Die letzte totale Mondfinsternis
fand am 14. März statt und ist damit gerade einmal sechs Monate her. Wirklich spannend war das Ereignis allerdings nicht: Der Mond ging zumindest in unseren Breiten viel zu früh unter, die Totalität konnten wir somit nicht genießen. Anders sieht es dagegen am heutigen Sonntag aus. Da wird man sich nicht nur in Österreich am Anblick eines rostrot schimmernden Mondes erfreuen können.
Rund sieben Milliarden Menschen – von Ozeanien bis an die Ostküste Amerikas – werden am 7. September beobachten können, wie der Mond im Erdschatten verschwindet. Dabei könnte der Mond sogar einen zusätzlichen Farbtupfer erhalten: ein bläuliches Band am Rand der roten Zone.
Bei günstigen Wetterbedingungen könnte uns ein Anblick wie dieser ins Haus stehen. Die Aufnahme stammt vom 14. März 2025 und zeigt die totale Mondfinsternis über Caracas, Venezuela.
REUTERS/Leonardo Fernandez
Kein Erntemond
Traditionellerweise wird der September-Vollmond auch als "Erntemond" bezeichnet, weil er dem Äquinoktium am 22. September am nächsten liegt. Heuer fällt diese Rolle jedoch dem Oktober-Vollmond zu, der am 6. Oktober aufgeht. Zu einer solchen Ausnahme kommt es nur alle drei Jahre.
Eine totale Mondfinsternis, wie sie uns nun bevorsteht, wird auch "Blutmond" genannt, weil sich unser Begleiter während der Zeit im Kernschatten der Erde rötlich verfärbt. Zunächst wandert der Mond in die Penumbra, die Halbschattenzone der Erde, in der nur ein kleiner Teil des Sonnenlichts blockiert wird.
Da eine Mondfinsternis stets bei Vollmond stattfindet, erscheint der Mond in dieser Phase etwas fahler, aber nicht drastisch verändert. Anschließend tritt er in die Umbra, den Kernschatten der Erde, ein, und wird dabei deutlich dunkler. Das ist die partielle Phase, die insgesamt mehr als drei Stunden dauert.
Ursache des Farbenspiels
Wenn die Ausrichtung exakt passt, ist der Mond vollständig bedeckt – die totale Finsternis beginnt und dauert meist länger als eine Stunde. In dieser Phase wird eine wesentliche Eigenschaft des Erdschattens sichtbar: Die Umbra ist nicht schwarz, sondern rot. Denn ein Teil des Sonnenlichts dringt durch und wird von der Erdatmosphäre gefiltert.
Dass der Himmel tagsüber blau erscheint und bei Sonnenauf- und -untergang rötlich, ist auf die Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre zurückzuführen. Genau diese Streuung schickt auch rötliches Licht in die Umbra. Doch noch ein weiterer Farbton mischt sich bisweilen dazu: Wenn die Bedingungen stimmen, lässt sich kurz vor der Totalität – während der Mond immer röter wird – ein bläulich-violettes Band zwischen dem roten und dem weißen Teil der Mondoberfläche erkennen.
Die Ursache dieses Bandes ist Ozon: Die Ozonschicht im oberen Bereich der Stratosphäre absorbiert einen Teil des Rotanteils, sodass türkisfarbenes Licht hindurch gelangt. Da die Stärke dieses Effekts von der jahreszeitlichen Schwankung der Ozonschicht ebenso abhängt wie von atmosphärischen Zirkulationsmustern und der Sonnenaktivität, ist er mal stärker, mal schwächer ausgeprägt.
Schematische Darstellung einer Mondfinsternis
Grafik: Nasa
Bessere Bedingungen im Westen und Osten
Vorausgesetzt das Wetter passt, lässt sich zumindest der rote Mond
auch gut über Österreich beobachten: Wenn der Erdtrabant am 7. September um 19.21 Uhr (Wien) aufgeht, ist er bereits zu 86 Prozent in den Kernschatten der Erde eingetaucht. In Bregenz geht der Mond um 19.46 Uhr bereits vollständig verfinstert auf. Im Westen und Osten sieht es auch nach relativ guten Bedingungen für die Beobachtung aus. Längere klare Phasen sind laut Wetterprognosen im Weinviertel, im Nordburgenland und in Teilen Wiens zu erwarten, ebenso in Vorarlberg. Höhere Wolken dürften hingegen über Teilen Salzburgs, Oberösterreichs, der Steiermark und Kärntens den Blick trüben.
Einziger Wermutstropfen ist, dass "die Totalität in der Abenddämmerung beginnt und der verfinsterte Mond in der hellen Dämmerung nur schlecht zu sehen ist", wie der Chef der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA), Alexander Pikhard erklärt. Um 19.30 beginnt die totale Verfinsterung und dauert bis 20.53 Uhr mit dem Maximum um 20.12 Uhr. Um 21.57 Uhr endet das astronomische Schattenspiel mit dem Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde.
Die nächste von Österreich aus zu beobachtende Mondfinsternis ist am 28. August 2026, sie ist partiell und nur teilweise zu sehen. Die nächste totale Mondfinsternis, die von Wien aus in der totalen Phase in vollem Verlauf zu sehen sein wird, findet erst am 31. Dezember 2028 statt.
Planetentanz und Herbstbeginn
Doch der September hält für Himmelsguckerinnen und Himmelsgucker freilich noch andere interessante Ereignisse bereit: Venus und Jupiter treten derzeit auffällig häufig gemeinsam am Himmel auf. Schon im vergangenen Monat waren beide im selben Abschnitt des Himmels zu sehen. Aktuell erscheinen die beiden Planeten tief im Nordosten: Jupiter geht nach Mitternacht auf, Venus rund um 4 Uhr früh.
Und am 22. September steht das Herbstäquinoktium an: Der astronomische Herbstbeginn markiert wie auch die Sommer- und Wintersonnenwende einen wichtigen Moment im Jahreslauf. An diesen Tagen sind Tag und Nacht annähernd gleich lang – daher der Name "Äquinoktium", abgeleitet aus den lateinischen Wörtern für "gleich" und "Nacht".
Heuer fällt das Herbstäquinoktium in Europa auf den 22. September um 20.19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Ab dann sind die Tage kürzer als die Nächte, bis sich dieser Trend mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember 2025 um 16.03 MEZ wieder umkehrt. Die zusätzliche Dunkelheit ist zwar nicht jedermanns und jederfraus Sache, doch sie hat auch etwas Gutes: Sie gibt mehr Gelegenheit, uns am Anblick des nächtlichen Sternenhimmels zu erfreuen.
(tberg, red, 5.9.2025)