Im Kanton Aargau entsteht die größte Redox-Flow-Batterie der Welt

josef

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Energie
In der Schweiz entsteht die größte Redox-Flow-Batterie der Welt
Die 2,1-GWh-Anlage entsteht bis 2029 unter einem künftigen Technologiezentrum. Ihre Outputleistung soll mit der eines AKW vergleichbar sein
Im schweizerischen Laufenburg gräbt man tief. 27 Meter, um genau zu sein. Und das auf eine Länge und Breite, die etwa zwei Fußballfeldern entspricht. Es ist, ohne Zweifel, ein wirklich imposantes Loch. Nun begibt es sich freilich, dass hier nicht aus Spaß an der Freude gebuddelt wird. Auch wurde im Kanton Aargau keine antike Stadt entdeckt, die es freizulegen gilt. In der großen Grube wird nämlich eine Flussbatterie installiert. Und die soll, so verspricht das zuständige Unternehmen Flexbase, die größte der Welt werden.


Die Baustelle in Laufenburg besteht derzeit noch vor allem aus einem sehr großen Loch.
Flexbase

Riesige Kapazität
Gemeint sind damit nicht nur die opulenten Baudimensionen, sondern vor allem die sprichwörtlichen inneren Werte. 2,1 Gigawattstunden an Energie sollen sich darin speichern lassen, potenziell sogar mehr. Laut Flexbase entspricht das dem Strombedarf von 210.000 Haushalten über 24 Stunden – oder jenem von einer Million Haushalten über rund fünf Stunden.

Und der Akku soll auch hohe Leistung bei der Aufnahme und Abgabe von Energie erbringen können, nämlich bis zu 1,2 Gigawatt. Das entspräche in etwa jener Leistung, die das Kernkraftwerk Leibstadt nahe der deutschen Grenze erbringt. Energie in die Redox-Flow-Batterie einspeisen werden allerdings primär Windräder. Als großer Speicher soll die Konstruktion nötigenfalls auch als Puffer für das Stromnetz fungieren. Zum Vergleich: Die zweitgrößte Batterie dieser Art befindet sich im chinesischen Xinjiang und läuft seit Anfang 2025 im Vollbetrieb. Sie kann bis zu 175 Megawatt an Leistung liefern und verfügt über eine Kapazität von 700 Megawattstunden.

Neues Interesse an alter Technologie
Eine Redox-Batterie setzt auf zwei durch eine Spezialmembran getrennte, flüssige Elektrolyte. Diese werden mit Umwälzpumpen in getrennten Kreisläufen in Bewegung gehalten. Die Ionen bewegen sich in einer eigenen Kammer (Zellstack) durch die Membran von einem ins andere Elektrolyt und passieren dabei die Kathode bzw. Anode. In welche Richtung der Fluss erfolgt, hängt davon ab, ob die Flussbatterie gerade geladen oder entladen wird.


Vereinfachtes Schema für den Aufbau einer Redox-Flow-Batterie.
Wikimedia Commons/Nick B./CC-BY-SA 3.0

Dabei geschieht beim Kontakt mit der Anode eine Oxidation. Die geladenen Teilchen im Elektrolyt geben also Ionen ab, die über einen äußeren Stromkreis abgeleitet werden. Lädt man die Batterie, werden die Ionen über diesen Stromkreis zugeführt und bei der Reduktionsreaktion an der Kathode von den Teilchen im Elektrolyt aufgenommen. Aus den beiden Reaktionsbezeichnungen leitet sich auch die Bezeichnung "Redox" (Reduction + Oxidation) ab.

Nachverfolgen lässt sich die Technologie bis ins späte 19. Jahrhundert. Von etwa 1950 bis 1970 wurde sie von der NASA weiter beforscht und verbessert. Seit einigen Jahren ist das Interesse an Flussbatterien nicht zuletzt dank ihres Potenzials als Pufferspeicher stark gestiegen. Damit sind sie ein Teil der Lösung des Problems, dass der Ertrag mancher Energieträger – speziell Solar- und Windenergie – stark fluktuieren kann.


Einem wirklich sehr, sehr großen Loch.
Flexbase

Während ihre Energiedichte, sowohl nach Volumen als auch nach Masse, nicht besonders hoch ist, zeichnen sie sich durch relativ einfache Wartung und hohe Sicherheit aus. Zudem lassen sich Materialien einsetzen, die im Hinblick auf die Umwelt verhältnismäßig unbedenklich sind. Der genutzte Elektrolyt für die Batterie in Laufenburg besteht laut Flexbase zu 75 Prozent aus Wasser. Umgesetzt wird hier eine Vanadium-Redox-Flow-Batterie, deren Energiedichte bei maximal 40 Wattstunden pro Kilogramm bzw. 35 Wattstunden pro Liter liegt. Das entspricht etwa einem Fünftel vieler Lithium-Ionen-Akkus.

Kapazität und Leistung sind über Tanks und Membranen getrennt skalierbar. Die Lebensdauer wird häufig mit bis zu 20.000 Lade-/Entladezyklen beziffert, was sich auf den Zellstack mit Membranen und den Elektroden bezieht. Diese lassen sich allerdings austauschen bzw. überholen, während der Elektrolyt selbst über verschiedene Verfahren "aufgefrischt" werden kann, um seine ursprüngliche Kapazität wiederzuerlangen.


So soll das Technologiezentrum Laufenburg künftig aussehen.
Flexbase

Riesenakku soll bis 2029 in Betrieb gehen
Laut Swissinfo soll der Riesenakku spätestens 2029 in Betrieb gehen. Zudem entsteht darüber auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern das Technologiezentrum Laufenburg, das schon 2028 eröffnet werden soll. Es wird auch über eine Photovoltaikfassade verfügen, die sich auf 11.000 Quadratmeter belaufen und zu Spitzenzeiten einen Output von zwei Megawatt liefern soll. Teil des Komplexes ist auch ein KI-Rechenzentrum. Dieses soll bei Bedarf bis zu 480 Megawatt über den Akku abrufen können. Die Abwärme des Rechenzentrums soll wiederum ins Fernwärmenetz eingespeist werden.

Finanziert wird das Projekt von privaten Investoren. Die Endkosten stehen noch nicht fest. Sie sollen sich im Bereich von einer bis fünf Milliarden Schweizer Franken (1,1 bis 5,5 Milliarden Euro) bewegen.
(Georg Pichler, 5.5.2026)
In der Schweiz entsteht die größte Redox-Flow-Batterie der Welt
 
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