Gut in Schuss
Erstaunlich gut erhaltenes U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg im Pazifik entdeckt
Mehr als 100 Jahre lag die USS F-1 auf dem Grund des Meeres. Nun lieferten ein Forschungs-U-Boot und ein Tauchroboter faszinierende Aufnahmen von dem Kriegsgrab
Photogrammetrische Rekonstruktion des U-Boots USS F-1 auf Basis von Aufnahmen, die am Meeresgrund westlich von San Diego, Kalifornien, gemacht wurden.
Illustr.: Woods Hole Oceanographic Institution
Die USS F-1 sank am 17. Dezember 1917 vor der US-Pazifikküste nahe San Diego. Sie war Teil einer wachsenden U-Boot-Flotte der United States Navy, mit der die USA im Ersten Weltkrieg mit den in dieser Hinsicht besser ausgestatteten Briten und Deutschen gleichziehen wollten. Vor wenigen Wochen haben Forschende das Wrack der USS F-1 in fast einem halben Kilometer Tiefe entdeckt. Die nun veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass das Wrack noch immer überraschend gut in Schuss ist.
Bei der Kiellegung der USS F-1 in der Union-Iron-Works-Werft in San Francisco, Kalifornien, im August 1909 erhielt das werdende U-Boot den Namen "Karpfen" (Carp). Zwei Jahre später, am 6. September 1911, rückte der "Karpfen" zu seiner Jungfernfahrt aus. Ursprünglich der First Submarine Group der Pazifik-Torpedoflottille zugeteilt, operierte das U-Boot zunächst vor der kalifornischen Küste.
Die USS F-1 nach ihrem Stapellauf bei den Union Iron Works in San Francisco am 6. September 1911.
Foto: Vallejo Naval & Historical Museum
Weltrekord im Tieftauchen
Nur wenige Monate nachdem er offiziell in Dienst gestellt worden war, erlangte der "Karpfen" internationale Berühmtheit: Ende 1912 tauchte das U-Boot 86 Meter tief und stellte damit einen Tiefenweltrekord auf. Noch im selben Jahr überschattete ein Unglück den Triumph, als sich die USS F-1 im Hafen von Port Watsonville in der Monterey Bay von ihrer Festmachung löste und gegen einen nahe gelegenen Strand krachte. Zwei Matrosen der 17-köpfigen Besatzung kamen dabei ums Leben.
Doch es sollte noch schlimmer kommen: Nach einem eineinhalbjährigen Zwischenaufenthalt auf der Marine-U-Boot-Basis Pearl Harbor in Honolulu, Hawaii, absolvierte die USS F-1 am 17. Dezember 1917 in kalifornischen Gewässern einen für 48 Stunden anberaumten Technik- und Leistungstest. Auch die Schwesterschiffe USS F-2 und USS F-3 waren Teil dieses Manövers.
Das Loch im Rumpf der USS F-1 entstand bei der Kollision mit ihrem Schwesterschiff USS F-3 und führte zum Untergang des U-Bootes binnen weniger Sekunden.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Verhängnisvolle Nebelbank
Als alle drei U-Boote vor Point Loma bei San Diego in eine Nebelbank einfuhren, verlor die Besatzung der USS F-3 offenbar die Orientierung. Das Boot rammte die USS F-1, die daraufhin innerhalb weniger Sekunden sank. Neunzehn Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben, nur drei konnten gerettet werden.
Das Wrack der F-1 sank in mehr als 400 Meter Tiefe auf den Grund des Meeres, und ihre Position geriet in Vergessenheit – bis das U-Boot vor wenigen Wochen von Fachleuten an Bord des Forschungsschiffs Atlantis der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) wiederentdeckt wurde: Die Überreste des "Karpfens" lagen "bemerkenswert unversehrt" auf der Steuerbordseite am Meeresgrund, wie die WHOI nun berichtet.
Außen gelegenes Steuerrad der USS F-1 am sogenannten Turm des U-Bootes.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Unterwasser-Doppelgespann
Bei dem Forschungstauchgang kamen zwei hochmoderne Unterwasserfahrzeuge zum Einsatz: das bemannte Tauchboot Alvin und das autonome Roboterfahrzeug Sentry. Die zwei Systeme ergänzen sich laut Bruce Strickrott, dem Leiter der Alvin-Gruppe bei WHOI, bei diesem Einsatz. "Diese beiden ozeanografischen Werkzeuge arbeiten extrem gut zusammen. Die Kombination ihrer Fähigkeiten hat die Tiefseeforschung revolutioniert und ist mittlerweile ein routinemäßiger Bestandteil wissenschaftlicher Missionen mit Alvin", sagte der Marineingenieur.
Strickrott hatte anhand von alten Marinedokumenten den ungefähren Ort des Wracks bestimmt – und tatsächlich konnte Sentry die USS F-1 schon beim ersten Taucheinsatz im Februar 2025 lokalisieren. Bei mehreren Tauchgängen mit Alvin gelangen dem Forschungsteam zahlreiche Aufnahmen des über 100 Jahre alten und doch erstaunlich gut erhaltenen U-Boots.
Mit diesen beiden Unterwasserfahrzeugen wurde das Wrack der USS F-1 entdeckt und dokumentiert. Links das bemannte U-Boot "Alvin", rechts der autonome Tauchroboter "Sentry".
Fotos: Woods Hole Oceanographic Institution
Kriegsgrab und Flugzeugabsturz
Die Entdecker entschieden, das Wrack nicht anzurühren. In Absprache mit der U.S. Navy wurde festgelegt, den Fund unangetastet zu lassen – als Zeichen des Respekts gegenüber den Toten und um den Erhaltungszustand zu sichern. Das U-Boot gilt heute als Kriegsgrab.
Vorderteil des Torpedobombers vom Typ Avenger aus dem Zweiten Weltkrieg, der während eines Trainingsflugs 1950 vor der Küste Südkaliforniens ins Meer stürzte.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Während der Tauchfahrten dokumentierten die Forschenden ein weiteres militärisches Relikt in unmittelbarer Nähe, das über 75 Jahre alte Wrack eines Grumman-TBF-Avenger-Torpedobombers der U.S. Navy. Das Flugzeug war 1950 bei einer Trainingsmission ins Meer gestürzt. Anders als bei der USS F-1 überlebte damals die gesamte Besatzung den Absturz.
(Thomas Bergmayr, 27.5.2025)
Erstaunlich gut erhaltenes U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg im Pazifik entdeckt
Erstaunlich gut erhaltenes U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg im Pazifik entdeckt
Mehr als 100 Jahre lag die USS F-1 auf dem Grund des Meeres. Nun lieferten ein Forschungs-U-Boot und ein Tauchroboter faszinierende Aufnahmen von dem Kriegsgrab
Photogrammetrische Rekonstruktion des U-Boots USS F-1 auf Basis von Aufnahmen, die am Meeresgrund westlich von San Diego, Kalifornien, gemacht wurden.
Illustr.: Woods Hole Oceanographic Institution
Die USS F-1 sank am 17. Dezember 1917 vor der US-Pazifikküste nahe San Diego. Sie war Teil einer wachsenden U-Boot-Flotte der United States Navy, mit der die USA im Ersten Weltkrieg mit den in dieser Hinsicht besser ausgestatteten Briten und Deutschen gleichziehen wollten. Vor wenigen Wochen haben Forschende das Wrack der USS F-1 in fast einem halben Kilometer Tiefe entdeckt. Die nun veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass das Wrack noch immer überraschend gut in Schuss ist.
Bei der Kiellegung der USS F-1 in der Union-Iron-Works-Werft in San Francisco, Kalifornien, im August 1909 erhielt das werdende U-Boot den Namen "Karpfen" (Carp). Zwei Jahre später, am 6. September 1911, rückte der "Karpfen" zu seiner Jungfernfahrt aus. Ursprünglich der First Submarine Group der Pazifik-Torpedoflottille zugeteilt, operierte das U-Boot zunächst vor der kalifornischen Küste.
Die USS F-1 nach ihrem Stapellauf bei den Union Iron Works in San Francisco am 6. September 1911.
Foto: Vallejo Naval & Historical Museum
Weltrekord im Tieftauchen
Nur wenige Monate nachdem er offiziell in Dienst gestellt worden war, erlangte der "Karpfen" internationale Berühmtheit: Ende 1912 tauchte das U-Boot 86 Meter tief und stellte damit einen Tiefenweltrekord auf. Noch im selben Jahr überschattete ein Unglück den Triumph, als sich die USS F-1 im Hafen von Port Watsonville in der Monterey Bay von ihrer Festmachung löste und gegen einen nahe gelegenen Strand krachte. Zwei Matrosen der 17-köpfigen Besatzung kamen dabei ums Leben.
Doch es sollte noch schlimmer kommen: Nach einem eineinhalbjährigen Zwischenaufenthalt auf der Marine-U-Boot-Basis Pearl Harbor in Honolulu, Hawaii, absolvierte die USS F-1 am 17. Dezember 1917 in kalifornischen Gewässern einen für 48 Stunden anberaumten Technik- und Leistungstest. Auch die Schwesterschiffe USS F-2 und USS F-3 waren Teil dieses Manövers.
Das Loch im Rumpf der USS F-1 entstand bei der Kollision mit ihrem Schwesterschiff USS F-3 und führte zum Untergang des U-Bootes binnen weniger Sekunden.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Verhängnisvolle Nebelbank
Als alle drei U-Boote vor Point Loma bei San Diego in eine Nebelbank einfuhren, verlor die Besatzung der USS F-3 offenbar die Orientierung. Das Boot rammte die USS F-1, die daraufhin innerhalb weniger Sekunden sank. Neunzehn Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben, nur drei konnten gerettet werden.
Das Wrack der F-1 sank in mehr als 400 Meter Tiefe auf den Grund des Meeres, und ihre Position geriet in Vergessenheit – bis das U-Boot vor wenigen Wochen von Fachleuten an Bord des Forschungsschiffs Atlantis der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) wiederentdeckt wurde: Die Überreste des "Karpfens" lagen "bemerkenswert unversehrt" auf der Steuerbordseite am Meeresgrund, wie die WHOI nun berichtet.
Außen gelegenes Steuerrad der USS F-1 am sogenannten Turm des U-Bootes.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Unterwasser-Doppelgespann
Bei dem Forschungstauchgang kamen zwei hochmoderne Unterwasserfahrzeuge zum Einsatz: das bemannte Tauchboot Alvin und das autonome Roboterfahrzeug Sentry. Die zwei Systeme ergänzen sich laut Bruce Strickrott, dem Leiter der Alvin-Gruppe bei WHOI, bei diesem Einsatz. "Diese beiden ozeanografischen Werkzeuge arbeiten extrem gut zusammen. Die Kombination ihrer Fähigkeiten hat die Tiefseeforschung revolutioniert und ist mittlerweile ein routinemäßiger Bestandteil wissenschaftlicher Missionen mit Alvin", sagte der Marineingenieur.
Strickrott hatte anhand von alten Marinedokumenten den ungefähren Ort des Wracks bestimmt – und tatsächlich konnte Sentry die USS F-1 schon beim ersten Taucheinsatz im Februar 2025 lokalisieren. Bei mehreren Tauchgängen mit Alvin gelangen dem Forschungsteam zahlreiche Aufnahmen des über 100 Jahre alten und doch erstaunlich gut erhaltenen U-Boots.
Mit diesen beiden Unterwasserfahrzeugen wurde das Wrack der USS F-1 entdeckt und dokumentiert. Links das bemannte U-Boot "Alvin", rechts der autonome Tauchroboter "Sentry".
Fotos: Woods Hole Oceanographic Institution
Kriegsgrab und Flugzeugabsturz
Die Entdecker entschieden, das Wrack nicht anzurühren. In Absprache mit der U.S. Navy wurde festgelegt, den Fund unangetastet zu lassen – als Zeichen des Respekts gegenüber den Toten und um den Erhaltungszustand zu sichern. Das U-Boot gilt heute als Kriegsgrab.
Vorderteil des Torpedobombers vom Typ Avenger aus dem Zweiten Weltkrieg, der während eines Trainingsflugs 1950 vor der Küste Südkaliforniens ins Meer stürzte.
Foto: Woods Hole Oceanographic Institution
Während der Tauchfahrten dokumentierten die Forschenden ein weiteres militärisches Relikt in unmittelbarer Nähe, das über 75 Jahre alte Wrack eines Grumman-TBF-Avenger-Torpedobombers der U.S. Navy. Das Flugzeug war 1950 bei einer Trainingsmission ins Meer gestürzt. Anders als bei der USS F-1 überlebte damals die gesamte Besatzung den Absturz.
(Thomas Bergmayr, 27.5.2025)