Kufstein: 2. Festung gefunden

josef

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#1
Grabungen der Uni Innsbruck
Kufstein: Archäologen fanden zweite Festung
An Karfreitag beendeten die Archäologen der Universität Innsbruck am Zeller Berg ihre Arbeit. Für die Forscher wurde dieses Projekt zu einem Riesenerfolg. Dazu entwickelten sich die Grabungen - auch wegen der Berichterstattung in der „Krone“ - zu einem wahren Anziehungspunkt für unzählige Interessierte.


Bild: Berger Hubert
Auf Initiative von Horst Konrad bot sich für die Universität Innsbruck die einmalige Chance, die kriegerische Auseinandersetzung von 1504 auf archäologischem Weg zu erforschen.
Aber nicht nur die „Kanonenstellungen des letzten Ritters“ konnten gefunden werden. Dazu kam nach Sondierung und darauffolgender wissenschaftlicher „Schwerstarbeit“ mit Grabungswerkzeugen etwas noch viel Größeres nach 210 Jahren unter der Erde wieder ans Tageslicht.

Teile der zweiten Festung entdeckt
Laut äußerst genauen historischer Recherchen von Horst Konrad befahl im Jahr 1552 König Ferdinand I. der Regierung in Innsbruck, die Befestigungsanlagen der Stadt und der heutigen Festung Kufstein zu verstärken. Eine weitere Anweisung des Herrschers lautete, dass auch am Zeller Berg eine weitere Festungsanlage zu errichten sei. Universitäts-Professor Harald Stadler konnte nun freudig vermelden, dass sein zehnköpfiges Forscherteam die Kellergewölbe dieser „zweiten Festung“ in Kufstein, die bis in das 19. Jahrhundert bestanden hatte, wiederentdeckt und freigelegt hat.


Bild: Berger Hubert

Wissenschaftlich ein sehr großer Erfolg
Harald Stadler dazu: „Das ist ein großer wissenschaftlicher Erfolg, da man gerade für diesen Zeitabschnitt über militärische Thematiken wie Belagerungen und Befestigungen sehr wenig gemacht und erforscht hat in Tirol. Gerade was die Ära Maximilian betrifft, ist dies das erste Mal, dass wir archäologisch in den Boden greifen. Das, was ich bisher gesehen habe, ist überzeugend und teilweise überraschend. Natürlich müssen die Details noch genauer betrachtet werden“.
Zu einen wahren Publikumsmagneten entwickelten sich die Grabungen. Die aus Rietz bei Imst stammende Archäologin Julia Haas: „Das Interesse der Öffentlichkeit war bei Jung und Alt sehr groß. Nicht nur Menschen aus Kufstein, sondern auch von auswärts, interessieren sich für die Funde.“
Dem pflichten auch die beiden zwölfjährigen Kufsteiner Gymnasiasten Kai Strohmeyer und Helena Kogler, die mit ihrer Klasse unter der Leitung von Geschichts-Professor Patrick Brunner den Unterricht auf den Zeller Berg verlegten, vollkommen bei: „Wir finden es sehr spannend, dabei zu sein, wenn historische Objekte der Vergangenheit unserer Heimatstadt von Forschern gefunden werden. Besonders cool war, dass wir unter anderem eine über 500 Jahre alte Kanonenkugel in den Händen halten durften.“
Auch Grabungsleiter Florian Messner zieht gegenüber der „Krone“ ein sehr positives Resümee: „Wir erlebten einige unerhoffte Überraschungen, wie den Fund von bestens erhaltenen Kellergewölben mit Originalputz. Dazu zeitgenössische Artefakte, wie Keramikscherben, Glasstücke und Objekte aus Metall.“

Die Keller wurden schon wieder zugeschüttet
Die ausgegrabenen Keller wurden übrigens schon gestern wieder zugeschüttet – nachdem sie natürlich akribisch erfasst worden waren.
Und wie geht es nun weiter? Die am Zeller Berg gefundenen historischen Objekte finden kommendes Jahr, im Herbst 2020, in einer eigenen thematischen Ausstellung den Weg an die breite Öffentlichkeit. Hierfür hat der Mitsponsor des Projektes, die Sparkasse Kufstein, sich bereit erklärt, ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Man darf schon gespannt sein!
krone.at. 19.04.2019 Hubert Berger

Kufstein: Archäologen fanden zweite Festung
 
#2
Kann zu Kufstein eine alte Ansicht bieten, die das wehrhafte "Kueffstein" zeigt. Ich habe vor Jahren auf einem Flohmarkt einige alte, großformatige Farbdrucke erstanden, u.a. auch diesen. Aus Matthaeus Merian, Topographia Austriae 1649

LG Woodquarter
 

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#3
Zuschüttung empfohlen
Was passiert nun mit der wiederentdeckten Burg?


(Bild: Berger Hubert)

Der bekannte Schweizer Archäologe Jürg Goll untersuchte die Baustruktur der zweiten Festung in Kufstein. Der rautenförmig angelegte Bau stellt einen einmaligen historischen Befund im Tiroler Raum dar. Der Mittelalter-Experte empfiehlt allerdings, die Grabungen nach grundlegender Dokumentation wieder zuzuschütten.

Auf Initiative des in lokaler Militärgeschichte stark bewanderten Kufsteiners Horst Konrad bot sich der Universität Innsbruck im vergangenen Frühjahr die einmalige Chance, die kriegerische Auseinandersetzung von 1504 in der Festungsstadt auf archäologischem Weg zu erforschen.

Zweite Festung ist ein Sensationsfund
Aber nicht nur Stellungen der Kanonen Kaiser Maximilians konnten am Zeller Berg gefunden werden, wie die „Krone“ berichtete. Dazu kam nach Sondierung und „wissenschaftlicher Schwerstarbeit“ mit Grabungswerkzeugen etwas noch viel Größeres nach 210 Jahren unter der Erde wieder ans Tageslicht. Nämlich die Kellergewölbe und Grundmauern von einem der zwei rautenförmigen Türme, der ab dem Jahr 1552 bis 1740 errichteten zweiten Festungsanlage in Kufstein am innerstädtischen Zeller Berg.
Harald Stadler, Bereichsleiter für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck, meinte damals dazu: „Das ist ein großer wissenschaftlicher Erfolg, da man in Tirol gerade für diesen Zeitabschnitt über militärische Thematiken wie Belagerungen und Befestigungen sehr wenig gemacht und erforscht hat. Gerade was die Ära Maximilian betrifft, ist dies das erste Mal, dass wir archäologisch in den Boden greifen.“
Gute Gründe für Jürg Goll, einen renommierten Archäologen, Experten für mittelalterliche Bauwerke und Buchautor, sich vor Ort ein Bild über den Jahrhundertfund zu machen.

Mittelalterliche Zisterne zur Wasserversorgung
„Es wird vermutet, dass es noch vor der Maximilianischen Ära eine Festung auf dem Zeller Berg gegeben hat, aber diese stand auf einem zweiten Hügel, der ja auch von seiner Lage prominenter ist“, erläutert der Schweizer Wissenschaftler.
Ein Highlight der rund 100 Quadratmeter ausgegrabenen Kellergewölbe und Grundmauern stellt im südwestlichen Bereich ein mysteriös wirkender Raum mit rautenförmigen Aussparungen an seinen Ecken dar. Wurde zuerst angenommen, dass es sich hier um ein Pulvermagazin handeln könnte, sind sich die Wissenschaftler nun einig, dass es eine Zisterne war. „Das ist schlüssig, da ja keine Quelle am Zeller Berg ist“, meint Grabungsleiter Florian Messner. Für Jürg Goll ist dieser historisch bedeutsame Ort äußerst spannend: „Ich werde mir die zum Bau verwendeten Backsteine und ihr Format genau ansehen, ob sie mit den älteren Steinmauern verbunden sind oder sekundär eingebaut wurden.“ Dadurch könne man feststellen, ob es zwei oder nur eine Bauphase gab.

Die Grabung muss konserviert werden
„Es ist eine sehr durchdachte Struktur, wie diese Anlage erbaut wurde. Die Anlage muss allerdings konserviert werden, damit sie nicht etwa durch das Wetter zerstört wird. Aber zuvor gehört alles dokumentiert, da man dadurch in späterer Folge wesentlich mehr Leute erreicht“, lautet das abschließende Urteil von Goll.

Hubert Berger
Quelle: Was passiert nun mit der wiederentdeckten Burg?
 
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