Kaiserwald

Ich habe vom längsten Tunnel (Wasserdurchlauf) Fotos reingestellt – dieser ist mit Abstand am längsten: ca. 75 Meter - Oberhalb befinden sich die zwei Bahnhof Fundamente
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
Hallo Sebastian,
besten Dank für die Höhenscanbilder!

Soweit ich die Trassen erkennen kann, muss man jedenfalls in Normalspur- und Feldbahnstrecken unterscheiden.
Der gelbe Bereich mit Vor- und Nachlaufstrecke dürfte ein normalspuriger Betriebsbahnhof (-> Verladung usw. ?) gewesen sein. Im roten Bereich dürften anhand der geringen Kurvenradien Feldbahngleise für den Betriebsablauf gesorgt haben (-> Bedienung von Lagerbunkern bzw. Hütten...).
...man erspart sich das Abhängen und Drehen der Lokomotive weiters hätte die Bahn nicht bis nach Deutschlandsberg runder zur Drehplatte an der Endstation Eibiswald fahren brauchen – die Eisenbahn hätte dann schon im Kaiserwald bei Graz in umdrehen können...
Ein "Drehen" der Loks war sicher nicht erforderlich, man fuhr auch mit "Tender voraus"... und es gab bestimmt im Betriebsbahnhof mehrere Gleise, um die Loks für die Rückfahrt über ein "Umfahrungsgleis" umsetzen zu können. Mit Sicherheit fuhren die Züge zum "Umdrehen" nicht vom Kaiserwald die mehr als 50 km je Richtung bis Eibiswald zur dortigen Drehscheibe!

1561921254602.png
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
Siehe auch Beitrag #128 mit dem Plan der Hauptgleise des Normalspurnetzes am Muna-Gelände! Da gab es keine "Umkehrschleife"...
Jedenfalls sind die Trassen im Bereich des Streckenendes (Nähe Dietersdorf) gut nachvollziehbar!
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
die Skizze zeigt nur einen Teil der linken Seite
...ja die Trasse verläuft noch in einem Bogen weiter, was aber nicht heißt, dass das Gleis dort bis Kriegsende auch noch verlegt wurde! Außerdem sind in der Skizze sicher nur die Hauptgleise (Stammgleise) ohne eventuelle Nebengleise, Ausweichen usw. festgehalten! Aber wie der leider bereits verstorbene Experte Sepp Tezak schon schrieb, ist es schwer, genaueres (Pläne...) zu finden, geschweige denn, ordentliche Auskünfte zu erhalten...

1562010470767.png

Jedenfalls sind für mich folgende Dinge eindeutig:
- Die ursprünglich als "Tunnels" beschriebenen Bauwerke sind Wasserdurchlässe für Bahn- oder vielleicht auch Straßentrassen
- Es gab im Kaiserwald sowohl Normalspur- als auch Feldbahnen
- Es gab eine Schießstätte
- Die "Pfeilerhalle" ist ein Normbau bei Mun-Anstalten (siehe Forstheide bei Amstetten oder Muna Crawinkel...)

...und alles Sonstige ist im Bereich Spekulationen und Vermutungen angesiedelt!
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Schiessstätte Kaiserwald - Anlage B


Foto 7 + 8 +9:
Kennt sich wer mit diesem Kugelfang aus?
Wozu wurde der 4,5 Meter hohe Durchgang benötigt? Vielleicht gab es damals eine Mechanik um auf bewegende Ziele schießen zu können – es fehlen dann aber gegen über die Befestigungspunkte
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Bahnhof - der Munitionsanstalt Kaiserwald bei Graz

Es gab damals in der Westseite des Kaiserwaldes einen Betriebsbahnhof. Heute sind dort 2 Rechteck Betonfundamente mit jeweils ca. 80 Meter Länge und innen 20 Meter Breite anzufinden.

80 Meter x 20 Meter = 1600m² x 2 = ca. 3200m² Lagerfläche

Haben innen einen Erd-bzw. Sandboden – man hat oder hätte hier Munition zum Lagern auf schlichten können. Auf der linken Seite hätte man von den höheren Normal Spur Wagons in die Bahnhofhallen und dann auf die rechte Seite daneben in die niedrigere MunBahn Umschlichten können. Weiters gibt es noch mehrere Abwasser-bzw. Kanalschächte, die mit Betonrohren verbunden sind. Unten am westlichen Hang sieht man den Auslass in dem Bach. Unterhalb ist der 75Meter lange Tunnel.
Ein Betriebsbahnhof vielleicht mit einer Munitionswerkstatt für Montage bzw. Zusammenbau - das Puchwerk will das Inventar zurück haben: Zeitungsbericht 15.08.1945
Der begradige Abschnitt ist ca. 500 Meter lang. Dieser Bereich des Kaiserwaldes ist nachträglich sehr dicht aufgeforstet worden.

wie auch hier erwähnt: Link Beitrag Seite 3

Foto10: Da das Eisenteil verbogen ist - wird überlastet oder dementsprechend viel in Verwendung gewesen sein.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:

HF130C

Well-Known Member
Danke für die Eindrücke.

Das in Bild 10 gezeigte Eisenteil ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Arretierhebel für eine Feldbahn-Kipplore. Das linke gerundete Auge war am Fahrgestellrahmen befestigt. Das Loch des Hebel umfasste einen Bolzen an der kippbaren Mulde, somit konnte diese nicht ungewollt in Kippstellung schwenken. Der am Bild ersichtliche Stift an der kleinen Kette wurde wiederum in eine Bohrung des Bolzens an der Kippmulde gesteckt und verhinderte das ungewollte Herausrutschen des Arretierhebels vom Bolzen. Das linke Auge ist wiederum gerundet, um ein Verschwenken und damit Einfädeln des erwähnten Bolzens in das mittlere Loch zu ermöglichen.

Da an dem Ort eine Feldbahn existiert hat, wird dieses Teil wohl auch von einer Kipplore stammen. Ähnliche Konstruktionsteile hat es freilich auch als Bordwandhalter für die Landwirtschaft oder früheren gummibereiften Lastverkehr gegeben. Zur genaueren Bestimmung müsste man die Abmaße des Teils kennen.
 
Munitionslager Kaiserwald - Betonhalle Kaiserwald

Foto Links Kaiserwald Halle:
YouTube Links Kaiserwald Halle:

Auf Wikipedia steht das die Halle unfertig wirkt, da sie nur aus Grundmauern besteht. Die Halle hat innen einen Erdboden bzw. Sandboden um Munition auf schlichten zu können – man brauchte keinen Betonboden.
Heute ist die Betondecke an ein paar Stellen undicht geworden.
Die Hallen Außenmaße sind ca.: 33 x 22 x ca.4 Meter hoch = ca. 2904m³

laut Wikipedia:
Ab Herbst 1946 beschäftigte sich der Entminungsdienst im Kaiserwald mit der Vernichtung von Kriegsmaterial. Bis 1949 wurden 140 Tonnen an Kriegsmaterial entschärft.

Munition - weitere Infos:
 
Zuletzt bearbeitet:
Munitionslager Kaiserwald - Bombardierung des Munitionslagers und der Ortschaft Zwaring

Hier ist ein ausführlicher Bericht von der Geschichte der Gemeinde Zwaring-Pöls neben der südlichen Seite des Kaiserwaldes:
16.Oktober 1944 12:00

…da anfangs ja nicht einmal bekannt war, warum alliierte Flieger das Dorf Zwaring überhaupt zu einem Angriffsziel machten. Dass sich im Kaiserwald ein größeres Munitionslager der deutschen Heeresverwaltung befand, war zuerst nur ganz wenigen in der Bevölkerung bekannt…

…einem Geschwader von etwa 30 Flugzeugen, die aus Westen anflogen, etwa 240 Bomben zu 250 und 500 kg auf das im Kaiserwald gelegene Munitionslager geworfen. Dabei wurden rund drei Hektar Waldland schwer beschädigt, das Munitionslager jedoch verfehlt. Im benachbarten Dorf Zwaring kommt es zu mehreren Volltreffern. Mehrere Zivilpersonen kommen ums Leben...

Südlich von Zwaring befindet sich heute der ÖBH Übungsplatz GüpL-Pöls - dieser ist der Belgier Kaserne unterstellt.

Zeitungsberichte aus dieser Gegend:
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Hallo!

Finde euer Interesse am Kaiserwald super, ganz besonders Sebastian - hast wirklich schon ziemlich alles gefunden und entdeckt.
Ich wohne dort im Wald - Knesweg (Dietersdorf 48).
Wenn du wieder mal vor Ort bist, kannst du gerne vorbeischauen!

Lg Dominik
 
Ich bin wirklich beeindruckt, wie viel Zeit und Mühe ihr alle in dieses Thema investiert habt! Ich wurde durch Youtube Videos auf den Kaiserwald aufmerksam, und habe eure Beiträge wirklich verschlungen - und das hat bisher noch nicht einmal ein Bestseller geschafft ;)

Würde im März gerne mal einige Punkte besuchen - dank Sebastians Übersicht sollte das ja ohne viel Sucherei möglich sein. Sollte ich irgendetwas Spannendes finden, bekommt ihr natürlich Fotos ;)

Nur ums für mich noch mal klarzustellen - im Kaiserwald bzw der umliegenden Gegend gibt es keine Bunkeranlagen, oder? Was hier (und auch zB in Videos) manchmal als "Bunker" bezeichnet wird, dient lediglich der Entwässerung?

LG Nico

PS: keine Angst vor meinem Nickname - ich bringe nicht den Tod ;)
 
Hallo UmbraMortis93

Der Kaiserwald ist ein militärisches Übungsgebiet mit aufgelassener Munitionsanstalt - ein Betreten wird nicht empfohlen. Ein Betreten der Muna ist nur sehr schwer bedingt möglich, die damaligen Wege sind zugewachsen und existieren heute nicht mehr.


Direkt im Kaiserwald gibt es keine Bunkeranlagen. Die Kanalschächte sind für eine Entwässerung erforderlich, da die Schiessbahnen tiefer liegen als die restliche Gegend. Es gibt ca.5 Kanalschächte – bei ein paar davon wurde der Kanaldeckel entfernt bzw. sind teilweise zugewachsen. Am naheliegenden Osthang sieht man den Auslass. Vielleicht dienten diejenigen die sich außerhalb der Schießstätte befinden einer WC-Anlage.
 
Zuletzt bearbeitet:
Momentan ist die beste Zeit sich das anzusehen und man entdeckt immer wieder was neues, war heute selbst eine Runde spazieren und es verliert nie an Faszination.
Im Sommer ist alles so stark verwachsen, dass ein Verfolgen der Trassen fast unmöglich ist.
Nach dem Krieg wurde dort vieles schnell abgebaut (benötigte man ja für den Wideraufbau).
Angeblich waren dort Wege komplett mit großen Granitsteinen ausgelegt(auch im Bereich meiner Zufahrt)
Falls ihn schon jemand entdeckt hat: unser Brunnen im Wald wurde auch von der Wehrmacht gebaut. Wir nutzen diesen nach einer Renovierung und Leitungsverlegung seit den 60ern.
Und wenn die Frage kommt wie man dort wohnen kann: meine Großeltern zogen nach dem Krieg in den Wald. Dort stand ein Kommandantenhaus am Waldrand.

Lg Dominik
 
Hallo Dominik

Ich hab ein paar Fotos eingefügt. Wo stand dieses erwähnte Kommandantenhaus? man kann es auf den heutigen Scan Fotos nicht erkennen;

Wann ist die heutige Kaiserwaldsiedlung damals gebaut worden?
Das tatsächliche Kasernen Kommandohaus wird das 1.Haus der heutigen Kaiserwaldsiedlung gewesen sein: Google Maps Link - Kaiserwaldsiedlung

auf der Forumseite 4 Beitrag #73: schreibt wer von einer Lagerwache beim 1.Haus
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Thema Schlagbrunnen:

Bitte besondere Vorsicht, es gibt im Wald noch ungesicherte Schlagbrunnen. Grundwasserspiegel liegt bei ca. 20 Meter.
Diese Brunnen haben zwar nur einen Durchmesser von etwa 30 cm und sind häufig verwachsen (teilweise nur mit Ästen abgedeckt - viele von ihnen sind bestimmt für immer ordentlich verschlossen).
In den 50ern wurden die Verrohrungen aus der Erde gezogen.
Für einen Beinbruch oder andere Verletzungen reicht es trotzdem aus.
Habe euch einen auf der Karte markiert und fotografiert, der meiner Meinung nach noch ein Rohr eingesetzt hat.

Schönen Abend,
Lg Dominik
 

Anhänge

Der Brunnen wird u.a. für die Teiche (Löschteiche) benötigt worden sein. Es wird damals mehrere Wasserbezugsstellen gegeben haben.

Auf den heutigen GIS Scan Fotos sieht man 6 vertiefte Rechteckfelder. Wenn man Teiche und Seen anwählt ändert sich bei 3 von 6 dieser Rechtecke die Farbe auf blau. 3 offizielle Teiche -> Screenshot im Anhang - bei Detail Infos steht: künstliche Teiche

Auch der eine fertiggestellte untere Bahndamm mit dem Wasserdurchlauf wird symbolisch angezeigt.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Oben