Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

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Ukrainische Drohnen
Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
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Zuerst hat Russlands Machthaber Wladimir Putin versucht, mit einem Waffenruheangebot die für ihn so wichtige jährliche Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland zu retten. Doch den Plan durchkreuzte die Ukraine geschickt. Nun findet eine abgespeckte Variante der Parade statt: Diese steht mehr im Zeichen der Angst vor Drohnenattacken als des historischen Siegesgedenkens und der Machtdemonstration.
Online seit gestern 07.05.2026, 21.57 Uhr
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Der 9. Mai ist der wohl wichtigste russische Staatsfeiertag, das Gedenken an den Sieg über den Faschismus machte Putin im postsowjetischen Russland gezielt zu einem zentralen Pfeiler der politischen Identität des Landes. Zur 80. Auflage der Siegesfeiern im Vorjahr waren noch zahlreiche Staatschefs, allen voran Chinas Xi Jinping, Brasiliens Lula da Silva und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, angereist.

Doch heuer hängt über der Parade ein großes Sicherheitsrisiko: Die Ukraine baute ihre militärischen Kapazitäten, insbesondere bei Drohnen, aus – und der Kreml fürchtet einen symbolträchtigen Angriff auf die Parade, die landesweit live im TV übertragen wird. Diese Ängste wurden diese Woche durch den Einschlag einer Drohne in einem Moskauer Hochhaus erneut bestätigt.

Reuters/Alexander Vilf (Archivbild)
Bilder militärischer Potenz wie hier im Vorjahr wird es heuer wohl nicht geben

Selenskyj droht
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befeuerte diese Ängste am Donnerstag und warnte Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor, an der Parade in Moskau teilzunehmen. Am Vortag hatte er gesagt, Russland ziehe seine Luftabwehrsysteme vor der Parade landesweit rund um Moskau zusammen. Statt sich auf eine Waffenruhe vorzubereiten, so behauptete Selenskyj, mache sich der Kreml mehr Sorgen um die Parade als den Rest des Landes.

Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit Putins. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag: „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen.“ Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“.

Deutlich verbesserte Fähigkeiten
Die russische Luftabwehr ist längst viel zu lückenhaft, um zumindest weitgehend für die nötige Sicherheit vor Angriffen zu sorgen. Die Ukraine entwickelte im letzten Jahr Drohnen mit deutlich höherer Reichweite und kann bis weit ins russische Landesinnere fliegen. Kiew nimmt dabei fast ausschließlich militärische Ziele und Öl- und Gasraffinerien ins Visier. Letztere, weil sie mit Abstand die wichtigste Einnahmenquelle des Kreml sind.
Die Militärparade aber wäre in den Augen Kiews wohl ebenfalls ein legitimes und wegen seiner Symbolwirkung bedeutendes Ziel. Oder Kiew nutzt die Gelegenheit, andere Ziele anzugreifen, wie es Selenskyj andeutete.

Reuters/Sergei Bobylyov (Archivbild)
Auch hochrangige internationale Gäste dürfte es praktisch nicht geben

Keine Panzer und ausländische Journalisten
Moskau droht Kiew im Fall von Angriffen während der Siegesfeiern mit einem massiven Raketenschlag auf Kiew. Doch das ändert nichts daran, dass erstmals seit fast 20 Jahren – und auch erstmals seit dem mittlerweile vier Jahre dauernden Krieg gegen die Ukraine – bei der Moskauer Siegesparade keine Waffensysteme vorgeführt werden. Auch Panzer und andere schwere Fahrzeuge werden nicht über den Roten Platz in Moskau rollen.

Dabei hat der Kreml die Parade seit jeher dazu genutzt, der Welt seine militärische Macht vorzuführen und im eigenen Land den Patriotismus zu befeuern. Ein Signal der Stärke dürfte von der Parade daher heuer eher nicht ausgehen, zudem sind ausländische Journalisten und Journalistinnen ausgeschlossen. Nur noch einige russische Medien erhielten Zugang zum Roten Platz, teilte der Kreml am Donnerstag mit. Verwiesen wurde auf die Sicherheitslage in der Hauptstadt. Noch im vergangenen Jahr zum 80. Jahrestag war die Weltpresse zugelassen.

Kiew neutralisierte Vorstoß zur Waffenruhe
Putins Versuch, mit dem Angebot einer zweitägigen Waffenruhe die Gefahr durch die Ukraine bei dem wichtigen patriotischen Ereignis zu neutralisieren, hatte Selenskyj durchkreuzt: Er rief seinerseits eine zweitägige Waffenruhe aus, aber eben für Mittwoch und Donnerstag – und somit vor der großen Parade in Moskau – und kleineren Paraden in anderen russischen Städten.

Diese Waffenruhe durchbrach Russland sogleich mit zahlreichen Angriffen – und am Dienstag, wenige Stunden vor Inkrafttreten gab es besonders schwere Angriffe, bei denen nach ukrainischen Angaben mehr als 25 Menschen in mehreren ukrainischen Städten – von Charkiw über Kramatorsk bis Dnipro und Saporischschja – getötet wurden. Vor Inkrafttreten der ukrainischen Feuerpause hatte Kiew unter anderem die von Russland annektierte Halbinsel Krim angegriffen, mit laut russischen Angaben fünf Todesopfern.

Reuters/Ukrainian Armed Forces
Brennende Autos nach einem russischen Angriff in Kramatorsk

„Signal der Verletzlichkeit“
Natia Seskuria von der Londoner Denkfabrik Royal United Services Institute betonte, das Zurschaustellen des Waffenarsenals sei stets zentral für diese Feier gewesen, um Russland als Erbe des sowjetischen Siegs im Zweiten Weltkrieg darzustellen. Eine Parade ohne Waffensysteme „schwächt den wichtigen Propagandaeffekt des Ereignisses, besonders für das heimische Publikum“, zeigte sich Seskuria gegenüber der Nachrichtenagentur AP überzeugt. Die Entscheidung signalisiere "einen Grad an Verletzlichkeit, nicht der Stärke. Denn selbst letztes Jahr stellte Russland eine Reihe neuer Panzer und Drohnen vor geladenen Staatschefs zur Schau.
08.05.2026, guti, ORF.at/Agenturen
Ukrainische Drohnen: Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
 

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Russland – Ukraine
Gegenseitige Angriffe während Feuerpausen
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Russland und die Ukraine haben einander am Freitag wechselseitig vorgeworfen, von ihnen jeweils einseitig erklärte Feuerpausen gebrochen zu haben. Moskau meldete Drohnenangriffe, in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gab es am Freitag Luftalarm. Die jährliche Parade in Moskau anlässlich des Sieges über Nazi-Deutschland am Samstag findet heuer in einer reduzierten Form statt. Grund sind Drohungen aus Kiew.
Online seit heute, 12.00 Uhr (Update: 12.53 Uhr)
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Russland hatte für die Feiern zum Tag des Sieges der Sowjetunion über den Faschismus 1945 einseitig eine Waffenruhe erklärt, die Donnerstagmitternacht (23.00 Uhr MESZ) in Kraft trat und bis Samstag gelten soll. Am Freitag teilte Moskau mit, in den frühen Morgenstunden seien über Russland 264 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte wiederum, russische Truppen hätten in der Nacht ukrainische Stellungen angegriffen. Diese Angriffe zeigten, dass Moskau „nicht einmal ansatzweise den Versuch einer Feuerpause an der Front unternommen“ habe. „Alles deutet darauf hin, dass es von der russischen Seite nicht einmal zum Schein einen Versuch gab, das Feuer an den Fronten einzustellen“, schrieb er auf Telegram.

Kiew erklärt „Strafmaßnahmen mit großer Reichweite“
Russland habe bis Freitagfrüh mehr als 850 Drohnen eingesetzt, mehr als 140-mal ukrainische Positionen beschossen und ein Dutzend Vorstöße an der Front unternommen. Kiew werde spiegelbildlich antworten, so Selenskyj. Am Donnerstag hatte er indirekt mit Angriffen auf die russische Siegesparade gedroht.

Reuters/Copernicus Sentinel 2
Rauchwolken über einer Erdölpumpstation bei Perm in Russland

In einem weiteren Beitrag bestätigte Selenskyj den Angriff ukrainischer Drohnen auf die russische Großstadt Jaroslawl in der gleichnamigen Oblast etwa 280 Kilometer nördlich von Moskau und rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Dort sei eine Raffinerie getroffen worden, ein Video sollte die brennende Anlage zeigen. Selenskyj sprach von „Strafmaßnahmen mit großer Reichweite“. Angriffe gab es auch auf eine Ölanlage in der Stadt Perm.

Angriffe auf Moskau
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte wiederum mit, dass Russland lediglich auf ukrainische Angriffe reagiert habe. Es warf Kiew Angriffe an der Front und auf zivile Objekte in Russland vor. An der Front zählte das Ministerium mehr als 1.300 Verstöße der Ukraine gegen die einseitig von Moskau festgesetzte Waffenruhe. Objektiv prüfen lassen sich weder die russischen noch die ukrainischen Angaben.

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete von ukrainischen Angriffen auf die russische Hauptstadt. Die Luftabwehr habe binnen 15 Stunden mehr als 50 Drohnen abgeschossen, teilte er auf Telegram mit. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete außerdem den Abschuss von 95 ukrainischen Drohnen über zentralen und südlichen Regionen des Landes.

Wechselseitige Drohungen gegen Moskau und Kiew
Russland hatte erst kürzlich gedroht, auf jeden ukrainischen Angriff während der Feierlichkeiten mit einem schweren Raketenangriff auf Kiew zu reagieren. Die russische Führung hat die traditionelle Siegesparade in diesem Jahr mit Verweis auf die Bedrohungslage verkleinert. Selenskyj hatte zuvor Vertreter der mit Russland verbündeten Staaten davor gewarnt, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen.

Reuters
Beschädigtes Wohnhaus nach Angriff in der Ukraine

Russland rief angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomatinnen und Diplomaten erneut auf, die Stadt zu verlassen. Kiew bezeichnete die von Russland ausgerufene Feuerpause als „blanken Zynismus“.

Heuer keine Panzer bei Siegesparade
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen bei den Feierlichkeiten in Moskau anders als in den vergangenen Jahren heuer keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auffahren. Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und kündigte außerdem weitere Internetblockaden in Moskau an. Diese seien nötig, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten.

Reuters
Sicherheitskräfte vor der Parade in Moskau

Angriff auf russisches Kriegsschiff
Das ukrainische Militär beschoss nach eigenen Angaben am Donnerstag auch ein russisches Kriegsschiff im Kaspischen Meer. Die Korvette der Karakurt-Klasse, die auch Marschflugkörper vom Typ Kalibr abschießen kann, sei getroffen worden, teilte der Generalstab in Kiew auf Facebook mit. Der Bericht zeigte auch eine Wärmebildaufnahme des Schiffs, das offenbar von der angreifenden Drohne stammte. Standort der Korvette soll die Großstadt Kaspijsk in der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus gewesen sein.

IMAGO/Kremlin/ZUMA/Alexander Kazakov
Russisches Kriegsschiff der Karakurt-Klasse (Archivbild)

Russland setzt in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine die Marine, darunter auch Einheiten im Kaspischen Meer, vorwiegend zum Beschuss ukrainischer Städte mit Raketen und Marschflugkörpern ein. Die Schäden, die insbesondere Kalibr-Lenkwaffen anrichten, sind dabei gewaltig.

Kreml: Putin zu Verhandlungen mit Europa bereit
Der russische Präsident Wladimir Putin ist nach Angaben des Kremls zu Verhandlungen mit jedem bereit, auch mit Europa. Putin habe wiederholt seine Bereitschaft dazu betont, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau.

Russland sei offen für einen Dialog mit Europa, werde diesen aber nicht von sich aus anstoßen. Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, dass sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf etwaige Gespräche vorbereiteten. EU-Ratspräsident Antonio Costa sehe „Potenzial“ für Verhandlungen mit Putin. Die EU habe dafür die Rückendeckung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, hieß es in dem Bericht.
08.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Russland – Ukraine: Gegenseitige Angriffe während Feuerpausen
 

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Ukraine
Russische Angriffe mit Hunderten Drohnen
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Mit Hunderten Drohnen hat Russland am Mittwoch die Ukraine auch bei Tageslicht angegriffen. Mindestens sechs Menschen wurden laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getötet. Die Angriffe zielten auf kritische Infrastruktur im Westen des Landes. Das Nachbarland Polen ließ vorsorglich Kampfjets aufsteigen. Der Luftraum wurde laut polnischer Armee aber nicht verletzt. Die Slowakei schloss aus Sicherheitsgründen vorübergehend ihre Grenze zum Westen der Ukraine.
Online seit heute, 19.45 Uhr
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„Seit Mitternacht wurden bereits mindestens 800 russische Drohnen abgefeuert“, sagte Selenskyj am Nachmittag. Dutzende Menschen seien verletzt, darunter Kinder. Die Angriffe vor allem im Westen der Ukraine könnten auf einen Wendepunkt in Moskaus Luftangriffsstrategie hindeuten. Moskau greift seit mehr als vier Jahren ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen an. Während die Angriffe bisher vorwiegend nachts erfolgten, haben Attacken am helllichten Tage zuletzt zugenommen.

20 Regionen seien betroffen gewesen, darunter etwa in der Westukraine Riwne und Lwiw. Es wurden zivile Infrastruktur und ein Wohngebäude beschädigt. In der Region Saporischschja wurde ein Mensch getötet. In der Region Cherson starben zwei weitere Menschen. Mindestens acht Menschen wurden in der Schwarzmeer-Region Odessa sowie in den zentralen Regionen Tscherkassy und Chmelnyzkyj verletzt. Auch in Kiew gab es mehrfach Luftalarm.

AP/State Emergency Service of Ukraine
Der Drohnenangriff auf eine Gaspipeline in Dnipropetrowsk verursachte einen Brand

Selenskyj: Zeitpunkt „kein Zufall“
Die Slowakei schloss für etwa zwei Stunden die Grenzübergänge zur Ukraine. Die Onlineplattform SME führte die Entscheidung darauf zurück, dass die Drohnenangriffe auch westliche Gebiete in der Ukraine, genannt wurde die Region um die Stadt Uschhorod, getroffen hätten. Betroffen war auch das Grenzgebiet zu Ungarn, wo eine ungarische Minderheit lebt. Ungarns Außenministerin Anita Orban kritisierte die russischen Angriffe daher „auf das Schärfste“.

Für Selensykj ist der Zeitpunkt von einem der längsten und heftigsten Angriffe gegen die Ukraine am Tag der China-Reise von US-Präsident Donald Trump „kein Zufall“. In diesem schwierigen geopolitischen Moment versuche Russland eindeutig, die allgemeine politische Atmosphäre zu stören, so Selenskyj. Das geschehe „auf Kosten von ukrainischen Menschenleben und ukrainischer Infrastruktur“. Im Zusammenhang mit den intensiven Angriffen von Russland sprach er von „Terror“.

Moskau erneuert Maximalforderungen
Die Bemühungen, den Krieg zu beenden, stocken. Ohne Einzelheiten zu nennen, hatte der russische Präsident Wladimir Putin erst vergangene Woche davon gesprochen, dass sich der Krieg mit der Ukraine „dem Ende“ zuneige. Nach der dreitägigen Waffenruhe will Russland nun offenbar mit intensiveren Drohnenschlägen den Druck auf die Ukraine erhöhen, sich auf die russischen Bedingungen für Friedensverhandlungen einzulassen.

Reuters/State Emergency Service of Ukraine
20 Regionen in der Ukraine waren von den heftigen Angriffen betroffen

Am Mittwoch bekräftigte Moskau erneut seine Maximalforderungen, um den Krieg zu beenden. Eine Waffenruhe und Friedensgespräche seien nur möglich, wenn Selenskyj „der ukrainischen Armee den Befehl erteilt, das Feuer einzustellen und das Gebiet des Donbas sowie die russischen Regionen zu verlassen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Selenskyj lehnt es kategorisch ab, die von Kiew kontrollierten Gebiete Russland zu schenken. Er hatte zuvor die Hoffnung geäußert, dass Trump auf China einwirke, die Unterstützung für den russischen Angriffskrieg zu beenden. Peking bezeichnet sich offiziell als neutral in dem Konflikt. Durch den Kauf von russischem Öl und Gas versorgt China Russland aber mit Einnahmen.

Ukraine griff Industrie- und Gasanlagen an
Ukrainische Drohnenangriffe auf eine gasverarbeitende Fabrik im russischen Astrachan am Kaspischen Meer und auf eine Fabrik im südrussischen Krasnodar lösten offiziellen russischen Angaben zufolge Brände aus. Es wurden Verletzte, aber keine Toten gemeldet. Der ukrainische Generalstab bestätigte Angriffe auf die Ölraffinerie in Jaroslawl und die Fabrik in Astrachan. Die Produktion in Jaroslawl sei wichtig für die Versorgung der russischen Armee, und die Fabrik in Astrachan sei an der Versorgung des militärisch-industriellen Komplexes Russlands beteiligt, hieß es in der Mitteilung zur Begründung.
13.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Ukraine: Russische Angriffe mit Hunderten Drohnen
 

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Nach Waffenruhe
Russland verstärkt wieder Angriffe auf Ukraine
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Wenige Tage nach einer kurzen Waffenruhe hat Russland die Ukraine mit einem der längsten Luftangriffe in mehr als vier Jahren Krieg überzogen. Seit Mittwochfrüh seien mehr als 1.560 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. „Das sind ganz sicher nicht die Taten derer, die glauben, der Krieg gehe zu Ende“, so Selenskyj. Aus der Slowakei kam Kritik an Moskau.
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In der Nacht wurde erneut Luftalarm in der Ukraine ausgelöst. Donnerstagfrüh teilte die ukrainische Flugabwehr mit, dass Russland über Nacht 56 Raketen und Marschflugkörper sowie 675 Drohnen eingesetzt habe. Die meisten Flugobjekte seien abgeschossen worden. Aus der Hauptstadt Kiew wurden Explosionen und viele Verletzte sowie zunächst vier, später acht Todesopfer gemeldet. Mehrere Menschen gelten laut Selenskyj als vermisst.

In Kiew wurden mehrere Gebäude beschädigt, aus den Trümmern eines teils eingestürzten Wohnhauses zogen Rettungskräfte mehrere verschüttete Menschen. Der Zivilschutz gab die Zahl der Verletzten zunächst mit 40 Personen an. Demnach wurden in dem Haus 18 Wohnungen zerstört. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass 31 Verletzte stationär im Krankenhaus behandelt würden. Nach Darstellung der Rettungskräfte gab es auch Verletzte im Umland.

Zivile Infrastruktur angegriffen
Selenskyj sprach von Schäden an 20 Stellen in Kiew, betroffen seien Wohnhäuser, eine Schule und weitere Infrastruktur. Auch im Umland und weiteren Orten in der Ukraine gebe es Schäden. Die russischen Streitkräfte griffen laut der Ukraine etwa zivile Infrastruktur in der Region Odessa an, Ziel seien unter anderem Häfen und Eisenbahnanlagen gewesen. Landesweit habe das russische Militär 180 Objekte beschädigt, davon seien 50 ganz gewöhnliche Wohnhäuser, so Selenskyj.

Schon den ganzen Mittwoch über hatte die russische Armee Drohnenangriffe auf die Ukraine geflogen, wobei Attacken untertags ungewöhnlich sind. Selenskyj sprach von mehr als 800 Drohnen, die abgefeuert wurden. Mindestens sechs Menschen seien getötet und Dutzende verletzt worden. Selenskyj bezeichnete die Angriffe als „Terror“.

IMAGO/Anadolu Agency/State Emergency Service of Ukraine
Erneut gab es schwere Zerstörungen durch die russischen Angriffe

Slowakei verurteilt russische Angriffe
Die russischen Angriffe am Tag trafen Ziele bis in den äußersten Westen der Ukraine in den Transkarpaten. Die Slowakei schloss zeitweise die Grenzübergänge in die Ukraine, Ungarn als weiterer Nachbar in der Region äußerte seine Besorgnis.

Am Donnerstag verurteilte die Slowakei die russischen Luftangriffe. Außenminister Juraj Blanar kritisiert in einer Mitteilung insbesondere die heftigen Attacken auf die grenznahe Region Transkarpatien und die Stadt Uschhorod, in der eine große slowakische Minderheit lebt. Die Slowakei pflegt eigentlich enge Beziehungen zu Moskau und bezieht weiterhin russisches Öl und Gas. Ministerpräsident Robert Fico hatte erst im April ein Ende der entsprechenden EU-Sanktionen gefordert.

Ungarn zitiert Botschafter ins Außenamt
Ungarn zitierte unterdessen den russischen Botschafter ins Außenamt. Die ungarische Außenministerin Anita Orban verlangte eine Erklärung und verurteilte im Namen der Regierung die Tat. Ungarische Medien wiesen darauf hin, dass unter dem früheren Regierungschef Victor Orban immer nur westliche Botschafter ins Außenministerium zitiert wurden, Russlands diplomatische Vertreter aber nie. Der Ukraine zufolge griffen russische Truppen auch ein UNO-Fahrzeug in der südukrainischen Stadt Cherson zweimal mit Drohnen an. Den Russen müsse klar gewesen sein, welches Fahrzeug sie ins Visier genommen hätten, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. In dem Wagen des UNO-Nothilfebüros (OCHA) hätten sich der Büroleiter und acht weitere Mitarbeiter befunden. Niemand sei verletzt worden. Eine russische Stellungnahme lag noch nicht vor.

Selenskyj setzt auf Trumps Einfluss in China
„Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf – einem Besuch, von dem sich viele viel versprechen“, so Selenskyj am Mittwoch. Er hatte zuvor die Hoffnung geäußert, dass US-Präsident Donald Trump auf China einwirken möge, damit die Volksrepublik ihre Unterstützung für den russischen Angriffskrieg beendet.

Am Mittwochabend meldeten die ukrainischen Luftstreitkräfte die Explosion einer russischen Hyperschallrakete vom Typ Kinschal (Dolch) bei einem Einschlag in Starokostjantyniw im Westen, wo eine ukrainische Luftstreitkräftebasis liegt. Gleichzeitig flogen Mittwochabend auch Schwärme ukrainischer Drohnen auf russisches Gebiet, wie der Telegram-Kanal „Dronebomber“ meldete. Ein Angriffsziel schienen erneut russische Erdölanlagen am Finnischen Meerbusen zu sein.

Angriffe nach drei Tagen Waffenruhe
Die heftigen russischen Angriffe folgten auf drei Tage Waffenruhe von Samstag bis Montag. Der russische Präsident Wladimir Putin konnte in dieser Zeit zwar ungestört eine Parade zum Weltkriegsgedenken abhalten, war aber abhängig davon, dass die USA die Feuerpause vermittelt hatten und die Ukrainer danach tatsächlich stillhielten.

Am Dienstag ließ Putin demonstrativ seine Militärs von einem gelungenen Test der neuen russischen Atomrakete RS-28 Sarmat berichten. Sie solle Ende des Jahres in Dauereinsatz gehen, sagte er. Die angebliche Einsatzbereitschaft dieses Raketentyps ist schon in früheren Jahren behauptet worden.

Die Bemühungen, den Krieg zu beenden, stocken. Ohne Einzelheiten zu nennen, hatte Putin erst vergangene Woche davon gesprochen, dass sich der Krieg mit der Ukraine „dem Ende“ zuneige. Am Mittwoch bekräftigte Moskau erneut seine Maximalforderungen, um den Krieg zu beenden. Die Ukraine lehnt es kategorisch ab, die von ihr kontrollierten Gebiete Russland zu schenken.

Putin schickt neue Gouverneure in Grenzregionen
Putin tauschte unterdessen die Gouverneure der besonders vom Krieg betroffenen Grenzregionen Belgorod und Brjansk aus. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow habe den Posten in Belgorod „auf eigenen Wunsch“ abgegeben, hieß es in Putins Erlass, den der Kreml in Moskau veröffentlichte. Zum kommissarischen Nachfolger wurde General Alexander Schuwajew ernannt. Im Gebiet Brjansk folgt Jegor Kowaltschuk auf Alexander Bogomas.

Belgorod war das erste Gebiet in Russland, auf das der Moskauer Angriffskrieg mit Zerstörungen ähnlich wie in der Ukraine zurückschlug. Es dient der russischen Armee als Aufmarschgebiet für Angriffe auf die ukrainische Großstadt Charkiw und als logistischer Knotenpunkt. Deshalb beschießt die Ukraine immer wieder Militärziele und Infrastruktur in Belgorod.
14.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Nach Waffenruhe: Russland verstärkt wieder Angriffe auf Ukraine
 

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„Todeszone“
Ukraine revolutioniert Kriegsführung
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Die Ukraine setzt bei ihrer Abwehr gegen die russischen Invasoren stark auf autonome Waffensysteme und neuartige Drohnen. Viele davon werden im Land selbst hergestellt, die ukrainische Expertise ist längst international gefragt. Die technologischen Fortschritte führen dazu, dass weniger ukrainische Soldaten direkt an Kampfhandlungen beteiligt sind. Für diejenigen, die noch direkt an der Front stehen, birgt die neue Taktik aber auch Gefahren.
Online seit gestern 19.05.2026, 23.28 Uhr
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Von Robotersystemen, die in Zukunft die Kämpfe übernehmen würden, sprach der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Interview mit der „New York Times“ („NYT“) Mitte Mai. Der 35-Jährige, der erst seit Anfang des Jahres im Amt ist, gilt als Mastermind hinter der ukrainischen „Luft, Land, Wirtschaft“ Strategie. Durch die systematische Zerstörung von Ölexportterminals will man Russland wirtschaftlich schwächen.

Erst in der Nacht auf Dienstag meldeten russische Behörden einen Brand in einer Erdölverarbeitungsanlage nördlich von Moskau. Zudem hat der ukrainische Verteidigungsminister ausgerufen, dass mindestens 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen abgefangen und mehr russische Soldaten getötet bzw. schwer verwundet werden sollen, als Moskau rekrutieren kann.

AP/Geert Vanden Wijngaert
Mychajlo Fedorow setzt die Kriegstaktik seines Landes neu auf

Fedorow verfolgt eine neue Art der Kriegsführung: Unbemannte Roboter und neuartige Drohnen sollen die Anzahl der direkt an Kämpfen beteiligten Soldaten stark reduzieren. Autonome Waffensysteme seien „die neuen Atomwaffen“, erklärte Fedorow gegenüber der „NYT“. Länder, die über diese verfügen, seien laut Fedorow in der Zukunft geschützt. Tatsächlich erzielt die Ukraine auf dem Schlachtfeld mit Hilfe neuer Technologien immer wieder Erfolge.

Abgesehen von den täglichen Drohnenangriffen konnten Roboterfahrzeuge vor wenigen Wochen erstmals eine russische Stellung erobern, ohne menschliche Unterstützung. ORF-Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz bezeichnete den Einsatz neuer Technologien in der Ukraine als „Revolution in der Kriegsführung“.

Von Drohnen überwachtes Niemandsland als „Todeszone“
Die technologischen Fortschritte zeigen sich deutlich auf dem Schlachtfeld. Um den russischen Vormarsch zu stoppen, hatte die Ukraine vergangenes Jahr die Bildung der „Todeszone“ ausgerufen. Das ist ein rund 20 bis 50 Kilometer breites Gebiet entlang der Frontlinie, das sowohl von den ukrainischen Verteidigern als auch von den russischen Angreifern mittels Drohnen aus der Luft überwacht wird. Wer sich in diesem Gebiet aufhält, kann jederzeit von Drohnen, ausgestattet mit Wärmebildkameras, aufgespürt und angegriffen werden.

Das führt dazu, dass große Gefechte mit Panzern und vielen Soldaten quasi nicht mehr stattfinden. Stattdessen sind es Kleingruppen ukrainischer und russischer Soldaten, die die Stellungen halten und sich gegenseitig bekämpfen, oft in einer Art Häuserkampf. Für die Soldaten birgt der Einsatz in der „Todeszone“ große Gefahren, wer innerhalb des Gebiets eine Stellung bezieht, muss oft monatelang dort verharren.

APA/AFP/The 93rd Kholodnyi Yar Separate Mechanized Brigade
Wer in der „Todeszone“ verwundet wird, kann oft nicht gerettet werden

Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten ist nur durch Drohnen möglich, deren Flugwege jedoch immer wieder gestört werden. Rückzugs- bzw. Rotationsversuche scheitern oft, da feindliche Drohnen jegliche Bewegung aufspüren können.

Russland verzeichnet hohen Blutzoll
Auch Offensiven werden durch die Drohnenüberwachung schwieriger. Laut dem Institute for the Study of War (ISW), der Black Bird Group und Deepstate, allesamt Organisationen, die das Schlachtfeld in der Ukraine beobachten, hat sich der Vorstoß Russlands in der Ukraine heuer verlangsamt. Nach Angaben des ISW verlor Moskau im vergangenen Monat in der Ukraine mehr Territorium, als es hinzugewann.
Die wenigen russischen Erfolge gehen oft mit hohen Verlusten einher. Nach Angaben der unabhängigen russischen Medien Mediazona und Meduza sind bis Ende 2025 352.000 russische Soldaten beim Kampf in der Ukraine ums Leben gekommen oder werden noch vermisst. Dazu kommt, dass es Russland Fachleuten zufolge nicht mehr schafft, genügend Soldaten zu rekrutieren.

APA/AFP/24th Mechanized Brigade Of Ukrainian Armed Forces/Oleg Petrasiuk
Aufgrund der hohen russischen Verluste versucht der Kreml zunehmend im Ausland zu rekrutieren, etwa in afrikanischen Ländern

Auch die Ukraine kämpft mit einem Mangel an Soldaten, ein Punkt der ausschlaggebend für das Streben nach moderneren und autonomen Waffen war. Zudem war das Land lange auf westliche Luftabwehrsysteme angewiesen, die oft nur mit Verzögerung geliefert wurden.

Ukraine bei Drohnenproduktion federführend
Um diese Abhängigkeit zu verringern, war Kiew gezwungen, eigene Lösungen zu entwickeln, gelungen ist das in Form kleiner Abfangdrohnen, an denen mittlerweile viele Länder Interesse zeigen. Nach Einschätzung internationaler Beobachter ist die Ukraine mittlerweile zu einer führenden Nation bei der Drohnentechnologie aufgestiegen, so gab es vor dem russischen Überfall 2022 sieben Drohnenunternehmen in der Ukraine – mittlerweile sind es rund 500.


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Neben Drohnen produziert die Ukraine auch weitere Waffen wie Kurz- und Mittelstreckenraketen. Laut dem Zentrum für Europäische Politikanalysen (CEPA) hat die Ukraine durch den Ausbau der heimischen Produktion ihre Importabhängigkeit bei der Rüstungsbeschaffung stark reduziert – von 54 Prozent im Jahr 2022 auf 18 Prozent im Jahr 2025.

Zahlen des Wirtschaftsinstituts Kyiv School of Economics zeigen, dass die Rüstungsproduktion mittlerweile sieben Prozent zum ukrainischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt – genau so viel wie der traditionelle ukrainische Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft.

Doch nicht nur bei der Produktion von Drohnen und anderen Waffen, auch bei der modernen Kriegsführung ist die Ukraine mittlerweile Vorreiter. Bei einer gemeinsamen Übung mit dem NATO-Land Schweden Mitte Mai fügten ukrainische Drohnenpiloten den NATO-Truppen schwere Schläge zu. Im Zuge des Iran-Krieges hat Kiew mittlerweile Verträge über Anti-Drohnen-Systeme mit Saudi-Arabien und Katar abgeschlossen, weitere Golfstaaten sollen folgen.
20.05.2026, ascm, ORF.at
„Todeszone“: Ukraine revolutioniert Kriegsführung
 

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Heftige russische Angriffswelle auf Kiew
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Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht auf Sonntag mit umfangreichen Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. Die ganze Nacht über waren immer wieder laute Explosionen zu hören. Laut Behörden wurden mindestens ein Mensch getötet und 20 weitere verletzt, zahlreiche Gebäude seien beschädigt worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor einen möglichen russischen Angriff mit der neuartigen Oreschnik-Rakete angedeutet.
Online seit heute, 8.40 Uhr
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„Heute Nacht hat die Region Kiew einmal mehr einen Großangriff des Feindes mit Kampfdrohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen erlitten“, erklärte der Chef der Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnyk.

Der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte mit, es gebe ein Todesopfer und mindestens 20 Verletzte. Kiew sei „das Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen“. Dadurch seien „Brände und Schäden an Wohngebäuden“ verursacht worden. Später verkündete Tkatschenko das Ende des Luftalarms.

Klitschko: Schäden in jedem Bezirk
AFP-Journalisten hörten bis in die Früh immer wieder Explosionen. Dutzende Menschen suchten Schutz in den U-Bahn-Stationen. Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, aus jedem Bezirk der Stadt seien Schäden durch die Angriffe gemeldet worden.

Reuters/Gleb Garanich
Bis in die Früh waren immer wieder Explosionen zu hören

Im Bezirk Schewtschenkiwsky wurde demnach eine Schule getroffen, wodurch dort ein Brand ausbrach. Wegen eines Feuers in einem Geschäftszentrum hätten Menschen in einem Schutzraum festgesessen. Nach Angaben der Militärverwaltung von Kiew sind insgesamt mehr als 40 Orte in der Hauptstadt beschädigt worden. Auch andere Landesteile der Ukraine wurden angegriffen.

Im Nachbarland Polen erklärte das Militär auf der Plattform X, angesichts der russischen Angriffe in der Ukraine sei die Luftabwehr in Alarmbereitschaft, es seien Militärflugzeuge aufgestiegen. In Polen kommt es bei größeren Angriffen in der Ukraine immer wieder zur Alarmierung der Luftabwehr, manchmal steigen dabei auch Kampfjets von NATO-Partnern auf.

Selenskyj: Daten zu Angriff lagen vor
Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten zuvor auf Telegram vor dem möglichen Einsatz einer russischen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik gewarnt. Ob eine solche Waffe tatsächlich zum Einsatz kam, blieb zunächst offen.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte Samstagabend erklärt, den ukrainischen Geheimdiensten lägen Daten unter anderem von Partnern in Europa und den USA vor, wonach Russland einen Angriff mit seiner neuartigen Oreschnik-Rakete vorbereite. Auch die US-Botschaft in Kiew warnte, ihr vorliegenden Informationen zufolge könne „jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden“ ein „möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen“.

Reuters
Laut Behörden gab es Angriffe in allen Bezirken der ukrainischen Hauptstadt Kiew

Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3.000 bis 5.500 Kilometer Entfernung erreichen kann. Die neuartige Rakete wurde – mit konventionellen Sprengköpfen bestückt – bisher zweimal gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt – einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes ohne Sprengköpfe und zuletzt im Jänner in der Westukraine. Im vergangenen August verkündete Russlands Präsident Wladimir Putin die Serienproduktion von Oreschnik-Raketen. Mitte Dezember wurde die Rakete im mit Russland verbündeten Belarus stationiert.

Putin: Vergeltung für Angriff auf Schule in Luhansk
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht auf Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen. Mindestens 21 Menschen, zumeist junge Frauen, wurden demnach getötet, 42 weitere wurden verletzt. Das russische Außenministerium drohte den Verantwortlichen eine „unausweichliche und harte Bestrafung“ an. Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel des Angriffs sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.

Russland meldet ukrainische Angriffe auf Ölanlagen
Am Samstag teilten die russischen Behörden mit, nach einem ukrainischen Drohnenangriff sei im Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ein Feuer ausgebrochen. Herabstürzende Trümmer hätten ein Öldepot und auch das Gelände des Kraftstoffterminals getroffen. Zwei Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

Der Hafen von Noworossijsk in der südrussischen Grenzregion Krasnodar ist der größte Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer: Rund ein Fünftel der per Schiff transportierten russischen Rohöllieferungen wird dort abgewickelt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Samstagmorgen mit, dass in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört worden seien.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, insbesondere auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.
24.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Vier Tote, über 60 Verletzte: Heftige russische Angriffswelle auf Kiew
 

josef

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Russische Angriffe auf Kiew
Entsetzen nach Einsatz von Oreschnik-Rakete
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Einer der schwersten Angriffe Russlands auf die ukrainische Hauptstadt Kiew seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat am Sonntag für viel Entsetzen gesorgt. Zahlreiche Staats- und Regierungsspitzen verurteilten vor allem den Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik. Bei den schweren Angriffen wurden mindestens vier Menschen getötet und über 100 weitere verletzt. Auch zahlreiche Gebäude in allen Teilen Kiews wurden zerstört.
Online seit gestern 24.05.2026, 20.04 Uhr
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Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland „nukleares Säbelrasseln“ vor und verurteilte den russischen Einsatz der Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik als politische Einschüchterungstaktik. „Russland ist auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse gelandet, weshalb es die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren terrorisiert“, schrieb sie auf der Plattform X.

„Diese abscheulichen Terrorakte sind darauf ausgelegt, so viele Zivilisten wie möglich zu töten.“ Bei ihrem Treffen in der kommenden Woche würden die EU-Außenministerinnen und -Außenminister besprechen, wie der internationale Druck auf Russland weiter erhöht werden könne, so die EU-Außenbeauftragte.

Reuters/Thomas Peter
Die ukrainische Hauptstadt Kiew war von dunklen Rauchwolken übersät

Breite Unterstützung für Kiew
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilte auf X mit, dass Russland seine Missachtung für Menschenleben und Friedensverhandlungen zeige. „Terror gegen Zivilisten ist nicht Stärke. Es ist Verzweiflung.“ Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Abschuss von Oreschnik-Raketen. Das zeige die „Sackgasse“, in der sich Moskau mit seinem „Angriffskrieg“ befinde, schrieb er auf X.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Angriffe und den Einsatz des Oreschnik-Raketensystems in einem Beitrag auf der Plattform X als rücksichtslose Eskalation. „Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine.“

Der kanadische Premierminister Mark Carney forderte Russland auf, „diese Angriffe unverzüglich einzustellen und diesen illegalen Angriffskrieg zu beenden. Sie verlängern das Leid der Menschen und ändern nichts an der Tatsache, dass Russland diesen Krieg verlieren wird“, teilte Carney mit. Kanada arbeite weiter mit internationalen Partnern zusammen für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine und Europa.

Russland überzog Kiew in der Nacht auf Sonntag mit umfangreichen Raketen- und Drohnenangriffen. Die ganze Nacht über waren immer wieder laute Explosionen zu hören. Laut Behörden wurden mindestens vier Menschen getötet und rund 100 weitere verletzt, zahlreiche Gebäude seien beschädigt worden.

Auch Regierungsgebäude in Kiew beschädigt
Bei den Attacken wurden laut Behörden auch Regierungsgebäude beschädigt, darunter das Außenministerium und das Kabinettsgebäude. Ukrainischen Medien zufolge wurde auch ein Haus beschädigt, in dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Wohnung besitzt.
„Putin versucht, die Ukraine einzuschüchtern, indem er Zivilisten angreift und Wohngebäude, Museen, Schulen sowie kritische Infrastruktur zerstört“, sagte Außenminister Andrij Sybiha. Der Kremlchef versuche das außerdem, indem er Mittelstreckenraketen auf friedliche Städte abfeuere.

Oreschnik-Einsatz bestätigt
Laut der laut übereinstimmenden Angaben eingesetzten russischen Oreschnik-Rakete handelt es sich um eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3.000 bis 5.500 Kilometer Entfernung erreichen kann. Die neuartige Rakete wurde – mit konventionellen Sprengköpfen bestückt – bisher zweimal gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. Im vergangenen August verkündete Russlands Präsident Putin die Serienproduktion von Oreschnik-Raketen. Mitte Dezember wurde die Rakete im mit Russland verbündeten Belarus stationiert.

Selenskyj: „Wirklich unverantwortlich“
Selenskyj bezeichnete den Oreschnik-Einsatz als „wirklich unverantwortlich. Es ist wichtig, dass dies für Russland nicht ohne Folgen bleibt“, sagte Selenskyj zu den Angriffen. Zu Schäden in Bila Zerkwa – auf die Großstadt im Kiewer Gebiet soll die Rakete Selenskyj zufolge gefeuert worden sein – machte er keine Angaben.

Reuters/Thomas Peter
Einsatzkräfte waren auch noch in der Früh mit Löscharbeiten beschäftigt

Russland bestätigte den Einsatz. Insgesamt seien bei den Angriffen vier verschiedene Raketentypen zum Einsatz gekommen: Oreschnik, Iskander, Kinschal und Zirkon. Die Angriffe hätten sich gegen militärische Kommandozentralen, Stützpunkte der Luftstreitkräfte und Rüstungsbetriebe gerichtet und seien alle erfolgreich verlaufen. Es handle sich um eine Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, so das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Putin: Vergeltung für Angriff auf Schule in Luhansk
Die „harte Antwort“ sei durch die Tötung von Kindern hervorgerufen worden, sagte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew. „Wir müssen zuschlagen – wie heute und sogar noch stärker“, sagte Medwedew. Ruinen und Asche in der Hauptstadt könnten den Feind entmutigen.

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht auf Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen.
Mindestens 21 Menschen, zumeist junge Frauen, seien getötet, 42 weitere verletzt worden. Das russische Außenministerium drohte den Verantwortlichen eine „unausweichliche und harte Bestrafung“ an. Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel des Angriffs sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.

Ukraine beantragt Sitzung im UNO-Sicherheitsrat
Der ukrainische Außenminister Sybiha forderte die internationale Gemeinschaft zu einer „starken Antwort an den Aggressor“ auf. Der Minister beantragte laut einer Mitteilung auf der Plattform X eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats und eine Zusammenkunft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Sybiha warf Russland vor, mit der „barbarischen Raketenattacke“ in der vergangenen Nacht fehlende militärische Fortschritte auf dem Schlachtfeld im Angriffskrieg gegen die Ukraine kompensieren zu wollen. Die internationale Gemeinschaft müsse reagieren, meinte Sybiha. „Wir fordern unsere Partner nachdrücklich auf, entschlossene multilaterale Maßnahmen zu ergreifen, um Russland abzuschrecken und es zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden zu bewegen“, betonte der Minister.
25.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

Russische Angriffe auf Kiew: Entsetzen nach Einsatz von Oreschnik-Rakete
 

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Militärtechnik
Drohnen auf Ballons: Im Ukrainekrieg trifft Hightech auf Taktiken des 19. Jahrhunderts
Stacheldrahtverhaue, Ballone und Stoßtrupp-Taktiken gehen auf den Ersten Weltkrieg oder noch frühere Konflikte zurück

Eine Hornet-Drohne wird von einem Ballon aus gestartet. Danach geht sie in den Gleitflug über. Das erhöht ihre Reichweite auf bis zu 200 Kilometer.
KettleTech Labs / Screenshot

Die technologische Evolution im Ukrainekrieg geschieht rasend schnell: Satellitenkommunikation, autonome Systeme, Kampfroboter und Drohnenmutterschiffe werden eingesetzt. Gleichzeitig wird auf Konzepte zurückgegriffen, die teilweise fast zweihundert Jahre alt sind. Die neueste Entwicklung aus der Ukraine – eine Kombination aus Hightech-Drohnen und Höhenballons – zeigt, wie Hochtechnologie und eigentlich längst überholt geglaubte Methoden aufeinandertreffen. Gleichzeitig zwingt die Sättigung des Luftraums die Truppen am Boden dazu, Taktiken aus dem Ersten Weltkrieg wiederzubeleben.

Hornet: Maximale Reichweite durch Ballonstarts
Kettletech Labs hat kürzlich Aufnahmen eines neuen Ballon-Startsystems veröffentlicht, das speziell für den Einsatz von Hornet-Angriffsdrohnen entwickelt wurde. Diese unbemannten Luftfahrzeuge (UAVs) werden von Swift Beat produziert, einem Unternehmen, das vom ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt gegründet wurde. Die Hornet-Drohnen zielen bereits systematisch auf russische Logistikrouten tief hinter der Frontlinie ab, unter anderem in Donezk, Mariupol und dem Landkorridor zur besetzten Krim. Dort geraten die russischen Streitkräfte immer mehr unter Druck, weil die Nachschubwege durch Drohnenschläge bedroht sind. Durch das neue Ballon-Startsystem erhalten diese Drohnen nun einen weiteren Schub, was ihre Reichweite betrifft.

Die Funktionsweise des Systems bringt erhebliche taktische Vorteile mit sich. So trägt der Ballon die Hornet-Drohne auf eine Höhe von rund 8250 Metern, bevor das System die Drohne automatisch ausklinkt. Das ist ein enormer Zugewinn, beträgt die Flughöhe einer Hornet doch maximal 2000 Meter. Nach der Trennung vom Ballon stabilisiert sich die Drohne selbstständig und geht in den Gleitflug über. Bei Tests landete die Drohne, ohne ihren eigenen Antrieb zu nutzen, rund 42 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Drohne noch 95 Prozent ihrer Akkuladung. Das bedeutet, sie kann ihre Triebwerke für den restlichen Flug voll nutzen und Energie für aggressive Manöver im Endanflug aufsparen, wie der Defense Express berichtet.

Kaum zu erwischen
Insgesamt bedeutet diese Taktik also eine stark erhöhte Reichweite. Laut öffentlich zugänglichen Informationen wird die Standardreichweite der Hornet auf etwa 150 Kilometer geschätzt, wobei sie einen Gefechtskopf von vier bis fünf Kilogramm tragen kann. In Kombination mit dem Ballonstart könnte der effektive Angriffsradius auf 190 bis 200 Kilometer steigen. Da der Motor während des Gleitflugs abgeschaltet bleibt, generieren Ballon und Drohne kaum eine thermische Signatur und besitzen einen sehr kleinen Radarquerschnitt. Dies macht den Abschuss durch teure Boden-Luft-Raketen, die ein Vielfaches der Drohne kosten, extrem schwierig.

Zudem ist der Abwurfprozess vollständig automatisiert und kann über voreingestellte Höhen, durch Geofencing-Parameter oder Timer ausgelöst werden, ohne dass ein Operator eingreifen muss. In Kombination mit Starlink-Satellitenkommunikation ist die Reichweite der Drohne praktisch nur noch durch die Windrichtung und die Netzabdeckung begrenzt.

Stellungskrieg und Stacheldraht
Die Drohnen sind modernste Technik, der Einsatz von Ballonen erinnert eher an das 19. Jahrhundert, wie Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer während seiner Keynote bei der Dronevation 2026 erklärte. Die operative Realität am Boden erinnere eher an Konflikte, die über hundert Jahre zurückliegen. Das liegt daran, dass sich an der Front eine Todeszone mit einer Ausdehnung von bis zu 50 Kilometern auf beiden Seiten gebildet hat. Das führt wiederum dazu, dass schwere Fahrzeuge wie Panzer praktisch bewegungsunfähig geworden sind. "Der Krieg hat sich auf eine Art und Weise verändert, bei der Dinge wieder auftauchen, die man eigentlich als nicht mehr relevant betrachtet hätte", so Reisner.

Reisner nennt als Beispiel die Stoßtrupp-Taktiken. Diese wurden im Ersten Weltkrieg eingesetzt im Versuch, den Stellungskrieg zu durchbrechen. Das sei auch der Grund, warum die russische Armee verstärkt Motorräder einsetzt. Kleine mobile Einheiten mit leichten Fahrzeugen nähern sich, sitzen ab und versuchen dann, sich zu Fuß festzusetzen.


Oberst Markus Reisner: "Der Krieg hat sich auf eine Art und Weise verändert, bei der Dinge wieder auftauchen, die man eigentlich als nicht mehr relevant betrachtet hätte."
APA/HELMUT FOHRINGER

Wie in den Materialschlachten des Ersten Weltkriegs, wo Stacheldraht und Maschinengewehre die Fronten einfroren, wird Stacheldraht wieder massiv eingesetzt. Soldaten verfangen sich darin und werden anschließend von Drohnen neutralisiert, da sie sich kaum noch befreien können, erklärt der Experte. Dieser massive Drohneneinsatz hat auch verheerende psychologische Folgen: Die Angst vor den allgegenwärtigen Drohnen ist so groß, dass es Berichte und Aufnahmen gibt, in denen Soldaten sich selbst das Leben nehmen, um dem Moment des Drohnenangriffs zuvorzukommen.

Historische Wurzeln: Österreichs Luftangriff von 1849
Die Idee, Ballons für asymmetrische Angriffe aus der Luft zu nutzen, ist keineswegs neu. Wer hat diese Taktik eigentlich erfunden? Es waren die Österreicher im Jahr 1849. Während der Belagerung von Venedig warfen österreichische Truppen Sprengkörper aus Ballonen ab. Dieser historische erste Luftangriff brachte die Venezianer massiv unter Druck und legte den Grundstein für eine militärische Innovation, deren Prinzipien – das Ausnutzen von Wind, Wetter und günstigen Momenten über dem Ziel – heute in der Ukraine wieder eingesetzt werden.

Diese Verschmelzung von moderner Technologie und teilweise jahrhundertealten Methoden zeige, dass der militärischen Innovation keine Grenzen gesetzt sind. "Das bedeutet aber auch, dass wir uns vorbereiten müssen", so Reisner.
(Peter Zellinger, 29.5.2026)
Drohnen auf Ballons: Im Ukrainekrieg trifft Hightech auf Taktiken des 19. Jahrhunderts
 

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Zwei Verletzte
USA versprechen Rumänien nach Einschlag einer russischen Drohne in Wohnhaus Schutz
Bei der Explosion einer Drohne im Grenzgebiet zur Ukraine wurden zwei Menschen verletzt. Bundesheer-Analyst Reisner rechnet aber nicht mit Eskalation

Ein Drohneneinschlag in einem Wohnhaus in Rumänien richtete am Freitag schwere Schäden an.
via REUTERS/Inquam Photos/George

Die Bilder, die am Freitag aus Galați am Dreiländereck zwischen Rumänien, Moldau und der Ukraine um die Welt gingen, erinnern an ein Kriegsgebiet. Das Dach eines zehnstöckigen Wohnblocks – verkohlt. In der Fassade des obersten Geschoßes klafft ein großes Loch. Schutt pflastert die Straße vor dem Haus, auf der sich am Freitag die Einsatzwägen stauen. Eine 53-jährige Frau wurde bei dem Brand, der durch den Einschlag der mit einem Sprengkopf ausgestatteten Drohne kurz nach 1 Uhr in der Nacht an ihrem Wohnhaus entstand, leicht verletzt, ein Teenager erlitt Berichten zufolge eine Panikattacke. Rumänien – ein Land im Schock.

Nie zuvor war der Krieg in der benachbarten Ukraine in dem Nato- und EU-Land so unmittelbar zu spüren gewesen wie in der Nacht auf Freitag. Wie exponiert die 200.000-Einwohner-Stadt Galați mit ihren weitläufigen Industriezonen ist, wurde aber nicht zum ersten Mal offenbar. Erst Mitte April stürzte eine russische Drohne in ein Wohngebiet, zu Schaden kam damals – im Gegensatz zu dem jüngsten Vorfall – aber niemand.

Heikle geografische Lage
Der ukrainische Donauhafen Reni, der schon in der Vergangenheit immer wieder von Russland angegriffen wurde, liegt nur wenige Kilometer entfernt, der Fluss bildet hier die Nato-Außengrenze. Odessa, die derzeit einzige große ukrainische Hafenstadt am Schwarzen Meer, liegt gerade einmal 90 Kilometer ostwärts. Kurz vor dem Einschlag der Drohne in Rumänien wurden zudem russische Angriffe auf Ismajil gemeldet, den wichtigsten Umschlagplatz der Ukraine für den Schiffsverkehr auf der Donau.


Galați liegt an der Grenze zu Moldau und zur Ukraine
STANDARD

Von einem absichtlichen Angriff auf Nato-Gebiet ging am Freitag in Rumänien niemand aus. Dass eine russische Drohne ihr Ziel verfehlt hat und stattdessen das rumänische Wohnhaus traf, gilt hingegen zwar noch nicht als gesichert – aber doch als sehr wahrscheinlich. "Die Trümmerteile, die man gefunden hat, deuten auf eine russische Geran-2-Drohne hin, die im Schnitt mit 60 bis 90 Kilogramm Sprengstoff geladen ist", sagt Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie dem STANDARD.

USA versprechen Rumänien Schutz
Noch bevor sich der Staub legte, war die Aufregung in dem EU- und Nato-Mitgliedsland entsprechend groß. Das Bukarester Außenministerium warf Moskau eine "schwere und unverantwortliche Eskalation" vor und bestellte den russischen Botschafter ein. Sein Land werde es nach den Worten von Staatspräsident Nicușor Dan nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf seine Bevölkerung übergreift.


Die Drohne löste in dem Wohnhaus einen Brand aus.
via REUTERS/Romanian Department

Auch Rumäniens westliche Partner verurteilten den Vorfall in Galați auf das Schärfste. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sicherte Rumänien "uneingeschränkte Solidarität" zu und versprach weitere Anstrengungen des Bündnisses, was die Abwehrfähigkeiten gegen Drohnen betrifft. Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Russland "erneut eine Grenze überschritten". Man werde den Druck auf den Kreml weiter erhöhen. Washingtons Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker, versprach am Freitag, die USA würden "jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen."

Keine Eskalation zu erwarten
Mit einer Eskalation rechnet Analyst Reisner aber vorerst nicht: "Beide Seiten im Ukrainekrieg können derzeit eigentlich nur mehr mit gegenseitigen Luftangriffen eskalieren. Russland setzt fast täglich 150 bis 200 Drohnen gegen die Ukraine ein. Beide versuchen, die Flugbahnen der gegnerischen Drohnen zu stören. Die Gefahr, dass einige davon auf Nato-Gebiet fliegen, steigt deshalb. Mehr als das zu verurteilen und die Ursachen festzustellen, wird die Nato aber nicht tun."

Fest steht gleichwohl, dass der Vorfall in Galați einmal mehr die Grenzen der Abwehrfähigkeit von eindringenden Drohnen markiert. Vom rumänischen Außenministerium hieß es, die Drohne habe sich vier Minuten lang im rumänischen Luftraum befunden, zwei Kampfjets des Typs F-16 seien um 1:19 Uhr aufgestiegen und befugt gewesen, den Flugkörper abzuschießen. Allerdings sei sie so tief geflogen, dass sie das Radar kaum hatte orten können.

Zwar stehen Rumänien seit Ende 2025 über das US-Drohnenabwehrsystem Merops die KI-gestützten Abwehrdrohnen des Typs AS3 Surveyor zur Verfügung, wie ein hochrangiger rumänischer Militär am Freitag erklärte. Von ihrem Einsatz sei aber abgesehen worden, da dies über dicht besiedeltem Gebiet zu riskant gewesen wäre.

Österreich müsste nachrüsten
Ein Dilemma, sagt Reisner: "Wenn eine Drohne erfolgreich aufgeklärt wurde und das Jammen (Unterbrechung der Kommunikation zwischen Drohne und Pilot mithilfe von Störsignalen, Anm.) nicht reicht, um sie vom Himmel zu holen, muss sie abgeschossen werden. Je größer die Drohne ist, desto gefährlicher werden die herabfallenden Trümmer."

Und Österreich? Das heimische Bundesheer verfüge zwar über gute Aufklärungsfähigkeiten und könne einfliegende Drohnen auf kurze Distanz schon jetzt gut abschießen, sagt Reisner, der selbst als Oberst dient: "Wo wir Nachholbedarf haben, ist das Abschießen auf große Distanz. Entsprechende Systeme wie Iris-T oder Patriot, die dafür nötig sind, bedürften aber großer Investitionen."
(Florian Niederndorfer, Mitarbeit: HotNews, 29.5.2026)
USA versprechen Rumänien nach Einschlag einer russischen Drohne in Wohnhaus Schutz
 

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Vor Putins Wirtschaftsgipfel
Drohnenangriff auf Sankt Petersburg
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Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch die russische Stadt St. Petersburg mit Drohnen angegriffen. Ziel sei ein Ölterminal gewesen, so Selenskyj. Russland meldete Schäden an der Infrastruktur, es soll auch Verletzte geben. Der Angriff fand unmittelbar vor dem Start eines von Präsident Wladimir Putin ausgerichteten Wirtschaftsgipfels statt. Moskau kündigte unterdessen neue Angriffe auf die Ukraine an.
Online seit heute, 11.33 Uhr (Update: 13.25 Uhr)
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Am Stadtrand waren dichte graue Rauchwolken zu sehen. Schon zuvor wurde bekannt, dass der Flugverkehr auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo vorübergehend eingestellt wurde. Nach Angaben des Gouverneurs Alexander Beglow wurden Teile der Infrastruktur in mehreren Bezirken beschädigt und mehrere Menschen verletzt, Tote gibt es keine.

Getroffen worden sei neben dem Ölterminal auch ein rein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt, wo die russische Kriegsflotte ihren Stützpunkt in der Ostsee hat, so Selenskyj. Der ukrainische Generalstab teilte mit, dass erste Informationen auf Treffer von Schiffen und Infrastruktur in Kronstadt hindeuteten. Via Telegram teilte das ukrainische Militär mit, man habe ein Kriegsschiff der russischen Ostsee-Flotte getroffen. An Bord der Korvette „Boikij“ sei ein Großbrand ausgelöst worden, hieß es.

Die Angriffe waren die jüngsten in einer Reihe von Vergeltungsattacken, die Kiew als „Langstreckensanktionen“ bezeichnet. „Der ukrainische Plan für Langstreckensanktionen wird genau so umgesetzt, wie es nötig ist, um den Frieden näher zu bringen“, so Selenskyj.

IMAGO/Anadolu Agency/Ali Cura
In St. Petersburg waren schwarze Rauchwolken zu sehen

Moskau kündigte neue systematische Angriffe an
Russland kündigte nach dem ukrainischen Beschuss weitere systematische Angriffe auf die Ukraine an. „Ich möchte Sie an die Erklärung des Außenministeriums erinnern, in der es heißt, dass unsere Reaktionen systematisch sein werden, und das sind sie auch schon“, sagte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch vor der Presse.

Angriff auch auf zentralrussische Region
Bei dem ukrainischen Angriff wurde Selenskyj zufolge auch eine Rüstungsfabrik in der zentralrussischen Oblast Tambow beschossen. In der dortigen Stadt Mitschurinsk seien unter anderem Nebengebäude eines Industriebetriebes, ein Wohnhaus und eine Bibliothek beschädigt worden, teilte der Gouverneur von Tambow, Jewgeni Perwyschow, mit. Verletzte gebe es nicht. Die Ziele lägen fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, sagte Selenskyj.

Russland hatte zuvor den Abschuss zahlreicher Drohnen über der Region Leningrad und im Anflug auf Moskau gemeldet. In der Region im Nordwesten des Landes wurden 59 Drohnen abgefangen, so Gouverneur Alexander Drosdenko. Erst war von deutlich weniger Drohnen die Rede. Insgesamt meldete Russland 754 abgefangene Drohnen innerhalb von 24 Stunden. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff im russisch kontrollierten Teil der ostukrainischen Region Donezk sind unterdessen nach Angaben der Besatzungsbehörden sieben Menschen getötet und elf weitere verletzt worden. Die Drohne habe einen Reisebus getroffen, der zwischen Moskau und Simferopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim unterwegs gewesen sei, schrieb der von Moskau eingesetzte Regionalgouverneur Denis Puschilin auf Telegram.

Erstmals wieder US-Teilnehmer auf Putins Wirtschaftsgipfel
Kreml-Chef Putin ist Gastgeber bei dem glanzvoll für Gäste aus aller Welt inszenierten Wirtschaftsforum. Erwartet werden auch Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus westlichen Staaten. Zum ersten Mal seit Jahren sollen auch wieder Gäste aus den USA daran teilnehmen. Mit dem selbst als „russisches Davos“ betitelten Gipfel will Putin ausländische Investoren anlocken, um die durch den Angriffskrieg schwer gebeutelte Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Das St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung veranstaltet. Es ist das fünfte seit Beginn des russischen Angriffkrieges am 24. Februar 2022. In diesem Jahr sollen aus den USA unter anderem Rodney Mims Cook Jr., der Vorsitzende der US-Kommission für Bildende Künste, der die Erweiterung des Ballsaals im Weißen Haus durch Präsident Donald Trump beaufsichtigt, und die rechte Influencerin Candace Owens an dem Forum teilnehmen.

Rutte zu Gast in Kiew
NATO-Generalsekretär Rutte traf unterdessen Mittwochvormittag in der der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein. Das teilte die ukrainische Eisenbahn mit. „Wir freuen uns, heute NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Kiewer Hauptbahnhof begrüßen zu dürfen“, so die staatliche Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzia. Zum genauen Programm des Besuchs wollte sich eine Sprecherin Ruttes aus Sicherheitsgründen nicht äußern.
03.06.2026, red, ORF.at/Agenturen

Vor Putins Wirtschaftsgipfel: Drohnenangriff auf Sankt Petersburg
 

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Sommeroffensive mit neuen Vorzeichen
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Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine herrscht an der Front ein Patt und nahezu Stillstand. Doch die Ukraine verfügt durch ihre Drohnentechnologie nun über die Fähigkeit zu taktischen Manövern, die laut Fachleuten vor einem Jahr noch undenkbar waren. Dadurch gebe es vor der erwarteten russischen Sommeroffensive ein Zeitfenster zu nutzen.
Online seit heute, 6.08 Uhr
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Die Ukraine geht seit einigen Wochen schon davon aus, dass Russland eine Offensive im Sommer vorbereitet. So erhöhte die russische Armee die Zahl ihrer Angriffe seit der letzten April-Woche, auch im Jahr davor war das ein Hinweis auf eine baldige Offensive. So könnte die Ukraine ihre Abwehrmechanismen verbrauchen, bevor Vorstöße unternommen werden.

An der Front herrscht seit Monaten relativer Stillstand. Analysen des Institute for the Study of War (ISW) deuten darauf hin, dass die Ukraine erstmals seit 2023 mehr Gebietsgewinne erzielt als Gebietsverluste erleidet. Die russische Armee verlor im Mai unter dem Strich die Kontrolle über rund 282 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums, die Ukraine erzielte hingegen vor allem in der östlichen Region Donezk und in der Region Saporischschja im Süden des Landes Erfolge.

Große Sprünge wurden in den vergangenen Monaten aber von beiden Seiten nicht gemacht. Das Ergebnis sei nun eine „Todeszone“ an der Frontlinie, „in der russische und ukrainische Stellungen vermischt sind, wo Drohnen beider Seiten einander unerbittlich jagen und keine Seite eine zusammenhängende Frontlinie hält“, so das ISW.

Mit KI gegen Nachschub
In dieser Pattsituation habe sich die Ukraine jedoch einen Vorteil gesichert. Kiew setzt laut ISW mechanisierte Ausrüstung in taktischen Manövern ein, die vor zwölf Monaten noch unmöglich waren. Nach Einschätzung internationaler Beobachter stieg die Ukraine mittlerweile zu einer führenden Nation bei der Drohnentechnologie auf, so gab es vor dem russischen Überfall 2022 sieben Drohnenunternehmen in der Ukraine – mittlerweile sind es rund 500.

Derzeit legt die Ukraine einen Fokus darauf, den russischen Truppen die Versorgung abzuschneiden. Auf wichtigen Verbindungsrouten, etwa Richtung Krim und anderen besetzten Gebieten in der Südukraine, häufen sich die Angriffe mit neuer KI-Drohnentechnologie. Deren Entwicklung machte in der jüngsten Zeit große Sprünge. Drohnen wie das KI-gestützte Hornet-System ermöglichen, aus größerer Entfernung und mit höherer Präzision anzugreifen. Das Zielsystem sei mit Tausenden Stunden an Videomaterial von russischen Militärzielen gefüttert worden, sagte kürzlich Nick Brown, Waffenexperte des Verteidigungsnachrichtendienstes Janes, gegenüber BBC Verify.

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Zudem können diese Drohnen auf das Starlink-Satellitennetzwerk zugreifen, um sich über größere Entfernungen mit Bedienern zu verbinden. So könne die Ukraine Hunderte dieser Drohnen auf ein grobes Zielgebiet in über 160 Kilometer Entfernung abfeuern und dann mit Hilfe der KI die genauen Ziele anvisieren, sobald sie diese gefunden haben, so Brown. Eine kleine Drohne kann so Munitionslastwagen oder Lkws mit Lebensmitteln und Treibstoff auf dem Weg zur Front mit relativ wenig Aufwand in die Luft jagen.

„Praktisch keine sicheren Straßen mehr“
„Unsere Soldaten sind nun in der Lage, die russische Militärlogistik praktisch bis in die gesamte Tiefe des vorübergehend besetzten Gebiets zu treffen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag. „Für den Besatzer gibt es im Süden und Osten unseres Landes praktisch keine sicheren Straßen mehr.“ Man sehe dadurch bereits Versorgungsengpässe in den besetzten Gebieten im Osten der Ukraine sowie auf der Krim.
Laut ISW habe die ukrainische Überlegenheit bei den Drohnen sogar Russlands Versuch zunichtegemacht, sich durch die Verlegung einer überwältigenden Anzahl von Truppen an die Front einen Vorteil zu verschaffen. Die Möglichkeit Russlands zu Vorstößen werde sich dadurch verschlechtern, denn auch solche Missionen hingen von den vorhandenen Ressourcen ab.

APA/AFP/Wojtek Radwanski
Im Umgang mit Drohnen ist die ukrainische Armee Vorreiter

„Günstige Dynamik ausnutzen“
Dieser Vorteil der Ukraine, so warnt das Institut, könnte jedoch von kurzer Dauer sein. „Russland wird sehr wahrscheinlich Gegenmaßnahmen entwickeln, sodass die internationalen Partner der Ukraine eine seltene und vorübergehende Gelegenheit haben, die günstige Dynamik auf dem Schlachtfeld auszunutzen, solange die Ukraine die Oberhand hat“, so das ISW.

Neben Drohnen produziert die Ukraine auch weitere Waffen wie Kurz- und Mittelstreckenraketen. Laut dem Zentrum für Europäische Politikanalysen (CEPA) hat die Ukraine durch den Ausbau der heimischen Produktion ihre Importabhängigkeit bei der Rüstungsbeschaffung stark reduziert – von 54 Prozent im Jahr 2022 auf 18 Prozent im Jahr 2025.

Dennoch ist sie weiterhin stark von der Unterstützung ihrer Verbündeten abhängig. Gerade die USA jedoch drohten wiederholt, ihre Ukraine-Hilfen zu stutzen und sie stattdessen lieber im Iran-Krieg einzusetzen. Im April brachte die EU aber einen lange blockierten Kredit von 90 Milliarden Euro an die Ukraine auf den Weg, der dem Land finanzielle Mittel für Waffenkäufe gibt.
05.06.2026, red, ORF.at
Krieg gegen Ukraine: Sommeroffensive mit neuen Vorzeichen
 
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