Ist das langsame Sterben von Dörfern abseits der "Speckgürtel" von Städten und entlang der "Boomzonen" von Hauptverkehrsachsen noch aufzuhalten?

josef

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#21
Hallo Struwwi:
Es gibt hier viele "Gasthäuser", welche aber keine Gasthäuser im wirklichen Leben sind.
Diese bezogen große Corona Hilfen und sperren jetzt zu.
Solche gibt es natürlich, die fest Förderungen kassiert haben, ihre Schäfchen auf Kosten der Steuerzahler ins trockene gebracht haben und einfach, aus den verschiedensten Gründen, zusperren!
Ein wirkliches Landgasthaus sperrt auch zu, weil es sich "nicht mehr lohnt".
Primär geht es mir genau um diese Dorfwirtshäuser! Diese sind Teil der sich laufend ausdünnenden ländlichen Infrastruktur, wie Lebensmittelversorger (Greißler...) Postämter, Bankstellen. Gemeindeärzte usw. ... Diese Institutionen dienen als kommutative Basiseinrichtung am Land und unterscheiden sich sehr wohl von urbanen Gegenden...

Frühe verordnednete Sperrstunden in der heimischen Landgastronomie wurden von den Wirten (großteils) eingehalten! Nur konnte man beobachten, dass Teile des ausgesperrten "Klientels" einfach zur Kompensation der eingeschränkten Kommunikation weiterzogen und durch Hintertüren in die Aufenthaltsräume der örtlichen Feuerwehren (die immer gut bestückt waren ;)), den Kantinen der Sportplätze oder in den Weingegenden in diverse "geschlossene" Heurigenlokale oder Keller einfielen"...
 

josef

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#22
NIEDERÖSTERREICH
Die Lücke zwischen Haus und Haltestelle
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Durch Klimakrise, Klimaticket und hohe Treibstoffpreise sind „Öffis“ gefragt wie nie – abseits von Städten und großen Gemeinden kann die Nutzung von Bus und Bahn aber eine echte Herausforderung sein. Lange Zeit galt etwa die Bahn bei der Politik als wenig geliebtes und gefördertes Verkehrsmittel, die Auswirkungen sind unter anderem in Niederösterreich noch deutlich spürbar. In Sachen „Öffi“-Verkehr bewegt sich mittlerweile durchaus etwas, auch wenn es nicht immer für alle reicht.
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Knapp 54.000 Klimatickets wurden bisher alleine in Niederösterreich gekauft – die damit mögliche Nutzung von Bus und Bahn ist in zahlreichen Gebieten des Bundeslands jedoch vor allem auf den Bus beschränkt, denn nicht überall gibt es überhaupt Zugsverbindungen bzw. die nötige Infrastruktur. In die Bezirkshaupstadt Waidhofen an der Thaya etwa fährt schon lange kein regulärer Zug mehr.

Die dorthin führende Thayatalbahn, eine Abzweigung der Franz-Josefs-Bahn, wurde vor Jahren final stillgelegt, nachdem viele Jahrzehnte um eine Revitalisierung, auch unter direkter Beteiligung des Landes Niederösterreich, heftig gekämpft und gestritten wurde. Der nächstgelegene Bahnhof in Göpfritz an der Wild ist rund 15 km entfernt. Wenn am Abend die Züge in Göpfritz ankommen, steht eine Reihe Autos vor dem Bahnhof und wartet auf Ankommende, ebenso wie einige Busse, die in die Umgebung fahren.

ORF/Christian Öser
Seit Jahren fährt in Waidhofen an der Thaya kein Zug mehr – wie man an der Infrastruktur merkt

Die Zahl der „Öffi“-Verbindungen von und nach Waidhofen ist jedoch begrenzt, je nach Wochentag und Uhrzeit sehr begrenzt. Für Sonntagnachmittag bis -abend etwa wirft die ÖBB-Fahrplanauskunft Scotty bzw. die Anwendung des Verkehrsverbund Ostregion (VOR), AnachB, für die Verbindung Wien – Waidhofen/Thaya drei Möglichkeiten im Zweistundentakt aus – die letzte um halb acht. Unter der Woche gibt es, angelehnt an Schul- und Arbeitszeiten, deutlich mehr Verbindungen, letzte Abfahrt gegen 19 Uhr. Eine Fahrt mit dem Auto klingt da nachvollziehbar verlockend.

„Öffi“-Verbindungen auch nahe Wien nicht einfach
Ortswechsel in die Gemeinde Wienerwald, westlich von Wien, mit 48 Quadratkilometern die flächenmäßig größte Gemeinde im Bezirk Mödling. Viele der knapp 4.000 Einwohnern und Einwohnerinnen pendeln zur Arbeit nach Wien. Die Regionen westlich von Wien gehören derzeit zu beliebten Siedlungsgebieten, die Gemeinde ist vergleichsweise jung, die überwiegende Mehrheit ist zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Mit der A21 gibt es eine gute Autobahnanbindung an die zu Wienerwald zählenden fünf Katastralgemeinden wie Sittendorf, ein Zug fährt allerdings auch hier nicht. Der Hauptort Sulz ist ebenfalls nur mittels Bus direkt öffentlich erreichbar, Scotty und AnachB weisen unter der Woche den letzten Bus auf der Strecke Wien nach Sulz knapp vor 20 Uhr aus. Rund um die Westbahn weiter nördlich ist die Anbindung, nicht nur für Pendlerinnen und Pendler, deutlich besser, ebenso im Süden, wo nun bis Mödling vierspurig ausgebaut wird – der Gemeinde Wienerwald hilft beides allerdings wenig, erzählt Bürgermeister Michael Krischke.

ORF/Christian Öser
Für den Transport vieler Menschen ist der Zug ein ideales Verkehrsmittel

Gemeinden nahe Wien wachsen stark
Die Gemeinde Wienerwald mit fünf Orten wächst, und der Bedarf an Infrastruktur, darunter Schule und Kindergarten, mit, so Krischke. Dazu zählt bald auch ein Nahversorger, der derzeit mit Mitteln der Gemeinde in Sulz zentral errichtet wird. Er soll mit Post und Kaffeehaus zu einem neuen Treffpunkt werden, Bestellungen ausliefern und durchfahrenden Autos Anreiz bieten, stehen zu bleiben. Alleine in Sittendorf werden täglich 3.500 Pkws gezählt.

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Sittendorf ist mit dem Auto gut erreichbar – öffentlich ist es deutlich schwieriger

Früher gab es in jedem Ort der ländlichen Gemeinde einen Nahversorger, bedauert Krischke, der letzte in Sulz schloss, weil die Betreiber in Pension gingen. Der nächste Nahversorger ist mindestens acht Kilometer entfernt, einkaufen mit dem Rad angesichts der Topographie eher etwas für sportlich Ambitionierte. Krischke gibt sich keiner Illusion hin: „Bei uns brauchst du ein Auto, wenn nicht zwei“, auch wenn sich bei den „Öffis“ schon einiges verbessert habe.

Krischke freut sich über den Postbus-Shuttle, der seit einem Jahr binnen einer Stunde nach Anforderung per App teilnehmende Gemeinden im Bezirk anfährt, auch wenn es noch Kinderkrankenheiten gebe. Der Bus sei ein Angebot für Menschen ohne Auto und Abend- bis Nachtschwärmerinnen und -schwärmer, und entsprechend gefragt. Jedes Bedürfnis könne man damit allerdings nicht abdecken: „Viele wollen nicht warten, sondern dann fahren, wenn es ihnen passt“ – nicht nur in Randzeiten. Er habe immer wieder versucht, andere Busrouten zu argumentieren – aber die Nutzung sei zu gering gewesen.

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Versäumnisse von Jahrzehnten
Waidhofen und die Gemeinde Wienerwald sind nur zwei Beispiele für viele andere Städte und Gemeinden, nicht nur in Niederösterreich, in denen eine gute „Öffi“-Anbindung nicht einfach umzusetzen ist – und einiges basiert auch auf Versäumnissen, zumindest aus heutiger Sicht. Lange Zeit galten nicht nur der Zug, sondern viele „Öffis“ als Verkehrsmittel überholt – sowohl für mögliche Fahrgäste als auch die Politik.

ORF/Christian Öser
Busse sind ein Rückgrat der „Öffi“-Versorgung auf dem Land

Der Fokus lag vielmehr auf dem Auto und der Straße, gerade in die Bahn wurde wenig investiert, dazu kam teilweise auch Misswirtschaft. Viele Regionalbahnen wurden abgedreht oder auch von den jeweiligen Bundesländern übernommen – wie die Thayatalbahn vom Land Niederösterreich. Nicht alle Strecken rettete das, wie dieses Beispiel auch zeigt, vor dem Zudrehen. Jahrzehntelang verabsäumte Investitionen lassen sich nicht einfach nachholen, oft ist Zudrehen wirtschaftlicher.

Verkehrsverbund Ostregion
Vor bald 40 Jahren gegründet, plant und bestellt der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) Busse und Bahnen in Niederösterreich und dem Burgenland sowie teilweise in Wien.

Allerdings, so kam in Gesprächen mit ORF.at immer wieder auf, sei die Frage, ob „Öffis“ immer unbedingt wirtschaftlich sein müssen bzw. überhaupt können und ob man sie nicht einfach als Grundinfrastruktur verstehen müsse – was nicht bedeutet, dass etwa in wenig besiedelten Gebieten mehr „Öffis“ fahren sollen, als tatsächlich Bedarf besteht. Geht es rein nach Wirtschaftlichkeit und Gewinn, müsste man sich etwa auf stark befahrene Strecken wie Wien – Amstetten zur Hauptverkehrszeit konzentrieren, dann sei auch eine hohe CO2-Ersparnis realisierbar, sagt etwa Georg Huemer, Sprecher des Verkehrsverbunds Ostregion (VOR).

Im Gegensatz zum öffentlichen Fokus auf Züge stellen im VOR vor allem Busse das Rückgrat der „Öffi“-Verbindungen, erzählt Huemer: 2021 deckten Regional- und Stadtbusse in Niederösterreich und dem Burgenland rund 74 Millionen Kilometer ab, Züge (ohne Fernverkehr) rund 45 Millionen Kilometer. Jeweils mit Vor- und Nachteilen: Busse sind flexibler einsetz- und schneller skalierbar, Zugsstrecken können Jahrzehnte von der Planung bis zur Inbetriebnahme benötigen. Züge sind für den Transport vieler Menschen sinnvoll, bei der flächenmäßigen Versorgung sind hingegen Busse die erste Wahl.

Auto einfach bequem
Im VOR baue man das Angebot laufend aus, so Huemer, teilweise könne die Infrastruktur dabei nicht mehr mithalten, etwa im Weinviertel. Die ÖBB verweisen ihrerseits auf die milliardenschweren Investitionen der kommenden Jahre, gibt sich dabei aber keinerlei Illusionen hin: Mit der Bequemlichkeit eines Individualverkehrs, speziell dem Auto, könnten „Öffis“ nie mithalten, sagt Franz Hammerschmid, bei den ÖBB zuständig für die strategische Weiterentwicklung des Schienennetzes, auch wenn der Zug als Verkehrsmittel wieder hip sei.

ORF/Christian Öser
Mit dem Auto kommt man gerade auf dem Land meist schneller und bequemer ans Ziel

Heuer würden so viele Züge fahren wie nie zuvor, sagt Hammerschmid, sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr – 85 Prozent des Personenverkehr entfallen demnach dabei auf Regionalzüge, nur ein Bruchteil ist wirtschaftlich. Laut Huemer zahlt die Allgemeinheit zwei Drittel der Kosten für den öffentlichen Verkehr – wie übrigens auch für Straßen usw. Es gehe um die grundsätzliche Frage, inwieweit man „Öffis“ als Infrastruktur auch im Sinne des Klimaschutzes sehe, meint Bahnnutzervertreter Andreas Offenborn – und ob man immer und um jeden Preis mobil sein müsse.

Wirtschaftstreibende müssen hart kalkulieren
Die letzte Frage müssen sich Wirtschaftstreibende wie der Biobäckereibetrieb Brotocnik bei Horn und der Frottierwarenhersteller und Textilveredler Herka in Kautzen, nahe der tschechischen Grenze, nicht stellen: Ohne ausreichend Mobilität würde ihr jeweiliges Geschäft brachliegen und damit Dutzende Arbeitsplätze in ohnedies nicht besonders strukturstarken Gegenden verschwinden.

ORF/Christian Öser
Friedrich Potocnik liefert vom Waldviertel bis ins Burgenland – die Kosten für Treibstoff und Energie sind eine hohe Belastung

Ihre Anforderungen sind zum Teil sehr unterschiedlich: Brotocnik liefert seine Waren von Burgerwiesen bis ins Burgenland, seine Rohstoffe kommen direkt aus der Umgebung. Herka ist als Großproduzent von der Versorgung mit Rohstoffen aus aller Welt abhängig, und auch die Lieferung muss weltweit funktionieren. Die Probleme sind aber dieselben: Beide Hersteller kämpfen mit den stark gestiegenen Kosten.

Energiepreise „unvorstellbar“ hoch
Die Energiepreise seien „unvorstellbar“ hoch, sagt Bäckermeister Friedrich Potocnik, und das nicht nur in der Backstube. Er müsse eine Tour mit mindestens 5.000 Euro Ware fahren, damit es sich rentiere. Dabei könne er nicht auf ein E-Fahrzeug umsteigen, denn eine Tour umfasse ca. 300 km, mit Zuladung und Kühlung bzw. Heizung gebe es aktuell kein Lieferfahrzeug, dass das leisten könne. Er könne sich eine Stehzeit von ein paar Stunden zum Aufladen nicht leisten, es sei schwierig genug, ausreichend Mitarbeitende zu finden, er könne schon jetzt nicht alle Aufträge erfüllen.
Der Bäcker will energieautark werden und die Photovoltaik auf seinem Dach stark ausbauen, aber dazu braucht er ausreichend Speichermedien, und er müsste seine Backöfen auswechseln. Diese werden derzeit mit Öl betrieben – die aktuell effizienteste Energieart, wie auch andere Bäcker bestätigen. Er achte schon immer auf Nachhaltigkeit und setze auf energieeffiziente Methoden und Nutzung etwa der Öfen, das sei als Wirtschaftstreibender selbstverständlich.

Erreichbarkeit vs. Arbeitsplätze
Während Burgerwiesen quasi in Sichtweite von Horn liegt, ist Kautzen und damit Herka vergleichsweise weit ab vom Schuss. Das 1927 gegründete Familienunternehmen webt in Kautzen und färbt in Gmünd für nationale und internationale Kundinnen und Kunden, darunter heimische Krankenhäuser, Hotellerie, aber auch Sportevents wie Golfturniere oder einfach Werbekunden. Die Energiepreise derzeit seien eine „Katastrophe“, sagt Firmenchef Thomas Pfeiffer, sie hätten sich durch die bei der Firmengröße unvermeidlichen Bindung an Börsenpreise zuletzt vervierfacht.

ORF/Christian Öser
Die Energiepreise sind auch für Herka eine „Katastrophe“

Auch für die rund 80 Angestellten, viele aus Tschechien, sei die Anreise deutlich teurer geworden. Daraufhin hätten sich Fahrgemeinschaften gebildet, mit dem Risiko, dass bei einem Unfall eine ganze Schicht ausfallen kann. Ein Umstieg auf „Öffis“ sei aber schlicht nicht machbar, gerade im Schichtdienst, sagt Peiffer. Vor 40 Jahren hätte es noch „sinnvolle“ Busverbindungen gegeben, als noch nicht jeder einen Führerschein und ein eigenes Auto hatte – damals kamen aber wohl auch mehr Mitarbeitende aus der Umgebung.

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Ohne Autos sei man in der Gegend aktuell verloren, abseits vom Schulbus sei die „Öffi“-Versorgung jenseits der Bezirkshauptstädte ebenfalls eine Katastrophe, sagt Pfeiffer, der darauf verweist, dass in der näheren Umgebung gerade einen einzigen Lieferdienst für Essen gibt. In der Pandemie hätten 50 Prozent der Lokale und auch einige Nahversorger zugesperrt, ein soziales Leben sei ohne Auto unvorstellbar, nicht nur für die Jugend.

ORF/Christian Öser
Herka hat Kunden in ganz Europa und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Wegzug keine Alternative
Die Lage liefert für Herka noch zusätzliche Probleme: Es gibt Lieferdienste, die die Anfahrt binnen einer gewissen Tagesfrist auch schon mal verweigern, erzählt Pfeiffer. Das sei etwa bei dringend gebrauchten Ersatzteilen oder dringenden Lieferungen ein großes Problem. Ein Wegzug als Alternative sei aber überhaupt keine Option, eine Firma in der Größe könne man auch nicht so einfach umsiedeln. Es brauche schließlich auch das Know-how der Mitarbeitenden, die man vor Ort habe.

Trotz aller skizzierten Herausforderungen sei klar, dass eine Mobilitätswende am Ende nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelinge, meint VOR-Sprecher Huemer – individualisierte E-Mobilität etwa bringe der Umwelt und damit dem Klima wenig, gerade wenn wieder nur eine Person in einem tonnenschweren Pkw sitzt. Kritik gibt es allerdings immer, auch wenn in Bussen auf dem Land nur wenige oder keine Personen drinnen sitzen – und umgekehrt, wenn dann gar keine Busse fahren.

Auch „Öffis“ können bedarfsgesteuert sein
Huemer sieht die Zukunft des öffentlichen Verkehrs derzeit in bedarfsgesteuerten Angeboten wie dem Postbus-Beispiel aus der Gemeinde Wienerwald. Im westlichen Mostviertel startet mit VOR Flex demnächst ein gemeindeübergreifendes Angebot, das direkt im VOR enthalten und mitgeplant wird. Andere Projekte setzen auf gemischte Mobilität mit Fahrrädern, Scootern und Mietautos direkt am Bahnhof. Das Problem bei allen Planungen sei immer die „letzte Meile“ vom zuletzt genutzten Verkehrsmittel bis zur Wohnungstür, so Huemer – und je größer die Zersiedelung, desto größer die Herausforderung dieser „letzten Meile“.
25.01.2023, Nadja Igler (Text), Christian Öser (Bild, Video), Sandra Schober (Daten), alle ORF.at

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Niederösterreich: Die Lücke zwischen Haus und Haltestelle
 
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josef

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#23
VOLKSZÄHLUNG
Speckgürtel im Osten wächst
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Statistik Austria
Österreich altert und wächst weiter, von 2011 bis 2021 um knapp sieben Prozent. Das zeigen die endgültigen Daten der aktuellsten Volkszählung der Statistik Austria. Besonders räumlich wächst die Bevölkerung unterschiedlich stark: Während die Bevölkerungszahl in ländlicheren Gebieten schrumpft, verzeichnen Städte und deren Umland die höchsten Zuwächse – allen voran im Osten Wiens.
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Den größten Bevölkerungsanstieg in den Bundesländern seit 2011 gab es mit 12,4 Prozent in Wien. Überdurchschnittlich stark wuchsen auch Vorarlberg (plus 8,3 Prozent) und Tirol (plus 7,5 Prozent). Das geringste Plus verzeichnete Kärnten mit etwa 1,5 Prozent. Die höchsten Zuwächse gab es in den Städten und deren Umland. Die Landeshauptstadt mit dem stärksten Wachstum war Eisenstadt (plus 16,2 Prozent), gefolgt von Wien und Graz (plus 11,5 Prozent).

Das stärkste Plus außerhalb der Landeshauptstädte verzeichneten die Bezirke Bruck an der Leitha und Wiener Neustadt Stadt mit jeweils über 14 Prozent Zuwachs sowie Graz-Umgebung und Gänserndorf mit einem Plus von jeweils knapp zwölf Prozent.

„Der Zuwachs im Osten Österreichs ist unter anderem dadurch zu erklären, dass nicht nur der Speckgürtel um Wien, sondern auch der Speckgürtel um Bratislava in Österreich wächst“, hieß es von der Statistik Austria dazu auf Anfrage von ORF.at. Dieses Wachstum sei im Umfeld beziehungsweise entlang der größeren Verkehrsrouten zu beobachten.

Den größten Rückgang gab es hingegen in der Obersteiermark und dem Nordwesten Niederösterreichs. Am stärksten schrumpfte der Bezirk Murau mit minus 6,5 Prozent. In den Bezirken Leoben, Waidhofen an der Thaya, Zwettl und Gmünd sank die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner um jeweils über vier Prozent.

Starker Anstieg ausländischer Staatsangehöriger
Die Zahl der in Österreich lebenden Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat sich von 2011 bis 2021 um etwa zwei Drittel erhöht. Am Stichtag der Volkszählung wurden 8.969.068 Menschen gezählt, davon 7.401.924 mit österreichischer Staatsbürgerschaft.

Registerzählung
Seit 2011 findet die Volkszählung als Registerzählung statt. Die Daten werden nicht über Fragebögen erhoben, sondern stammen aus Verwaltungsregistern.

Der Anteil jener Personen, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, liegt laut Registerzählung per 31. Oktober 2021 bei 17,4 Prozent. Die größte Gruppe sind Deutsche mit rund 213.000 Personen, gefolgt von Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern Rumäniens (rund 136.000) und Serbiens (rund 122.000). Die meisten ausländischen Staatsangehörigen leben in Wien (31,9 Prozent), gefolgt von Vorarlberg (18,7 Prozent) und Salzburg (18,3 Prozent). In den Daten der Registerzählung sind geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer noch nicht mitgezählt.
Laut vorläufiger Bevölkerungsstatistik 2023 leben mittlerweile insgesamt rund 9,1 Millionen Personen in Österreich, knapp 7,4 Millionen davon mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Die Zahl der Personen mit ukrainischer Herkunft liege bei knapp 80.000.

Bevölkerung altert „nicht mehr so schnell“
Das Durchschnittsalter in Österreich ist seit 2011 um 1,4 Jahre gestiegen und lag am 31. Oktober 2021 bei 43,2 Jahren. Der Anstieg beim beim Altersschnitt war zwischen den Volkszählungen 2001 und 2011 noch deutlicher ausgefallen, damals betrug er 2,2 Jahre.

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„Somit wird die Bevölkerung weiterhin älter, jedoch nicht mehr so schnell wie im vorletzten Jahrzehnt“, berichtete die Statistik Austria in einer Aussendung am Freitag. Die männlichen Einwohner sind im Durchschnitt um 2,5 Jahre jünger als die weibliche Bevölkerung.

Wichtige Datengrundlage für Politik
Im Rahmen der Registerzählung fand auch eine Wohnsitzanalyse statt. Sie ergab eine Differenz gegenüber dem Zentralen Melderegister (ZMR). Es habe sich gezeigt, dass zum Stichtag der Registerzählung 0,7 Prozent der Hauptwohnsitzmeldungen im Zentralen Melderegister unzutreffend gewesen seien.

„Die Bevölkerungszahl war damit um 62.880 Personen geringer, als es das ZMR ausgewiesen hatte“, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas in einer Pressemitteilung. Den größten Anteil solcher nicht anerkannter Hauptwohnsitze verzeichneten Wien mit 1,48 Prozent und Salzburg mit 0,96 Prozent.

Das amtliche Endergebnis zu Bevölkerungs- sowie Bürgerinnen- und Bürgerzahl dient als Berechnungsbasis für Rechtsnormen wie etwa den Finanzausgleich. Auch für die Berechnung der Verteilung der Nationalratsmandate auf die Wahlkreise bildet die Volkszählung die Grundlage. Die Veröffentlichung weiterer Ergebnisse der Registerzählung zu Erwerbstätigkeit, Pendeln, Bildung, Haushalten und Familien kündigte die Statistik Austria für Juli an.
29.04.2023, scho, ORF.at/Agenturen

Link:
Volkszählung: Speckgürtel im Osten wächst
 

josef

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#26
KONSUM DER ZUKUNFT
Retten neue hybride Supermärkte die Nahversorgung auf dem Land?
Nah & Frisch baut die Zahl der Lebensmittelmärkte, die sowohl mit Personal als auch ohne geführt werden, stark aus. Über das Einkaufen am Sonntag, Alkohol als Umsatzbringer und die Macht der Kameras
Die Bankomatkarte ist der Schlüssel in den Supermarkt. Verkäufer und Kassierer braucht es für den Einkauf nicht. Bis auf Alkohol, Tabak, Lottoscheine und Feinkost offeriert das Lebensmittelgeschäft das gesamte Sortiment. Kameraüberwachung schreckt Langfinger ab. Bezahlt wird nach dem Einscannen der Ware an der Selbstbedienungskasse.


Neue Technologien könnten die Spielregeln im Lebensmittelhandel für kleine Gemeinden verändern.
IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Für Hannes Wuchterl, Chef von Nah & Frisch, bringen hybride Lebensmittelgeschäfte einen Wendepunkt für die Nahversorgung auf dem Land. 22 Märkte seiner Handelsgruppe lassen sich bereits temporär ohne Personal betreiben. Bis Jahresende sollen es 50 sein.

Seit Jahren geben Greißler in Österreich im Schatten der Expansion großer Diskonter und Handelskonzerne reihenweise auf. Die Not an Arbeitskräften zwang viele dazu, ihre Öffnungszeiten zu reduzieren. Hohe Energiekosten und Zinsen ließen die Erträge schmelzen. Im Wettlauf um niedrige Preise stolperten Einzelkämpfer über fehlende Einkaufsmacht. Gestiegene Kosten auf ein Netz an Filialen umzulegen ist ihnen verwehrt.

Spar, Rewe, Hofer und Lidl dominieren 90 Prozent des Lebensmittelhandels. Dementsprechend massiv sei der Druck auf selbstständige Kaufleute, sagt Wuchterl. Die Zahl an Nah-&-Frisch-Märkten sank allein in den vergangenen zwei Jahren um 35 auf 360 Standorte. "Neue Technologien verändern jedoch die Spielregeln für Gemeinden. Sie macht Nahversorgung im ländlichen Raum wieder finanzierbar."

Mehr Umsatz, weniger Kosten
Zu den Pionieren zählt Gaflenz im Mostviertel. Seit dem Vorjahr kaufen Oberösterreicher in dem von einer Bürgergenossenschaft ins Leben gerufenen Geschäft der Marktgemeinde vormittags mit Bedienung ein. Nachmittags, abends und an Sonntagvormittagen, wenn der Zulauf an Kunden sinkt, verwandelt sich dieses in einen autonomen Shop ohne Personal.

Schule macht das hybride System auch in der 1000-Seelen-Gemeinde Reinsberg im Bezirk Scheibbs, die ihren Nahversorger über einen Verein und durch tatkräftiges Anpacken der gesamten Bevölkerung auf neue Beine stellte. Über die Mittagszeit, abends und sonntags wird in Selbstbedienung eingekauft. Nah & Frisch versorgt beide Standorte mit Produkten des täglichen Bedarfs.

55 Stunden halten selbstständige Kaufleute in der Woche im Schnitt offen, rechnet Wuchterl vor. Personell kaum zu stemmen sei für viele der Samstagnachmittag. Kombiniert mit Selbstbedienung ließe sich jedoch fast der gesamte Rahmen der erlaubten Öffnungszeiten von 72 Stunden ausschöpfen. Tourismusregionen erlauben teilweise auch 76 Stunden und Sonntagseinkäufe.


Nah & Frisch in Reinsberg: Über die Mittagszeit, abends und sonntags wird im Selbstbedienungsmodus eingekauft.
Gerald Prüller

Die Energiekosten blieben annähernd gleich, gekühlt werden müssen Lebensmittel ohnehin durchgehend. Die Umsätze aber stiegen in hybriden Supermärkten bei stabilen bzw. sinkenden Personalkosten zwischen 15 und 20 Prozent, sagt Wuchterl. Er sieht einen Schritt hin zu mehr Chancengleichheit für Greißler mit der mächtigen Konkurrenz an Kreisverkehren und auf einst grünen Wiesen.

In Bewegung ist freilich auch dort viel. Rewe etwa testet in Deutschland sogenannte Pick-and-go-Shops auf bis zu 600 Quadratmetern. Kameras und Gewichtssensoren erfassen ausgewählte Produkte im Einkaufskorb. Abgerechnet wird automatisch, die Rechnung erhalten Kunden via App.

In Österreich liefert Unimarkt als Gesellschafter von Nah & Frisch selbstständigen Kaufleuten Know-how rund um Zutrittssysteme und Selfscanning. Die Supermarktkette schloss ihre Selbstbedienungsboxen, nachdem der Verfassungsgerichtshof dem Einkauf rund um die Uhr darin im Vorjahr einen Riegel vorschob. Die Erfahrungen mit den Boxen fließen in hybride Modelle ein.

Größte Hürde für die Umstellung sind Investitionen von 50.000 bis 70.000 Euro je Standort. Die Liquidität der meisten Nahversorger ist angespannt, vor allem ältere Kaufleute tun sich den Umbau ungern an. Betagtere Kundschaft scheue hingegen nicht davor zurück, ist sich Wuchterl sicher. Letztlich würden die Vorteile überwiegen: mehr Service und Umsatz sowie eine geringere Abhängigkeit von verfügbarem Personal.

Hinter Schloss und Riegel
Sorge, dass Diebstähle ausufern könnten, hat er nicht. Bisherige Erfahrungen zeigten, dass diese in autonomen Geschäften geringer seien als bei Bedienung. Schwarze Schafe unter den Kunden fühlten sich offenbar von Kameras genauer beobachtet als von Verkäufern. Worüber im Einzelhandel niemals offen geredet wird: Für einen Teil des Warenschwunds machen Arbeitgeber vielerorts das Personal verantwortlich.

Hinter Schloss und Riegel kommt in der Zeit ohne Personal die Feinkost. Weggesperrt werden muss auch sämtlicher Alkohol, um unerlaubten Verkauf an Jugendliche ohne Gesichtskontrolle zu verhindern. Dieser zählt freilich zu den wichtigsten Umsatzbringern. Der Verzicht darauf erschwert die Kalkulation. Für Wuchterl ist dies ein wesentlicher Grund dafür, am Korsett der Ladenöffnungszeiten in Österreich nicht zu rütteln.

Kunden, die es nach 21 Uhr in den Lebensmittelhandel ziehe, deckten sich in der Regel vor allem mit Bier und Wein ein. Beides ist in Selbstbedienungsgeschäften hinter Gittern. Entsprechend gering sei daher der wirtschaftliche Anreiz für Kaufleute, diese bis spät in die Nacht in Betrieb zu halten. Gute Geschäfte machen Handelskonzerne damit ohnehin in ihren Tankstellenshops, die an keine Sperrstunde gebunden sind.

Können hybride Supermärkte die Nahversorgung landauf, landab retten? Illusionen geben sich Kaufleute nicht hin. Trotz aller Liebeserklärungen der Bevölkerung an Greißler reiche oft eine Preisdifferenz von wenigen Cent, um statt im Dorf beim Diskonter am Rande der nächsten Bezirksstadt zu kaufen. Dass ein eigener Kindergarten im Ort Geld koste, sei allen klar, zieht Wuchterl Bilanz. Er hätte diesen Maßstab gern auch bei Nahversorgern angesetzt. "Beides bedeutet Lebensqualität."
(Verena Kainrath, 3.5.2024)
Retten neue hybride Supermärkte die Nahversorgung auf dem Land?
 

josef

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#27
Analyse: Im Speckgürtel um Wien wird investiert und gebaut
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Wegen Inflation und hoher Baukosten herrscht in vielen Regionen Österreichs regelrecht eine Bauflaute. Aber nicht überall, wie eine neue Analyse von RegioData Research jetzt zeigt: Vor allem im Speckgürtel rund um Wien wird fleißig gebaut und investiert.
Online seit heute, 8.09 Uhr
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Gleich fünf niederösterreichische Gemeinden führen das österreichweite Ranking an: Bisamberg (Bezirk Korneuburg) weist dabei den höchsten Baukraftindex auf – dort gibt es also die höchste Bautätigkeit. Weitere Spitzenreiter sind Klosterneuburg (Bezirk Tulln) und Gablitz (Bezirk St. Pölten), gefolgt von Perchtoldsdorf und Gießhübl (beide Bezirk Mödling).

Hohe Lebensqualität, die Nähe zu Wien sowie ein hoher Gartenanteil und gepflegte, kleine Ortschaften seien etwa die Gründe dafür. Ein weiterer Aspekt, der laut Analyse hier mitspielt: Die absolute Kaufkraft pro Einwohner ist in diesen Gemeinden am höchsten.


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Wenige Bauaktivitäten im Süden
Zu den Schlusslichtern zählt etwa die knapp 700 Einwohner zählende Gemeinde Straning-Grafenberg (Bezirk Horn). Wenige Bauaktivitäten gibt es der Analyse zufolge generell in den südlicheren Teilen Niederösterreichs.

Ein neuer Trend scheint sich jedenfalls abzuzeichnen: Private Haushalte investieren derzeit weniger in einen Neubau und geben das Geld eher für die Renovierung von Bestand aus, so die Zusammenfassung von Regio Data Research. Außerdem würden die Investitionen in Freiflächen wie Gärten und Terrassen in den vergangenen Jahren enorm steigen.

26.07.2024, red, noe.ORF.at
Analyse: Im Speckgürtel wird investiert und gebaut
 
#28
Hallo zusammen.:)

Wie anhand der Karte von 2011 ersichtlich ist - Ja,es wäre aufzuhalten (das Sterben der Dörfer...).

Steinbrunn im Burgenland ist ein Paradebeispiel dafür,wie innerhalb der letzten 4 - 5 Jahren (eine Bürgermeisteramtszeit,so ein Zufall..)
ein kleines,ruhiges Dorf zu einer "industriellen" Kleinstadt verkommen kann.

Wohnsiedlungen / Eigentumshäuser usw. werden aus dem Boden gestampft oder mitten in die Ortschaft gepfercht.
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..und ich rede da keines falls von dem "Neue Siedlung" Ortsteil.
Wir spechen hier von einem Dorf,wo man meint(e),da muss man unbendigt das "Alte" raus und "Neues" rein...
Der Ortskern wurde komplett zerstört,von einer "Charakteristik" brauchen wir gar nicht mehr sprechen...
Unser "Dorfcafe" hat vor kurzem zugemacht,es gab im Dorf kurzfristig nicht mal die Möglichkeit von Gebäck für Früharbeiter/Frühaufsteher in der Früh (BILLA sperrte damals um 7 Uhr auf).

Und das Schlimmste:
Der Kulturschock.Bitte jetzt nicht persönlich nehmen:
Der explodierende Zuzug kam zum grössten Teil aus ...... Wien.
Was sich in den letzten 4 Jahren an "Kultur/Sprache/Umgang miteinander" verändert hat,brauche ich hier glaube ich nicht näher zu erläutern...eine Katastrophe....

1km Richtung Eisenstadt das nächste Drama - Mit Energy3000 und "Schlumberger" Produktionsstätte - Bodenversiegelung/Zubetonieren vom Gröbsten ! Aber wichtig - Arbeitsplätze.......seltsam nur,das die Leute in der Früh daran vorbeifahren und in die Arbeit Richtung Eisenstadt/Wien/Ungarn pendeln.....und im Gegenzug die Leute aus Ungarn raufkommen...
Aber das war ja schon bei der LIDL Lagerhalle das Thema damals....

Das ist dieses zubetonierte Gebiet

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Das ist Steinbrunn,die Gemeinde (ohne Seesiedlung / Neue Siedlung)
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(Nein,ich habe nicht rein/rausgezoomt,das kann jeder gerne auf Google nachschauen).

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#29
Habe mir heute die Preise für Eigentumswohnungen im 23. und 10. Bezirk (Wien) in Willhaben angesehen (eine Bekannte will übersiedeln).
Also der Markt an verfügbaren Wohnungen ist riesig und die Preise von sagen wir 250 - 350 TEUR.
Dies ist genau jener Preis, welcher in südlicher Richtung ab Neunkirchen für Häuser mit kleinem Grundstück verlangt und bezahlt werden.

Diese Häuser werden vorwiegend von Großfamilien gekauft, die die Kosten auf viele Köpfe aufteilen können.
Anhand der Kaufverträge kommen viele der Familien aus dem Wiener Bereich - flüchten vor den Preissteigerungen u.a.
Und so schwappt die Welle, von Wien ausgehend in alle örtlich umliegenden Bereiche. Die Eigentumswohnungen in Wien werden großteils unverkäuflich und der Druck auf Mietwohnungen in Wien nimmt zu.
Aber eigentlich braucht man sich nicht beschweren, in Innsbruck sind die Preise 4x höher - so wie sie im ganzen Westen Österreichs höher als im Osten sind.
Der Zuzug von ausländischen Personen hat gerade in Wien massiv stattgefunden.
Damit, und dies ist ein einfaches Rechenbeispiel, müssten die Infrastruktur wie z.B. Ärze, Spitäler, U-Bahn, leistbare Wohnungen usw. ausgeweitet werden. In Wirklichkeit wird jedoch gespart oder max. das Niveau gehalten, sodass für die bisherigen Bürger Wiens eine Verschlecherung spürbar wird.
Und viele dann in das Umland ausweichen.
 
#30
Hier kann ich leider nicht antworten, aber es passt auch in diesen Thread.

Habe gerade Hier eine Übersicht über die meist besuchtesten Hauptstädte Europas gesehen:

ROM auf Platz 23 gelegen, hat drei Touristen je Einwohner pro Tag zu verkraften.
WIEN auf Platz 24, hat 4 Touristen....
PRAG auf Platz 15, hat 6 Touristen...
VENEDIG auf Platz 3, hat 21 Touristen....
DUBROVNIK auf Platz 1, hat 27 Touristen je Einwohner/Tag.

Das treibt natürlich auch die Immobilienpreise....und fordert die Infrastruktur.
Wie man sieht, hat Wien durchaus noch Chancen in Zukunft für den Tourismus noch mehr Kapazitäten zu benötigen.

Das alles ist aber nichts, wenn man in HALLSTATT wohnt.
In Hallstatt leben 727 Einwohner und ca. 150.000 Übernächtigungen/Jahr.
Quelle
Das wären dann ca. 200 Touristen je Einwohner und Tag!!
 
#31
Das alles ist aber nichts, wenn man in HALLSTATT wohnt.
In Hallstatt leben 727 Einwohner und ca. 150.000 Übernächtigungen/Jahr.
Quelle
Das wären dann ca. 200 Touristen je Einwohner und Tag!!
Muss mich korrigieren:
Die 200 Touristen je Einwohner sind pro Jahr und nicht pro Tag!
Lt. u.a. Info hat Hallstatt auch viele Besucher und weniger Übernächtigungen.
Wäre dann 10.000 Besucher pro Tag und 727 Einwohner = 14 Touristen pro Einwohner und TAG!
Und damit soviele wie in FLORENZ, welches auf Platz 5 der Europäsischen Hauptstädte liegt.


Weitere Übersicht über dieses Thema: Hier

Demo vor Straßentunnel in Hallstatt
Einmal mehr haben die Bewohnerinnen und Bewohner der kleinen Gemeinde Hallstatt (Bezirk Gmunden) ihren Unmut über den Massentourismus im Ort zum Ausdruck gebracht. Am Samstagvormittag fand vor dem Nordportal des Straßentunnels eine Demonstration statt.
Bis zu 10.000 Besucherinnen und Besucher pro Tag zählt die rund 800 Einwohner zählende Gemeinde Hallstatt (Bezirk Gmunden) an stark frequentierten Tagen. Seit bereits mehreren Jahren wird in Hallstatt versucht, die Besucherströme besser zu lenken, allerdings mit einem bisher mäßigen Erfolg. Die zuletzt eingeführten Slots für Busse würden einfach umgangen.
Idam: „Strafe völlig egal“
„Wenn die Slots vergeben sind, wird einfach am Straßenrand geparkt. Die Fahrzeuge verursachen damit nur weiteren Stau. Außerdem lassen die Busse ihre Gäste an gefährlichen Stellen aussteigen. Eine Strafe von 60 Euro ist denen völlig egal“, sagt Friedrich Idam von der Gemeinderatsfraktion Bürger für Hallstatt.
Kurze Blockade bei Tunnelzufahrt
Mit einer Blockade der Tunnelzufahrt machten die Bewohnerinnen und Bewohner in Hallstatt Samstagvormittag auf die Missstände aufmerksam. Der Sprecher der Bürgerliste fordert wirksame Maßnahmen. „Es sollen nur mehr Leute hereingelassen werden, die rechtzeitig einen Slot gebucht haben. So ist es letztlich in allen Welterbestätten“, so Idam.
Ursprünglich hätte die Tunnelblockade zwei Stunden dauern sollen. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft genehmigte schließlich nur 15 Minuten.
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#32
Kärntner Beispiele:

Greißlereien als neue Ortstreffpunkte
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In Orten, wo es kein Gasthaus mehr gibt, können Greißlereien eine Alternative als Treffpunkt sein. Sie sollen das Leben ins Dorf wieder zurückbringen. Im Mölltal eröffnen zwei Greißlereien an diesem Wochenende, dafür sperrt eine in Lendorf zu.
Online seit heute, 7.47 Uhr
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Rene Götte aus Stall im Mölltal erfüllte sich mit seiner Familie einen Lebenstraum. Am Samstag wird in der Gemeinde Reißeck ihre erste Greißlerei am Standort eines jahrzehntelang leerstehenden Gasthofs eröffnet. Das Gebäude direkt an der Mölltal Straße wurde in den vergangenen zwei Jahren mit sechs Mietwohnungen großzügig erweitert, im Erdgeschoss gibt es ausreichenden Sitzmöglichkeiten.

Nach Baufirma folgt Greißlerei
Die Greißlerei „Dorfleben“ möchte als neuer Mittelpunkt für die Bewohner der Gemeinde dienen, sagte Unternehmer Götte, der mehr als eine Million Euro investierte: „Wir wollen immer ein bisschen Veränderungen haben. Wir haben zuerst eine Baufirma gehabt und natürlich, wir werden auch immer älter. Dann ist der Job auch nicht mehr so einfach und jetzt haben wir überlegt, was machen wir. Und dann haben wir uns entschlossen, so etwas anzugehen.“

Die ganze Familie hat zusammengehalten, sagte Götte, „und dann haben wir es gemeinsam geschafft“. In der Früh können Arbeiter ihre Jause holen, zu Mittag werde gekocht, am Nachmittag gebe es Kaffeegeschäft und einkaufen könne man auch, so der Unternehmer.

ORF
Seniorchef Rene Götte glaubt an seine Idee

„Kastl-Greißlerei“ in Obervellach
Seit Freitag neu eröffnet ist auch das ehemalige Tauernfenster in der Gemeinde Obervellach. Eine Greißlerei, die 25 Jahre lang regionale Spezialitäten angeboten hatte. Mit Thomas Glanzer aus Osttirol und seinem „Kastl-Greißlerladen“ gelang jetzt die Weiterführung.
„Das Hauptmerkmal ist die Regionalität und mit dem Standort Obervellach ist die noch mehr gegeben. Wir waren immer schon auf der Suche nach einem Standort in Kärnten, damit wir Osttirol und Kärnten ein bisschen vereinen können und so die Regionalität austauschen“, sagte Glanzer.

ORF
Thomas Glanzer übernimmt die Greißlerei in Obervellach

Greißlerei Lendorf sperrt zu
Aber es gibt auch Betreiber von Traditionsgreißlereien, die sich für einen Wechsel entscheiden und das trotz enormen Andrangs. Die Greißlerei Ebner in Lendorf ist ein Beispiel. Nach neun Jahren ist für Michaela und Robert Ebner jetzt Schluss. Sie orientieren sich um und freuen sich auf einen stressfreieren Abschnitt, wie es Robert Ebner bezeichnete: „Schon mit Wehmut, weil wir das natürlich mit Leidenschaft gemacht haben. Aber ein neues Kapitel, eine neue Tür geht auf, es geht weiter.“ Die Zeit sei schwierig geworden, die Gesellschaft habe sich verändert, Personal werde schwer gefunden, die Kosten seien intensiver geworden, so Ebner. Vieles habe für den Entschluss zusammengespielt.
21.09.2024, red, kaernten.ORF.at
Greißlereien als neue Ortstreffpunkte
 

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#33
Gemeindepolitik
Gemeinden: Berg an Aufgaben wird immer höher
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Am 26. Jänner finden in Niederösterreich Gemeinderatswahlen statt. noe.ORF.at beleuchtet im Vorfeld die Herausforderungen der Gemeindepolitik in sich wandelnden Zeiten. Das markanteste Ergebnis: Der Berg an Aufgaben wird höher, die finanzielle Abgeltung hält kaum mit.
Online seit heute, 5.24 Uhr
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Das Hochwasser im September rückte die Rolle der Gemeinden, im Speziellen der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, einmal mehr in den Mittelpunkt. Sie waren Krisenmanager, nicht nur beim Hochwasser selbst, sondern auch danach, als es galt, Schadenskommissionen zusammenzustellen.

400 Gemeinden in Niederösterreich waren von Schäden betroffen, 52 davon mit jeweils mehr als 100 Objekten. Der Hochwasserschutz zählt zu den Kernaufgaben der Gemeinden, wie vieles andere auch – ein Auszug:
  • Trinkwasserversorgung
  • Abwasserentsorgung
  • Gemeindestraßen
  • Straßenbeleuchtung
  • Winterdienst
  • Grünraumpflege
  • Freizeitinfrastruktur
  • Kindergarten
  • Volksschule
  • Mittelschule
  • Standesamt
  • Müllabfuhr
  • Grundstückswidmung
  • Betriebsansiedelung
  • Tourismus
  • Hochwasserschutz
  • Friedhof
  • Bürgerservice
In dieser Liste noch gar nicht miteinbezogen ist die Versorgung mit Glasfaser, die sich in den vergangenen Jahren zur zentralen Daseinsvorsorge entwickelte – und mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, vor allem, wenn entlegene Häuser versorgt werden müssen, was sich für kommerzielle Anbieter nicht mehr rechnet.

Anforderungen ändern sich
Die Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger an ihre Gemeinden ändern sich generell, wie eine Studie, die das Institut für Demoskopie und Datenanalyse im Auftrag des niederösterreichischen Gemeindebundes erstellt hat, zeigt. 2.400 Einwohnerinnen und Einwohner Niederösterreichs wurden befragt.

Die Top vier der Wünsche an die Gemeinden zählen nicht zu deren Kernaufgaben, erklärt der Meinungsforscher und Leiter der Studie, Christoph Haselmayer: „Allen voran die Finanzierung von Arztpraxen, ein Nahversorger – obwohl man dann trotzdem oft nicht im Ort einkauft – die Finanzierung eines Bankomaten und die Einrichtung eines Postpartners.“

ORF
Ein eigener Nahversorger steht bei der Bevölkerung ganz vorne bei den Wünschen an die Gemeinde

Thomas Ratka, Leiter des Departments für Rechtswissenschaften und Internationale Beziehungen an der Universität für Weiterbildung in Krems, ist auch Leiter des Lehrgangs für Kommunalrecht. Er verweist auf viele andere Aufgaben, die deren Berg in den vergangenen Jahren wachsen ließ: „Im eigenen und übertragenen Wirkungsbereich der Gemeinde gibt es viele Punkte, die dazukamen. Flüchtlingsbetreuung, Altenbetreuung, Ausbau von öffentlichen Netzen, Internetausbau, Digitalisierung der Verwaltung, Datenschutz. All diese Dinge müssen auch finanziert werden.“

Im Fall des Falles springt das Land ein
Und da hapert es, denn nur 11,88 Prozent der Steuereinnahmen des Bundes fließen in die Kassen der Gemeinden. Stellt sich die Frage, welche Konsequenzen es bei Überschuldung geben könnte. Thomas Ratka bezeichnet als erste Instanz das Land: „Letztendlich haben die Länder eine Finanzierungsverantwortung. Und sollte es Gemeinden ganz schlecht gehen, sodass sie ihre notwendigsten Aufgaben der Daseinsvorsorge nicht mehr erfüllen können, dann müsste das Land einspringen.“

Einen Konkurs einer Gemeinde sieht Ratka theoretisch als möglich an, wenn Land oder Bund nicht einspringen, aber praktisch werde es dazu nicht kommen: „Erstens weil es nichts zu pfänden gäbe und die Aufgaben ja trotzdem erfüllt werden müssten, und zweitens weil es auf dem Finanzmarkt dann dazu führen würde, dass Kreditgeber nichts mehr an Gemeinden vergeben würden.“

ORF/Pöchhacker
Für Gemeinden kommen immer mehr Aufgaben dazu – in jüngster Vergangenheit etwa die Versorgung mit Glasfaser

Zumal die Gemeinden als unterste politische Ebene den direkten Kontakt mit ihren Einwohnerinnen und Einwohnern pflegen und daher unverzichtbar sind. Die Vertrauenswerte der Bürgerinnen und Bürger in die Gemeindepolitik, die vor zwei Jahrzehnten noch bei über 70 Prozent lagen, fielen aber seitdem ab – obwohl sie noch immer höher als die Vertrauenswerte in Land oder Bund sind, zitiert Meinungsforscher Christoph Haselmayer aus der Studie.

„Wir haben es mit einer Art Pattstellung zu tun, ungefähr die Hälfte hält die Gemeindepolitik für vertrauenswürdig, die andere Hälfte nicht. Besser ist dieser Wert für Bürgermeister, allerdings muss hier festgehalten werden, dass erstaunliche 28 Prozent der Befragten ihren Bürgermeister oder ihre Bürgermeisterin nicht kannten. Hier gibt es natürlich ein Land-Stadt-Gefälle, im urbanen Bereich kennen weniger Menschen ihre Bürgermeister als im ländlichen Raum.“

Rückwidmungen greifen in Eigentumsrecht ein
Rund um das Hochwasser flammte auch die Diskussion um zum Teil Jahrzehnte alte Widmungen für Bauland in Überflutungsgebieten wieder auf. Rückwidmungen, für die die Gemeinden ebenfalls zuständig wären, sieht der Rechtswissenschaftler Thomas Ratka kritisch: „Da greift man dann schon in das Eigentumsrecht ein. Wenn ich Bauland gewidmet habe und dann wird das zurückgewidmet, etwa um Hochwasserschutz zu gewährleisten, dann wäre das eine Enteignung, dann müsste man entschädigt werden, und es gibt durch Verwaltungs- und Verfassungsgerichte einen Schutz davor.“

Gemeindepolitik gilt als die, die am nächsten am Bürger ist. Und die sich am schwersten tut, um all die hoch gesteckten Ansprüche auch zu erfüllen.
28.10.2024, Robert Salzer, noe.ORF.at

Links:
Universität für Weiterbildung Krems
Institut für Demoskopie und Datenanalyse

Gemeinden: Berg an Aufgaben wird immer höher
 

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#34
Niederösterreich: Mehr als die Hälfte pendelt in anderen Bezirk
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In Niederösterreich pendelt jeder zweite Arbeitnehmer in einen anderen Bezirk, mehr als ein Viertel nach Wien, das zeigt die Pendleranalyse der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ). Weil Pendeln oft belastet, drängt die AKNÖ auf eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs.
Online seit gestern, 16.28 Uhr
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Niederösterreich gilt als ein Bundesland der Pendlerinnen und Pendler. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pendelt in einen anderen Bezirk. Knapp ein Drittel fährt zum Arbeiten in ein anderes Bundesland, jeder Vierte davon nach Wien. Nur ein Fünftel der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher arbeitet in der Heimatgemeinde. Im Fünf-Jahres-Vergleich sind die Zahlen gestiegen, wie die Pendleranalyse der Arbeiterkammer Niederösterreich zeigt. Die Daten basieren auf der Erwerbsstatistik der Statistik Austria.

Der Weg in die Arbeit dauert in Niederösterreich im Schnitt 30 Minuten. „Pendeln kostet Zeit und kostet Geld und es kann die Umwelt und die Gesundheit belasten“, sagt die Verkehrsexpertin der AKNÖ, Hannah Berger. Pendlerinnen und Pendler müssten daher unterstützt und entlastet werden, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

ORF/ Quelle: AK NÖ
Anstieg der Pendler im Fünf-Jahres-Vergleich in Prozent und Anzahl der Menschen, die in einen anderen Bezirk pendeln

Längere Fahrzeit mit Bus und Bahn
„Es ist immer noch so, dass rund 40 Prozent der Menschen, die in Niederösterreich leben, am Wohnort nicht oder sehr schlecht mit öffentlichem Verkehr versorgt sind“, sagt die Verkehrsexpertin. Deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass viele Menschen mit dem Auto in die Arbeit fahren.
Die Pendleranalyse zeigt, dass der Weg in die Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Schnitt um 66 Prozent länger dauert, als mit dem privaten Auto. Bei einer halben Stunde Wegzeit müsste man also mit einem Plus von 20 Minuten rechnen, wenn Öffis genutzt werden. Am stärksten ist davon der Bezirk Hollabrunn betroffen: Hier muss 122 Prozent mehr Zeitaufwand eingeplant werden.

ORF/Elisabeth Czastka
Oft dauert der Weg in die Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln länger

Ausbau von Haltestellen und ortsflexibles Arbeiten
Ein besseres Angebot im Bereich des öffentlichen Verkehr sei wichtig, um Pendlerinnen und Pendler zu entlasten. „Da reden wir von der Tarifgestaltung, auch über den Ausbau der Haltestellen, die man vorfindet. Also die Qualität der ersten Einstiegstufe“, sagt Wieser. Auch eine schnelle Behebung, wenn es zu Störungen kommt, sei für die Pendlerinnen und Pendler wichtig.

Generell müsse das öffentliche Verkehrsnetz besser ausgebaut werden. In den ländlichen Regionen könne das am besten durch Busverbindungen gelingen. Daher müsste man auch die Arbeitsbedingungen der Busfahrer verbessern, so Wieser. Zudem könne für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die einen weiten Arbeitsweg haben, die Möglichkeit remote – also ortsflexibel – zu arbeiten, entlastend sein.
03.12.2025, red, noe.ORF.at
Mehr als die Hälfte pendelt in anderen Bezirk
 

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#35
Schrumpfung
Wie ländliche Gemeinden mit dem Bevölkerungsschwund umgehen
In vielen entlegeneren ländlichen Regionen Österreichs sinkt die Bevölkerungszahl. Was finanzielle Anreize für Zuzügler und andere Maßnahmen bringen können

Im Lavanttal im Osten Kärntens schrumpft die Bevölkerung in einigen Orten. Aufhalten lässt sich der Trend meist nur schwer.
IMAGO/Eibner

Einst lebten in der Gemeinde Frantschach-Sankt Gertraud in Ostkärnten noch mehr als 4000 Menschen. Arbeitsplätze gab es vor allem in der Papier- und Zellstofffabrik, die in den 1950er Jahren sogar eigene Firmenwohnungen, Werkskindergarten und -Kinos errichtete. Ging es damals noch ums Wachsen, muss die Gemeinde seit 50 Jahren mit dem Schrumpfen fertig werden: 30 bis 50 Menschen hat sie seither fast jedes Jahr verloren. Knapp 2400 Einwohner leben im Jahr 2025 noch in der Gemeinde – weniger als vor 150 Jahren.

Frantschach-Sankt Gertraud ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Während Österreich durch Zuwanderung zwar insgesamt wächst, verlieren einige ländliche Gemeinden seit Jahren ihre Einwohnerinnen und Einwohner. Europaweit dürften vor allem entlegene ländliche Gebiete, etwa in Portugal, Süditalien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Polen, bis 2040 stark schrumpfen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Diese "demografische Krise" könnte nicht nur zu einem Zusammenbruch ländlicher Gemeinden und Strukturen führen, sondern auch populistischen Parteien neuen Zulauf bescheren, warnen manche. Wie groß ist das Problem der Entvölkerung? Und was können Gemeinden dagegen tun?

Schwierige Trendumkehr
"Es sind meist die üblichen Verdächtigen, die schrumpfen: in Österreich etwa das Mühl-, Waldviertel, das Mur- und Mürztal, das Lavanttal, oder das Südburgenland", sagt Gerlind Weber, emeritierte Raumplanerin an der Universität für Bodenkultur Wien (Boku), zum STANDARD. In vielen dieser Regionen habe sich der Bevölkerungsrückgang stark verfestigt.

Der Grund: Eine sinkende Geburtenrate, mit mehr Todesfällen als Geburten pro Jahr, und Abwanderung oder zu wenig Zuwanderung, um diese demografische Entwicklung zu kompensieren, so Weber, die sich seit vielen Jahrzehnten mit der Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum befasst. "Je peripherer und kleiner die Gemeinden, desto schwieriger ist es, diesen Trend umzukehren."

Fehlende Erreichbarkeit
Dahinter liegen oft längerfristige Transformationen – der Bedeutungsverlust des Agrarsektors oder bestimmter Industrien etwa –, aber auch soziale und praktische Faktoren, sagt Elisabeth Gruber, Humangeografin an der Universität Innsbruck, im Gespräch mit dem STANDARD. "In einigen ländlichen Regionen fehlt es nicht nur an Arbeitsplätzen, sondern auch an zugänglichem Wohnraum und guter Erreichbarkeit." Gerade Zuwanderer aus dem Ausland, ohne die die meisten Gegenden in Österreich schrumpfen würden, ziehe es in die Städte, wo es mehr Angebote für Wohnungen und Arbeitsplätze gibt.

Den "ländlichen Raum" per se gibt es aber nicht, so Gruber: Ländliche Gemeinden rund um Ballungsräume wie Wien wachsen etwa, ebenso wie solche, die gut erreichbar sind. Ein solches Wachstum sei häufig eine eigene Herausforderung.

Abwärtsspirale
Klar ist allerdings auch: Auch ein Rückgang der Bevölkerung stellt viele Gemeinden vor ziemliche Herausforderungen. Immerhin verlieren sie dadurch Mittel aus dem Finanzausgleich, der sich an der Bevölkerungszahl bemisst, und damit an Handlungsspielraum, sagt Marianne Penker, Professorin für Landsoziologie und ländliche Entwicklung an der Boku, zum STANDARD. Pro Person steigen die Kosten für die Erhaltung der Infrastruktur, während die Einnahmen der Gemeinde sinken.

Es kommt zu Leerständen bei Wohnungen und Geschäften und der Ort verliert womöglich die Arztpraxis, Schule oder Busanbindung. "Die Angst vor der Schrumpfung kann in der Gemeinde schnell zu einer Abwärtsspirale führen, wenn irgendwann auch die gehen, die vorher noch motiviert waren, viel in die Gemeinde einzubringen", so Penker.

Anreize für Zuzug
In Gemeinden wie Frantschach-Sankt Gertraud will man deshalb gegensteuern. Man versuche, dem Standort ein positives Image zu verpassen, Kinderbetreuungsangebote auszubauen, die Volks-, Mittel- und Musikschule, die medizinische Grundversorgung sowie Einkaufsmöglichkeiten und Gasthäuser im Ort zu halten, sagt Bürgermeister Günther Vallant (SPÖ). Auch die rund hundert Gemeindewohnungen sollen in den kommenden Jahren saniert werden, um wieder mehr attraktiven Wohnraum zu schaffen. Ohne diese Maßnahmen hätte die Gemeinde heute noch weniger Einwohner, ist sich Vallant sicher.

Andernorts versuchen schrumpfende Gemeinden und Regionen auf durchaus innovative Weise, wieder mehr Einwohnerinnen und Einwohner zu bekommen. Die italienische Provinz Trient bietet Menschen in 33 Gemeinden, in denen die Bevölkerung in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist, finanzielle Anreize für den Hauskauf oder die Sanierung. Wer mindestens zehn Jahre in einer der Gemeinden wohnt, kann einen Zuschuss von bis zu 80.000 Euro erhalten.

Gratis-Wohnungen
Rund 60 italienische Ortschaften locken zudem mit der Aktion "Case a un euro" (Häuser für einen Euro) Zuwanderer an, um verwahrloste Häuser vor dem Verfall zu retten und d


In einigen Gegenden Italiens, wie hier etwa in Sizilien, wollen Gemeinden Zuzügler mit "Ein-Euro-Häuser" anlocken. Oft sind mit den Angeboten aber auch verpflichtende, meist kostspielige Renovierungen verknüpft.
IMAGO/Andrea Savorani Neri

In Nordnorwegen wiederum will das Dorf Kokelv, in dem mittlerweile nur noch 80 Menschen wohnen, mit Gratis-Wohnungen neue Bewohner anziehen: Zuwanderer können dort ein Jahr lang gratis in kommunalen Wohnungen wohnen, danach zahlen sie nur die halbe Miete. Erst ab dem vierten Jahr wird der reguläre Mietpreis fällig. Zudem sollen die neuen Bewohnerinnen und Bewohner bei der Jobsuche unterstützt werden, Familien mit Kindern werden Plätze im Kindergarten und in der Schule garantiert. Andernorts gibt es "Begrüßungsgelder" von mehreren tausend Euro für Neuankömmlinge.

Anknüpfungspunkte schaffen
"Solche Maßnahmen können durchaus interessant sein", sagt die Humangeografin Gruber. Nicht wenige Menschen seien auf der Suche nach neuen Wohnorten, haben aber keine Anknüpfungspunkte dort. Temporäre Gratis-Wohnungen oder andere finanzielle Anreize könne potenziellen Zuwanderern signalisieren, dass der Ort offen ist für Zuwanderer.

"Allerdings muss diese Offenheit dann auch eingelöst werden", so Gruber. Beispielsweise können Gemeinden für die Neuankömmlinge Anknüpfungspunkte in Vereinen oder anderen sozialen Aktivitäten schaffen, um einen besseren Austausch und Verbindung zu ermöglichen. Allein eine Anzeige für Gratis-Wohnungen zu schalten, sei zu wenig.

Angst vor Zuwanderung
"Häufig ist es auch eine Willensfrage: Viele ländliche Gemeinden wollen nicht über Zuwanderung wachsen – aus Angst, dass dadurch die eigene Identität, Werte und Traditionen verloren gehen", sagt Gruber. Der bulgarische Politologe Ivan Krastev sieht die gleichzeitige Angst vor einem Bevölkerungsschwund und vor Zuwanderung als einen Hauptantrieb für den Populismus in bestimmten Regionen.

Die Folge, wenn Gemeinden keine Zuwanderung wollen: Sie wachsen gar nicht oder schrumpfen, weil die natürliche Bevölkerungsentwicklung nicht ausreicht. "Dabei können Gemeinden ihre Identität, Werte und Traditionen genau dann weiterleben lassen, wenn sie diese an Zuzügler vermitteln und gute Anknüpfungspunkte für Neuankömmlinge im Ort schaffen", sagt Gruber.

Chancen durch Schrumpfung
Landsoziologin Penker ist überzeugt, dass ländliche Regionen – gerade in Österreich – viel zu bieten haben. Sie seien häufig "Krisen-Gewinner", die in Zeiten von Wirtschaftskrisen, Pandemie und geopolitischen Krisen an Attraktivität gewinnen. Hinzu kommen die Möglichkeiten durch flexibleres und mobiles Arbeiten. Im internationalen Vergleich sei die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit am Land in Österreich relativ hoch und zum Teil sogar höher als in den Städten, so Penker.

Dass manche Regionen dennoch schrumpfen, lasse sich nur schwer verhindern, müsse aber jedenfalls begleitet werden – nicht nur von den Gemeinden, sondern auch vom Land, sagt Penker: etwa, indem die Infrastruktur an eine kleinere Bevölkerung angepasst wird, ohne dass zu viel an Qualität verloren geht, oder indem regionale Zentren gestärkt werden. Eine Schrumpfung sei nicht nur negativ: dadurch entstünden auch neue Möglichkeiten, beispielsweise für Renaturierung, so die Expertin.

Neuer Kindergarten
In Frantschach-Sankt Gertraud tut sich seit einiger Zeit etwas: In der diesjährigen Weihnachtssitzung beschloss die Gemeinde, eine bestehende Wohnhausanlage zu erneuern und dort neue Wohnräume zu schaffen. Seit diesem Sommer gibt es im Ort einen neuen Gemeindekindergarten, der Platz für 96 Kinder bietet. 72 Kinder haben dort im September angefangen. Und im einstigen Café Winkler gibt es jetzt auch acht Zimmer für Arbeiter und Urlauber.

Es sind vor allem kleine Schritte wie diese, die die so wichtige "Atmosphäre" in einem Ort wieder verbessern können, sagt Weber: Das Gefühl, dass es nicht nur bergab, sondern auch bergauf geht. "Wichtig ist, mit dem Gejammere aufzuhören und sich zu fragen: Was können wir bei uns ändern? Was sind die Stärken, auf die wir uns besinnen können?" Oft sehe man dann erst, dass man vielleicht mehr für die Menschen zu bieten habe als gedacht.
(Jakob Pallinger, 3.1.2026)
Wie ländliche Gemeinden mit dem Bevölkerungsschwund umgehen
 

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#36
Pilotprojekt soll Leerstände reduzieren
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Jedes achte Haus steht in der Region Schmidatal-Manhartsberg (Bezirk Hollabrunn) leer. Sechs Gemeinden haben sich nun zusammengetan und ein Pilotprojekt gestartet, um das zu ändern. Dabei sollen Eigentümer unter anderem zu Gesprächen eingeladen werden.
Online seit heute, 6.12 Uhr
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Ein altes Bauernhaus, vor dem eine Hecke wuchert, oder ein ehemaliges Gasthaus, in dem sich die Tapete bereits löst – es sind zwei Orte in der Region Schmidatal-Manhartsberg, die derzeit im Fokus eines Pilotprojekts stehen. Die sechs Gemeinden Heldenberg, Hohenwarth-Mühlbach, Ravelsbach, Sitzendorf a. d. Schmida, Ziersdorf und Maissau (alle Bezirk Hollabrunn) haben sich zusammengetan und wollen den Leerstand reduzieren.

Denn im Schnitt jedes achte Haus in den sechs Gemeinden steht mittlerweile leer. Für die Eigentümer bedeutet das im Jahr rund 800 Euro an Kosten, der Gemeinde fehlen jedoch jährlich hunderttausende Euro an Abgaben. „Leerstand wirkt sich einerseits bei den Einnahmen der Gemeinden aus, aber andererseits auch bei unseren Vereinen und Organisationen. Wenn uns die Bürgerinnen und Bürger fehlen, fehlt der Nachwuchs und so können manche Institutionen einfach nicht mehr weiterbestehen“, sagt der Bürgermeister von Sitzendorf, Florian Hinteregger.

Wohnraum für 1.500 Personen
Über die nächsten zwei Jahre läuft daher ein Pilotprojekt in der Region. Die Kosten dafür betragen rund 78.000 Euro, was zu einem Großteil durch EU-Förderungen finanziert wird. In einem ersten Schritt wurden nun die konkreten Leerstandszahlen in den Orten erhoben.

„Wir haben einen Leerstand von 690 Gebäuden. Das ist ein Raumpotenzial von 1.500 Personen, die wir unterbringen könnten. Das überschreitet bei weitem den prognostizierten Zuwachs über die nächsten 25 Jahre“, so Projektleiterin Lena Weitschacher.

Fotostrecke

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Zahlreiche Gebäude in der Region Schmidatal-Manhartsberg stehen leer
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Gespräche mit Eigentümern, etwa über die Möglichkeit einer Sanierung. sollen geführt werden

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Auch eine ehemalige Gaststube in Hohenwarth steht im Fokus

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Das Pilotprojekt wird durch EU-Förderungen unterstützt

Man müsse also in Wirklichkeit kein einziges Gebäude neu bauen. „Natürlich besteht da Sanierungsbedarf, aber die Flächen sind da“, so Weitschacher. Diese Potenziale sollten mehr genutzt werden, denn alles, was Gemeinden „neu erschließen müssen, kostet sehr viel Geld und Zeit“. Unter anderem müsse etwa „Infrastruktur neu errichtet werden“, sagt Weitschacher.

Daher sollen nun im Zuge des Projekts Eigentümer zu Gesprächen eingeladen werden, um die Gründe für den Leerstand zu ermitteln. Dabei werde es etwa auch das Angebot für Beratungen zur Finanzierung einer Sanierung oder auch zu Rechts-, Miet- und Pachtfragen geben. „Wir wollen nicht unangenehm werden, sondern wir wollen Angebote schaffen, damit die Eigentümer nachhaltig etwas aus ihrem Bestand machen können oder vielleicht neue Perspektiven entwickeln“, so die Projektleiterin.

Privater Leerstand betreffe „die Allgemeinheit“
Leerstand sei jedenfalls eine soziale Verantwortung. „Eine große Maßnahme in unserem Projekt ist die Kommunikation, die Bewusstseinsbildung, dieser Wandel der Wahrnehmung, dass das, was ich besitze, nicht nur ein privates Thema ist, sondern die Allgemeinheit betrifft“, sagt Weitschacher.

Auch Workshops und Wanderausstellungen sind in der Region geplant. Das Pilotprojekt soll nach Abschluss auch für andere Gemeinden und Regionen zum Vorbild werden. Denn das Problem betreffe auch andere Orte, erzählt Bürgermeister Florian Hinteregger. „Wir sind in regelmäßigen Austausch mit unterschiedlichsten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und auch die berichten, dass sie verschiedenste Ansätze probieren, um im Leerstand etwas zu tun“, so der Ortschef.
06.02.2026, Niklas Varga, noe.ORF.at
Pilotprojekt soll Leerstände reduzieren
 

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#37
Kleine Gemeinden fusionieren? Nur Nein zu sagen ist keine Alternative
Dass Gemeinden finanziell aus dem letzten Loch pfeifen, ist kein neues Phänomen. Trotzdem bleiben Zusammenlegungen, die mehr Effizienz versprechen, weitgehend tabu


Ein Wagnis, das aus der Mode gekommen ist: Anfang der Siebzigerjahre wurden neun Ortschaften im Marchfeld zur Gemeine Groß-Enzersdorf zusammengelegt. Das Leben ging für die Bürgerinnen und Bürger dennoch weiter.
HANS KLAUS TECHT / APA / picture

Obwohl 15 Jahre dazwischenliegen, gleichen sich die Diagnosen: Schon 2010 machte die "dramatische" Geldnot der Gemeinden Schlagzeilen. Was in der jüngeren Vergangenheit Corona-Pandemie und Teuerungskrise befeuert haben, war damals eine Nachwehe der Finanzkrise.

Leider fiel auch die (Nicht-)Konsequenz identisch aus. Dass es in Österreich verhältnismäßig viele und damit sehr kleine Gemeinden gibt, ist schon lange kein Geheimnis. Doch kommen Fusionen zur Sprache, damit nicht mehr jedes Dorf für sich einen Bauhof, eine Feuerwehr oder die Finanzverwaltung finanzieren muss, ertönt ein Aufschrei. Gestern wie heute ist der Gemeindebund dagegen.

Verletzter Lokalstolz
Aus subjektiver Sicht ist das nachvollziehbar. Kein Bürgermeister schafft sich gerne selbst ab, und auch in der Bevölkerung werden sich Lokalpatrioten im ersten Reflex gekränkt fühlen. Doch wie Erfahrungen zeigen, muss Überzeugungsarbeit nicht vergeblich sein. Dass die einstigen steirischen "Reformpartner" SPÖ und ÖVP 2015 in ein Wahldebakel gelaufen seien, weil sie die österreichweit bisher letzte Fusionswelle angestoßen haben, ist ein von Fakten nicht gedecktes Scheinargument. Trigger war vielmehr der Flüchtlingszustrom.

Die Kommunen haben ihr Schicksal nicht allein in der Hand. Weil sie die wegen der Alterung ausufernden Kosten für Pflege und Gesundheit mittragen müssen, braucht es neue Einnahmen – Stichwort Grundsteuer. Das entledigt aber nicht von der Pflicht, effizienter zu werden. Wer sich gegen Zentralisierung wehrt, muss auf anderem Weg liefern – und zwar entschlossener als bisher der Fall. Es ist nett, wenn Gemeindebundpräsident Johannes Pressl verspricht, mehr Kooperation in der Verwaltung "anspornen" zu wollen. Die Frage ist nur, warum das nicht längst passiert ist.
(Gerald John, 24.3.2026)

Kleine Gemeinden fusionieren? Nur Nein zu sagen ist keine Alternative
 

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#38
Machen wir Kleingemeinden ein Fusions-Angebot, das sie nicht ablehnen können
Kein Dorf profitiert von einem eigenen Apparat, dennoch traut sich kaum jemand über eine Zusammenlegung. Eine besondere Motivation würde sich auszahlen


Die Verwaltung wird nicht nur günstiger, sondern auch besser, wenn sie eine gewisse Größe hat. Davon könnten Kleingemeinden profitieren.
Florian Scheible

Zwangsfusion, wie das schon klingt. Neue Gemeindegrenzen, am Reißbrett geplant, von oben verordnet: Das wird wohl nie populär werden. Zu Recht, sagen die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen: Wenn sich kleine Gemeinden zu einer größeren vereinigen wollen, sollen sie das tun – aber bitte ohne Pflicht. Der Haken: Das passiert fast nirgends.

Zu groß sind die bewahrenden Kräfte in den Rathäusern. Bürgermeister wollen sich in aller Regel nicht selbst abschaffen, und die Angst vor einem sprichwörtlichen Aufstand im Dorf ist groß. Dabei könnte man den Leuten die Vorzüge der Fusion erklären: Die Verwaltung wird nicht nur günstiger, sondern auch besser, wenn sie eine gewisse Größe hat. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich besser spezialisieren und gegenseitig vertreten. Kein 500-Einwohner-Dorf profitiert von einem eigenen Apparat.

Ein Batzen Geld
Die "große" Politik soll Fusionen nicht verordnen. Das heißt aber nicht, dass sie gar nichts tun soll. Warum tun sich Bund und Länder nicht zusammen und machen Österreichs hunderten Kleingemeinden ein Angebot, das sie nicht ablehnen können? Jede neu geschaffene Gemeinde bekommt professionelle Begleitung zur Seite gestellt – und dazu eine ordentliche Summe für Investitionen im neuen Ort. Das Geld wäre rasch wieder hereingespielt. Und selbst für skeptische Bürgerinnen und Bürger klänge die Idee einer Zusammenlegung dann gar nicht mehr so schlecht. (Sebastian Fellner, 8.4.2026)

Machen wir Kleingemeinden ein Fusions-Angebot, das sie nicht ablehnen können
 
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