Vor 70 Jahren erhielt der "Porsche Roadster 356" seine Erstzulassung...

josef

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70 Jahre Porsche: Für immer jung
Die Legende Porsche feiert siebzigsten Geburtstag. Ein Leuchtturm in der Autowelt, ein Maßstab des Fortschritts – und mit viel Österreichbezug.

Der 8. Juni 1948 war wohl das wichtigste Datum in der Geschichte des Hauses Porsche. Der Roadster 356/1 erhielt die österreichische Betriebsgenehmigung, das Kärntner Kennzeichen für Gmünd – K 75.286 – schmückt noch immer dieses Unikat im Porsche-Museum in Zuffenhausen. Obwohl der VW-Vierzylinder mit 1131 cm³ Hubraum nur 35 PS entwickelte, reichte das Leergewicht von 585 kg zu 135 km/h Spitze. Wie bei den Silberpfeilen von Auto Union, die im August 1939 auf dem Großglockner ihren letzten Auftritt zelebriert hatten, war der Motor vor der Hinterachse platziert. "Porsche is back" hätte vielleicht Arnie Schwarzenegger gesagt, Österreich kann aber darauf stolz sein, dass ausgerechnet im leicht verschlafenen Kärntner Ort Gmünd die unglaubliche Geschichte des Familiennamens Porsche von handgeschnitzten Sportwagen in der ersten Nachkriegszeit zu einer Weltmarke mit 23 Milliarden Euro Umsatz heutzutage führte.

Die Italiener
Das Kriegsende hatte die "Porsche Konstruktionen GmbH." ins sichere Kärnten verschlagen, deren Kommando führte bereits Ferry, Sohn des großen Ferdinand Porsche, der die Marke später zum globalen Sportwagentraum führte. In der ersten Zeit nach 1945 mühte sich der kleine Betrieb mit landwirtschaftlichen Geräten über die Runden, bis Piero Dusio, ein finanzkräftiger Turiner Geschäftsmann im Gefolge von Rennlegende Tazio Nuvolari den Auftrag für einen Formelrennwagen erteilte. Der Cisitalia-Gran-Prix-Wagen entstand, mit 1,5-Liter-12-Zylinder-Boxer, 385 PS stark, samt synchronisiertem transaxialem Fünf-Gang-Getriebe – aber er fuhr nie einen Meter, trotz Österreich-Hilfe von Carlo Abarth und Rudi Hruschka, später Alfa Romeo.

Kein Nachteil ohne Vorteil, Dusio baute Sportwagen auf Fiat-Basis, die Porsche-Techniker übernahmen dieses Konzept, der bestens vertraute Käfer wurde zum idealen Partner. Ideen, Zeichentische, Wissen waren in Gmünd ohne Ende vorhanden, nur Geld zur Finanzierung der Rohmaterialien fehlte. Der reiche Schweizer Geschäftsmann Ruprecht von Senger bestellte 1947 eine viersitzige sportliche Limousine. Daraus wurde zwar nichts, aber er ermöglichte durch sein finanzielles Engagement den Start einer Sportwagenproduktion. Bis Ende 1950 entstanden in Kärnten 44 Coupés und sechs Cabrios, alle in mühsamer Handarbeit, dann übersiedelte die Firma Porsche wieder nach Stuttgart, nachdem die weitsichtige heimische Industriepolitik die Bereitschaft, in Österreich zu bleiben, ignorierte.

Intrigenspiele
Ferdinand Porsche war in jenen Jahren durch Intrigen der französischen Automobilproduzenten Renault und Peugeot, beide stramme Lieferanten der deutschen Wehrmacht, in die Nähe von Kriegsverbrechen gebracht worden. Das Ergebnis: monatelange Haft in üblen Gefängnissen. Das Unternehmen lenkte bereits Sohn Ferry Porsche, der Patron starb 1951, überzeugt, dass der richtige Weg gegangen werde.

Die Modellreihe 356 wurde zum großen Erfolg, aber ohne Renneinsatz fehlt das gewisse Etwas. Die drei "Hausaristokraten" Richard von Frankenberg, Fürst Alfons Metternich und Fritz Huschke von Hanstein überzeugten damals nicht nur den europäischen Hochadel, Porsche zu fahren, sondern führten auch als exzellente Fahrer das Programm auf allen Rennstrecken erfolgreich vor. Der Werbeguru in USA war und ist noch immer James Dean, 24-jährig in einem Porsche 550 Spider gestorben.

Der 911er
Der Geniestreich von Ferrys Sohn "Butzi" hieß Modell 911, vorgestellt 1963 mit luftgekühltem 2,0-Liter-6-Zylinder-Boxer mit 130 PS. Das Geniale an dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass die 911er-Serie heute praktisch noch immer optisch gleich aussieht, ohne veraltet zu wirken; voriges Jahr wurde der millionste 911er verkauft.

Porsche wurde zu einer festen Größe in der Autowelt, fast könnte man von einem Suchtobjekt sprechen. Neun von zehn Kindern entwerfen bei der Aufgabe, einen Sportwagen zu zeichnen, die Silhouette des 911er. Der Markenname fand Eingang in den schrägen Witz "Was sind zwei Blondinen in einem Porsche ...", umgangssprachlich erwähnt man den Namen Porsche, wenn es gilt, positive Fahreigenschaften eines Wagens zu beschreiben. Und für Österreichs Rennfahrerelite wie Jochen Rindt, Niki Lauda, Helmut Marko, Rudi Lins, Gotfrid Köchert, Ernst Vogel, Peter Peter oder Günther Huber bedeuteten Porsche-Rennsportwagen die Grundlage für den internationalen Durchbruch.

Finanzielle Schwierigkeiten
In 70 Jahren Firmengeschichte gab es natürlich auch bei Porsche schwere finanzielle Zeiten, aber auch wagemutige Abenteuer, als Ferdinand Piëch 25 sündteure Sportwagen 917 mit unerprobter Motorenkonstellation (4,6-Liter-Zwölfzylinder, dank Aerodynamik über 300 km/h schnell) 1969 homologieren ließ, wo nach seiner Meinung damals nur zwei bis drei Piloten – wie Pedro Rodriguez oder Jo Siffert – das Fahrzeug wirklich beherrschen könnten. Irrtum, Helmut Marko gewann damit 1971 Le Mans.

Heute ist Porsche weltweit aufgestellt, 30.000 Mitarbeiter ermöglichen 4,14 Mrd. Euro Gewinn, zu den Sportwagen 911, 718 Cayman und Boxster gesellen sich die Umsatzbringer Cayenne, Macan und Panamera, bald erwartet man auch Zuwachs durch die Elektrolimousine Mission E. Gefeiert wird der 70-jährige Unruhestand sportlich beim Goodwood Festival of Speed, in Laguna Seca Kalifornien, bei der japanischen Mille Miglia (!) sowie bei China-Rallyes. (Peter Urbanek, 5.5.2018)

foto: Porsche
Der 356er begründete den Erfolg der Sportwagenschmiede Porsche

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Ein Leben für den Porsche
Seit 1982 gibt es in Gmünd das Porschemuseum von Helmut Pfeifhofer. Dieser Tage feierte er seinen 80. Geburtstag. Immer noch gehört seine Leidenschaft den Sportwagen, die mit Gmünd untrennbar verbunden sind. Ihm wurde nun der Ehrenring der Stadt verliehen.

Schon früh war der Gründer des Porschemuseums, Helmut Pfeifhofer, mit dem Porsche-Virus infiziert. Am 18. Mai 1982, an Pfeifhofers Geburtstag, wurde das Porschemuseum eröffnet. Noch heute sitzt er gerne täglich an der Kassa. „Der Porsche ist mein Leben. Ich stehe mit Porsche auf und gehe mit Porsche schlafen.“ Denn in seinem Museum, da sitzt Pfeifhofer viel lieber als im Gasthaus: „Ich bin kein Gasthaus-Geher, aber ich muss etwas tun.“


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Den Anfang machten sechs Autos

Begeisterung seit der Schulzeit
Ferdinand Porsche verlegte sein Konstruktionsbüro während des Zweiten Weltkrieges von Stuttgart nach Kärnten, weil hier weniger Bombenangriffe drohten. Im Jahr 1948 wurde in Gmünd mit dem Porsche 356 Nr. 1 Roadster, das erste Fahrzeug mit dem Namen Porsche hergestellt. 1950 kehrte das Unternehmen an den Firmensitz in Stuttgart-Zuffenhausen zurück. Mit drei Söhnen der Konstrukteure drückte Pfeifhofer in dieser Zeit gemeinsam die Sportbank, auch bei Testfahrten in Kärnten war er dabei. „Das hat mich so fasziniert, schon damals wollte ich einen Porsche.“


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Roter Porsche wurde versteckt
Dass es dann so viele Porsches wurden, hätte Pfeifhofer damals nicht zu träumen gewagt. Sein erster Porsche kaufte er 1956, ein rotes Coupe, ein Porsche 356. Von Dornbirn nach Gmünd kam der Wagen, der eigentliche Besitzer konnte die Raten in einer Werkstatt nicht bezahlen. „Das war ein Glücksfall.“ Als Pfeifhofer in Gmünd mit dem roten Wagen auftauchte, war die Aufregung groß. „Mein Vater, er hat sein ganzes Leben lang gespart, hat ihn gleich mit einer Holzplane verdeckt. Er war ihn Sorge, was die Leute reden.“ Und wie waren die Reaktionen tatsächlich? „Neid muss man sich erkaufen“, sagt Pfeifhofer. „Aber ich habe mir den Wagen schwer verdient und dafür viel zurück gesteckt.“


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Helmut Pfeifhofer lebte seine Leidenschaft für den Porsche

Wertvollstes Stück kostete einst 24.500 Schilling
In all den Jahren kamen dann viele Autos dazu. Eines blieb Pfeifhofer ganz besonders in Erinnerung. Sein Bruder, der in Bregenz Mechaniker war, erzählte ihm von einem Wagen mit Aluminium-Tank – so wie in jene Autos hatten, die in Gmünd erzeugt wurden. Mit viel Recherche fand Pfeifhofer den Wagen schließlich in einem Garten in Hainburg stehend. Mit dem Besitzer wurde Pfeifhofer handelseinig, er erstand den Porsche um 24.500 Schilling. „Heute ist dieser Wagen das wertvollste Stück unserer Sammlung.“ Pfeifhofers Sohn brachte den Wagen mittlerweile auch zum Fahren.

Leihgaben mit dabei
Das Museum hat selbst 54 Autos, davon werden wechselweise 26 im Museum ausgestellt. Bei der Firma Porsche können sich die Betreiber immer Autos als Leihgabe aussuchen und auch austauschen.

Idee kam von Frau Pfeifhofer
Die Idee zum Porschemuseum kam eigentlich von Pfeifhofers Frau. Er betrieb damals ein Antiquitätengeschäft und hatte ein Heimatmuseum geplant. „Heimatmuseen gibt es überall, mach doch ein Porschemuseum“, hatte seine Frau gesagt. da er ohnehin von den Autos so besessen war. Zwei Jahre später war aus der Idee tatsächlich ein Museum entstanden. In den Hofstallungen des einstigen Graf Lodron wurde das Museum errichtet. Noch hatte Pfeifhofer zu wenige Porsches. Eine Kutsche des Grafen, ein blecherner Jagdwagen, eine Feuerwehrspritze und einige alte Wagen dienten bei der Eröffnung als „Lückenbüßer“. Heute sind es 54 Autos und die Sammlung wird immer größer.

Viele wollten ihr Auto in guten Händen wissen
Durch das Museum bekam Pfeifhofer dann Angebote, die „ich normalerweise nicht bekommen hätte.“ Denn viele ehemalige Besitzer wollten einen guten Rentenplatz für ihre Auto. So etwa eine Kammersängerin, „sie übergab mir ihren Wagen, als sie 85 Jahre alt wurde und selbst nicht mehr fahren konnte.“

Leicht war der Aufbau des Museums sicher nicht, erinnert sich Pfeifhofer: „Ich habe immer die volle Unterstützung meiner Familie gehabt. Meine Frau hat mir manchmal, wenn das Geld nicht gereicht hat, ein bisschen von der Kinderbeihilfe abgegeben. Ich möchte die Zeit nicht missen.“


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Zum Glück kamen mehr Besucher als gedacht
Dass das Museum so eine Dimension annehmen würde, damit hat Pfeifhofer nicht gerechnet. Rund 17.000 Besucher im Jahr sollten es ursprünglich werden, „das hätte sich so aber nicht gerechnet.“ Es seien dann aber zum Glück mehr als 39.000 Besucher gewesen, heute seien es schon rund 60.000.

Ein besonderes Erinnerungsstück ist ein Foto von Peifhofer mit Ferry Porsche, der das Museum auch besuchte: „Drei Wochen nach der Fotoaufnahme ist er gestorben. Ich hatte das Gefühl, er hat sich von uns verabschiedet. Er war so begeistert und meinte, wir zeigen im Museum auch seine Geschichte.“ Auf Pfeifhofers Frage, warum er nicht selbst ein Museum gemacht habe, sagte Ferry Porsche, „Wir sind dazu da, um Autos zu bauen. Wir müssen zehn, 20 Jahre in die Zukunft schauen. Autos sammeln, das müssen andere.“


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Das Porsche-Fieber hat Pfeifhofer längst an seinen Sohn Christoph vererbt und damit ist auch die Zukunft des Museums gesichert. „Er war immer mit Begeisterung mitten drin, er war so infiziert, dass er gar nicht anders konnte, als weiterzumachen. Ich bin so stolz, dass es weitergeht."

Link:
Publiziert am 29.05.2018
http://kaernten.orf.at/news/stories/2914176/
 
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