Kalkbrennerei

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Harald 41

Guest
#1
Kalkofen Gumpoldskirchen

Hallo war gestern in Gumpoldskirchen und sah mir auch gleich noch einmal den dortigen Steinbruch etwas genauer an.
Iteressant anzusehen ist der alte Kalkbrennofen der schon wie auf der Iformationstafel zu lesen 1806 errichtet wurde.
Das Bergwerk war bis 1990 in Bertrieb bis es entgültig eingestellt wurde.
Man sieht auch in der Felswand eine vermauerte Höhle,die aber wieder geöffnet wurde,habe ein Foto gemacht aber leider keine Taschenlampe mit um hineinzugehen.
Wenn wer genaueres über die Höhle weis bitte um info danke.:danke
Anbei habe ich noch ein paar Fotos von der Umgebung des Bergbaues gemacht.

LG Harry
 

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andreas2

Guest
#3
habe mich in den 1990er-jahren recht intensiv mit der kalkbrennerei im waldviertel beschäftigt, die es ja seit den 1950er-jahren - mit wenigen ausnahmen sogar bis nach 1960 - nicht mehr gibt.

damals konnte man noch einige dutzend öfen im gelände finden, leider sind einige seitdem verschwunden. aber es gibt immer noch genug zu sehen. ein paar sind immerhin bestandteil von lehrpfaden oder haben zumindest eine kleine infostation. und man konnte damals sogar noch mit menschen sprechen, die selbst gebrannt haben. das wäre wohl heute nicht mehr möglich.

wenn euch das thema interessiert, kann ich ja bei konkreten fragen einige infos bereitstellen, soweit es meine zeit erlaubt.

ein paar infos gibts schon im netz:
www.oeab.at/kulturgeologie/brennen.htm

andreas
 

josef

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#4
...wenn euch das thema interessiert, kann ich ja bei konkreten fragen einige infos bereitstellen, soweit es meine zeit erlaubt...
Hallo Andreas,
besten Dank für die "Thread-Eröffnung" zu diesem Thema! Sicher interessiert uns das! Habe vor Jahren mal die "Kulturgeologie-Seiten" durchgeackert, wie ich jetzt sehe, gibt es da zwischenzeitlich auch einiges an Ergänzungen...:bravo:

Erlaube mir als Laie, gleich Fragen zum Unterschied der Kalköfen zu stellen:

- Schachtofen -> ist mir von der Logik her klar, aber
- Feldofen ? u.
- Grubenmeiler ? (ähnlich Kohlenmeiler ?)...

lg
josef
 
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andreas2

Guest
#5
hallo josef !

also:
schachtofen ist ein turm-/röhrenartiger ofen für den kontinuierlichen betrieb. oben kommt das rohmaterial rein, untern kommt´s fertig raus.
der letzte erhaltene steht in unterthumeritz (www.japons.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218851173&detailonr=173948777)

feldofen ist die "kleingewerbliche", großteils gemauerte ausgabe, von 3 x 3 bis, sagen wir mal grob, 5 x 5 m. der muss bei jedem brand händisch ein- und ausgeräumt werden. ein gutes beispiel der erhaltung durch eigeninitiative steht in heitzing (www.dunkelsteinerwald.gv.at/system/web/gelbeseite.aspx?menuonr=220478232&detailonr=220678595)

kalkmeiler bzw. grubenmeiler ist ein hilfsbegriff, der sich tatsächlich an die bauweise der kohlenmeiler anlehnt. im prinzip sind es grubenartige vertiefungen mit einem durchmesser von einigen metern, die (heute) von einem erdwall umkränzt sind, manchmal findet man am boden niedrige mauerkränze. bei jedem brennen wurde über den aufgeschlichteten rohsteinen eine erd- und lehmkuppel errichtet, die danach wieder abgerissen wurde.

andreas

BR 1.JPG grubenmeiler im göttweiger wald bei münichreith
EL 2.jpg feldofen in elsenreith
FL 2.JPG grubenmeiler von brand bei rastenberg
EIB 5.jpg feldofen bei eibetsberg (restauriert)
 

josef

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#6
Andreas :danke für die Erklärungen und Fotos!
D.h., ich habe bisher das Auge (Kamera) nur auf die "großen" Schachtöfen gerichtet :)

lg
josef
 
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Harald 41

Guest
#7
Hallo Andreas;
Ebenfalls :danke für den interessanten Link und die Bilder, war vor einigen Jahren sehr oft im Waldviertel wegen Mineralien suchen und diverse Ausflüge auch in Elsenreith nur Feldöfen usw... sind mir damals leider nicht aufgefallen:schlecht:
Naja vielleicht war ich zu sehr auf Steinbrüche fixiert:D

LG Harry
 
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andreas2

Guest
#8
hallo harald !

das kenn ich, aber im allgemeinen sind die kalköfen nicht weit weg vom steinbruch. schließlich wurde alles mit scheibtruhen, leiterwagen und ähnlichem transportiert. wenn man vor/in einem marmorsteinbruch steht, ist sehr oft ein ofen in der nähe. es lohnt sich daher, dessen nähe abzusuchen. auch im ort kann man bisweilen noch näheres erfahren. das wissen stirbt aber mit den älteren aus. wie bei so vielem.

die bevölkerung hat bei den meilern oft merkwürdige erklärungsversuche, etwa wurden solche gruben im göttweiger wald "wolfsgruben" genannt. ein gemauerter ofen am arzberg bei elsenreith wurde als eisenschmelze aus dem 11. jh. angesehen, usw..

andreas
 

josef

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#9
Kalklöschen

Als Kindheitserinnerung (Ende der 1950iger Jahre des vorigen Jahrh.) ist mir der Vorgang des „Kalklöschens“ noch im Gedächtnis:
Am Hof des Nachbarn gab es eine mit Holzbohlen abgedeckte „Kalkgrube“. Wenn irgendwelche Bauarbeiten anstanden, wurde das zur Herstellung des Kalkmörtels notwendige Kalkhydrat aus Branntkalk selbst hergestellt. Dabei kippte der Nachbar Brocken von Branntkalk in die Grube und goss Wasser darüber. Mit einem Eisenrechen wurde umgerührt und brodelnd und zischend verwandelten sich die Branntkalk- Brocken in eine breiige Masse zu Kalkhydrat. Wir Kinder durften nur aus sicherer Entfernung dem „Schauspiel“ des chemischen Vorgangs zusehen und die Kalkgrube war bei offener Abdeckung "Verbotszone"... Von wo der Nachbar die gebrannten Kalksteine, die er aus Jutesäcken in die Grube leerte, bezog, kann ich nicht sagen :)

http://de.wikipedia.org/wiki/Technischer_Kalkkreislauf

lg
josef
 

josef

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#10
Kalköfen bei Hauskirchen im Weinviertel

Bei der Suche nach den "Ofenanlagen XXXIII u. XXXIV" bei Hauskirchen entdeckte ich 2001 auch die Ruinen von 2 Kalköfen östlich Hauskirchen an der Straße Richtung St.Ulrich. Lt. meinen laienhaften Kenntnissen dürfte es sich dabei um "Schachtöfen" handeln, da oben noch verrostete Rutschen zur Beschickung vorhanden waren. Zwischen den beiden Öfen dürfte früher ein Schrägaufzug gewesen sein.
 

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andreas2

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#13
hallo josef !

laut fotos handelt es sich um einen typischen schachtofen. einen von der größe her ähnlichen gab es bei ötzbach (gem. mühldorf). auch der ist von oben mittels aufzug und rutsche beschickt worden, die aber nicht mehr erhalten sind.

lg, andreas

Anhang anzeigen 27693 einfacher schachtofen in ötzbach (betrieb 1958-1961)
 

Joe

Fehlerkramrumschlager
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#16
Das Prinzip ist heute noch das gleiche wie früher. Nur werden die Mengen heute großtechnisch und zentral hergestellt, nicht mehr an kleinen Kalkvorkommen.
Dafür gibt es Zement- und Kalkwerke mit großen Drehrohr- oder Verwirbelungsöfen.

Meist direkt an großen Kalksteinbrüchen gelegen, werden die Wege bis zum Endprodukt kurz gehalten.
Gruß
Joe
 
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andreas2

Guest
#20
(ungelöschtes) kalkpulver wurde nicht nur im klo zum desinfizieren gebraucht. das u. u. jährliche "weißen" im stall und in der küche half gegen fliegen u. a. ungeziefer. die toten in gräbern, v. a. zu zeiten von pestepidemien, wurden ebenfalls mit kalk bestreut. auch beim gerben von häuten und fellen wurde es deswegen eingesetzt.

andreas
 
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