Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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Militärtechnik
"Sarg mit Propellern": Russland testet Drohnenabwehr mit rotierenden Stahlseilen
Die jüngste Innovation erinnert an einen Rasentrimmer und kommt selbst bei den eigenen Militärbloggern nicht sonderlich gut an

Rotierende Stahlseile sollen ukrainische Drohnen aus der Luft holen.
Screenshot russische Staatsmedien via Andrii Tarsenko

Die neueste Innovation auf den Schlachtfeldern des Ukrainekrieges zeigt vor allem, wie schwierig der Schutz vor Drohnen ist – und wie verzweifelt die Suche nach Gegenmaßnahmen zu den ferngelenkten Granaten ist. Das jüngste Konzept der russischen Armee erinnert an gewaltige Propeller und wird bereits als Rasentrimmer-Schutz verspottet.

Ein Video, das zuerst von dem ukrainischen Panzerexperten Andrii Tarsenko auf Telegram geteilt wurde, zeigt, wie eine ferngesteuerte Bodendrohne mit einer improvisierten Blechhülle von den rotierenden Stahlkabeln geschützt werden soll. Die Idee: Die Propeller sollen anfliegende Drohnen abwehren, bevor sie in Kontakt mit dem Gefährt kommen.

Mit dem Rasentrimmer an die Front
Das System besteht im Kern aus einer Rahmenkonstruktion, die auf Bodenfahrzeuge – in den aktuellen Tests auf UGVs (Uncrewed Ground Vehicles) wie die russischen Modelle Courier und Depesha – montiert wird. An den Seiten sowie an der Front und dem Heck des Fahrzeugs sind Wellen angebracht, an denen dünne Stahlseile befestigt sind. Elektromotoren versetzen diese in eine schnelle Rotation.

Bericht des russischen Staatsfernsehens

Diese Kabel erzeugen eine physische Barriere für Drohnen, so zumindest die Theorie. Laut dem russischen Zugführer "Struk" vom 70. Motorschützenregiment sollen die Kabel eine anfliegende FPV-Drohne entweder wegschleudern oder deren Rotoren so schwer beschädigen, dass sie vor dem Aufschlag abstürzt. Patente aus dem Jahr 2023 und Mai 2025 zeigen zudem Versionen mit starren Rotorblättern anstelle von Kabeln. Die Kabelvariante gilt jedoch als überlegen, da sie leichter ist und bei Bodenkontakt nicht so schnell bricht.

Fragwürdige Konstruktion
Erste Aufnahmen des Systems tauchten im russischen Staatsfernsehen auf. Getestet wird der Prototyp derzeit in den besetzten Gebieten der Region Saporischschja. In den Videos ist zu sehen, wie ein modifiziertes Depesha-Roboterfahrzeug mit einer massiven Blechhülle und Gummimatten überzogen ist, an dessen Ecken die Propeller rotieren.

Dabei fallen auch gleich die Nachteile der äußerst improvisiert wirkenden Konstruktion auf. An einigen Stellen berühren die Kabel den Boden, was die Mobilität des Roboters massiv einschränkt und Staubwolken aufwirbelt, die die Position des Fahrzeugs sofort verraten können. Beim Fachmagazin Militarnyi wirft man die Frage auf, wie lange es wohl dauern wird, bis sich ein solches Gerät in Unterholz und Büschen festfährt.

Sogar in russischen Militärblogs ist die Kritik an der neuesten Innovation auf dem Schlachtfeld heftig. Das ist umso erstaunlicher, als viele Kriegsblogger häufig ungefiltert die überlegenen russischen Superwaffen preisen, obwohl sich diese in der Realität oft als Luftnummern entpuppen.

Bei dem Prototyp auf Basis des Depesha-Roboters nimmt der Mechanismus fast den gesamten internen Raum ein. Für Munitionstransporte oder die Evakuierung von Verwundeten bleibt kein Platz. Außerdem ist unklar, wie man ein solches Gefährt bewaffnen kann. Zudem sind die Stahlkabel eine große Gefahr für Soldaten in der Umgebung. Und selbst wenn die Drohnenabwehr funktionieren sollte, ist das Fahrzeug gegen herkömmliche Panzerabwehrminen so gut wie schutzlos.

Kritiker auf Telegram bezeichnen das System als "Sarg mit lustigen Ventilatoren". Ein direkter Treffer durch eine RPG (Panzerfaust) würde die Konstruktion sofort zerstören; für darin befindliche Soldaten (so sie denn Platz haben) wären die rotierenden Stahlseile eine tödliche Falle, selbst wenn sie den initialen Angriff überleben. Ähnliche Systeme wurden bereits für Kampfpanzer und den UAZ-452 Buchanka, ein ungepanzertes Transportfahrzeug, patentiert.

Ob sich diese Konstruktionen bewähren, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen. Auch Stachel- oder Käfigkonstruktionen oder Schildkrötenpanzer wurden anfangs belächelt, erwiesen sich richtig eingesetzt jedoch als effektiv.

Russland arbeitet an eigenen Roboterdrohnen
Im Jänner 2025 gab die russische Verteidigungsholding Vysokotochnye Kompleksi bekannt, dass sie eine Charge von "Bodenrobotersystemen" des Typs Depesha an die russischen Streitkräfte geliefert habe. Die Plattformen wurden bereits zuvor im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt, unter anderem als Kamikaze-Bodendrohnen.

Depesha wurde vom russischen Signal Research Institute entwickelt und erstmals auf der Messe Army-2024 vorgestellt, wie die Kyiv Post berichtet. Das Allrad-Elektrofahrzeug kann eine Nutzlast von bis zu 200 Kilogramm transportieren und ist damit für Nachschublieferung oder zur Evakuierung von Verwundeten geeignet. Mit Waffensystemen wie Maschinengewehren oder automatischen Granatwerfern ausgestattet, soll die Bodendrohne auch Kampfmissionen bestreiten können.

Depesha kann Berichten zufolge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h über unwegsames Gelände fahren. Über die Reichweite des Fahrzeugs ist nichts bekannt, sie dürfte mit dem Einsatz von vier Rotoren aber nicht allzu hoch sein.
(pez, 12.2.2026)
"Sarg mit Propellern": Russland testet Drohnenabwehr mit rotierenden Stahlseilen
 

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Trotz Sanktionen: Europäische Technik in russischen Kamikaze-Drohnen
Die Geran-2-Drohne ist eine zentrale Waffe im Krieg gegen die Ukraine. STANDARD-Recherchen zeigen, dass auch österreichische Bauteile zum Einsatz kommen

Eine internationale Recherche zeigt, dass in den russischen Geran-2-Drohnen Teile von mindestens 19 europäischen Unternehmen verbaut sind.
James O'Brien/OCCRP

Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer erkennen dieses Geräusch im Schlaf. Es klingt wie ein knatterndes Moped; doch es ist eine anfliegende Geran-2. Die Kamikaze-Drohne ist zu einer der wichtigsten Waffen Russlands im Krieg gegen die Ukraine geworden: billig, massenhaft produzierbar – und tödlich.

Das unbemannte Fluggerät ist 3,5 Meter lang, kann bis zu 90 Kilogramm schwere Sprengköpfe transportieren und ist gebaut, um sich mit ihrer tödlichen Ladung ins Ziel zu stürzen. Russland flog 2025 zehntausende Angriffe mit Drohnen wie der Geran-2. Nur an acht Tagen war das Knattern der Geran-2 2025 nicht über der Ukraine zu hören.

Heuer griffen die Drohnen bislang täglich an. Ihr Ziel: Kraftwerke, Versorgungsleitungen und Logistikzentren. Regelmäßig treffen sie Zivilistinnen und Zivilisten.

Zentrale Teile aus Europa
Beim Blick ins Innere der Drohne zeigt sich: Sie enthält zentrale Bauteile aus Europa. Mikrochips, Sensoren, Transistoren. Komponenten also, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können – sogenannte "Dual-Use"-Güter.

Eine gemeinsame Recherche des STANDARD, dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP), dem Kyiv Independent, der belgischen Zeitung De Tijd, der britischen Times, der Irish Times und der spanischen Nachrichtenseite Infolibre zeigt: Die russische Drohnenproduktion ist noch immer erheblich von Teilen aus dem Ausland abhängig. So finden sich in Geran-2-Drohnen Teile von mindestens 19 europäischen Unternehmen – darunter auch ein österreichisches: Ams-Osram mit Sitz in Premstätten in der Steiermark.


Ukrainische Ermittlerinnen und Ermittler untersuchen jeden russischen Luftangriff, wie etwa hier eine russische Drohne im vergangenen Juni in Charkiw.
EPA/SERGEY KOZLOV

Schon kurz nach Kriegsbeginn stellte die Ukraine Informationen zu Bauteilen russischer Waffen online. Rakete für Rakete, Drohne für Drohne kann man sich durch mehr als 5000 Bauteile von fast 200 russischen Waffensystemen klicken – und stößt dabei wieder und wieder auf Komponenten aus dem Westen, pro Fluggerät sollen es über 100 sein. Wie viele es genau sind, lässt sich nicht verlässlich sagen, da viele Drohnen beim Aufprall komplett zerstört werden.

Ams-Osram: "Strikt an Sanktionen gehalten"
Was feststeht: In den Überresten von Geran-2-Teilen haben ukrainische Experten zumindest drei Teile von Ams-Osram gefunden. Von diesen gibt es auch Fotos: Kleine, schwarze Rechtecke, auf die eindeutig entzifferbar Teilenummern geprägt sind. Dabei handelt es sich um Positions- und Geschwindigkeitssensoren, die eigentlich nur für den zivilen Gebrauch vorgesehen sind.

Ams-Osram erklärt, erst durch die Anfrage von diesen Fällen erfahren zu haben. "Wir nehmen die von Ihnen aufgeführten Fälle sehr ernst und empfinden sie als sehr bedrückend", erklärt ein Sprecher. Ams-Osram halte sich "strikt an alle anwendbaren Sanktionen". Alle "direkten und indirekten Geschäftsbeziehungen nach Russland" seien eingestellt worden. Die fraglichen Komponenten seien ursprünglich nicht nach Russland, sondern nach Hongkong geliefert worden. Zum Großteil bereits 2019 – und damit vor Verhängung der Sanktionen. Ein 2024 gelieferter Sensor unterliege "keinen Beschränkungen nach der Dual-Use-Verordnung". Er sei "an einen Kunden in Hongkong beziehungsweise einen End-Kunden in China geliefert" worden. Man werde alle Kunden nun kontaktieren und "gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen".


Der österreichisch-deutsche Chip- und Sensorhersteller Ams-Osram gibt an, bereits alle Lieferungen nach Russland gestoppt zu haben.
APA/ERWIN SCHERIAU

Das österreichische Wirtschaftsministerium erklärte auf STANDARD-Anfrage, dass die fraglichen Bauteile "generell keiner Genehmigungspflicht" unterlägen. Sehr wohl verboten sei allerdings die Ausfuhr nach Russland.

Die Europäische Union (EU) hat seit der russischen Invasion im Februar 2022 immer neue Sanktionen verhängt. 19-mal wurden bislang weitere Vorgaben beschlossen. Und trotzdem bleiben Lücken – im Regelwerk und auf den Lieferwegen. So finden noch immer westliche Bauteile ihren Weg nach Russland – darunter auch Zündkerzen, Transistoren und Chips deutscher Hersteller wie Robert Bosch, der Rheinmetall-Tochter Pierburg, dem Halbleiterhersteller Infineon Technologies und TDK Electronics.

Bosch-Teile in Drohne
Die Robert Bosch GmbH erklärte auf Anfrage, bereits 2025 erfahren zu haben, dass eine ihrer Zündkerzen in einer russischen Drohne gefunden wurde. Der Fall sei untersucht worden. Der ukrainische Geheimdienst HUR stieß laut interner Dokumente, die der STANDARD exklusiv einsehen konnte, auf ein weiteres Bosch-Teil in einer Geran-2-Drohne. Dieses Exemplar wurde laut Bosch im Sommer 2024 in China gefertigt und dort vertrieben. Wie die Komponente nach Russland gelangen konnte, soll nun untersucht werden.


Viele Drohnen explodieren beim Aufprall und werden komplett zerstört. Das macht eine Nachvollziehbarkeit ihrer Bauteile oftmals unmöglich.
IMAGO/Viacheslav Madiievskyi

In Geran-2-Drohnen haben ukrainische Experten auch sogenannte Leistungsinduktionsspulen der Marke Epcos gefunden, die deutschen Ursprunges sein sollen. Der deutsche Ableger des japanischen TDK Electronics-Konzerns, der Produkte der Marke Epcos herstellt, betont, 2022 alle Lieferungen in die Russische Föderation eingestellt zu haben. Über Zwischenhändler oder Drittstaaten könnten die Bauteile dennoch ihren Weg in russische Drohnenfabriken finden. Zudem sei es möglich, dass zivile Produkte wie Waschmaschinen oder Autos importiert und zerlegt werden, um an die Komponenten zu gelangen.

Von dem deutschen Halbleiterhersteller Infineon und der 2015 übernommenen Firma International Rectifier wurden mehrere gefundene Bauteile nach ukrainischen Geheimdienstinformationen erst 2023 und 2024 gefertigt. Wie sie nach Russland gelangt sind, konnte Infineon auf Nachfrage nicht erklären. Nur soviel: Das Unternehmen verkaufe nur an Kunden, die nicht im Verdacht stehen, Geschäfte mit Russland zu machen.


Die ukrainische Staatsanwaltschaft sammelt auch Überbleibsel russischer Drohnen für den Fall der Verfolgung etwaiger russischer Kriegsverbrechen, wie etwa hier in Charkiw.
/Andreas Stroh

Das vierte deutsche Unternehmen, dessen Teile in russischen Drohnen gefunden wurden, ist die Rheinmetall-Tochter Pierburg. "Keines der genannten Produkte wurde durch uns nach Russland ausgeführt", erklärte Rheinmetall im Dezember 2025, nachdem eine Pierburg-Treibstoffpumpe in einer russischen Drohne gefunden worden war. Zu den rund 150 Lieferungen mit Pierburg-Teilen, die nach einer STANDARD-Auswertung von Informationen der Handelsdatenbank Import Genius in den vergangenen zwei Jahren bei russischen Unternehmen angekommen sind, wollte sich Rheinmetall nicht äußern.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte im Herbst 2025 öffentlich, dass immer noch Hunderttausende Teile westlicher Produktion ihren Weg nach Russland fänden. Tatsächlich zeigen Informationen der Handelsdatenbank Import Genius: Zwischen Jänner 2024 und März 2025 erreichten über 500 Sendungen mit deutschen, österreichischen und Schweizer Produkten Russland – häufig über Drittstaaten. Einige Empfänger stehen auf Sanktionslisten, viele jedoch nicht. Mindestens eine Lieferung, die am 18. Jänner 2024 in Russland ankam, enthielt demnach österreichische Produkte. Verschifft hatte die Teile eine türkische Firma.
(Celine Imensek, Mitarbeit: Lars Bové, Alisa Yurchenko, 18.2.2026)
Trotz Sanktionen: Europäische Technik in russischen Kamikaze-Drohnen

Siehe dazu auch: Steirische Teile in russischer Drohne vermutet
 
Die Realität ist:
.......Fraglich ist, wieviele nach einem Frieden zurückkehren. Aus den Erfahrungen mit DDR/CZ/Ungarn/Balkan nur wenige....
Der ORF sagt jetzt: Nur noch zwei Prozent der nach Österreich geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer planen eine baldige Rückkehr in ihre Heimat.
.......Insgesamt leben aktuell gut 94.000 Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft in Österreich, die allermeisten davon kamen erst nach der russischen Aggression ins Land. Mehr als 60 Prozent sind weiblich, ein Drittel unter 20 Jahre alt.
Quelle
 

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Weniger Angriffe
Telegram- und Starlink-Blockaden schicken Russland in den Blindflug
Der Kreml beginnt sich alternative Strategien zu überlegen, um keine weiteren Geländeverluste hinnehmen zu müssen

In der Ukraine wurden Mitte Februar spürbar weniger Angriffe der russischen Streitkräfte registriert.
REUTERS/Oleksandr Ratushniak

Russland scheint im Krieg gegen die Ukraine zunehmend in den Blindflug zu gehen. "Sie haben die Fähigkeit verloren, das Schlachtfeld zu kontrollieren", erklärt ein ukrainischer Drohnenpilot am Donnerstag der BBC. Das hat vermutlich zwei Gründe, argumentieren Beobachter, wovon der Kreml einen selbst zu verantworten hat.

Begonnen hat alles damit, dass Ende Jänner bekannt wurde, dass Russland für Drohnenangriffe – auch auf Zivilisten – den Musk-Service Starlink nutzte. Nach lauten Beschwerden des ukrainischen Verteidigungsministeriums reagierte der Unternehmer prompt. Er ließ sämtliche unregistrierten Starlink-Terminals vom Netz trennen.

Musk bestritt vehement, Russland mit Starlink versorgt zu haben. Das wurde unter anderem von Medien wie Al Jazeera bestätigt. Offenbar besorgten sich russische Truppen die nötigen Terminals über Drittländer in Zentralasien. Die Technologie ist deshalb so relevant, da die russischen Drohnen mit ihrer Hilfe ukrainische Störsysteme umgehen können. Zudem hilft Starlink bei der schnellen Kommunikation und damit Koordination zwischen Fronteinheiten und Führung.

Aber das alleine hätte wohl noch nicht gereicht, um Russland in den Blindflug zu schicken.

Doppelschlag
Vergangene Woche entschied die russische Führung, proaktiv gegen diverse Messenger-Services vorzugehen, um das eigene Volk auf den Staats-Messenger Max zu drängen. Neben dem im Land sehr beliebten Whatsapp sperrte der Kreml auch Telegram, was in den eigenen Reihen kritisch aufgenommen wurde.

Wie Bloomberg berichtet, beklagen seit ein paar Tagen prorussische Militärkanäle, dass die plötzliche Sperrung von Telegram – zusammen mit Elon Musks Sperrung des russischen Zugangs zu Starlink – Operationen an der Front aktiv beeinträchtigt. Telegram ist nämlich nicht nur die bevorzugte Messaging-App für Millionen russischer Zivilisten, sondern wird auch von Soldaten zur direkten Kommunikation auf dem Schlachtfeld genutzt. Die Regierung erklärte letzte Woche, dass sie Telegram wegen Verstoßes gegen nationales Recht verbieten werde und diese Entscheidung zum "Schutz der russischen Bürger" getroffen worden sei. Telegram nannte diese Behauptung "frei erfunden".

Dieser "doppelte Schlag", die plötzliche Nichtverfügbarkeit von Telegram und die Abschaltung "nicht autorisierter" Starlink-Terminals, hat laut europäischen Diplomaten derzeit "erhebliche Auswirkungen" auf die russische Kommunikation. Viele stellen sich nun die Frage, ob diese Entwicklungen einen längerfristigen Einfluss auf den Verlauf des Konflikts haben werden oder ob Russland zumindest im Hinblick auf Telegram zurückrudern wird.

Weniger von allem
Der amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW) berichtete vor wenigen Tagen, dass ukrainische Streitkräfte zwischen dem 11. und dem 15. Februar rund 200 Quadratkilometer an Territorium zurückerobert haben. Laut ISW sind dies die umfassendsten Rückeroberungen seit Beginn der Gegenoffensive im Juni 2023. Zeitlich würde das gut zu den beschriebenen Entscheidungen bei Starlink und Telegram passen.

Diese Entwicklung ließ russische Soldaten zunehmend verzweifeln und unvorsichtig werden. Um die Kommunikation zu verbessern, wurden ukrainische Bürger kontaktiert, um unter deren Namen Starlink zu nutzen. Ukrainische Cyberspezialisten beobachteten diesen Trend und erstellten ein Netzwerk aus gefälschten Telegram-Kanälen und automatisierten Bots. Diese boten vermeintliche Aktivierungsdienste an – und ließen sich dafür von den Invasoren auch noch in Kryptowährungen bezahlen. Starlink konnten die russischen Soldaten natürlich trotzdem nicht nutzen.

"Ich glaube, sie haben 50 Prozent ihrer Offensivkapazität verloren", behauptet der eingangs erwähnte ukrainische Drohnenpilot. "Das zeigen die Zahlen. Weniger Angriffe, weniger feindliche Drohnen, weniger von allem."
(aam, 20.2.2026)

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Vier Jahre russischer Überfall
Doppeltes Patt im Ukraine-Krieg
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Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht am Dienstag in sein fünftes Jahr. Ein baldiges Ende ist nicht in Sicht. Militärisch präsentiert sich ein zermürbender Stellungskrieg mit hohen Verlusten. Diplomatische Verhandlungen scheitern an Territorialfragen. Gleichzeitig wird die Unterstützung Kiews im Westen zunehmend zur politischen Streitfrage. Entscheidungen in den USA und Europa scheinen den Verlauf des Krieges stärker zu beeinflussen als einzelne Geländegewinne an der Front.
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Vier Jahre nach der Invasion russischer Truppen am 24. Februar 2022 ist trotz extremer Zerstörungen und hoher Opferzahlen die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende gering. Der Krieg dauert inzwischen länger als der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Statt eines Kriegsendes herrscht ein Stellungskrieg, der sich über Tausende Kilometer Frontlinie erstreckt – von Charkiw im Norden bis Saporischschja und Cherson im Süden. Durch Angriffe aus der Luft werden regelmäßig auch viele Zivilistinnen und Zivilisten getötet und wichtige zivile Infrastruktur zerstört.

Reisner: „Jede Bewegung extrem erschwert“
Statt klassischer Frontverläufe erstreckt sich auf jeder Seite der Front eine graue Zone bis zu 25 Kilometer ins Hinterland. Kleine Bodeneinheiten versuchen hier – meist zu Fuß – Geländegewinne zu erzielen. „Jede Bewegung ist durch den starken Einsatz von Drohnen extrem erschwert“, wie Militärexperte und Oberst des österreichischen Bundesheeres, Markus Reisner, kürzlich bei einer Veranstaltung des Forums für Journalismus und Medien (fjum) sagte.

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Besonders angespannt ist die Lage im Donbas. Zwar kontrolliert Russland weite Teile der großen Industrieregionen Donezk und Luhansk und rückt langsam und stetig vor, doch stark befestigte Städte wie Kramatorsk und Slowjansk gelten weiterhin als schwer einnehmbar. Laut dem US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) gebe es in den letzten Monaten kaum große Geländegewinne Russlands.

Lokale ukrainische Offensiven, stockende Vorstöße
Gleichzeitig gelingen der Ukraine lokal begrenzte Gegenangriffe, etwa im Raum Saporischschja und im Gebiet Charkiw. Ukrainische Militärbeobachter bewerten die Erfolge jedoch zurückhaltend und sprechen von eher „stabilisierenden Maßnahmen“. Jüngste Verluste der Russen dürften zum Teil auch mit dem Zugangsverlust zum Satellitenkommunikationsnetz Starlink von US-Tech-Milliardär Elon Musk zusammenhängen.

Der Ukraine gelang dadurch ein Vormarsch von zehn bis 15 Kilometern, analysierte Reisner. Laut ISW konnte Kiew innerhalb weniger Tage mehr als 200 Quadratkilometer zurückerobern – das größte territoriale Plus seit über zwei Jahren. Der Vormarsch stocke jedoch, „weil Nachschub und Versorgung wegen zerstörter Übergänge am Fluss Wowtscha ausbleiben“, so Reisner.

Drohnen weiter tödlichste Waffe
Die prägendste und tödlichste Waffe im Krieg sind mittlerweile Drohnen. Während die Ukraine zunächst überlegen war, hat Moskau inzwischen weitgehend aufgeholt, auch dank Massenproduktion. Die Ukraine schützt Frontabschnitte mit kilometerlangen Drohnenfangnetzen. Besonders glasfasergesteuerte Drohnen gelten als effektiv, da sie weniger störanfällig sind.

Reisner verwies hier auf Chinas große Rolle. Allein bei Glasfaserspulen würden monatlich bis rund 45.000 Stück produziert. Die Unterstützung Russlands durch Peking werde häufig unterschätzt. China habe kein Interesse an einer russischen Niederlage, sagte Reisner und verwies auf Aussagen Chinas gegenüber der EU-Außenbeauftragen Kaja Kallas im vorigen Jahr, wonach China fürchtet, die USA könnten sich verstärkt auf den Indopazifik konzentrieren.

IMAGO/Anadolu Agency/State Emergency Service of Ukraine
Angriffe auf zivile Infrastruktur und Zivilistinnen und Zivilisten sind in der Ukraine bitterer Alltag

Auch Indien unterstützt Russland wirtschaftlich, etwa durch Ölimporte. Russland umgeht westliche Sanktionen zudem über Drittstaaten, besonders in Zentralasien. Eine Stärke Russlands sei Reisner zufolge vor allem auch die hybride Kriegsführung mit Desinformation und Cyberangriffen. Europa stehe hier zunehmend unter Druck.

Ernüchterung in Europa
Europa bilanziert vier Jahre nach Kriegsbeginn ernüchternd. Trotz milliardenschwerer Ankündigungen konnten militärische Fähigkeiten nicht nachhaltig und abschreckend ausgebaut werden, sagte Reisner. Europa habe Schwierigkeiten, strategisch relevant zu bleiben. Bei Verhandlungen werde Europa teils an den Rand gedrängt oder nicht beteiligt. Zudem drohen politische Blockaden: Ungarns Premier Viktor Orban stellt EU-Hilfspakete und neue Sanktionen immer wieder infrage und droht mit Vetos.

Reisner verwies auch auf die zunehmende teure Rüstungsproduktion. Preise für westliche 155-mm-Artilleriegranaten haben sich vervielfacht, während Russland große Mengen dieser Munition günstig produziert. Der Bedarf an solchen Granaten geht dabei auf beiden Seiten in die Millionen.
Schwierigkeiten ergeben sich zudem durch reduzierte US-Hilfen unter Präsident Donald Trump. Laut Kieler Institut für Weltwirtschaft brachen sie um 99 Prozent ein. Europa muss das vor allem durch den Kauf von US-Waffen und die anschließende Weitergabe an die Ukraine kompensieren. Trotz sinkender Hilfen bleibe Washington für Kiew zentral: Die CIA liefert weiterhin Aufklärung, Satellitendaten und Lagebilder. Das verschaffe der Ukraine oft bedeutende operative Vorteile, so Reisner.

Hohe Verluste und schwierige Verhandlungen
Die Opferzahlen sind mittlerweile enorm. Der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht in einer Studie von bis zu zwei Millionen Toten, Schwerverletzten und Vermissten auf beiden Seiten aus, wobei Moskau die meisten Verluste erlitt. Russland soll monatlich bis zu 40.000 neue Soldaten rekrutieren können, die Ukraine nach offiziellen Angaben etwa 27.000.

Kiew hat zudem demografische Probleme. Die Bevölkerung ist deutlich kleiner als jene Russlands, viele junge Männer haben das Land verlassen. Berichte über Deserteure und Konflikte bei Zwangsrekrutierungen gibt es regelmäßig. Ein Bataillon, das zu Beginn des Krieges bis zu 600 Soldaten umfasste, zählt laut Militärbeobachtern wie Reisner oft nur noch bis zu 150 einsatzfähige Soldaten. Drohnen und autonome Systeme sollen diese Lücken für die Ukraine ausgleichen.

IMAGO/Ukrinform/Viacheslav Madiievskyi
Die Ukraine hat große Probleme bei der Rekrutierung neuer Soldaten

Diplomatische Verhandlungen scheitern bisher vor allem an der Territorialfrage. Der Kreml fordert weitreichende Zugeständnisse – etwa die Aufgabe des gesamten Donbas –, die Kiew ablehnt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj plädiert gleichzeitig für den Einsatz multinationaler Truppen nahe der Frontlinie im Falle eines Waffenstillstands, um eine „Sicherheitsgarantie“ zu schaffen.

Wettlauf um Ressourcen und Unterstützung
Der Krieg ist zum Wettlauf um Ressourcen und politische Unterstützung geworden. Russland setzt auf Masse und die Unterstützung externer Partner, die Ukraine auf westliche Hilfe, technologische Kreativität und internationale Solidarität. Ernsthafte Verhandlungsergebnisse hängen weniger von der Lage an einzelnen Frontabschnitten ab als von strategischen Entscheidungen in Washington, Brüssel, Kiew, Moskau und nicht zuletzt wohl auch Peking.
24.02.2026, Florian Amelin, ORF.at/Agenturen

Links:
Ukrainischer Präsident
Kreml
Weißes Haus
Markus Reisner (Verteidigungsministerium)
ISW

CSIS-Studie

Vier Jahre russischer Überfall: Doppeltes Patt im Ukraine-Krieg
 

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Ukraine
„Härtester Winter“ für Zivilbevölkerung
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Im vierten Kriegsjahr hat sich die Situation der Zivilbevölkerung in der Ukraine noch einmal dramatisch zugespitzt: Die Zahl der Opfer sei drastisch gestiegen, es gebe keinen Ort im Land, der nicht von Drohnen und Raketen bedroht sei, berichten Hilfsorganisationen gegenüber ORF.at. Angriffe auf die Infrastruktur lassen Menschen im kältesten Winter seit Jahren in ungeheizten Wohnungen zurück. Besonders dramatisch sei die aktuelle Situation für alte Menschen und für „Millionen Kinder“, warnen UNHCR, Caritas und CARE.
Online seit gestern 24.02.2026, , 23.11 Uhr
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Es sei mit Abstand „der härteste Kriegswinter, den die Menschen in der Ukraine haben“, so der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner gegenüber ORF.at. Das liege vor allem an der extremen und anhaltenden Kälte. Derzeit seien alleine in Kiew 1.500 Mehrparteienhäuser ohne Heizung und teilweise ohne Wasserversorgung, berichtet Schwertner aus der ukrainischen Hauptstadt im Gespräch mit ORF.at.

Aktuell würden über zehn Millionen Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe benötigen, so Elisabeth Arnsdorf Haslund, Kommunikationschefin des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in der Ukraine zu ORF.at. Der Schutz vor der Kälte sei derzeit eine der Hauptaufgaben, berichten die Hilfsorganisationen. Das UNHCR habe mehr als 200.000 Menschen unterstützt, ihre Wohnungen zu heizen, größere Einrichtungen würden auch mit portablen Generatoren und Heizungen versorgt, so Haslund.

Reuters/Valentyn Ogirenko
Eine Feldküche in Kiew, in den Zelten dahinter können Bewohner eine warme Mahlzeit zu sich nehmen

„Wenn man heute durch ukrainische Städte geht, hört man das Summen von Generatoren an jeder Ecke“, sagt auch Sarah Easter, Nothilfereporterin von CARE Österreich, gegenüber ORF.at. Die Kälte würde zwar alle treffen, aber „am meisten leiden ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Familien mit kleinen Kindern“. Vor allem Notunterkünfte werden laut Schwertner gebraucht, aber auch die Versorgung mit warmen Mahlzeiten sei derzeit wichtig.

Zahl der zivilen Opfer stark gestiegen
Doch es sei nicht nur die Witterung in Kombination mit den gezielten russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur: Die Zahl der zivilen Opfer sei 2025 um fast ein Drittel gestiegen, sagt Schwertner. Das untermauern auch kürzlich veröffentlichte Zahlen der Organisation Action on Armed Violence (AOAV). Das sei eine Folge der Weiterentwicklung der russischen Waffen, so der Caritas-Direktor: Deren Drohnen würden mit mehr als doppelter Geschwindigkeit gegenüber 2024 fliegen, die ukrainische Luftabwehr könne diese aber nicht mehr so einfach mit elektrischen Störsendern umleiten.

Mittlerweile sei man „an keinem Ort in der Ukraine sicher. Selbst in vermeintlich sicheren Orten wie in Lwiw (Lemberg) in der Westukraine kann es jederzeit passieren, dass es Angriffe aus der Luft gibt“, so Schwertner. „Die geografische Distanz bietet keinen Schutz“, sagt auch Easter: Drohnen und Raketen würden mittlerweile Regionen weit entfernt von der Front erreichen.

Schock, Anpassung, Erschöpfung
Die größte humanitäre Not sehe man allerdings weiterhin in den frontnahen Regionen im Osten und Süden des Landes, insbesondere in Teilen der Oblaste Donezk, Cherson und Saporischschja, so die CARE-Mitarbeiterin. Dort sei die Belastung für die Zivilbevölkerung unmittelbar und am stärksten. Das sagt auch Schwertner, er ergänzt die Region Sumy im Nordosten.

Reuters/Alexander Ermochenko
Viele Menschen, hier in der Region Luhansk, sind auf verteilte Lebensmittel und Hygieneartikel angewiesen

Zwischen Luftalarm und Lebensmittelverteilung versuchten Familien, so etwas „wie Normalität aufrechtzuerhalten“, so Easter: „Vier Jahre nach der Eskalation ist aus Schock Anpassung geworden und aus Anpassung Erschöpfung. Genau das macht die humanitäre Lage heute so komplex.“

Er erlebe eine „unglaubliche Solidarität, einen Zusammenhalt in der Bevölkerung“, sagt Schwertner. Gleichzeitig seien nach vier Kriegsjahren „auch Ermüdungserscheinungen oder Erschöpfung gerade bei der älteren Bevölkerung, gerade auch bei Kindern stark spürbar“.

Die Ängste der Kinder
Überhaupt seien Kinder besonders schlimm betroffen. Ein regelmäßiger Schul- oder Kindergartenbesuch sei schwierig, „weil sie fast jede Nacht in weiten Teilen der Ukraine in Luftschutzräumen Zuflucht suchen müssen“. Dazu käme die Angst um Brüder und Väter, die beim Militär an der Front sind, so Schwertner. Einige Kinder hätten ihm erzählt, „dass sie schon an den unterschiedlichen Geräuschen erkennen, welche Waffengattung gerade angreift“.

Das schildert auch Easter: „Kein Kind sollte lernen müssen, Raketen am Geräusch zu unterscheiden.“ Kinder würden deshalb auch in Bunkern tief unter der Erde unterrichtet, sie habe erst vergangene Woche eine neu eröffnete Untergrundschule besucht.

Kinderschutzzentren als Priorität
Aber auch das familiäre Umfeld sei betroffen: Eltern seien selbst traumatisiert, erschöpft oder wirtschaftlich unter Druck: „Es fehlt oft die Kraft, die Kinder emotional aufzufangen, obwohl sie es so gern würden.“ In psychosozialen Angeboten von CARE könne man sehen, „wie schnell die Kinder wieder lachen, wenn sie sich sicher fühlen“.

Die Caritas habe im ganzen Land Kinderschutzzentren eingerichtet, wo versucht werde, dass die Kinder in einem „geschützten Raum ein Stück Kindheit erleben können“. Auch Traumata sollen mit psychosozialer Hilfe bearbeitet werden.

Zahl der Evakuierungen stieg
Viele Kinder in der Ukraine seien in den vergangenen vier Jahren nicht nur einmal, sondern mehrfach vertrieben worden, so Easter. Das UNHCR registrierte 2025 einen deutlichen Anstieg an Vertreibungen und Evakuierungen aus den Frontgebieten: Fast 90.000 Evakuierte hätten die vom UNHCR unterstützten Transitzentren genutzt, die als Unterkünfte für einige Nächte dienen.

Aber alleine aus der Region Donezk sind laut Behörden im Jahr 2025 mehr als 115.000 Menschen vertrieben worden. Dabei handle es sich oft um Menschen, die nicht früher fliehen konnten oder wollten, wie Ältere und Menschen mit eingeschränkter Mobilität, so Haslund. Insgesamt gibt es laut UNHCR 3,7 Millionen Binnenflüchtlinge. Wohnraum zu schaffen, sowohl kurz- als auch langfristig, sei daher eine der Prioritäten.
Easter berichtet, dass gerade Ältere in den Städten und Dörfern in der Oblast Donezsk meinen, sich mit ihrer kleinen Pension kein Leben im Westen des Landes leisten zu können. Manche würden gar aus finanziellen Gründen wieder in die gefährlichen frontnahen Gebiete zurückkehren.

Pochen auf weitere Unterstützung
UNHCR, Care und Caritas mahnen ein, dass die Hilfe für die Menschen in der Ukraine weitergehen müsse – moralisch wie finanziell: Die Caritas habe seit Kriegsausbruch mit Spenden aus Österreich mittlerweile sechs Millionen Menschen erreicht, so Schwertner. Das sei kein Sprint, sondern „vielleicht der längste Hilfsmarathon in Österreich und Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“. Und angesichts der geografischen Nähe sei das Nachbarschaftshilfe.

Easter betont, dass ohne stabile Mittel nicht nur der Verlust der lebenswichtigen Versorgung drohe: Verlässliche Unterstützung vermittle den Menschen in der Ukraine auch ein Gefühl von Sicherheit und Würde.
25.02.2026, Christian Körber, ORF.at
Ukraine: „Härtester Winter“ für Zivilbevölkerung
 

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Die Ukraine ist Europas größtes Labor
Es geht nicht nur um moderne Kriegsführung. Im kriegsgeschüttelten Land läuft ein zweites Experiment, nämlich das einer Staatsmacht, die wie eine digitale Plattform organisiert ist
Vier Jahre nach dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine erscheint das Land zunehmend als "Labor" für künftige Kriege. Mit den Worten des britischen Premierministers Keir Starmer: "Die Natur der Kriegsführung verändert sich auf den Schlachtfeldern der Ukraine", und europäische Regierungen sollten von der Ukraine lernen, um im neuen Wettrüsten um Drohnen und KI-Waffen nicht ins Hintertreffen zu geraten.


Ein ukrainischer Soldat startet eine Aufklärungsdrohne in der Nähe der Frontlinie.
REUTERS/Stringer

Ähnliche Vorstellungen finden sich in unzähligen anderen Konflikten wieder. Die Bombardierung von Guernica in Spanien durch die Nazis ist ein berüchtigtes Beispiel für das bewusste Experimentieren mit wahllosen Luftangriffen auf Zivilistinnen und Zivilisten, und die daraus gezogenen Lehren prägten das Verhalten aller Parteien im Zweiten Weltkrieg. Weniger als 25 Jahre später richtete das Pentagon ein experimentelles Luftkommando in Südvietnam ein. Dort führte die US Air Force laut einem freigegebenen Strategiedokument „ein experimentelles Projekt zur Entlaubung des Dschungels” durch und nutzte den Vietnamkrieg als „Feldlabor” für Taktiken zur Aufstandsbekämpfung. Und auf einer Konferenz für Verteidigungstechnologie in Tel Aviv Anfang Dezember 2025 sagte Boaz Levy, Chef der Israel Aerospace Industries: „Der Krieg, mit dem wir in den letzten zwei Jahren konfrontiert waren, macht die meisten unserer Produkte für den Rest der Welt zulässig.”
Trotz der grausamen Assoziationen stützt sich auch die ukrainische Regierung auf die Labor-Metapher. Mitte 2025 startete die ukrainische Verteidigungstechnologie-Plattform Brave1 die Initiative "Test in Ukraine": ein Programm, das ausländische Waffenhersteller dazu einlädt, Prototypen für Praxistests einzusenden, wobei ukrainische Betreiber Daten an ausländische Konstrukteure und Ingenieure weitergeben. Ukrainische Drohnenhersteller haben in ähnlicher Weise von direkten Verbindungen zu Piloten und Technikern an der Front profitiert und durch deren Feedback Forschungs- und Innovationskosten reduziert.

Starker Katalysator
Die Ukraine hatte kaum eine andere Wahl, als sich mit dem Image ihres Landes als Testfeld abzufinden. Abgesehen von Waffen wird etwa die Hälfte der ukrainischen Staatsausgaben durch Beihilfen und Darlehen von Verbündeten finanziert. Eine Abhängigkeit dieser Größenordnung ist ein starker Katalysator für Experimente. Kleine bewaffnete Drohnen, die oft als die wichtigste Innovation dieses Krieges gefeiert werden, sind nichts anderes als eine Sparmaßnahme: Nachdem Lieferungen von Artilleriegeschossen aus dem Westen nicht ausreichten, wurden die kleinen Flugwaffen als billige – und dank chinesischer Elektronikfabriken leicht verfügbare – Lösung eingesetzt.

Die Ukraine als Labor der modernen Kriegsführung zu bezeichnen, bedeutet auch, auf die Vorteile für all jene hinzuweisen, die nicht am Experiment selbst beteiligt sind. Es bedeutet, auf dem Wert und vielleicht sogar auf der Gleichwertigkeit der Ukraine gegenüber ihren Verbündeten zu bestehen. Im Januar kündigte Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov die Einrichtung eines "Datarooms" an. Das Projekt sammelt dank Drohnen an der Front umfangreiche Kampfdaten, um militärische KI-Modelle zu trainieren. Fedorov hatte zuvor angedeutet, dass die Kontrolle über diese „unschätzbaren” Informationen, gesammelt unter enormen menschlichen Kosten, dem Land helfen würde, Unterstützung durch befreundete Länder auszuhandeln. Je mehr Drohnen und andere Waffen die Ukraine selbst produzieren kann, desto mehr kann sie ihren Verbündeten greifbare wirtschaftliche Vorteile bieten und ihre Abhängigkeit reduzieren.

Nachhaltige Resultate
Um die Herstellung von Drohnen auszuweiten, musste die ukrainische Regierung neue Allianzen schmieden und neue Beschaffungswege erschließen. Möglicherweise werden sich diese weniger sichtbaren Experimente mit der grundlegenden Architektur des Staates, die der Ukraine durch den Krieg und die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes aufgezwungen wurden, als das nachhaltigere Resultat des "Labors" erweisen.

Um die langsame zentralisierte Beschaffung über die Strukturen der Streitkräfte zu umgehen, half Fedorov bei der Schaffung eines virtuellen Marktplatzes für Verteidigungsgüter. Das System "Army of Drones Bonus" stellt Militäreinheiten für jedes durch Drohnenaufnahmen verifizierte zerstörte Ziel virtuelle Währungseinheiten zur Verfügung, die auf einem offiziellen Online-Marktplatz für Waffen und Ausrüstung ausgegeben werden können. Dieser Quasi-Markt hat auch politische Auswirkungen: Durch die Änderung des Werts verschiedener Arten von Zielen – eine Artilleriekanone, ein Panzer, ein russischer Drohnenpilot – kann das Verteidigungsministerium Operationen an der Front "anstupsen" und Anreize für die Truppen schaffen, bestimmte Ziele unter Umgehung militärischer Befehlshierarchien zu suchen. Ebenso ermöglicht eine staatlich kontrollierte digitale Beschaffungsplattform Frontkommandanten, dezentrale Budgets für die Beschaffung von Drohnen und Drohnenstörsendern direkt bei Herstellern auszugeben und damit die üblichen Logistikhierarchien vollständig zu umgehen.

Digitale Register
Wo die Mittel für die Einstellung weiterer Beamtinnen und Beamte zur Bewältigung der unvorstellbaren Kriegsherausforderungen fehlen, hat die ukrainische Regierung auf die Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen gesetzt. Integrierte Datenbanken mit personenbezogenen Informationen über männliche Wehrpflichtige bilden die Grundlage für die Rekrutierungskampagne des Militärs. Hersteller von Drohnen und anderer Verteidigungstechnologie profitieren von der Mitgliedschaft in digitalen Registern, die wie virtuelle Sonderwirtschaftszonen funktionieren, mit niedrigeren Steuern und gelockerten Umweltauflagen. Die gleiche Logik gilt auch für den zivilen Wiederaufbau, wo lokale Behörden jedes Projekt auf einer zentralen Plattform registrieren müssen, um staatliche Mittel dafür erhalten zu können.

Zusammengenommen stellen diese Veränderungen ein großangelegtes Experiment der Regierungsführung mittels digitaler Infrastrukturen dar: die ersten Anzeichen eines zukünftigen Plattformstaates.

Das "Labor Ukraine" hat durch den Druck Russlands und den Waffenmangel eine neue Art der Zermürbungskriegsführung hervorgebracht, in der billige Einwegdrohnen das Schlachtfeld dominieren, zumindest vorerst. Die Ergebnisse dieses Experiments sind ungewiss. Aber schon jetzt zeichnet dieser Konflikt die Blaupause für eine Staatsmacht, die wie eine digitale Plattform organisiert ist. Dieses zweite Experiment könnte noch lange nach Kriegsende und weit über die Grenzen der Ukraine hinaus Folgen haben. Welche Lehren werden wir daraus ziehen?
(Taras Fedirko, 26.2.2026)

Taras Fedirko ist Senior Research Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) und Assistenzprofessor an der Universität Glasgow. Als Politik- und Wirtschaftsanthropologe forscht er zur Transformation von Staaten und Volkswirtschaften im Kriegszustand, zu Oligarchie und Korruption sowie zur Freiheit der Medien.
Die Ukraine ist Europas größtes Labor
 
......Es geht nicht nur um moderne Kriegsführung. Im kriegsgeschüttelten Land läuft ein zweites Experiment, nämlich das einer Staatsmacht, die wie eine digitale Plattform organisiert ist
Dies ist ein sehr interessanter Beitrag, der über die üblichen Zerstörungs-Berichte etc. hinausgeht.
Er zeigt viele bedeutende strategische Komponenten auf, die für alle Armeen der Welt in Zukunft wichtig sein können.

Im übrigen begann die Digitalisierung über Kriegsressourcen schon in WKII, als mit Hilfe von IBM-Lochkartenmaschinen die Häftlings-Nummern für bestimmte, qualifizierte KZ-Arbeitssklaven verarbeitet und gespeichert wurden. Diese wurden den Menschen auch auf die Arme tätowiert.
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Krieg der Zukunft
Verbündete der Ukraine erhalten Zugriff auf Gefechtsdaten
Das Verteidigungsministerium stellt Daten für das Training von KI-Modellen zur Verfügung

Die Ukraine stellt die gesammelten Gefechtsdaten für das KI-Training zur Verfügung. Diese KIs sollen schließlich in Kampfrobotern wie diesem zum Einsatz kommen.
AFP/TETIANA DZHAFAROVA

Die Ukraine öffnet den Zugang zu ihren Schlachtfelddaten für ihre Verbündeten, um Drohnen-KI-Software zu trainieren, sagte der Verteidigungsminister am Donnerstag. Kyjiw kann auf einen Erfahrungs- und Datensatz zurückgreifen, den es bei der Abwehr der russischen Invasion in den vergangenen vier Jahren gesammelt hat.

Militärs weltweit wollten automatisierte Systeme einsetzen, die Drohnen ohne Piloten ins Ziel führen oder riesige Datenmengen schnell analysieren können.

Ausländische Verbündete und Unternehmen haben um Zugang zu den Datensätzen der Ukraine gebeten. Damit sollen Modelle trainiert werden, die das Verhalten von Mensch und Maschine auf dem Schlachtfeld analysieren und daraus Muster ableiten.

Ukraine profitiert ebenfalls
Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, zuvor Digitalminister, sagte, es sei eine Plattform geschaffen worden, um KI-Modelle sicher zu trainieren, ohne sensible Daten preiszugeben, die aber dennoch ständig aktualisierte Datensätze und große Mengen an Fotos und Videomaterial bereitstellt.

"Heute verfügt die Ukraine über eine einzigartige Auswahl an Schlachtfelddaten, die nirgendwo sonst auf der Welt ihresgleichen sucht", schrieb er auf Telegram. "Dazu gehören Millionen von annotierten Bildern, die während Zehntausender Kampfeinsätze gesammelt wurden."

Fedorow sagte, die Ukraine würde von der Beschleunigung der Entwicklung von KI-Modellen profitieren, die sie dann wiederum selbst in ihrem Krieg gegen Russland einsetzen könne.

"Wir sind bereit, mit Partnern an gemeinsamen Analysen, dem Modelltraining und der Entwicklung neuer technologischer Lösungen zu arbeiten", sagte er und fügte hinzu, dass die Ukraine die Rolle autonomer Systeme im Krieg stärken wolle.

Ukraine entsendet Spezialisten in den Nahen Osten
Als er im Jänner ernannt wurde, legte Fedorow seine Pläne für eine umfassendere, datengestützte Überarbeitung des ukrainischen Verteidigungsministeriums dar.

Die Ukraine kann einerseits ihren Vorteil aus den Erfahrungen des größten Konflikts in Europa seit 1945 nutzen. Andererseits muss sie sich darum bemühen, dass die Verbündeten weiterhin die Abwehr der Invasion mit Waffen oder finanziell unterstützen.

Die Ukraine hat diese Woche Spezialisten für die Drohnenabwehr in vier Nationen des Nahen Ostens entsandt, nachdem diese um Kyjiws Hilfe beim Abschuss von Irans gewaltigen Angriffswellen mit Shahed-Drohnen gebeten hatten.
(Reuters, 12.3.2026)
Verbündete der Ukraine erhalten Zugriff auf Gefechtsdaten
 

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Militärtechnik
FP-5 Flamingo: Ukraine weitet Produktion des Marschflugkörpers aus
Ein eigens entwickeltes und lokal hergestelltes Triebwerk soll die Tiefflugeigenschaften verbessern. In Moskau kursieren Warnungen: Keine Region Russlands ist mehr sicher

Die auffällige Farbe ist laut dem Hersteller auf einen Produktionsfehler zurückzuführen. Daher der Name Flamingo.
AFP/ZN.UA/HANDOUT

Die Ukraine setzt seit November 2025 zunehmend auf eine relativ neue, im Inland produzierte Waffe, um strategische Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen: Die Rede ist vom Marschflugkörper FP-5 Flamingo. Nun ist es dem Hersteller gelungen, eigene Motoren für die Langstreckenwaffe herzustellen. Diese werden lokal produziert.

Entwickelt und produziert wird der Flamingo von dem ukrainischen Rüstungsunternehmen Fire Point. Der FP-5 ist ein bodengestützter Marschflugkörper mit für die Waffengattung gewaltigen Ausmaßen: Er ist 14 Meter lang, wiegt 6000 Kilogramm und hat eine Flügelspannweite von sechs Metern.

Ausgestattet mit einem Trägheitsnavigationssystem sowie GPS- und Satellitenkomponenten, erreicht er eine Zielgenauigkeit von 14 Metern. Unabhängig bestätigen lassen sich die Angaben nicht. Der erfolgreiche Einsatz dieser Waffe ist aber belegt. Im Februar wurde die Maschinenfabrik Wotkinsk erfolgreich angegriffen. Dort stellt Russland Iskander-Raketen her.

Mit seiner ursprünglichen Antriebstechnik erreicht der Marschflugkörper eine Höchstgeschwindigkeit von 950 Kilometern pro Stunde (hoher Unterschallbereich), eine Flughöhe von 5000 Metern und eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometern.

Nächster Schritt: Eigenproduktion des Triebwerks
Ursprünglich stattete Fire Point die Raketen mit ukrainischen Ivchenko AI-25 oder AI-25TL Triebwerken aus, die eigentlich für zivile Passagierflugzeuge entwickelt wurden. Anfangs lag die Produktion bei drei Flamingos pro Tag. Nun gibt das Herstellerunternehmen an, kurz vor der Fertigstellung eines eigenen, speziell für die Waffe entwickelten Jet-Triebwerks zu stehen.

"Das Wichtigste ist, dass es speziell für den Tiefflug konzipiert ist. Alle Triebwerke, die wir jetzt verwenden, wurden zuvor in der zivilen Luftfahrt eingesetzt. Ihre Spitzenleistung liegt in etwa zwischen 6000 und 10.000 Metern, daher sind sie auf Meereshöhe nicht sehr effektiv", erklärt Denys Shtilerman, Chefkonstrukteur und Mitgründer von Fire Point.

Marschflugkörper sind dann am effektivsten, wenn sie möglichst nahe am Boden fliegen können. Das macht einen Treffer wahrscheinlicher, da die Waffe so länger vor dem Radar der gegnerischen Luftverteidigung verborgen bleibt. Der Antrieb muss dafür aber ausgelegt sein, ebenso braucht die Waffe leistungsfähige Navigationssysteme, damit sie dem Gelände auch folgen kann.

Aber durch den Eigenbau der Triebwerke soll nicht nur die Effizienz im Tiefflug drastisch verbessert werden, die Ukraine will auch von Zulieferern unabhängig werden. Das wiederum führe dazu, dass man die Produktion deutlich steigern könne: "Wenn wir auf unser eigenes Triebwerk umsteigen, werden wir so viele Raketen produzieren, wie bestellt werden", Shtilerman in einem Interview mit The Defense Post.

Durchschlagende Wirkung
Die Ukraine verließ sich bisher stark auf Langstreckendrohnen, um damit Ziele in Russland anzugreifen. Der Flamingo hat aber neben der größeren Reichweite einen weiteren Vorteil: Seine Nutzlast. Der Marschflugkörper trägt einen 1150 Kilogramm schweren Sprengkopf, der zur Hälfte aus hochexplosivem Material besteht – das ist etwa das Zehnfache der Nutzlast typischer Langstreckendrohnen und etwa das Zweieinhalbfache einer US-Tomahawk. Das erhöht das Schadenspotenzial im Vergleich zu Langstreckendrohnen erheblich.

Fabian Hoffmann, Doktorand an der Universität Oslo und Experte für Raketentechnologie, analysierte die jüngsten Einsätze in seinem Blog Missile Matters. Darin geht Hoffmann insbesondere auf den Angriff auf die Raketenfabrik Wotkinksk, etwa 1400 Kilometer von der Ukraine entfernt, ein.

Die Attacke in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar markiere eine Premiere, so Hoffmann. Erstmals sei es der Ukraine gelungen, ein Kernziel der russischen Raketenindustrie mit schweren Raketen erfolgreich zu treffen.

Im Vergleich zu Drohnen bietet der Flamingo entscheidende Vorteile beim Durchschlagen von Zielen. Hoffmann erklärt die Physik dahinter: "[Eine Langstreckendrohne] explodiert im Grunde an den äußeren Schichten, während man beim Flamingo eine ziemlich gute Chance hat, dass er zuerst in das Ziel eindringt und dann explodiert – und so maximiert man den Schaden."

Vorwürfe gegen Hersteller
Trotz des Lobes – Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Flamingo bereits als die "erfolgreichste Rakete" der Ukraine – verläuft die Produktion nicht ohne Hürden. Russische Streitkräfte haben die Anlagen von Fire Point ins Visier genommen. Selenskyj bestätigte in einem Interview Ende Februar, dass ein russischer Angriff auf eine Produktionsstätte zu vorübergehenden Verzögerungen bei der Auslieferung geführt habe, die Produktion jedoch anschließend wieder aufgenommen wurde.

Neben militärischen Rückschlägen sieht sich das Herstellerunternehmen auch mit innenpolitischen Problemen konfrontiert. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) der Ukraine führt derzeit eine Untersuchung gegen Fire Point durch. Dabei geht es um den Verdacht, das Unternehmen habe den Wert von Komponenten künstlich aufgebläht oder fehlerhafte Angaben zu Liefermengen an die Armee gemacht. Fire Point bestätigte die Existenz der Untersuchung, wies die Vorwürfe jedoch zurück.

Die rosafarbene Rakete
Der Name "Flamingo" hat im Netz ebenfalls zu Spekulationen geführt, zumal Bilder von rosafarbenen Raketen kursierten. Tatsächlich entstand der Name durch einen kuriosen Zufall: Ein Produktionsfehler bei den frühen Versionen der Waffe führte dazu, dass sich das Material der Außenhülle rosa färbte.

Das Unternehmen Firepoint stellt darüber hinaus noch die Langsstreckendrohne FP-1 her. Außerdem hat man kürzlich die Entwicklung von zwei ballistischen Kurzstreckenraketen (FP-7 und FP-9) angekündigt. Beide Waffen sollen in der Lage sein, Moskau zu erreichen.

Steigende Nervosität
In Russland dürfte die neue Waffe zu steigender Nervosität führen. Der ehemalige Verteidigungsminister und nunmehrige Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Sergei Schoigu, meinte im März, dass ukrainische Waffen mittlerweile den Ural bedrohen, der sich nun in der "unmittelbaren Gefahrenzone" befinde. Während einer Sitzung des Sicherheitsrates merkte Schoigu an, dass "keine Region in Russland mehr sicher ist".

Der Putin-Verbündete erklärte, dass sich die Zahl der ukrainischen Luftangriffe auf Infrastruktur in ganz Russland im Jahr 2025 nahezu vervierfacht habe, wobei mehr als 23.000 Angriffe verzeichnet worden seien. Im Ural sind für Russland strategisch wichtige Unternehmen der Rüstungsindustrie sowie Energieanlagen und Chemiewerke angesiedelt. "Ihre Ausschaltung könnte nicht nur erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen, sondern auch große Ballungsräume und wichtige Lieferketten lahmlegen, darunter solche, die für die Unterstützung der militärischen Sonderoperation unerlässlich sind", erklärte der Schoigu. In Russland wird der Krieg in der Ukraine auch vier Jahre nach dem ersten Angriff Russlands als "militärische Spezialoperation" bezeichnet.
(Peter Zellinger, 18.3.2026)

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Mehrere Städte getroffen
Angriff mit Hunderten Drohnen auf Ukraine
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Russland hat am Dienstag die Ukraine mit Hunderten Drohnen angegriffen. In mehreren Landesteilen gab es Tote. Besonders betroffen war die westukrainische Stadt Lwiw. Laut Einschätzung Kiews waren die Luftangriffe die bisher stärksten bei Tageslicht seit Kriegsbeginn vor mittlerweile mehr als vier Jahren.
Online seit heute, 20.04 Uhr
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Bisher griff die russische Armee mit Drohnen meist in den Nacht- oder frühen Morgenstunden an, nicht so am Dienstag. Seit der Früh „haben sie bereits über 400 Drohnen abgefeuert“, sagte der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ignat. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals Tagesangriffe in einem solchen Ausmaß gegeben hat.“

„In dieser Größenordnung ist das grundsätzlich das erste Mal“, sagte Ignat. Laut Angaben aus Kiew kamen mehrere Menschen ums Leben, darunter in der westukrainischen Stadt Iwano-Frankiwsk, In Lwiw gab es nach Angaben der Stadtverwaltung mehrere Verletzte.

Mittelalterliche Kathedrale in Lwiw getroffen
Militärgouverneur Maxym Kosyzkyj berichtete auf Telegram von Schäden im historischen Zentrum der Stadt. Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und wurde 2023 wegen des inzwischen seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieges in die Liste der gefährdeten Stätten aufgenommen.

Reuters
Rauch über einem Wohnhaus in der westukrainischen Stadt Lwiw

Am Dienstag soll auch die aus dem 17. Jahrhundert stammende St.-Andreas-Kirche getroffen worden sein, wie Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko auf der Kurznachrichtenplattform X schrieb, außerdem ein Wohnhaus im Stadtzentrum. Das historische Zentrum von Lwiw ist für seine gut erhaltene mittelalterliche Architektur bekannt.

Kiew hatte Informationen über bevorstehenden Großangriff
Die Luftangriffe hatten bereits in der Nacht auf Dienstag begonnen, in fast allen Landesteilen wurde Luftalarm ausgelöst. In der Stadt Charkiw wurde eine Straßenbahn getroffen, ein Mann starb. Auch in der Region Poltawa, in der Stadt Saporischschja im Süden des Landes und in Cherson habe es Tote gegeben, hieß es aus Kiew.

Bereits am Montagabend hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem neuen russischen Großangriff gewarnt. „Unsere Geheimdienste haben Informationen, dass die Russen möglicherweise einen Großangriff vorbereiten“, sagte er in seiner täglichen Fernsehansprache.

Fast 1.000 Drohnen
Die Ukraine zählte laut offiziellen Angaben seit Montagabend 948 Drohnen über ihrem Staatsgebiet. Tagsüber seien es 556 gewesen, von denen die ukrainische Flugabwehr 541 abgefangen habe, hieß es Dienstagabend. Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, die ukrainische Flugabwehr bekämpfe Ziele nahe der Hauptstadt Kiew sowie in der Region um Lwiw.

Nicht nur die Ukraine, auch Russland berichtete am Dienstag von einer Welle von Angriffen mit Drohnen. In der russischen Region Kursk wurden laut Angaben der dortigen Regionalverwaltung ein Mensch getötet und mehrere weitere verletzt. Gebäude wurden beschädigt. Dienstagabend sprachen die Behörden von zumindest 13 Verletzten

Entwarnung nach Explosion in Litauen
Eine in Litauen nahe der Grenze zu Belarus abgestürzte Drohne stammt nach Angaben von Regierungschefin Inga Ruginiene aus der Ukraine. Sie habe im Zusammenhang mit einem Einsatz gestanden, den die Ukrainer gegen Russland ausgeführt hätten, sagte Ruginiene am Dienstag. „Wir können bereits sagen, dass es sich um eine verirrte Drohne handelte.“

Der Drohnenabsturz am Montag mit einer Explosion in einem See nahe der Stadt Varena im Süden des NATO- und EU-Staates Litauen hatte für Aufregung gesorgt. Die örtlichen Behörden leiteten eine Untersuchung des Vorfalls ein. Zwar wurden weder Opfer noch Schäden durch den Vorfall verzeichnet. Es bestand jedoch die Befürchtung, dass die Drohne aus dem mit Russland verbündeten Belarus stammen könnte. Im Juli vergangenen Jahres waren zwei Drohnen von Belarus aus nach Litauen eingedrungen. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich in Polen, Rumänien und Moldawien.
24.03.2026, red, ORF.at/Agenturen

Mehrere Städte getroffen: Angriff mit Hunderten Drohnen auf Ukraine
 

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Russland im März ohne Geländegewinne
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Mehr als vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zeichnet sich weiterhin kein Ende des Krieges ab. Der ukrainische Generalstab meldete am Freitag zum 1.500. Kriegstag unter anderem russischen Dauerbeschuss auf die grenznahe Stadt Charkiw. Die Rede ist zudem von einer neuen russischen Taktik. Dahinter könnten auch ausgebliebene Geländegewinne im März stehen.
Online seit gestern 03.04.2026, 20.30 Uhr
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Nach Angaben des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) sei es der russischen Armee im vergangenen Monat nicht gelungen, neues Gebiet zu erobern. Zuletzt war das im September 2023 der Fall, wie das ISW am Donnerstag mitteilte. Die ukrainischen Streitkräfte eroberten laut diesen Angaben im März einige kleine Gebiete im Umfang von neun Quadratkilometern zurück.

Nach monatelangen Fortschritten hätten die russischen Kräfte an der gesamten Front an Tempo verloren, hob die Agentur AFP mit Verweis auf ISW-Daten hervor. Der russische Vormarsch habe sich bereits seit Ende 2025 wegen Gegenoffensiven im Südosten der Ukraine merklich verlangsamt. Den ISW-Daten zufolge erzielte die russische Armee im Jänner Geländegewinne von 319 und im Februar von 123 Quadratkilometern.

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Die Angaben der Analyse berücksichtigen keine Vorstöße einzelner russischer Soldaten jenseits der Front und auch keine Geländeeroberungen, die die russische Seite verkündet, die vom ISW jedoch weder bestätigt noch widerlegt werden konnten. Das ISW erarbeitete die Auswertung zusammen mit dem Critical Threats Project, einem weiteren US-Thinktank mit Schwerpunkt auf Konflikten.

Größte Geländegewinne in ersten Kriegswochen
Russland kontrolliert derzeit etwa ein Fünftel des Gebiets der Ukraine. Der Großteil davon wurde bereits in den ersten Wochen des Krieges erobert. Im Vorjahr eroberte die russische Armee den ISW-Daten zufolge dann mehr Gebiete als in den vorangegangenen 24 Monaten. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren die russischen Zugewinne jedoch nur halb so groß wie im Vorjahreszeitraum.

Selenskyj: Russische Offensive vereitelt
Für die Ukraine sei die derzeitige Lage an der Front nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj „komplex, aber so gut wie seit zehn Monaten nicht mehr“. Die ukrainischen Truppen hätten im vergangenen Monat eine russische Offensive vereitelt, teilte sein Präsidialamt am Freitag mit. Allerdings würden nun die russischen Streitkräfte ihre Angriffe verstärken.

Das russische Militär sammle Selenskyjs Angaben zufolge derzeit etwa in der Nähe des Logistikzentrums Pokrowsk in der Region Donezk sowie in der Nähe von Huljajpole im Südosten der Region Saporischschja verstärkt Truppenverbände.

Dauerangriffe auf Charkiw
Der ukrainische Generalstab meldete am Freitag 230 Kampfhandlungen in den vergangenen 24 Stunden und erklärte, die meisten Angriffe hätten in der Nähe von Pokrowsk und Saporischschja stattgefunden.

Dazu kamen Berichte über russische Dauerangriffen auf die grenznahe Großstadt Charkiw im Osten des Landes. Allein in der Nacht auf Freitag habe es vier Raketenangriffe gegeben, schrieb der Militärgouverneur des Gebiets Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Auch Drohnen wurden eingesetzt.

Reuters/Sofiia Gatilova
Laut ukrainischen Angaben gibt es seit Donnerstag verstärkt russische Angriffe auf Charkiw

Auch am Vortag habe Russland die zweitgrößte Stadt der Ukraine immer wieder mit Kampfdrohnen angegriffen. In der Stadt herrschte fast rund um die Uhr Luftalarm. Ukrainische Rettungskräfte sprachen von russischen Drohnen des iranischen Bautyps Schahed mit schnellem Jetantrieb. Deren Flugzeit von Russland bis Charkiw sei so kurz, dass eine Abwehr schwierig sei. Charkiw zählte vor dem Krieg 1,4 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen und liegt nur etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

„Neue Taktik“
„Wir sehen, dass der Feind neue Routen, ständig modernisierte Drohnen und neue Taktiken einsetzt“, sagte der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, im ukrainischen Fernsehen. In den vergangenen 24 Stunden habe Russland mehr als 400 Langstreckendrohnen sowie zehn ballistische Raketen abgefeuert. Letztere seien vor allem auf Gebiete nahe der Front gerichtet gewesen. Es ist das zweite Mal in dieser Woche, dass Russland auf einen nächtlichen Drohnenbeschuss schwere Angriffe am Tag folgen lässt.
Angriffe in weiten Teilen des Landes
Auch abseits der Front meldeten ukrainische Behörden am Freitag großangelegte russische Angriffe. Drohnen hätten Wohngebäude und zivile Infrastruktur in den zentralen Regionen Schytomyr und Kiew getroffen, teilten die dortigen Gouverneure über Telegram mit. Dabei habe es auch Tote gegeben.

Selenskyj verurteilte die Angriffe als „Zuspitzung zu Ostern“. Die russischen Streitkräfte hätten ihre Angriffe in einer Zeit intensiviert, in der eigentlich Ruhe am Himmel herrschen sollte. Laut ukrainischen Luftstreitkräften erfolgte der Angriff mit mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs. Der Großteil der Flugkörper sei abgefangen worden. an 20 Orten habe es aber Einschläge gegeben.

Ukrainische Drohnen über Russland
Auf russischer Seite teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, in der Nacht auf Freitag seien 192 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Mögliches Ziel waren Agenturangaben zufolge russische Ölexporthäfen am Finnischen Meerbusen bei St. Petersburg.

Die Ukraine nahm zuletzt verstärkt die russische Ölinfrastruktur ins Visier ihrer Gegenangriffe. Nach ukrainischen Drohnenangriffen seien zuletzt die Öl- und Flüssigerdgasexporte aus den russischen Ostsee-Häfen Primorsk und Ust-Luga zum Erliegen gekommen, berichtete Reuters am Mittwoch mit Verweis auf finnische Angaben.
04.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Ukraine-Krieg: Russland im März ohne Geländegewinne
 

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Militärtechnik
Leopard 2A6 gelingt angeblich der längste Panzertreffer in der Geschichte
Ein Leopard hat einen russischen T-72 auf Rekorddistanz vernichtet. Westliche Armeen können daraus lernen, wie wichtig Vernetzung auf dem Schlachtfeld geworden ist

in Leopard-2A6 der ukrainischen Streitkräfte feuert seine Hauptwaffe ab.
REUTERS/Valentyn Ogirenko

An der ukrainischen Front hat sich historisches zugetragen. Ein ukrainischer Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6 soll einen russischen T-72B3 in einem direkten Duell über eine Distanz von etwa 5,5 Kilometern zerstört haben. Noch nie wurde ein Panzerduell über eine größere Distanz entschieden.

Diese Kampfhandlung hat sich Anfang April zugetragen, wie nun bekannt wurde. Der T-72B3 wurde frontal durchschlagen und vollständig zerstört. Nun ist ein solcher Treffer aber keine Leistung eines einzelnen Richtschützen eines Leopard 2, sondern zeigt, wie wichtig eine Vernetzung auf dem Schlachtfeld ist.

Obwohl eine endgültige Bestätigung durch visuelle Beweise oder ballistische Daten noch aussteht, halten Militärexperten wie der belgische Offizier Tim de Zitter diesen Abschuss für technisch absolut plausibel.

Bisheriger Rekord eingestellt
Der Leopard 2A6 verfügt mit seiner 120-mm-Glattrohrkanone L/55 über eine der leistungsfähigsten Hauptwaffen weltweit. Die Kombination aus extrem präziser Laserentfernungsmessung, fortschrittlichen Wärmebildvisieren und einer digitalen ballistischen Berechnung ermöglicht es der Besatzung, Ziele weit jenseits der üblichen Kampfentfernungen zu erfassen.

Aber: Bei einem Schuss auf über fünf Kilometer spielt die Flugbahn des Geschosses eine entscheidende Rolle. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich um ein sogenanntes APFSDS-Geschoß (Armour-piercing fin-stabilized discarding sabot, auf Deutsch auch nicht viel eleganter mit "flügelstabilisiertes Treibspiegelgeschoss" umschrieben).

Dabei handelt es sich um ein Wuchtgeschoß, das sich allein auf die kinetische Energie beim Aufprall stützt, um die Panzerung zu durchschlagen. Es hat selbst keinen eigenen Sprengkopf. Dennoch entsteht beim Eindringen des Projektils durch die Aufprallenergie ein glühender Splitterregen. Man kann sich das Projektil im Grunde wie einen großen Dartpfeil vorstellen, der aus Wolframcarbid oder abgereichertem Uran gefertigt ist.


Ein T-72 der ukrainischen Armee. Der Sowjet-Panzer ist auf beiden Seiten im Einsatz.
EPA/PRESS SERVICE OF THE 65TH ME

Dieser Erfolg würde den bisherigen Weltrekord für den weitesten bestätigten Abschuss in einem Panzer-gegen-Panzer-Duell ablösen. Diese Bestmarke wurde seit dem Golfkrieg im Jahr 1991 gehalten, als ein britischer Challenger 1 der Royal Scots Dragoon Guards einen irakischen T-55 aus einer Entfernung von rund 5,1 Kilometern vernichtete. Damals kam ein Wuchtgeschoss mit abgereichertem Uran zum Einsatz.

Anders als der Leopard 2 verwendet der Challenger 1 aber eine Kanone mit einem sogenannten gezogenen Rohr, bei dem das Geschoss selbst in Rotation versetzt wird. Diese gelten gemeinhin als präziser auf lange Distanz. Der Leopard 2 hat dagegen eine Glattrohrkanone, die Stabilität der Flugbahn wird durch Flossen am Wuchtgeschoss selbst hergestellt.

Dass der Leopard 2A6 mit seiner (theoretisch unpräziseren) Kanone diesen Rekord nun um etwa 400 Meter übertroffen haben soll, verdeutlicht den qualitativen Vorsprung, den moderne NATO-Systeme gegenüber der sowjetisch geprägten Panzertechnologie besitzen, so De Zitter.

Designschwäche
Dazu kommt eine Designschwäche, die sich die meisten sowjetischen Panzerdesigns teilen. Der T-72B3, obwohl seit 2011 modernisiert, verfügt über ein altes automatisches Nachladesystem. Dieses lädt die Kanone automatisch aus einem Munitionskarussell unter dem Turm nach. Oder in anderen Worten: Die dreiköpfige Besatzung sitzt auf 22 Stück 125-mm-Geschossen samt den dazugehörigen Treibladungen.

Ein Treffer im Kampfraum kann dabei leicht eine Explosion des gesamten Munitionsvorrats verursachen, wobei häufig der gesamte Turm vom Panzer gerissen wird. Die Besatzung selbst hat dabei keine Überlebenschance.

Ein entscheidender Faktor für diesen Rekordschuss ist jedoch nicht allein die Hardware des Panzers, sondern die sogenannte "Kill Chain". In der Ukraine ist die Sensor-to-Shooter-Vernetzung weit fortgeschritten.

Das Konzept geht so: Drohnen identifizieren Ziele in Echtzeit, liefern exakte Koordinaten sowie Entfernungsdaten und ermöglichen es der Panzerbesatzung, Korrekturen vorzunehmen, noch bevor der Gegner die Bedrohung überhaupt wahrnimmt. Während diese Vernetzung in westlichen Armeen oft noch eine Zukunftsvision ist, ist sie in der Ukraine eine Notwendigkeit. Ohne die Unterstützung durch drohnen-basierte Beobachtung wäre ein Treffer auf eine solche Distanz unter Gefechtsbedingungen kaum realisierbar, so der belgische Offizier.

Abseits dieser spektakulären Duelle zeigt sich die Anpassungsfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte auch in der Nutzung älterer Systeme. So ist die Ukraine gerade dabei, Panzer an den Drohnenkrieg anzupassen. Die Ukraine hat von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden eine größere Menge (manche Quellen berichten von 195 Stück) Leopard 1A5-Panzer erhalten. Auch wenn diese Variante stark modernisiert ist, handelt es sich im Kern um einen Panzer aus den 60er Jahren.

Leopard 1 als Artillerie
Die ukrainischen Streitkräfte sind gerade dabei, für den Leopard 1 eine neue Rolle zu finden. So sollen die Panzer als mobile Behelfsartillerie eingesetzt werden. Die Soldaten der 5. Schweren Mechanisierten Brigade nutzen die Präzision der gezogenen 105-mm-Kanone L7, um Ziele aus verdeckten Stellungen mir Steilfeuer zu bekämpfen. Dabei erreicht der Leopard 1A5 eine Reichweite von etwa 12 Kilometern und übertrifft damit sowjetische Pendants, die meist nur auf sieben bis neun Kilometer kommen.


Ein Leopard 1A5 der ukrainischen Streitkräfte in der Region Donetzk.
REUTERS/Oleksandr Klymenko

Die ukrainischen Besatzungen berichten, dass sie aufgrund der überlegenen Optik und Ballistik oft nur drei bis vier Schüsse benötigen, um ein Ziel zu zerstören, während sowjetische Modelle doppelt so viele Versuche brauchen.

Upgrade für Steilfeuer
Die Entwicklung geht hierbei sogar noch einen Schritt weiter, wie Defence Express berichtet. Aktuell wartet das ukrainische Militär auf die Testergebnisse eines Leopard 1A5, der mit dem modernen C3105-Turm des belgischen Rüstungsunternehmens John Cockerill ausgestattet wurde.

Dieser Umbau könnte die Fähigkeiten des Panzers als Artillerie-Ersatz massiv steigern. Durch das Upgrade soll die Hauptbewaffnung des Panzers eine effektive Reichweite von 18 Kilometern erreichen. Durch die Kombination einer leistungsstarken Hochdruckkanone mit einem größeren Höhenrichtwinkel und moderner Munition könnte der Leopard 1 somit künftig Ziele bekämpfen, die weit außerhalb der Reichweite herkömmlicher Kampfpanzer liegen.

Wie ukrainische Medien allerdings berichten, stehen die meisten Leopard 1A5 aktuell in befestigten Stellungen und sollen russische Panzerangriffe abwehren.
(Peter Zellinger, 11.4.2026)
Leopard 2A6 gelingt angeblich der längste Panzertreffer in der Geschichte
 

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Verstöße gemeldet
Brüchige Waffenruhe in Ukraine
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Wenige Stunden nach Inkrafttreten einer Feuerpause zum orthodoxen Osterfest hat Russland nach ukrainischen Angaben Hunderte Male dagegen verstoßen. „Seit 16.00 Uhr wurden 469 Verstöße gegen die Waffenruhe registriert“, meldete Samstagabend der Generalstab der ukrainischen Armee. Russland warf der Ukraine Drohnenangriffe im Westen des Landes vor.
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Es habe unter anderem 22 direkte russische Angriffe sowie 153 Bombenangriffe gegeben, hieß es seitens des ukrainischen Generalstabs. Zudem seien fast 300 Drohnenangriffe gezählt worden. Die Feuerpause soll eigentlich bis Sonntagabend gelten.

Die russischen Behörden meldeten wiederum ukrainische Drohnenangriffe auf die in Westrussland gelegenen Regionen Kursk und Belgorod. Fünf Menschen seien dabei verletzt worden, hieß es am Samstag. Darunter befinde sich ein Baby, das bei einem Angriff auf eine Tankstelle Verletzungen erlitten habe.

Selenskyj ruft zu Verlängerung von Waffenruhe auf
Dessen ungeachtet rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft zu einer Verlängerung der Feuerpause auf. „Wir haben Russland einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, und wenn Russland sich erneut für den Krieg statt für den Frieden entscheidet, wird dies der Welt und den Vereinigten Staaten einmal mehr zeigen, wer wirklich was will.“

Zusagen mit Vorbehalt
Der Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow, hatte am Freitag laut der russischen Nachrichtenagentur TASS betont, die Waffenruhe habe ausschließlich humanitären Charakter. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf der Plattform X, sein Land werde sehen, wo und wann die Waffenruhe einsetze, und sei ihrerseits bereit, darauf zu reagieren. Aus Sicht der Ukraine gebe es keine Notwendigkeit, Angriffe wieder aufzunehmen.

Tote bei Angriffen vor Feuerpausenbeginn
Kurz vor dem geplanten Inkrafttreten der Waffenruhe wurden laut Kiew in der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer mindestens zwei Menschen bei einem russischen Angriff getötet. Es habe außerdem mehrere Verletzte und Schäden an zahlreichen Gebäuden, darunter Wohnhäuser und ein Kindergarten, gegeben.

Reuters/Nina Liashonok
Zerstörtes Gebäude in Odessa

In der zentralukrainischen Stadt Poltawa am Fluss Worskla habe außerdem ein „feindlicher Drohnenangriff“ ein Geschäft und ein Cafe getroffen, erklärte die regionale Militärverwaltung. Dabei sei ein Mensch ums Leben gekommen. In der nordöstlichen Region Sumy trafen russische Drohnenangriffe laut der regionalen Militärverwaltung mehrere Wohngebiete. Dabei seien zumindest 14 Menschen verletzt worden.

Russisches Erdöllager getroffen
Das russische Verteidigungsministerium berichtete am Samstag von 99 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. Zu Treffern oder Schäden machte das Ministerium keine Angaben. Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform brach in der Stadt Krymsk in der südrussischen Oblast Krasnodar in der Nacht auf Samstag auf dem Gelände eines Erdöllagers ein Brand aus. Auslöser seien abstürzende Drohnenteile auf dem Gelände gewesen.

Verhandlungen wegen Iran-Krieges auf Eis
In dem mittlerweile seit 24. Februar 2022 und damit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat es bereits mehrere Versuche einer zeitlich begrenzten Waffenruhe an Feiertagen gegeben, auch zu den Ostern im Vorjahr – beide Seiten warfen einander aber immer wieder Verstöße dagegen vor. Kiew betrachtet eine Waffenruhe als Schritt hin zu einem Kriegsende, Moskau dagegen will zuerst Konfliktfragen lösen, vor allem solche über von Russland beanspruchte ukrainische Gebiete.

Bei den Friedensverhandlungen zwischen Moskau und Kiew unter US-Vermittlung hatte es zuletzt nach Angaben der Beteiligten Fortschritte gegeben. Allerdings ist vor allem wegen der offenen Frage einer Lösung für das Gebiet Donezk bisher keine Einigung in Sicht. Moskau kontrolliert bisher den größten Teil des Gebiets, verlangt aber für ein Kriegsende auch die letzten Kilometer inklusive der für Kiew strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk. Die Ukraine lehnt solche Gebietsabtretungen kategorisch ab.

Außerdem gibt es seit Beginn des Krieges im Iran nach den US- und israelischen Angriffen am 28. Februar eine Verhandlungspause. Kiew und Moskau hatten sich zwar für eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche ausgesprochen. Einen Termin für trilaterale Verhandlungen gibt es aber bisher nicht.
12.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Verstöße gemeldet: Brüchige Waffenruhe in Ukraine
 

josef

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Marktplatz für Waffen
Roboter bluten nicht: Ukraine baut ein Amazon für Kamikazedrohnen und Kampffahrzeuge
Statt langwieriger Beschaffungsprozesse bestellen Kommandeure ihre Ausrüstung online. Geliefert wird direkt in die Gefechtsstellungen

Ein ukrainischer Soldat testet ein unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV). Derartige Waffensysteme können die ukrainischen Soldaten in einem Amazon nachempfundenen Marktplatz kaufen
EPA/UKRAINE'S 65TH MECHANI

Wie viel kostet ein fernsteuerbarer Kampfroboter mit einem schweren Maschinengewehr? 29.767,51 Euro oder 1,5 Millionen Ukrainische Hrywnja, um genau zu sein. Bestellbar in einer Art Amazon für Waffen. Egal, ob fliegende Kamikazedrohnen, ferngesteuerte Bodenfahrzeuge mit Granat- oder Raketenwerfern oder neue Kampfwesten für die Soldaten: Das alles wird in der Ukraine per Knopfdruck geliefert. Bezahlt werden die neuen Waffen aus dem Budget der jeweiligen Kommandanten.

In der New York Times beschreibt den Vorgang die ukrainische Journalistin Maria Varenikova so: In einer Jännernacht erhält der Kommandant Denys Poliachenko einer Einheit im Osten der Ukraine die Nachricht, dass die Russen etwa 30 Kilometer entfernt starke Kräfte und schweres Gerät zusammenziehen. Normalerweise wäre das die Gelegenheit für einen Angriff mit den gefürchteten Kamikazedrohnen, aber die eisigen Temperaturen schwächen die Akkus und schränken die Reichweite der Drohnen ein.

Tödliche Schnäppchen
In einem klassischen Krieg wäre Poliachenko nun auf langwierige bürokratische Anforderungswege angewiesen, die Wochen oder Monate dauern könnten. Doch im Jahr 2026 sieht der Alltag an der Front anders aus. Der Kommandant zückt sein Smartphone, scrollt durch eine App und bestellt mit wenigen Klicks ein spezielles Drohnenmodell, das für arktische Bedingungen optimiert ist. Wenige Tage später wird die Lieferung in seinem Unterstand eintreffen.

Was wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Roman klingt, ist für die ukrainischen Streitkräfte zur Realität geworden. Das Land hat ein System geschaffen, das Militärexperten weltweit in Staunen versetzt: ein digitales Marktplatz-Ökosystem für tödliche Waffen, das in seiner Effizienz und Benutzerfreundlichkeit frappierend an den Online-Riesen Amazon erinnert.

Mit einem Klick auf den entsprechenden Button lassen sich sogar die unterschiedlichen Drohnenmodelle miteinander vergleichen. Welches hat mehr Reichweite? Welches kann einen größeren Sprengkopf tragen? Auf Wunsch lässt sich die Liste auch nach den billigsten bis teuersten Waffen sortieren. Die billigste Drohne, ein einfacher Quadcopter, kostet knapp 130 Euro.

Während traditionelle Armeen, darunter auch die der NATO, oft Jahre benötigen, um neue Waffensysteme zu zertifizieren und zu beschaffen, hat die Ukraine den Beschaffungsprozess radikal dezentralisiert. Anstatt dass Generäle in fernen Büros entscheiden, welches Gerät an die Front geschickt wird, liegt die Kaufentscheidung nun direkt bei den Kommandeuren vor Ort. Dabeit hat man das Konzept der großen Onlinehändler kopiert.

Shopping für den Krieg
Dieses "Amazon für den Krieg" basiert im Kern auf zwei Plattformen namens Brave1 und DOT-Chain. Das Prinzip ist simpel: Jede der inzwischen 130 beteiligten Brigaden verfügt über ein virtuelles Konto, das mit staatlichem Geld aufgeladen wird. Auf den Portalen können die Soldaten aus Hunderten Modellen wählen – von kleinen FPV-Flugdrohnen über Aufklärungssysteme bis hin zu schweren Bodenrobotern.


Der Brave1 Market bietet alles: Von günstigen Aufklärungsdrohnen bis hin zu KI-gestützten Zielerfassungssystemen.
Brave1 Market / Screenshot

Der Marktplatz ist dabei mehr als eine bloße Einkaufsliste, auch das Rezensions-System wurde von Amazon und Co übernommen. Die Soldaten verfassen Produktbewertungen und liefern den Herstellern Feedback zur Verbesserung ihrer Waffen. Das wiederum hat den Vorteil, dass kleine Start-ups, die oft in Garagen und Hinterhöfen begannen, ihre Produkte ohne komplizierte Prozesse testen und Rückmeldungen einholen können.

Verknüpft ist das alle mit dem sogenannten E-Points-System. Es ist eine Form der Gamification des Schlachtfeldes. Einheiten erhalten für die verifizierte Zerstörung feindlicher Ziele – etwa Panzer, Artilleriestellungen oder russische Soldaten – Bonuspunkte auf ihr Konto. Diese Punkte können sie unmittelbar in neues Gerät investieren. Das Konzept: Wer erfolgreich kämpft, bekommt schneller besseres Werkzeug. Die Statistiken geben dem Erfolg recht: Wurden früher Lieferzeiten von Monaten beklagt, erreicht das bestellte Gerät die Front heute im Durchschnitt innerhalb von zehn Tagen, in Spitzenzeiten sogar in nur fünf. Die besten Einheiten werden in einem eigenen Dashboard hervorgehoben.

Immer mehr Roboter im Einsatz
Diese technologische Innovation ist aus der Not geboren. Da die Ukraine personell und materiell oft unterlegen ist, musste sie die Effizienz jedes einzelnen Soldaten maximieren. Laut Oberst Pavlo Palisa gegenüber dem Center for European Policy Analysis konnten militärische Einheiten der Ukraine seit der Einführung des Programms die Effizienz bei der Zerstörung feindlicher Ziele um 40 Prozent steigern.


Wer die meisten Abschüsse erzielt, erhält mehr Punkte für seine Einheit. Diese können als Credits gegen bessere Waffen gestauscht werden. Das Konzept nennt sich Gamification, fast wie in einem Videospiel.
Screenshot Brave 1

Doch die Dominanz in der Luft, die das Bild der ersten Kriegsjahre prägte, stößt an neue Grenzen. Der Himmel über den Schützengräben ist inzwischen so dicht mit Flugdrohnen und elektronischen Störsendern gesättigt, dass jede Bewegung von Menschen oder Fahrzeugen am Boden zu einem Himmelfahrtskommando geworden ist. Hier schlägt nun die Stunde einer neuen Generation von Helfern: den unbemannten Bodensystemen. Allein im März 2026 führten ukrainische Einheiten über 9000 Missionen mit Bodenrobotern durch – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.

Diese unbemannten Fahrzeuge übernehmen Aufgaben, die für menschliche Soldaten schlicht zu gefährlich geworden sind. Sie bringen Munition in vorderste Stellungen, räumen Minenfelder oder evakuieren Verwundete unter schwerem Beschuss. Das 1. Separate Medizinische Bataillon der Internationalen Legion gilt hierbei als Pionier. Es nutzt die ferngesteuerten Plattformen, um Verletzte aus der "Todeszone" zu bergen, in die sich kein Sanitäter mehr zu Fuß wagen könnte.

Inzwischen werden sie zunehmend als autonome Waffenplattformen eingesetzt. In einem dokumentierten Fall hielt ein einzelner, mit einem Maschinengewehr bestückter Bodenroboter eine Stellung über sechs Wochen lang fast im Alleingang. Die Maschine musste lediglich alle 48 Stunden aus der Ferne gewartet und nachgeladen werden – kein Mensch war physisch vor Ort.

Roboter übernehmen tödliche Missionen
Dieser Trend zur "Roboter-Infanterie" ist die logische Konsequenz: Anders als Russland können sich die ukrainischen Streitkräfte keine immensen Verluste leisten. Oder wie es ein Offizier des Dritten Armeekorps laut Business Insider treffend formulierte: Roboter bluten nicht.


Ein ukrainischer Soldat neben einer schweren Angriffsdrohne. Derartige Waffensysteme werden in einem Onlinemarktplatz bestellt und innerhalb weniger Tage geliefert.
REUTERS/Stringer

Natürlich heißt das nicht, dass der Drohnenkrieg in den Hintergrund gerät. 9000 Bodenmissionen von Drohnen im Monat stellen einen historischen Rekord dar. Am Himmel über der Front werden monatlich aber über 300.000 Drohneneinsätze gezählt. Dieses Ungleichgewicht beweist auch der Blick in den Online-Marktplatz: Der Katalog für Bodendrohnen und Kampfroboter umfasst insgesamt neun Seiten. Jener für fliegende Drohnen ist 48 Seiten stark.

Die Ukraine hat sich so zu einem globalen Testlabor für die Kriegsführung der Zukunft entwickelt. Dass ukrainische Defense-Tech-Unternehmen wie Swarmer inzwischen an der Nasdaq gelistet sind und auf Messen wie der Xponential in Düsseldorf die Hauptattraktion bilden, zeigt, dass hier ein neuer Industriezweig entstanden ist, der weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt.

Amazon entwickelt Waffenmarktplatz für die US-Army
Laut einem aktuellen Bericht von Fortune hat die US-Army das ukrainische Konzept eines Amazon für Waffensystem aufgegriffen, schließlich ist der Beschaffungsprozess im Pentagon berüchtigt dafür, besonders zeit- und kostenintensiv zu sein. Ende März wurde der "Unmanned Aircraft Systems (UAS) Marketplace" vorgestellt. Der Entwickler: Amazon Web Services.

Aber sämtliche Hochtechnologie kann ein Grundproblem des Krieges nicht lösen: Hauptmann Poliachenko, der Mann aus dem Bunker, sagt, das System des Marktplatzes funktioniere hervorragend. Doch am Ende fehle es immer an einer Sache: dem Geld, um den virtuellen Warenkorb für den nächsten Angriff vollzumachen. Die Digitalisierung hat den Krieg schneller und flexibler gemacht, aber billiger ist er nicht geworden.
(Peter Zellinger, 12.4.2026)
Roboter bluten nicht: Ukraine baut ein Amazon für Kamikazedrohnen und Kampffahrzeuge
 

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Russische Angriffe
Ukraine meldet höchste Totenzahl heuer
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Bei heftigen russischen Angriffen in der Ukraine sind in der Nacht auf Donnerstag mindestens 18 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Das ist die höchste Opferzahl, die es binnen 24 Stunden in diesem Jahr bisher gab. Russland attackierte mehrere Regionen in der Ukraine in Wellen, laut Präsident Wolodymyr Selenskyj sollen dabei fast 700 Drohnen sowie Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden sein.
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In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer kamen mindestens neun Menschen ums Leben, wie Gouverneur Oleh Kiper mitteilte. Verletzt wurden laut den Angaben über 20 weitere Personen. Russland habe in mehreren Wellen mit Raketen und Drohnen angegriffen. Unter anderem Objekte der kritischen Infrastruktur, des Hafens und Wohngebäude seien beschädigt worden.

Eine russische Drohne traf laut ukrainischen Angaben ein ziviles Frachtschiff vor der Küste. Der Angriff habe einen Brand in einem der Container ausgelöst, teilte Kiper auf Telegram mit. Die Besatzung habe das Feuer jedoch gelöscht. Niemand sei verletzt worden. Das unter der Flagge von Nauru fahrende Schiff habe seine Fahrt fortsetzen können.

In der Hauptstadt Kiew wurden vier Menschen getötet, darunter ein zwölfjähriger Bub, wie u. a. Bürgermeister Witali Klitschko mitteilte. Es habe auch mindestens 54 Verletzte gegeben. Es seien Mehrfamilienhäuser, Privathäuser, ein Hotel, ein Bürokomplex, ein Autohaus, eine Tankstelle und ein Einkaufszentrum beschädigt worden.

Reuters/Valentyn Ogirenko
Kiew wurde in der Nacht von Russland schwer getroffen

Angriffe auch in Dnipropetrowsk
In der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk mit der Millionenstadt Dnipro kamen bei russischen Angriffen mit Drohnen, Artillerie und Raketen nach Angaben von Gouverneur Olexandr Ganscha vier Menschen ums Leben, 34 seien verletzt worden. Russland habe Drohnen, Artillerie und Raketen eingesetzt.

In der ostukrainischen Region Charkiw berichtete Gouverneur Oleh Synjehubow von einer Toten und sechs Verletzten in der Stadt Merefa durch Drohnenbeschuss. In der südukrainischen Stadt Mykolajiw sei dem Gouverneur der gleichnamigen Region zufolge nach dem russischen Angriff der Strom ausgefallen. Betroffen seien auch Siedlungen in der Umgebung. Die russischen Streitkräfte hätten die Energieinfrastruktur angegriffen.

Reuters/Sofiia Gatilova
Angriffe gab es auch in Charkiw

Auch in der ebenfalls im Süden der Ukraine gelegenen Stadt Cherson wurde nach Angaben örtlicher Behörden die Stromversorgung gekappt. Der Grund dafür werde noch geprüft. Die gleichnamige Region Cherson liegt östlich der Region Mykolajiw und gegenüber der Halbinsel Krim, die Russland bereits 2014 annektiert hat.

Selenskyj fordert Druck auf Russland
Eine weitere Nacht habe bewiesen, dass Russland keine Lockerung der globalen Politik oder die Aufhebung von Sanktionen verdiene, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. Er hatte zuvor bei einer Europareise neue Zusagen für militärische Hilfen der westlichen Staaten erhalten und dafür gedankt.

Russland kritisiert die westlichen Waffenlieferungen hingegen als Eskalation in dem Krieg, den Moskau seit mehr als vier Jahren führt. Selenskyj forderte zudem Druck auf den Angreifer Russland. Zugleich forderte er einmal mehr, dass jedes Versprechen zur Unterstützung der Ukraine rechtzeitig erfüllt werde.

Am Donnerstag nahm Selenskyj in den Niederlanden den Internationalen Preis der Vier Freiheiten entgegen. In seiner Dankesrede bezeichnete er den russischen Staatschef Wladimir Putin als globale Bedrohung und appellierte abermals an die internationale Gemeinschaft, die Unterstützung für sein Land aufrechtzuerhalten.

Costa versichert Kiew Unterstützung
EU-Ratspräsident Antonio Costa sprach den Verletzten und den Familien der Opfer der „ungeheuerlichen Angriffe“ sein Mitgefühl aus. „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist gescheitert, und deshalb greift es nun bewusst zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung“, schrieb er auf der Plattform X. „Russland muss diesen Terrorkrieg beenden.“ Die EU werde den Druck auf Russland weiter erhöhen, so der Portugiese. „Und wir werden unsere standhafte Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten, während sie sich gegen die russische Aggression verteidigt.“
Unterstützerstaaten Kiews hatten am Mittwoch bei einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin ihren weiteren Bestand zugesagt. Großbritannien sagte der Ukraine die Lieferung von 120.000 Drohnen für den Kampf gegen Russland zu. Das Moskauer Verteidigungsministerium reagierte mit scharfer Kritik an Europa und veröffentliche die Adressen dortiger Rüstungsfirmen.

Auch Russland meldet Tote
Auch Russland meldete mehrere Opfer bei ukrainischen Angriffen. In der russischen Region Krasnodar am Schwarzen Meer sprach Gouverneur Weniamin Kondratjew von zwei Toten, darunter eine 14-Jährige, und sieben Verletzten nach ukrainischen Drohnenangriffen. In der Region Tuapse sei ein Notstand ausgerufen worden. Drohnentrümmer beschädigten laut den Angaben Wohngebäude, zwei Bildungseinrichtungen und eine Musikschule.

Trümmer seien auch auf das Gelände einer Fabrik im Hafengebiet gefallen. In Noworossisjk sei auf einem zivilen Schiff ein Feuer durch Drohnentrümmer entstanden, aber schnell gelöscht worden, schrieb Kondratjew. Am Schwarzen Meer sind Noworossijsk und Tuapse die wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. In Tuapse gibt es auch eine große Raffinerie.

Das ukrainische Militär bestätigt einen Angriff auf den Hafen Tuapse. Dort sei Infrastruktur getroffen worden, teilte der Kommandant der Drohneneinheiten auf Telegram mit. Außerdem seien zwei Öllager auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim getroffen worden.

Moskau: 200 Drohnen abgewehrt
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass mehr als 200 ukrainische Drohnen auf russische Ziele abgewehrt worden seien. Die eigenen Angriffe auf die Ukraine bezeichnete das Ministerium als Antwort auf die „terroristischen Attacken“ Kiews. Den Krieg begonnen hat allerdings Russland, die Ukraine wehrt sich mit den Gegenschlägen.

Russland warf der Ukraine zudem vor, einen Öltanker unter liberianischer Flagge im Schwarzen Meer mit Drohnen getroffen zu haben. Der türkische Kapitän sei mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, teilten die russischen Ermittlungsbehörden mit.
16.04.2026, red, ORF.at/Agenturen

Russische Angriffe: Ukraine meldet höchste Totenzahl heuer
 

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Krieg im Weltraum
Ukraine bringt zwei Raketen ins All und startet geheimes Star-Wars-Programm
Während am Boden die Kämpfe toben, stößt Kyjiw in die Exosphäre vor. Das Ziel sind russische Oreschnik-Raketen und die Unabhängigkeit von Starlink

Der neue Marschflugkörper Netpune RK-360 und die Areion-Drohnenrakete wurden jüngst vorgestellt. Gleichzeitig gab der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Parlaments erste Einblicke in über die ukrainischen Weltraumstreitkräfte.EPA/SERGEY DOLZHENKO
Der Militärnachrichtendienst der Ukraine (GUR) war in der Vergangenheit bereits für einige spektakuläre Aktionen verantwortlich; so geht etwa die "Operation Spinnennetz" auf das Konto der Organisation. Dass der Geheimdienst jedoch ein eigenes "Star-Wars-Programm" betreibt, wirkt dann doch überraschend.

Wie nun bekannt wurde, hat die Ukraine erfolgreich zwei Raketen ins All geschossen – und all das, während am Boden die russische Invasion tobte. Eine Rakete erreichte eine Höhe von über 100 Kilometern, was der Definition der Kármán-Linie und damit der offiziellen Grenze zum Weltall entspricht. Die zweite Rakete stieg sogar bis auf eine Höhe von 204 Kilometern auf.

Kampfeinsätze im Weltraum
Diese Informationen gehen aus einem Interview hervor, das Fedir Wenislawskyj, Vorsitzender des Unterausschusses für Staatssicherheit, Verteidigung und Verteidigungsinnovation des Parlaments, mit RBC-Ukraine führte. Wenislawskyj beschrieb die Weltraummissionen dabei explizit als "Kampfeinsätze", die unter dem damaligen Geheimdienstchef Kyrylo Budanow durchgeführt wurden. Beide Raketenstarts seien durch Aufnahmen dokumentiert, betonte der Abgeordnete.

Dieselbe Arbeitsgruppe innerhalb des GUR soll zudem für eine Premiere auf dem europäischen Kontinent verantwortlich sein: Dem ukrainischen Nachrichtendienst sei es gelungen, eine Trägerrakete von einem Transportflugzeug aus zu starten, das in etwa 8000 Metern Höhe flog. Ein vergleichbarer Luftstart einer Rakete wurde bisher erst ein einziges Mal durchgeführt – und zwar in den 1970er-Jahren in den USA.

Angriff auf feindliche Ressourcen im All
All diese Aktionen dienten rein militärischen Zwecken; Wenislawskyj lässt hier wenig Interpretationsspielraum bezüglich der Ziele dieser Operationen. Was genau die Ukraine mit den Raketenstarts erreichen will, bleibt im Detail zwar unklar, doch der Abgeordnete deutete an, dass die Missionen dazu dienen, "feindliche Ressourcen im Weltraum anzugreifen".

In dem Interview wurden zudem Details über eine Waffenkategorie bekannt gegeben, die laut Wenislawskyj der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist: Die Ukraine arbeitet offenbar an eigenen Hyperschallwaffen. Dabei handelt es sich um ballistische Raketen, die durch einen extrem schnellen Zielanflug besonders schwer abzufangen sind.

"Wir haben Raketen, von denen fast niemand weiß. Sie sind in der Lage, feindliches Gebiet auf Entfernungen von bis zu 500 Kilometern zu treffen und mit Hyperschallgeschwindigkeit zu fliegen", erklärte er. "Und wir setzen sie im Zuge von Kampfhandlungen erfolgreich ein. Aber ihr Hauptzweck ist die Durchführung außergewöhnlicher Operationen, einschließlich derer, über die wir gerade gesprochen haben."

Sollte die Ukraine derartige Waffensysteme tatsächlich erfolgreich einsetzen, wäre das ein gewaltiger technologischer Sprung. Russland selbst ist es bislang nicht gelungen, Hyperschallwaffen zu dem zu machen, was die staatliche Propaganda vollmundig verkündet.

Die Technik hinter dem Luftstart
Auch wenn vieles im Verborgenen bleibt, lassen die Aussagen Wenislawskyjs darauf schließen, dass die bei den Orbitalstarts verwendeten Raketen aus demselben Waffenprogramm stammen wie die angeblichen Hyperschallraketen, wie auch der Defence Blog berichtet. Einschränkend muss jedoch erwähnt werden, dass auch herkömmliche ballistische Raketen Geschwindigkeiten von über Mach 5 erreichen – jene Schwelle, ab der allgemein von Hyperschallwaffen gesprochen wird.

Der Start einer Rakete aus einem Flugzeug in 8000 Metern Höhe bietet einen bedeutenden Vorteil gegenüber einem bodengestützten Start: Damit wird vor der Zündung der dichteste und für den Start energieintensivste Teil der Atmosphäre umgangen. So kann die effektive Reichweite erhöht werden, da der Treibstoff effizienter genutzt wird. Das ist auch der Grund, warum Marschflugkörper meist von Flugzeugen aus gestartet werden.

Die bisher nicht näher benannte Startplattform könnte in naher Zukunft für militärische Angriffsmissionen verwendet werden, sei aber ebenso für die Stationierung von Satelliten und anderen Raumfahrzeugen einsetzbar. Laut Wenislawskyj gehört die Ukraine damit nun zum exklusiven Kreis von insgesamt zehn Ländern, die über ähnliche Raumfahrttechnologien verfügen.

Schutz gegen die Oreschnik-Bedrohung
Doch wozu dieser immense Aufwand? Wie Euromaidan Press berichtet, verfolgt die Ukraine mit dem Aufbau einer eigenen Weltraumstreitmacht zwei Kernziele. Eines davon trägt den Namen "Oreschnik" – die russische, nuklear bestückbare Interkontinentalrakete.

Russland startete am 8. Jänner seinen zweiten "Oreschnik"-Angriff auf die Ukraine, der höchstwahrscheinlich auf das staatliche Flugzeugreparaturwerk in Lemberg abzielte. Das System ist mit bis zu sechs unabhängigen Wiedereintrittskörpern (MIRVs) bestückt, von denen jeder bis zu sechs Submunitionen tragen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass die Rakete bei diesem Angriff nicht mit Sprengstoff bestückt war, sondern ihren Schaden allein durch enorme kinetische Wucht verursachte. Vermutlich handelte es sich um Betongewichte.

Obwohl die Rakete keine allzu große Präzision aufweist und technisch teilweise auf dem Stand der 50er-Jahre ist, ist es für die Ukraine essenziell, Putins Propagandawaffe abfangen zu können. Wenn die Sprengköpfe erst einmal auf ihr Ziel zurasen, sei es für eine Abwehr oft zu spät; in einer Höhe von rund 100 Kilometern seien sie jedoch deutlich einfacher auszuschalten, erläuterte der Abgeordnete.

Unabhängig von Starlink
Der zweite Grund für das ukrainische Weltraumprogramm ist das Streben nach unabhängiger Kommunikation. Aktuell ist das Land stark auf Starlink angewiesen, das Satelliteninternet von SpaceX. Dieses gehört Elon Musk, der nicht gerade für seine politische Zuverlässigkeit bekannt ist. Der Milliardär hatte vor allem in der Frühphase des Ukraine-Kriegs Starlink für ukrainische Gegenangriffe eingeschränkt. Im Februar drohte die US-Regierung der Ukraine zudem damit, den Dienst einzustellen, sollte Kyjiw keine Mineralienabkommen unterzeichnen.

Zwar kooperierte Musk zuletzt wieder enger mit den ukrainischen Streitkräften und unterband den Service für die russische Armee, dennoch will die Ukraine eigenständig werden und eine eigene Satellitenkonstellation aufbauen. Die ersten Exemplare sollen bereits im Oktober starten; im Endausbau soll das Netzwerk 245 Satelliten umfassen. Bereits im Dezember soll mit "Sich 2-30" der erste rein ukrainische Aufklärungssatellit in den Orbit gelangen.
(Peter Zellinger, 16.4.2026)
Ukraine bringt zwei Raketen ins All und startet geheimes Star-Wars-Programm
 

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Operation Tarhan
Ukraine schreibt Geschichte mit dem ersten rein robotischen Sturmangriff
Erstmals wurde eine feindliche Stellung ausschließlich durch unbemannte Systeme erobert. Kein einziger ukrainischer Soldat war in der Gefahrenzone

Ein ukrainischer Soldat bereitet das Maschinengewehr auf einer Bodendrohne vor. Mittlerweile gibt es Roboterschulen, bei denen auch Zivilisten den Umgang mit den Drohnen lernen.
AFP/65th Mechanized Brigade of U

Es ist eine der Kernstrategien der Ukraine im Krieg gegen die russischen Angreifer, die eigenen Kräfte nach Möglichkeit zu schonen, denn Mangel an Soldaten herrscht eigentlich chronisch. Deshalb ist es auch kein großes Geheimnis, dass die Ukraine massiv auf Robotersysteme und Drohnen setzt. Erst in dieser Woche wurden 30 neue Drohnentypen vorgestellt. Dabei erwähnte Präsident Wolodymyr Selenskyj auch, dass erstmals in der Geschichte der Kriegsführung eine feindliche Stellung rein durch Maschinen erobert wurde. Nun wurden erstmals Details zu der Operation bekannt.

Der Schauplatz der Operation war ein hart umkämpfter Waldabschnitt in der Oblast Charkiw. Russische Befestigungen in diesem Gebiet hatten zuvor zwei herkömmliche Angriffsversuche benachbarter Infanterie-Einheiten abgewehrt. Das dichte Gelände und die gut ausgebauten Unterstände der Russen machten ein Vorankommen für menschliche Soldaten extrem verlustreich.

Die Führung der 3. Separaten Sturmbrigade entschied sich daher für einen taktischen Kurswechsel und ein Experiment. Die Aufgabe, die Stellungen zu erobern, wurde der Einheit NC13 übertragen, einer spezialisierten Gruppe für Bodenrobotik innerhalb der Drohnen-Kompanie "Deus Ex Machina", wie der Kommandeur der Brigade Mykola Zinkevych, Rufname Makar in einem Interview mit Radio NV die Operation vom Sommer 2025 beschreibt.

Roboter statt "Fleischangriff"
Der Angriff wurde akribisch geplant. Statt Wellen von Soldaten einzusetzen, wie es die Russen in ihren berüchtigten "Fleischangriffen" tun, setzte die Einheit auf eine koordinierte Operation mit Robotern. Die Stellung wurde zuerst mit Drohnen angegriffen, einerseits um sie zu schwächen und andererseits um die Besatzer in Deckung zu zwingen.

Anschließend wurden vier unbemannte Bodenfahrzeuge vom Typ Tarhan losgeschickt. Dabei handelt es sich um eine relativ einfache Lastendrohne. Jedes Fahrzeug war mit 30 Kilogramm Sprengstoff geladen. Der erste Roboter steuerte direkt auf den Eingang des Hauptbunkers zu und detonierte.

Die gewaltige Sprengkraft zerstörte die Befestigung und riegelte den Fluchtweg der russischen Soldaten teilweise ab. Ein zweiter Bodenroboter fuhr unmittelbar danach vor einen verbliebenen Ausgang des zerstörten Unterstandes und blockierte diesen effektiv.


Eine Bodendrohne vom Typ Tarhan.
Ministry of Defense of Ukraine

Die beiden weiteren Roboter kamen nicht mehr zum Einsatz – die psychologische und physische Wirkung der ersten beiden Maschinen reichte aus, um den Widerstand der Besatzer zu brechen.

Kapitulation vor der Maschine
Die überlebenden russischen Soldaten, die im Bunker festsaßen und eine weitere Explosion der vor ihnen postierten Roboter fürchteten, signalisierten ihre Kapitulation auf: Sie schrieben "Wir ergeben uns" auf ein Stück Pappe und hielten es in die Kamera des Bodenroboters und der über ihnen kreisenden Drohnen.

Die unbemannten Systeme übernahmen daraufhin die Rolle der Eskorte. Luftdrohnen geleiteten die Gefangenen zu den ukrainischen Linien. Erst 20 Minuten später rückte die ukrainische Infanterie nach, um die bereits geräumten Befestigungen zu sichern – ohne einen einzigen Schuss abzugeben und ohne eigene Verluste. Während der gesamten Operation befand sich kein einziger ukrainischer Soldat im unmittelbaren Gefahrenbereich.

Technologische Überlegenheit als Lebensversicherung
Präsident Wolodymyr Selenskyj hob in seiner Rede zum Tag der Rüstungsindustrie am 13. April 2026 die strategische Bedeutung dieses Erfolgs hervor. Er gab bekannt, dass allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 Bodenroboter mehr als 22.000 Missionen an der Front absolviert haben.

"Das bedeutet, dass mehr als 22.000 Mal Leben gerettet wurden, weil ein Roboter anstelle eines Kriegers in die gefährlichsten Gebiete vorgedrungen ist", so Selenskyj.

Die Ukraine setzt dabei auf ein breites Arsenal an Systemen wie Ratel, TerMIT, Ardal, Rys, Zmiy, Protector und Volia. Diese Roboter übernehmen nicht nur Kampfaufgaben, sondern auch logistische Tätigkeiten. Ein einziger Zug von Bodenrobotern transportiert pro Woche etwa 10 Tonnen lebenswichtige Güter an die vordersten Positionen. Verwundete werden aus der "Kill Zone" gerettet, in die sich menschliche Sanitäter aufgrund des Drohnenbeschusses nicht mehr wagen können. Besonders gefährliche Pionierarbeiten wie Minenräumung werden zunehmend automatisiert.

"In Wirklichkeit gewinnt weder die Person, welche die Technologie erfindet, noch diejenige, die herausfindet, wie man sie anwendet. Stattdessen gewinnt derjenige, der in der Lage ist, Technologie kontinuierlich zu skalieren und einen langen Atem zu beweisen", so der Kommandant der Sturmbrigade.

Schule für den Roboterkrieg
Die 3. Sturmbrigade hat aus diesen Erfolgen Konsequenzen gezogen und mittlerweile eine eigene Schule für Bodenrobotik eröffnet. Hier werden Zivilisten in fünf Tagen und Soldaten in elf Tagen intensiv an den Systemen geschult. Ziel ist es, die "robotischen Sturmangriffe" zu standardisieren und die Infanterie weitestgehend von den gefährlichsten Aufgaben zu entbinden.


Bodendrohnen können mit automatischen Geschützen wie Maschinengewehren oder Granatwerfern das Feuer eröffnen, sobald die Bild-KI Bewegung erkennt.
Präsidialamt der Ukraine

Künstliche Intelligenz spielt eine große Rolle
Künstliche Intelligenz in Form von Bild- und Mustererkennung spielt dabei laut Zinkevych eine große Rolle: "Wir setzen künstliche Intelligenz in Kampfmodulen und maschinelles Sehen ein, um Patrouillen und die Zielerkennung zu unterstützen. Sobald ein Sektor oder Winkel eingestellt ist, patrouilliert der Geschützturm automatisch. Wenn er ein sich bewegendes Objekt oder eine Wärmesignatur erkennt, beginnt er mit der Verfolgung und alarmiert den Operator: 'Schau mal, da kommt jemand.'"

Mithilfe dieser Technologie sei es möglich, mit einem Granatwerfer zehn bis 15 Ziele gleichzeitig zu verfolgen. Man könne damit die Grenzen eines Waldstückes festlegen. Wenn dort eine Bewegung erfasst wird, bekämpft die Waffe die Ziele selbstständig, erklärt der Kommandant.

„Das ist etwas, wovon ich als ehemaliger Sturmsoldat nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Wir haben Menschen gerettet, den Feind angegriffen und Gefangene gemacht. Die ganze Welt hat es gesehen. Und eines Tages wird es in den Geschichtsbüchern stehen", so Zinkevych.
(Peter Zellinger, 18.4.2026)
Ukraine schreibt Geschichte mit dem ersten rein robotischen Sturmangriff
 
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