Kaiserliches Schiff verrottet im Hafen
Für die „MS Kaiserin Elisabeth“wird es auf dem Wolfgangsee langsam eng. Die Salzburg AG würde sie gerne loswerden und hofft auf Liebhaber.
ST. WOLFGANG. Es ist ein trauriger Anblick. Zwischen zwei Gebäuden im Winterhafen der Wolfgangseeschifffahrt ist die „MS Kaiserin Elisabeth“an einem Tau befestigt geparkt. Und das seit nunmehr sechs Jahren. Vom alten Glanz des einstigen Dampfschiffes ist kaum noch etwas übrig. Überall sind Rost und Moos, an einigen Stellen auf dem Deck wachsen Bäume.
Und jetzt könnte es noch weiter bergab gehen. Denn gerade macht im Salzkammergut das Gerücht die Runde, dass das einstige Dampfschiff bald verschrottet werden soll. Man habe sogar bereits damit begonnen, die Reling zu demontieren.
Dazu Mario Mischelin, einer der beiden Geschäftsführer der Salzburg AG Tourismus, zu der die Wolfgangseeschifffahrt gehört: „Nein, einen Termin für die Verschrottung gibt es derzeit nicht.“Aber es gebe auch keine anderen Pläne mehr, dieses Schiff betreffend. Fakt sei, der Zustand des Schiffes sei sehr schlecht. Die letzten sechs Jahre hätten ihre Spuren hinterlassen. „Ich bin froh, wenn das Schiff nicht irgendwann vor lauter Rost auseinanderfällt und auf den Boden des Wolfgangsees sinkt.“
Die Zulassung für die „MS Kaiserin Elisabeth“ sei längst abgelaufen. Für eine Wiederinbetriebnahme sei eine grundlegende Sanierung nötig und diese sei absolut nicht mehr wirtschaftlich. Mischelin: „Wir sprechen da von einem höheren sechsstelligen Eurobetrag, den es brauchen würde, um die Kaiserin Elisabeth wieder flott zu machen. “Vor allem sicherheitstechnisch entspreche sie nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Zudem könnten nach einer Sanierung nicht mehr als 50 Fahrgäste transportiert werden. Das sei eine zu geringe Anzahl, um das Schiff wirtschaftlich nutzen zu können.
Die „MS Kaiserin Elisabeth“wurde in einer Werft in Budapest gebaut und erstmals 1873 als Fährschiff mit Dampfmaschine auf der Donau eingesetzt. 1888 kam sie als Linienschiff an den Wolfgangsee. Seit 2019 ist sie nun außer Dienst. „Wir wissen zum derzeitigen Zeitpunkt wirklich nicht, wie es mit ihr weitergehen soll“, so Mischelin.
Auch wenn das Schiff historisch sei und mit viel Geschichte aufwarte, so gebe es derzeit keine Interessenten. „Die Interessenten, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat, haben alle abgewinkt, sobald sie das Schiff gesehen haben.“Mischelin: „Wir würden die Elisabeth Interessenten auch kostenlos überlassen. Sie müssen lediglich den Transport übernehmen.“Und sie müssten dann ohnehin noch die Reparatur stemmen. Mischelin hofft, dass sich durch die Berichterstattung
doch noch jemand findet, der die „Elisabeth“wieder auf Vordermann bringt.
Das hofft auch Schiffsbetriebsingenieur Martin Uhlig. Er kennt die „MS Kaiserin Elisabeth“und ihre Vorzüge. „Auch wenn das Schiff sehr klein ist, so hat es zwei sehr hübsche Salons, die man gut für Feiern und Ausfahrten in kleinerem Rahmen nutzen könnte.“Zudem sei es inzwischen richtig alt, habe anno dazumal auch Mitglieder der kaiserlichen Familie befördert und sei in der halben Monarchie unterwegs gewesen. Auf dem Wolfgangsee sei es zudem über Jahre hinweg die Verbindung zur Lokalbahn gewesen.
Technisch sei es, so Uhlig, jedenfalls möglich, den Antrieb des 24 Meter langen und 3,4 Meter breiten Schiffes wieder auf eine Dampfmaschine umzurüsten. Diese wurde im Jahr 1924 durch einen Dieselmotor ersetzt. Der aktuelle Motor stammt aus dem Jahr 1973.
Bei der Wolfgangseeschifffahrt hofft man indes weiterhin, doch noch einen Liebhaber oder eine Liebhaberin zu finden, der bzw. die sich der „Kaiserin Elisabeth“annimmt. „Für uns ist klar, dass wir uns darauf konzentrieren, die ,MS Kaiser Franz Josef I.‘ so gut es geht zu erhalten und alle Anstrengung und Aufwand in dieses Schiff stecken.“Der Schaufelraddampfer mit 120 Sitzplätzen ist ebenfalls Baujahr 1873 und seither auf dem Wolfgangsee im Einsatz.
Vor Kurzem hatte die „MS Kaiserin Elisabeth“noch einmal einen großen Auftritt. Sie diente als Filmkulisse für Dreharbeiten zu einer deutschsprachigen Krimiserie. „Das Filmteam suchte ein abgewracktes Schiff für eine Szene mit einem Obdachlosen. Da ist man auf uns zugekommen.“
Salzburger Nachrichten, 29 Jul 2025, SUSANNA BERGER (SN/WOLFGANGSEE TOURISMUS GMBH)
Kaiserliches Dampfschiff rottet auf dem Wolfgangsee vor sich hin: Interessenten für "MS Kaiserin Elisabeth" gesucht
Für die „MS Kaiserin Elisabeth“wird es auf dem Wolfgangsee langsam eng. Die Salzburg AG würde sie gerne loswerden und hofft auf Liebhaber.
ST. WOLFGANG. Es ist ein trauriger Anblick. Zwischen zwei Gebäuden im Winterhafen der Wolfgangseeschifffahrt ist die „MS Kaiserin Elisabeth“an einem Tau befestigt geparkt. Und das seit nunmehr sechs Jahren. Vom alten Glanz des einstigen Dampfschiffes ist kaum noch etwas übrig. Überall sind Rost und Moos, an einigen Stellen auf dem Deck wachsen Bäume.
Und jetzt könnte es noch weiter bergab gehen. Denn gerade macht im Salzkammergut das Gerücht die Runde, dass das einstige Dampfschiff bald verschrottet werden soll. Man habe sogar bereits damit begonnen, die Reling zu demontieren.
Dazu Mario Mischelin, einer der beiden Geschäftsführer der Salzburg AG Tourismus, zu der die Wolfgangseeschifffahrt gehört: „Nein, einen Termin für die Verschrottung gibt es derzeit nicht.“Aber es gebe auch keine anderen Pläne mehr, dieses Schiff betreffend. Fakt sei, der Zustand des Schiffes sei sehr schlecht. Die letzten sechs Jahre hätten ihre Spuren hinterlassen. „Ich bin froh, wenn das Schiff nicht irgendwann vor lauter Rost auseinanderfällt und auf den Boden des Wolfgangsees sinkt.“
Die Zulassung für die „MS Kaiserin Elisabeth“ sei längst abgelaufen. Für eine Wiederinbetriebnahme sei eine grundlegende Sanierung nötig und diese sei absolut nicht mehr wirtschaftlich. Mischelin: „Wir sprechen da von einem höheren sechsstelligen Eurobetrag, den es brauchen würde, um die Kaiserin Elisabeth wieder flott zu machen. “Vor allem sicherheitstechnisch entspreche sie nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Zudem könnten nach einer Sanierung nicht mehr als 50 Fahrgäste transportiert werden. Das sei eine zu geringe Anzahl, um das Schiff wirtschaftlich nutzen zu können.
Die „MS Kaiserin Elisabeth“wurde in einer Werft in Budapest gebaut und erstmals 1873 als Fährschiff mit Dampfmaschine auf der Donau eingesetzt. 1888 kam sie als Linienschiff an den Wolfgangsee. Seit 2019 ist sie nun außer Dienst. „Wir wissen zum derzeitigen Zeitpunkt wirklich nicht, wie es mit ihr weitergehen soll“, so Mischelin.
Auch wenn das Schiff historisch sei und mit viel Geschichte aufwarte, so gebe es derzeit keine Interessenten. „Die Interessenten, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat, haben alle abgewinkt, sobald sie das Schiff gesehen haben.“Mischelin: „Wir würden die Elisabeth Interessenten auch kostenlos überlassen. Sie müssen lediglich den Transport übernehmen.“Und sie müssten dann ohnehin noch die Reparatur stemmen. Mischelin hofft, dass sich durch die Berichterstattung
doch noch jemand findet, der die „Elisabeth“wieder auf Vordermann bringt.
Das hofft auch Schiffsbetriebsingenieur Martin Uhlig. Er kennt die „MS Kaiserin Elisabeth“und ihre Vorzüge. „Auch wenn das Schiff sehr klein ist, so hat es zwei sehr hübsche Salons, die man gut für Feiern und Ausfahrten in kleinerem Rahmen nutzen könnte.“Zudem sei es inzwischen richtig alt, habe anno dazumal auch Mitglieder der kaiserlichen Familie befördert und sei in der halben Monarchie unterwegs gewesen. Auf dem Wolfgangsee sei es zudem über Jahre hinweg die Verbindung zur Lokalbahn gewesen.
Technisch sei es, so Uhlig, jedenfalls möglich, den Antrieb des 24 Meter langen und 3,4 Meter breiten Schiffes wieder auf eine Dampfmaschine umzurüsten. Diese wurde im Jahr 1924 durch einen Dieselmotor ersetzt. Der aktuelle Motor stammt aus dem Jahr 1973.
Bei der Wolfgangseeschifffahrt hofft man indes weiterhin, doch noch einen Liebhaber oder eine Liebhaberin zu finden, der bzw. die sich der „Kaiserin Elisabeth“annimmt. „Für uns ist klar, dass wir uns darauf konzentrieren, die ,MS Kaiser Franz Josef I.‘ so gut es geht zu erhalten und alle Anstrengung und Aufwand in dieses Schiff stecken.“Der Schaufelraddampfer mit 120 Sitzplätzen ist ebenfalls Baujahr 1873 und seither auf dem Wolfgangsee im Einsatz.
Vor Kurzem hatte die „MS Kaiserin Elisabeth“noch einmal einen großen Auftritt. Sie diente als Filmkulisse für Dreharbeiten zu einer deutschsprachigen Krimiserie. „Das Filmteam suchte ein abgewracktes Schiff für eine Szene mit einem Obdachlosen. Da ist man auf uns zugekommen.“
Salzburger Nachrichten, 29 Jul 2025, SUSANNA BERGER (SN/WOLFGANGSEE TOURISMUS GMBH)