Ukrainische Drohnen
Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
Zuerst hat Russlands Machthaber Wladimir Putin versucht, mit einem Waffenruheangebot die für ihn so wichtige jährliche Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland zu retten. Doch den Plan durchkreuzte die Ukraine geschickt. Nun findet eine abgespeckte Variante der Parade statt: Diese steht mehr im Zeichen der Angst vor Drohnenattacken als des historischen Siegesgedenkens und der Machtdemonstration.
Online seit gestern 07.05.2026, 21.57 Uhr
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Ukrainische Drohnen: Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
Zuerst hat Russlands Machthaber Wladimir Putin versucht, mit einem Waffenruheangebot die für ihn so wichtige jährliche Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland zu retten. Doch den Plan durchkreuzte die Ukraine geschickt. Nun findet eine abgespeckte Variante der Parade statt: Diese steht mehr im Zeichen der Angst vor Drohnenattacken als des historischen Siegesgedenkens und der Machtdemonstration.
Online seit gestern 07.05.2026, 21.57 Uhr
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Der 9. Mai ist der wohl wichtigste russische Staatsfeiertag, das Gedenken an den Sieg über den Faschismus machte Putin im postsowjetischen Russland gezielt zu einem zentralen Pfeiler der politischen Identität des Landes. Zur 80. Auflage der Siegesfeiern im Vorjahr waren noch zahlreiche Staatschefs, allen voran Chinas Xi Jinping, Brasiliens Lula da Silva und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, angereist.
Doch heuer hängt über der Parade ein großes Sicherheitsrisiko: Die Ukraine baute ihre militärischen Kapazitäten, insbesondere bei Drohnen, aus – und der Kreml fürchtet einen symbolträchtigen Angriff auf die Parade, die landesweit live im TV übertragen wird. Diese Ängste wurden diese Woche durch den Einschlag einer Drohne in einem Moskauer Hochhaus erneut bestätigt.
Reuters/Alexander Vilf (Archivbild)
Bilder militärischer Potenz wie hier im Vorjahr wird es heuer wohl nicht geben
Selenskyj droht
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befeuerte diese Ängste am Donnerstag und warnte Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor, an der Parade in Moskau teilzunehmen. Am Vortag hatte er gesagt, Russland ziehe seine Luftabwehrsysteme vor der Parade landesweit rund um Moskau zusammen. Statt sich auf eine Waffenruhe vorzubereiten, so behauptete Selenskyj, mache sich der Kreml mehr Sorgen um die Parade als den Rest des Landes.
Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit Putins. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag: „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen.“ Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“.
Deutlich verbesserte Fähigkeiten
Die russische Luftabwehr ist längst viel zu lückenhaft, um zumindest weitgehend für die nötige Sicherheit vor Angriffen zu sorgen. Die Ukraine entwickelte im letzten Jahr Drohnen mit deutlich höherer Reichweite und kann bis weit ins russische Landesinnere fliegen. Kiew nimmt dabei fast ausschließlich militärische Ziele und Öl- und Gasraffinerien ins Visier. Letztere, weil sie mit Abstand die wichtigste Einnahmenquelle des Kreml sind.
Die Militärparade aber wäre in den Augen Kiews wohl ebenfalls ein legitimes und wegen seiner Symbolwirkung bedeutendes Ziel. Oder Kiew nutzt die Gelegenheit, andere Ziele anzugreifen, wie es Selenskyj andeutete.
Reuters/Sergei Bobylyov (Archivbild)
Auch hochrangige internationale Gäste dürfte es praktisch nicht geben
Keine Panzer und ausländische Journalisten
Moskau droht Kiew im Fall von Angriffen während der Siegesfeiern mit einem massiven Raketenschlag auf Kiew. Doch das ändert nichts daran, dass erstmals seit fast 20 Jahren – und auch erstmals seit dem mittlerweile vier Jahre dauernden Krieg gegen die Ukraine – bei der Moskauer Siegesparade keine Waffensysteme vorgeführt werden. Auch Panzer und andere schwere Fahrzeuge werden nicht über den Roten Platz in Moskau rollen.
Dabei hat der Kreml die Parade seit jeher dazu genutzt, der Welt seine militärische Macht vorzuführen und im eigenen Land den Patriotismus zu befeuern. Ein Signal der Stärke dürfte von der Parade daher heuer eher nicht ausgehen, zudem sind ausländische Journalisten und Journalistinnen ausgeschlossen. Nur noch einige russische Medien erhielten Zugang zum Roten Platz, teilte der Kreml am Donnerstag mit. Verwiesen wurde auf die Sicherheitslage in der Hauptstadt. Noch im vergangenen Jahr zum 80. Jahrestag war die Weltpresse zugelassen.
Kiew neutralisierte Vorstoß zur Waffenruhe
Putins Versuch, mit dem Angebot einer zweitägigen Waffenruhe die Gefahr durch die Ukraine bei dem wichtigen patriotischen Ereignis zu neutralisieren, hatte Selenskyj durchkreuzt: Er rief seinerseits eine zweitägige Waffenruhe aus, aber eben für Mittwoch und Donnerstag – und somit vor der großen Parade in Moskau – und kleineren Paraden in anderen russischen Städten.
Diese Waffenruhe durchbrach Russland sogleich mit zahlreichen Angriffen – und am Dienstag, wenige Stunden vor Inkrafttreten gab es besonders schwere Angriffe, bei denen nach ukrainischen Angaben mehr als 25 Menschen in mehreren ukrainischen Städten – von Charkiw über Kramatorsk bis Dnipro und Saporischschja – getötet wurden. Vor Inkrafttreten der ukrainischen Feuerpause hatte Kiew unter anderem die von Russland annektierte Halbinsel Krim angegriffen, mit laut russischen Angaben fünf Todesopfern.
Reuters/Ukrainian Armed Forces
Brennende Autos nach einem russischen Angriff in Kramatorsk
„Signal der Verletzlichkeit“
Natia Seskuria von der Londoner Denkfabrik Royal United Services Institute betonte, das Zurschaustellen des Waffenarsenals sei stets zentral für diese Feier gewesen, um Russland als Erbe des sowjetischen Siegs im Zweiten Weltkrieg darzustellen. Eine Parade ohne Waffensysteme „schwächt den wichtigen Propagandaeffekt des Ereignisses, besonders für das heimische Publikum“, zeigte sich Seskuria gegenüber der Nachrichtenagentur AP überzeugt. Die Entscheidung signalisiere "einen Grad an Verletzlichkeit, nicht der Stärke. Denn selbst letztes Jahr stellte Russland eine Reihe neuer Panzer und Drohnen vor geladenen Staatschefs zur Schau.
08.05.2026, guti, ORF.at/Agenturen
Doch heuer hängt über der Parade ein großes Sicherheitsrisiko: Die Ukraine baute ihre militärischen Kapazitäten, insbesondere bei Drohnen, aus – und der Kreml fürchtet einen symbolträchtigen Angriff auf die Parade, die landesweit live im TV übertragen wird. Diese Ängste wurden diese Woche durch den Einschlag einer Drohne in einem Moskauer Hochhaus erneut bestätigt.
Bilder militärischer Potenz wie hier im Vorjahr wird es heuer wohl nicht geben
Selenskyj droht
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befeuerte diese Ängste am Donnerstag und warnte Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor, an der Parade in Moskau teilzunehmen. Am Vortag hatte er gesagt, Russland ziehe seine Luftabwehrsysteme vor der Parade landesweit rund um Moskau zusammen. Statt sich auf eine Waffenruhe vorzubereiten, so behauptete Selenskyj, mache sich der Kreml mehr Sorgen um die Parade als den Rest des Landes.
Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit Putins. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag: „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen.“ Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“.
Deutlich verbesserte Fähigkeiten
Die russische Luftabwehr ist längst viel zu lückenhaft, um zumindest weitgehend für die nötige Sicherheit vor Angriffen zu sorgen. Die Ukraine entwickelte im letzten Jahr Drohnen mit deutlich höherer Reichweite und kann bis weit ins russische Landesinnere fliegen. Kiew nimmt dabei fast ausschließlich militärische Ziele und Öl- und Gasraffinerien ins Visier. Letztere, weil sie mit Abstand die wichtigste Einnahmenquelle des Kreml sind.
Die Militärparade aber wäre in den Augen Kiews wohl ebenfalls ein legitimes und wegen seiner Symbolwirkung bedeutendes Ziel. Oder Kiew nutzt die Gelegenheit, andere Ziele anzugreifen, wie es Selenskyj andeutete.
Auch hochrangige internationale Gäste dürfte es praktisch nicht geben
Keine Panzer und ausländische Journalisten
Moskau droht Kiew im Fall von Angriffen während der Siegesfeiern mit einem massiven Raketenschlag auf Kiew. Doch das ändert nichts daran, dass erstmals seit fast 20 Jahren – und auch erstmals seit dem mittlerweile vier Jahre dauernden Krieg gegen die Ukraine – bei der Moskauer Siegesparade keine Waffensysteme vorgeführt werden. Auch Panzer und andere schwere Fahrzeuge werden nicht über den Roten Platz in Moskau rollen.
Dabei hat der Kreml die Parade seit jeher dazu genutzt, der Welt seine militärische Macht vorzuführen und im eigenen Land den Patriotismus zu befeuern. Ein Signal der Stärke dürfte von der Parade daher heuer eher nicht ausgehen, zudem sind ausländische Journalisten und Journalistinnen ausgeschlossen. Nur noch einige russische Medien erhielten Zugang zum Roten Platz, teilte der Kreml am Donnerstag mit. Verwiesen wurde auf die Sicherheitslage in der Hauptstadt. Noch im vergangenen Jahr zum 80. Jahrestag war die Weltpresse zugelassen.
Kiew neutralisierte Vorstoß zur Waffenruhe
Putins Versuch, mit dem Angebot einer zweitägigen Waffenruhe die Gefahr durch die Ukraine bei dem wichtigen patriotischen Ereignis zu neutralisieren, hatte Selenskyj durchkreuzt: Er rief seinerseits eine zweitägige Waffenruhe aus, aber eben für Mittwoch und Donnerstag – und somit vor der großen Parade in Moskau – und kleineren Paraden in anderen russischen Städten.
Diese Waffenruhe durchbrach Russland sogleich mit zahlreichen Angriffen – und am Dienstag, wenige Stunden vor Inkrafttreten gab es besonders schwere Angriffe, bei denen nach ukrainischen Angaben mehr als 25 Menschen in mehreren ukrainischen Städten – von Charkiw über Kramatorsk bis Dnipro und Saporischschja – getötet wurden. Vor Inkrafttreten der ukrainischen Feuerpause hatte Kiew unter anderem die von Russland annektierte Halbinsel Krim angegriffen, mit laut russischen Angaben fünf Todesopfern.
Brennende Autos nach einem russischen Angriff in Kramatorsk
„Signal der Verletzlichkeit“
Natia Seskuria von der Londoner Denkfabrik Royal United Services Institute betonte, das Zurschaustellen des Waffenarsenals sei stets zentral für diese Feier gewesen, um Russland als Erbe des sowjetischen Siegs im Zweiten Weltkrieg darzustellen. Eine Parade ohne Waffensysteme „schwächt den wichtigen Propagandaeffekt des Ereignisses, besonders für das heimische Publikum“, zeigte sich Seskuria gegenüber der Nachrichtenagentur AP überzeugt. Die Entscheidung signalisiere "einen Grad an Verletzlichkeit, nicht der Stärke. Denn selbst letztes Jahr stellte Russland eine Reihe neuer Panzer und Drohnen vor geladenen Staatschefs zur Schau.
08.05.2026, guti, ORF.at/Agenturen









