Erlebnisse eines Kriegsgefangenen im Lager Zwettl 1945
Hier möchte ich (anstatt den ganzen Bericht einzuscannen) Auszugsweise einen Bericht eines deutschen Soldaten, der 1945 in russische Kriegsgefangenschaft geraten war, schildern:
Hans Nies aus Karlsruhe wurde im April 1945 mit seiner Einheit bei Petronell von Truppen der Roten Armee eingeschlossen und als Kriegsgefangener im Lager Zwettl von Mai 1945 bis August 1945 interniert. Die Russen hatten ja im Mai 1945 den TÜPL übernommen und nutzten die vorhandenen Lager jetzt teilweise als Gefangenen- und Sammellager.
Ende Mai 1945 war das Lager Zwettl mit deutschen Kriegsgefangenen (ca. 12.000 Mann) maßlos überfüllt und es herrschten katastrophale sanitäre Verhältnisse. Viele Insassen litten unter schweren Darmerkrankungen, da das Trinkwasser aus dem Kamp (in den auch Abwässer eingeleitet wurden) entnommen wurde.
Das Essen bestand oft aus Rübensuppe oder Wassersuppe mit Erbsen und einem Stück Brot. Zum Brotbacken wurden Backöfen in die Erde gegraben, wobei das Brot aber mehr geräuchert als gebacken wurde.
Latrinen wurde notdürftig außerhalb der Baracken gegraben und geschlafen wurden am kalten Betonboden oder im Freien, sofern es nicht zu kalt war.
Gewaschen und die Kleider entlaust wurde alle 4-5 Wochen, wobei die "Dusche" aus zwei Schöpfern Wasser bestand, mit denen man sich den geschundenen Körper abrieb.
Dazu kam eine regelrechte Wanzenplage und es gab viele Ruhr- und Typhuserkrankte. Laufend wurden Gesunde und Gehfähige aussortiert und zu großen Marschkolonnen Richtung Russland (oft nach Sibirien) zusammen-gestellt, die viele Gefangene nicht überlebten.
Das Lager war mit den üblichen Barackentypen versehen, die aus Holz bestanden und auf Fundamenten und Betonplatten errichtet wurden.
Nach der Auflösung der beiden Lager demolierte man die Baracken und verkaufte das Baumaterial. Nur die Betonsockel ließen noch viel Jahre die Ausmaße der beiden Lager erahnen. Heute (Stand 1998!) finden sich lediglich im Bereich des Dürnhofs einzelne Ruinen und Fundamente.
Hans Nies hatte das "Glück" als Arbeitsunfähiger aussortiert zu werden und so konnte er am 16. September 1945 nach Karlsruhe heimkehren!
Quelle: Zeitschrift "Das Waldviertel" Heft 3 / 1998, Autor Schulrat HOL Friedel Moll aus Zwettl.