Russische Superrakete "RS-28 Sarmat/Satan II" explodiert nach dem Start

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Militärtechnik
Wunderwaffe Satan II am Boden: Putins Raketenprogramm hebt nicht ab
Die nächste russische Superwaffe geht in Flammen auf: Die RS-28 Sarmat sollte dem Westen Furcht einflößen, explodiert aber kurz nach dem Start.

Dieses Bild des russischen Verteidigungsministeriums zeigt eine RS-28 Sarmat/Satan II beim Start im Norden Russlands. Das Silo gibt es nicht mehr, es wurde zerstört, als eine Sarmat während eines Testflugs explodierte.
Russisches Verteidigungsministerium

Den meisten russischen Wunderwaffen ist gemein, dass sie nicht wie vorgesehen funktionieren. Die Hyperschallrakete Kinschal ist nicht einmal eine Hyperschallwaffe, der Burewestnik-Marschflugkörper mit Kernenergieantrieb hat von 14 Tests nur drei erfolgreich absolviert, dafür aber im Testgebiet massive Verstrahlung hinterlassen. Beim Nukleartorpedo Poseidon ist überhaupt fraglich, ob das Konzept so funktionieren kann. Nun ist es die Sarmat, die im Westen Angst und Schrecken auslösen soll. Immerhin handelt es sich um eine Interkontinentalrakete mit 18.000 Kilometern Reichweite.

Die jüngste Vorführung der Wunderwaffe geriet aber zum Propaganda-Debakel: Die mit einem Dummy-Sprengkopf ausgestattete Massenvernichtungswaffe stürzte nach wenigen hundert Metern zurück auf die Erde. Auch wenn die Führung in Moskau das so nicht geplant hatte: Immerhin sieht der Krater auf den Satellitenbildern beeindruckend aus.

Spektakuläres Scheitern statt Machtdemonstration
Eigentlich sollte der Test am Freitag die Fähigkeiten der Sarmat demonstrieren. Die Rakete stieg von der Dombarowsky-Luftwaffenbasis in der südlichen russischen Steppe nahe der Grenze zu Kasachstan auf und sollte ein Ziel in 4000 Kilometern Entfernung treffen. Die Sarmat schaffte es auf etwa 200 bis 400 Meter Höhe, bevor sie in der Luft kippte und eine bräunlich-violette Rauchwolke ausstieß. Unmittelbar danach war eine Explosion zu sehen, bei der ein Teil der Rakete abgesprengt wird. Anschließend stürzt die Sarmat brennend zu Boden, wo sie in einem gewaltigen Feuerball explodiert. All dies geschah in Sichtweite der Startbasis sowie der Smartphones der interessierten Militärblogger, die das entstandene Material seitdem auf Telegram teilen.

Wie Ars Technica unter Berufung auf Experten des Instituts der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung berichtet, könnte es sich bei der kleinen Explosion vor dem Absturz um eine Art Rettungsmanöver für die Nutzlast handeln. Diese könnte gezielt abgesprengt worden sein, als klar war, dass die Sarmat abstürzen würde. Die rötliche Wolke deutet laut dem Bericht auf eine giftige Mischung aus Hydrazin und Stickstofftetroxid hin. Diese Form des Treibstoffs wird in Russland gerne für Interkontinentalraketen verwendet.

Dabei hätte der Test wohl demonstrieren sollen, dass es sich bei der RS-28 Sarmat um die Rakete mit der weltweit größten Reichweite handelt. Diese Zuschreibung würde eigentlich dem Burewestnik zustehen, dessen Reichweite Moskau gerne mit "unendlich" angibt, aber mit solchen Detailfragen hält sich die russische Wunderwaffenpropaganda nicht auf.

Absturzgefährdete Superwaffe
Die RS-28 Sarmat ist Russlands neueste Schwerlast-Interkontinentalrakete. Diese ist theoretisch in der Lage, zehn Sprengköpfe zu transportieren. Der Nato-Codename lautet Satan II. Die Sarmat gilt als die schwerste derartige Waffe und sollte die alte sowjetische R-36M, oder Satan, ablösen. Letztere wurde übrigens in der Ukraine gebaut.

Daher ist es kein Wunder, dass russische Beamte gerne über die Fähigkeiten der Sarmat sprechen. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete Sarmat als "wirklich einzigartige Waffe", die "denjenigen, die in ihrer aggressiven Rhetorik versuchen, unser Land zu bedrohen, zu denken geben wird". Dmitri Rogosin, damals Leiter der russischen Weltraumbehörde, nannte die Sarmat-Rakete nach ihrem ersten Testflug im Jahr 2022 eine "Superwaffe".

Seitdem hat das Programm neben der jahrelangen Verzögerung noch eine Reihe von Fehlschlägen hinnehmen müssen. Der Höhepunkt war eine katastrophale Explosion im September 2024, als eine Rakete beim Start oder unmittelbar danach explodierte. Dabei wurde das unterirdische Silo der Sarmat-Rakete am Plesetsk-Kosmodrom im Norden Russlands vollständig zerstört.


Das Startsilo der Sarmat wurde im September 2024 nach einer katastrophalen Explosion zerstört.
via REUTERS/Maxar Technologies

Das für den Test am Freitag verwendete Raketensilo wurde kürzlich renoviert, möglicherweise um es für Sarmat-Tests umzurüsten. Der Startplatz in Plesetsk steht schließlich nicht mehr zur Verfügung. Der neuerliche Rückschlag wirft natürlich Fragen über den Zustand der russischen Raketenstreitkräfte auf.

Nach einer Reihe von Fehlschlägen versucht Russland nun, unbedingt wieder Drohpotenzial aufzubauen, wie Etienne Marcuz, Experte für strategische Waffen der Foundation for Strategic Research, auf X erklärt. Die gewählte Strategie lautet jetzt offenbar Ablenkung: Zwischen dem 3. und 7. Dezember wird der Start einer leichten Interkontinentalrakete (wahrscheinlicher einer RS-24 Yars) erwartet, zumindest legt dies eine offizielle Notice to Airmen, also eine Mitteilung an Luftfahrer, nahe.

"Dieser bevorstehende Start kommt unerwartet, da er nur etwas mehr als einen Monat nach dem Start einer Yars-Rakete während der strategischen Übung am 22. Oktober, ebenfalls von Plesetsk aus, stattfindet. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass es sich um einen Routinetest handelt", erklärt Marcuz.

"Meine Haupthypothese lautet, dass dieser Start darauf abzielt, die Glaubwürdigkeit der russischen nuklearen Abschreckung wiederherzustellen, die durch das Scheitern am 28. November untergraben wurde."

Der Start einer Yars ist für Russland ohne großes Risiko, gilt die RS-24 doch als die zuverlässigste Waffe ihrer Art im Arsenal Moskaus. Der Schaden bleibt dennoch, so Marcuz: Man könne zwar beweisen, dass die Abschreckung trotz Zuverlässigkeitsproblemen weiterhin funktioniert. Aber: Eine gewisse Nervosität in der Politik und dem Militär sei spürbar und offenbar herrsche das Bedürfnis, Macht zu demonstrieren, so der Experte. "Und das ist kein gutes Zeichen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit."

208 Tonnen Startgewicht
Russland verfügt über eine Reihe leichterer Interkontinentalraketen, die einzelne Sprengköpfe oder mehrere MIRVs (Multiple Independently-targetable Reentry Vehicles) mit jeweils eigenen Atomwaffen transportieren können. Theoretisch kann die Sarmat mit einem einzigen Start viel mehr Sprengköpfe zu weit entfernten Zielen befördern als alle ihre Schwestermodelle. Erstmals wurde die Waffe 2014 von russischen Militärs für das Jahr 2020 angekündigt, es kam aber zu Verzögerungen. Im Jahr 2016 wurde der Antrieb der ersten von drei Stufen erfolgreich getestet.

Die Rakete hat einen Durchmesser von drei Metern und eine Höhe von 35,3 Metern, wie aus dem CSIS Projekts "Missile Threat" hervorgeht. Die Sarmat hat ein Startgewicht von 208,1 Tonnen und kann 10 Tonnen an Sprengköpfen transportieren. Dabei können zehn große Sprengköpfe, 16 kleinere Exemplare oder sogenannte Hyperschallgleiter eingesetzt werden, die vom Orbit aus auf ihr Ziel zufliegen. Diese sollen in der Luft ihre Richtung ändern und dadurch die Raketenabwehr ausmanövrieren, wenn sie denn funktionieren.

Putin kündigt "Kampftests" noch 2025 an
Trotz der offensichtlichen Unzuverlässigkeit hat Machthaber Wladimir Putin angekündigt, die Sarmat-Rakete noch vor Ende des Jahres "Kampftests" zu unterziehen. Ab kommendem Jahr soll die Sarmat dann "im Kampfeinsatz" verwendet werden. Damit versuchte Putin wohl, Gerüchte zu zerstreuen, Russland könnte das Programm wegen der zahlreichen Fehlschläge komplett einstellen und stattdessen auf leichtere Interkontinentalraketen setzen. Kritik am Waffensystem gibt es jedenfalls auch aus den eigenen Reihen, wie Ars Technica berichtet: Dmitry Stefanovich, ein Forscher aus Moskau, schrieb in einem Social-Media-Beitrag: "Die Sarmat verdient es, eingestellt zu werden."
(pez, 2.12.2025)
Wunderwaffe Satan II am Boden: Putins Raketenprogramm hebt nicht ab
 
Oben