Vergessene Visionen am Bodensee
Ein schwimmendes Konzerthaus, eine Brücke über den Bodensee und Autobahnen am Ufer – diese und andere architektonische Utopien aus der Vergangenheit sind bis Mitte Jänner 2025 im Museum Rosenegg in der Schweiz zu sehen.
Online seit heute, 7.52 Uhr
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Vergessene Visionen am Bodensee
Ein schwimmendes Konzerthaus, eine Brücke über den Bodensee und Autobahnen am Ufer – diese und andere architektonische Utopien aus der Vergangenheit sind bis Mitte Jänner 2025 im Museum Rosenegg in der Schweiz zu sehen.
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Ein schwimmendes Konzerthaus vor Konstanz, eine Brücke über den Bodensee, Wolkenkratzer am Ufer und Autobahnen – all das ist in der Vergangenheit geplant worden, all das blieb aber eine Utopie. Diese und andere architektonische Visionen sind im Museum Rosenegg in Kreuzlingen in der Schweiz zu sehen, berichtet der SWR.
Fotostrecke mit 6 Bildern
Museum
Museum
Museum
Das „Kolosseum von Konstanz“ war Anfang der 1970er-Jahre dort geplant, wo später die Schmieder-Kliniken entstanden, in unmittelbarer Nähe zum Strandbad Hörnle. Es hätte Wohnungen, Verkaufsflächen und ein Drehrestaurant auf dem Dach gehabt. Doch der „Bodensee-Erlass“ des Landes vereitelte neue Großbauten am Seeufer.
Museum
Wie die Golden Gate Bridge in San Francisco hätte eine Brücke über den Bodensee aussehen sollen, zwischen Meersburg und Konstanz oder Unteruhldingen und Litzelstetten. Sie wäre gut drei Kilometer lang gewesen und hätte auf Pfeilern im bis zu 150 Meter tiefen See gestanden – ein Plan aus den 1960er-Jahren.
Museum
Museum
Wie zwei Segel hätten die Zwillingshochhäuser am Bodenseeufer die deutsch-schweizerische Grenze einrahmen sollen. Das war die Idee des britischen Architekturbüros Atkins. Doch ihre Idee von 2005 scheiterte an unterschiedlichem Baurecht in Konstanz und Kreuzlingen.
Die Brücke über den Bodensee
In den 1960er-Jahren wurde intensiv über eine Brücke zwischen Konstanz und Meersburg diskutiert. Sie hätte wie die Golden Gate Bridge in Kalifornien aussehen oder schwimmend auf Pontons gelagert sein können. Vorangetrieben hatte die Idee zur Autobrücke statt Autofähren damals der FDP-Stadtrat und Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Konstanz, Josef Hund. Die Brücke wäre etwa 3,6 Kilometer lang gewesen und hätte zwischen 100 und 600 Millionen D-Mark gekostet. Trotz der intensiven Diskussionen und Planungen wurde das Projekt letztlich nicht realisiert.
Straßentunnel und Autobahnen
Auch ein Straßentunnel durch den Bodensee war in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Diskussion. Er wäre rund 45 Meter unter der Wasseroberfläche im See zwischen Unteruhldingen und der Mainau treibend verankert worden. Allerdings erwiesen sich die Zufahrten zum Tunnel als nicht realisierbar. 1982 legte der Konstanzer Gemeinderat den Bodensee-Tunnel zu den Akten.
Einige Autobahnpläne blieben Pläne
Ebenfalls in den 1960er-Jahren gab es Pläne, den Bodenseeraum mit Autobahnen besser zu erschließen. So sollte es eine Autobahn von Stuttgart über Singen nach Konstanz geben. Gebaut worden ist vom Teilstück Singen-Konstanz, das in der Planung A881 hieß, lediglich die Autobahnbrücke über den Konstanzer Seerhein. Sie erhielt den Spitznamen „So da“-Brücke, weil sie jahrelang nur so da stand, ohne dass an den Enden der Brücke eine Straße irgendwohin geführt hätte.
Autobahnpläne am Bregenzer Seeufer
Auch am Bregenzer Seeufer gab es Pläne, eine Autobahn zwischen Innenstadt und Seeufer zu bauen. Dort führen bereits die Bahngleise entlang. In einer Volksbefragung im Jahr 1960 waren 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen die Seeufer-Trasse. Es dauerte aber noch mehrere Jahre, bis die Regierung in Wien ihre Pläne aufgab und stattdessen den Pfändertunnel baute.
Bodensee als Baufläche nutzen
Immer wieder hat es spektakuläre Pläne gegeben, den Bodensee als Baufläche zu nutzen. So entwarf ein Bregenzer Architekt die „Goldene Schale“, eine Art moderne Pfahlbausiedlung mit einer Fläche von rund 17.000 Quadratmetern. Sie sollte im Flachwasser vor Bregenz Platz für ein Hotel, Restaurants, Einkaufsläden und Wohnungen bieten. Das scheiterte 2004 in Bregenz, ein Jahr später auch vor Konstanz und Kreuzlingen.
Auch der Vorschlag aus dem Jahr 2018, ein Konzerthaus im Bodensee vor Konstanz zu verankern, weil sonst nirgendwo Platz dafür sei, scheiterte. Die 2.500 Konzertgäste hätten unter der Wasseroberfläche gesessen und wären mit Wassertaxis an Land gebracht worden.
Weitere gescheiterte Visionen
Eine der jüngsten Ideen war eine Seilbahn für Konstanz. Sie sollte vom Stadtrand und der Insel Mainau sowie der Universität in die Innenstadt führen. So etwas gab es bereits als Scherzpostkarte in den 1920er-Jahren. 2013 brachte Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) sie erneut in die Diskussion. Doch ein Gutachten beschied: nicht wirtschaftlich. 2022 landete auch diese Utopie auf dem Stapel „nichts geworden“.
Auch die Idee, mit der Weißen Flotte vom Bodensee in die Nordsee zu fahren, scheiterte. 1974 schlug der Kanton Thurgau (CH) vor, den Wasserstand des Bodensees zu regulieren und dafür ein Stauwehr mit zwei Schiffsschleusen im Rhein zu bauen. Es war unter anderem angedacht, eine Hochseeschifffahrt von der Nordsee bis zum Bodensee möglich zu machen. Doch ein Volksentscheid schmetterte das Vorhaben ab.
17.11.2024, red, vorarlberg.ORF.at
Links:
Museum Rosenegg
SWR-Artikel
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Das „Kolosseum von Konstanz“ war Anfang der 1970er-Jahre dort geplant, wo später die Schmieder-Kliniken entstanden, in unmittelbarer Nähe zum Strandbad Hörnle. Es hätte Wohnungen, Verkaufsflächen und ein Drehrestaurant auf dem Dach gehabt. Doch der „Bodensee-Erlass“ des Landes vereitelte neue Großbauten am Seeufer.
Museum
Wie die Golden Gate Bridge in San Francisco hätte eine Brücke über den Bodensee aussehen sollen, zwischen Meersburg und Konstanz oder Unteruhldingen und Litzelstetten. Sie wäre gut drei Kilometer lang gewesen und hätte auf Pfeilern im bis zu 150 Meter tiefen See gestanden – ein Plan aus den 1960er-Jahren.
Museum
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Wie zwei Segel hätten die Zwillingshochhäuser am Bodenseeufer die deutsch-schweizerische Grenze einrahmen sollen. Das war die Idee des britischen Architekturbüros Atkins. Doch ihre Idee von 2005 scheiterte an unterschiedlichem Baurecht in Konstanz und Kreuzlingen.
Die Brücke über den Bodensee
In den 1960er-Jahren wurde intensiv über eine Brücke zwischen Konstanz und Meersburg diskutiert. Sie hätte wie die Golden Gate Bridge in Kalifornien aussehen oder schwimmend auf Pontons gelagert sein können. Vorangetrieben hatte die Idee zur Autobrücke statt Autofähren damals der FDP-Stadtrat und Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Konstanz, Josef Hund. Die Brücke wäre etwa 3,6 Kilometer lang gewesen und hätte zwischen 100 und 600 Millionen D-Mark gekostet. Trotz der intensiven Diskussionen und Planungen wurde das Projekt letztlich nicht realisiert.
Straßentunnel und Autobahnen
Auch ein Straßentunnel durch den Bodensee war in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Diskussion. Er wäre rund 45 Meter unter der Wasseroberfläche im See zwischen Unteruhldingen und der Mainau treibend verankert worden. Allerdings erwiesen sich die Zufahrten zum Tunnel als nicht realisierbar. 1982 legte der Konstanzer Gemeinderat den Bodensee-Tunnel zu den Akten.
Einige Autobahnpläne blieben Pläne
Ebenfalls in den 1960er-Jahren gab es Pläne, den Bodenseeraum mit Autobahnen besser zu erschließen. So sollte es eine Autobahn von Stuttgart über Singen nach Konstanz geben. Gebaut worden ist vom Teilstück Singen-Konstanz, das in der Planung A881 hieß, lediglich die Autobahnbrücke über den Konstanzer Seerhein. Sie erhielt den Spitznamen „So da“-Brücke, weil sie jahrelang nur so da stand, ohne dass an den Enden der Brücke eine Straße irgendwohin geführt hätte.
Autobahnpläne am Bregenzer Seeufer
Auch am Bregenzer Seeufer gab es Pläne, eine Autobahn zwischen Innenstadt und Seeufer zu bauen. Dort führen bereits die Bahngleise entlang. In einer Volksbefragung im Jahr 1960 waren 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen die Seeufer-Trasse. Es dauerte aber noch mehrere Jahre, bis die Regierung in Wien ihre Pläne aufgab und stattdessen den Pfändertunnel baute.
Bodensee als Baufläche nutzen
Immer wieder hat es spektakuläre Pläne gegeben, den Bodensee als Baufläche zu nutzen. So entwarf ein Bregenzer Architekt die „Goldene Schale“, eine Art moderne Pfahlbausiedlung mit einer Fläche von rund 17.000 Quadratmetern. Sie sollte im Flachwasser vor Bregenz Platz für ein Hotel, Restaurants, Einkaufsläden und Wohnungen bieten. Das scheiterte 2004 in Bregenz, ein Jahr später auch vor Konstanz und Kreuzlingen.
Auch der Vorschlag aus dem Jahr 2018, ein Konzerthaus im Bodensee vor Konstanz zu verankern, weil sonst nirgendwo Platz dafür sei, scheiterte. Die 2.500 Konzertgäste hätten unter der Wasseroberfläche gesessen und wären mit Wassertaxis an Land gebracht worden.
Weitere gescheiterte Visionen
Eine der jüngsten Ideen war eine Seilbahn für Konstanz. Sie sollte vom Stadtrand und der Insel Mainau sowie der Universität in die Innenstadt führen. So etwas gab es bereits als Scherzpostkarte in den 1920er-Jahren. 2013 brachte Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) sie erneut in die Diskussion. Doch ein Gutachten beschied: nicht wirtschaftlich. 2022 landete auch diese Utopie auf dem Stapel „nichts geworden“.
Auch die Idee, mit der Weißen Flotte vom Bodensee in die Nordsee zu fahren, scheiterte. 1974 schlug der Kanton Thurgau (CH) vor, den Wasserstand des Bodensees zu regulieren und dafür ein Stauwehr mit zwei Schiffsschleusen im Rhein zu bauen. Es war unter anderem angedacht, eine Hochseeschifffahrt von der Nordsee bis zum Bodensee möglich zu machen. Doch ein Volksentscheid schmetterte das Vorhaben ab.
17.11.2024, red, vorarlberg.ORF.at
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