Wien 1. Bezirk: Alles zum und über Stephansdom, Stephansplatz usw.

josef

Administrator
Mitarbeiter
#61
Arbeiten zur Erhaltung des Riesentors
1781786444217.png

Es ist eines der bedeutendsten romanischen Portale Österreichs: das Riesentor des Wiener Stephansdoms. 30 Jahre nach der Restaurierung sollen jetzt neue Untersuchungen den Erhalt sichern. Das Projekt hat Vorbildcharakter für die Denkmalpflege.
Online seit heute, 11.33 Uhr
Teilen
In den Jahren 1995 bis 1997 wurden die Flächen des Trichterportals sowie Fassadenflächen des Vorbaus konservatorisch bearbeitet. Dabei wurden die schädigenden schwarzen Gipskrusten entfernt und die beeinträchtigten Steinoberflächen gefestigt. Unter den Schmutz- und Krustenauflagen konnten zahlreiche Reste der ursprünglichen Farbfassung nachgewiesen werden.

Diese wurden eingehend untersucht, dokumentiert und ausgewertet. Die Befunde verdeutlichen exemplarisch, dass romanische Bauwerke ursprünglich vielfach farbenprächtig gestaltet waren. Im Laufe der Jahrhunderte gingen diese Fassungen durch Verwitterung und veränderte Gestaltungsauffassungen jedoch häufig verloren.

Neben Reinigung und Gesteinsfestigung wurden die erhaltenen Farbreste gesichert, Fehlstellen ergänzt und eine wesentliche bauliche Schutzmaßnahme umgesetzt: Durch die Errichtung einer Dachkonstruktion über zuvor ungeschützten Bereichen konnte der darunterliegende Steinbestand dauerhaft vor direktem Wassereintrag geschützt werden. Da Feuchtigkeit zu den wichtigsten Schadensursachen historischer Bausubstanz zählt, stellt dieser Schutz einen zentralen Bestandteil der langfristigen Erhaltungsstrategie dar.

Fotostrecke
Bundesdenkmalamt / Andrea Hackel
Bundesdenkmalamt / Andrea Hackel

Bundesdenkmalamt / Andrea Hackel
Bundesdenkmalamt / Andrea Hackel

Bundesdenkmalamt / Andrea Hackel

Forschungsschwerpunkt seit 2024
2024 begann unter der Leitung von Andrea Hackel vom Bundesdenkmalamt die Planung einer neuerlichen Zustandsbewertung des Riesentors. Diese erfolgte in Zusammenarbeit mit der Dombauhütte sowie in enger Abstimmung mit dem Landeskonservatorat für Wien und den Verantwortlichen der Restaurierung der 1990er-Jahre. Im Vorjahr evaluierten Restauratoren die in den 1990er-Jahren durchgeführte Restaurierung. Im Fokus stehen die Reduktion von Feuchtigkeits- und Salzschäden im Sockelbereich sowie Schutzmaßnahmen für ein besonders witterungsanfälliges ornamentales Gesims.

Ziel der Untersuchungen ist die Entwicklung eines fundierten Maßnahmenkonzepts für den langfristigen Erhalt des romanischen Portals. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten zugleich einen wichtigen Beitrag für einen Forschungsschwerpunkt des Bundesdenkmalamtes. Dabei geht es um die Weiterentwicklung von Methoden und Grundlagen für die langfristige Evaluierung von Konservierungs-, Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen.

Beitrag zur Bewahrung mittelalterlichen Kulturerbes
Die Geschichte der Restaurierungen, aktuelle Untersuchungsergebnisse und geplante Maßnahmen wurden bei einem Fachgespräch 2026 vorgestellt. Internationale Experten präsentierten dabei vergleichbare Projekte und diskutieren aktuelle Fragen der Konservierung und Denkmalpflege im Umgang mit mittelalterlichem Kulturerbe.

Laut Petra Weiss, Fachdirektorin des Bundesdenkmalamtes, zeigen die Untersuchungen am Riesentor, „wie wichtig langfristige Forschung und regelmäßige Evaluierungen für die Erhaltung historischer Originalsubstanz sind“. Das Projekt habe Vorbildcharakter für die Denkmalpflege und trage dazu bei, das mittelalterliches Kulturerbe nachhaltig für kommende Generationen zu bewahren.
18.06.2026, red, wien.ORF.at/Agenturen

Link:
Domkirche St. Stephan

Arbeiten zur Erhaltung des Riesentors
 
Oben