ORF-Berichte über außergewöhnliche, mystische und historische Orte sowie Bauwerke in Kärnten - Teil 3

josef

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#1
Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2:


"KENNST DU KÄRNTEN“
Die Zwillingsburgen von Leonstein
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Die Ruinen der mittelalterlichen Burg Leonstein, nordwestlich von Pörtschach, sind ein äußerst interessantes Objekt mit viel Geschichte. Für Archäologen faszinierend ist die Burg aus Sicherheitsgründen für Besucher nicht zugänglich. Durch Funde weiß man, dass es eine Zwillingsburg war.
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Im Jahr 1166 wurde die Burg erstmals in Zusammenhang mit Dietrich von Leonstein urkundlich erwähnt. Historikerin Renate Jernej: „Die Burg selber besteht aus einer Altburg, einem noch teilweise erhaltenen Bergfried, daneben eine zweigeschossige Kapelle und dann schließt sich darum noch ein weiterer Burghof an. Die Burg ist auch relativ groß und dann gibt es auch noch ein Wächterhäuschen daneben. Man kann das von außen zumindest erahnen, wie groß diese Burg ist.“

Was man heute nicht mehr sehen kann, ist, dass es keine 100 Meter entfernt neben Leonstein noch eine zweite Burg gab: „Das war die Seeburg. Auch davon wissen wir dank urkundlicher Nachrichten. 1142 wird ein Reimboto von Seeburg erwähnt. Es war eine Zwillingsburg-Anlage, die sich da über dem Wörthersee hoch über Pörtschach erstreckt hat.“
Johann Weichard von Valvasor – uploaded by Johann Jaritz
Burg und Schloss Leonstein um 1680

Heirat verband beide Burgen
Wie für die damalige Zeit üblich, kam es durch eine Heirat zur Verbindung dieser beiden Burgen: „Berthold von Seeburg heiratete Anna von Leonstein. Es hat dann eine weitere Besitzveränderung gegeben. Die Seeburg ist 1386 abgebrannt, wurde auch nicht mehr aufgebaut, sodass man heute von der Burg gar nichts mehr sehen kann.“
Allerdings gab es 1998 im Bereich dieser Seeburg archäologische Grabungen: „Da hat man feststellen können, dass die Mauern unter der Erde noch erhalten sind.“

Burgherren zogen im 16. Jahrhundert ins Tal
Während man die Seeburg nach dem Brand scheinbar aufgegeben hatte, wurde die Leonstein weiter bewohnt: „Bis hinein ins 16. Jahrhundert, dann ist es zu unbequem geworden, sich auf dem Berg niederzulassen und man ist ins Tal hinuntergezogen und hat direkt im heutigen Ort Pörtschach das Schloss Leonstein gebaut und die Burg ist dann langsam dem Verfall preisgegeben worden.“

Johann JaritzCC BY-SA 4.0
Verfallener Wohnturm von Leonstein

Während die Burgherren ins Tal zogen, übernahmen die Jesuiten den Burgberg, so Jernej: „Die Jesuiten haben dort oben das Areal besessen, diese Jesuitenherrschaft ist dann aufgelöst und in eine Studienfondsherrschaft übergeführt worden. Diese Studienfondsherrschaft ist dann schlussendlich am Beginn des 19. Jahrhunderts den Mönchen von St. Paul übergeben worden.“

Mönche errichteten erste Gloriette
Die Mönche waren dann auch die ersten, die damals eine heute noch bekannte Aussichtswarte errichtete: „Und zwar damals noch eine aus Holz gebaute Gloriette. Heutzutage steht ja da oben die um 1902 errichtete, steinerne Aussichtswarte hohe Gloriette. Von der hat man nicht nur einen wunderbaren Ausblick auf den Wörthersee, man sieht Pörtschach, Klangfurt, Velden, man kann rüberblicken auf den Pyramidenkogel, man sieht die Schlangeninsel. Aber man sieht auch eine weitere kleine Insel vor Maria Wörth gelegen, das ist die Kapuzinerinsel.“

Johann JaritzCC BY-SA 3.0
Ausblick von der Gloriette

Kapuzinerinsel mit Pfahlbauten
Von der Kapuzinerinsel weiß man zwar nicht, warum sie so heißt, aber man weiß, dass die Geschichte dieser Insel bis in die Steinzeit zurückreicht: „Wir reden jetzt von der Zeit so circa 4.000 vor Christus. Es hat kleinere Ausgrabungen gegeben, auch unter Wasser Tauchkampagnen, und da wurden unter anderem Pfahlbauten festgestellt. Aber man hat auch Keramikscherben gefunden, die in diese Zeit datieren und auch noch weitere Funde, die belegen, dass bis in keltische Zeit dort zumindest so etwas wie eine Station war für einen Fischfang, vielleicht aber auch sogar eine dauerhafte Siedlung“, so Historikerin Jernej.
26.11.2025, red, kaernten.ORF.at

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G
eschichtsverein für Kärnten
Die Zwillingsburgen von Leonstein
 

josef

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#2
"KENNST DU KÄRNTEN“
Die Geschichte hinter Villachs Kaiser-Statue
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Kaiser Joseph II., Sohn von Kaiserin Maria Theresia, regierte von 1765 bis zu seinem Tod im Jahr 1790. Im zu Ehren wurden in Kärnten einige Joseph-Denkmäler errichtet, unter anderem in Villach, wo es noch heute steht. Bis es 1888 enthüllt wurde, galt es aber, einige Hürden zu überwinden.
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Joseph II. war ein außergewöhnlicher Kaiser, der erste aus dem Hause Habsburg-Lothringen, der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Er galt als Reformer, der sein Volk voranbringen wollte und moderner in der Denkweise als seine Mutter Maria Theresia.

Reformen im Sozial- und Religionsbereich
Er setzte sich für die Schaffung allgemeiner Krankenhäuser ein, reformierte das Ehegesetz und auch für sein Religionsgesetz war er bekannt. Das alles und mehr hinterließ Spuren, die noch heute unter anderem in Form von Denkmälern sichtbar sind.
Das berühmteste in Kärnten steht wohl in Villach, sagte Historikerin Heidi Rogy: „Während man in Arriach und Klagenfurt Büsten von Joseph II. aufstellte, wollte man ihn in Villach mit einem Standbild würdigen. Mitte der 1880er Jahre bildete sich in Villach ein Denkmalkomitee, dem Carl Gohn vorstand.“

Mehrere Künstler arbeiteten an Denkmalgestaltung
Der Künstler Josef Messner wurde mit der Umsetzung des Denkmals beauftragt. Er hatte für Villach auch schon die Hans-Gasser-Statue erschaffen. „1886 erkrankte Josef Messner jedoch schwer und musste die Arbeit am Denkmal ruhen lassen. Es sollte ihm nicht mehr vergönnt sein, dieses zu beenden, denn er starb noch im selben Jahr“, so Rogy.

Danach wurde der Bildhauer Josef Cassin mit der Ausführung des Denkmals beauftragt, sagt Rogy: „Cassin legte dafür einen eigenen Entwurf vor. Nach diesem wäre Joseph II. in Dragoneruniform, die linke Hand zu einer gebieterischen Huldigungsgeste ausgestreckt, auf einem abgestuften Postament stehend, dargestellt worden.“

Raul de ChissotaCC BY 4.0
Die Statue am Kaiser-Josef-Platz in Villach

Das gefiel den Verantwortlichen in Villach aber nicht, man entschied sich gegen den Entwurf von Cassin. Der Bildhauer Karl Kundmann wurde mit der Ausführung des Denkmals beauftragt, der sich an den Entwurf von Josef Messner hielt. Kundmann schuf auch in Wien das Grillparzer-Denkmal gemeinsam mit Rudolf Weyr.

Festzug drohte ins Wasser zu fallen
Am 2. September 1888 wurde das Denkmal für Kaiser Joseph II. in Villach feierlich enthüllt. Laut Rogy hatte es am Vorabend bereits eine Festvorstellung im Villacher Stadttheater gegeben. Am nächsten Tag war ein großer Festumzug durch die Stadt geplant. Der Weckruf für diese Veranstaltung der Musikkapellen musste aber abgesagt werden, es regnete nämlich in Strömen.

„Am Festzug durch die Stadt hielt man aber trotz des schlechten Wetters fest. Neben Vertretern von diversen Vereinen und den Städten Klagenfurt und Villach waren auch zahlreiche Deputationen von Gemeinden aus dem ganzen Land nach Villach gekommen“, so Rogy. Auch der damalige Landeshauptmann Joseph Erwein nahm am Festzug teil.

Feierstimmung am Tag der Denkmalenthüllung
„Es folgten Festreden beim neuen Denkmal. Am Nachmittag zeigte der Himmel schließlich Einsehen und die Sonne strahlte wieder über Villach. In einigen Gastgärten der Stadt sorgten Musikkapellen für die Unterhaltung der zahlreich angereisten Festgäste“, sagte die Historikerin.
Noch heute steht am Kaiser-Josef-Platz in Villach das Denkmal des Regenten und noch an vielen weiteren Orten in ganz Österreich wird an ihn erinnert.
27.11.2025, red, kaernten.ORF.at
Die Geschichte hinter Villachs Kaiser-Statue
 
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