Lager Zwettl - Döllersheim

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GustavR.

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#1
Hallo Leute,

ich bin neu in diesen Forum.

Wer kann mir Informationen über das Lager Zwettl auf den Übungsplatz
Döllersheim in Östereich geben ?

Reste der Kompanie in der mein Onkel war, kamen am 22.02.1944 nach der
Flucht aus der Ukraine Raum Rowno dort in Döllersheim an.

Bin an jede Art von Informationen intressiert.
zb. Lgekarten usw.

Ich kann hir später zu den Einheiten meines Onkels weiter Angaben machen.

So weit erstmal

Jens
 

josef

Administrator
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#3
Hallo Jens,
ebenfalls ein herzliches Servus hier im Forum!

Na ja, wenn Otto meint, wir sollen mal ran an die Sache, dann schauen wir halt einmal... ;)

Zuerst einmal zum Tüpl Döllersheim:

http://www.geheimprojekte.at/t_allent.html

Grundsätzlich gab es am und um den Tüpl jede Menge Lager! Lager für die verschiedensten Verwendungszwecke, wie Truppenlager, Gefangenenlager, Munitionslager, Zeugs- und Verpflegungslager usw. als auch in den diversen baulichen uns ausstattungsmäßigen Ausführungen... massive Bauausführung, Barackenlager, Zeltlager usw.!

Nun zum Lager "Zwettl":

Dieses befand sich beim sogenannten "Dürnhof", einem Gutshof des Stiftes Zwettl und umfasste die Objekte dieses Gutshofes und eine Anzahl von Baracken in unmittelbarer Nähe. Örtlich liegt der Dürnhof an der Westgrenze des Tüpls nahe der Bezirksstadt Zwettl.

http://bda.at/text/136/1242/7068/

lg
josef

Hier noch Karten zur Übersicht:
 

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schnurrli

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#4
Hallo Gustav!

Döllersheim wurde so gut wie ausgelöscht. Es sind heute noch ein paar Ruinen ersichtlich. Die Kirche und der friedhof sind noch teilweise erhalten.
Dieses Dorf war laut alten Bilden sehr groß - heutzutage ist fast nichts zu sehen.
Habe ein paar Bilder wie es heute dort aussieht - kann es aber leider nicht in diese Antwort "hochladen" (warum weiß ich nicht) abedr wenn Du mir Deine e-Mail gibst, sende ich Dir diese Fotos gerne...

Du kannst auch auf www.doellersheim.at nachlesen.

LG
Wolfgang
 
#5
Hallo Jens!
Bin gerade über deine Anfrage aus 2007 gestolpert; ist zwar schon ein Weilchen her, aber ich hoffe ich kann dir mit meinem Kartenausschnitt (Karte der Wehrmacht von 1943) weiterhelfen. Das Lager Zwettl ist hier exakt eingezeichnet (rechts oben)!!

Schöne Grüße
Woodquarter
 

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#6
Lager "Zwettl" und "Dürnhof" waren zwei getrennte Lager!

Habe gerade einen Bericht in "Das Waldviertel" aus 1998 gelesen, in dem ein ehem. Kriegsgefangener aus Deutschland seine Erlebnisse im Lager Zwettl schildert. Was mir ganz wesentlich erscheint, ist die Tatsache, daß von zwei Lagern bei Zwettl die Rede ist. Das "Arbeiterlager Dürnhof" (so auch in der Karte bezeichnet) und das größere "Lager Zwettl"!
Ich werde den Bericht einscannen und demnächst reinstellen.
 
#7
Erlebnisse eines Kriegsgefangenen im Lager Zwettl 1945

Hier möchte ich (anstatt den ganzen Bericht einzuscannen) Auszugsweise einen Bericht eines deutschen Soldaten, der 1945 in russische Kriegsgefangenschaft geraten war, schildern:

Hans Nies aus Karlsruhe wurde im April 1945 mit seiner Einheit bei Petronell von Truppen der Roten Armee eingeschlossen und als Kriegsgefangener im Lager Zwettl von Mai 1945 bis August 1945 interniert. Die Russen hatten ja im Mai 1945 den TÜPL übernommen und nutzten die vorhandenen Lager jetzt teilweise als Gefangenen- und Sammellager.

Ende Mai 1945 war das Lager Zwettl mit deutschen Kriegsgefangenen (ca. 12.000 Mann) maßlos überfüllt und es herrschten katastrophale sanitäre Verhältnisse. Viele Insassen litten unter schweren Darmerkrankungen, da das Trinkwasser aus dem Kamp (in den auch Abwässer eingeleitet wurden) entnommen wurde.

Das Essen bestand oft aus Rübensuppe oder Wassersuppe mit Erbsen und einem Stück Brot. Zum Brotbacken wurden Backöfen in die Erde gegraben, wobei das Brot aber mehr geräuchert als gebacken wurde.

Latrinen wurde notdürftig außerhalb der Baracken gegraben und geschlafen wurden am kalten Betonboden oder im Freien, sofern es nicht zu kalt war.

Gewaschen und die Kleider entlaust wurde alle 4-5 Wochen, wobei die "Dusche" aus zwei Schöpfern Wasser bestand, mit denen man sich den geschundenen Körper abrieb.

Dazu kam eine regelrechte Wanzenplage und es gab viele Ruhr- und Typhuserkrankte. Laufend wurden Gesunde und Gehfähige aussortiert und zu großen Marschkolonnen Richtung Russland (oft nach Sibirien) zusammen-gestellt, die viele Gefangene nicht überlebten.

Das Lager war mit den üblichen Barackentypen versehen, die aus Holz bestanden und auf Fundamenten und Betonplatten errichtet wurden.

Nach der Auflösung der beiden Lager demolierte man die Baracken und verkaufte das Baumaterial. Nur die Betonsockel ließen noch viel Jahre die Ausmaße der beiden Lager erahnen. Heute (Stand 1998!) finden sich lediglich im Bereich des Dürnhofs einzelne Ruinen und Fundamente.

Hans Nies hatte das "Glück" als Arbeitsunfähiger aussortiert zu werden und so konnte er am 16. September 1945 nach Karlsruhe heimkehren!

Quelle: Zeitschrift "Das Waldviertel" Heft 3 / 1998, Autor Schulrat HOL Friedel Moll aus Zwettl.
 
#9
Wirklich schöne Arbeit Woodquarter,

die haben die Lager wirklich in unmittelbare Nähe zm Stift Zwettel gebaut? Das dritte Bild zeigt den Kirchturm nicht sehr weit weg. stand das Lager auf Kirchengrund? Da würde ich mal nachhaken.

LG rak64
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#10
@Woodquarter :danke für die Berichte und Karte...

"Reiseleiter" oder sonst jemand aus der "Chefetage", glaube der Thread passt eher ins Ö-Forum...
Erled´scht. SuR


lg
josef
 
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GustavR.

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#11
Hallo das Forum,

war lange nicht mehr hir. Herzlichen Dank für die Persö. Mali ( Karte 1943. )
Konnte mich bis jetzt bis in den Km - Berich an die Grablage meines Onkels heranarbeiten.
Dank auch, 1250 Blatt aus den Bundesarchiv bis jetzt.

Beste Grüsse
Jens
 
#12
Lager Zwettl

Mitten im ehemaligen Lager Zwettl befindet sich bis heute ein Fußballplatz.
Als im Oktober 1945 die Gründung der "Fußballsektion Zwettl" erfolgte, wurde eben dieser erste Sportplatz im "Zwettltal" angelegt.

Das Fußballgelände wurde vom Bundesheer für 99 Jahre angepachtet. Da inzwischen ein neuer Platz ganz in der Nähe in Rudmanns errichtet wurde, wird dieser alte Platz künftig wohl kaum mehr genutzt werden.

Der Fußballplatz ist frei zugänglich, liegt aber im militärischen Sperrgebiet!

Das aktuelle Foto zeigt den Blick vom Fußballplatz Richtung Kirchturm vom Stift Zwettl, den auch der Lagerinsasse Hans Nies in seiner Zeichnung vom
22. Juli 1945 festgehalten hat. Das Stift ist nur wenige hundert Meter vom Lagergelände entfernt, also in Sicht- bzw. Rufweite.
 

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#14
Hallo Josef!
Ja, den schönen Laserscan habe ich auch schon entdeckt; das hat mein Interesse geweckt vor Ort mal nachzuschauen, was da noch zu sehen ist.
Leider darf man den Fußballplatz nicht verlassen, sonst steht man schon im Sperrgebiet. Wie ich dort war, wurde auch gerade das Schadholz vom letzten Eisbruch aufgearbeitet und ein netter, älterer Herr hat mich auch gleich darauf aufmerksam gemacht, dass die Tafeln nicht umsonst dastehen:lesen:

Konnte aber trotzdem etliche Fundamente erkennen und auch einige Betonschächte von der ehem. Kanalisation. Der nette Herr erzählte mir noch, dass nach dem Krieg von der Bevölkerung fleissig die "gebrannten" Kanalrohre ausgegraben worden sind. Daher sieht man noch die Gräben zwischen den Schächten. Genau wie in den meisten anderen Lagern; z.B. in Sigmundsherberg im "Edelweiss", da war es genau so.


Anbei noch zwei Karten; 1. Stand 1943; 2. Stand heute

LG Woodquarter
 

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#15
Hallo Josef!
Ja, den schönen Laserscan habe ich auch schon entdeckt; das hat mein Interesse geweckt vor Ort mal nachzuschauen, was da noch zu sehen ist.
Leider darf man den Fußballplatz nicht verlassen, sonst steht man schon im Sperrgebiet. Wie ich dort war, wurde auch gerade das Schadholz vom letzten Eisbruch aufgearbeitet und ein netter, älterer Herr hat mich auch gleich darauf aufmerksam gemacht, dass die Tafeln nicht umsonst dastehen:lesen:

Konnte aber trotzdem etliche Fundamente erkennen und auch einige Betonschächte von der ehem. Kanalisation. Der nette Herr erzählte mir noch, dass nach dem Krieg von der Bevölkerung fleissig die "gebrannten" Kanalrohre ausgegraben worden sind. Daher sieht man noch die Gräben zwischen den Schächten. Genau wie in den meisten anderen Lagern; z.B. in Sigmundsherberg im "Edelweiss", da war es genau so.


Anbei noch zwei Karten; 1. Stand 1943; 2. Stand heute

LG Woodquarter
Regelmässig wird dort seitens des Bundesheer Militärpolizei Kontrolle gefahren.
Grüsse
 
#16
Übrigens, die dicke violette Linie ist der Grenzverlauf des TÜPL!

Wenn man die zweite Karte vergrößert, erkennt man schön, wie die Zufahrt und die Umrisse des Fußballplatzes mit einer dünneren, violetten Linie markiert sind. Ich nehme also an, dass die dünnere Linie ein "Ausnahmegebiet" innerhalb des TÜPL-Grenzverlaufes kennzeichnet.

Auf der linken Seite erkennt man ebenfalls eine solche dünne Linie und zwar von Gerotten, vorbei am Dürnhof bis runter Richtung Stift Zwettl.

Hat jemand eine Ahnung, ob man dieses Gebiet deshalb betreten darf?

Grundsätzlich ist es ja glaube ich gestattet, den TÜPL zu durchfahren,
sofern nicht gerade eine Übung stattfindet. Auch ist es ja ganzjährig möglich Döllersheim zu besuchen, oder? Kennt da jemand die genaue Regelung?

LG Woodquarter
 
#17
Übrigens, die dicke violette Linie ist der Grenzverlauf des TÜPL!

Wenn man die zweite Karte vergrößert, erkennt man schön, wie die Zufahrt und die Umrisse des Fußballplatzes mit einer dünneren, violetten Linie markiert sind. Ich nehme also an, dass die dünnere Linie ein "Ausnahmegebiet" innerhalb des TÜPL-Grenzverlaufes kennzeichnet.

Auf der linken Seite erkennt man ebenfalls eine solche dünne Linie und zwar von Gerotten, vorbei am Dürnhof bis runter Richtung Stift Zwettl.

Hat jemand eine Ahnung, ob man dieses Gebiet deshalb betreten darf?

Grundsätzlich ist es ja glaube ich gestattet, den TÜPL zu durchfahren,
sofern nicht gerade eine Übung stattfindet. Auch ist es ja ganzjährig möglich Döllersheim zu besuchen, oder? Kennt da jemand die genaue Regelung?

LG Woodquarter
Servus
beides TÜPL.
äussere und innerer Sperrgürtel.
Grüsse
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#18
Grundsätzlich ist es ja glaube ich gestattet, den TÜPL zu durchfahren,
sofern nicht gerade eine Übung stattfindet. Auch ist es ja ganzjährig möglich Döllersheim zu besuchen, oder? Kennt da jemand die genaue Regelung?
Die den Tüpl querende L75 ist während des Übungsbetriebes im Bereich der ROT gekennzeichneten Strecke (Allentsteig - Döllersheim) gesperrt -> Schranken und Posten! Dazu gibt es an der B37 an der Umfahrung Gföhl, Abfahrt Jaidhof aus Richtung Krems kommend, eine Leuchtschriftanzeige, ob Durchfahrt frei oder gesperrt. Bei Sperre kann man dann großräumig über die B32 über Idolsberg nach Neupölla und weiter über die L56 entlang des NO-Randes des Tüpl nach Allentsteig ausweichen - auf der Karte GRÜN. Die Zufahrt zur Gedächtniskirche und Ruinen in Döllersheim auf der L75 ist jederzeit (bis zum Schranken) möglich -> ebenfalls GRÜN auf der Karte.

Karte - Google Maps
 

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