Der Neusiedlersee war einst viel größer, aber auch schon komplett ausgetrocknet...

josef

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#1
Der Neusiedlersee war z.B. 1865-70 komplett ausgetrocknet, war aber auch schon um 2 Meter tiefer bzw. hatte im SO-Bereich eine ganz andere Form:
Die Geschichte des Neusiedler Sees

Der Neusiedler See ist ein Gewässer mit einer wechselvollen Geschichte mit vielen Gesichtern. Im Lauf der Jahre ist er mehrmals ausgetrocknet. Heute ist er einmaliges Naturreservat und ein Paradies für Wassersportler.

Der Neusiedler See ist nicht nur Lebensraum für tausende Tiere, sondern auch Ziel vieler Erholungssuchender. Er ist neben dem in Ungarn gelegenen Plattensee einer der wichtigsten Steppenseen Europas. 240 Quadratkilometer des Sees gehören zu Österreich, 80 Quadratkilometer liegen in Ungarn.

Seeboden unter der Lupe
Der Neusiedler See ist immer wieder Forschungsgebiet für Wissenschafter. So wird der Seeboden in unregelmäßigen Abständen untersucht. Aus den Ergebnissen lasse sich viel über seine Geschichte herauslesen, sagt Wissenschafter Erich Draganits. „Wir reden von Schwankungen, die von einer kompletten Austrocknung 1865 bis 1870 bis zu Überschwemmungen, wo der See bis zu zwei Meter tiefer war als er heute ist“, so der Wissenschafter.


Im Laufe der Jahrtausende war der See etliche Male vom Austrocknen bedroht. In einigen Gemeinden wurden damals sogar auf dem Seeboden Getreide, Rüben und sogar Reis angebaut. Betrachtet man heute alte Landkarten, ist ersichtlich, dass sich Form und Ausdehnung des Sees einige Male veränderten. Das lag zum Teil auch am Einfluss des Menschen.

Starke Veränderungen mit der Zeit
Doch der 320 Quadratkilometer große See ließ sich bis heute nicht wirklich bezähmen. Der See sei in seiner heutigen Form ein sehr stark verändertes Produkt, sagt der Wissenschafter, er sei von jahrhundertelangen Entwässerungsmaßnahmen und Dammbauten beeinflusst.


„Die Verbindungsstraße zwischen Fertöd und Pamhagen zum Beispiel ist ein Damm, der 1780 fertiggestellt wurde. Zuerst gab es noch Durchlässe, später wurde das komplett dicht gemacht. Erst seit dieser Zeit ist die Wulka der einzige Zufluss zum Neusiedler See“, erklärt Draganits.

Wechselvolle Geschichte
Die Geschichte des Neusiedler Sees ist eine wechselvolle. So gab es vor rund 100 Jahren den Schilfgürtel noch nicht - und im einen oder anderen Jahr fehlte sogar der gesamte See. Und so wird wohl die Geschichte des Neusiedler Sees noch lange Thema der Forschung sein.
Text u. Bild: Die Geschichte des Neusiedler Sees
 

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#3
Neusiedler See: Historischer Tiefstand für Mai

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Im Mai ist der Pegelstand des Neusiedler Sees seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1965 noch nie so niedrig wie heuer gewesen. Normalerweise ist der Wasserstand im Frühling noch höher und sinkt über den Sommer. Die Segelboote haben heuer aber schon jetzt Probleme.
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Der See hat sich wegen des geringen Niederschlags zurückgezogen. Auf den für diese Zeit typischen Wasserstand fehlen dreißig Zentimeter. Die Bootsdecks sind zum Teil schon unter das Stegniveau gesunken. Wegen des niedrigen Wasserstands sind nicht mehr alle Anlegeplätze erreichbar. Einige Bootsbesitzer mussten zu tieferen Stellen umziehen.

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Das macht die Segler nervös, auch in der Marina in Oggau. Im Mai sollte der Wasserstand eigentlich besonders hoch sein. „Die Ausbeute ist heuer sehr karg. Draußen geht es noch, aber man muss es einmal hinausschaffen. Bei Südwind geht es“, so Bootsbesitzer Peter Lahodny aus Wien.

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Die schwarze Kurve zeigt den langjährigen Durchschnitt, die rote Kurve das heurige Jahr.
Die Grafik zeigt die Entwicklung des Wasserstands am Neusiedler See. Es zeigt sich, dass um diese Jahreszeit noch nie so wenig Wasser im See war wie jetzt.

Wasserknappheit gefährdet Tourismus
Einige Segler haben ihr Boot bisher erst gar nicht zu Wasser gelassen. „Wir gehen gern in Neusiedl zur Wasserstandsmarkierung und lesen da nach, was los ist. In den besten Jahren hatten wir 178 Centimeter Wasserstand. Dieses Wochenende hatten wir nur 128 Centimeter“, so Bootsbesitzer Erwin Langenslehner aus Weiden am See.

Bis zum Sommer ist zu erwarten, dass der Pegel noch weiter sinkt: „Es wird sehr viele Destinationen geben, die man nicht mehr anlaufen kann. Man wird sehr eingeschränkt sein und muss sich gut überlegen, wo man hinsegeln kann und wo man nicht mehr hinsegeln kann“, so Marie-Luis Butterfly von der Marine Oggau.
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Die Segler leiden unter dem niedrigen Wasserstand des Sees

Land prüft technische Lösung
Ohne genug Wasser ist der gesamte See-Tourismus gefährdet, ebenso wie der Fährbetrieb und der Fischbestand. Das Land prüft eine technische Lösung, nämlich Wasser zuzuführen: „Man müsste einen größeren Vorfluter ansprechen, und das wären im weitesten Sinne die Donau und die Raab. Da hätte es aber unterschiedliche Auswirkungen, und es gibt dazu auch chemische Fragestellungen“, so Josef Wagner, Gruppenvorstand der Abteilung Ländliche Entwicklung im Land. So ein Projekt würde Jahre in Anspruch nehmen. Für heuer bleibt noch die Hoffnung auf das Wetter – und sehr viel Regen.
red, burgenland.ORF.at
Neusiedler See: Historischer Tiefstand für Mai
 

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#4
WASSERMANGEL
Der Neusiedler See, der launische Gast - ein Essay
Der Neusiedler See leidet, wieder einmal, unter Wassermangel. Burgenlands Politik wälzt, wieder einmal, Wasserzuleitungspläne. Doch der See tut, wie immer, was er will

Im Schilfgürtel am Neusiedler See koexistieren Dürre und Wasser. Es war auch schon anders: Von 1865 bis 1871 war der See gänzlich verschwunden.
Foto: Getty/iStock

Der Neusiedler See macht den Menschen nicht nur Freude, sondern auch Kopfzerbrechen. Er ist nämlich ein launischer Gast, nicht nur ein seltsamer, wie ihn Franz Werfel einmal genannt hat. Einmal geht er über, dann verschwindet er. Oder zumindest tut er so als ob. So wie eben jetzt. Ein paar niederschlagsarme Jahre haben den See wieder ans Limit gebracht.

Seit man 1965 die Seerandschleuse zum Einserkanal – der einzige Seeabfluss – in Betrieb genommen hat, liegt der Wasserspiegel im Frühjahr im Schnitt bei 115,55 Metern über Adria. Heuer startet man schon bei rekordtiefen 115,30 Metern. In der Hitze kann der See dann schon einen halben Zentimeter pro Tag verdunsten. Ein heißer, regenarmer Sommer – der Traum der Touristiker – kann dann leicht zum touristischen Albtraum werden.

Man gründet einen Arbeitskreis
Das geschieht dem See freilich nicht zum ersten Mal. Das Auf und Ab des Wasserspiegels, ja das Kommen und Gehen des Wassers sind die Charakteristika des westlichsten der eurasischen Steppenseen. Die Menschen stehen hilflos daneben, können sich höchstens die Haare raufen, lamentieren und nach der Politik rufen, die aber ihrerseits auch nicht weiterweiß. Also gründet sie einmal einen Arbeitskreis.

Vergangene Woche hat Heinrich Dorner, der zuständige Baulandesrat des Burgenlands, in der Tat tatenfroh die Einsetzung einer Taskforce – das neudeutsche Wort für Arbeitskreis – verkündet. Mit der könne man nun "Mechanismen in Gang setzen, wo wir zu Umsetzungen und zur Entwicklung von Strategien kommen". Alle "relevanten Interessensgruppen" werden dabei sein, grenzüberschreitend klarerweise.

See muss erhalten bleiben
Die Vorgabe ist klar: Der See muss erhalten bleiben. Daraus folgt aber: Es muss, zusätzlich zu Wulka und Niederschlag, eine ordentliche Wasserzufuhr geben. Zuletzt wurde das im Trockenjahr 2003 erwogen und wieder verworfen. Weder Donauwasser aus der Hainburger Gegend noch solches aus der Raab seien geeignet. Nun suche die Taskforce einen neuen Weg. Überlegt wird zum Beispiel auch eine Zuleitung aus der Mosoni Duna, einem nach der Kanalisierung der Donau für das Kraftwerk Gabèíkovo eher spärlich dotierten Donauarm.


Ein Zentimeter See sind drei Millionen Kubikmeter – drei Milliarden Liter – Wasser. Bei Hainburg fließen knapp 1500 Kubikmeter pro Sekunde. Klar ist, so Dorner, nur so viel: "Eine Wasserzufuhr wird nicht billig sein." Gespräche mit dem Bund sind also ins Auge gefasst. Denn: "Der Neusiedler See ist in seiner Form so einzigartig, dass es ein überregionales Interesse gibt, eine nachhaltige Lösung zu finden."

Der Neusiedler See ist zuletzt in den Jahren 1865 bis 1871 gänzlich verschwunden gewesen. Im Norden war er schon im Sommer 1864 weg, wie ein zeitgenössischer Bericht überlieferte. "Man sah vom Uferrande von Neusiedl selten mehr und nur in großer Entfernung das Wasser. Ungefähr Mitte Juli erschien bei starkem Südwinde gegen Abend das Wasser zum letzten Male im nördlichen Teile des Beckens, am nächsten Tag war es verschwunden, ohne wiederzukehren."

Unangenehme Folgen
Der ausgetrocknete See hatte unangenehme bis verheerende Folgen. Der Seeboden war salzig, durch den Wind wurde ätzender Staub weithin vertragen. Man experimentierte mit Reisanbau. Aber landwirtschaftlich war der Seeboden kaum nutzbar. Nur am Rand gab es spärlichen Bewuchs, der aber nicht einmal als Viehfutter zu gebrauchen war, sondern höchstens als Einstreu.

Dennoch wurde auch darum heftig gestritten. Die Fischereireviere waren ja keine mehr, auf dem trockenen Boden die Gemeindegrenzen noch nicht festgelegt. Und so kam es am 6. November des Jahres 1866 zur legendenumwobenen "Seeschlacht" zwischen Rust und Oggau. Am Gemeindefeiertag, zu St. Leonhardi, kamen, während die Oggauer in der Kirche weilten, die Ruster mit Ochsenwagen, um die schon gemähte und zu Haufen gerechte Streu abzuholen, die sie als die ihre betrachteten.

Um die Mittagszeit eilten die Oggauer herbei, wie das Ödenburger Lokalblatt berichtete. "Ein längeres Plaidiren gab es da nicht, Replik und Duplik mag in Worten mehr derb und kraftvoll als fein juridisch gewesen sein." Gar von Schusswaffen wurde Gebrauch gemacht. Zwei Oggauer wurden verwundet. Josef Berger und Lorenz Hafner waren, erzählte der Österreichische Volksfreund, verdiente Veteranen, "die mehrere gefährliche Schlachten mitmachten, insbesondere kämpften sie heldenmütig bei Custozza". Und das nur, damit die Ruster ihnen hier jene Wunden schlugen, die sie dort im Sommer glücklich vermieden hatten.

See vor der Trockenlegung
Trotz all der Fisimatenten hatten sich die Menschen aber offenbar mit dem trockenen Neusiedler See arrangiert. Anders lässt es sich nicht erklären, dass, kaum war wieder Wasser im See, schon eine Kommission – die Taskforce des 19. Jahrhunderts – gegründet wurde mit dem Auftrag, die endgültige Trockenlegung des launigen Sees voranzutreiben. 1895 wurde mit dem Bau des Einserkanals begonnen, seit 1911 ist er der einzige Abfluss, den die Ungarn Fertő tó nennen, Sumpfsee. Immerhin wurde so der Hanság halbwegs trockengelegt, der Sumpf, in den sich der See bei Hochwasser ergoss.

Der See blieb dennoch launisch. Noch am 15. Juni 1918 rief der Esterházy-Fürst zu einer "Konferenz der Seeinteressenten" nach Győr/Raab. Dort wurde immerhin noch eine "Seeregulierungsgesellschaft" ins Leben gerufen. Dann kamen das Kriegsende und Trianon, und das Burgenland wurde Teil Österreichs. Und schließlich wurde aus dem ungarischen See jenes internationale Gewässer, das es heute ist.

Bei der Seeregulierungsgesellschaft wurden ökologische Bedenken gegen das Trockenlegen angemeldet. Schwere Bedenken gegen die Zuleitung gab es 2003 und gibt es auch jetzt. "Die Vermischung mit Wasser einer anderen mineralischen und chemischen Zusammensetzung ist für das hochsensible und besondere Ökosystem höchst problematisch", warnt etwa der grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller. Und er ist davon überzeugt: "Der Neusiedler See ist in erster Linie ein Naturjuwel von europäischer Bedeutung und erst danach ein Wirtschaftsfaktor."
Andere sehen die Reihenfolge anders. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil etwa. Der meinte unlängst vorm Eisenstädter Landtag, der Naturschutz werde "sicher nicht darüber entscheiden, ob der See austrocknet oder nicht". Die Taskforce – so weit ist die Geschichte durchaus beweiskräftig – mit hoher Wahrscheinlichkeit aber auch nicht.

(Wolfgang Weisgram, 12.6.2020)
Der Neusiedler See, der launische Gast - derStandard.at
 

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#5
Neusiedler See: Regen brachte Entspannung
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Für die Land- und Wasserwirtschaft war der Regen der vergangen Wochen ein Segen. Für den Neusiedler See, der im Mai einen historischen Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1965 verzeichnet hat, war der Niederschlag ebenfalls dringend notwendig.
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Man habe eine leicht Entspannung feststellen können, sagt Christian Sailer vom Hauptreferat Wasserwirtschaft in der Landesregierung. „Es sind etwa bis zu fünf Zentimeter Regen über dem Neusiedler See gefallen und diese fünf Zentimeter, die konnten wir auch in den Messstellen feststellen. Wir sind jetzt bei ungefähr 115,32 Meter über Adria“, so Sailer. Man bewege sich derzeit trotzdem noch immer in den unteren Bereichen, auch weil es seit Juni vorigen Jahres keine großen Regenereignisse gegeben habe.

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Im Frühling war der Wasserstand des Sees so niedrig wie noch nie

Der Regen habe auch etwas Entspannung für die Lacken im Seewinkel gebracht. „Ich schätze mal, es werden ungefähr zehn Zentimeter sein, die sich da jetzt positiv auf die Lackensysteme ausgewirkt haben“, sagt Sailer.
22.06.2020, red, burgenland.ORF.at
Neusiedler See: Regen brachte Entspannung
 

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#6
Zu wenig Wasser -
Rettungspläne für den Neusiedler See

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Der Neusiedler See ist in seiner jahrtausendealten Geschichte schon öfter ausgetrocknet, doch der aktuelle Wasserstand ist rekordverdächtig: Die trockenen Winter der vergangenen Jahre im Osten Österreichs haben Folgen für den Steppensee, so seicht wie heuer war er zuletzt 1965. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels wächst die Sorge um das Naturjuwel und auch den damit verbundenen Wirtschaftsfaktor – und die Befürchtung, das Wasser könnte sich eines Tages für immer verabschieden.

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Schon im Mai dieses Jahres gab es alarmierende Meldungen: Der vergangene Winter hat viel zu wenig Niederschlag für den Neusiedler See gebracht, der sich zu 80 Prozent aus Regenwasser speist. Auch wenn sich der heurige Sommer bis jetzt klimatisch eher durchwachsen zeigt, entspannt das die Situation kaum: Das fallweise Regnen der vergangenen Wochen ist nicht viel mehr als der sprichwörtliche Tropfen in den zudem immer wärmer werdenden See – um 1,9 Grad ist die Wassertemperatur seit 1985 gestiegen.

An einem heißen Sommertag verliert er etwa einen Zentimeter, bei starkem Südost-Wind werden zudem große Wassermengen in den Schilfgürtel gedrückt und versickern dort – ein bedrohliches Szenario für ein Gewässer mit einem mittleren Wasserstand von nur etwas mehr als einem Meter.

Getrübte Bade- und Segelfreuden
Und das Vergnügen für Badegäste und Wassersportler wird getrübt: Immer mehr Segelboote bleiben im Schlamm stecken, viele wurden im Frühling erst gar nicht zu Wasser gelassen. Auch die Seebäder leiden unter der Situation. Kommt der Wind aus Nordwest, fehlt etwa im Seebad Breitenbrunn schnell zusätzlich ein halber Meter Wasser.

ORF/Cornelia Kreb
sDer niedrige Wasserstand ist in Breitenbrunn deutlich sichtbar

Dazu kommt das Problem überalterter Schilfbestände: Seit es aufgrund der Feinstaubproblematik keine Brandrodungen mehr gibt, trägt ihre Verrottung zu vermehrter Schlammbildung und damit langfristig zur Verlandung bei, beklagt Matthias Grün, Direktor des Bereiches Forst- und Naturmanagement der Esterhazy Stiftungen: „Dem Schilfmanagement muss künftig mit Sicherheit mehr Bedeutung beigemessen werden. Das hat einen großen Einfluss auf den Wasserstand und die Verdunstung.“

Lösung mit Ungarn angedacht
Bereits seit 2003 wird darüber diskutiert, ob eingeleitetes Fremdwasser – etwa aus der Donau – den Neusiedler See auf einem ausgeglichenen Niveau halten könnte. An den technischen wie finanziellen Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens hat sich seither nichts geändert, diesmal aber will das Land Burgenland dranbleiben – mehr dazu in burgenland.ORF.at.

Eine grenzüberschreitende Taskforce, in die alle Verantwortlichen eingebunden werden sollen, erarbeitet in den nächsten Jahren ein Konzept dazu. Neues Wasser muss her – das hat sich der zuständige burgenländische Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) fest vorgenommen.
Ins Auge gefasst wird eine gemeinsame Lösung mit Ungarn: Unter anderem wird eine Zuleitung aus der Mosoni Duna überlegt, einem nach der Kanalisierung der Donau für das Kraftwerk Gabcikovo eher spärlich dotierten Donauarm. Das Wasser soll nicht nur den See auffüllen helfen, sondern auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden – auch in Ungarn. Das könne sich schon von der benötigten Menge her nicht ausgehen, monieren Kritiker einer etwaigen Dotierung des Sees mit Fremdwasser.

ORF/Cornelia Krebs
Auch für manche Segelboote ist der See mittlerweile kaum tief genug

Sinkende Grundwasserpegel nicht nur Problem für den See
Doch von übertriebenen Warnungen hält Landesrat Dorner generell wenig: „Sollte der See eines Tages wirklich austrocknen, kann man sich ja vorstellen, dass vieles nicht mehr möglich sein wird. Aber diese ganzen Horrorszenarien sind entbehrlich. So weit wird es, glaube ich, nicht kommen.“

Bei dem Projekt gehe es außerdem nicht nur um den See, sondern auch um die Lacken im Seewinkel und die Grundwassersituation, sagt Projektleiter Christian Seiler, Hauptreferatsleiter der burgenländischen Wasserwirtschaft. Seit Jahren schon ist der stetig sinkende Grundwasserpegel in der Region nicht nur für die Weinbauern ein Problem.

Langwierig und kostspielig
Doch wie lange würde es überhaupt dauern, bis Wasser von außen in den See gelangen kann? „Also mit fünf bis zehn Jahren für den ersten Tropfen muss man schon rechnen – wenn alle Verträglichkeitsprüfungen durchgehen“, sagt Seiler. Auch die Kostenfrage sei nicht irrelevant: Der geplante Wasserübergabepunkt auf ungarischer Seite liegt relativ tief, Pump-, Stau- und Verteilanlagen müssten errichtet werden.

Allein die erste Ausbaustufe zu realisieren würde etwa 35 Mio. Euro kosten, rechnet Seiler vor. Doch der See darf nicht austrocknen, darauf hat sich die österreichisch-ungarische Gewässerkommission 2014 in einem Strategiepapier geeinigt. Es geht um den „Erhalt des Sees als Landschaftselement unter Rücksichtnahme auf das Natur- und Kulturerbe der Region“.

Warnung des WWF
Rücksicht auf das Naturerbe wollen vor allem Umweltschutzorganisationen nehmen, auch wenn die Landespolitik betont, dem See keinesfalls schaden zu wollen. Es gibt eindringlich warnende Stimmen: Ein Eingriff in sein komplizierte Ökosystem würde den Steppensee tiefgreifend verändern, mit unabsehbaren Folgen, sagt etwa Bernhard Kohler vom WWF. „Längerfristig wäre eine Verlandung die Folge – also das Gegenteil von dem, was man eigentlich bezwecken will.

Flusswasser ist kalkhaltig, eine Aussüßung des salzhaltigen Sees wäre die Folge. Und das würde wiederum die Verschlammung begünstigen.“ Und es gäbe auch sehr unangenehme kurzfristige Folgen: „Die Trübe des Sees würde verschwinden, der See mehr oder weniger klar werden, was eine massive Algenblüte zur Folge hätte. In so einer giftgrünen Brühe will sicher niemand Boot fahren, geschweige denn schwimmen.“

ORF/Cornelia Krebs
Der Wassermangel macht sich auch an Stegen bemerkbar, hier in Purbach

Der WWF soll zwar in die Taskforce der burgenländischen Landesregierung eingebunden werden, doch bleibt abzuwarten, wie viel Mitsprache er haben wird. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) kündigte im heurigen Frühling vor dem Eisenstädter Landtag jedenfalls an, dass der Naturschutz „sicher nicht darüber entscheiden wird, ob der See austrocknet oder nicht“.

Enorme touristische Bedeutung
Die Sorge im Land ist freilich groß, gut die Hälfte des burgenländischen Tourismus findet rund um den Neusiedler See statt. Von der Gastronomie über den Einzelhandel bis hin zu Handwerksbetrieben: Die Menschen leben mehr oder weniger vom See, auch wenn dieser überschätzt werde, was die touristische Bedeutung angeht, sagt Stefan Schindler, Geschäftsführer von Neusiedler See Tourismus. „Wir haben eine große Vielfalt an touristischen Angeboten, nicht nur den Wassersport. Einige unserer Gäste würden vielleicht nicht mehr die Attraktivität verspüren, hierherzukommen. Aber der Tourismus würde bleiben und lediglich ein anderer werden.“

ORF/Cornelia Krebs
Kein Burgenland-Tourismus ohne Neusiedler See

WWF sieht Modell für Umgang mit Klimawandel
Einigermaßen gelassen bleibt auch Kohler vom WWF, der die Situation grundsätzlich in größeren Zeiträumen betrachtet. „Die Leute profitieren von diesem Steppenseecharakter in vielerlei Hinsicht, deshalb sollte der See so bleiben, wie er ist. Wir müssen ihn in Ruhe lassen.“

Charakteristisch für einen Steppensee seien nun einmal große Schwankungen und auch gelegentliche Austrocknungen. Für Kohler sind der Neusiedler See und sein Umland eine Art Modellregion – ein Modell dafür, welche unmittelbaren Folgen der Klimawandel haben könnte und wie die Menschen dann damit umgehen werden.
31.07.2020, Cornelia Krebs, Ö1, für ORF.at

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Zu wenig Wasser: Rettungspläne für den Neusiedler See
 

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#7
Neusiedler See: Diskussion um Zuleitung

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Bereits Ende Mai hat das Land eine Task Force ins Leben gerufen, um dem niedrigen Wasserstand des Neusieder Sees gegenzusteuern, denn ansonsten drohe auf lange Sicht ein Austrocknen des Sees, hieß es damals. Ziel ist die Zuleitung von Wasser in den See. Das ruft allerdings Umweltschützer auf den Plan, die vor langfristigen Schäden für das Ökosystem warnen.

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Direkt im Segelhafen beim Strandbad Rust fallen die alles andere als tief im Wasser liegenden Boote schnell auf. Der Wasserstand beträgt niedrige 115,21 Meter über Adria. Zwischen fünf und 20 Millimeter Wasser mehr haben die Regenfälle in der ersten Augustwoche gebracht. Das ist im langjährigen Schnitt sehr wenig, aber nicht der historische Tiefstand für den August, sagte Christian Sailer, Leiter der „Task Force Neusiedler See“.

Ziel sei daher weiterhin Wasser von außen in den See zu leiten. „Der erste Schritt, der in der Task Force gesetzt wurde, war die Wasserqualitiät der Mosoni-Donau zu testen – dass ist das Gerinne, von wo das Wasser von ungarischer Seite her zugeleitet werden soll. Es soll festgestellt werden, ob sich das Wasser für eine Dotation des Sees und eine Grundwasseranreicherung im Bereich des Seewinkels eignet“, so Sailer.

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Die Boote im Hafen von Rust

Zuleitung frühestens in fünf Jahren
Ergebnisse sollen in zwei Monaten vorliegen. Der erste zugeleitete Tropfen Wasser würde frühestens in fünf Jahren fließen. Zu den Bedenken des WWF und der Grünen, dass eine Zuleitung von außen das Ökosystem des Sees gefährdet, meinte Sailer, dass man davon ausgehe, dass es sich nicht negativ auswirken würde.

„Das Gefährliche dabei ist immer, dass auch eine Entlastung gleichzeitig stattfindet. Also, dass man Wasser zuführt- und dann wegen eines hohen Wasserstandes, aufgrund von Niederschlägen, eben wieder eine Abfuhr durch eine Entlastungsanlage durchführen muss. Das ist nicht unser Ziel. Das soll auch nicht passieren“, sagte Sailer.

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Auch der wachsende Schilfgürtel wirkt sich negativ auf den Wasserstand aus

Schilfgürtel wirkt sich auch negativ aus
Ein Problem sei aber der wachsende Schilfgürtel, der sich negativ auf den Wasserstand auswirke. Auch hier laufe derzeit eine länderübergreifende Studie mit Ungarn über ein gemeinsames Schilfmanagement. Die Ergebnisse dieser Studie sollen Ende des Jahres vorliegen.
17.08.2020, red, burgenland.ORF.at
Neusiedler See: Diskussion um Zuleitung
 

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#8
Gleichgewicht im Nationalpark in Gefahr
Die einzigartigen Salzlacken im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel drohen zu versteppen. Ursache: Sinkender Grundwasserspiegel. Die Entnahme von Grundwasser solle künftig kontrolliert werden, so der Rechnungshof. Die Landwirte sehen im Klimawandel das Hauptproblem.

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Viele Salzacken im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel sind derzeit fast oder komplett ausgetrocknet. Zu dieser Jahreszeit ist das grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Das Wasser ist heuer allerdings bereits im Frühjahr verschwunden – und das sei alarmierend, sagte Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner. Der Grundwasserspiegel in der Region sinkt zunehmend. Die Salzlacken versteppen dadurch immer mehr.

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Die Salzlacken im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel gelten als einzigartig
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Weil es im Winter immer weniger Niederschläge gibt, trocknen viele Lacken bereits im Frühjahr aus
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Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner befürchtet eine zunehmende Versteppung der Lacken
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Die Lacken sind wichtiger Lebensraum für Pflanzen im Nationalpark
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Diese Lacke bei Illmitz (Bezirk Neusiedl am See) ist fast ausgetrocknet
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In der Region gibt es rund 5.000 Feldbrunnen wie diesen
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Vor allem Mais- und Weinkulturen werden laut Rechnungshof mit Grundwasser bewässert
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osef Kracher von der Brunnengesellschaft Apetlon (Bezirk Neusiedl am See) sagt, dass der Grundwasserspiegel heuer nur etwas tiefer als sonst sei

Wenig Niederschlag und viele Brunnen
Für diese Entwicklung gibt es zwei Ursachen: Einerseits bleiben im Winter große Niederschlagsmengen seit Jahren aus. Andererseits werden in den Sommermonaten Kulturen wie Mais und Zuckerrüben aus mehr als 5.000 Feldbrunnen mit Grundwasser bewässert.

Als man damals auf diese Kulturen gesetzt hat, habe man im Grunde die Naturlandschaft weitgehend unberücksichtigt gelassen – und die ersten Anzeichen, dass sich das System nicht mehr im Gleichgewicht befindet, seien die Salzlacken gewesen, sagte Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner.

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Die Anzahl der Salzlacken in der Region ist über die Jahre drastisch gesunken
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23.720 Hektar wurden im Jahr 2018 laut Rechnungshof mit Grundwasser bewässert
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Den Großteil der bewässerten Flächen machen Mais- und Weinkulturen aus

Grundwasserstand leicht unter dem Durchschnitt
Josef Kracher ist Winzer und Obmann der Brunnengenossesenchaft Apetlon (Bezirk Neusiedl am See). Der Grundwasserstand sei derzeit etwas tiefer als im Durchschnitt. Kracher sieht eine Hauptursache in den vielen brachliegenden Flächen. Das Gras auf den Wiesen würde das Regenwasser aufnehmen – der Niederschlag gelangt somit nicht mehr in das Grundwasser. Dass die Landwirte mehr Wasser entnehmen als sie dürften, schließt er aus.

Es würden natürlich Jahre vorkommen, wo man einen Monat lang wirklich durchgehend bewässern müsse. Diese seien aber zum Glück noch in der Minderheit – überhaupt, wenn man das heurige Jahr hernehme, wo man zwei Wochen gar nichts bewässern habe müssen, weil es immer wieder Niederschläge gegeben habe. Davon, die Wasserentnahme behördlich zu kontrollieren, hält Kracher nichts. Das wäre ein unnötiger bürokratischer Aufwand.

Fest steht jedenfalls, dass die Versteppung zunimmt. Gab es Mitte des 19. Jahrhunderts noch 130 Salzlacken im Seewinkel, sind es jetzt weniger als 50 und ihre Zahl droht weiter abzunehmen. Um dem entgegenzuwirken, werde es ein Bündel an Maßnahmen brauchen, so Nationalparkdirektor Ehrenfeldner.

25.09.2020, red, burgenland.ORF.at

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