Römisches Straßennetz von 150 n. Chr. auf einer "Google Maps" - Karte

josef

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#1
299.000 Kilometer
Ein "Google Maps" für sämtliche römischen Straßen des Jahres 150
Die neue Karte erweitert die bekannte Länge des antiken Wegenetzes um mehr als 100.000 Kilometer und zeigt auch die damaligen Routen durch das heutige Österreich

Ausschnitt des römischen Straßen- und Wegenetzes durch das heutige Österreich mit den damaligen Hauptorten Vindobona, Carnuntum oder Ovilava (das heutige Wels).
Itiner-e / Screenshot


Nur in seltenen Fällen – wie hier die Via Appia in Rom – haben sich die antiken Straßen bis heute erhalten. Alle anderen wurden nun für eine digitale Karte rekonstruiert.
AFP/ALBERTO PIZZOLI

Rund um das Jahr 150 unserer Zeitrechnung stand das Römische Reich in seiner Blütezeit und erreichte die größte Ausdehnung. Das Imperium erstreckte sich über drei Kontinente – Europa, Asien und Afrika – und zählte mehr als 55 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Auch das Gebiet des heutigen Österreichs zählte dazu: Die Provinz Noricum, die im Wesentlichen die heutigen Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich. Niederösterreich und die Steiermark umfasste, war rund 100 Jahre zuvor Teil des Römischen Reiches geworden.

Straßen hielten gleichsam die römische Macht zusammen und waren bereits damals von enormer Bedeutung. Sie verbanden die Provinzen vom Atlantik bis zum Euphrat und vom Hadrianswall im Norden Englands bis in den Süden Ägyptens. Dank dieses Straßennetzes waren schnelle Truppenbewegungen ebenso gewährleistet wie der Austausch von Gütern und Ideen – aber auch von Krankheiten.

Einige dieser Straßen, darunter die Via Appia in Rom oder die Via Egnatia durch Griechenland und den Balkan, sind bis heute sichtbar oder bilden teilweise die Basis für moderne Verkehrsachsen.

Größter offener Datensatz
Trotzdem war dieses Straßennetz von der Archäologie bisher eher nur fragmentarisch erfasst. Das ändert nun ein internationales Team um den Archäologen Tom Brughmans (Universität Aarhus in Dänemark) mit einer Studie im Fachblatt Scientific Data (aus der Nature-Gruppe) sowie der interaktiven Online-Plattform Itiner-e. Unter dieser Adresse kann der detaillierteste und größte offene digitale Datensatz zu Straßen im gesamten Römischen Reich abgerufen werden. Itiner-e ist auch so etwas wie ein interaktives "Google Maps" für all jene, die Europa und Nordafrika auf den alten Wegen erkunden wollen, Österreich inklusive.

Für die digitale Karte und ihre Studie wertete das Team Daten aus rund 40 Ländern aus. Das daraus resultierende Wegenetz umfasst insgesamt 299.171,31 Kilometer Straßen auf einem Gebiet von etwa vier Millionen Quadratkilometern. Das ist um mehr als 100.000 Kilometer länger als bisher angenommen wurde. Die Hauptstraßen – viae publicae genannt – machen etwa 34 Prozent aus, der Rest sind Nebenstraßen.

Dass nun deutlich mehr Kilometer gezählt wurden als in älteren Untersuchungen, begründen die Forschenden vor allem damit, dass die Routen an die geografische Realität angepasst wurden. Um beispielsweise einen Berg zu überqueren, folgen die Straßen nun eher einer kurvenreichen Passstraße als einer direkten Linie. Doch wie findet man heraus, wo Straßen vor etwa 2000 Jahren entlangliefen?

So reiste man im Jahr 150 unserer Zeitrechnung auf römischen Straßen.
Itiner-e

Um dies zu klären, sichtete das Team zunächst die entsprechende Literatur und identifizierte Straßen anhand von historischen und archäologischen Quellen, Ortsverzeichnissen und anderen Landmarken wie Flüssen und Siedlungen. Dennoch war es unmöglich, den genauen Verlauf aller Straßen zu rekonstruieren: Bei der überwiegenden Mehrheit, rund 90 Prozent der Strecken, ist der Verlauf nicht genau bekannt, bei rund sieben Prozent handelt es sich sogar nur um Vermutungen. Wirklich sicher sind sich die Forschenden nur bei knapp drei Prozent.

"Dreiprozentige Gewissheit"
Detaillierte zeitliche Belege für Bau, Nutzung und Wandel von Straßen lagen demnach nur für wenige Fälle vor. "Eine evidenzbasierte Rekonstruktion der Veränderungen des Straßennetzes während der gesamten Römerzeit auf Reichsebene ist derzeit nicht möglich", schreibt die Gruppe. Das sei einerseits eine große Überraschung und andererseits eine ernüchternde Erkenntnis gewesen, sagt Brughmans. Für ihn ist diese "dreiprozentige Gewissheit" aber kein Misserfolg, sondern ein "Aufruf zum Handeln".


Geplasterte Straßen – wie hier abermals die Via Appia – waren damals die große Ausnahme.
AFP/ALBERTO PIZZOLI

Immerhin konnte das Team um Erstautor Pau de Soto (Universitat Autònoma de Barcelona, UAB) in der Studie mit einem anderen Missverständnis aufräumen: Nur die wenigsten der damaligen Straßen waren gepflastert wie die Via Appia. Tatsächlich wurden sie aus immer feiner werdenden Kiesschichten gebaut, wobei die Deckschicht aus verdichtetem feinem Kies bestand.

Brughmans hofft jedenfalls, dass der neue und beeindruckende Datensatz der römischen Straßen unser Verständnis davon revolutionieren wird, wie sich Menschen, Ideen und Infektionskrankheiten vor 2000 Jahren verbreitet haben. Solche Erkenntnisse könnten wiederum helfen, die diesbezüglichen Herausforderungen besser zu verstehen, mit denen wir heute konfrontiert sind.
(Klaus Taschwer, 13.11.2025)
Link zur Karte:
Online-Plattform Itiner-e

Ein "Google Maps" für sämtliche römischen Straßen des Jahres 150
 
#5
Als Übersicht recht interessant -..................................
Allerdings zweifle ich manche eingezeichneten Detailwege in der Exaktheit doch an.
Hallo Struwwelpeter!
Ich kann deinen Kommentar bestätigen, der dargestellte Verlauf der Römerstraße in "meinem" Bereich stimmt nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein. Auch werden bekannte Straßenstationen um 20 km (und mehr) irgendwo dargestellt.
MfG
Walter
 

josef

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#6
Allerdings zweifle ich manche eingezeichneten Detailwege in der Exaktheit doch an.
Ich kann deinen Kommentar bestätigen, der dargestellte Verlauf der Römerstraße in "meinem" Bereich stimmt nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein.
Der Verlauf im Donautal durch die Wachau ist ebenfalls falsch dargestellt! Entlang der bis zur Donau reichenden Steilhänge durch das Tal war keine durchgehende Straße! Die Hauptverbindung verlief auf der Hochfläche bzw. den Tälern im Dunkelsteinerwald und zu den Wachtürmen direkt am Donauufer führten Stichstraßen ins Tal:

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Siehe dazu die Beiträge im Thread "Donaulimes und Römerstraßen"
 
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