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#41
Imposante Gräberstraße am norischen Limes entdeckt
Während der Ausgrabungen im Gräberfeld von Stollhofen wurde eine Fläche von 7.200 Quadratmetern untersucht
Traismauer, eine Kleinstadt an der Donau im Herzen Niederösterreichs, war in der Antike Teil des norischen Limes und spätestens seit der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts durch die Römer besiedelt. Ab 140/144 ist die Stationierung einer Auxiliartruppe des römischen Heeres, die Ala I Augusta Thracum, inschriftlich belegt. Umgeben war das antike Reiterkastell Augustianis, das sich heute unter der Altstadt von Traismauer befindet, von einer zivilen Siedlung (vicus). Und zu einem Truppenstützpunkt mit anschließendem vicus gehören natürlich auch einige Gräberfelder. Das größte, seit 1925 bekannte Gräberfeld befindet sich circa 800 Meter östlich des Reiterkastells in der Katastralgemeinde Stollhofen. Entsprechend dem römischen Bestattungsbrauchtum wurde es entlang einer der zentralen Ausfallstraßen, der Limesstraße nach Osten in Richtung Carnuntum, angelegt.

Weshalb kam es zu Ausgrabungen am Gräberfeld Stollhofen?
Teile des Gräberfelds von Stollhofen am östlichen Rand der Gemeinde Traismauer wurden im Vorfeld der Errichtung von Wohnhäusern und eines Supermarkts bereits seit den 1970er-Jahren immer wieder archäologisch untersucht. 2020 wurden im bisher unverbauten Bereich erneut Ausgrabungen notwendig, da dort ab 2022 weitere Wohnbauten entstehen sollen.

Diese wurden von September 2020 bis September 2021 durch den archäologischen Dienstleister Novetus GmbH unter der Leitung von Michaela Binder und Dominik Bochatz im Auftrag der Stadtgemeinde Traismauer durchgeführt.


Archäologinnen und Archäologen der Firma Novetus bei der Arbeit in Stollhofen, Traismauer.
Foto: Novetus

Wird eine Ausgrabung durch eine geplante Bautätigkeit veranlasst, spricht man – im Gegensatz zu einer Forschungsgrabung – von einer anlassbezogenen Grabung. Diese machen derzeit etwa 90 Prozent aller in Österreich durchgeführten archäologischen Grabungen aus. Da durch das Bauprojekt archäologische Überreste unwiederbringlich zerstört werden, wird die Fundstelle im Vorfeld nach Richtlinien des Bundesdenkmalamts (BDA) zumeist durch archäologische Dienstleister wie die Firma Novetus untersucht und dokumentiert. Es findet eine Ausgrabung statt, die Funde werden geborgen und konserviert und abschließend ein wissenschaftlicher Bericht verfasst. Die nach einer standardisierten und ebenfalls in den Richtlinien festgelegten Methodik erhobenen Daten sollen es ermöglichen, dass zu einem späteren Zeitpunkt noch immer über die Fundstätte geforscht werden kann, auch wenn diese bereits überbaut ist. Sie müssen dem Denkmalamt vorgelegt werden und werden dort auch archiviert.

Die Ausgrabungen in Stollhofen: Viele Gräber entlang einer Straße
Während der Ausgrabungen im Gräberfeld von Stollhofen wurde eine Fläche von 7.200 Quadratmetern untersucht. Dazu wurde zuerst der Oberboden mit einem Bagger vorsichtig abgezogen und die darunterliegenden archäologischen Befunde, die sich teilweise nur wenige Zentimeter unter der heutigen Oberfläche befanden, anschließend händisch gegraben und dokumentiert. Das Baufeld liegt direkt südlich der Limesstraße, deren Verlauf sich teilweise mit der heutigen B43 deckt und die vor Beginn der Arbeiten auch noch gut im Luftbild sichtbar war. Im Zuge der Ausgrabungen wurde die Straße selbst nicht berührt, dafür aber die direkt an der Straße angelegten Grabbauten und Gräber.


Übersicht über die Grabungsfläche mit den insgesamt 176 dokumentierten Gräbern und Grabbauten.
Foto: Novetus

Bestattungsformen: Brandschüttungsgräber und Urnenbestattungen
Die römischen Bestattungsbrauchtum war strengen Gesetzen und Regeln unterworfen, aber auch von sozialen Faktoren abhängig. Während der ersten Jahrhunderte des Römischen Reiches (circa erstes bis drittes Jahrhundert) wurden die Toten fast ausschließlich verbrannt bestattet. Am häufigsten wurden im untersuchten Gräberfeldabschnitt in Stollhofen Brandschüttungsgräber dokumentiert. Dabei wurde der oder die Tote zuerst an einem kommunalen Verbrennungsplatz kremiert und danach die aus dem Scheiterhaufen ausgelesene Asche, der Leichenbrand, zusammen mit den mit- oder unverbrannten Beigaben und Trachtbestandteilen in eine Erdgrube geschüttet. In einer anderen, ebenfalls häufig beobachteten Grabform wurde der Leichenbrand in einem Behältnis, zumeist einer Urne aus Ton, seltener auch aus Glas oder organischen Materialien, bestattet. Einen Sonderfall eines Bestattungsbehältnisses in Stollhofen stellt eine Holzkiste dar, bei der das Holz zwar nicht mehr erhalten war, die Anordnung der bronzenen Beschläge aber eine Rekonstruktion erlaubte.

Die im archäologischen Befund erhaltenen Grabbeigaben spiegeln die Glaubensvorstellungen, nach denen die Verstorbenen im Jenseits mit ähnlichen Bedürfnissen wie zu Lebzeiten weiterlebten, wider. Dementsprechend finden sich in den Gräbern neben Bestandteilen der Tracht (zum Beispiel Fibeln oder Schuhnägel) und Schmuck oft Gefäße, Speisebeigaben oder Werkzeuge sowie Objekte mit rituellem Charakter wie die kleinen Tier- und Götterfiguren aus Pfeifenton. Eine bei den Römern besonders beliebte und daher auch in Stollhofen vielfach dokumentierte Beigabe waren Öllampen, die den Toten im Jenseits Licht spenden, aber auch böse Geister abwehren sollten. Ein herausragendes Exemplar aus Stollhofen ist hier eine kleine Tonlampe mit angesetztem Pferdchen.


Urnenbestattung mit mehreren Gefäßen und Grabbeigaben in einem Grabbau ...
Foto: Novetus

... und nach der Reinigung und Restaurierung.
Foto: Novetus


Ensemble von Tierfiguren aus einem Urnengrab
Foto: Novetus

Die Grabbauten: Gräber der Elite
Das Grab war aber auch ein Medium zur Demonstration von Macht und sozialer Stellung, daher errichteten Angehörigen der Oberschicht im gesamten Römischen Reich entlang der Überlandstraßen außerhalb der Siedlungen teils monumentale Grabbauten. Gemeinsames Merkmal dieser Bauten waren rechteckige, aus Bruchstein und Mörtel errichtete Umfassungsmauern, welche zwischen vier und 31 Meter lang und circa einen Meter breit waren. Im umfassten Bereich wurden die Toten ebenfalls mit oder ohne Urnen in flachen Gruben beigesetzt. Bei drei Grabbauten (Grabbau 1, 2 und 7) befand sich im Zentrum der Umfassung ein gemauertes Fundament, auf dem wohl ursprünglich ein Grabmonument mit Grabstein und einem Sarkophag oder eine Aschenkiste gestanden war. Diese waren in Stollhofen jedoch nicht mehr erhalten. Im Mittelalter fand massiver Steinraub an den römischen Monumenten statt, sodass diese heute wohl alle in den älteren Gebäuden in Traismauer verbaut sind.


Grabbau mit Steinfundament neben den weniger gut erhaltenen Resten dreier kleinerer Grabgärtchen.
Foto: Novetus

Eine neue Bestattungsform tritt auf: Die Körperbestattungen
Ab dem dritten Jahrhundert, vermutlich unter dem Einfluss der zunehmenden Christianisierung, wird die vorherrschende Brandbestattung von der Körperbestattung abgelöst. Die Toten wurden nun in Abhängigkeit vom sozialen Status entweder in einfachen Erdgruben, unter Ziegelplatten oder in mit Steinen oder Ziegeln ausgemauerten "Kisten" bestattet. Letztere wurden in der Regel für die Bestattung mehrerer Toter genützt und datieren ins vierte bis fünfte Jahrhundert. Gemeinsam mit dem Aufkommen der Körperbestattungen verändert sich auch die Beigabensitte hin zu zunehmend beigabenlosen Gräbern. Daher wurden in den jüngeren Gräbern in Stollhofen nur mehr einfache Glasgefäße oder Münzen gefunden.


Ziegelplattengrab mit …
Foto: Novetus

… und ohne Abdeckung.
Foto: Novetus

Neue Erkenntnisse zu bereits bekannter Fundstelle
Die Auswertungen der großen Menge an Funden und archäologischen Daten, die während insgesamt elf Monaten Grabung angesammelt wurden, ist derzeit noch im Laufen und kann auch nur in Kooperation mit verschiedenen Institutionen gestemmt werden. So nahm sich das Zentrum für Natur- und Kulturgeschichte des Menschen an der Danube Private University in Krems der menschlichen Skelettreste an und wird diese im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts zu spätantiken Bestattungen am Donaulimes in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut in Leipzig auch mittels DNA-Analysen beforschen. Archäologische Forschungen zur Bestattungskultur laufen derzeit bereits in Form einer Masterarbeit am Institut für Archäologien der Universität Innsbruck.

Die Funde, die sich im Eigentum der Stadtgemeinde Traismauer befinden, werden nach Abschluss der Arbeiten wieder dem örtlichen Museum übergeben. Dort sollen sie in Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und gemeinsam mit den ausgesprochen sehenswerten, noch heute erhaltenen baulichen Resten des römischen Kastells Besucherinnen und Besuchern das Leben am Donaulimes näherbringen.
(Michaela Binder, Jasmin Hangartner, 25.11.2021)

Michaela Binder ist Projekt- und Grabungsleiterin bei Novetus GmbH und für Anthropologie, Grabungen, Kommunikation, Forschung, den Betriebsrat und alles mögliche andere zuständig. Derzeit ist sie aber eigentlich in Karenz.
Jasmin Hangartner hat an den Universitäten Zürich und Wien Klassische Archäologie studiert sowie an der Universität Leiden Museum and Collection Studies. Sie interessiert sich für römische Archäologie und Öffentlichkeitsarbeit. Sie arbeitet als Archäologin beim archäologischen Dienstleister Novetus.

Imposante Gräberstraße am norischen Limes entdeckt
 

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#43
Achtung: "Rudersklaven" gesucht: :);):D
Siehe dazu auch Beitrag #36: Nachbau von römischem Flussschiff soll Donau befahren

KREMS, DONAUREGION
Auf Donaufahrt wie zur Zeit der Römer
„Living Danube Connecting Cruise“ will Fluss als verbindendes, europäisches Band sichtbar machen.

NÖN Krems, erstellt am 01. Jänner 2022 | 07:14, Martin Kalchhauser


Auf einem mit den Möglichkeiten der Römerzeit konstruierten und gebauten Schiff werden die Teilnehmer auf der Donau unterwegs sein.
FOTO: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Im Rahmen des Interreg-Projekts „Living Danube Limes“ wird ein römisches Donauschiff aus dem 4. Jahrhundert nach Christus originalgetreu nachgebaut. Ab dem zweiten Halbjahr 2022 wird es die Donau mit authentisch ausgestatteten Crews befahren. Dafür sucht das Projektteam nach abenteuerlustigen Personen, die Teil der Schiffsbesatzung werden möchten.

Die „Living Danube Connecting Cruise“ startet am 15. Juli in Ingolstadt, Deutschland, und endet im November 2022 im Donaudelta. Gefahren wird mit einem römischen Ruder- und Segelschiff aus der Spätantike mit dem Namen „Danuvia Alacris“. Das Schiff wird mit seiner Crew, die aus etwa 18 – 20 Ruderern und einem Führungsteam von vier bis fünf Personen besteht, täglich ca. 40 km zurücklegen. Die Strecken werden teils gerudert, teilweise gesegelt. Unterschiedliche Teams befahren die neun Teilstrecken. Die Besatzung (in römischer Kleidung) wechselt alle zwei Wochen. Entlang der Route gibt es bei ausgewählten Schiffsanlegestellen Feste.

„Living Danube Limes“ baut auf EU-finanzierten Vorgängerprojekten wie „Danube Limes Brand“ und „DANUrB“ auf, um mit möglichst vielen ineinandergreifenden Maßnahmen – etwa geophysikalischen Prospektionen, Virtual Reality-Rekonstruktionen, Museumskooperationen und Veranstaltungen den Donaulimes sichtbar und erlebbar zu machen.

Das Projektkonsortium von „Living Danube Limes“ umfasst 19 universitäre, staatliche und privatwirtschaftliche Projektpartner aus zehn Ländern. Dazu kommen 27 assoziierte strategische Partner aus den Bereichen Archäologie, Altertumsforschung, Technik, Architektur, Virtual Reality, Museumsbetrieb, Tourismuswirtschaft, Kulturgüterschutz und Living History. Das Projekt (Juli 2020 bis Dezember 2022) ist mit rund 3,2 Mio. Euro budgetiert und erstreckt sich von Deutschland bis nach Bulgarien und Rumänien ans Schwarze Meer.

Informationen, Anmeldung: http://www.donau-uni.ac.at/dbu/cruise2022
Auf Donaufahrt wie zur Zeit der Römer
 

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#44
Historisches Projekt: Rudern wie die Römer
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Mit einem originalgetreu nachgebauten römischen Ruderboot wollen Wissenschaftler der Donau-Universität Krems Geschichte sichtbar machen. Im Sommer wollen 200 Freiwillige damit den gesamten Donaulimes entlangrudern – von Bayern bis ins Schwarze Meer.
Online seit heute, 6.10 Uhr
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„Danuvina Alacris“ (auf Deutsch etwa „gut gelaunte Donau“) ist der Name des Holzbootes, das momentan in Deutschland gebaut wird. Als Vorlage dient ein in Mainz entdecktes Schiffswrack aus dem 4. Jahrhundert. „Wir wollen mit dem Bau des Bootes erforschen, wie die Römer ihre Schiffe konstruiert haben“, erklärt Marco Jelusic von der Donau-Universität Krems: „ursprünglich war geplant, dass wir ausschließlich Werkzeuge und Technik verwenden, die es auch vor 1.700 Jahren schon gegeben hat. Das haben wir in weiten Teilen tatsächlich machen können. Durch die Coronavirus-Pandemie kam das Projekt aber in Verzug und jetzt verwenden wir teilweise auch modernes Werkzeug.“

Die Projektbetreiber hoffen, dass das Boot bis Juni fertig und vom TÜV abgenommen wird. „Als erstes werden wir es dann im Wasser untergehen lassen“, berichtet Jelusic, „das ist notwendig, damit das Holz alle Ritzen schließt und das Boot wirklich wasserdicht wird.“

FAU/Giulia Iannicelli
Das römische Ruderboot wird mit historischen Handwerkstechniken gebaut

Mit Muskelkraft bis zum Schwarzen Meer
Für den Bau der „Danuvina Alacris“ wurden 18 Eichen gefällt. Das sechs Tonnen schwere Boot wird 18 Meter lang und 2,8 Meter breit. Der Tiefgang beträgt dennoch nur 70 Zentimeter. 18 bis 20 Ruderer sollen darin Platz finden. „Wenn alles klappt, starten wir am 15. Juli in Ingolstadt in Bayern. Im November sollten wir das Donaudelta beim Schwarzen Meer erreichen“, freut sich Jelusic, „von Montag bis Freitag wird gerudert. Am Wochenende wird es kulturelle Events in Städten entlang der Donau geben, bei dem wir unser Projekt vorstellen.“
Wenn der Zeitplan hält, wird das römische Ruderboot am 27. Juli Wallsee (Bezirk Amstetten) erreichen, am 28. Juli Pöchlarn (Bezirk Melk), am 29. Juli Krems und am 30. Juli Tulln. Am 2. August wird in Klosterneuburg angelegt, am 4. August in Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) und am 5. August in Bad Deutsch-Altenburg (Bezirk Bruck an der Leitha).

FAU/Giulia Iannicelli
Die „Danuvina Alacris“ wird 18 Meter lang, 2,8 Meter breit und sechs Tonnen schwer

„Living Danube Limes“ ist ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt, bei dem die Donau-Universität Krems mit wissenschaftlichen Organisationen, Vereinen und Museen in Deutschland, Tschechien, Ungarn, Kroatien, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Serbien zusammenarbeitet. Das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte entlang des römischen Limes soll gestärkt und erlebbar gemacht werden.

Steuermänner und -frauen werden noch gesucht
Die Teilnehmer des Projekts werden historische Kleidung tragen und ausschließlich Infrastruktur verwenden, die es schon zu römischen Zeiten gegeben hat. Bei der Tour entlang des Limes sollen Gerichte gegessen werden, die nach römischen Rezepten zubereitet werden.

Etwa 200 Ruderer werden benötigt. 300 Männer und Frauen haben sich schon dafür beworben. „Den Großteil des Teams haben wir bereits gefunden“, sagt Jelusic, „uns fehlen allerdings noch erfahrene Steuermänner und -frauen, die mit so einem großen und schweren Boot auch umgehen können. Die Danuvina Alacris hat keinen Motor, die Strömung der Donau ist recht stark. Da muss man vorausschauend navigieren.“ Bewerbungen sind noch über die Homepage des Projekts möglich.

Donaulimes ist UNESCO Welterbe
Der Donaulimes zählt seit 2021 zum UNESCO Welterbe. Die einstige Grenze des Römischen Reichs führt durch Oberösterreich, Niederösterreich und Wien. Neben prominent erhaltenen Baudenkmälern wie etwa dem Heidentor von Carnuntum (Bezirk Bruck an der Leitha) und nach wie vor sichtbaren Überresten von Befestigungsanlagen, etwa in Tulln, Zeiselmauer (Bezirk Tulln) und Traismauer (Bezirk St. Pölten), sind auch im Erdreich verborgene Bodendenkmäler Teil des Welterbes.
05.04.2022, Fabian Fessler, noe.ORF.at

Links:
Historisches Projekt: Rudern wie die Römer
 

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#45
Teilstücke des rund 1.700 Jahre alten Römerstraßennetzes im Dunkelsteinerwald wird heute noch immer zur Holzbringung genützt

Anlässlich der Wanderung zum Seekopf Ende März benutzten wir für die Etappe von Oberbergern zum "Roten Kreuz" den Jakobsweg (Abschnitt Göttweig - Melk), der über weite Strecken die Trasse der Römerstraße von Trigisamum (Traismauer) über Favianis (Mautern) nach Arelape (Pöchlarn) nützt.

Im Bereich der "Sieben Gräber" wurde der ursprüngliche Waldweg leicht verbreitert und neu geschottert um den Abtransport der dort geschlägerten Bäume mittels Fahrzeugen zu ermöglichen:

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Die für die forstliche "Nachnutzung" adaptierte Trasse der rund 1.700 Jahre alten Römerstraße, rechts das Gelände der "Sieben Gräber".

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Ende der Ausbaustrecke - Blick nach Westen Richtung "Rotes Kreuz"...

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...mit den teilweise noch erkennbaren Spurrillen im felsigen Untergrund.

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Hier mühten sich die Fuhrwerke über die Hochfläche des Dunkelsteinerwaldes bzw. verschoben die Römer ihre Soldaten zwischen den Stützpunkten...

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Auf der Hochfläche über dem Donautal - der "Welterbesteig Wachau", der "Jakobsweg" und Forstwege als Nachnutzer der Römerstraße...
(Alle Aufnahmen vom 29.03.2022)
 
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#46
Donaulimes jetzt offiziell UNESCO-Welterbe
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Der von den Römern geschaffene Grenzwall Donaulimes ist in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen worden. Österreich ist auf den knapp 360 Kilometern des Walls mit 22 Teilkomponenten vertreten. Die Urkunden wurden nun überreicht.
Online seit heute, 6.23 Uhr
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Spuren und Erbe der Römerzeit sind entlang der niederösterreichischen Donauregion an vielen Orten zu entdecken. Carnuntum hat eine herausragende Stellung inne, war es doch zur Römerzeit eine Weltstadt mit 50.000 Einwohnern. Denn Carnuntum lag nicht nur an den bedeutendsten Handelsrouten, sondern hatte an der Donau auch eine militärisch wichtige Rolle bei der Grenzsicherung.

Denn die Donau bildete die natürliche Grenze des Imperium Romanum im Gebiet von Bayern, Österreich, der Slowakei, Ungarn und weiter flussabwärts. Die natürliche Flussbarriere wurde zusätzlich militärisch stark befestigt – der Abschnitt dieses Donaulimes, von Bayern bis zur Slowakei, ist im Vorjahr in die Liste der UNESCO Welterbestätten aufgenommen worden. Der Einschreibung gingen über 20 Jahre Vorbereitungsarbeit voraus.

ORF
Am Mittwoch wurde die UNESCO-Urkunde feierlich übergeben

Welterbe-Urkunden an Standorte überreicht
Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Museum Carnuntinum in Bad-Deutsch-Altenburg wurden nun die Welterbe-Urkunden an die Standorte im österreichischen Abschnitt überreicht. In Niederösterreich ist der Donaulimes die inzwischen fünfte UNESCO Welterbestätte neben der Wachau, dem Wildnisgebiet Dürrenstein, Baden und der Semmeringbahn. Eine Auszeichnung, die Verantwortung und Chance zugleich sei, so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beim Festakt: „Verantwortung mit diesem Welterbe sensibel umzugehen und auch sehr viel Geld in die Hand zu nehmen. Aber das machen wir gerne, weil bei einem Welterbe auch eine ganz große Chance drin steckt auf eine internationale Ebene zu gelangen.“ Eine Chance, die sich auch touristisch nutzen lasse.

Die Überreichung der Welterbe-Urkunden an die Donaulimes-Standorte fällt mit einem Jubiläum des UNESCO Welterbes zusammen. Vor 50 Jahren wurde die Idee geboren, Kulturgüter, die von universellem Wert für die Menschheit sind, unter besonderen Schutz zu stellen. Für den Gründungsdirektor Bernd von Droste zu Hülshoff bis heute eine Erfolgsgeschichte: „Nicht nur das alle Staaten mitmachen, nicht nur dass heute 1.154 Güter auf der Liste stehen, sondern es hat sich zum ersten Mal ein internationaler Dialog über den Kulturgüter Schutz abgespielt.“

ORF
Im Museum Carnuntinum werden die römischen Fundstücke von Carnuntum ausgestellt

Neue Ausstellung zeigt Aufstieg Carnuntums
Die bedeutendste Sammlung zum römischen Carnuntum beherbergt das Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg. Das Museum wurde restauriert und auch inhaltlich neu gestaltet. Es reiht sich nun mit einer neuen Dauerausstellung „Weltstadt am Donaulimes“ in die Kette der Limesmuseen in Deutschland, Österreich und der Slowakei ein.

Es zeigt die Entwicklung Carnuntums zu einem der bedeutendsten Zentren des Imperium Romanum anhand noch nie gezeigter Exponate aus den Landessammlungen Niederösterreichs und portraitiert das gesellschaftliche Leben der damaligen Zeit. Römische Kaiser haben sich hier aufgehalten, die Stadt war auch ein attraktiver Ort zum Leben und zum Arbeiten – ein Abbild der römischen Gesellschaft. Viele Bürger haben es zu Reichtum und Wohlstand gebracht.
30.06.2022, Katharina Bernhart, noe.ORF.at
Donaulimes jetzt offiziell UNESCO-Welterbe
 

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#47
Rekonstruiertes Römerschiff nun auf Donau zu sehen
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Als „alte Römer“ verkleidete Menschen, die auf einem originalgetreu rekonstruierten Schiff die Donau hinabrudern, kann man in den kommenden Tagen in Niederösterreich beobachten. Das Schiff wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts rekonstruiert.
Im Rahmen der „Living Danube Connecting Cruise“ ist eine Crew in einem historischen Nachbau eines Schiffs des Typs „Lusoria“ momentan unterwegs. Am Freitag (29. Juli) legt sie in Mautern (Bezirk Krems) an, zwei Tage später ist die „Danuvia Alacris“ bei einem Römerfest in Tulln zu sehen.

Das Schiff ist aus dem vierten Jahrhundert stammenden Funden aus dem deutschen Mainz nachempfunden und wurde teils mit Originalwerkzeugen hergestellt. Gebaut wurde es im Rahmen eines EU-geförderten Forschungsprojekts zum historischen Donaulimes, das von der Donau-Universität Krems geleitet wird. In der Riege der heimischen Partner finden sich u.a. noch das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie und die Universität Salzburg.

Stationen
  • Mautern (28./29.7.)
  • Tulln (30./31.7.)
  • Klosterneuburg (1./2.8.)
  • Durchfahrt durch den Wiener Donaukanal (3.8.)
  • Orth (3.8.)
  • Stopfenreuth (3.8.)
  • Bratislava (5.8.)
Noch bis Anfang August in Österreich
Als Botschafter des „Living Danube Limes“-Projekts schippern wechselnde Teams nun seit einigen Tagen den einst wichtigen Grenzfluss des Römischen Reiches hinunter, wie es in einer Aussendung der Donau-Uni heißt. Der Start erfolgte in Deutschland, dann ging es in Oberösterreich weiter. Noch bis Anfang August wird der heimische Abschnitt befahren. Für den Mittwoch (3. August) ist zum Beispiel eine Fahrt durch den Wiener Donaukanal geplant, bevor man am 5. August dann in die Slowakei wechselt.

APA/ANNA WINDISCHBAUER
Am Freitag legt das Schiff in Mautern an

Das Projekt vereint 19 Unis, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen aus den zehn Donau-Anrainerländern als Partner und wird mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, die Reste des einstigen Donaulimes zu erforschen, zu erhalten und nachhaltig touristisch zu nutzen. Beim Donaulimes handelte es sich um eine einst durchgehende Kette militärischer Festungsanlagen entlang des gesamten südlichen Ufers. Er fungierte auch als wichtige Handelsroute.

Zwei Jahre Bauzeit für sechs Tonnen schweres Holzschiff
Zwei Jahre dauerte der Bau des möglichst originalgetreuen Schiffes. Es hat eine Länge von 18 Metern, bei einer Breite von 2,8 Metern. Die Konstruktion aus Eichen- und Fichtenholz wiegt rund sechs Tonnen. Bis zu 13 Stundenkilometer können mit dem Schiff erreicht werden.

Besetzt ist die „Danuvia Alacris“ mit 18 bis 20 Ruderern und einem vier- bis fünfköpfigen Führungsteam. Täglich will man nun rund 40 Kilometer zurücklegen. Im November soll die Donaumündung in Rumänien erreicht werden. Bis dahin werden insgesamt um die 250 Ruderer aus 15 Nationen in dem spätantiken Nachbau Platz genommen haben.

Die Austro-Etappen bestreiten Teilnehmer aus Österreich, Großbritannien, Belgien, Kroatien, Ungarn, Italien, Deutschland, Spanien und aus der Slowakei. Damit will man den nationenverbindenden Charakter des Projekts entlang der einstigen Trenn- und Verbindungslinie unterstreichen.
29.07.2022, red, noe.ORF.at/Agenturen

Links:
Rekonstruiertes Römerschiff auf Donau zu sehen
 

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#48
Dazu auch Zeitungsberichte über die
„Donauvina Alacris“

von den bereits erfolgten Anlandungen in
Pöchlarn
und Melk


Einen Tag legt die „Danuvina Alacris“ in Pöchlarn an, am nächsten in Melk. Dieses Modell aus dem Archäologischen Museum in Xanten (Deutschland) diente als Vorlage für das Römerschiff des „Living Danube Limes“-Projektes.
Foto NÖN-Bez. Melk

ORF-NÖ.: Update 04.08.2022: Römerschiff als „Donaulimes“-Botschafter
 
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#49
Archäologische Entdeckung
Sensationsfund in Zeiselmauer: Römisches Waffendepot entdeckt
Erstellt am 05. März 2025 | NÖN-Tulln, Monika Gutscher


In einer kleinen Grube wurden elf Speer- oder Lanzenspitzen sowie die Spitze eines Geschosses gefunden.
Foto ARDIG

Bei den aktuellen Arbeiten zur Wasserleitungsverlegung kam ein spektakulärer Fund ans Licht: Ein verborgenes Waffendepot aus römischer Zeit.
Wie schon in den vergangenen beiden Jahren werden auch 2025 die Bauarbeiten durch die Firma ARDIG aus St. Pölten unter archäologischer Aufsicht durchgeführt. Heuer konzentrieren sich die Grabungen auf die Altmanngasse, die Leopoldgasse sowie die Prof.-Dr.-Reuss-Gasse südlich der Schulgasse – Gebiete, in denen schon länger römische Strukturen vermutet wurden. Und tatsächlich: Bereits in den ersten Tagen der Grabungssaison kamen beeindruckende Überreste einer römischen Zivilsiedlung (Vicus) ans Licht. Darunter: Kultur- und Planierschichten, verschiedene Gruben, Pfostensetzungen, ein Backofen, römische Mauern – und völlig unerwartet zwei römische Körpergräber.

Doch der wahre Sensationsfund folgte wenig später: In einer kleinen, sorgsam angelegten Grube stießen die Archäologen auf ein verstecktes Waffenlager. Mindestens elf Speer- oder Lanzenspitzen sowie eine Geschossspitze wurden geborgen. Die genaue Anzahl der Waffen ist noch unbekannt, da der Fund als Block entnommen wurde und erst im Restaurierlabor freigelegt werden muss.

Warum diese Waffen hier vergraben wurden, bleibt vorerst ein Rätsel. Handelt es sich um ein Weihedepot, ein geheimes Versteck oder eine strategische Reserve für unsichere Zeiten? Die endgültige wissenschaftliche Analyse wird hoffentlich Licht ins Dunkel bringen. Schon jetzt steht jedoch fest: Ein solcher Fund ist eine absolute Rarität – und könnte das Wissen über das römische Zeiselmauer „Cannabiaca“ grundlegend erweitern.
Sensationsfund in Zeiselmauer: Römisches Waffendepot entdeckt
 

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#51
Römer ritten größere Pferde als Germanen
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Die Römer haben im heutigen Wien, Carnuntum und anderen Stützpunkten entlang der Donau größere Pferde als zuvor die Germanen gehabt. Laut einer neuen Studie importierten die Eroberer die Tiere aus dem gesamten Römischen Reich, weil ihnen die lokalen Pferde der Germanen zu klein waren.
Online seit gestern 04.09.2025, 11.37 Uhr
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Die Römer brachten die Tiere etwa aus Hispanien, Britannien und Thrakien in die Alpenregion. Die Eroberer züchteten ihre Reit- und Lasttiere wohl gekonnter und ernährten sie besser, denn am Erbgut ist kein Grund für den Staturunterschied zu erkennen, heißt es in der Studie, die nun im Fachjournal „iScience“ erschien.

Die Biologin Elmira Mohandesan untersuchte mit einem internationalen Team Proben von über 40 Pferden aus der späten Eisen- und Römerzeit im nördlichen Alpenvorland morphologisch, studierte archäologische Funde und ging historischen Hinweisen nach. Außerdem führte die Forscherin vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien Erbgutanalysen bei den „Equiden“ (Pferden und Maultieren) durch.

Kleine Pferde der lokalen Stämme galten als ungeeignet
„Die römische Eroberung des nördlichen Alpenvorlands im Jahr 15 vor Christi Geburt markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Region“, so die Forscherin in einer Aussendung: Die römischen Pferde waren nämlich im Durchschnitt deutlich größer als ihre eisenzeitlichen Vorgänger.
„Historische Quellen berichten, dass die Römer die kleinen Pferde der lokalen germanischen Stämme als ungeeignet für den Einsatz in der Kavallerie betrachteten und daher größere Tiere importierten“, so Mohandesan: „Wir konnten aber keine genetische Grundlage für die größere Statur der römischen Pferde identifizieren.“ Stattdessen lag das wohl an einer verbesserten Ernährung, Haltung oder gezielten Zuchtpraktiken.

Pferde aus gesamtem Römischen Reich importiert
Die genetischen Untersuchungen zeigten aber sehr wohl eine gesteigerte Vielfalt unter den Equiden, die dadurch zustande kam, dass die Römer Pferde aus ihrem gesamten Reich einführten, berichtet die Forscherin: „Historische Texte und genetische Beweise bestätigen auch eine klare Unterscheidung in der Verwendung: Männliche Pferde wurden in erster Linie für militärische Zwecke eingesetzt, während weibliche Pferde zivile Aufgaben wie den Transport übernahmen.“

Auch Maultiere, also die Nachkommen von Pferden und Eseln, waren für die römische Logistik unverzichtbar, da sie Güter und militärische Vorräte transportierten, erklärte sie. Laut Studiendaten wurden diese aber nicht lokal gezüchtet, sondern stammten „wahrscheinlich aus spezialisierten Zuchtzentren in Provinzen wie Gallia Belgica (heutzutage etwa Nordfrankreich und Belgien, Anm.) oder Italien.“
05.09.2025, red, science.ORF.at/Agenturen

Römer ritten größere Pferde als Germanen
 

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#52
Auf den Grund gegangen: Unter Wasser auf römischer Spur
Mit Sonartechnik spürt ein internationales Forschungsteam den Spuren des Donaulimes nach um in Albing und Pöchlarn Hinweise auf versunkene Militärlager zu finden
Die Donau fließt seit Jahrtausenden – und hat dabei nicht nur Landschaften, sondern auch Geschichte geformt. An manchen Stellen hat sie ihre Spuren verschluckt: Wo einst römische Kastelle den Strom bewachten, liegen heute Überreste verborgen unter der Wasseroberfläche. Ein Forschungsteam macht sich mit modernster Sonartechnik auf, diese verborgene Welt zu erkunden und neue Einblicke in die römische Vergangenheit zu gewinnen.

Neues Jahr, neue Forschung
Im Winter schläft die Natur, und die Donau zieht ruhig ihre Bahnen. Nebel wabern über das Wasser, nur gelegentlich zerreißen die Wellen von vorbeifahrenden Schiffen die glatte Oberfläche. Perfekte Bedingungen also, um die Stille zu nutzen: Mit dem Sonargerät tasten die Forschenden die Uferbereiche ab, entdecken verborgene Strukturen und spüren der Geschichte unter Wasser nach – dort, wo sie kaum jemand erwartet.


Sonarfahrt bei Pöchlarn
J. Klammer/Forum Donaulimes

Auf den Spuren eines alten Stroms
Die Donau entspringt im südwestlichen Deutschland und durchfließt auf über 2.857 Kilometern zehn Länder, bevor sie im Schwarzen Meer mündet. Ihre zahlreichen Zuflüsse lassen den Strom auf dem Weg zu einer beeindruckenden Naturgewalt heranwachsen. Schon ab dem Zufluss der Iller bei Ulm gilt die Donau heute als schiffbare Wasserstraße.

Auch die Römer erkannten die Vorteile des Stroms. Sie nutzten das einst wilde Fließgewässer nicht nur als natürliche Barriere für ihre Reichsgrenze, sondern bei guten Bedingungen auch als wichtige Verkehrsroute. Im ersten und zweiten Jahrhundert errichteten sie zahlreiche Kastelle entlang des Donaulimes. Im Laufe der Zeit ersetzten Steinbauten die älteren Holz-Erde-Lager, und Wachtürme zwischen den Militärlagern verbesserten Überwachung und Kommunikation.


Ab dem dritten bis fünften Jahrhundert lassen sich deutliche Veränderungen in der Befestigungsarchitektur erkennen: Statt der zuvor innen angebrachten rechteckigen Türme traten nun halbkreisförmige Hufeisen- und Fächertürme auf, die nach außen aus der Lagermauer hervorragten. Innerhalb der Kastelle entstanden sogenannte Reduktionskastelle – kleine, fast würfelförmige "Kleinstlager" innerhalb der eigentlichen Festungsmauern. Auch die spätantiken Wachtürme, die sogenannten Burgi, wurden in dieser Zeit weiter ausgebaut. Viele dieser spätantiken Bauwerke sind in Österreich bis heute gut sichtbar. Sie prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern haben auch nachhaltig die Straßen- und Siedlungsraster zahlreicher Städte beeinflusst.

Dank dieses glücklichen Umstands wurde der westliche Grenzabschnitt des Donaulimes nach über 20 Jahren gemeinsamer Bemühungen von Deutschland, Österreich und der Slowakei 2021 zum Unesco-Welterbe erklärt.


Der Donaulimes in Österreich
J. Klammer/Forum Donaulimes

Römische Lager unter Wasser
Immer wieder erreichte die Donau bei Hochwasser gewaltige Ausmaße. Das führte nicht nur in den Beckenlandschaften, sondern auch an vielen anderen Uferabschnitten zu massiven Veränderungen der Flusslandschaft. Teilweise zerstörte römische Militärlager zeugen noch heute von der Kraft des Wassers: In Österreich fielen neun1 von 17 Lagerstandorten dieser Macht zum Opfer.

Auch die Militärlager in Albing und Pöchlarn blieben nicht verschont. Dieses Schicksal veranlasste Archäologen der Universität Trier, die beiden Orte genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit moderner Sonartechnik erfassten und analysierten sie den Flussboden der Donau, um die verborgenen Spuren der römischen Vergangenheit wieder sichtbar zu machen.


Links: Albing Ausgrabunsplan nach Groller bis 1907: die Hangkante links oben im Bild scheint die Abrisskante zu markieren, der vermutlich die nördliche Lagerecke zum Opfer fiel. Rechts: Kastellplan von Pöchlarn nach Schmid 2020: oben ist die rekonstruierte Ausdehnung des von der Donau zerstörten Steinkastells zu sehen (unten die rekonstruierte Ausdehnung des Holz-Erde-Lagers).
M. von Groller-Mildensee 1905; S. Schmid/Universität München

Trier goes Austria
Die Aufnahmen des Donauuntergrundes entstanden im Rahmen eines fünfjährigen EU-Projekts mit dem Namen STRADA (Grant No. 101001835). Im Mittelpunkt steht die Dokumentation und Untersuchung römischer Verkehrswege – zu Land wie zu Wasser – und deren Verknüpfung mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Römischen Reiches. Das Hauptinteressengebiet des Projekts erstreckt sich vom italischen Kernland, insbesondere der Regio decima im Nordosten Italiens, bis an die Donau.

Ziel des an der Universität Trier angesiedelten Projekts ist es, eine digitale Simulation zu erstellen, welche erste Erkenntnisse zur antiken Berechenbarkeit damaliger Handelswege zu Land und zu Wasser liefern soll. Daher müssen die größeren Zusammenhänge von Land- aber auch Wasserwegen archäologisch rekonstruiert werden. Dazu gehört selbstverständlich auch die Donau, die in römischer Zeit durch ein ausgeklügeltes Überwachungssystem aus Militärlagern und Wachtürmen kontrolliert wurde.

Sowohl die Legionslagerbaustelle in Albing – die nie vollendet wurde und deshalb als einziges "Baustellenlager" unter den römischen Legionslagern gilt – als auch das Kohortenkastell in Pöchlarn haben in ihren Uferbereichen schwere Schäden erlitten. In Arelape, dem römischen Pöchlarn, rissen die Donaufluten sogar mehr als die Hälfte des einst von Steinmauern umgebenen Lagerarels mit sich.

Überall dort, wo die Donau auch heute noch die ehemaligen Lagerareale streift, stellt sich daher die Frage: Liegen unter der Wasseroberfläche noch römische Überreste verborgen? Mit moderner Sonartechnik machten sich die Forschenden daran, diese unsichtbare Geschichte sichtbar zu machen.

Die verborgene Welt der Donau
Manchmal braucht es keinen Hightech-Forschungskreuzer, um der Geschichte auf den Grund zu gehen – buchstäblich. Ein tragbares Sidescan-Sonar, ein wendiges Schlauchboot und ein motiviertes Team mit Kraft, Ausdauer und einer großen Portion Geduld genügen, Flüsse wie die Donau systematisch nach archäologischen Spuren abzusuchen. In parallelen, gleichmäßigen Bahnen gleitet das Boot über das Wasser. Unter ihm breiten sich unsichtbare Welten aus – bis das Sonar fächerförmige Schallwellen aussendet und Unregelmäßigkeiten auf dem Flussgrund erfasst. Am Computer werden diese Echos zu hochauflösenden Mosaikbildern zusammengesetzt: georeferenzierte Karten, die nicht nur Höhen und Tiefen zeigen, sondern auch verborgene Geschichten – von ehemaligen Uferbefestigungen, Brückenpfeilern oder versunkenen Wasserfahrzeugen. Die Methode ist wie ein erster Blick durchs Schlüsselloch: kostengünstig, flexibel und unschlagbar, wenn Taucher im trüben Wasser keine Chanche hätten.


Schematischer Überblick einer archäologischen Sonarbefahrung
M. Fiederling und Ch. Beck; KI: OpenAI. (2025))/ERC STRADA

Albing: Keine Eisschicht, aber eisige Kälte
Der Auftakt der Prospektionskampagne führte ins eiskalte Wasser des Ennskanals bei Albing. Als Startpunkt wählte das Team eine Stelle unmittelbar östlich des Areals der Legionslagerbaustelle. In mehreren präzisen Bahnen ging es stromauf und ab, um den Abschnitt lückenlos zu erfassen.


Sonarbefahrung im Ennskanal bei Albing
E. Thysell/Forum Donaulimes

Trotz der Nähe zum Fundplatz blieb das Sonarbild überraschend unauffällig: keine klaren Spuren menschlicher Eingriffe, nur flache Plateaus in fünf bis sechs Metern Tiefe und ein bis zu acht Meter tiefes Kanalbett. Kleine Inseln aus Schwemmsediment und ein kiesiger Grund deuten darauf hin, dass der Kanal einst ein Donaualtarm war.

Neun auffällige Strukturen wurden verzeichnet – darunter eine bogenförmige Formation von sechs Metern Länge und 2,5 Metern Breite. Aus ihrer Mitte ragt ein rechtwinkliges Objekt hervor. Ein Boot? Vielleicht. Sicher ist das erst nach weiteren Tauchgängen oder Proben.


Sonarbild des mutmaßlichen Wasserfahrzeugs
M. Fiederling/ERC STRADA

Pöchlarn: Sprechende Steine unter Wasser
Ein frostiger Morgen, minus sechs Grad. Nebel liegt über der Donau, Ausrüstung friert an den Händen – und dennoch startet das Forschungsteam wie geplant die Sonarbefahrung vor dem ehemaligen Kastell Arelape. Die Stadtgemeinde unterstützt das Team vor Ort und sorgt dafür, dass alles reibungslos abläuft.


Links: Vertreter der Stadtgemeinde Pöchlarn, des Vereins Forum Donaulimes und des ERC STRADA-Projekts. Rechts: Sonarfahrt von der Erlauf in die Donau.
Stadtgemeinde Pöchlarn, J. Klammer/Forum Donaulimes

Die ersten Sonarbilder liefern überraschende Einblicke: Während westlich und östlich der vermuteten Lagerkante das Flussbett ruhig und homogen wirkt, zeigt sich direkt davor eine Ansammlung von Steinblöcken in unterschiedlichen Größen. Diese Strukturen ziehen sich bis weit in die Flussmitte und könnten auf Materialverlagerungen oder den Einsturz einer römischen Befestigung hinweisen.

Die Befunde werden vorsichtig bewertet: Es könnte sich um Überreste des römischen Kastells handeln – sicher sagen lässt sich das nur mit weiteren Untersuchungen. Geplant sind dafür gezielte Nachbefahrungen mit hochauflösender Technik, etwa Multibeam-Echosoundern, die den Flussboden wie ein 3D-Scanner abtasten und besonders detaillierte Bilder liefern. Außerdem könnten ROVs (ferngesteuerte Unterwasserroboter) eingesetzt werden, die direkt ins Wasser geschickt werden, um die Strukturen aus nächster Nähe zu filmen oder zu fotografieren. So lassen sich die Unterwasserfunde viel genauer erfassen, ohne dass Menschen selbst tauchen müssen.

Schon jetzt zeigen die Aufnahmen: Unter der Wasseroberfläche der Donau liegt Geschichte verborgen. Mit einem tragbaren Side-Scan-Sonar, Geduld und präziser Arbeit eröffnet sich eine Welt, die bisher unsichtbar war. Die Spuren der römischen Vergangenheit in Pöchlarn sprechen – man muss nur genau hinhören.


Das Kastellareal von Pöchlarn und das Sonarmosaik der Befahrung. Die Verdachtszone ist rot markiert.
M. Fiederling und Ch. Beck (QGIS, Kastellumrisse Ployer 2013)/ERC STRADA

Weitere Fundstellen in Noricum
Die Einsätze in Albing und Pöchlarn waren aber längst nicht alles, was das STRADA-Projekt in Österreich unternommen hat. Schon zwei Jahre zuvor hatten die Forschenden die Donau bei St. Lorenz in der Wachau befahren, um das Ufer im Bereich des römischen Burgus zu untersuchen. 2024 folgten in Kooperation mit Stefan Traxler, Archäologe der OÖ Landes-Kultur GmbH, und dem Forum Donaulimes, nationale Management des Unesco-Welterbes Donaulimes in Österreich, weitere Untersuchungen der Donauuferabschnitte in Oberranna, Schlögen und Stein (St. Pantaleon-Erla). Auch die Traun bei Wels, am vermuteten Übergang bei Ovilava, wurde genau dokumentiert. Überall dort half das Sonar, die unter Wasser verborgenen Spuren römischer Verkehrswege sichtbar zu machen.
(Julia Klammer, Max Fiederling, Christian Beck, Eva Thysell, 11.9.2025)

Julia Klammer ist Archäologin und arbeitet beim nationalen Management des Unesco-Welterbes Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes (westlicher Abschnitt).
Max Fiederling ist promovierter Provinzialrömischer Archäologe und arbeitet für den ERC STRADA, der an der Universität Trier angesiedelt ist. Dort beschäftigt er sich mit der Rekonstruktion römischer Wasserwege.
Christian Beck ist promovierter Klassischer Archäologe und arbeitet derzeit für den ERC STRADA, der an der Universität Trier angesiedelt ist. Dort beschäftigt er sich mit der Rekonstruktion der römischen Straßen.
Eva Thysell ist Archäologin und arbeitet beim nationalen Management des Unesco-Welterbes Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes (westlicher Abschnitt).


1 Albing, Stein, Pöchlarn, Traismauer (?), Zwentendorf, Tulln, Wien, Petronell-Carnuntum und Stopfenreuth. Mit Passau wären es zehn Lagerstandorte.

Auf den Grund gegangen: Unter Wasser auf römischer Spur
 
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