Ticom

H

hebbel

Guest
#1
Hier auszugsweise die Geschichte einer speziellen Einheit die sich bei Kriegsende in Deutschland aufhielt, soweit sich diese überhaupt rekonstruieren lässt.

Was ist TICOM?

"TICOM" ist der Deckname für das "Target Intelligence Committee", einer reinen Anglo-Amerikanischen Organisation gegründet mit dem Ziel, die deutschen nachrichtendienstlichen Anstrengungen zur Informationsgewinnung im drahtgebunden und drahtlosen Sektor der Nachrichtenverbindungen in Verbindung mit den verwendeten kryptographischen und kryptoanalytischen Methoden zu untersuchen.
TICOM war aber schon etwas mehr als in den nachfolgend genannten Zielen dargestellt. Die „Reichweite“ TICOMs erfasst auch den beginnenden „Kalten Krieg“ und VENONA, einem Gemeinschaftsprojekt der Geheimdienste der USA und des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 zur Entschlüsselung von Geheimnachrichten offizieller sowjetischer Stellen in den USA, die in der Zeit von 1938 bis 1945 aufgezeichnet wurden. VENONA führte zur Enttarnung einer Vielzahl sowjetischer Spione, bis hin zu den bekannten „Atom“-Spionen. [8]

Hier der initiale Befehl des Vorgesetzten EISENHOWERs, des Chief of Staff, US-Army, George Catlett Marshall, Jr. an diesen:

WAR DEPARTMENT
THE CHIEF OF STAFF
WASHINGTON
7. August 1944

Lieber Eisenhower:
Bezug nehmend auf mein Radiotelegramm an Sie vom 7. August bezüglich der Organisation eines amerikanischen Teams, um mit der britischen Government Code and Cipher School in Untersuchungen zu deutschen Nachrichtendiensttätigkeiten auf dem Gebiet der Signals Intelligence zu partizipieren, füge ich eine Liste von Themen für die Untersuchung bei. Den beigefügten ersten vier Untersuchungszielen in priorisierter Form sollte primäre Aufmerksamkeit zukommen. Diese Liste sollte als ein einleitender Führer in den frühen Stadien der Untersuchungen verstanden werden, bis diese dann im Rahmen der Ermittlungen selbst einen erweiterten Rahmen annehmen.

Mit freundlichen Grüßen
G. Marshall

General D.D.Eisenhower
Supreme Headquarters
Allied Expeditionary Force
London, England

THEMENLISTE DER UNTERSUCHUNGEN

1. Komplette kryptographische und kryptoanalytische Daten auf Datenträgern in den deutschen Zentren, ebenso wie Ausrüstungen und Gebrauchsanweisungen, vorgenannte Daten betreffend.

2. Informationen über den Austausch kryptographischer und kryptoanalytischer Erfahrungen der Deutschen mit ihren Verbündeten, ebenso wie kryptographische und kryptoanalytische Methoden der deutschen Verbündeten, soweit sie den Deutschen bekannt sind.

3. Ausrüstungen die für den Empfang und die Peilung Verwendung finden; spezielle Gerätschaften und Methoden zur schnellen Übermittlung des Rohmaterials an die kryptoanalytischen Zentren.

4. Verwendete Methoden und Prozeduren der Funkverkehrsanalyse.

5. Verwendete Methoden und Prozeduren der Korrelation und Zusammenführung der Informationen aus Funkverkehrsanalyse und Kryptoanalyse.

6. Sprachverschlüsselungs-Geräte, kryptographische Faksimileverschlüsselung und alle Non-Morse kryptographischen Ausrüstungen, welche für drahtgebundene und drahtlose Verbindungen Verwendung finden.

7. Die chemischen Namen ebenso wie der militärische Verwendungszweck aller Geheimtinten und die Formeln für die Herstellung, Details für die Herstellung von Mikro-Photographien und diesbezügliche Details aller Methoden, gleich ob Film oder Papier.

8. Komplette Information über die Lenkwaffen HS-293 und FX-1400, zusammen mit den kompletten Details vergleichbarer Fernlenkwaffen.

Der Befehl EISENHOWERs an den Direktor der Signal Intelligence Division (Office of the Chief Signal Officer) ETOUSA, Colonel George A. BICHER

HEADQUARTERS
EUROPEAN THEATER OF OPERATIONS
OFFICE OF THE COMMANDING GENERAL
SHAEF/ISC/41 9 October, 1944

SUBJECT: Investigation of German Signal Intelligence Centers, Personnel and Equipment.

TO: Colonel George A BICHER,
Signal Intelligence Division,
OCSIGO, ETOUSA, APO 887.

1. Der Chief of Staff, U. S. Army, wies in einem Schreiben an den Supreme Commander, Allied Expeditionary Force vom 7. August 1944 an, dass eine amerikanische Organisation zusammen mit den Briten in Pläne für eine komplette Untersuchung Deutscher Signal Intelligence Zentren, dessen Personals und Ausrüstungen vor und nach Beendigung der feindlichen Handlungen eingebunden werden soll.

2. Als Direktor, Signal Intelligence Division, Office of the Chief Signal Officer, ETOUSA, werden sie gemäß vorstehend genannten Briefes ermächtigt, die notwendige Zusammenarbeit mit den britischen Autoritäten in diesem Bezug herzustellen und Pläne für unser Hauptquartier zu erstellen, die die Wünsche des Chief of Staff, U. S. Army zur Ausführung bringen.

3. In diesem Zusammenhang werden sie weiterhin informiert, dass mit dem Brief vom 6. September 1944, der Chief of Staff, U. S. Navy angewiesen hat, dass die U. S. Navy in dieser Mission mit der U. S. Army zusammen arbeitet, und der Lieutenant Commander Robert B. Ely USNR die Leitung der U. S. Navy Beteiligung übernimmt. Auf der Grundlage der Regelungen in diesem Brief ist Lieutenant Commander Ely und das daran beteiligte gesamte Navy-Personal ihrer Leitung unterstellt.

Auf Befehl General EISENHOWERs
T. J. BETTS,
Brigadier General

Zunächst wurden vier Hauptziele definiert und berücksichtigt:
1. Einschätzung und Verbesserung der alliierten Code/Verschlüsselungs-Sicherheit durch Beiziehung deutschen kryptoanalytischen Materials und Untersuchung der Erfolge der Deutschen mit britischen und amerikanischen (Verschlüsselungs)Systemen.

2. Evaluierung des Know-Hows der Deutschen zu japanischen (Verschlüsselungs)Systemen.

3. Untersuchung der Pläne und Forschungen/Entwicklungen der Deutschen, ihre eigene kryptographische Sicherheit zu erhöhen.

4. Dezentralisierung des deutschen kryptoanalytischen Personals und Zerstörung der Installationen/Gerätschaften nach den Untersuchungen, um eine Wiederaufnahme der deutschen kryptoanalytischen Anstrengungen nach Beendigung des Krieges zu verhindern.

"TICOM" Missionen und Operationen

Die initialen Planungen wurden hauptsächlich in der Government Code and Cypher School (GC&CS) (Die GC&CS ist gleichbedeutend mit "Bletchley Park" (BP)) in England durchgeführt. Die Quelle [1] nennt zwar für den britischen Part keine Namen, aber die Records in den National Archives geben hier zuverlässig Auskunft. Auf britischer Seite war der hier im Forum bereits erwähnte Wing Commander Oscar Adolph OESER (RAFVR) in die Planungen eingebunden.
OESER´s Tätigkeiten seit 1942 lassen sich wie folgt charakterisieren:
- Koordinierung der Tätigkeiten der verschiedenen Bereiche in BP, z.B. Huts (Baracken) und der Morse-Code-Analyse-Sektion in BP (HW 14/40, 1942; HW 14/92, 1943)
- Untersuchung erbeuteter kryptographischer Dokumente und Geräte; Instruierung der lokalen Kommandeure unter den Gesichtspunkten des Umgangs mit erbeutetem feindlichen SIGINT-Material und der Bedürfnisse BP´s, auch vor Ort (z.B. Mittlerer Osten), (HW 14/83, 1943; HW 14/85, 1943; HW 14/88, 1943; HW 14/90, 1943; )

Die folgenden Records gebe ich mal im Original an:

14/100, 1944: Wing Cdr Oeser of Hut 3 to give lecture Mar 31 on intelligence value of Fish;

HW 14/111, 1944: Wing Cdr Oeser of Hut 3 to EWT Sept 14 suggesting he be permitted to go to France to brief T Force officers of 21 and 12 AGs on nature of captured cypher documents required by GCCS;

HW 14/112, 1944: EWT to Maj Gen Strong at SHAEF Sept 18 on sending Wing Cdr Oeser to brief T Force officers on GCCS requirements for captured comms' documents; Lt Col Blair-Cunnynghame in France to Wing Cdr Oeser of Hut 3 re new variant of Enigma captured in S France, machine being sent by US Signals Col to Washington Sept 30;

HW 14/113, 1944: Wing Cdr Oeser of Hut 3 to DD 1 Oct 13 re circulation of captured E[nemy] material;

HW 14/114, 1944: chairman of SB to SHAEF Oct 22 on behalf of Wing Cdr Oeser of Hut 3 re suspected items of importance left behind by Germans at Rothschild's Chateau Fontaine, replies Oct 25/26; Gen Strong at SHAEF to WO for MI-6 Oct 29 re T Force operations in Berlin area against German Sigint targets; 21 AG to Wing Cdr Oeser at BP Oct 29, captured E[nemy] keys being sent to BP; FHH Hinsley of NS to DD 1 Oct 19 re minutes of 2nd meeting of TICOM held on Oct 13 requesting comments, minutes of 3rd TICOM meeting Oct 23;

HW 14/119, 1945: EWT to Maj Gen Strong at SHAEF Jan 12 proposing visit to SHAEF prior to visiting Washington by Wing Cdr Oeser of Hut 3, who specialises in targeting likely areas for capture of E[nemy] docs and equipment, Strong agrees Jan 13;

[STRONG, Sir Kenneth William Dobson (1900-1982), Major General, Head of General Dwight D.Eisenhower's Intelligence staff [G-2] bei SHAEF]

HW 14/120, 1945: Col Bicher and Wing Cdr Oeser at SHAEF to BP Jan 23 RE TICOM targets, Oeser to BP Jan 24 re TICOM plans;

Den US-amerikanischen Part füllte, wie schon oben erwähnt, der Direktor der Signal Intelligence Division (Office of the Chief Signal Officer) ETOUSA, Colonel George A. BICHER aus.

Es wurden detaillierte Dokumente zur Lokation und zum Personal der bedeutsamsten deutschen kryptoanalytischen Institutionen/Organisationen erstellt. Hierzu wurden sämtliche verfügbaren Quellen, auch ULTRA, verwendet. Im Ergebnis wurden sechs Ziele (mit britischer "Zielansprache") im Großraum Berlin definiert.

Priorität I

- Die Chiffrierabteilung beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW/Chi). Diese auch deshalb, weil man annahm, dass OKW/Chi auch die maßgebliche Stelle für die Kryptoanalyse der diplomatischen Codes ist.

Priorität II

- Heeresinspektion 7/VI (OKH/In 7/VI), Raum Jüterbog
- SIGINT-Abteilung beim Oberkommando der Luftwaffe (OKL/Ln Abt./350), Potsdam-Wildpark
- SIGINT-Abteilung beim Oberkommando der Marine (OKM/4 SKL/III), später Eberswalde

Priorität III

- SIGINT-Kontrollstation des Oberkommandos des Heeres (OKH/Chef HNW/LNA), Zossen
- Hauptquartier der Admiralität "Koralle", Gebiet um Lanke

Bemerkenswert ist, dass die Zielliste weder Görings Forschungsamt, noch Pers Z des Auswärtigen Amtes enthält. Das sollte sich in der Folge jedoch ändern.

Bei den genannten Zielen handelte es sich um Klasse "B" Ziele, große SIGINT-Installationen, die durch TICOM-Spezialisten untersucht werden sollten. Klasse "A" Ziele waren kleinere SIGINT-Installationen, die nach den gleichen Richtlinien durch TICOM-Spezialisten untersucht werden sollten, wenn solche angefordert wurden.
Da klar war, dass diese Ziele in einem Gebiet lagen, welches mutmaßlich von der Roten Armee besetzt werden würde, wurden Pläne ausgearbeitet, die TICOM-Teams parallel mit der T-Force Berlin im Rahmen einer Luftlandeoperation operieren zu lassen. Die Planungen für diese Operationen waren im Dezember 1944 fast abgeschlossen.
Im Februar 1945 reifte die Erkenntnis, dass diese Pläne nicht weiter verfolgt werden konnten. Entscheidende Faktoren für die Abkehr von den ursprünglichen Plänen waren der rasche Vormarsch der Alliierten, die mit den ursprünglichen Plänen verbundenen taktischen, administrativen und diplomatischen Probleme sowie die Dezentralisierung der avisierten SIGINT-Zentren, deren Verlagerung bzw. bevorstehende Verlagerung.

Im März 1945 wurden die Pläne revidiert und es wurden wiederum sechs US-British TICOM-Teams aufgestellt und folgenden Zielen zugeteilt:

Team #1 Gebiet Berchtesgaden, Kommunikationseinrichtungen der verschiedenen Waffengattungen. Suche nach Spuren von OKW/Chi. Aufsuchen des früheren, zeitweiligen Hauptquartiers von Görings Forschungsamt und Gefangennahme einer Hand voll Mitarbeitern. Sicherstellung des Funk-Geheimschreiber Zuges (LKW) Feldmarschall Kesselrings. auch [2]

Team #2 Gebiet Berchtesgaden zur besonderen Verwendung, speziell Gebiet Insbruck, Kommunikationseinrichtungen der verschiedenen Waffengattungen.

Team #3 Gebiet Halle-Leipzig-Weimar, speziell Burgscheidungen und Zschepplin, Chiffrier/De-Chiffrierspezialisten ("Pers Z Chi" und "Pers Z S") des Auswärtigen Amtes.

Team #4 Gebiet Ebermannstadt (Burg Feuerstein), Laboratorium Dr. Oskar Vierling.

Team #5 Nur zwei Offiziere, die die Tauchoperationen im Schliersee beaufsichtigten, welche eine Menge OKW/Chi-Material zu Tage förderten.

Team #6 Gebiet Neumuenster-Ploen-Flensburg, Kommunikationseinrichtungen OKM (OKM/4 SKL/III). Gemäß [3]: Sicherstellung eines PETSAMO-Codebooks, welches die Finnen den Deutschen überlassen hatten. Verbringung von Dr. Erich Hüttenhain, Chef-Kryptologe OKW/Chi sowie einer weiteren Person, die in Görings Forschungsamt tätig war, aus der Gefangenschaft in Schloß Glücksburg an einen anderen Ort durch Oliver S. Kirby.

Bei der erneuten Zielauswahl hat man sich wohl auch maßgeblich auf ULTRA-Aufklärungsergebnisse verlassen, denn man kannte verschiedene Kommunikationsendpunkte und Verlagerungsstandorte. Eine kleine Auswahl von ULTRA-Reports: [6]

Datum - Message-No. - Kurzbeschreibung

11. Februar 1945 - BT 5959 - Aufbau einer OKL Kommunikationseinrichtung (OKL-Signals site construction) in Wasserburg/Inn (Erstes Anzeichen für die ULTRA-Auswerter, dass Elemente des deutschen Oberkommandos sich in den Südraum (respektive „Alpenfestung“) absetzen.)

3. März 1945 - BT 6180 – OKW-Suche nach Unterkunft für 250 Zivilisten im Raum Weimar. Kommentar von BP-Staff: Diese Zivilisten arbeiten für die OKW-Kryptographie. Thüringen ist Sammelraum für weitere Absetzbewegungen nach dem Süden.

20. März 1945 - BT 7796 – Bestätigung: Thüringen ist Sammel –und Verlagerungsraum; Benutzung des Decknamens "Olga".

25. März 1945 - BT 8308 – Ein SS Batallion wird nach Lauterberg am Harz verlegt.

26. März 1945 - BT 8465 - Der Deckname "Olga" bezeichnet Ohrdruf. (“Olga now believed to be ‘fair indications’ at Ohrdruf.”) OKL Directorate of Signals und andere OKL staff sections in Weimar-Nohra.

Kleine Einfügung:
Diese Bestätigung Ohrdrufs fand dann wohl in folgendem Befehl Ausdruck: “Am frühen Abend des 31. März überbrachte ein Verbindungsoffizier vom 12. Korps den mündlichen Befehl, der dem Vormarsch eine neue Richtung verlieh. Der Aktionsplan basierte auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen die aufzeigten, dass sich Einrichtungen des deutschen Oberkommandos sowie bedeutende politische Organisationen in stark verteidigten unterirdischen Lokationen [na ja :D] in einem natürlich geschützten Terrain östlich des bergigen Thüringer Waldes aufhalten. Bestimmte Kommunikationszentren wurden als Ziele ausgewählt. Die 4th Armored Division soll nordöstlich und südöstlich einer Autobahn im Norden des Thüringer Waldes vorstossen und Gotha sowie Ohrdruf einnehmen.“ [5]

27. März 1945 - BT 8569 - Lokationen der OKW staff echelons A, B, und C; OKL im Südraum (“Alpenfestung”) präsent. ( via „Alpen“ exchange)

29. März 1945 - BT 8788 - OKL operations staff in der Flak-Kaserne Weimar.

4 April 1945 - BT 9458 - Befehl, unverzüglich Wildflicken nach Traunstein zu evakuieren.

8 April 1945 - BT 9843 - Himmlers personal staff nach Salzburg verbracht.

8 April 1945 - BT 9871 - OKL- Abteilung für geheime Dokumente nach Salzburg transferiert.

10 April 1945 - KO 69 - “Olgas” rückwärtige Verbindung ist “Roon”. (Das stiftete zunächst Verwirrung in BP, aber man hatte mitbekommen, dass im ursprünglichen Verlagerungsraum „Olga“ vermutlich die „Vöglein ausgeflogen“ waren, denn bereits in der ersten Aprilwoche wurden keine Nachrichten für den ursprünglichen Raum „Olga“ registriert.

15 April 1945 - KO 495 - Verlegung eines SS Signal Regimentes. Jetzt in Rosenheim.

19 April 1945 - KO 796 - “Roon“ ist Reichenhall; „Hagen“ ist Hallein; „Susanne“ ist Salzburg.

20 April 1945 - KO 887 - Kesselring befiehlt die Versorgungsoffiziere nach Traunstein.

22 April 1945 - KO 1078 - OKL Bodenorganisation 1 in Berchtesgaden, Bodenorganisationen 2 und 3 in Wasserburg/Inn.

22 April 1945 - KO 1106 - Gebirgsjäger Ersatzeinheiten in Berchtesgaden, Himmler reserviert Einheiten für die Verteidigung des Salzburger Gebietes.

24 April 1945 - KO 1246 - OKH-West Kommunikationszentrum in Ruchbach.

25 April 1945 - KO 1361 – “Susanne” ist gleichbedeutend mit der Lokation „Alpen“. OKH battle headquarters in Bad Reichenhall.

25 April 1945 - KO 1380 – Amerikanische Panzer unterbrechen die Verlagerungsroute bei Cham.

25 April 1945 - KO 1381 - Von Hengl kann über “Alpen exchange” erreicht werden.

26 April 1945 - KO 1444 – Hitlers Direktive vom 25. April für die Reorganisation des OKW; Winter wird zum OKW-Kommandeur für die Operationen im Südbereich ernannt.

27 April 1945 - KO 1509 - Kesselrings Hauptquartier in Strub.

27 April 1945 - KO 1558 – Jodls Befehl vom 25.04. an Kesselring, Vietinghoff, Schoerner, Rendulic, Loehr und Winter, zuerst den kommunistischen Erzfeind zu bekämpfen. Große Gebietsverluste ggü. den Anglo-Amerikanern sind hierbei unbedeutend.

29 April 1945 - KO 1695 – Die Oberkommandierenden dürfen selbständige Entscheidungen treffen, wenn dies notwendig ist.

29 April 1945 - KO 1698 – Standorte vieler SS-Einheiten.

30 April 1945 - KO 1750 - Himmler befiehlt Kaltenbrunner eine Sende/Empfangsstation südlich von Bad Tölz zu verbringen.

30 April 1945 - KO 1776 - OKH Directorate of Signals in der Nähe von Bad Reichenhall.

1 May 1945 - KO 1829- Österreichische Städte warden als Hauptquartiere vorbereitet.

2 May 1945 - KO 1852 - Himmler befiehlt Obergruppenfüherer Berger die SS-Einheiten zu sammeln. “Verteidigen Sie für mich den Zugang zur Alpenregion.“

2 May 1945 - KO 1866 – Kesselrings Meldung, den Zustand der Streitkräfte betreffend.

2 May 1945 - KO 1879 – SS-Einheiten in den Bergen Tirols.

5 May 1945 - KO 2030 - OKW staff plant nach Zell am See zu verlegen.

6 May 1945 - KO 2059 - Battle Headquarters des Oberkommandierenden West verlegt nach Alm.

Ein Beispiel für eine ULTRA Message: [6]

Ref: GX / MSS / T533 / 61 KO 1776

ZZ

KO 1776 £ 1776
SB 77 £ 77 PK 63 £ 63
SG 13 £ 13 WM 28 £ 28 NK 7 £ 7 LF 76 £ 76 SH 14 £ 14
WA 732 £ 732 %

ACCORDING ( FAIR INDICATIONS OKH £ OKH ) ONE SIX HOURS
TWENTYNINTH, WIRELESS CENTRE SOUTH AT BAD REICHENHALL £
BAD REICHENHALL ZEBRA EIGHT ONE, DITTO NORTH AT PLOEN £
PLOEN NAN SEVEN TWO

NB / NYD / LBS 302329Z / 4 / 45

Glossar

BP - Bletchley Park
ETOUSA - European Theater of Operations, United States Army
FISH - Zusammenfassender britischer Codename für die deutschen "Geheimschreiber" T52B/C/D/E (brit. Codename "“STURGEON”") und “SZ-40/SZ-42 (brit. Codename "TUNNY”")
GC&CS - Government Code and Cypher School
HW 14/40 u.a. - Records in den National Archives (NA) Kew, Great Britain
OCSIGO - Office of the Chief Signal Officer
RAFVR - Royal Air Force Volunteer Reserve
SHAEF - Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force
SIGINT - Signals Intelligence, (Nachrichtendienstliche) Informationsgewinnung, üblicherweise aus abgehörten Funksignalen (COMINT (Communication Intelligence)) und der Erfassung und Analyse anderer elektronischer Signale (ELINT (Electronic Intelligence)).

Quellen:

[1] "EUROPEAN AXIS SIGNAL INTELLIGENCE IN WORLD WAR II AS REVEALED BY "TICOM" INVESTIGATIONS AND BY OTHER PRISONER OF WAR INTERROGATIONS AND CAPTURED MATERIAL; PRINCIPALLY GERMAN" vom 1. Mai 1946, Top Secret, Identifier "Cream", deklassifiziert und freigegeben am 06.01.2009 durch die NSA
[2] Oral History Interview mit Arthur J. LEVENSON vom 25.11.1980, "M" Conference Room, NSA, Fort Meade, Klassifizierung Secret Comint Channels, deklassifiziert und freigegeben durch die NSA am 17.09.2008, FOIA Case # 43369
[3] Oral History Interview mit Oliver R. Kirby vom 11.06.1993, Center for Cryptologic History, Conference Room in FANX III, Top Secret, Identifier "Umbra", deklassifiziert und freigegeben durch die NSA am 17.09.2008, FOIA Case # 43369
[4] Technical History of 6813th Signals Security Detachment, verfertigt für den - Director Signal Intelligence Division, Office of the Chief Signal Officer, Headquarters, United States Forces, European Theater, APO 757, United States Army - vom 20.10.1945, Top Secret, Identifier "U"[Umbra], deklassifiziert am 25.3.1975. Angehörige dieser US-Einheit waren in BP stationiert und stellten auch US-TICOM –Mitglieder.
[5] After Action Reports der 11th Armored Division vom 1. April 1945 bis 8. Mai 1945.
[6] Master-Arbeit eines US-Majors, darin enthalten Auszüge aus den ULTRA-Reports, British Public Records Office. ULTRA Documents. New York: Clearwater Publishing Company, Inc., 1978. Microfilm
[7] Nigel West, VENONA, The greatest secret of the cold war, Harper Collins Publishers 1999, ISBN 0 00 257000 9
[8] The VENONA Story, Published by the Center for Cryptologic History, National Security Agency, 9800 Savage Road, Suite 68866, Fort George G. Meade

Na ja. :D Ist etwas länger geworden. Wird fortgesetzt...

Gruss
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#2
TICOM Team #4 - Laboratorium Feuerstein - Dr. Oskar Vierling

Geschichte des Laboratoriums Feuerstein

Das Laboratorium Feuerstein des Dr. Oskar Vierling war wohl das am intensivsten untersuchte Ziel eines TICOM-Teams. Alle Angaben hierzu sind der Primärquelle [1] entnommen.
Das Laboratorium lag auf einem kleinen Berg in der Nähe von Ebermannstadt und wurde 1941 von Dr. Oskar Vierling als Labor zur Forschung in der Hochfrequenztechnik und Elektroakustik erbaut. Für das Verständnis des Ganzen ist ein kurzer Einblick in die Personalie VIERLING erforderlich.

Zu grundsätzlichen Daten der Vita siehe -> http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Vierling

Am Heinrich Hertz Institut für Schwingungsforschung der TH Berlin blieb er zehn Jahre. Er führte auch privat Forschungsarbeiten für verschiedene Konzerne aus, deren Erlöse er für sich verwenden konnte. Im Gegensatz zum WiKi-Artikel gab VIERLING gegenüber den TICOM-Mitarbeitern an, dass die Aufstiegschancen in Hannover sehr gering waren und er vor hatte, bei SIEMENS einzutreten, ihm aber empfohlen wurde, ein privates Laboratorium zu gründen. Dies tat VIERLING und erhielt von SIEMENS eine monatliche Vorschuss-Zahlung von 2.000 Reichsmark als Option auf alle gemachten Erfindungen.

Als dieses Laboratorium [Keine direkte Angabe wo dieses lokalisiert war, aber vermtl. Hannover.] ausgebombt war, erwarb VIERLING das Gelände auf dem Feuerstein und begann mit dem Bau des Laboratoriums. Da Dr. VIERLINGs Mittel dafür nicht ausreichten, suchte er um finanzielle Unterstützung durch die Wehrmacht nach. Deren Bedingungen hätten ihn aber der Kontrolle über seine Unternehmungen beraubt und VIERLING konnte sich einen Bankkredit sichern, der ihm die Vollendung der Arbeiten ermöglichte. Eine kleine Gruppe unter der Leitung von Dr. SENNHEISER verblieb in der Umgebung von Hannover. SENNHEISER war ein Partner VIERLINGs, der eine kleine Beteiligung am Laboratorium erworben hatte.

Von der Fertigstellung 1942 bis zum Kriegsende war das neue Laboratorium Feuerstein unter Beobachtung der Partei. Aus zweckdienlichen Gründen trat VIERLING in die NSDAP ein, aber er scheint auffällig geworden zu sein weil er den Fehler beging, [keine?] Parteiversammlungen zu besuchen und [keinerlei?] Parteifunktion zu übernehmen.
Es wurden enge Verbindungen zu großen produzierenden Konzernen eingegangen, die die Entwicklungen übernahmen, sobald sie Produktionsreife erreichten. Nach Dr. VIERLINGs Meinung konnte er sein Laboratorium halten, weil die Großkonzerne kein Interesse daran hatten Forschung im militärischen Bereich zu treiben, wenn diese nicht auch einer Nachkriegsnutzung zugeführt werden konnten.
Durch seine guten Verbindungen zur Wehrmacht konnte VIERLING trotz seines schlechten Standes bei der Partei bedeutende Aufträge akquirieren und ebenso einige Langzeitprojekte bearbeiten, die keinen militärischen Bezug hatten.

Kurz vor dem militärischen Zusammenbruch wurde Dr. VIERLING angewiesen, die Projekte der Sprachverschlüsselung in die bayerischen Alpen zu verbringen. Möglicherweise wurde noch ein kleines Laboratorium in der Nähe von Lofer (Gebiet Berchtesgaden) unter Leitung von Dr. GÖING eingerichtet. [Mit Dr. GÖING ist noch eine „brisante“ Geschichte verbunden, die die Amerikaner belegen konnten, welche ich hier aber nicht wiedergeben möchte.] Dr. VIERLING ergriff hierbei die Gelegenheit sich seiner überzeugtesten Nazis zu entledigen, indem er die Begründung vorbrachte, dass gerade diese die geeignetsten Personen sind, die Gerätschaften in den Süden zu verbringen. Ebenso wurde angeordnet, dass alle verbliebenen Projektunterlagen und Gerätschaften zu vernichten bzw. zu zerstören sind.

Als die Nazis sich verzogen hatten, verbarg er die meisten Teile seiner wertvollsten Ausrüstung in den bombensicheren Gewölben, sicherte diese vor Entdeckung durch eine „falsche“ eingezogene Wand und verbarg andere Teile in der näheren Umgebung. Dann wartete er die weitere Entwicklung ab.

Zum Zeitpunkt als das Laboratorium durch das TICOM Team #4 aufgesucht wurde, war es als Lazarett in Nutzung . Als Dr. VIERLING und einige seiner Mitarbeiter aufgefunden wurden, zeigten diese sich bereit über ihre Arbeiten zu berichten, im Wiederaufbau des Laboratoriums bis zur Betriebsfähigkeit mit zu wirken und die demontierten Projektteile wieder zusammen zu setzen. Zirka 30 Personen waren unter Leitung der TICOM-Spezialisten am Werk. Dr. VIERLING hoffte, dass dies ihm ermöglichen würde seine Leute weiter in der nichtmilitärischen akustischen Forschung zu beschäftigen.

Das Laboratorium bestand aus dem Haupthaus, zwei kleineren Speziallaboratorien, Dr. VIERLINGs Haus und einigen Lagerräumen. Diese Räumlichkeiten wurden detailliert beschrieben und photographiert. Es wird berichtet, dass das Laboratorium sehr gut gebaut und ausgestattet war. Dr. VIERLING berichtet, dass seine Investitionen in Grundbesitz, Gebäude, Ausrüstung und Betriebsmittel einen Betrag von 1.285.000 Reichsmark ausmachten.

Nachdem das Lazarett evakuiert worden war, wurde zur Untersuchung der Projekte des Laboratoriums Feuerstein das TICOM-Team durch Spezialisten der verschiedensten Fachrichtungen verstärkt, welche Ende Juli 1945 ihre Tätigkeit auf Burg Feuerstein aufnahmen. Zunächst wurde eine Übersicht über die verschiedenen Projekte erstellt und dann die primär interessierenden Projekte für eine intensivere Untersuchung ausgewählt. Am 15. August 1945 waren ca. 30 Personen unter Leitung des TICOM Teams beschäftigt, darunter zehn Ingenieure und Physiker, vier Techniker, sechs Mechaniker und zehn andere Arbeiter.

Während des Krieges waren dort in der Spitze bis zu 150 bis 200 Personen beschäftigt. Die Löhne waren den gleich in vergleichbaren Einrichtungen, die Arbeitsbedingungen aber exzellent. Eine Liste der aller Beschäftigten wurde gefertigt.

Dr. Vierling, der Kooperationsbereitschaft erkennen ließ, begann mit den Aufräumarbeiten, rief die maßgeblichen Mitarbeiter zurück und trug die Laboratoriumsausrüstung zusammen. Die ausgewählten Projekte wurden neu aufgelegt, fehlende Zeichnungen und Diagramme nachgezeichnet und Beschreibungen erstellt.

Auf der Grundlage der Entscheidung einer höheren Autorität [Welche? Ist leider nicht genannt.] wurde Dr. Vierling am 16. August arrestiert, sein Team aufgelöst und das Laboratorium demontiert. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten jedoch viele der Untersuchungen abgeschlossen werden. Es handelt sich dabei um folgende, maßgebliche Projekte:

Geräteentwicklungen

Zu den Geräteentwicklungen gibt es eine Vielzahl detaillierter technischer Berichte, die mir aber nicht vor lagen.

Filter-Entwurf
Da viel von der Arbeit im Laboratorium Feuerstein von den Erfolgen im Entwurf und der Herstellung präziser [steilflankiger, trennscharfer elektronischer] Filter abhing, war Dr. GLUBRECHT, ein Spezialist auf diesem Gebiet beauftragt, derartige Filter zu entwerfen. Die spezifizierten Parameter für diese Filter waren schwierig, aber nicht unmöglich zu erreichen. GLUBRECHT sollte den TICOM-Spezialisten die Grundlagen seiner Berechnungen und die Gründe für den gewählten Filter-Entwurf vermitteln. Für die Filter wurden Ringkernspulen und handelsübliche Kondensatoren verwendet.

Hochgeschwindigkeits [modulierter] Sender für Agenten
Das Projekt bestand aus vier Teilprojekten:
- Ein automatischer Hochgeschwindigkeits-Signalgenerator
- Ein leichter Sender (Arbeis- bzw. Deckname „Taube“)
- Träger-Regeneration im Empfänger [BFO] (Arbeis- bzw. Deckname „Spitz“)
- Ein Einseitenband [SSB] Demodulator (Arbeis- bzw. Deckname „Käthe“)

Das Gerät funktionierte wie folgt:
Wenn am Signalgenerator ein Buchstabe ausgewählt wurde [Vielleicht war es sogar eine Wählscheibe – „the dial was turned“], erzeugte dieser ein [spezifisches] Signal, welches auf einem Stahldraht bzw. Stahlband aufgezeichnet wurde. Nachdem man in dieser Weise eine Nachricht erstellt hatte, durchlief der Draht bzw. das Band den Lesekopf des Senders mit hoher Geschwindigkeit, sodass die Übertragungszeit kurz gehalten und eine Erfassung des Signals erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht werden konnte. [Zudem: Sender, die mit trägerloser Einseitenbandmodulation arbeiten, können schlecht gepeilt werden.] „Spitz“ und „Käthe“ dienten dann der Demodulation des SSB-Signals auf der Empfängerseite. Die Demodulation des zweiten Seitenbandes war möglich.
Ein Detail fiel den TICOM-Spezialisten besonders auf: Im Gegensatz zur britischen und amerikanischen Praxis waren die Filterkomponenten für Träger und Seitenband für den Bereich von 15 KHz, und nicht für 100 KHz ausgelegt. Abseits der Hochgeschwindigkeitsübetragung konnte festgestellt werden, dass das Gerät auf einen minimalen Abstimm-Aufwand ausgelegt war, was die Erkennung/Peilung des Senders zusätzlich erschwerte. Die Bewertung der Spezialisten für das Gerät fiel ziemlich gut aus. [“It was said to be rather good.”]

Technisch weiterführend:
SSB -> http://de.wikipedia.org/wiki/Einseitenbandmodulation
BFO -> http://de.wikipedia.org/wiki/Schwebungssummer

Sprachverwürfelung – Speech scrambling und verwandte Gebiete

Das maßgebliche Projekt hierzu war bei Ende des Krieges noch in Entwicklung und unterteilte sich in drei Bereiche:

- Ein Sprach-Konverter, bestehend aus einer Sprachanalyse-Schaltung, welche die Frequenzen auswertete und daraus ein „geglättetes“, nur spannungsmäßig schwach variierendes Signal formte.
Auf der Empfängerseite generierte ein Synthesizer dann per Klangsynthese aus diesem Signal wieder künstliche Töne, die dem Original des Sprechenden nahe kamen.

- Dreifach-Wobbling. [Ein Wobbler ist ein elektronisches Gerät für die Erzeugung von Schwingungen, wobei die erzeugte Frequenz zyklisch zwischen zwei einstellbaren Endwerten variiert. Im vorliegenden Fall kann die jeweilige Sprachfrequenz dazu dienen, die Frequenz des erzeugten Signals festzulegen.] Das Gerät war für einen dreistufigen Frequenzband-Versatz der menschlichen Sprache projektiert, aber bei Kriegsende nur teilweise fertiggestellt.

- Der Wobbelgenerator. Hier sollte ein modifizierter Fernschreibzusatz (Geheimschreiber) „SZ 42“ Verwendung finden, der einen Schlüssel für die Datensicherheit [So zu sagen das Wobbling-Schema?] zur Verfügung stellte. Einige Features erregten bei den amerikanischen Ingenieuren Interesse, aber sie hatten Zweifel, ob das Gerät praktikabel funktionieren würde.

Quarzgesteuerter Gleichlauf von Verschlüsselungs-Fernschreibern
Dieses Projekt erregte wohl die größte Aufmerksamkeit bei den TICOM-Ingenieuren. Den ersten Schritt in dieser Entwicklung repräsentierte ein quarzgesteuerter Signalgenerator. Mit diesem konnte die Synchronisierungszeit zweier Stationen auf ein Minimum reduziert werden, sodass, einmal synchronisiert, die Maschinen 24 Stunden ohne Reset durchlaufen konnten. So war es möglich, dass die Maschinen ununterbrochen verschlüsselte Signale sendeten (und empfingen), auch wenn diese keine Nachrichten verarbeiteten. Solch eine kontinuierliche Übertragung ermöglicht mit einer adäquaten Schlüssellänge, dass ein Abhörender meist nicht feststellen kann, wann eine Nachricht beginnt bzw. endet. Die Synchronisation hilft auch, Einflüsse von Interferenzen und Schwunderscheinungen (Fading) zu minimieren, sodass auch die wiederholte Übermittlung langer Textpassagen vermieden wird.
Im Zuge der Entwicklung der Synchronisation zwischen den in Frage kommenden Maschinen „SZ 42“ sollten auch Verbesserungen an den Maschinen selbst vorgenommen werden, sodass im Laboratorium Feuerstein auch Informationen über beabsichtigte Änderungen an den Lorenz „SZ“ Maschinen eingeholt werden konnten. Dr. VIERLING hatte zudem die Vision, dieses Prinzip auch in seinen Sprachverschlüsselungsmaschinen zu verwenden. Die Informationen zu diesem Komplex konnten fast vollständig erfasst werden.

Fernschreiber Verschlüsselungszusätze
Im Rahmen des Gleichlaufprojektes wurden mehrere Lorenz Maschinen „SZ 38“ und „SZ 42“ in das Laboratorium Feuerstein zu Studienzwecken verbracht. Dr. VIERLING sollte diese für seine Synchronisationseinrichtung adaptieren und den Verschlüsselungs-Mechanismus verbessern. Zu diesem Zweck wurden ihm auch alle Ideen der Lorenz-Ingenieure übermittelt. Im Ergebnis der Untersuchung wurden alle Informationen zu den angedachten Änderungen an den Lorenz-Maschinen sichergestellt.

Andere Projekte im Laboratorium Feuerstein

Diese Projekte waren für das TICOM-Team von sekundärer Wichtigkeit:

- Akustisch gesteuerter Torpedo. Ingenieure aus dem Laboratorium Feuerstein waren in die Entwicklung von akustischen und Filterkomponenten involviert. AEG fertigte den Torpedo.

- „Schornsteinfeger“, eine Anti-Radar-Hülle für U-Boote. Nach einem Statement VIERLINGs soll die IG-Farben die einzige Firma gewesen sein, die einen guten Schutz produzierte. [Im Laboratorium Feuerstein werden wohl Messungen zu den Absorptionseigenschaften durchgeführt worden sein.)

- „Nachtfee“, ein Nachtjäger-Leitverfahren, auf Phasenmodulation basierend. Die US-Navy erhielt zwei dieser Geräte.

- Ein „Sperrkreis“ in der Größe einer Streichholzschachtel, billig und sehr effizient für die Verwendung in Horch-Empfängern. Dieser eliminiert starke Signale, die frequenzmäßig kurz „neben“ schwachen Nutzsignalen liegen. Es wurden keine Exemplare vorgefunden, obwohl einige gebaut wurden.

- Ein quarzstabilisierter Multifrequenz-Generator. Speziell ausgelegte Multivibratoren erzeugten quarzstabile Frequenzen, welche keine Harmonischen der Quarzfrequenz waren. Es wurden 80 Frequenzen mit einer Ausgangsleistung von ungefähr 80 Watt erzeugt. Für die Deutschen war das wichtig, weil sie unter einem Mangel an Schwingquarzen litten. [Stimmt.]

- Ein kommerzieller Empfänger mit hoher Selektivität und Empfindlichkeit und nicht abstimmbarer Hochfrequenz- und Zwischenfrequenzstufe, in welchem die Abstimmkreise durch Filter ersetzt wurden. Die einzige Abstimmeinheit war ein durchstimmbarer Oszillator. [Na, nicht ganz. Was dann noch notwendig und auch beschrieben wird, stellt wohl einen HF-Preselector dar.]

- Ein Sprachfrequenz-Spektrograph. Es wurden für den Laboratoriumsbedarf zwei Geräte mit einer Genauigkeit von 10^-7 gebaut.

- Ein Gerät für die variable Wiedergabe von Sprache. Die Aufzeichnung erfolgte auf Stahlband. Im Anschluss konnte die Wiedergabe mit halber oder doppelter Geschwindigkeit eingestellt werden, sodass man eine verbesserte Verständlichkeit bei Störgeräuschen, schnellem Sprechen und bei unbekannten Dialekten erreichen konnte.

- Ein leistungsstarker Zentimeterwellen-Sender. Diese Arbeiten wurden in Hannover mit einem Hochleistungs-Magnetron durchgeführt. Es wurde eine Dauerstrichleistung von 2 KW erreicht. VIERLING berichtete von Arbeiten in Erlangen, wo mit einem Klystron-Sender weit höhere Ausgangsleistungen erreicht wurden.

- Ein elektronischer Rechner [so wie es aussieht zur Filterberechnung bis zur sechsten Ordnung]. Lösung von Sinus –und Cosinusfunktionen, wobei eine Basisfrequenz verwendet wird, deren Amplitude zum Koeffizienten und den zweiten und dritten Harmonischen proportional ist.

Ein Record in den NA, Kew:

HW 14/133, 1945: Manson, US TICOM rep at BP, to Engstrom and Ely in Washington Aug 2 re TICOM targets, Norris finishing at Vierling Aug 15, Manson and Hinsley of NS to Ebermannstadt Aug 6 to wind up there, Manson to Ely Aug 4, Nuelson leaving UK for US Sunday, Manson to Fabian in Washington Aug 8, leaving BP for Ebermanstadt with Hinsley Aug 9, expected to remain there 5 days;

Quellen:
[1] "EUROPEAN AXIS SIGNAL INTELLIGENCE IN WORLD WAR II AS REVEALED BY "TICOM" INVESTIGATIONS AND BY OTHER PRISONER OF WAR INTERROGATIONS AND CAPTURED MATERIAL; PRINCIPALLY GERMAN" vom 1. Mai 1946, Top Secret, Identifier "Cream", deklassifiziert und freigegeben am 06.01.2009 durch die NSA

Gruss
Dieter
 

kps

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#5
...auch WOW. Habe diese Beiträge erst jetzt wahrgenommen.

Darin kommt eine OKL Abteilung in Salzburg zur Sprache.


8 April 1945 - BT 9871 - OKL- Abteilung für geheime Dokumente nach Salzburg transferiert.
Wer kann mir sagen, was Salzburg zum Kriegsende mit dem OKL zu tun hatte, wer sich dort aufhielt und wo ich mehr Infos finden kann? Ob ich für die Frage lieber noch eine separate Diskussion eröffnen sollte?

MfG
kps
 
H

hebbel

Guest
#6
Salzburg & OKL

Ich zitiere mal die Sekundärquelle, die aber eine Primärquelle benutzte:

Meanwhile, the translators and analysts at Bletchley Park decrypted two important messages on 8 April and forwarded them to Strong’s Intelligence Division. The first message identified Himmler’s personal staff at Steinhöring, forty kilometers east of Munich.
Additionally, this decrypt stated that Himmler’s personal signals regiment, SS Headquarters Signals Regiment 500, would transfer to Salzburg on Himmler’s orders.

The second message on this date “ordered [the] transfer of ... a radar train to Golling, south of Salzburg, taking with it OKL secret documents office” and other equipment required by the wireless headquarters of the Commander-in-Chief, Luftwaffe.

These two messages show that Supreme Headquarters was aware on 8 April that both Himmler’s and Göring’s personal staffs were located near Salzburg and these high-level German leaders were planning to move to the Alps.


Also nach dieser Darstellung Absetzbewegungen von Teilen der Stäbe Himmlers und Görings, insbesondere der Nachrichten-Führungsmittel und im Falle Görings unter Mitführung von geheimzuhaltenden Dokumenten ("...taking with it OKL secret documents office” klingt so, als wäre die "VS-Stelle"* verlagert worden.)

Führungszentren des OKL waren zunächst Wasserburg/Inn** und Berchtesgaden. Ob die Verlagerung in die Umgebung von Salzburg von einem Teil dieser Kräfte vorgenommen wurde, oder eine weitere, sozusagen "neue" Abteilung im Alpenraum auftauchte, kann ich nicht sagen.

BTW: In der nördlichen Alpenregion wurden mit Datum vom 06.05.1945 ein Reichsmarschall, sieben Feldmarschälle und 460 Generale festgesetzt, wobei der Großraum Salzburg - Berchtesgaden wohl ein Zentrum des Aufenthalts hoher Militärs bildete.

* Räumlichkeiten, in denen die Verschluss-Sachen (hier sicherlich aller Geheimhaltungsgrade) aufbewahrt und verwaltet werden.
** "Kurfürst 3". @SuR hat das "Lunatic asylum" :D photographiert.

Gruss
Dieter
 

kps

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#7
...BTW: In der nördlichen Alpenregion wurden mit Datum vom 06.05.1945 ein Reichsmarschall, sieben Feldmarschälle und 460 Generale festgesetzt, wobei der Großraum Salzburg - Berchtesgaden wohl ein Zentrum des Aufenthalts hoher Militärs bildete.
Anderswo sagte man zu der Region auch SERAIL. Ich kam aber zunächst auf einem ganz anderen Weg nach Salzburg. Eine Zeugin im Zusammenhang zur Verlagerung der LMuna Crawinkel sagte aus, dass sie am Ende sich selbst und 8 weitere weibliche Luftwaffen-Angestellte zum Oberkommando der Luftwaffe nach Salzburg bringen mußte.

Quelle: 70 Jahre Pulverfass in Thüringen, S.117, von Dankmar Leffler

Zudem ist mir aufgefallen, dass Görings Nachfolger als Chef der Luftwaffe sich in Salzburg das Leben nahm. Er kam da wohl aber erst nach der Gefangennahme hin.

-> Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim 1892-1945
...Noch im Januar 1945 legte Greim ein Bekenntnis zum „Führer“ ab: „Der
ich an den Führer geglaubt habe – und verdammt noch mal, noch immer an
ihn glaube. Ich kann nicht zum Verräter werden. Ich nicht!“ Nachdem
Göring von Hitler am 23. April 1945 aller Ämter enthoben worden war,
wurde Greim von Hanna Reitsch am 26. April 1945 in das bereits
eingeschlossene Berlin geflogen, wo er von Hitler in seinem politischen
Testament zu Görings Nachfolger als Oberbefehlshaber der Luftwaffe und
gleichzeitig zum Generalfeldmarschall befördert wurde. Greim beteuerte:
„Mich haben das Zusammensein mit dem Führer und seine Kraft
außerordentlich bestärkt.“

Wenige Tage später geriet Greim in Süddeutschland in amerikanische
Kriegsgefangenschaft und wurde nach Salzburg gebracht, wo er erfuhr,
daß die Amerikaner ihn in sowjetische Gefangenschaft überstellen
wollten. Am 24. Mai 1945 beging Ritter von Greim in Salzburg
Selbstmord. Dabei nahm er die Giftkapsel, die ihm Adolf Hitler Ende
April 1945 im Führerbunker überreicht hatte. Sein Grab befindet sich in
Salzburg auf dem Kommunalfriedhof.
Quelle: http://www.reichsmacht.staatpreussen.com/html/greim.html
(es gibt sicher bessere Quellen, hatte hier aber gleich zuerst einen Treffer - sorry)

War also ggf. in Salzburg zuletzt das OKL?
Nachdem Göring und Himmler ihrer Führer verraten hatten, wurde Robert Ritter von Greim Generalfeldmarschall und wohl einer seiner engsten Vertrauten. Wie seht ihr das? Den Namen hatte ich zuvor noch nicht bewußt wahrgenommen.

MfG
kps
 
H

hebbel

Guest
#9
Das Problem mit den OKL-Standorten im Südraum ist wohl auch der zeitlichen Abfolge geschuldet, unbeschadet dessen, dass sich an den genannten Standorten bereits Luftwaffeneinheiten befunden hatten. Der General der Flieger und letzte Generalstabschef der deutschen Luftwaffe Karl KOLLER, dessen Erinnerungen auch in "The Rise and fall of the German Air Force, 1933-1945" enthalten sind, schreibt z.B. in dem Sinne, dass Wasserburg zunächst das "Zentrum" war und dann entschieden wurde, dass eine Gruppe nach Berchtesgaden verlegt und die in Wasserburg zurückgebliebenen Gruppe sich überrollen lassen sollte. KOLLER verlegte dann nochmals, nämlich von Berchtesgaden, wieder unter Zurücklassung von Personal, nach Thumersbach, wo er mit v. GREIM zusammentraf. Da ich das nur in "Schnipselansicht" lesen konnte, habe ich mal den Wälzer "The Rise and Fall of the German Air Force: 1933 to 1945 (Public Record Office War Histories)" bestellt. Der Herausgeber klingt ja schon mal nicht schlecht.

Das könnte auch anderweitig interessant sein...

Gruss
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#12
Empfele dazu auch: Koller, Karl: Der letzte Monat 14. April - 27. Mai 1945 Tagebuchaufzeichnungen des ehemaligen Chefs des Generalstabs der Luftwaffe. Frankfurt/Main, Berlin 1995
Ja, Danke. Ist "natürlich" bei meiner Literaturlistenrecherchere auch mit "herausgefallen". Ich habe es mittlerweile "durchgearbeitet", aber ich muß es mit dem anderen "Zeug" mergen. Das ist nicht so einfach. Ich melde mich aber diesbezüglich. [Der "Flakbunker" Zoo hat tatsächlich Panzer bekämpft :D]

Gruss
Dieter
 

kps

Active Member
#14
Zum Thema OKL in Salzburg hat eine Zeitzeugen das "Weiße Schloss" genannt. Weiß da Jemand was darüber?
Gibt es Hinweise, dass auch Göring zeitweise dort war?

MfG
kps
 
H

hebbel

Guest
#15
GÖRING wo?
Also in der "Endzeitphase" ziemlich sicher nicht. KOLLER konnte da einigermaßen sicher Auskunft geben. GÖRING und BOUHLER wurden nach GÖRINGs Verhaftung und nach der Bombardierung des OSB nach Mauterndorf verbracht. Die GÖRING sonst zugeordneten Offiziere "landeten" tatsächlich in einem Gefängnis in Salzburg. Nach der "Enthaftung" wollte KOLLER GÖRING nach Fischbach lotsen, wo er ein Zusammentreffen der Amerikaner mit GÖRING arrangiert hatte. Die Salzburger Offiziere wurden ihm zugeführt

Von GREIM war zunächst in Thumersbach, wen auch sehr spät ankommend, ansässig, bevor er mit einem von KOLLER bestimmten Offizier in Richtung Kitzbühel aufbrach. Das bestätigt Hanna REITSCH im Interrogation-Report der US-Army. (Nebenbei: Robert E. WORK) Nach seiner Gefangennahme im Bereich Kitzbühel wurde er nach Salzburg verbracht. Ja, v. GREIM wollte immer nach Schloß Leopoldskrone (Salzburg), Unterkunft der Fam. REITSCH, was Hanna REITSCH als ihre letzte Aufenthaltsadresse angegeben hatte. Daraus wurde aber nichts.

No jo, KPS. Kann man diese Zeugenaussage vielleicht in einen einigermaßen sicheren(m) Zeitrahmen bringen/darstellen?

Weißes Schloß?
Keine Ahnung. Es gibt da schon ein paar Sachen, aber als Eigenname? Das können, wenn es nicht allbekannt sein sollte, nur die Einheimischen wissen.

LG
Dieter
 

kps

Active Member
#16
Ein "Weißes Schloss" fand ich jetzt auch nicht im Bereich Salzburg. Zeitlich war dies Ende April/ Anfang Mai. Der Hinweis bezieht sich auf die Aussage im Posting 7. Die Zeugin erzählte, dass das OKL in Salzburg im "weißen Schloss" war und Göring auch dort gewesen sei. Gesehen hat sie ihn nicht, aber man sprach dort darüber.

Göring war zu dieser Zeit, wie du auch schreibst, im Schloss Mauterndorf, wo er als Junge im Schloss seines Patenonkels oft zu Besuch war. Dieses Schloss ist auch so ziemlich weiß und liegt im Salzburger Land. Das ist zwar weit hergeholt, entspricht aber ungefähr dem, was man oft mit Zeugenaussagen erlebt.

MfG
kps
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#17
Ein "Weißes Schloss" fand ich jetzt auch nicht im Bereich Salzburg. Zeitlich war dies Ende April/ Anfang Mai. Der Hinweis bezieht sich auf die Aussage im Posting 7. Die Zeugin erzählte, dass das OKL in Salzburg im "weißen Schloss" war und Göring auch dort gewesen sei. Gesehen hat sie ihn nicht, aber man sprach dort darüber.

Göring war zu dieser Zeit, wie du auch schreibst, im Schloss Mauterndorf, wo er als Junge im Schloss seines Patenonkels oft zu Besuch war. Dieses Schloss ist auch so ziemlich weiß und liegt im Salzburger Land. Das ist zwar weit hergeholt, entspricht aber ungefähr dem, was man oft mit Zeugenaussagen erlebt.
MfG
kps
Nachstehend einige Infos zu den genannten Örtlichkeiten:

Im Schloss Leopoldskron gibt es ein "Weißes Zimmer":
http://www.schloss-leopoldskron.com/events/stimmungsvolle-raeume/weisses-zimmer/

Schloss Mauterndorf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Mauterndorf

Vielleicht spielte auch Schloss Fischhorn, bei Zell am See/Thummersbach gelegen, eine Rolle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Fischhorn

http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Schloss_Fischhorn

lg
josef
 
H

hebbel

Guest
#18
Ähm @Josef, natürlich "Fischhorn" und Dank. Die fälschliche Bezeichnung "Fischbach" geht auf meine Kappe; KOLLER äußerte sich da korrekt. IRVING schrieb auch in diesem Sinne.

LG
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#19
Na ja. Das Buch von KOLLER ist schon sehr interessant. Erst mal zum Flakbunker Zoo, da hier angesprochen. [#12]

21. April 1945
Koller befand sich in Wildpark Werder. Am frühen Morgen ruft Hitler an. "Wissen Sie, daß Berlin unter Artilleriefeuer liegt? Das Stadtzentrum."
Hitler: ...[Hitlers Vermutungen]... Die Luftwaffe hat die Batterie sofort auszumachen und zu bekämpfen.
Diskussion mit Hitler. Hitler bleibt bei seiner Forderung. "Ihm egal; in 10 Minuten will er sicher wissen, wo die Batterie steht."

"Da kommt mir ein guter Einfall. Ich rufe den Divisionsgefechtsstand der Flak auf dem Zoobunker an. ... Meine Anfrage ergibt, daß es sich nur um ein Kaliber von 10-12 cm handelt. Die feuernde russische Batterie ist am Morgen bei Marzahn vor Berlin, von der Flak beobachtet, in Stellung gegangen. Entfernung bis zum Stadtkern etwa 12 Kilometer. Die Flakdivision vom Zoobunker hat mit ihren 12,8 cm Doppel-Geschützen Feuer gegen die Batterie bereits aufgenommen, ebenso Panzerbereitsstellungen in gleicher Gegend."

Ca. 23.00 Uhr.
"Major Dickl meldet die Schußzahlen der russischen Artillerie auf Stadtmitte Berlin im Laufe des Tages, die Hitler vom OKL angefordert hat. Der Flakturm hat 500 Schuß der Russen gezählt, hat selbst 400 Schuß abgefeuert gegen die russische Batterie bei Marzahn und Panzerbereitstellungen."

LG
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#20
Ähm... Die OKL-Standorte im Südraum müssten sich schon lokalisieren lassen. KOLLER hat mit Zustimmung und Sonderausweis der Amerikaner noch bis zum 22./23. Mai "geführt" und die Truppe zusammengehalten. In Wasserburg/Gabersee war er auch. Dort war der Generalquartiermeister der Luftwaffe, Generalleutnant Dietrich von Criegern der Standortälteste der Luftwaffe. Der hat offenbar laufend Stärkemeldungen verfasst.
In - Horst Boog, Die deutsche Luftwaffenführung 1935 - 1945, Führungsprobleme, Spitzengliederung, Generalstabsausbildung, ISBN-10:
3421019053, ISBN-13: 978-3421019059 - sind die Signaturen solcher Meldungen angegeben. (Personalstärken, Stellenbesetzungspläne, Namenlisten, Standorte der einzelnen Dienststellen nach der Kapitulation.)

Die Nachrichtenverbindungen in diesem Raum waren ausgezeichnet. KOLLER zollte der Ln-Truppe, von der er genügend Leute zur Verfügung hatte, großes Lob. Eine dieser Einheiten konnte er sogar zum Schutz GÖRINGs einsetzen.

Sein Gefechtsstand (vor Thumersbach) war hier:
23. April:
"In Berchtesgaden lade ich meine Frau im Haus Geiger*, wo auch mein Gefechtsstand eingerichtet ist, ab und fahre zum Reichsmarschall auf den Berg. Ich bin gegen 12 Uhr da."

* Ich nehme an, er meint das Hotel GEIGER in Bischofswiesen am Ortseingang von Berchtesgaden. Dieses diente nach einem WiKi-Artikel während des Krieges als Erholungsheim für Offiziere der Luftwaffe.

Bezüglich "Weißes Schloß" schwant mir was. Es könnte sein, daß der "bescheidene" GÖRING sich schon seine Residenz nach Übernahme der Amtsgeschäfte von HITLER, und/oder für die Verhandlungen mit den alliierten Vertretern ausgesucht hatte. Da könnte Schloß Klessheim, welches gerade 1945 intensiv für Staatsempfänge genutzt wurde, in Betracht kommen. (Mit eigenem Bahnhof, Flugplatz in der Nähe, nachrichtenmäßig sicher gut angebunden. Sogar eine Richtfunkverbindung des Luftwaffennetzes (nach HOFFMANN) (Danke @Josef), die man noch hätte ausbauen können (war wohl nur eine "Michael"-Linie) war vorhanden. Es gibt aber bisher keinerlei Hinweise, daß sich Luftwaffeneinheiten dort eingerichtet hätte.

KOLLER hatte zwar keine gute Meinung über GÖRING (U.a. wegen seiner Fehlentscheidungen und der Drohung gegenüber KOLLER, "ein paar" Generalstäbler erschiessen zu lassen, tat aber alles für GÖRINGs Sicherheit und ein angemessenes Umfeld für den (dann) ehemaligen Oberbefehlshaber. Das konnten nun wieder v. GREIM und die REITSCH nicht verstehen, die GÖRING stur als Verräter bezeichneten. KOLLER war es, der GÖRING die Situation im "Führerbunker" schilderte und nach seinen Eindrücken der Meinung war, daß HITLER "hingeschmissen" hatte. Das führte dann zum Entschluss GÖRINGs, die Amtsgeschäfte zu übernehmen.*

*RL-1/5 Übernahme der Gesamtführung des Reiches durch Reichsmarschall Göring als Stellvertreter des Führers (gemäß Führererlaß vom 29.6.1941).- Funksprüche Görings an Hitler, Jodl, v. Below und v. Ribbentrop; Funkspruch Hitlers an Göring (Abschriften mit englischen Übersetzungen) 23.04.1945

Bei "unserem Befehlszug "Robinson"" hat KOLLER auch nach dem rechten geschaut. Mich würde ja interessieren, ob da nicht jemand vor ihm dort war. :D

LG
Dieter
 
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