Besuch im Naturhistorischen Museum Wien und nun auch virtueller Zugriff auf mehr als 1.000 digital aufbereitete Objekte samt Informationen möglich

josef

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#1
Virtueller Besuch im Naturhistorischen Museum

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Besucher des Naturhistorischen Museums Wien können nun auch online einen Rundgang durch die Schausäle machen. Das macht eine Kooperation zwischen Museum und dem US-amerikanischen Unternehmen Google möglich.

Während man derzeit noch nicht virtuell durch Wiens Straßen gehen kann, ist das im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien ab sofort möglich. Mittels Google-Street-View-Technologie kann man das NHM online rund um die Uhr kostenlos besuchen. In Kooperation mit dem Projekt „Google Arts & Culture“ wird ein virtueller Rundgang durch das Haus geboten. Zudem gibt es virtuelle Ausstellungen über die „Venus von Willendorf“, über die „Top-100-Objekte“ des Hauses und über das Artensterben.

Rundumsicht der 39 Schausäle
„Wir möchten möglichst vielen Menschen die Schätze, die im NHM Wien vorhanden sind, präsentieren und sie damit zu einem Museumsbesuch animieren“, sagte NHM-Generaldirektor Christian Köberl in einer Aussendung. Das Motto dafür lautet: „Hundert erzählte Geschichten laden ein, Tausende weitere zu entdecken.“


Für den Onlinegang durch eines der bedeutendsten Naturkundemuseen der Welt wurde das Haus mit einer 360-Grad-Spezialfotokamera fotografiert. Dadurch ist eine virtuelle Rundumansicht der 39 Schausäle möglich.

Bisher bieten in Österreich unter anderem das Schloss Schönbrunn, die Staatsoper, das Kunsthistorische Museum Wien, die Albertina, die Nationalbibliothek und das Belvedere über „Google Arts & Culture“ virtuelle Rundgänge bzw. machen ausgewählte Werke hochauflösend zugänglich.
Virtueller Besuch im Naturhistorischen Museum

Link:

Virtueller Rundgang durch das NHM
 

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#2
Privater Sammler schenkte NHM Fossilien
Das Naturhistorische Museum Wien hat eine wertvolle Ammoniten-Sammlung bekommen. Aus dem Nachlass eines privaten Sammlers erhielt das Museum rund 1.200 Fossilien, deren Schätzwert im sechsstelligen Euro-Bereich liegt.

Zufällig habe man von der Sammlung erfahren und sie kurz vor der Räumung der Wohnung des 2016 verstorbenen Sammlers Christian Pröglhöfer besichtigen können, berichtete NHM-Experte Alexander Lukeneder. „Die ganze Wohnung war wie eine Ausstellung“, zeigte er sich über die „hervorragende Qualität“ der Stücke begeistert.

Über Jahrzehnte gesammelt
Pröglhöf, der bei der OMV gearbeitet habe, sei über Jahrzehnte ein enthusiastischer Sammler von Ammoniten und Trilobiten aus dem Mesozoikum und dem Paläozoikum von allen Kontinenten gewesen. Er habe nicht selbst gesucht, sondern die Stücke aus Katalogen und dem Internet gekauft.


NHM Wien, Alexander Lukeneder

„Ammoniten zählen zu den bekanntesten und schönsten fossilen Meerestieren,“ sagte Lukeneder. Sie entstanden vor 400 Millionen Jahren und erlebten ihre Blüte im Erdmittelalter zwischen 250 bis 66 Millionen Jahren vor heute mit einer erstaunliche Formenvielfalt. Die größten Ammoniten können einen Durchmesser von bis zu 2,5 Metern haben.

„Exzellente“ Qualität der Stücke
Sie starben gemeinsam mit zahlreichen anderen Arten wie den Dinosauriern - denen sie auch als Futter dienten - bei dem Meteoriteneinschlag an der Wende von Kreidezeit zu Erdneuzeit vor rund 66 Millionen Jahren aus.

Die Stücke seien „von exzellenter Ausstellungsqualität“ und werden derzeit in die Sammlungen des NHM integriert. Einzelne Stücke sind bereits in der Schausammlung zu sehen, etwa in der neuen Ausstellung „Die Evolution der Minerale“.


Links:
Publiziert am 11.04.2017
http://wien.orf.at/news/stories/2836567/
 

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#3
Naturhistorisches Museum jetzt auch digital
Wer einen Einblick in das Naturhistorische Museum Wien haben möchte, kann das nun ganz bequem von zu Hause erledigen. Eine Auswahl an Objekten ist nun online gegangen, wie das Museum mitteilte.
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Das Naturhistorische Museum Wien digitalisiert seine Sammlungen und macht diese der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich. Insgesamt verfügt das Haus über rund 30 Millionen Sammlungsobjekte, seit 2016 werden diese nach und nach digitalisiert. Eine Auswahl an Objekten, die einen Einblick in die Vielfalt des Museums gibt, ist nun online gegangen.

Im Rahmen eines geförderten Projekts wurden seit 2016 die Sammlungsbestände systematisch digitalisiert. Das ermöglicht es, auch jene Objekte, die in den Depots und Sammlungsräumen abseits der Schausammlung aufbewahrt und erforscht werden, zugänglich zu machen. Insgesamt waren von 2016 bis 2019 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Projekt beteiligt, die Digitalisierung umfasste zweidimensionale Objekte wie Schriften oder Bilder und dreidimensionalen Objekte wie Insekten oder Skelette.

700.000 Datensätze
So sind auf der NHM-Webseite mehr als 1.000 digital aufbereitete Objekte mit vertiefenden Informationen zu finden. Wissenschafter des Naturhistorischen Museums haben gemeinsam diese Stücke ausgewählt, um ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Bild der Objektvielfalt und der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden am Museum für das Publikum zu schaffen.

Darüber hinaus gibt es ein nach wissenschaftlichen Kriterien zusammengestelltes „Science Portal“, für das mehr als 700.000 Datensätze und 130.000 Bilder aufbereitet wurden. Die Arbeiten an diesem für Forschungsvorhaben gedachten Portal sind noch nicht abgeschlossen.
19.01.2020, red, wien.ORF.at/Agenturen

Link zu den mehr als 1000 digitalisiert aufbereiteten Objekten:

Webseite des NHM



Naturhistorisches Museum jetzt auch digital
 

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#4
NHM macht Objekte in 3D online verfügbar
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Das Naturhistorische Museum Wien (NHM) macht viele seiner Museumsobjekte online als 3D-Modelle verfügbar. Ab sofort können die ersten 20 Modelle auf der Plattform „Sketchfab“ von allen Seiten betrachtet werden.

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Bei den ersten Modellen handelt es sich um Ausstellungsstücke der „Top 100“-Objekte – darunter etwa ein Säbelzahntiger sowie der Schädel eines Tyrannosaurus Rex. Die Modelle werden mit kompakten und von Hand geführten 3D-Scannern von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums aufgenommen.

„Die 3D-Scans erlauben es, die im Museum ausgestellten Objekte aus ganz neuen Perspektiven zu betrachten, welche in den Vitrinen verborgen bleiben“, so der mit dem Projekt betraute Leiter Andreas Kroh in einer Aussendung.

NHM Wien
Die Objekte wurden mit Handscannern digitalisiert

Modelle für 3D-Drucke herunterladbar
Viele der online verfügbaren Modelle könnten auch heruntergeladen werden, um damit beispielsweise 3D-Drucke anzufertigen, erklärte Viola Winkler, Visualisierungsexpertin am NHM Wien.

Die Anzahl der online gestellten Objekte soll noch wachsen. Ziel sei, zunächst die „Top 100“-Objekte zu vervollständigen und in weiterer Folge auch Scans aus aktuellen Forschungsobjekten und aus den wissenschaftlichen Sammlungen des Museums anzufertigen. Dadurch könne man die Sammlungen für die Wissenschaft und zum „Wohl der Menschen“ öffnen, heißt es in der Aussendung.
21.04.2021, red, wien.ORF.at/Agenturen
Link:
NHM macht Objekte in 3D online verfügbar
 

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#5
HINTER DEM FINNWAL, NACH DEN SCHÄDELN
Ein Ausflug auf das Dach des Naturhistorischen Museums
Von Dino, Dodo und den Meteoriten: ein Besuch quer durch die Sammlungen und Zeitalter bietet ungewohnte Ein- und Ausblicke

Gegenüber liegt der Museumszwilling, das Kunsthistorische. Konkurrenz zwischen den Museen gibt es nicht.
Foto: Regine Hendrich

Wie kommt man aufs Dach vom Naturhistorischen? Man beginnt in der Prunk-Kuppelhalle des Baus von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer (Fertigstellung 1881), vorbei am Porträt von Kaiser Franz Stephan I. von Lothringen – Sie wissen schon, der Mann von Maria Theresia. Er erwarb seinerzeit die Naturaliensammlung von Johann Ritter von Baillou, sie wurde zum Grundstock des "Hof-Naturalien-Cabinets" in der Hofburg, dem Vorläufer des jetzigen Museums. Unter dem Porträt wartet links ein ausgestopftes kaiserliches Schoßhündchen, immer noch seidig und freundlich, der Zwergspaniel, und wenn er nicht selbst auf dem Arm der Kaiserin saß, dann zumindest ein naher Verwandter, daneben jene Präparate der Sammlung, die auch auf dem Bild verewigt sind, ein Einstieg in die Metaebene des Museums, auch wenn der Begriff "Museum eines Museums" hier nicht so gern gehört wird.

Eine kleine Tür führt in die obere Kuppelhalle, hier fesselt auch bei größter Höhenangst der legendäre Darwin-Fries von Johannes Benk, links ein Affe, der Darwins Buch von der Abstammung des Menschen in den Pfoten hält und bestimmt darauf verweist, in der Mitte ein Menschenkind, rechts von ihm ein weiteres Äffchen, das ihm einen Spiegel vorhält, das Menschlein hält sich erschüttert von der Erkenntnis die Augen zu.


Wer auf das Dach will, muss durch den Schädelgang.
Foto: Regine Hendrich

Vorbei am Oberkiefer eines Finnwals (schräge Ortsangaben macht man hier) führt rechts eine Tür ins Depot, in den Schädelgang. Fein säuberlich beschriftet stapeln sich hier Schädel bis zur Decke. Noch ein paar Schritte weiter, noch mehr Depotschränke mit für Uneingeweihte unverständlichen Beschriftungen, "Franzhausen Becken, Geschenk Dr. Deiml, Schädel & Knochen ohne Nr.", die Treppen werden kleiner, kein Prunk mehr hier, nur Forschungsarbeit, vorbei an wuchernden Topfpflanzen und an der Teeküche, dann heißt es "Achtung, Kopf", diese Tür ist die kleinste von allen, und natürlich haut man sich trotz Warnung den Schädel beinahe an, und dann steht man tatsächlich auf dem Dach des Naturhistorischen Museums. Gegenüber liegt der omnipräsente Museumszwilling des Naturhistorischen, aber nein, es gibt keine Konkurrenz, sagt man mir.

Achtung, Kopf!
Aber zurück aufs Dach: Urania, Gaia, Luft und Erde, Hephaistos und Poseidon, Wasser und Feuer, blicken allegorisch sinnend über Wien. Am Ring stehen an der Brüstung Figuren von diversen Forschern und Entdeckern. Der Blick öffnet sich aufs Rathaus, im Hintergrund die sanften Wellen des Kahlenbergs, gegenüber die Rosen des Burggartens und der Blick auf den Volksgarten-Pavillon samt seinem eleganten Mid-Century-Party-Stil, er ist dem Ende des Kaiserreichs zu verdanken, er könnte hier nicht stehen, wäre die Neue Burg so fertiggebaut worden, wie ursprünglich geplant.


Was für ein Blick! Die allegorischen Figuren von Urania, Gaia, Hephaistos und Poseidon schauen vom Naturhistorischen Museum auf Wien.
Foto: Regine Hendrich

Noch ein "Achtung, Kopf!", und es geht zurück in die spektakuläre Sammlung. Alle suchen und finden hier etwas anderes: Kleine Kinder schätzen kreischend den wohligen Schauer beim periodisch schnaubenden künstlichen Dino. Der geheime Hit bei den Kids: der versteinerte Dinokot. Internationale Gäste besuchen die Venus von Willendorf, immerhin 29.000 Jahre alt, entdeckt seinerzeit beim Bahnbau, auch 2016 wurden Mammutstoßzähne unter der zukünftigen Nordautobahn entdeckt.

Es sind jedenfalls nicht nur die prächtigen ausgestopften Raubkatzen, Haie, Affen, Bären, Schlangen und Vögel, die die Menschen anlocken, die Säle voller schillernder Käfer und Schmetterlinge. Die älteste Meteoritensammlung der Welt gibt es ebenfalls hier, es sammelt sich eben grundsätzlich leichter, wenn man Kaiser ist, auch das Budget ist größer. Heutzutage gibt es unter Museen immerhin eine rege Tauschpolitik. Es wird auch zurückgegeben, sprich, restituiert: aktuell eine Kiste mit Conchylien, Teil der Molluskensammlung, die 1941 dem Stift Göttweig von seiner NS-Zwangsverwaltung abgenommen wurde. Einer ganz anderen im Naturhistorischen Museum Wien aufgetauchten Kiste widmet sich die Ausstellung "Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów" in der Hofburg, basierend auf den Fotos zweier Anthropologinnen, die 1942 "typische Ostjuden" fotografierten.

Arsen und Präparatoren
Wer schaut, ordnet ein, sammelt was oder wen, interpretiert, beherrscht? Auch darum geht es immer.


Foto: Regine Hendrich

So ist das Naturhistorische Museum natürlich auch ein Museum von Forschungs- und Sammlungspolitiken. Rückwirkend fast bizarr wirkt etwa die ab 1817 ganze 18 Jahre lang andauernde österreichische Brasilien-Expedition, die unfassbare Mengen an Säugetieren, Vögeln, Insekten und anderes Getier lieferte, die Auseinandersetzung mit den ethnografischen Objekten des Zoologen Johann Natterer, die sich vorrangig im Weltmuseum befinden, ist auf vielen Ebenen noch nicht abgeschlossen. Auch bei Fahrten der Marine wurden Wunschlisten mitgegeben oder gar Forscher mitgeschickt. Viele Tiere wurden bereits auf den Expeditionen präpariert. Bis zu acht Präparatoren arbeiten heute hier, ein Lehrberuf, immer noch. Die alten Präparate sind oft giftig, Arsen nützte man als Schutz vor Schädlingen, größter Feind des Museumsbetriebs sind auch heute noch Museumskäfer und Motten. Natürlich gibt es eine eigene Tischlerei sowie Menschen, die an Lebendrekonstruktionen von ausgestorbenen Tieren arbeiten, und ja, der Wiener Dodo ist schöner als der in London.
Was für Menschen arbeiten hier? "Enthusiasten", erklärt man mir, das muss man auch sein, wenn man beispielsweise in neun Jahren 500 Wanzentypen belegt hat oder experimentelle Archäologie betreibt. Etwas gar zu enthusiastisch war man früher gelegentlich, weil man den eigenen Nachnamen so gern in lateinischen Gattungsnamen sehen wollte, das führte später oft zu Revisionen.

Es geht wieder aufs Dach


Das Café im Kuppelsaal
Foto: Regine Hendrich

Es ist jedenfalls unmöglich, diesem Gebäude mit einem einzigen Besuch gerecht zu werden, schließlich gibt es da noch die Urgeschichte und die Römer und die Blaschka-Glasmodelle von Meerestieren und Pflanzen, das Bergwerk Hallstatt spuckt seit über 100 Jahren seine im Berg konservierten Schätze aus. Die größte fossile Schildkröte der Welt wartet. Neuere Ausstellungen widmeten sich dem Artenschutz (was beim Zoll bei Kontrollen noch lebt, landet in Schönbrunn, der Rest hier), aktuell feiert der "Meteorit von Hraschina" hier sein 270. Fall-Jubiläum (Happy Birthday!), und die Ausstellung "Ablaufdatum" stellt sich die Frage, wie aus Lebensmitteln Müll wird. Ab Oktober darf man laut jetzigem Stand der Dinge wieder mit Führung aufs Dach (und abends im Museum Muscheln essen) und die großartige Aussicht nicht nur auf die Jahrmillionen, sondern auch auf die Stadt genießen.
(Julia Pühringer, 8.6.2021)
Ein Ausflug auf das Dach des Naturhistorischen Museums
 
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