Ob ein Zivildiener, der sich mehrere Tage Urlaub nimmt, ein Mitarbeiter der Wiener Linien, der nach seiner Nachtschicht vorbeikommt oder ein Jobsuchender, der fast jeden Tag bei den Bauarbeiten mit an Bord ist – was sie alle eint, ist die Leidenschaft für „ihre“ Museumsbahn, den Ötscherland-Express, der quer durch das Mostviertel von Kienberg-Gaming nach Lunz am See (beide Bezirk Scheibbs) unterwegs ist.
Denn nachdem die Bahnstrecke dringend saniert werden muss, stand die Fortführung des Betriebs lange auf der Kippe. Auch die Umwandlung in einen Radweg war Thema. Erst im Sommer kam es zu einer Einigung bezüglich der Sanierung der Strecke – mehr dazu in
Ötscherland-Express: Bergstrecke wird saniert (noe.ORF.at; 2.7.2025).
Vereinsmitglieder müssen ehrenamtlich mitarbeiten
Allerdings musste sich die Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen (ÖGLB), die die Strecke betreibt, im Gegenzug für 750.000 Euro Förderung vom Land dazu verpflichten, die Bauarbeiten ehrenamtlich zu unterstützen. In der Praxis sieht das so aus: Zwischen Lunz am See und Pfaffenschlag müssen tausende marode Holzschwellen gegen Stahlschwellen ausgetauscht werden. Die Vereinsmitglieder der Lokalbahngesellschaft legen die neuen Schwellen händisch aus, so dass diese neben der Strecke bereit liegen. Der Bagger der Baufirma muss diese dann nur noch austauschen.
ORF/Simon Baumberger
Tausende Holzschwellen müssen entlang der Strecke des Ötscherland-Express gegen Stahlschwellen getauscht werden
Mehr als 1.500 Schwellen wurden so bereits ausgetauscht. Nicht zuletzt dank Zivildiener Alexander Stix aus St. Pölten, der sich immer wieder Urlaub nimmt, um bei den Bauarbeiten mithelfen zu können: „Es ist einfach eine Strecke mit so viel Geschichte und so viel Kultur. Eine Strecke, die seit jeher in die Region eingebunden war und der Region auch zum Aufschwung verholfen hat. Das ist für mich einfach faszinierend und da möchte ich unbedingt mitwirken, das zu erhalten und vielleicht auch noch meinen Kindern zeigen zu können.“
Herausfordernde Suche nach freiwilligen Arbeitern
Etwa zehn bis 15 Freiwillige sind derzeit abwechselnd im Einsatz – wobei es vor allem unter der Woche nicht immer leicht ist, genügend Helferinnen und Helfer zu finden, um die Vorgaben des Landes für geleistete Arbeitsstunden zu erfüllen, erklärt ÖGLB-Präsident Albert Malli: „Geht es darum, einen Sonderzug zu fahren, melden sich gleich einige. Wenn es aber darum geht, wirklich zu arbeiten, tun wir uns schwerer. Aber wir müssen die ehrenamtlichen Stunden irgendwie aufbringen, weil wir uns vertraglich dazu verpflichtet haben.“
ORF/Simon Baumberger
Mitglieder der Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen unterstützen die Bauarbeiten an der Strecke ehrenamtlich
Wer mithelfen möchte, könne sich unter
mitarbeit@lokalbahnen.at melden. Vonseiten der ÖGLB hofft man, die Arbeiten bis zum geplanten Saisonstart im Mai abgeschlossen zu haben, um 2026 nach zwei Jahren Pause auch wieder auf der gesamten Strecke unterwegs sein zu können. Um den Betrieb finanziell nachhaltiger zu gestalten, denkt man auch über Kooperationen nach – etwa mit weiteren touristischen Angeboten in der Region oder mit der Niederösterreich-Card.
05.11.2025, Simon Baumberger, noe.ORF.at