Neue NATO-Stützpunkte für Nuklearwaffen in Europa durch Änderung der US-Atomstrategie

josef

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Neue Stützpunkte in Europa?
Indizien für Wende in US-Atomstrategie
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Europa ist sich der Unterstützung der USA im Konfliktfall etwa mit Russland in den letzten Monaten nicht immer sicher gewesen. Washington drohte mit dem Austritt aus der NATO, US-Präsident Donald Trump kündigte einen Abzug Tausender Soldaten aus Deutschland an. Am Dienstag hieß es nun überraschend und völlig konträr, die USA dachten über eine Aufstockung ihrer Atomwaffen in Europa nach – auch in Ländern, wo es solche bisher nicht gibt.
Online seit gestern, 20.58 Uhr
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Laut einem Bericht der „Financial Times“ vom Dienstag sind die USA für die Stationierung weiterer nuklearer Atomwaffen „offen“. Konkret gehe es um atomwaffenfähige Kampfflugzeuge, schrieb die US-Zeitung. Mehrere europäische Länder würden in diesem Fall Maschinen, die sowohl mit konventionellen als auch mit taktischen Atomwaffen ausgerüstet werden können – Dual-Capable Aircraft (DCA) – anschaffen. Dazu gehören auch die Tarnkappenjets vom US-Typ F-35A.

Der Bericht kam insofern überraschend, als zuletzt immer wieder Zweifel an der Bündnistreue der USA im Rahmen der NATO laut geworden waren, und sei ein Zeichen dafür, dass Washington weiterhin seinen Partnern in Europa im Konfliktfall beistehen würde, so die „Financial Times“. Die Beistandspflicht ist in Artikel 5 des Nordatlantikvertrags (North Atlantic Treaty) von 1949 geregelt und besagt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied als einer auf das gesamte Militärbündnis zu werten ist: „Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird.“

Größtes Interesse an NATO-Ostflanke
Laut Bericht der „Financial Times“ zeigten Länder an der NATO-Ostflanke, darunter Polen und einige baltische Staaten, Interesse an der möglichen Stationierung entsprechender Kampfflugzeuge. Die Gespräche darüber würden in der NATO fortgesetzt, mit einer schnellen Einigung werde allerdings aktuell noch nicht gerechnet. Bisher stehen Deutschland, Belgien, Italien, die Niederlande, die Türkei aktiv unter dem US-„Atomschirm“ und verfügen über Kampfflugzeuge, die im Konfliktfall Atomwaffen aufnehmen können.
Reuters/Ints Kalnins
Kampfflugzeug bei einem NATO-Manöver in Lettland

Der Leiter der Abteilung für politische Angelegenheiten im US-Verteidigungsministerium, Elbridge Colby, erklärte zuvor öffentlich, dass die USA ihre Atomwaffen weiterhin zum Schutz der NATO-Mitglieder einsetzen würden, selbst wenn die europäischen Verbündeten die Führung bei den konventionellen Streitkräften übernehmen.

„Nukleare Teilhabe“ ohne eigene Waffen
Die „Nukleare Teilhabe“ („nuclear sharing“) ist einer der Pfeiler der „erweiterten“ atomaren Abschreckungspolitik der NATO, in die Staaten einbezogen werden, die selbst keine Atomwaffen haben. In Europa verfügen nur Frankreich und Großbritannien über eigene nukleare Waffensysteme. In Deutschland lagern nach Schätzungen etwa 20 Atomwaffen, die von Kampfjets des Typs Tornado aus eingesetzt werden könnten, offizielle Zahlen dazu gibt es nicht.

Nach Schätzungen 20 Sprengköpfe in Deutschland
Deutschland selbst hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, zu Zeiten des Kalten Krieges dürften Tausende Sprengköpfe aus den USA und Großbritannien auf deutschem Boden gelagert worden sein. Das Pendant dazu fand sich unter Kontrolle der damaligen Sowjetunion in zahlreichen „Sonderwaffenlagern“ auf dem Gebiet der früheren Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

APA-Images/Action Press/Cindy Voß
Luftwaffenstützpunkt Büchel im deutschen Rheinland-Pfalz

Aktuell gilt der Fliegerhorst Büchel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 im Bundesland Rheinland-Pfalz als einziger Standort in Deutschland, auf dem US-Atomwaffen stationiert sind. Von der US-Basis Ramstein, ebenfalls in Rheinland-Pfalz, wurden sie vor über 20 Jahren abgezogen. Die US-Atomwaffen in Europa stehen unter der Kontrolle des Pentagon.

Sorge wächst mit aggressivem Kurs Russlands
Insbesondere Polen habe nun in den vergangenen Monaten den Wunsch nach einer Stationierung von US-Atomwaffen geäußert, so die „Financial Times“ am Dienstag. Vor allem der frühere Präsident Andrzej Duda habe sich für die Stationierung atomwaffenfähiger Kampfflugzeuge ausgesprochen, auch die Stationierung französischer Atomwaffen sei im Gespräch gewesen.

IMAGO/Photo News/Didier Lebrun
Auch auf dem Militärflugplatz Kleine-Brogel in Belgien werden US-Atomsprengköpfe gelagert

Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fühlen sich nicht nur Polen, sondern etwa auch die baltischen Staaten zunehmend bedroht, vorwiegend wegen der wiederholten Äußerungen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin „über die nuklearen Fähigkeiten des Kreml“, so die „Financial Times“.

In den letzten Monaten hatten Äußerungen Trumps über die NATO und die Ankündigung, Truppen aus Europa abzuziehen, für Verstörung unter den europäischen NATO-Partnern gesorgt. Sie befürchteten, „dass dadurch Lücken in der Verteidigung des Kontinents“ entstünden, so die britische Tageszeitung. Auch wenn sich die europäischen NATO-Partner dazu verpflichtet hätten, ihre Verteidigungsbudgets zu erhöhen und konventionell aufzurüsten, „gilt der nukleare Schutzschild als unersetzlich“.
05.06.2026, red, ORF.at/Agenturen

Neue Stützpunkte in Europa?: Indizien für Wende in US-Atomstrategie
 
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