093 unterhalb Wallsee

Alle Kartenausschnitte AMAP- ÖK50
 
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#11
Habe die diversen Action Reports der verschiedenen Einheiten der 11th AD gelesen. leider ist hier kein Hinweis auf ein Panzer-Schiffs Gefecht zu finden.

Cerberus9
 

josef

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#12
Da ist mir ein Lapsus bei der Kartenbeschriftung passiert:(:
Bei Karte 4, Variante 1 muss es richtig PODRINJE statt PODRONJE heissen!
Bitte um Vergebung :)

lg
josef
 
#13
Mein Vater war Maschinist auf einem der beiden Artillerieträger. Nach Recherchen im HMA handelte es sich bei den beiden AT 916 und 917 um Artilleriefährprame Typ AF D3. Als Bewaffnung hatten sie aber neben den 2 cm und 3,7 cm Flakgeschützen nicht die zum Typ D3 gehörenden 10,5 cm Geschütze, sondern 8,8 cm Kanonen, wenn ich mich an die Erzählungen meines Vaters richtig erinnere. Vielleicht war der aufwändige Umbau für die sehr viel stärkeren Geschütze nicht mehr durchführbar, vielleicht standen auch nur mehr 8,8 zur Verfügung.

Als klar war dass der Krieg sehr bald vorbei sein wird, sind die beiden Artillerieträger, möglicherweise gemeinsam mit weiteren Schiffen, so schnell wie möglich Donau aufwärts den Amerikanern entgegen gefahren, um nicht in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten. Am Struden der damals noch sehr viel gefährlicher war als nach der Sprengung der Felsen unter Wasser in der Nachkriegszeit, haben sie große Teile der noch vorhandenen Munition in die Donau geworfen, um an dieser Stelle leichter manövrieren zu können. Die Munition ist bei den Sprengungen vielleicht mit explodiert.

Als sie dann sicher waren, im Bereich der Amerikaner zu sein, haben sie an einer passenden Stelle angelegt und sich freiwillig den Amerikanern gestellt.

Von einem Gefecht hat mir mein Vater, der vor mehr als 25 Jahren gestorben ist, nichts erzählt Nach kurzer Internierung und Überprüfung wurden sie wieder freigelassen, und mein Vater kehrte dann nach Wien zurück sobald das möglich war

Ob sie die Artillerieträger selbst versenkt haben weiß ich nicht, möglich wäre es aber. Vielleicht haben später amerikanische Panzer auf die am Ufer liegenden, einigermaßen martialisch aussehenden "Kriegsschiffe" geschossen und sie damit endgültig versenkt.
 

josef

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#14
...Von einem Gefecht hat mir mein Vater, der vor mehr als 25 Jahren gestorben ist, nichts erzählt Nach kurzer Internierung und Überprüfung wurden sie wieder freigelassen, und mein Vater kehrte dann nach Wien zurück sobald das möglich war

Ob sie die Artillerieträger selbst versenkt haben weiß ich nicht, möglich wäre es aber. Vielleicht haben später amerikanische Panzer auf die am Ufer liegenden, einigermaßen martialisch aussehenden "Kriegsschiffe" geschossen und sie damit endgültig versenkt.
Danke für die Infos!
Könnte dazu passen:
Habe die diversen Action Reports der verschiedenen Einheiten der 11th AD gelesen. leider ist hier kein Hinweis auf ein Panzer-Schiffs Gefecht zu finden...
lg
josef
 
#15
Es gibt Neuigkeiten, die den Erzählungen meines Vaters komplett widersprechen.

Aus Kanada bekam ich gestern die sehr detailliert eingescannten ersten 11 Seiten des Tagebuchs eines Maschinisten auf dem AT 916, das er dann in der französischen Kriegsgefangenschaft geschrieben hat und das am Morgen des 6.5.1945 beginnt.

Teilweise ist es leicht zu lesen, teilweise sehr schwer. Die ersten zwei Seiten habe ich großteils entziffert, dann habe ich nur mehr weiter gelesen.

Er berichtet sehr detailliert von der Fahrt der beiden AT und des "Schleppers" (MS?) Oder donauabwärts von Mauthausen(?) Richtung Ips (Ybbs an der Donau) und von dem Gefecht zwischen den amerikanischen Panzern und den beiden Artillerieträgern am Nachmittag des 6.5.1945 in der Nähe von Wallsee. Mein Vater hatte übrigens am 7.5. seinen 21. Geburtstag.

Allerdings gibt es auch einige Unstimmigkeiten.

Was nicht stimmen kann ist die Liegestelle zu Beginn. Die bis zum Bau des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug extrem wichtige Signalstelle Tiefenbach, die früher auch Rote Mühle hieß, liegt stromaufwärts vor der Einfahrt in die damals sehr gefährlichen Strudel und Wirbel des Strudengaus, also ein Stück weit unterhalb der Fundstellen der Wracks bei Wallsee, und er schreibt ja, dass die beiden Artillerieträger und der Schlepper "Oder" aus dem Raum Mauthausen (?) stromabwärts Richtung Ybbs an der Donau ("Ips") fuhren.

Der Schlepper "Oder" war sicher nötig, um die beiden Artillerieträger durch den Struden zu bringen, da die AT zu wenig Motorleistung hatten und aufgrund ihrer Bauform aus eigener Kraft kaum durchgekommen wären.

Hier könnt ihr die Beschreibung einer Durchfahrt knapp vor Fertigstellung des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug lesen, um euch das vorstellen zu können: http://www.sanktnikolatv.at/index_htm_files/Der Entschaerfte Strom.pdf

Wahrscheinlich war der Schlepper "Oder" auch schon bei der Bergfahrt nötig, um die beiden AT da durchzubringen.

Auch der Name "Oder" ist komisch. Bis jetzt habe ich immer von einem Schlepper "Podrinje" gelesen. kann es sein, dass der in "Oder" umbenannt wurde? Oder haben die Matrosen den einfach umgetauft, da ihnen der andere Namen nicht gefiel?

Da mich der nette Kanadier über das Forum Marinearchiv gefunden hat, werde ich dort ausführlich berichten. Wenn Interesse besteht, dann kann ich den entzifferten Text gerne auch hier veröffentlichen.

Hier der Link zum Thread im Forum Marinearchiv: Unbekanntes, gesunkenes Schiff bei Donau-Ufer

Wenn mir jemand beim Entziffern helfen will, dann soll er mir eine private Mail schicken. Beiliegend die verkleinerte erste Seite des Tagebuchs.
 

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josef

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#16
Es gibt Neuigkeiten, die den Erzählungen meines Vaters komplett widersprechen.
Vorerst besten Dank für die Infos!
Alleine von der Logik der damaligen Situation und strategischen Lage her kann ich mir nicht vorstellen, dass das Gefährt donauabwärts fuhr! So wären sie ja von den Amis weg zu den Russen gefahren! Vermute, der gute Mann hat die Richtung der Fahrtstrecke verwechselt und es müsste von Ybbs nach oder Richtung Mauthausen heißen!
 
#17
Nein, das ist ganz eindeutig, was er schreibt (originale Orthographie):

6.5.45 bei Wallsee

Die letzte Fahrt der AT 916

Es war ein herrlicher Maitag, die Sonne ging schon früh auf, sodas der Wald mit seiner Vogelwelt lebte das war ein Genuss als ich an Bord kam. In dieser herrlichen Morgensonne spiegelten sich die AT u. Oder in der Donau die so ruhig dahinfloss, als wenn gar nichts in der Welt zuginge ?? Unfähigkeit der Völker. So ungestört setzte die Natur Ihren alten (?) Weg fort, in Friedlicher form (?). Wogegen die Völker um das letzte Ende des Krieges ringen den es war nun 6.5. aber ein paar Tage aber ein paar Tage vor dem Zusammenbruch und die N?? Deutschland. So hat ?? ?? und die Leidenszeit vom 6.5. gleich durchgemacht. Deshalb möchte ich auch mit dem 6.5. mit dem Aufschreiben ?? anfangen, es war ja der Beginn meiner Leidenszeit in der Kriegsgefangenschaft. Die Boote AT 916 – 917 sowie Schlepper Oder lagen in der Nähe der Signalstelle Rote Mühle bei Mauthausen(?), am Waldrand getarnt: Wie gewöhnlich ging der Dienst auch am 6.5. Sonntag seinen Gang und fing mit der M?? an. Ich hatte bloss noch ein schweren Kopf vom Vorabend, da wir auf der 17 mal wieder stark gefeiert hatten in der K?? von Paul Walther meinem alten Freund schon aus der ??zeit her, und mit der Schule in Amsterdam auf M?.II
So fuhr er 917 und ich 916 als leitender Maschinist. Ferner ?? ?? Kommandant von Oder und H?? Bergmann die Seemanns?? ??. Wir hatten ausgemacht am Sonntag nach der M?? die Feier auf 917 fortzusetzen. So meldete ich mich nach der Musterung beim Alten ab nach 917 um da wegen der Wasserbomben zu ??? , die wir vor Tagen ge?? Haben, der kurzen Zeit entsprechend, um mit diesen W.B. den schönen AT zu sprengen. Aber der alte Hr. Hipp hat doch wohl Lunte gerochen und meinte wir werden vor dem Vormittag noch ablaufen(?). Ich selber hatte ja auch den Kopf zum Platzen, aber ein P?? w?? mich nicht gesch?? so viel die W. Bombenbesprechung aus, worüber ich in B?? war. So machte ich mich mit dieser zu schaffen um die in Maschinenraum anzubringen. Holte mir mein Heitzer noch dazu, um die W.B. runterzulassen. Als wir damit beschäftigt waren kam auch der Alte dazu, als er dan sah was wir anstellten, meinte er wir sollen man das aufgeben er wolle erst von Bord, ??? Damit nichts passiert. Er ging von Bord zum 17 um da mit ObLtn. Mathiesen zu besprechen. So setzte ich meinen Willen durch, was auch gut war, als wenn das eine Ahnung war, was am? Tage noch passierte. Hätten wir die nicht in den Maschinenraum gebracht wäre es bös ausgegangen. Da ?? Einschläge oben? Gerade wo die gestanden hat, ?? hätten wir viele Verluste erlitten. Als wir die ?? ?? in Maschinen Raum machten wir die ?? zum sprengen. Der Alte kahm vom 17 zurück, ich meldet ihm das die W. B. unten ist und ?? sprengen. Darauf meinte er es ist wohl auch gut, das die unten ist, das er noch Funkspruch(?) abwarten tät, wir werden wohl in kürze den ?? nach Ips laufen. So machte ich gleich Maschinen klar, ?? das alles noch mal nachzusehen wird jeder seine Station. Damit ging der schöne Sonntag Vormittag auch hin. Nach dem ?? war Landgang in Rufnähe. Ich ging zur 17 um Paul Walther einzuladen zur ??, es gab mal wieder gute ?? mit ??, aber unsere ??????
Soweit Luft machten. Auf 17 ?? sich ?? von Oder Herr Bergmann ein, so wurde die Besprechung vortgesetzt, mit dem alten Birnschnaps. Dabei wurde aber schon gesagt, das die Oder nicht mehr durch den Struden fährt und viele vom 17 auch nicht. Inzwischen kam der Alte auch auf 17, so mußte Paul und ich in die ?? des Mathiesen ?? wo wir auch noch ein erhielt, meinten aber gleich das wir es heute nicht so doll machen. Gegen 16 Uhr kriegten wir den Bescheid das der Funkspruch eingegangen ist, wir gleich ablegen. So ging ich zum AT 916 zurück um die Maschinen anzuschmeissen. Meldete Maschinen klar, so ging auch die ?? gleich los. ??
Mehr in gemeinschaftlicher Feier. Wir fuhren wie immer als 1. Boot, dann folgte 17 Oder. Es war das ?? ein herrlicher Sonntag, als wenn diese uns zur letzten Fahrt ?? ?? ??. So ging es abwärts. Alle Boote die am Ufer lagen winkten uns freudig zu, auch die Ungarn, die wir ja schon alle kannten. Als wir nach Wallsee kamen lag die H??
Alle winkten uns freudig zu das wir abwärts fuhren wünschten uns viel Glück baldiges Wiedersehen. . . .


Sobald ich mehr habe, gibt es ein Update.
 

josef

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#18
Nein, das ist ganz eindeutig, was er schreibt (originale Orthographie):
Wirklich merkwürdig, aber er schreibt ja tatsächlich "Alle winkten uns freudig zu das wir abwärts fuhren wünschten uns viel Glück baldiges Wiedersehen. . . ." ???

Die US-Truppen kamen bereits am 5.5. bis zur Enns südlich der Donau und Spähtrupps gelangten am Nordufer bis Mauthausen!!!
Während sich die Front zu den Russen am 6. u. 7.5.45 an der Donau noch fast genau 100 km ostwärts von Wallsee bei Hollenburg (Strom km 1990) befand und sich erst am 8.5. in den Morgenstunden auflöste...
 
#19
Die Amerikaner waren südlich der Donau am Nachmittag des 7. Mai in Strengberg. Jedoch keine Panzereinheit. Nur eine Vorausabteilung. Diese hatte Jeeps und max. M8 Greyhound im Einsatz. Und zur Donau ist es auch noch ein Stück.
Am Nordufer waren sie zu diesem Zeitpunkt in Mauthausen bzw. St Georgen. Also auch noch ein sehr gutes Stück weiter westlich.
Die Russen hingegen waren südlich der Donau erst am 8.5. in Strengberg. Die jedoch mit richtigen Panzern.
Woher weis der Verfasser das es amerikanische Panzer waren welche auf sie schossen?
Vor dem 7. Mai machten die Amerikaner, 41st Cav. Sq., Aufklärung nach Osten sowohl südlich als auch nördlich der Donau. Dabei wurden aber keine Panzer verwendet.

Die Talfahrt lässt sich ev. damit erklären, dass der Auftrag darin bestand noch anderen Schiffen bei der Bergfahrt zu helfen.

lg

Cerberus9
 

josef

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#20
Der östlichste Punkt im Donautal bis zu dem US-Aufklärungskräfte vordrangen war bei Aggsbach Markt am linken Ufer zwischen Spitz und Emmersdorf. Dort soll es am 8.5. zu einem kurzen Waffengeplänkel zwischen Amis und Russen gekommen sein...und die Amis zogen sich vor den nachrückenden Russen wieder nach Westen (donauaufwärts...) zurück.
 
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