US-Präsident Donald Trump hat ein Faible für protzige Bauten, die jene Menschen abhalten, die er als kriminell und böse einstuft: eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, ein Gefängnis auf dem Marinestützpunkt Guantánamo und nun die Haftanstalt auf der Insel Alcatraz. In einem Post auf der Plattform Truth Social spricht er nun davon, dass er die Gefängnisbehörde sowie das Justizministerium, das FBI und den Heimatschutz angewiesen habe, das historische Gefängnis auszubauen und wieder aufzusperren. In der Nachricht setzte er zu einem Rundumschlag gegen Kriminelle und Richter an, die angeblich "ihren Job nicht machen".
Alcatraz im Nebel: Nicht nur die Sicht auf die Gefängnisinsel ist oft unklar, sondern auch die Frage, ob das Museum wieder ein Gefängnis werden kann.
AFP/JOSH EDELSON
Zu dem Vorhaben stellen sich einige Fragen – wir beantworten die wichtigsten:
Frage: Das Wichtigste zuerst: Kann Alcatraz einfach so wieder ein Gefängnis werden?
Antwort: Die Gebäude auf der Insel in der Bucht von San Francisco unterstehen dem National Park Service und sind seit 1986 ein "nationales historisches Wahrzeichen", dem ein besonderer Schutz zuteilwird. Zwar kann dieser Schutz unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben werden, doch scheinen die vier auf der Webseite des National Park Service nicht wirklich zu passen. Denn dort steht, dass ein Wahrzeichen seinen Status verliert, wenn es die ursprünglichen Kriterien nicht mehr erfüllt oder diese zerstört wurden oder wenn im Laufe der Zeit zusätzliche Informationen ergeben hätten, dass es doch keine große Bedeutung hat oder wenn ein fachlicher Fehler bei der ursprünglichen Bewertung gemacht wurde bzw. es einen Verfahrensfehler gegeben habe. Dabei kann die Auszeichnung als Wahrzeichen durch den Besitzer oder auf Bestreben des Innenministers entzogen werden.
Frage: Trump findet doch sicher trotzdem einen Weg, um den Schutzstatus von Alcatraz aufzuheben. Warum könnte es dann noch ein weiter Weg zum Gefängnis sein?
Antwort: Es fehlt schlicht und einfach die Infrastruktur vor Ort. Es wäre ein wahnsinnig teures Unterfangen, das mittlerweile zum Museum umgewandelte Gefängnis wieder zu einer Haftanstalt im ursprünglichen Sinn zu machen. Im Jahr 1963 waren die hohen Kosten auch genau der Grund, warum Alcatraz nach 29 Jahren geschlossen wurde. Rund drei bis fünf Millionen Dollar hatte es damals jährlich gekostet, das Gefängnis am Laufen zu halten. Darin nicht enthalten waren die Versorgungskosten für die Insassen.
Laut Rechnung der US-Gefängnisbehörde kostete im Jahr 1959 ein Inhaftierter in Alcatraz pro Tag 10,10 Dollar. Im Vergleich dazu kostete die Versorgung eines Häftlings in der Haftanstalt Atlanta nur drei Dollar. Grund für die hohe Summe war die isolierte Lage der Haftanstalt auf der Felseninsel ("The Rock"). Alles musste per Boot hinübergefahren werden, auch Frischwasser. Pro Woche mussten fast 3,8 Millionen Liter Wasser transportiert werden. Es scheint unmöglich, dass Trump ein so teures Projekt in seine Erzählung von der sparsamen Regierung einflechten und rechtfertigen kann.
Mehr als eine Million Menschen besuchen jährlich das Museum auf Alcatraz.
REUTERS/Noah Berger
Frage: Wie kommt Trump überhaupt auf Alcatraz?
Antwort: In sozialen Medien wird gerätselt, ob Trumps Interesse an der Felseninsel daher rührt, dass am Samstag in Palm Beach der Klassiker
Flucht aus Alcatraz mit Clint Eastwood im Fernsehen gelaufen ist. In dem Film aus dem Jahr 1979 geht es um das Verschwinden von drei Gefängnisinsassen. Trump hat sich am Wochenende in seinem Privatanwesen Mar-a-Lago in Palm Beach aufgehalten.
Frage: Wie viele Häftlinge hatten auf Alcatraz Platz?
Antwort: Offiziell hatte die Haftanstalt Kapazitäten für 336 Inhaftierte. Doch so viele waren nie gleichzeitig auf der Insel untergebracht. Zwischen 260 und 275 Menschen befanden sich meistens in den Zellen. Unter ihnen fanden sich auch prominente Namen wie Mafiapate Al Capone oder George "Machine Gun" Kelly.
1953 blickt eine Frau durch ein Teleskop auf die Haftanstalt Alcatraz, die als ausbruchssicheres Gefängnis galt.
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Frage: Wann wurde Alcatraz zur Haftanstalt?
Antwort: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte die US-Armee die Felseninsel vor San Francisco und baute dort eine Zitadelle. Diese wurde im Jahr 1909 abgetragen und ihr Keller als Basis für ein Militärgefängnis genutzt. 1933 wurden die Gebäude schließlich dem Justizministerium übergeben, das sie ab 1934 für ein Hochsicherheitsgefängnis nutzte. Es gab keine erfolgreichen Ausbrüche aus Alcatraz, wobei fünf Häftlinge noch immer als "vermisst, aber wahrscheinlich ertrunken" gelten.
Frage: Um Alcatraz ranken sich viele Mythen, zum Beispiel dass viele gefährliche Haie rund um die Insel kreisen. Was ist da dran?
Antwort: Es wurden einige Horrorgeschichten gesponnen, um die abschreckende Wirkung der Haftanstalt zu verstärken. Eben unter anderem, dass menschenfressende Haie in der Bucht vor San Francisco schwimmen. In Wahrheit handelt es sich um kleine Grundhaie, die es in dem Gewässer gibt. Gefährlicher waren da schon die tiefen Wassertemperaturen und die starke Strömung. Wobei bereits vor der Gefängniseröffnung eine Jugendliche bewiesen hat, dass man vom Festland nach Alcatraz schwimmen kann. Die Häftlinge waren aber selten in einer ausreichend guten körperlichen Verfassung, um das tatsächlich schaffen zu können.
Jedes Jahr gedenken indigene Menschen im Rahmen der "Indigenous Peoples Thanksgiving Sunrise Gathering Ceremony" auf Alcatraz der indigenen Kultur und Geschichte.
REUTERS/Laure Andrillon
Frage: Alcatraz war auch Schauplatz einer der größten Protestaktionen von indigenen Völkern gegen die US-Regierung. Was geschah damals?
Antwort: Ab November 1969 besetzten indigene Protestierende rund um Richard Oakes die Felseninsel für 19 Monate. Sie wollten damit erreichen, dass die Insel den indigenen Stämmen zugesprochen wird, damit sie dort eine indigene Universität, ein Kulturzentrum und ein Museum aufbauen können. Die Demonstranten organisierten sich auf Alcatraz und sorgten für Sicherheit, Kinderbetreuung und schulische Bildung vor Ort. Die US-Regierung kappte die Stromversorgung der Insel und blockierte den Schleppkahn, der für den Wassertransport nach Alcatraz eingesetzt worden war. Nach der Kollision zweier Öltanker in der Bucht von San Francisco – die nachweislich nichts mit der Besatzung und dem Fehlen von Licht oder einem Nebelhorn auf Alcatraz zu tun hatten – stürmten FBI-Beamte die Insel und beendeten die Besatzung.
(Bianca Blei, 5.5.2025)