Teile eines einst vergrabenen Millionen-Goldschatzes wird in Zürich versteigert

josef

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Vergrabener Millionen-Goldschatz wird versteigert
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Gold- und Silbermünzen, die Jahrzehnte in Zigarrenkisten in einem Garten vergraben waren, werden am Donnerstag versteigert. Wo der Schatz mit einem Gesamtwert von rund 85 Millionen Euro versteckt war, ist ein gut gehütetes Geheimnis – die Versteigerung von 500 der 15.000 Münzen findet nur etwa eine Autostunde von Vorarlberg entfernt in Zürich statt.
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Die Geschichte klingt wie aus einem Abenteuerfilm oder Krimi: Ein reicher Sammler kaufte in den 1930er-Jahren auf der ganzen Welt historische Gold- und Silbermünzen. Dann ließ sich der Mann, den das auf alte Münzen spezialisierte Auktionshaus Numismatica Ars Classica nur „den Reisenden“ nennt, mit seiner jungen Ehefrau und Tochter in einem Land in Europa nieder – wo genau, ist bis heute geheim.

„Was er von 1929 bis 1939 erreicht hat, ist bemerkenswert“, erzählt Auktionshaus-Geschäftsführer Giuliano Russo im Interview mit dem ORF Vorarlberg: „Er hat eine der größten Sammlungen, die in dieser Zeit zusammengestellt worden sind, zustande gebracht. Nicht nur, was die Zahl der Münzen betrifft, 15.000 ist eine große Anzahl, sondern auch, was die Vielfalt betrifft“. Dieser Schatz ist derzeit mit 85 Millionen Euro versichert.

„Der Reisende“ kaufte Münzen auf der ganzen Welt
Die Herkunft der Münzen hat der reisende Sammler penibel genau belegt: „Wir wissen, dass er Münzen von Händlern in Italien, Spanien, Portugal und den USA gekauft hat. Er ist viel gereist“. Der Sammler habe die Kostbarkeiten ab 1929 zunächst als Wertanlage gekauft, schnell wurde daraus eine Leidenschaft.

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Auktionator Giuliano Russo mit ORF-Korrespondentin Marion Flatz-Mäser und einem kleinen Teil der Sammlung
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Dazu gehört das Sahnestück der Versteigerung: Eine Münze, die fast so groß wie ein Bierdeckel ist. Sie steht mit rund 1,35 Mio. Euro Schätzpreis im Katalog. Sie besteht aus 346 Gramm Gold und zeigt Ferdinand III. (1608–1657), den König von Ungarn, Kroatien und Böhmen und späteren römisch-deutschen Kaiser.

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Der reisende Sammler hat zwischen 1929 und 1939 rund 15.000 Münzen auf der ganzen Welt gekauft. Die Herkunft der Münzen sei penibel genau belegt. Man wisse, dass er Münzen von Händlern in Italien, Spanien, Portugal und den USA gekauft hat. Insgesamt ist die Sammlung mit rund 85 Millionen Euro versichert.

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Rund 500 der 15.000 Münzen kommen jetzt in Zürich unter den Hammer, erzählt Russo. Die Münzen waren in Papiertütchen verpackt, die in Zigarrenkisten gelegt wurden, die wiederum in Metallkisten verpackt und im Garten vergraben wurden von dem Sammler und seiner damals jungen Frau.

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Als die deutschen Soldaten dann tatsächlich kamen, habe „der Reisende“ einen Schlaganfall erlitten und sei kurz darauf gestorben. Die Münzen blieben bis in die 1990er-Jahre im Garten vergraben, weil die Witwe sie nicht gebraucht habe.

Als die Nazis kamen, wurde der Schatz vergraben
Einen kleinen Teil der rund 15.000 Münzen deponierte der Reisende zuvor an verschiedenen Orten auf der Welt, den größten Teil des Schatzes hat er jedoch an seinem Wohnort gelagert. Als dort der Einmarsch der Nationalsozialisten drohte, habe er den Großteil seiner Sammlung in Papiertütchen verpackt in Zigarrenkisten gelegt.
„Als es zu spät war, mit der Sammlung zu fliehen, hat er beschlossen, die Münzen zu vergraben. Mit der Unterstützung seiner jungen Frau hat er sie in seinem Garten vergraben“, berichtet Russo. Die Zigarrenkisten waren in Metallkisten verpackt und die hatten einen Bleimantel. Als die deutschen Soldaten dann tatsächlich kamen, habe „der Reisende“ einen Schlaganfall erlitten und sei kurz darauf gestorben.

Witwe traute den Banken nicht
Die Witwe des Sammlers ließ die Münzen jahrzehntelang vergraben: „Die junge Frau war eine kluge und außergewöhnliche Person“, erzählt Russo: „Sie kam nach dem Krieg gut zurecht und hat die Münzen nicht gebraucht. Außerdem dachte sie, die Münzen sind unter der Erde sicherer als im Haus. Sie habe den Banken nicht getraut und wollte nicht, dass jemand von der Sammlung weiß“. Sie habe ihre Familie erst hochbetagt informiert und die Münzen in den 1990er Jahren ausgraben lassen. Die Russos kennen die Familie.

Experte bestätigt die Geschichte
Auch der renommierte deutsche Münzen-Experte Christian Stoess, der den Katalog für die Auktion erstellt hat, weiß, wer den Schatz versteigern lässt. Alle verbürgen sich für die Geschichte. Sie haben den Nachfahren aber Verschwiegenheit versprochen und reden nur von der „Sammlung des Reisenden“. Auch Stoess verrät nichts über die Nationalität, geschweige denn Identität des Sammlers. Der habe seine Käufe in Büchlein in verschiedenen Sprachen vermerkt.

„Man sieht es manchen Münzen an, dass sie lange Zeit in der Erde waren“, sagt Stoess. Von eindringendem Wasser zeugten auch die teils vergammelten Papiertütchen. „Ich finde es nicht unglaubhaft, dass die Witwe die Sammlung so lange Zeit in der Erde ließ, wo sie die Nazis überstanden hat“, sagt er. „Die Familie hat genügend Geld, sie brauchte einen Erlös aus der Sammlung nicht“. Die Russos bekamen den verbuddelten Schatz nach eigenen Angaben erst 2022 in die Hände.

Sammlung kein Raub- oder Fluchtgut
Bei wertvollen Sammlungen aus den 1930er-Jahren kommt schnell die Frage auf, ob es sich um Raub- oder Fluchtgut von jüdischen Verfolgten handeln könnte. Laut Stoess ist aber der allergrößte Teil der Sammlung über jeden Verdacht erhaben. Der Sammler habe seine Kollektion vor der Machtergreifung der Nazis über Händler gekauft, und 90 Prozent stammten aus Sammlungen, die Zukäufe schon vor 1933 abgeschlossen hatten.

Goldmünze, groß wie ein Bierdeckel für 1,35 Mio.
Viel kommt etwa von dem amerikanischen Banker Waldo Newcomer, der eine große Sammlung hatte, im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre aber in Finanznot geriet und verkaufen musste. Dazu gehört das Sahnestück der Versteigerung, eine Münze, die fast so groß wie ein Bierdeckel ist. Sie steht mit 1,25 Millionen Franken (rund 1,35 Mio. Euro) Schätzpreis im Katalog. Sie besteht aus 346 Gramm Gold und zeigt Ferdinand III. (1608–1657), den König von Ungarn, Kroatien und Böhmen und späteren römisch-deutschen Kaiser. Er habe sie während des Dreißigjährigen Kriegs 1629 als Geschenk für einen hohen Würdenträger prägen lassen, sagt Stoess.
06.11.2025, red, vorarlberg.ORF.at
Vergrabener Millionen-Goldschatz wird versteigert
 
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