Triest (I): Neues Leben für "Habsburger Hafen"

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1


Alter Hafen, neues Geld
Immer wieder wollten ambitionierte Stadtentwicklungsprojekte dem Porto Vecchio in der Vergangenheit neues Leben einhauchen - doch bisher sind alle an politischen Interessen gescheitert. Nun will Triest seinen historischen Hafen offenbar wirklich revitalisieren - vor allem im Interesse der Wirtschaft.

Die vergangene Größe Triests spürt man bis heute an den selbstbewussten Prunkbauten in und um das Hafengelände. Mit österreichischer Unterstützung hatte sich die ehemalige k. u. k. Metropole im 18. Jahrhundert zum größten Handelszentrum der Adria entwickelt und dabei sogar das mächtige Venedig abgehängt.

Doch einige Bauwerke aus der wirtschaftlichen Blüte Triests befinden sich aktuell in wenig prächtigem Zustand: darunter das Gelände des Porto Vecchio, des alten Hafens. Auf dem 600.000 Quadratmeter großen Areal, das nur einen kurzen Fußweg vom berühmten Hauptplatz entfernt liegt, sind die Dächer der historischen Lagerhallen und Passagierterminals aus dem 19. Jahrhundert teilweise eingebrochen und die Ziegelmauern von Pflanzen überwuchert.


portocitta.com/Neva Gasparo
Das einzige bisher renovierte Gebäude: Im größten Lagerhaus entstand auf 30.000 Quadratmetern das „Magazzino 26“


Desolate Kulisse für Kriminalromane
Seit Jahrzehnten dämmert das Gelände hinter Mauern und Stacheldraht ungenutzt vor sich hin - und dient allenfalls in den Kriminalromanen des Triestiner Autors Veit Heinichen und in der TV-Serie „Gomorrha“ als pittoreske Kulisse für Schmuggel und Drogendeals. Ein einziges denkmalgeschütztes Gebäude, das größte Lagerhaus des Hafens, wurde bisher instand gesetzt und unter dem Projektnamen „Magazzino 26“ zum Eventstandort umgebaut. In den vergangenen Wochen konkretisieren sich allerdings Pläne, auch den restlichen Porto Vecchio aus dem Dornröschenschlaf zu holen.

50 Millionen Euro für Projektentwicklung
Ein erstes, Ende Mai von der Unternehmensberatung Ernst & Young präsentiertes Nutzungskonzept sieht vor, das Gelände in fünf Zonen - Entertainment, Forschung, Kongresse, Passagierverkehr und „vielseitige Nutzung“ - zu untergliedern, und empfiehlt einen etappenweisen Umbau zwischen 2018 und 2029. Die italienische Regierung bewilligte bereits eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro, die das Sanierungsprojekt für ausländische Investoren attraktiv machen soll.


Public Domain
Auf dieser historischen Karte aus dem Jahr 1857 erkennt man links vom Stadtzentrum die damals neuen Hafenanlagen


Bürgermeister will Hafen rentabel machen
Auch österreichische Gesellschaften seien neben russischen und deutschen Investoren bereit, in den ehemaligen Habsburger-Hafen zu investieren, ließ Domenico Arcuri, Chef der staatlichen Betriebsansiedlungsagentur Invitalia, kürzlich bei einer Pressekonferenz verlauten. Gemeinsam mit Triests rechtsgerichtetem Bürgermeister Roberto Dipiazza, einem ehemaligen Kandidaten von Berlusconis Forza Italia, hat Arcuri es sich zur Aufgabe gemacht, das leerstehende Areal wirtschaftlich wieder nutzbar zu machen.

Sein modernes Pendant, der südlich der Stadt gelegene Frachthafen boomt schon lange. Der EU-Beitritt des ex-jugoslawischen Nachbarlandes Slowenien erlöste Triest schon 2004 aus seiner verkehrspolitischen Randlage und brachte den Frachtverkehr wieder in Gang. 2007 trat Slowenien auch dem Schengener Abkommen bei und sorgte so dafür, dass die aufwendigen Kontrollen an der nur fünf Kilometer von Triest entfernten italienisch-slowenischen Grenze wegfielen.


Grafik: OSM/APA/ORF.at
Nahe Konkurrenz: 20 Kilometer südlich von Triest liegt der Frachthafen der slowenischen Industriestadt Koper


Triest und Koper: Konkurrenz um Vormachtstellung
Längst machen Triest und die knapp 20 Kilometer entfernte slowenische Industriestadt Koper einander Konkurrenz um die Spitzenposition im Frachthandel. Der moderne Triestiner Frachthafen ist mit 59 Millionen Tonnen Warenumschlag (2016) Italiens wichtigster Hafen und ständig am Wachsen. Momentan wird das Hafenterminal Scalo Legnami ausgebaut. Die italienische Regierung pumpte in den letzten Jahren 560 Millionen Euro in die umliegende Infrastruktur, in Straßennetz und Zugsverbindungen, um den Triester Hafen konkurrenzfähig zu machen.

Historischer Hafen als Kirsche auf dem Kuchen
Bei einem China-Besuch rührte kürzlich auch Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni von der demokratischen Partei (PD) die Werbetrommel für den Triestiner Hafen. Denn europäische Häfen werden auch für China strategisch wieder wichtiger: 90 Prozent der Waren auf der Seidenstraße zwischen China und Europa werden über das Meer verschifft.

Angesichts solcher profunder Wirtschaftsinteressen wirkt die Revitalisierung des auf der Nordseite der Stadt gelegenen, historischen Hafens wie die Kirsche auf dem Kuchen.


Getty Images/EyeEm/Fiorella Macor
Triest lebte schon immer vom Meer: Der berühmte Hauptplatz, Piazza Unita, ist bewusst zum Wasser hin ausgerichtet


Doch auch Stadtbewohner selbst dürften Interesse an einer Umgestaltung des Porto Vecchio haben, hindert doch das desolate Hafenquartier die Anwohner der dahinter gelegenen Wohnviertel und Gäste der historischen Hotels am Zugang zum Meer. Viele Triestiner sind trotzdem skeptisch. Sie vermuten, dass Bürgermeister Dipiazza, ein ehemaliger Unternehmer und Eigentümer einer Supermarktkette, vor allem die Interessen der Wirtschaft berücksichtige und das alte Hafengelände zur Spielwiese reicher Investoren aus dem Ausland machen wolle.

Stadtbewohner kämpfen um öffentlichen Raum
Die Frage, ob der alte Hafen zukünftig auch den Stadtbewohnern als öffentlicher Raum zur Verfügung stehen werde, erhitzt die Gemüter. Eine Zeitung berichtete von zukünftigen Nutzungsverboten für das Hafengelände, das derzeit vor allem von Joggern genutzt wird. Anfang Juni sah sich Dipiazza genötigt, in einem Tweet zu deeskalieren. „Die Jogger können so wie die anderen Bürger in Ruhe weiterhin den Porto Vecchio nutzen und auf eigene Verantwortung laufen, wie sie das bisher gemacht haben“, sagt Dipiazza in einem Onlinevideo. Die Nutzungsverbote des Areals seien „nur Formalakte, die meine Mitarbeiter erlassen mussten wegen der Gefährlichkeit des Bereichs - und niemand wird deshalb Strafe zahlen müssen.“


Fotolia/Bogdan Mihai
Der im Stadtviertel Borgo Teresiano gelegene Palazzo Carciotti (1802 bis 1805) war viele Jahre Sitz der Hafenbehörde


Interesse österreichischer Investoren
Während also in Triest die Emotionen zum historischen Erbe hochgehen, zeigen einige Österreicher Interesse für dortige Immobilien: Der Klagenfurter Immobilienentwickler MID Holding setzte sich im April bei einer Versteigerung des ehemaligen Messegeländes in Triest durch.

Und ein weiteres österreichisches Unternehmen, das derzeit noch ungenannt bleiben will, signalisierte bereits Interesse am Palazzo Carciotti, der im Stadtzentrum gelegenen, historischen Hafenbehörde. Im Herbst will es diese um geschätzte 20 Millionen Euro kaufen und in ein Fünfsternhotel mit Luxusboutiquen umwandeln. Auch hier wird ein zukünftiges Zutrittsrecht für die Öffentlichkeit im Gemeinderat bereits diskutiert.

Links:

Maya McKechneay, ORF.at/Agenturen
Publiziert am 02.07.2017
http://orf.at/stories/2397155/2397154/
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
300 Jahre Hafen Triest

Vor genau 300 Jahren wurde der Hafen von Triest gegründet. Er gilt als stärkster Hafenstandort Italiens. Am Montag wird in Triest ein Memorandum für eine stärkere Vernetzung von Hafen und Bahn unterzeichnet. Aus Kärntner Sicht könnte das dem Logistikstandort in Fürnitz zu Gute kommen.

Triest war 2018 erneut der stärkste Hafenstandort Italiens. 62,7 Millionen Tonnen Waren wurden im vergangenen Jahr umgeschlagen, was einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Die Anbindung zur Bahn wurde auch im vergangenen Jahr forciert. Fast 10.000 Züge fuhren 2018 vom Hafen ab, das entspricht einem Plus von zwölf Prozent gegenüber 2017. Heuer wird mit einem weiteren Anstieg von zehn Prozent gerechnet.

1552931130525.png
ORF/Hofmeister
Erbaut unter dem österreichischen Kaiser Karl VI., war Triest einst der wichtigste Freihafen in der K&K-Monarchie.

Ex-Handelshafen der Monarchie rückt wieder näher
Erbaut unter dem österreichischen Kaiser Karl VI. und später von seiner Tochter Maria Theresia erweitert, ist der ehemalige Haupthandelshafen der Monarchie in Triest heute wieder einer der Haupthäfen für Österreich. Warenströme verlagern sich teilweise von den Nordseehäfen zu den Häfen der nördlichen Adria, Koper und Triest. Die ÖBB sind bei diesen Häfen auch Marktführer bei Transporten auf der Schiene, beim Hafen Triest beträgt der ÖBB-Anteil 45 Prozent.

18.03.2019
Kärnten feiert „300 Jahre Hafen Triest“ mit
 
Oben