Türnitz - Ofenanlagen XI u. XII

#1
hallo!

ich habe gelesen dass es in Türnitz bzw. Traisen Luftschutzstollen bzw. alte bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg gibt!
kann mir jemand mehr dazu sagen, bzw. war einer vielleicht schon einmal dort?

mfg, sniper666
 

josef

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#4
Ofenanlage Türnitz

@sniper666:

Dein Ansinnen mit der Sonde auszurücken, wie ich bei www.schatzsucher.de las, bringt nicht viel! Das Gelände der ehemaligen Kleinraffinerie ist heute eine Siedlung und mit schmucken Häusern verbaut!

In den eingezäunten Gärten kann man noch diverse Fundamentreste von Kesselanlagen usw. erkennen, einige betonierte Streifenfundamente dienen auch als Basis für Garagen und Geräteschuppen.

Einsehen kann man das Ganze von einem Waldweg am Hang entlang dieser Siedlung, wo sich auch die Reste der großen Rohöltanks befinden. Am Wegrand befinden sich auch noch 2 Splitterschutzzellen (Einmannbunker...) und im anschliessenden kleinen ehemaligen Steinbruch der LS-Felsenstollen (eher eine Felsenhöhle) => alles unspektakulär!

Die Anlage befand sich in Fortsetzung des Bahnhofes entlang des Hanges. Besagter Waldweg beginnt nach dem alten Lokschuppen.

lg
josef

P.S.: Die Örtlichkeit in Traisen kenne ich nicht, dürfte am Hang hinter der Bahnstrecke gegenüber dem Voest/GF-Werk sein.
 
Q

Quarz

Guest
#5
Luftschutzstollen Traisen

Hi!

Der Luftschutzstollen in Traisen is ganz nett anzusehen, aber nichts spektakuläres.
Um alle Gänge zu besichtigen brauchst ca. 20 min.

Lg quarz
 

josef

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#6
Ofenanlage Türnitz - LS-Stollen

Bin derzeit auf Urlaub und schaute bei der Rückfahrt von einem Ausflug in die Ötschergegend in Türnitz vorbei. Dabei stellte ich fest, dass der am Foto in der Datenbank

Decknamen "Ofen XI und XII" - Türnitz

von F.Fink, ersichtliche Eingang zum LS-Stollen direkt beim Steinbruch durch eine von oberhalb der Felswand abgegangene Geröll-Mure verschüttet wurde. Der westliche LS-Stollen dient der örtlichen Feuerwehr zu Übungszwecken (Atemschutz...).

Alle übrigen Baureste in den Privatgärten sind noch vorhanden, um die 4 großen Rohöltanks entlang des Waldweges wird sogar der Rasen gemäht!

lg
josef
 

josef

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#12
Türnitz - Ofenanlagen XI u. XII am 22.06.2014

Am Sonntag, 22.06.2014 besuchten @Geist und ich das Gelände der ehemaligen Ofenanlage Türnitz.

Die Bauarbeiten der im Rahmen des "Geilenberg-Programmes" errichteten Ölraffinationsanlagen begannen am 1. August 1944 und bereits ab Anfang Oktober 1944 konnte der Betrieb kontinuierlich hochgefahren werden. Ausgelegt waren die Anlagen in Türnitz (wie die übrigen „Ofen-Anlagen“ in Österreich außer Ebensee)) für eine monatliche Verarbeitung von 6.000 t Rohöl (72.000 t pro Jahr) aus dem "Zistersdorfer Revier". Die Ausbringung war mit 3.000 t Benzin bzw. Diesel und 3.000 t Produktionsrückstände pro Monat festgelegt. (Dokument Bundesarchiv Freiburg, veröffentl. bei Feichtinger/Spörker; ÖMV-OMV – Die Geschichte eines österreichischen Unternehmens“ – S. 44). Die Produktionsrückstände wurden mittels Kesselwagen nach Ebensee (-> Dachs II) zur Weiterverarbeitung gebracht.

Obwohl, wie ich bei meinen vorherigen Besichtigungen 2000 und 2004 und nun 2014 feststellen musste, dass von Besuch zu Besuch diverse Objekte verschwanden, ist in Türnitz von den ehemaligen in Österreich betriebenen „Ofen-Anlagen“ noch am meisten erhalten!
So wurde zwischen 2000 und 2004 ein in die Steinbruch-Wand getriebener kurzer (LS- ?) Stollen durch eine Mure verlegt und von 2004 bis 2014 verschwanden eine Splitterschutzzelle und die Fundamente für die liegenden Stahltanks (Fertigprodukte) in einem privaten Hausgarten. Auch die gesamten Gleisanlagen am benachbarten Bahnhofsgelände wurden zwischenzeitlich entfernt…

Fotos Teil 1:

1. Lageskizze ( basierend auf einem Lageplan v. Bundesarchiv Freiburg).

2. Westende des ehem. Bahnhofes von Türnitz: Dort wo heute das Wohnhaus hinter dem Lokschuppen (links) und Lagergebäude (rechts) steht, wurden 2 Gleise ca. 700 m zur Bedienung der „Ofen-Anlage“ weitergeführt. Am Hang links vom Lokschuppen (nicht mehr am Bild) befindet sich der aufgelassene kleine Steinbruch, wo die 2 Destillationsanlagen installiert waren.

3. Der alte Steinbruch…

4. Fundamentrest im Steinbruchgelände.

5. – 6. Betonziegelrest und Blechrohr neben dem Steinbruch – eine Zuordnung zu den „Ofen-Anlagen“ ist nicht eindeutig möglich…
 

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josef

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#13
Türnitz - Ofenanlagen XI u. XII am 22.06.2014 - Teil 2

Fotos Teil 2:

7. Am Hang hinter den Objekten führt ein schmaler Waldweg vom Bahnhofgelände nach Westen. Kurz nach Beginn des Weges befindet sich eine gut erhaltene Splitterschutzzelle.

8. „Geist“ – Thomas machte im Innenraum der Zelle eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der dort lebenden Spinnen und Kellerasseln… :)

9. Fundamentreste im Bereich der ehem. Dampfkesselanlage.

10. – 12. Einige Details der 4 großen Stahlbetontanks…
 

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josef

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#14
Türnitz - Ofenanlagen XI u. XII - Veränderungen gegenüber 2004 - Teil 1

Nachfolgend die Veränderungen gegenüber meinen letzten Besuchen 2000 und 2004 - Teil 1:

1. Am Westende des Hangweges oberhalb des „Ofen-Geländes“ befand sich eine weitere Splitterschutzzelle. Diese konnten wir nicht mehr finden… Aufnahme der Zelle 2000 und –

2. Aufnahme 2004.

3. – 6. Die 2004 noch teilweise vorhandenen Fundamente der liegenden Stahltanks für die Fertigprodukte und diverse Mauerreste sind zwischenzeitlich ebenfalls verschwunden!
 

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josef

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#15
Türnitz - Ofenanlagen XI u. XII - Veränderungen gegenüber 2004 - Teil 2

Teil 2:

Gegenüberstellung von Foto 2004 mit einem vom 22.06.2014:

7. Foto aus 2004 – die am folgenden Bild von 2014 noch erkennbaren Strukturen von Begrenzungsmauern sind rot markiert.

8. Foto 2014 - die Holzhütte sowie die Einzäunung mittel Maschendrahtzaun ist entfernt und das Gelände im Bereich der ehemaligen Tankfundamente wurde aufgefüllt.

9. - 10. Nochmals die beiden Aufnahmen aus 2004 u. 2014 ohne der Markierung.
 

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Geist

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#16
„Geist“ – Thomas machte im Innenraum der Zelle eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der dort lebenden Spinnen und Kellerasseln… :)
Hab allerdings kaum welche gefunden. Die Splitterzelle war erstaunlich unbewohnt, auch Inschriften gab es keine.
 

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Geist

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#18
Auch einen dazugehörigen Luftschutzstollen haben wir gefunden. Der Eingang, bei dem wir hineingegangen sind, hatte keinen Druckwellenschutz durch versetzte Mauern, der hintere Eingang jedoch schon, siehe Fotos.
 

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Geist

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#19
Und die letzten Bilder vom Stollen. Das Bauwerk auf den letzten beiden Fotos liegt genau zwischen den Destillationsanlagen und den Rohöltanks etwas oberhalb des Weges im Gebüsch. Es ist vermutlich älter und war eventuell mal ein Kalkofen.
 

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otto

Reiseleiter
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#20
An der Stelle einmal vielen :danke an Josef und Thomas für die interessanten "Bilderbücher" zum Thema Ofenanlagen.

Gruß
Gerd
 
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