Im Laxenburger Schlosspark

Joa

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#1
Der Mariannentempel auf der Marianneninsel im Laxenburger Schlosspark

Im Jänner 2017 nach Tagen frostiger Temperaturen betrat ich die Insel, um das geheimnisvolle Gebäude zu besuchen, welches mir durch dichtes Laub schon bei vorangegangenen Besuchen aufgefallen war.

Die Marianneninsel

Koniferen umringten auch das Lusthaus auf der Marianneninsel, das erst ab 1837 Kaiser Ferdinand I. für seine Frau Maria Anna errichten ließ.

Größere Gruppen von Laubbäumen und Föhren standen und stehen bis heute entlang des Ufers, dazwischen reichte die Wiese bis zum Wasser. Das Lusthaus selbst stand auf einem großen, freien Platz. Die Insel war durch eine Brücke mit dem Festland verbunden.

Heute ist die Marianneninsel vom Festland aus nicht mehr erreichbar, auch das Lusthaus ist durch die Kriege schwer beschädigt worden und dem entspricht leider auch der derzeitige Bauzustand. In weiterer Folge ist jedoch - abhängig von der finanziellen Seite - seitens der Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft mbH an eine Neugestaltung dieses Lusthauses gedacht. Textquelle

Es war ein schöner sonniger Wintertag, als ich die Insel besuchte
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ich wagte den Übergang über das Eis
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geschafft, Rückblick
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beim Mariannentempel angelangt
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Joa

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#4
Aufstieg Hoher Turm und Rundgang über die Dächer der Franzensburg

Den Laxenburger Schlosspark habe ich schon öfters besucht und heute möchte ich den Thread mit Bildern von der Führung über die Dächer der Franzensburg erweitern.

Die Franzensburg ist eine Wasserburg im Bezirk Mödling in Niederösterreich, die zwischen 1801 und 1836 im Stil einer alten Burg errichtet wurde. Der Name rührt vom damaligen Kaiser Franz II. bzw. I., der sie mitten im Schlosspark als Museum neben den bereits bestehenden Schlössern von Laxenburg auf einer künstlichen Insel im Parkteich errichten ließ. Quelle Wiki

Die Franzensburg mit ihren verschiedenen Türmen, Toren, Bastionen, Pechnasen, Dachreitern, Wetterfahnen und dem von Professor Maissner eingerichteten Glockenspiel genießt nicht nur im Inneren einmalige kulturhistorische Bedeutung, der Aufstieg auf den Hohen Turm mit seinem Rundumausblick bis weit in das Umland hinein und der Rundgang über die Dächer sind faszinierende Eindrücke.

Etwa 160 Stufen sind bis zur Plattform des Hohen Turmes zu überwinden. Beeindruckend ist auch heute noch der Ausblick auf die Anlage der Ritterburg, die in Anlehnung an mittelalterliche Festungen als Wehranlage mit allen erdenklichen Verteidigungssystemen ausgestattet wurde. Am höchsten Punkt des Turmes befindet sich bis heute die Warnglocke, die im Ernstfall die Burgmannschaft zur Verteidigung mobilisiert hätte; in der Franzensburg freilich nur Fiktion und zum Amusement der kaiserlichen Familie.

Vom Hohen Turm und vom an der Wehrmauer gelegenen „Lugeck" aus kann der „Feind" erspäht und sein Näherkommen gemeldet werden. Türme wie Ringmauern sind mit Zinnen und Pechnasen bewehrt und entlang der Mauer des Inneren Burghofes befindet sich ein Wehrgang, die sogenannte Mordgalerie. Zwei mit Fallgittern und ursprünglich sogar mit Zugbrücken ausgestattete Tore bieten Schutz, Fenster sind nur in höherer Lage in die Außenmauer eingesetzt. Sind die „Verteidiger" der Burg zur Aufgabe gezwungen, so können sie dies vom „Kapitulationsbalkon" auf der Seite des Schlossteichs aus signalisieren.

Von der Plattform des Turmes genießt man auch heutzutage einen traumhaften Ausblick über den Schlosspark, aber auch nach Wien, den Wienerwald, den Schneeberg bis hin zum Leitha- und Rosaliengebirge. Franz de Paula Gaheis konnte bei einem seiner Besuche nach 1801 sogar die in der Nähe von Baden liegende Ruine Rauhenstein und die „Spitze des St. Stephansthurmes" in Wien ausnehmen. Auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie, das die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen lässt. Textquelle

Impressionen vom Aufstieg auf den Hohen Turm und den Rundgang über die Dächer der Franzensburg
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Rückblick von der Fähre auf die Franzensburg
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Joa

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#7
Die ehemaligen Eiskeller im Schlosspark

Anlässlich der verschiedenen Veränderungsphasen im Alten Schloss wurden schließlich im Schlosspark - in unmittelbarer Nähe zum Alten Schloss - Erd- und Eiskeller, die „Hofeiskeller", angelegt. Das Eis wurde dazu von dem nahen Schlossteich bei der Franzensburg über den sogenannten „Eisweg" bis zu den Hofeiskellern gebracht.

Über die Eisgewinnung, deren Transport und Lagerungsmethoden von Laxenburg liegen gegenwärtig keine nachweislichen Aufzeichnungen vor. Entsprechende Überlieferungen ähnlicher Einrichtungen z. B. in Retz, aber auch im Schloss Kirchstetten - Weinviertel, lassen jedoch folgende Methode realistisch erscheinen:

Das Eis musste dafür stark - sicherlich über 20 cm - genug, das heisst tragfähig, sein um gefahrlos darüber laufen zu können. Erst dann begann die „Eisgewinnung" für die Erd- bzw. Eiskeller. Jährlich in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester, wenn die Eisstärke im Teich ihren Maximalwert von 18 bis 20 cm erreicht hatte, wurden große Eisplatten mittels Hacken, aber auch Sägen, aus dem Eis geschlagen und mit Eishaken über vorher planierte Schneebahnen an das Ufer gezogen.

Dort wurden die Platten auf Holzpfosten senkrecht aufgestellt, damit Schmelzwasser abrinnen konnte; nach 2 Tagen wurden die Platten umgeworfen, in tragbare Stücke von ca. 20 bis 25 kg Gewicht zerschlagen, händisch auf Pferdewagen (nicht Schlitten) geladen und zu den Eiskellern transportiert.

Die Kutscher hatten dicke Filzstiefeln - die mit Jutesäcken umwickelt waren - an den Füßen. Beim Erd- bzw. Eiskeller angelangt, wurden die Eisblöcke abgeladen und in die vorhandenen Eiskeller abgelagert.

Das Eis wurde zuerst durch die seitlichen, später durch die teilweise vorhandenen oberen Öffnungen, in die Grube geworfen und dort von zwei Mann in etwa faustgroße Stücke zerschlagen, verteilt und verdichtet. Sobald die Grube gefüllt wer, verschloss man die seitlichen Eingänge mit Eisplatten und Brettern und füllte dann den gesamten Raum bis knapp zur Decke weiter an. Nachdem die Männer den Keller durch die Deckenöffnung verlassen hatten, wurden diese mit Brettern und Erde verschlossen. Erst ab dem Frühjahr wurde durch diese Öffnung dann nach Bedarf das ganze Jahr über Eis entnommen. Der Eisvorrat reichte bis Ende August, oft bis in den September hinein und hielt somit die Lebensmittel über das gesamte Jahr hindurch kühl.

Die Hofeiskeller von Laxenburg sind ein zur Hälfte in den Boden versenkter Ziegelbau mit acht seitlichen Eingängen. Das Gewölbe mit runder Öffnung ist zur Isolierung mit Erde - und zwischenzeitigem Baumbestand - überdeckt.

Bei den Hofeiskellern im Schlosspark von Laxenburg handelt es sich um eine im österreichischen Raum einmalige vorhandene und erhaltenswerte Bausubstanz von besonderen kulturhistorischen und denkmalschützerischem Wert.

Die Hofeiskeller im Schlosspark Laxenburg wurden durch die Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft m. b. H. erst im Jahre 1995 von den bis dahin mit Schutt und anderen Ablagerungen aus der Nachkriegszeit geräumt.

Derzeit sind die Hofeiskeller aber aufgrund der baulich fehlenden Substanz gesperrt und können nur von außen besichtigt werden. Eine Revitalisierung bzw. geeignete Nutzung wird aber für die Zukunft angestrebt. Text- und Planquelle

Ein Plan vom Schlosspark
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Unter diesem grünen Hügel befinden sich die Eiskeller
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die Eiskeller sind abgesperrt, bei zweien war aber ein Eintritt möglich
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Joa

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#8
Das grüne Lusthaus

Dieser luftige und zauberhaft erscheinende Treillagepavillon aus der Zeit um 1760 war ein Lieblingsaufenthaltsort der Kaiserin Maria Theresia, die hier des öfteren Karten spielte.

Die Göttin der Jagd erinnert uns daran, daß Laxenburg ursprünglich ein Jagdpark mit Fasanen, Rehen und Reihern war. Der Rokokopavillon steht inmitten eines Jagdsternes, der hier zur Gartenschmuckform ästhetisiert wurde.

Das Grüne Lusthaus (die heute bekannte Bezeichnung für diesen Dianatempel) steht im geometrischen Zentrum des so genannten Waldsterns, einem der ältesten gestalteten Teile des Schlossparks. Vom diesem Lusthaus ausgehend verlaufen 8 Sichtachsen in den Schlosspark, die wichtigeste Achse stellt einen Sichtbezug zum Concordiatempel im südlichen Teil des Schlossparks dar. Diese gartenarchitektonische Gestaltung stammt noch aus der Zeit von Kaiserin Maria Theresia und entspricht voll und ganz dem barocken Gartengedanken. Trotz der landschaftlichen Umgestaltung des Schlossparks unter Kaiser Franz II./I. ist uns diese wohl einmalige Gestaltung als wichtiger Zeitzeuge der Gartenkunst vergangener Jahrhunderte erhalten geblieben.

Von der Mitte des grünen Lusthauses gibt es wunderschöne Ausblicke in alle Richtungen, denn die Sichtachsen reichen weit über den Waldstern, den angrenzenden Alleestern und die Englische Anlage mit dem Concordiatempel in die freie Landschaft hinaus. In früheren Zeiten war sogar die Sicht auf die Kirche von Mödling ebenfalls sehr geschätzt. Heute kann man durch diese Achsen herrliche Ausblicke in den Schlosspark erleben und gerade dieses einzigartige Ambiente macht das grüne Lusthaus zu einem beliebten Treffpunkt.

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Agamemnon
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Ein köstlicher und launiger Text, welcher ua. das Deckengemälde im Dianatempel beschreibt, ist absolut lesenswert und er stammt von Helmut Suck. Textquelle

Wem es interessiert warum dieser „in grün und weiß und gold bemalte Pavillon früher als „Dianatempel“ bezeichnet wurde, der braucht nur einen Blick auf das Decken-Fresko des Pavillons zu werfen. Dann ist alles klar. Oder?
Das Rundbild zeigt eine Episode aus der griechischen Mythologie. Genauer gesagt, es geht um den Trojanischen Krieg. Die ganze Geschichte ist ziemlich verwickelt und reichlich kompliziert, dazu spielen derart viele Personen mit, daß man glauben möchte halb Hellas wird namentlich erwähnt. Also erlaubt mir bitte die auf dem Fresko dargestellte Episode mit meinen eigenen Worten zu beschreiben. Also: Der auf dem Deckenfresko dargestellte, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Haudegen, ein gewisser Herr Agamemnon, der hat dereinst, ob aus Hunger oder reiner Jagdlust kann ich nicht sagen, eine „Hindin“, also eine Hirschkuh erlegt.
Zu seinem Pech war die erlegte Hirschkuh aber just das Lieblingstier der Göttin Diana. Frau Diana, im Olymp für Land- und Forstwirtschaft zuständig, hat das mitbekommen und war, wie nicht anders zu erwarten, stinksauer auf den Agamemnon. Sie geriet in Rage und ließ augenblicklich einspannen. Wild gestikulierend und mit wallendem Gewand fuhr sie in ihrem von zwei Hirschen gezogenen Streitwagen aus den Wolken des Olymps zur Erde hinunter, um diesen niederträchtigen Agamemnon gehörig die Leviten zu lesen.
Der aber, anstatt das Confiteor aufzusagen und laut und vernehmlich „mea culpa, mea maxima culpa“ (natürlich auf altgriechisch) zu rufen wurde auch noch pampig! Ich weiß nicht mit welchen Worten, jedenfalls soll er die Treffsicherheit der Frau Jagdgöttin angezweifelt haben und darum hätte halt er, als der besserer Schütze, das Viech erlegen müssen. Ein typischer Macho-Spruch halt. Na, jetzt war die Dame aber erst so richtig sauer! Die gute Frau konnte sich vor Wut überhaupt nicht mehr einkriegen und überredete zuerst einmal ihren Götter-Kollegen Aiolos, das ist der Kerl, der im Olymp unter anderem für die Windenergie zuständig war, die vier Winde einzusperren.
Den Wunsch hat ihr der Kollege Aiolos prompt erfüllt und der auf einem Felsen sitzende, etwas verschlafen wirkende Herr Neptun hat aufgepaßt, daß es sein Kumpel auch richtigmacht.
Welch Wunder, kaum waren die Winde hinter einem massiven Steintor eingesperrt herrschte, absolute Windstille und Herr Agamemnon, samt Schiffen und hellenischen Kumpanen, saß vorerst in Aulis fest, weil er ohne Wind schließlich nicht weitersegeln konnte. Das ist es, im Großen und Ganzen, was auf diesem Fresko zu sehen ist.
Natürlich ist die Geschichte noch weitergegangen. Lediglich einen Krieg zu verhindern und damit dem Agamemnon einen möglichen Sieg nicht zu gönnen war der Frau Diana nicht der Rache genug. So ist dann auch noch ein Töchterl vom Agamemnon, die Iphigenie, in‘s Spiel gekommen. Die wirklich grausame Diana hat verlangt, daß der Agamemnon seine Tochter opfern, also eigenhändig töten muß. Der hat das natürlich zuerst nicht wollen, bis dann ein gewisser Calchas, der war bei den Griechen offiziell sowas wie ein militärischer Hellseher, Wahrsager, oder Einflüsterer (sozusagen ein Lobbyist der Antike), dem Agamemnon verklickert hat, daß die Winde erst wieder freigelassen werden, wenn er … Na ja! Es gibt zwei Versionen. Die eine endet tragisch: das Iphigenerl muß d’ran glauben. Die zweite find ich persönlich weit netter: Diana soll Iphigenie im letzten Moment begnadigt, und sie als Priesterin in Aulis behalten haben. Ob bei diesen Grazien im Rundbild auch die Iphigenie dabei ist? Ich weiß es nicht.
Jedenfalls, der Aiolos hat daraufhin wahrscheinlich gemeint es sei genug der Rache und hat die Winde wieder freigelassen. Jedenfalls war der Agamemnon (wie immer das auch mit seiner Tochter gelaufen ist) glücklich und zufrieden wieder Wind um die Nase zu spüren, seine Flotte konnte endlich Segel setzten und die Fahrt in den trojanischen Krieg fortsetzen.
 
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Joa

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#9
Im Laxenburger Schlosspark gibt es viele Sehenswürdigkeiten.

Der Concordiatempel

Ein wichtiges Element der Antikenmode war seit dem 16. Jahrhundert die Aufstellung von „Rundtempeln" in den Gartenanlagen, da in Tivoli bei Rom der runde Sibyllentempel in pittoresker landschaftlicher Lage für die gebildeten Humanisten eine ideale Form darstellte und als Vorbild immer wieder nachgeahmt wurde.

Rundtempel symbolisierten im 18. Jahrhundert Harmonie und Vollkommenheit und sie wurden in den neuen romantischen Gärten der Aufklärung mit verschiedenen „philosophischen" Bezeichnungen versehen. Auch die Freimaurerei nahm für sich den Rundtempel als Symbol für die erstrebte Vollkommenheit des Menschen in Anspruch.

Die „Eintracht" (Concordia) war in der von der Französischen Revolution bedrohten Monarchie aber auch eine politische Losung, und so war auch dieser wunderbare korinthische Rundtempel, der 1795 von Cavaliere Giuseppe Alessandro Moretti (Architekt) und M. Köhler (Stukkateur) errichtet wurde, der Eintracht der Völker gewidmet.

Der Concordiatempel befindet sich mitten im so genannten josephinischen Teil des Schlossparks, der seinen Ursprung unter Kaiser Joseph II. gefunden hat. Von Anfang an als Landhschaftsgarten konzipiert laden weite Wiesenräume, mächtige Baumgruppen und luftige Waldungen zum erholsamen träumen ein.

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Blick zur Decke der Rundkuppel
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Der Turnierplatz

Dieser große rechteckige Platz - der in der älteren Literatur als „Caroussel-Platz in altdeutscher Art" bezeichnet wird - ist ein wesentlicher Bestandteil des „Rittergaus", der die alte Parkanlage entscheidend verändert und mit neuen Inhalten bereichert hatte.

Der Ritterkult war eine wichtige Komponente der westlichen Zivilisation in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zuerst begannen die Freimaurer sich als Lichtträger in finsteren Zeiten zu bezeichnen. Sie betrachteten daher die mittelalterlichen Ritter als großes Vorbild ihrer Aktivitäten.

In der Wiener Loge „Zur Strikten Observanz", deren Oberhaupt Herzog Albert von Sachsen-Teschen war, war dieser Gedanke schon in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts fest verankert. Ab 1790 wurde die Wildensteiner Ritterschaft zur Blauen Erde in Seebenstein gegründet, die als geheimer Verein die mittelalterlichen Gebräuche in spielerischer Form zu verwirklichen suchte.

Schon lange vor der Errichtung des Turnierplatzes, mit der im Jahre 1798 begonnenen wurde, fand 1791 ein Ritterumzug in Laxenburg statt, dessen bühnenhafte Architekturelemente die Stilformen der Neugotik zeigten. Das kaiserliche Ehepaar beziehungsweise Michael Riedl konnten hier also an eine örtliche Tradition anknüpfen, die auf dem Turnierplatz mit regelmäßigen Vorstellungen für das breite Volk im 19. Jahrhundert fortgesetzt wurde.

Diese kuriose Anlage mit Kaiserloge, Richterlogen und Zuschauertribünen ist ein einmaliges Denkmal seiner Art. Joseph Parkfrieder griff die Gedanken eines „Rittergaus" und das Formgut von Laxenburg viel später bei seinem 1848/1849 errichteten „Heldenberg" auf.

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Die Rittersäule

Der Rittergau rund um die Franzensburg ist ein wesentlicher Bestandteil des Schlosspark Laxenburg. In Erinnerung an seine großen Vorfahren des Mittelalters hat Kaiser Franz II./I. diesen Teil der Parkanlage gestalten lassen. Die Rittersäule, 1798 errichtet, stellt in diesem Zusammenhang die Verherrlichung der ritterlichen Tugenden dar, in früheren Plänen ist sie gar als "Jurisdiktzionsäule" bezeichnet.

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Die Rittergruft

F. C. Weidmann beschreibt die Rittergruft der Vergänglichkeit 1839 folgendermaßen: „Wir erblickten in demselben zuvörderst die Begräbniskapelle, oder sogenannte Rittergruft. Sie birgt höchst sehenswerte Kunstwerke. Die Kapelle ist in altdeutschem Style erbaut, 20 Fuß lang, 8 Fuß breit, vorne mit einem Gitter verschlossen, welches den Einblick gestattet. Ueber dem Portale zeigt sich das österreichisch-spanische Wappen, eine Steinmetzarbeit des XV. Jahrhunderts, aus dem Reichsarchive hierher gebracht. Im Hintergrunde der Kapelle fesselt den Blick zuerst durch Glanz und Schimmer ein herrliches Glasgemälde, aus der Pfarrkirche in Stadt-Steyr hierher versetzt ...

Besonders im Lichte der sinkenden Sonne wirkt der Farbenglanz wahrhaft magisch. Außerdem befinden sich an den Wänden der Kapelle herrliche altdeutsche Oelgemälde ... Auf dem Boden der Kapelle liegt ein Grabstein, aus Mauerbach hierher gebracht ..."

Die Rittergruft liegt am Rande des Eichenhaines und „sieht aus, wie ein in die Erde versunkenes Gewölbe, dessen mächtiges Walmdach inmitten einer Gruppe schlanker Säulenpappeln auf den Boden zu sitzen kam" (Otto Benesch in der Zwischenkriegszeit). Im Jahre 2012 wurden diese Säulenpappeln neu gepflanzt und die Ritterguft hat damit ihr romantisches und verträumtes Umfeld wieder zurück erhalten.

Leider birgt die Rittergruft heute keine Kunstwerke mehr und ist leer.

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Der Taubenschlag

In einem der verträumtesten Bereiche des Schlossparks hat sich der Taubenschlag als Denkmal der bäuerlichen Kultur bis in die heutigen Tage erhalten. Seit rund 200 Jahren trotzt der Taubenschlag Wind und Wetter, auch die beiden Weltkriege haben ihn weitgehend verschont.
Der Taubenschlag hat sich einst im Innenhof der Meierei befunden, die sich an dieser Stelle befunden hat. Kaiser Franz II./I. hat hier einen Bauernhof entstehen lassen, der ganz seinen Vorstellungen entsprochen hat. Rinderställe, Geflügelställe und ein Herrenhaus, das so genannte "Schweizerhaus", haben der kaiserlichen Familie und den Parkbesuchern das bäuerliche Alltagsleben näher gebracht.
Die Gebäude der Meierei haben die Wirren des 20. Jahrhunderts leider nicht überdauert, einzig der Taubenschlag erinnert uns immerwährend an die Geschichte dieses Ortes. Dieses Denkmal befindet sich heute auf einem hellen und heiteren Wiesenraum, im Gegensatz zum angrenzenden dunklen und mystischen Bereich um die Rittersäule. Im Nahbereich befinden sich zudem einige der ältesten Eichen des Schlossparks.

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Joa

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#11
Guten Morgen Michi,
danke für dein nettes feedback. Der Turnierplatz ist eingezäunt, aber ich habe damals eine leichte Möglichkeit vorgefunden, reinzukommen! ;)
LG
Joa
 

Joa

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#13
Zäune an irgendeiner Schwachstelle zu überwinden, ist immer spannend, aber noch spannender, wenn sie keine solche haben! ;)
 
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Joa

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#14
Die Löwenbrücke

Die Löwenbrücke wurde von Widemann 1805 als eine „liberale" Bauart bezeichnet; sie diente zu dieser Zeit als ein Haupteingang in den Schlosspark für das breite Publikum, während die kaiserliche Familie die Allee zum „Monument" (Kolossalbüste von Kaiser Franz I.) als privaten Zugang benützte. Die schönen Löwenfiguren sind ein Werk des Bildhauers Wilhelm Beyer. Ein kleiner Wasserfall im Nahbereich der Brücke unterstreicht auch hier den romantischen Gedanken des Landschaftsgartens.

Auf der Löwenbrücke befindet man sich in der Münchendorfer Achse, einer der wichtigste Achsen des gesamten Parks. Sie wurde so benannt, weil sie sich einst zwischen den Kirchtürmen von Laxenburg und Münchendorf erstreckt hat. Sie kann neben dem Palamaygang (Gerade zwischen dem Reitstall und der Forstmeisterbrücke) als ältestes Gestaltungselement der Parkstruktur angesehen werden, denn sie wurde zum Ausgangspunkt und wesentlichsten Element der späteren Gestaltung. Sie war bestimmend für den barocken Waldstern mit dem Grünen Lusthaus, der genau zwischen dieser Achse und dem Palamaygang entstanden ist.

Die Münchendorfer Achse ist bis heute prägend für den Schlosspark. Immer wieder kreuzen die Wege der Parkanlage diesen Sichtbezug, aus dem südlichen Teil in der Nähe des Concordiatempels kann man dadurch ebenso den Blick zur Laxenburger Kirche genießen. Richtung Münchendorf verliert sich der Blick heute im satten Grün der umgebenden Landschaft.

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Gotische Brücke

Die gotische Brücke ist mit rund 12 Meter Höhe die größte und imposanteste Brücke im Schlosspark Laxenburg. Bereits 1798 für den "Rittergau" des Schlossparks geplant ist sie 1810 vollendet worden.

Ihr kühner Spitzbogen steht parallel zum Felsenbogen der benachbarten Grotte und symbolisiert dadurch das Kunstwerk gegenüber dem Naturwerk. Es wird durch diese Architektur auch klargemacht, dass der gotische Stil „naturverbunden" ist und dass der Mensch die Natur als vorbildhafte Kunstschöpferin anerkennen muss. Die Reliefs an dieser Brücke sind ein Werk des Bildhauers Franz Kähsmann.
In Sichtweite der Brücke befindet sich der mit Säulenpappeln bepflanzte Rousseauhügel, eine Imitation der "Île des peupliers" (Insel der Pappeln) im Schlosspark Ermenonville nahe Paris. Auf dieser Insel hat der große Philosoph Jean-Jacques Rousseau 1778 seine letzte Ruhestätte gefunden.

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Die Grotte

An dieser Stelle über einer Felsengrotte war ursprünglich um 1800 eine kleine Kopie der Habsburg aus der Schweiz vorgesehen.

Widemann schrieb 1805: „In der oberen Hälfte des Sees steht ein Felsen acht und vierzig Klafter hoch, durch dessen finstre Schlünde und Krümmen man sich in eine erst entstehende Burg hinaufwinden wird, die das Ebenbild der so berühmt gewordenen Habsburg werden, und auch diesen Nahmen führen soll. Die reitzenden Ansichten der Urburg von Rahns Pinsel werden die Säle der Enkelin schmücken, und in der majestätischen Grotte des Felsens, die durch den Schloßhof Licht erhält, kommen die Büsten aller habsburgischen Kaiser zu stehen."

Diese ehrgeizigen Pläne wurden nicht verwirklicht, obwohl um diese Zeit auf dem Turnierplatz auch ein zerlegbares Modell der Habsburg mit Versen eines Schweizers gezeigt und von der kaiserlichen Familie mit großem Interesse bewundert wurde. Auch der Architekt Hohenberg wurde mit Planungen in diesem Zusammenhang beauftragt, die dann dem Kaiserhaus zu kostspielig erschienen waren. Es ist wahrscheinlich, daß der frühzeitige Tod der Kaiserin Marie Therese aus Neapel diesen Überlegungen ein jähes Ende bereitete.

Sie hatte sich noch im letzten Jahr ihres Lebens mit einem anderen Projekt zur miniaturhaften Errichtung der pompejanischen Ruinen in Laxenburg beschäftigt.

Mit Franzensburg und Habsburg hätte der Park von Laxenburg eine ikonographische Kontrapunktion erhalten: Die „neualte" Veste und die „altneue" Ruine hätten einander ergänzt und eine sentimentale und spannungsgeladene Darstellung der glorreichen Geschichte des Hauses bedeutet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Dynastie wären damit in einer malerischen Teichlandschaft dialektisch dargestellt worden. Es ist interessant, daß in der Entstehungsgeschichte der Franzensburg eine Tendenz von der anfänglich stärkeren Betonung der Ruinenhaftigkeit zum vollendeten Neuheitscharakter zu beobachten ist, die zweifellos mit dem Vorhaben „Ruinen von Habsburg" in Zusammenhang steht. Die Grotte steht heute ohne die Ruinen von Habsburg da und wurde daher inhaltlich etwas reduziert. Sie ist jedoch ein wichtiges Zeugnis des Natur-Kunst-Verständnisses um 1800.

Am Fuße der Grotte befindet sich eine kleine romantische Senke, das so genannte Sophiental. Dieser verträumte Ort war und ist besonders reich an botanischen Schätzen. So kann man hier unter anderen die orientalische Fichte, die spanische Tanne, syrischen Wacholder oder einige Eiben bewundern. In der Mitte des Sophientals hat sich seit jeher eine Blutbuche befunden, die 2008 neu gepflanzt wurde, um die Idendität des Ortes abzusichern.

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